Autor Thema: Feminismus  (Gelesen 56516 mal)

ManOfConstantSorrow

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Feminismus
« am: 19:27:53 So. 25.September 2011 »
Die Linke Bewegung muß sich selbst kritisieren um sich zu verändern, um in sich ändernden Verhältnissen nicht überflüssig zu werden und unterzugehen.

Ich habe die Frauenbewegung stets als wichtigen Teil einer Bewegung zur Befreiung des Menschen von knechtenden Strukturen und Traditionen gesehen.

Frauen hatten sich auch gegen den Machismo der Linken Szene durchzusetzen. Doch der Feminismus hat sich derart etabliert und in seiner heutigen Form seine ursprünglichen Grundsätze verraten, wie die Grüne Partei die Grundsätze der grünen Bewegung.

Der Feminismus in seiner heutigen Form müßte von Frauen kritisiert werden. Es ist doch wenig angebracht, daß ein Typ das übernimmt. Oder habe ich eine Kritik von innen schlichtweg verpaßt?

In den 70ern lagen viel Themen für die Bewegung auf der Hand, §218, kein Zugang zu verschiedenen Berufen, eine sexistische Polizei und Justiz nach Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen.

In den 80ern ging es los. Ewigkeiten verbrachte man mit dem Streit, ob es nun Lesben- und Frauenwoche oder Frauen- und Lesbenwoche heißen soll. Und begann auch jede Menge reaktionärer Scheiß. Es wurde gefordert Kinder strikt nach Geschlechtern getrennt zu unterrichten. Mit sowas sind nichtmal katholische Nonnen an die Öffentlichkeit getreten. Alice Schwarzer forderte: "Frauen in die Bundeswehr!"

Frauenwochen, so sie überhaupt noch irgendwo stattfinden, sind keine politischen Werkstätten und Manifestationen mehr, sie sind hochprofessionell organisierte Events mit Bauchtanz und Auftritten weiblicher Ethnobands, auf denen sich Architektin, Therapeutin und Designerin bei einem Prosecco unterhalten läßt. Der organiserte Feminismus hat einige öffentlich finanzierter Jobs geschaffen, um die jetzt gerungen wird. Man kämpft nur noch für sich und hat dabei nichteinmal mitgekriegt, daß in dieser Gesellschaft Frauen noch immer 20-30% weniger Lohn kriegen. Für Krankenschwestern, Fisörinnen und Verkäuferinnen kümmern sich diese Frauen, die über Gender-Mainstreamingscheißdreck promovieren oder Sozialpädaginnen wohl wenig.

Das Thema mußte ausgerechnet von den wenig progressiven Gewerkschaften an die Offentlichkeit gebracht werden. Ein politischer Offenbarungseid der Frauenbewegung. Aber inzwischen schreibt Alice Schwarzer auch als Kolomnistin für die BILD Zeitung.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Rappelkistenrebell

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Re:Feminismus
« Antwort #1 am: 16:02:55 Di. 27.September 2011 »
Zu dieser Thematik ist dieses Buch sehr empfehlenswert:
 Monika Gärtner-Engel:Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau

Die Frauen haben insbesondere durch ihre Einbeziehung in die gesellschaftliche Produktion und in verschiedenen gesellschaftlichen Bewegungen ein neues Selbstbewusstsein herausgebildet. Das hat den Kampf um ihre Befreiung wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

 
 
Mit ihrer Streitschrift wollen die beiden Autoren einen Beitrag zu dieser gesellschaftlichen Diskussion leisten. Sie ergreifen dabei konsequent Partei für die Befreiung der Frau in einer von Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Gesellschaft.


Hier mal n Link zum Buch bei Amazon

http://www.amazon.de/Neue-Perspektiven-f%C3%BCr-Befreiung-Frau/dp/3880212848/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1317132018&sr=1-1


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ManOfConstantSorrow

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Re:Feminismus
« Antwort #2 am: 17:37:41 Do. 29.September 2011 »
Zitat
Zu dieser Thematik ist dieses Buch sehr empfehlenswert
Man kann es sich auch leicht machen... ::)
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

kanuppke

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Re:Feminismus
« Antwort #3 am: 18:05:43 So. 02.Oktober 2011 »
Zu dieser Thematik ist dieses Buch sehr empfehlenswert

Ich vermute, du hast dieses Buch gar nicht gelesen.

Eivisskat

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Re:Feminismus
« Antwort #4 am: 18:32:16 So. 02.Oktober 2011 »
Zitat
Mädchen in Rosa

Von Anja Röhl

Heute, wohin ich auch blicke: Mädchen in Rosa, alle kleinen Mädchen, von 0 – 12, 13, bis 16, 17 hält das meist an, tragen Rosa, sei es als Streifen in den Schuhen, in den Söckchen, als Strumpfhose, Pullover, Kleidchen, Rock, Hemd, Unterhose, einfach überall, in der Bettwäsche, im Waschlappen, Mädchen sind uniformiert, würde man in einer X-beliebigen Schule alle Mädchen auf der einen Seite des Schulhofs sich versammeln lassen, so würde man ein Meer von rosanen Farben in allen Schattierungen sehen.

Dabei ist Rosa eine Unfarbe, ein vorgeschriebenes Muster, was angeblich alle freiwillig wählen, weil „kleine Mädchen Rosa so lieben“, in Wahrheit eine durch Werbung und Industrie produzierte gesellschaftliche Zuschreibung für Mädchen als Glitzergegenstand, als Zierde und Püppchen, als Barbie, rosa Symbol für Zartheit, eine Farbe von der Jungen sagen: IIIIIhhh – Mädchenfarbe !!!!

