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Die Paketsklaven

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Troll:

--- Zitat ---Klage gegen Logistik-Konzern: Wie Frau H. den Paket-Riesen DPD in die Knie zwingen will

Sie fuhr Pakete aus, bis sie vor der Pleite stand. Nun fordert sie Gerechtigkeit: Ganz alleine hat sich Eva Heredero mit dem Paket-Giganten DPD angelegt. Ihr Fall könnte die gesamte Branche verändern.

Als Eva Heredero im Frühjahr 2012 anfing, für den Logistikkonzern DPD Pakete auszufahren, war sie noch guter Dinge. Die Touren mit dem Lieferwagen erschienen der bodenständigen Frau als willkommener Nebenerwerb. Die Branche war der Bäckermeisterin aus dem niederbayerischen Kirchberg nicht fremd. Ihr spanischstämmiger Mann arbeitet seit Jahrzehnten als Berufskraftfahrer. Motiviert ging sie ans Werk – und erlebte ihr blaues Wunder.

Heute steht Heredero vor den Trümmern ihrer Existenz. Neun Monate als selbstständige Paketfahrerin haben die 42-Jährige ruiniert. Wegen der drückenden Schulden, die sich in der kurzen Zeit anhäuften, hat sie Privatinsolvenz anmelden müssen. Fragt man sie nach ihrer Situation, sagt sie: „Ich bin am Ende.“

Doch aufgeben will sie nicht. Auch wegen ihrer zwei Kinder, sechs und sieben Jahre alt. Eva Heredero hat beschlossen, zu kämpfen. Sie hat DPD verklagt. Rund 60 000 Euro fordert sie von dem Paketdienst.

Der Prozess vor dem Landgericht Deggendorf könnte ein Präzedenzfall werden – mit dem Potential, die gesamte Paketbranche in Deutschland zu verändern. Es geht um gerechten Lohn für harte Arbeit, um faire Arbeitsbedingungen und um zweifelhafte Verträge.
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Quelle und vollständiger Artikel: focus

--- Ende Zitat ---

Troll:

--- Zitat ---Eva Heredero mit Paketdienst geeinigt
Klage gegen DPD zurück gezogen

Eva Heredero aus der Gemeinde Kirchberg im Wald tappte als Paketzustellerin für DPD in die Schuldenfalle. Sie klagte vor dem Landgericht Deggendorf. Jetzt einigten sich die beiden Parteien außergerichtlich
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Blablabla DPD zeigt Verantwortung...
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Heredero erkennt an, dass DPD sich künftig der Verantwortung stellt

Eva Heredero erklärt zu ihren Beweggründen, die Klage gegen DPD zurückzuziehen: „Es war stets mein wichtigstes Anliegen, dass sich DPD ungeachtet aller vertraglichen Vereinbarungen verantwortungsvoll gegenüber seinen Systempartnern verhält. DPD will die beschriebenen Maßnahmen schnell und effizient umsetzen. Ich denke, damit ist allen Systempartnern geholfen.“  Inwieweit Eva Heredero auch finanzielle Hilfe von DPD erhalten hat, darüber haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Insgesamt beliefen sich die Schulden, die Eva Heredero in den wenigen Monaten angehäuft hatte, auf 65.000 Euro.

Quelle: wochenblatt
--- Ende Zitat ---

Fritz Linow:
Ganz interessantes und vielleicht nützliches Urteil des LAG Meck./Pomm:


--- Zitat ---Paketzusteller ist in der Regel Arbeitnehmer
Beitrag vom 18 September, 2015

Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern - Beschluss vom 13.07.2015, 3 Ta 6/15 - hat in einer Grundsatzentscheidung die Schutzrechte von Paketzustellern gestärkt. Mit überzeugender Begründung erläutert das Gericht, weshalb eine selbstständige Tätigkeit im Dienste von Subunternehmern ("Servicepartnern") eines Großunternehmens (hier der DHL Express) in der Regel ausgeschlossen ist.

Der Leitsatz:

    Grundsätzlich übt ein Frachtführer im Sinne der §§ 407 ff HGB ein selbstständiges Gewerbe aus. Jedoch ist ein solches Rechtsverhältnis dann als Arbeitsverhältnis anzusehen, wenn die Tätigkeit des Transporteurs durch den Auftraggeber stärker eingeschränkt wird, als es auf Grund der gesetzlichen Regelungen geboten ist.

