Autor Thema: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund  (Gelesen 41274 mal)

Kuddel

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Re: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund
« Antwort #60 am: 11:41:18 Mi. 17.März 2021 »
Zitat
Megadeals mit Rehakliniken, Fusionen von Heimbetreibern: Private Fonds mischen den Pflegemarkt auf – zum Schaden von Patienten und Beschäftigten
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/schwester-heuschrecke

Kuddel

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Re: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund
« Antwort #61 am: 18:50:39 Do. 01.Juli 2021 »
Zitat
Geschlossene Gesellschaft
Immer wieder wird von desolaten Zustanden in Behindertenwohnheimen berichtet. Das sind oft nur Extreme, die Probleme liegen viel tiefer. Und kaum jemand bekommt sie mit.


(...) Experten sprechen seit Jahren von teils unhaltbaren Zuständen in der Pflege. 2017 enthüllte das Team um den Investigativreporter Günter Wallraff, wie Heimbewohnerinnen und Heimbewohner von Pflegekräften misshandelt und gedemütigt wurden. Anfang des Jahres geriet eine Behinderteneinrichtung im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen in die Schlagzeilen: Bewohner des Wittekindshofs sollen ohne richterliche Anordnung eingeschlossen und auf Stühlen fixiert worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 145 Personen, darunter Pflegekräfte, Ärzte und der ehemalige Leiter des Geschäftsbereichs. Dann Ende April: die Mehrfachtötung im Potsdamer Oberlinhaus. Eine Pflegerin soll vier Bewohner und Bewohnerinnen ermordet, eine fünfte lebensgefährlich verletzt haben.

Wer nicht spurt, bekommt Fernsehverbot

Das sind Extreme, deren Hintergründe zum Teil noch nicht aufgeklärt sind. Doch sie lenken den Blick auf die Strukturen dahinter, auf ein Umfeld, das von breiten Teilen der Gesellschaft kaum wahrgenommen wird und Missstände deshalb im Verborgenen hält. "Es gibt Gewalt in diesen Einrichtungen", sagt Marcus Graubner, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (ABiD). "Nicht in allen Häusern, nicht pauschal, aber sie ist leider Alltag. In den meisten Fällen geht psychische, versteckte Gewalt dabei der körperlichen Gewalt voraus." (...)

Aktivisten fordern eine Abschaffung der Heime


Dass das so ist, liegt für Fussek zum einen am Geld. Die Pflege sei ein milliardenschwerer Markt, die Wohlfahrtsverbände und privaten Unternehmen, die die Einrichtungen unterhalten, seien einflussreiche Akteure. "Da traut sich keiner wirklich ran."

Zum anderen mangele es an gesellschaftlichem Engagement. "Das Thema Pflege wird ignoriert", sagt Fussek. "Weil die Gesellschaft es zulässt, dass man alte, kranke und behinderte Menschen an den Rand drängt. Das sind Menschenrechtsverletzungen, die da vor sich gehen, die leider niemanden interessieren."

Für viele Behindertenorganisationen liegt der Fehler im System. "Wenn Menschen in Heimen untergebracht sind, bekommt sie niemand zu sehen", sagt Alexander Ahrens von der ISL. "Das ist das Problem. Wenn die Gesellschaft uns Menschen mit Behinderungen nicht sieht, wird sie uns auch nicht 'mitdenken'. Und diese Dinge können weiter ohne großen Aufschrei geschehen." (...)
Ein guter Artikel: https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-06/potsdam-oberlinhaus-behinderte-morde-ableismus/komplettansicht

ManOfConstantSorrow

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Re: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund
« Antwort #62 am: 13:41:52 Do. 23.Dezember 2021 »
Zitat
Wachstumsmarkt Altenpflege
Steigender Bedarf an Heimplätzen eröffnet Private-Equity-Fonds lukrative Geschäfte. Auf Kosten der Einrichtungen


...So fließe ein zunehmender Teil der vom Staat bereitgestellten Mittel für die Pflege »in die Kassen transnationaler Unternehmen, die damit einen wichtigen Teil der sozialen Infrastruktur in ihren Besitz bringen«, heißt es. Die 20 größten Altenpflegeheimkonzerne kontrollierten bereits mehr als 4.680 Einrichtungen mit mehr als 400.000 Bewohnern, heißt es.

Fondsgesellschaften steigen mit wenig Eigenkapital ins lukrative Geschäft ein, übernehmen Pflegeeinrichtungen und »entziehen ihre mit öffentlichen Geldern erzielten Gewinne der Besteuerung, indem sie ihre Erlöse in Offshore-Zentren verschieben«, so »Investigative Europe«. Nach der Privatisierung wird abgebaut – Personal ebenso wie Pflegequalität. Die Politik lässt diesen Prozess laufen und überprüft das Geschäftsgebaren kaum. ...
https://www.jungewelt.de/artikel/417192.daseinsvorsorge-wachstumsmarkt-altenpflege.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund
« Antwort #63 am: 09:47:18 Di. 08.Februar 2022 »
Zitat
Bericht über Ausbeutung von Klienten in Altenheimen

Recherchen zeigen nach einem Bericht der Junge Welt, dass Orpea, ein weltweit führender Betreiber von Altenheimen, Klienten gnadenlos ausgebeutet haben soll. "Ein Ende Januar erschienenes Buch des unabhängigen Journalisten Victor Castanet entlarvt 'die Totengräber', so der Titel der präzisen Recherchearbeit, die mit kriminellen Methoden über drei Jahrzehnte Hunderte Millionen Euro Gewinn bei den Schwächsten der Gesellschaft abschöpften", heißt es im Bericht der Junge Welt. (https://www.jungewelt.de/artikel/419962.kriminelle-gesch%C3%A4fte-system-der-totengr%C3%A4ber.html )
https://kobinet-nachrichten.org/2022/02/07/bericht-ueber-ausbeutung-von-klienten-in-altenheimen/

Kuddel

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Re: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund
« Antwort #64 am: 10:28:42 Di. 15.Februar 2022 »
Der Artikel verschwindet hinter der Paywall. Die Zeilen der Überschriften sagen bereits viel:

Zitat
Pflegebedürftig

Abgemagerte Bewohner, verzweifeltes Personal, profitgierige Konzerne: Nicht erst seit Beginn der Pandemie herrscht in Deutschlands Altenheimen der Notstand.
https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/die-pflegekatastrophe-e821908/?reduced=true

Nikita

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Re: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund
« Antwort #65 am: 20:13:13 Di. 15.Februar 2022 »
Aus eigener aktueller Erfahrung kann ich sagen, dass es auch monetär sehr gut für die Altenheime ist, Stellen nicht zu besetzen. Schließlich bleiben die Preise die gleichen und die Differenz der nicht besetzten Stellen wird einkassiert statt weitergegeben. Wir reden bei einem Pflegeheimbewohner von Kosten von ca. 4000 Euro pro Monat. Das Pflegeheim, in dem ein Verwandter wohnt, hat in allen Wohnbereichen z.Zt. Coronafälle.
Vor einiger Zeit wurde ein Rausschmeißer-Chef hier in einem Pflegeheim in Bonn engagiert, der die Sozialstation praktisch aufgelöst hat. Die BewohnerInnen wurden kaum noch beschäftigt und hängen nur auf den Zimmern herum. Sehr gute MitarbeiterInnen sind seinetwegen gegangen. Im Hintergrund wird einer zwielichtige Umstrukturierung gemacht. Die Kostentransparenz ist Null. Niemand weiß, wo die Kohle der BewohnerInnen landet. Natürlich ein christliches, evangelisches Heim.