Rosa bringt Jungen dazu, Mädchen als nicht zugehörig anzusehen, bringt sie dazu, mit Mädchen nichts Abenteuerliches machen zu können, denn rosa kann schmutzig werden, rosa muss geschont werden, Rosa ist niedlich, Rosa ist süß, Rosa erfüllt Äußerlichkeit, Ausstellungszweck, Rosa bedeutet weibliche Rollenzuschreibung, Rosa zementiert Ungleichheit, Rosa diskriminiert. Mädchen, die Rosa ablehnen, scheint es in Deutschland kaum noch zu geben und da sie in der Minderheit sind, werden sie schon schief angeguckt.

Woher dieser Rückschlag? 1980 schien Rosa und Hellblau schon mindestens zehn Jahre out zu sein, nur hoffnungslose Spießbürger wählten für Baby- gar für Kindersachen noch die altmodischen Geschlechterfarben, woher die Rückkehr dieser entsetzlichen Gewohnheit, die wir unseren Großeltern zuschrieben, aber niemals gedacht hätten, sie bei unseren Enkeln wiederzufinden?

Unsere Farben waren bunt, kräftig, bestanden aus Grundfarben: rot, blau, gelb, orange, grün, lila und ihrer Mischpalette, unsere Kinder wollten wir nicht ab Babyalter in von der Gesellschaft bestimmte Geschlechterrollen hineinpressen, sie sollten sich ihre Identität frei und auch mal rollenkritisch wählen dürfen, Jungen durften bei uns auch mit Puppen spielen, Mädchen mit Bauklötzern, Mädchen durften auch Abenteuer erleben, darüber lesen, mit dabei sein, Mädchen-Vorbilder waren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter. Zukünftig sollten auch Mädchen arbeiten und selbstständig sein. Unterordnung und Hausdame war passe´.

Heute saust die Welt im US/EU-amerikanistischen Globalisierungswahn mit Meilenschritten zurück in die Vergangenheit, Barbi ist „in“ und Barbi trippelt auf Laufstegen und sieht schön aus, in rosa. Vergessen Gleichberechtigung, vergessen öffnung der allgemeinen Männerwelt draußen auch für Frauen, Barbi konzentriert die Mädchen wieder auf Modepuppe, was auch praktisch ist, denn man braucht mehr als die Hälfte der Menschheit nicht mehr, was sollen uns da auf dem Arbeitsmarkt noch die Frauen!

Die brauchen wir dafür aber zur Ablenkung unserer gefrusteten Männchen, da sie draußen kaum noch etwas gelten, müssen sie wenigstens zuhause eine Rolle spielen, müssen sich über die hilflosen Püppchen erhaben fühlen, geistig sowohl als auch körperlich, sollen immer freundliche Gespielinnen haben, die ihnen das Leben versüßen und haben überhaupt nur zugeschriebene und angewiesene, von anderen festgesetzte Funktionen zu erfüllen, alles ganz freiwillig, versteht sich.

Es steht traurig um die Gleichberechtigung im Jahre 100 nach Einführung des internationalen Kampftages für die Rechte der Frau, Frauen sind die Hälfte der Menschheit, keine Minderheit, sie werden aber versteckt, verprügelt, klein und kurz gehalten und lediglich als Ausstellungsstücke in rosa dürfen sie sich öffentlich zeigen. Frauen haben in den Führungsetagen sämtlicher Berufe nur 1-2 % inne, wie kann da von Gleichberechtigung gesprochen werden?

Die Besonderheit in unserer Gesellschaft ist die, dass diese Dinge alle so angeblich freiwillig übernommen werden, denn man kann ja hingehen und andere Sachen kaufen. Aber sind Sie schon mal an einem Fußballweltmeistertag ohne Fußballbemalung durch die Straßen geradelt, ich ja, es ist nicht einfach Nonkonformist zu sein.

Bei den Frauen müssen wir also den Rückschritt aufhalten, während alle uns was vom Fortschritt erzählen, der angeblich erreicht wurde. Dies müssen wir besonders den Jugendlichen erzählen:

Boykottiert rosa! Boykottiert konservative Rollenmuster, kämpft um euer Recht auf eine Arbeit in allen Bereichen, nicht nur im Friseur-, Pflege- und Kindererziehungsbereich, kämpft aber auch darum, im Privatleben nicht als Püppchen benutzt zu werden, kämpft um eure Würde und Achtung als gleichwertige Menschen.


Quelle: http://www.scharf-links.de/ am 01.10.11


Zitat

Gleichstellung...und die Verhinderer

2008 hatte die damalige Frauenministerin ein Gutachten in Auftrag gegeben: Welche Gesetze verhindern die Gleichstellung? Jetzt liegt die 226-Seiten-Expertise vor – aber die interessiert die aktuelle Frauenministerin nicht.

Als Ursula von der Leyen noch Frauenministerin war, betrachtete sie irgendwann mit der ihr eigenen Stringenz die deutschen Gesetze und runzelte die Stirn. Was nützt ein neues Unterhaltsrecht, das Frauen zu durchgehender Erwerbstätigkeit anhält, wird sich die Mutter von sieben Kindern gefragt haben, wenn auf der anderen Seite das Steuerrecht das genaue Gegenteil bewirkt, nämlich: via Ehegattensplitting die Hausfrauenehe fördert und zementiert? Vermutlich fiel der jetzigen Arbeitsministerin auch auf, dass junge Frauen zwar die besseren Schulabschlüsse machen, sie aber gleichzeitig den Löwenanteil der miserabel bezahlten Minijobber stellen.

Es gibt also ein Problem. Emanzipationspolitisch relevante Gesetze hebeln sich gegenseitig aus. Weil sie sehr unterschiedliche Leitbilder zur Grundlage haben: Mal die erwerbstätige Frau, die ihre Existenz eigenständig sichert – mal die Hausfrau bzw. die „Zuverdienerin“. Also gab Frauenministerin von der Leyen im Juni 2008 ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag, das prüfen sollte: Wo gibt der Staat in der Gleichstellungspolitik widersprüchliche Signale? Ziel: eine „Gleichstellungspolitik aus einem Guss“.

Wenig später wurde gehandelt: Eine Sachverständigenkommission, bestehend aus drei Professoren und sechs Professorinnen verschiedener Disziplinen begann mit der Arbeit. Unter Vorsitz von Prof. Ute Klammer vom „Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik“ der Uni Duisburg-Essen durchforsteten die WissenschaftlerInnen zwei Jahre lang die deut- sche Gesetzgebung, wälzten Studien und führten Interviews mit ExpertInnen.

Die Bilanz der ExpertInnen fiel, wie befürchtet, kritisch aus: „Der Mangel an Konsistenz führt dazu, dass gleichzeitig Anreize für ganz unterschiedliche Lebensmodelle gesetzt werden oder dass oft die Unterstützung in der einen Lebensphase abbricht oder in eine andere Richtung weist“, rügt die Kommission. Es besteht also, wie es in der Politik so schön heißt, Handlungsbedarf.

Ursula von der Leyens Nachfolgerin allerdings scheint das anders zu sehen. In der Stellungnahme, die die Bundesregierung erst ein halbes Jahr nach Abgabe des Berichtes verlauten ließ, heißt es lapidar: „Die Bundesregierung teilt nicht alle aus dem Bericht erwachsenen einzelnen Schlussfolgerungen.“ Welche Schlussfolgerungen genau die Bundesregierung nicht teilt, wird allerdings nicht klar.


http://www.emma.de/ressorts/artikel/politik/die-verhinderer/

Rappelkistenrebell

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Re:Feminismus
« Antwort #5 am: 16:54:06 Do. 06.Oktober 2011 »
Lieber Freund Kanuppke,
ich habe dieses Buch nicht nur gelesen,sondern ich habe damals sogar in der Schule ein Referat darüber gehalten!

Aber ich Danke für Deine Unterstellung! ::)
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zak

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Re:Feminismus
« Antwort #6 am: 00:36:30 Mi. 07.Dezember 2011 »
Mit steigender Bildung steigt auch der Grad der Individualisierung und damit die Anzahl der Meinungen. Dies war schon lange ersehnt, selbst als die Anpassung blühte.

Wieder ein Preis der Vereinzelung der bezahlt werden muß, aber nicht teuer.

Gemeinsame Nenner fehlen, dafür waren die Zähler in der Mehrheit. Mit steigendem Mangel an Fachkräften und der damit einher gehenden Qualifikation für alles mögliche nimmt auch die Befähigung zur differenzierten Betrachtung von relevanten Themen ab und die Besinnung auf banale Angelegenheiten findet einen Neuanfang.

Diese haben zwar, jedenfalls meistens, ihre Zeit in sich und die unmittelbar nachfolgende über sich, aber die Chance, gemeinsame Nenner zu finden steigt dadurch natürlich. Gemeinsame Nenner sind aber eine Grundvoraussetzung um gemeinschaftlich erfolgreich zu sein und etwas zu erreichen. Das gemeinsam Abgeleitete gibt sich als bindend, als schlechhin geltend, statt das Nirgendwo der Vernunft erscheint ihr ablesbares Überall und zählt sich selbst.

Es besteht also noch Hoffnung.

Die Änderung der gesellschaftlichen Strukturen wird also nicht von oben sondern bildungstechnisch von unten statt finden. Doch tritt der Überschuss im femininen Weltbild hinzu, jener Frauenstolz vor Männerbildung, der mit der Ideologie für freie Konkurrenz und Individualität nie ganz zusammenfiel. Nicht der Aufstand der Weberknechte wird einen Neuanfang einläuten sondern die Chancenlosigkeit der schlecht gebildeten Jugend und der joachitisch-taboritische Geist aus dem Täufertum in der hochtechnisierten und studierten Welt dieser Tage.

Wozu also diskutieren und streiten ? Lassen wir den Dingen ihren Lauf und alles wird in geordnete Bahnen finden und zu einem guten Ende führen.

Das musste mal gesagt werden.

schwarzrot

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Re:Feminismus
« Antwort #7 am: 09:25:52 Mi. 07.Dezember 2011 »
..Deine these vom geruhsamen abwarten wär ja prima, wenn es denn wirklich diesen 'facharbeitermangel' geben würde.
Wenn wir aber vom herrschenden kapitalismus ausgehen, in denen das angebot den preis bestimmt und der preis von facharbeitern nicht gestiegen, sondern in den letzten jahren (wie bei allen löhnen) gefallen ist, gibt es ergo auch keinen 'facharbeitermangel'.
Dies bestätigen auch alle (seriösen = nicht von Ede Sinn 'IFO', INSM, Bertelsmann, BDI,... lancierten) untersuchungen.
(auch in CD findest du etliche threads, die das dokumentieren)
Die neue 'greencard'-nummer dient wie jede anwerbung von ausländischen arbeitskräften, der lohnsenkung, nicht dass es es überhaupt einen 'mangel' hier gäbe, noch dass diese arbeit nicht anders (zu besseren konditionen) gemacht werden könnte.  >:(
Daneben ist abziehen von ausländischer intelligenz um sie hier als billigkonkurenz einzusetzen, zusätzlich eine ganz miese nummer, weil dieser staat dadurch sich die ausbildungskosten dieser, von (teilweise) entwicklungsländern/schwellenländern bezahlen lässt.
Dies verschärft ausserdem den wissensabzug von ländern, die diese fachkräfte eigentlich dringender bräuchten als 'unser' verelendungssystem hier.

Ob ich deine thesen über 'feminismus= individualisierung, vereinzelung und verschärfte konkurenz' teilen möchte, weiss ich auch noch nicht.
Aber vielleicht hab ich dich da ja auch falsch verstanden.
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht

zak

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Re:Feminismus
« Antwort #8 am: 12:31:17 Mi. 07.Dezember 2011 »
Zitat
Aber vielleicht hab ich dich da ja auch falsch verstanden.

Mit Sicherheit, denn ich versteh mein Gesabbel auch nicht. Wollte mich im Theoriebereich zu später Stunde dodsabbeln, hat aber irgendwie nicht geklappt...  :'(;D

Efeu

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"Netter" Sexismus
« Antwort #9 am: 15:24:50 Fr. 03.Februar 2012 »
Zitat
"Netter" Sexismus

Sozialpsychologin Julia Becker: "Feministinnen sind für angepasste Frauen eine Bedrohung ihres Weltbildes."

Warum haben Frauen so kleine Hände? Damit sie besser in den Ecken putzen können! Über solche Witze lachen nicht nur Männer, sondern kichern auch Frauen. Warum? Die Sozialpsychologin Julia Becker, 32, wollte es genau wissen. An der Philipps-Universität in Marburg führte die Wissenschaftlerin einige Studien durch über "Die Internalisierung von Sexismus bei Frauen". Die Ergebnisse sind nachdenkenswert, vor allem für Frauen.

Fangen wir vorne an: Was verstehen Sie denn unter Sexismus?
Julia Becker: Sexismus ist eine negative Einstellung oder Verhaltensweise gegenüber einer Person aufgrund ihres Geschlechts. Er kann sich gegen Frauen und Männer richten – Frauen sind aber schon immer stärker davon betroffen gewesen. Sexismus muss übrigens gar nicht feindselig sein. Er beginnt da, wo bestehende Geschlechterhierarchien künstlich aufrechterhalten werden.

Deshalb unterscheiden Sie in feindlichen und wohlwollenden Sexismus.
Genau. Feindlicher Sexismus ist vor allem Männersache. Frauen stimmen vorwiegend wohlwollendem Sexismus zu. Im Berufsleben begegnet uns eher der feindliche Sexismus. Der richtet sich gegen Frauen, die mit traditionellen Rollenmustern wie Hausfrau oder Mutter brechen. Im Alltag und in Paarbeziehungen finden wir vor allem den wohlwollenden Sexismus.

Zum Beispiel?
„Frauen müssen von Männern umsorgt und beschützt werden“ – das ist ein Klassiker für wohlwollenden Sexismus. Oder auch: „Frauen sind das bessere Geschlecht, sie haben mehr Sinn für Kunst und Kultur, sie sind feinfühliger, sie können sich besser um die Kinder kümmern“. Auch das ist sexistisch. Denn alle diese Attribute sind nicht mit Macht und Status verknüpft. Sie weisen Frauen eher einen geringeren Status zu. Frauen sind angeblich moralisch überlegen und fürsorglich, warmherzig und kreativ. Aber diese Eigenschaften werden nicht mit Kompetenz und Durchsetzungsvermögen in Verbindung gebracht. Frauen sind „gut“ zu anderen und deshalb bleiben sie in der Defensive. Sie können nicht einfach sagen: Heute beschütze ich mal meinen Mann.

Und feindlicher Sexismus?
Sätze wie „Frauen sind nicht so kompetent, wie Männer und deshalb haben Männer einen höheren Status verdient“ oder „Frauen wollen Männer doch nur dominieren“ sind Beispiele für feindlichen Sexismus. Ebenso: „Frauen versuchen sich unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung persönliche Vorteile zu verschaffen.“

Was ist denn für Sie das überraschendste Ergebnis Ihrer Forschung?
Dass es nicht nur Frauen gibt, die wohlwollendem, sondern auch solche, die offen-feindlichem Sexismus zustimmen. Dieser Beobachtung bin ich im Detail nachgegangen. Dabei habe ich herausgefunden, dass sie diese feindlichen Aussagen keineswegs auf sich selbst oder auf die Frauen im Allgemeinen beziehen. Nein, sie zielen damit immer auf Feministinnen und Karrierefrauen. Wenn sie also zum Beispiel der Aussage „Frauen wollen doch nur mehr Macht als Männer“ zustimmen, dann denken sie dabei an Feministinnen und nicht an sich selbst.

Und warum ausgerechnet diese beiden Gruppen?
Na ja, die Rollenaufteilung in vielen Beziehungen sieht heute noch immer so aus: Der Mann macht Karriere und ist der Hauptverdiener. Die Frau hört auf zu arbeiten, sobald die Kinder da sind und nimmt danach einen Teilzeitjob an. Eine traditionelle Familienaufteilung also. Karrierefrauen oder Feministinnen brechen mit dieser Tradition, sie sind non-konform. Und das kommt bei eher traditionellen Frauen nicht so gut an, weil sie non-konforme Frauen als Bedrohung ihres Weltbildes wahrnehmen.

Steht der Feminismus deshalb bei Frauen in einem ständigen Rechtfertigungszwang?
Ja. In der Psychologie heißt das „Systemrechtfertigung“: Menschen streben danach, nicht nur sich selbst und ihr Umfeld positiv wahrzunehmen, sondern auch das gesellschaftliche System, in dem sie leben. Selbst wenn Frauen heute nach wie vor in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und weniger verdienen, streben vor allem traditionell eingestellte Frauen danach, diese Aufteilung trotzdem als fair und gerecht anzusehen. Dafür benutzen sie legitimierende Ideologien. Sexismus ist eine davon. Klar, wenn ich davon ausgehe, dass Frauen und Männer aufgrund ihrer Geschlechterzugehörigkeit völlig unterschiedlich sind, kann ich damit auch die fehlende Gleichberechtigung rechtfertigen.

Welche Weltbilder werden denn geschützt?
Viele Frauen und natürlich auch Männer sind der Ansicht, dass sich Frauen und Männer ergänzen, dass Frauen besser in der Kindererziehung sind und Männer besser im Berufsleben. Das Weltbild dieser Menschen wird natürlich angegriffen, wenn sie sehen, dass andere ihr Kind schon früh in den Kindergarten geben oder vom Vater aufziehen lassen.

„Frauen wollen doch gar keine Karriere machen“ – wäre das auch wohlwollender Sexismus?
Das ist eher ein Beispiel für modernen Sexismus. Die Annahme, dass Frauen heute gar nicht mehr diskriminiert sind. Ein Argument, um die bestehenden Ungleichheiten in der Wirtschaft zu rechtfertigen: Männer sind in einflussreicheren Positionen und verdienen mehr Geld. Daran sind die Frauen selbst schuld. Sie wollen ja gar keine Karriere machen.

Eigentlich dachten wir doch, die Zeit solcher Sprüche sei vorbei.
Das stimmt. Es ist aber auch erwiesen, dass solche Einstellungen besonders in Bedrohungssituationen sichtbar werden. Nehmen Sie eine Arbeitsgruppe in einem männlich dominierten Arbeitsfeld. Zum Beispiel im gehobenen Management, in dem es mehr Männer als Frauen gibt. Studien zeigen, dass Männer mit Sexismus reagieren, wenn nach und nach Frauen dazukommen. Sie aktivieren die Stereotype aus Selbstschutz, zum Erhalt ihrer Stellung.

Warum stimmen denn Frauen diesem wohlwollenden Sexismus überhaupt zu?
Es handelt sich schließlich um eine Wertschätzung, wenn einem per se positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Viele Frauen mögen es, beschützt zu werden. Sie lieben Komplimente. Das sind alles Annehmlichkeiten, die sich im Kleinen gut anfühlen und im Großen Schaden anrichten. Die positiven Emotionen steigen an. Damit steigt die Systemrechtfertigung. Und dann denken Frauen, dass die Gesellschaft Frauen und Männer fair behandelt und die Aufteilung der Macht zwischen ihnen gerecht ist. Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene hält dieses Wohlwollen allerdings Geschlechterstereotype aufrecht. Ich habe zum Beispiel herausgefunden, dass Frauen, die wohlwollendem Sexismus ausgesetzt sind, weniger dazu bereit sind, an kollektiven Aktionen für mehr Gleichberechtigung teilzunehmen. Beim feindlichen Sexismus ist das anders! Der macht eher wütend und erhöht die Bereitschaft.

Das heißt, wohlwollender Sexismus lullt ein?
Genau.

Warum machen Frauen sich selbst mundtot?
Weil sich Wohlwollen wie eine Belohnung anfühlt. Das ist das Gefährliche. In einer Studie haben Forscher zum Beispiel nachgewiesen, dass Frauen im Lösen von Denkaufgaben schlechter abschneiden, wenn sie vorher mit wohlwollendem Sexismus konfrontiert wurden. Das aktiviert die schon erwähnten Stereotype: Frauen sind nett aber nicht kompetent. Das beeinflusst die Frauen unbewusst und ihre Leistung nimmt ab.

In ihrer Forschungsarbeit schreiben Sie, dass Frauen Sexismus auch zustimmen, um dazuzugehören.
Es gibt eine andere Studie, in der Frauen mit folgendem Szenario konfrontiert werden: Sie sitzen in einem Raum mit Männern und einer macht einen sexistischen  Kommentar. Die Frauen werden gefragt: Was würdest du machen? 80 Prozent geben an, dass sie sich sofort wehren und den Mann auf sein unangemessenes Verhalten hinweisen würden. Das gleiche Szenario wurde dann tatsächlich hergestellt – und nur 15 Prozent der Frauen haben sich gewehrt. Genau das ist die Ursache, warum Sexismus nicht verschwindet: Die wenigstens sagen etwas dagegen, obwohl sie sich unwohl fühlen. Viele Frauen haben Angst, bei Kritik als kompliziert oder humorlos zu gelten. Sich gegen Sexismus auszusprechen, wird bis heute sozial sanktioniert. Sich als Feministin zu outen ebenso.

Erleben wir derzeit einen Backlash in Sachen Sexismus?
Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um einen Backlash handelt oder ob Sexismus immer latent da war. Ich glaube, dass Feministinnen oder eigentlich alle selbst bewussten Frauen oft übersehen, was beim Rest der Gesellschaft außerhalb ihres Milieus los ist.

Ernten Sie denn auch Kritik für Ihre Forschungsarbeit?
Ja, sogar häufig. Besonders wohlwollender Sexismus ist kein prominentes Forschungsgebiet. Viele sagen: Sexismus spielt für Frauen heute keine Rolle mehr. Oder: Heute werden Männer diskriminiert, zum Beispiel durch Frauen-Quoten.

Sie beschäftigen sich ja auch mit Auswegen aus dieser Sexismus-Falle. Wo sind die?
Besonders subtiler und wohlwollender Sexismus wirkt auf viele Frauen und Männer gar nicht sexistisch. Dagegen hilft eine stärkere Sensibilisierung. Auch von Frauen. Aufklärung ist wichtig. An Schulen gibt es Projekte für Integration und gegen Gewalt. Warum nicht gegen Sexismus? Kinder sollten schon früh lernen, wie negativ die Konsequenzen sind. Ich habe einmal Studentinnen Tagebücher ausgehändigt, in denen sie eine Zeit lang sexistische Erfahrungen notieren sollten. Das hat sie nicht nur für das Thema sensibilisiert. Sie haben sexistischen Äußerungen danach auch weniger zugestimmt.

Und auf der individuellen Ebene?
Alltägliche Verhaltens- und Denkweisen hinterfragen! Ist das sexistisch gewesen? Wenn eine Frau diese Frage mit „Ja!“ beantwortet, würde ich ihr dazu raten, sofort zu reagieren. Zu sagen: Das passt mir nicht! Oder nachzufragen: Wie hast du das denn gemeint? Humor ist auch immer gut. Frauen neigen dazu, in dem Moment selbst nichts zu sagen – und danach die ganze Zeit darüber nachzudenken. Es gibt nur einen Weg, dieses Nachgrübeln zu unterbinden: Sofort reagieren. Das hat sogar positive Effekte! Meine Untersuchungen haben nämlich auch gezeigt, dass Frauen so auf andere aufrichtiger, cleverer und sozial kompetenter wirken. Auch auf Männer.

EMMA Frühling 2011 - Das Gespräch führte Alexandra Eul.

http://www.emma.de/ressorts/artikel/sexismus/netter-sexismus/

Feminism is the radical notion that women are people.

neophyte

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Re:Feminismus
« Antwort #10 am: 14:49:53 Sa. 04.Februar 2012 »
2008 hatte die damalige Frauenministerin ein Gutachten in Auftrag gegeben: Welche Gesetze verhindern die Gleichstellung? Jetzt liegt die 226-Seiten-Expertise vor – aber die interessiert die aktuelle Frauenministerin nicht.

...

Die Bilanz der ExpertInnen fiel, wie befürchtet, kritisch aus: „Der Mangel an Konsistenz führt dazu, dass gleichzeitig Anreize für ganz unterschiedliche Lebensmodelle gesetzt werden oder dass oft die Unterstützung in der einen Lebensphase abbricht oder in eine andere Richtung weist“, rügt die Kommission. Es besteht also, wie es in der Politik so schön heißt, Handlungsbedarf.

Zensuschi von den Laien, die charakterblonde aber ambitionierte künftige Bundesmerkel als Vorbild für das Streben der Frauen nach Emanzipation und Freiheit … das war jetzt ein Witz, oder?

Das mit den widersprüchlichen Gesetzen ein klassisches Überregulierungsphänomen. Je mehr Gesetze es gibt (und es werden ja immer mehr neu gemacht als alte aufgehoben), desto mehr Inkonsistenzen finden sich darin. Einfach weil Regierungsmehrheiten einfach durch Zeitablauf wechseln. Das ist in Rechtsbereichen mit hoher legislativer Aktivität (Steuerrecht, Sozialrecht) sogar besonders deutlich zu erkennen.

In den Griff bekommt man das eigentlich nur, wenn für neue Gesetze alte aufgelöst werden müssten und Gesetze Verfallsdaten hätten, vor deren Ablauf sie überarbeitet und nochmals (befristet) verlängert werden müssen oder eben ersatzlos wegfallen würden. Für ein Gesetz ohne Frist (sagen wir standardweise 2/4/6 Jahre) bräuchte es dann eine besondere, schwer zu erlangende Mehrheit (sagen wir z.B. 2/3 wie für Grundgesetzänderungen) oder einen Volksentscheid.

pjotr

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Re:Feminismus
« Antwort #11 am: 12:12:29 Fr. 10.Februar 2012 »
Zum Thema Emanzipation ein lesenswerter Text von Ulrike Meinhof, 1968 war sie noch Chefredakteurin bei der Zeitschrift "Konkret".
Falsches Bewußtsein: http://zinelibrary.info/files/Ulrike%20Meinhof%201968%20-%20%20Falsches%20Bewusstsein.pdf
Ich bin der Vogel, den sein Nest beschmutzt.
-Karl Kraus-

Efeu

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Doku: "Die Herrschaft der Männer"
« Antwort #12 am: 11:05:10 Do. 08.März 2012 »
Unbedingt empfehlenswerte Doku (kam gestern Abend auf arte):

http://videos.arte.tv/de/videos/die_herrschaft_der_maenner-6449552.html

Zitat
Die Herrschaft der Männer

Am 6. Dezember 1989 betritt ein Mann die École Polytechnique in Montreal. Er dringt in einen Hörsaal ein, zieht eine Waffe, befiehlt den jungen Männern, den Saal zu verlassen, und kündigt an, alle anwesenden Frauen zu erschießen - im Namen seines Hasses auf die Frauen und vor allem auf die Feministinnen. Dann setzt er seine Jagd auf Frauen in den Korridoren der Hochschule fort und tötet 14 Studentinnen. Danach verübt er Selbstmord. Der von ihm hinterlassene Brief ist Zeugnis seines Hasses auf die Frauen, die den Platz der Männer in der Gesellschaft einnehmen.

Ausgehend von diesem Extremfall, untersucht der Dokumentarfilm die vielfältigen Erscheinungsformen von Frauenfeindlichkeit in der westlichen Welt. Dabei zeichnet sich ein kulturelles Kontinuum ab, das vom Bild der Frau in der Werbung bis zu körperlicher Gewalt, von der frühen Vermittlung von Geschlechterrollen durch Spielzeug bis zur Diskriminierung am Arbeitsplatz reicht. Kaum zu glauben, dass im 21. Jahrhundert Männer die Rückkehr zu den uralten Werten des Patriarchats fordern, denen zufolge Frauen an den Herd und Männer an die Macht gehören. Erstaunlich auch, dass gebildete junge Frauen einen "dominanten Partner" suchen.

Diese Tendenzen mögen auf den ersten Blick randständig erscheinen. Doch der Dokumentarfilm belegt, dass sich hinter der Illusion von der Gleichheit der Geschlechter ein Abgrund an täglichen Ungerechtigkeiten auftut. Solange Kinder in Geschlechterstereotypen erzogen werden, setzt sich wie selbstverständlich eine frauenfeindliche Ungerechtigkeit fort. Aus dem allgemeinen Gefühl heraus, das Geschlechterproblem sei gelöst, werden die Langsamkeit der Fortschritte und die Vielzahl der Rückschläge kaum wahrgenommen.

Efeu

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Zwangsheirat mit Vergewaltiger
« Antwort #13 am: 16:58:27 Mi. 21.März 2012 »
Zitat
Amina Filali, eine 16-jährige, die vergewaltigt, misshandelt und zur Heirat mit ihrem Vergewaltiger gezwungen wurde, nahm sich das Leben, weil Marokkos Strafgesetzbuch es Vergewaltigern ermöglicht, ihre minderjährigen Opfer zu heiraten. Setzen wir dieser Schande ein Ende -- gemeinsam können wir die Regierung dazu drängen, ihr Versprechen auf Gesetzesreformen, die Gewalt gegen Frauen beenden, einzulösen. Unterzeichnen Sie die Petition und erzählen Sie es weiter:

http://www.avaaz.org/de/forced_to_marry_her_rapist_b/?cl=1676395333&v=13328

Vor wenigen Tagen nahm sich die 16-jährige Amina Filali das Leben, nachdem sie vergewaltigt, misshandelt und zur Heirat mit ihrem Vergewaltiger gezwungen worden war -- es war für sie der einzige Ausweg aus einer Falle, in die sie der Täter und das Gesetz gebracht hatten. Wenn wir jetzt handeln können wir verhindern, dass sich solch eine unbeschreibliche Tragödie wiederholt.

Artikel 475 des marokkanischen Strafgesetzbuches erlaubt es Vergewaltigern, einer Klage und einem langen Gefängnisaufenthalt zu entkommen, indem sie ihr Opfer heiraten, selbst dann, wenn sie noch minderjährig ist. Seit 2006 verspricht die Regierung, diesen Umstand zu ändern und ein Gesetz zu schaffen, das Gewalt gegen Frauen verbietet, doch noch immer hat sich nichts getan.

Hunderte marokkanische Demonstranten gehen auf die Straße und fordern Reformen; jetzt stehen der Premier und weitere Minister, die für Gesetzesvorschläge zuständig sind, unter Zugzwang. Auch die internationalen Medien haben die Geschichte aufgegriffen. Wenn wir den Druck noch erhöhen können wir wahren Fortschritt erreichen. Unterzeichnen Sie die Petition für ein umfassendes Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt und die Abschaffung von Artikel 475. Sobald wir 250.000 Unterschriften erreichen überreichen wir die Petition gemeinsam mit Frauengruppen vor Ort direkt an die Entscheidungsträger.

http://www.avaaz.org/de/forced_to_marry_her_rapist_b/?vl

Als Amina brutal vergewaltigt wurde erstattete ihre Familie in ihrer Heimatstadt Anzeige. Doch anstatt den Vergewaltiger strafrechtlich zu verfolgen gab ihm das Gericht die Option, sein Opfer zu heiraten -- und Aminas Familie willigte ein.

Angesichts des globalen Aufschreis der Empörung hat die Regierung eine Mitteilung veröffentlicht, die besagt, dass die Beziehung auf gegenseitigem Einverständnis beruhte, doch diese Geschichte ist nicht belegt. Unsere Partner in Marokko sagen, es handele sich um einen typischen Versuch der Regierung, dem Opfer die Schuld zuzuweisen und das Problem weißzuwaschen -- während das Gesetz bestehen bleibt. Umso notwendiger ist es jetzt, Artikel 475 beseitigen. Frauenrechtler in Marokko kämpfen schon lange gegen diesen Artikel und es ist an der Zeit, dass das Gesetz diese erbärmliche Tradition klar ablehnt und für den Schutz von Frauen sorgt.

Entrüstete Marokkanerinnen und Marokkaner überfluten die sozialen Netzwerke und Straßen mit Protest. Hunderte Frauen organisierten diese Woche Sit-ins for dem Gericht von Larache und dem Parlament. Schließen wir uns dem Ruf an -- Gesetze sollten Frauenrechte schützen, nicht auf ihnen herumtrampeln:

http://www.avaaz.org/de/forced_to_marry_her_rapist_b/?vl

Immer wieder nutzen wir als Avaaz-Mitglieder unsere kollektive Kraft um uns weltweit zusammenzuschließen und für eine bessere Welt einzutreten -- stehen wir heute mit Amina Filali und dem Vermächtnis der Hoffnung, das ihre Geschichte hinterlassen muss.

In dieser Hoffnung,

Dalia, Carol, Emma, Rewan, Ricken, Luis, Antonia und das ganze Avaaz-Team

Weitere Informationen:

Demonstrationen gegen Vergewaltiger-Gesetz (Der Standard)
http://derstandard.at/1331780071183/Demonstrationen-gegen-Vergewaltiger-Gesetz

Eheschließung mit Vergewaltiger: Marokkanerin begeht nach Zwangsheirat Selbstmord (Focus)
http://www.focus.de/panorama/welt/eheschliessung-mit-vergewaltiger-marokkanerin-begeht-nach-zwangsheirat-selbstmord_aid_724188.html

Selbstmord nach Zwangsehe: Proteste in Marokko (Frankfurter Neue Presse)
http://www.fnp.de/fnp/nachrichten/politik/selbstmord-nach-zwangsehe-proteste-in-marokko_rmn01.c.9695696.de.html

Marokko stellt härteres Vorgehen gegen Vergewaltigungs-Ehen in Aussicht (Al Jazeera, auf englisch)
http://www.aljazeera.com/news/africa/2012/03/20123171132404140.html

Marokko: Aminas Eltern widersprechen offiziellem Bericht, beteuern Tochter wurde vergewaltigt (Al Arabiya, auf Englisch)
http://english.alarabiya.net/articles/2012/03/17/201337.html

Global Rights-Bericht über Gewalt gegen Frauen in Marokko (auf Englisch)
http://www.globalrights.org/site/DocServer/2011-10-14_Final_Shadow_Report_to_CAT.pdf?docID=12983

Facebook-Gruppe
https://www.facebook.com/groups/188082354639954/

Efeu

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Keine Gefängnisstrafe für Verhütung
« Antwort #14 am: 14:42:00 Fr. 13.April 2012 »
Zitat
Keine Gefängnisstrafe für Verhütung

Der honduranische Kongress entscheidet bald über eine Gesetzesvorlage, die die Nutzung der "Pille danach" unter Gefängnisstrafe stellen würde -- selbst für Opfer sexueller Gewalttaten. Doch die Regierung ist daran interessiert, ihr internationales Image aufzupolieren. Unsere weltweite Welle des Protests kann der religiösen und Militär-Lobby die Stirn bieten und diesen Angriff auf Frauen aufhalten. Unterzeichnen Sie die Petition an den honduranischen Kongress, und erzählen Sie auch anderen davon:

http://www.avaaz.org/de/no_prison_for_contraception_global/?cl=1724124998&v=13640

Honduras könnte jeden Moment ein extremistisches Gesetz verabschieden, das Teenager ins Gefängnis stecken würde, wenn sie nach einer Vergewaltigung die "Pille danach" benutzen. Wir können dieses Gesetz aufhalten und Frauen die Möglichkeit geben, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Einige Kongressabgeordnete stimmen zu, dass dieses Gesetz -- unter dem sich auch Ärzte oder jeder, der die "Pille danach" verkauft, strafbar machen würde -- zu weit geht, doch sie beugen sich der mächtigen Kirchenlobby die hinter dem Gesetz steht. Diese Lobby behauptet fälschlicherweise, dass die “Pille danach” einer Abtreibung gleichkommt. Nur der Vorstand des Kongresses der für die Präsidentschaft kandidieren will und auf seinen Ruf im Ausland bedacht ist, kann dem ein Ende setzen. Indem wir ihn unter Druck setzen, können wir dieses reaktionäre Gesetz begraben.

Die Abstimmung könnte jeden Moment stattfinden -- zeigen wir Honduras, dass die Welt nicht einfach zusehen wird, wenn Frauen für das Verhindern ungewollter Schwangerschaften, selbst nach sexuellen Gewalttaten, verurteilt werden. Unterzeichnen Sie die dringende Petition für die Rechte der Frauen an den Präsidenten des honduranischen Kongresses. Avaaz wird mit Frauengruppen vor Ort zusammenarbeiten, um die Stimmen der Welt direkt zu überbringen:

http://www.avaaz.org/de/no_prison_for_contraception_global/?vl

Lateinamerika hat bereits zu viele Gesetze, die Frauenrechte beschneiden. Einige Länder, Honduras eingeschlossen, haben die "Pille danach" schon verboten. Doch wenn dieses neue Gesetz verabschiedet wird, wäre Honduras das einzige Land, das den Verkauf der “Pille danach” mit einer Gefängnisstrafe belegen würde. Jeder, der die Pille verkauft oder benutzt oder Informationen über sie verteilt -- ob Teenager, Vergewaltigungsopfer oder Ärzte -- könnte im Gefängnis landen.

Der Kongress hatte diese drakonische Maßnahme bereits im April 2009 verabschiedet, doch nur einen Monat später beugte sich Ex-Präsident José Manuel Zelaya dem Druck von Aktivisten und legte ein Veto ein. Dann fiel er nur Wochen später einem Putsch zum Opfer und seitdem hat das neue Regime das Gesetz zurück zu einer Abstimmung gezwungen.

Wir haben nicht viel Zeit, aber wir können diese fürchterliche Gesetzesvorlage stoppen. Der Kongress obliegt in diesem Fall die letzte Entscheidung und die Regierung will ihren bereits beschädigten Ruf international nicht riskieren. Machen wir dem Präsidenten des Kongresses deutlich, dass wir nicht zusehen werden, wie Honduras zu dem für Frauen repressivsten Land der Region gemacht wird. Unterzeichnen Sie die dringende Petition jetzt und erzählen Sie Ihren Freunden und Bekannten davon::

http://www.avaaz.org/de/no_prison_for_contraception_global/?vl

Notfallverhütung ist wichtig für Frauen überall auf der Welt, doch insbesondere dort, wo es viel sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt, wo ungewollte Schwangerschaften häufig und der Zugang zu regulären Verhütungsmitteln begrenzt ist. Unterstützen wir die Frauen von Honduras und helfen wir ihnen, dieses Gesetz aufzuhalten.

Voller Hoffnung und Entschlossenheit,

Alex, Laura, Alice, Emma, Maria Paz, David, Ricken, Emily und das ganze Avaaz team

WEITERE INFORMATIONEN

Blanca Dole über das Verbot von Notfallverhütungsmitteln in Honduras (Mädchenblog)
http://maedchenblog.blogsport.de/2011/01/17/blanca-dole-ueber-das-verbot-von-notfallverhuetungsmitteln-in-honduras/

Oberster Gerichtshof von Honduras bestätigt absolutes Verbot von Notfallverhütung (ReproRights, auf Englisch):
http://reproductiverights.org/en/press-room/honduras-supreme-court-upholds-absolute-ban-on-emergency-contraception-opens-door-to-crim

Honduras hat das weitreichendste Verbot von Verhütungsmitteln (RH Reality Check, auf Englisch):
http://www.rhrealitycheck.org/article/2012/02/14/honduran-supreme-court-upholds-complete-ban-on-emergency-contraception-0

Frauenrechte in Gefahr nach Putsch in Honduras (LatinoPolitics, auf Englisch):
http://latinopoliticsblog.com/2009/11/16/women%E2%80%99s-rights-reproductive-freedoms-under-attack-with-honduran-coup/

Rechtlicher Status von Notfallverhütung in Lateinamerika (Hevia M., auf Englisch):
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22088410

Notfallverhütung in Amerika (Pan American Health Organization, auf Englisch):
www.paho.org/english/ad/ge/emergencycontraception.PDF