Geklagt hat unser Mandant, der sich jetzt mit Erfolg gegen eine Kündigung wehren kann, die er nach einem Arbeitsunfall erhalten hatte...
--- Ende Zitat ---

Warum die Paketzusteller unter anderem nicht selbstständig sind, wenn sie von DHL diese "Empfehlungen" erfüllen sollen:

--- Zitat ---1. Begegnen Sie den Kunden mit Freundlichkeit, Höflichkeit und Respekt.
    2. Helfen Sie Kunden und Kollegen, immer dann wenn es nötig ist.
    3. Bleiben Sie auch bei wütenden Kunden ruhig. Lassen sie sich nie provozieren.
    4. Verzichten Sie darauf vor Kunden und in deren Räumen zu rauchen.
    5. Tragen Sie die Fahrerkleidung und achten Sie auf ein gepflegtes Erscheinungsbild.
    6. Beladen Sie Ihr Fahrzeug sicher, so dass während der Fahrt und beim Ausladen keine Sendung beschädigt wird.
    7. Schließen Sie Ihr Fahrzeug immer ab, wenn Sie es verlassen.
    8. Beachten Sie alle Verkehrsregeln und verhalten Sie sich im Straßenverkehr angemessen.
    9. Tragen Sie Ihren Legitimationsausweis immer sichtbar.
    10. Gehen Sie mit der Ihnen anvertrauten Ausstattung wie dem Scanner vorsichtig um.“

--- Ende Zitat ---
hier mehr: http://www.templin-thiess.de/blog/arbeitsrecht-aktuell/lag-meckpomm-paketzusteller-regel-arbeitnehmer

admin:
Streikender GLS Beschäftigter getötet!

In der Nacht vom 14. auf den 15. September 2016 raste in Piacenza ein Firmenlieferwagen von GLS in eine Menge Streikender, die die Werkstore blockierten und tötete den Arbeiter Abd Elsalam Ahmed Eldanf (53, fünf Kinder). Es gibt Augenzeugen, die bestätigen, dass der Fahrer des Lieferwagens vom GLS Chef aufgefordert wurde, in den Streikposten zu fahren. Im Video sehen wir einen ähnlichen Vorfall vom Mai 2012, vor dem CAAT Gemüsegroßmarkt bei Turin.

Seit sich die migrantischen Logistikarbeiter_innen zur Wehr setzen wird mit harten Bandagen gekämpft. Polizei und Streikbrecher schlugen den Streikenden Zähne aus, fügten ihnen Wirbelsäulenverletzungen und blaue Augen zu. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein streikender Arbeiter oder eine streikende Arbeiterin getötet werden würde.

Nach der Ermordung gab es eine Reihe von Arbeitsniederlegungen in anderen GLS Niederlassungen u.a in Rom, Brescia, Pavia, Bologna und Demonstrationen.

Die Staatsanwaltschaft von Piacenza steht auf dem Standpunkt, dass es zum Zeitpunkt der Ermordung keinen Streikposten gab und dass es sich um einen Verkehrsunfall handele.

zum Video:  http://de.labournet.tv/node/7064




GLS Manager wütet gegen Streikposten
weiteres Video: http://de.labournet.tv/node/7065


Proteste und Streiks in Italien gegen die Ermordung eines Streikpostens in Piacenza


Ein vergleichbarer LKW fuhr am 15.9.2016 einen GLS Streikposten in Piacenza tot

Streiks in verschiedenen GLS-Niederlassungen in Italien, eine Protestdemonstration von 7.000 Menschen in Piacenza, Protesterklärungen zahlreicher Gewerkschaften und die Ankündigung beziehungsweise Vorbereitung weiterer Aktionen in der beginnenden Woche – das waren die ersten Reaktionen auf den Tod des 53-jährigen USB-Aktivisten Abd Elsalam Ahmed Eldanf vor dem Tor eines GLS-Lagers (Drittfirma) in Piacenza. Und während die italienische Regierung sich nicht entblödet, den Angriff eines LKW Fahrers auf demonstrierende GewerkschafterInnen als „Verkehrsunfall“ zu bezeichnen (von der Staatsanwaltschaft übernommen) – und den Tod Abd Eldanfs auch als solchen öffentlich darzustellen – beharrt die USB mit Hilfe von verschiedenen Dokumenten auf der Darstellung eines Mordes im Auftrag des Kapitals. In einem Umfeld, das auch in Italien von wachsenden prekären Arbeits- und Lebensbedingungen gekennzeichnet ist – die von der Regierung massiv befördert werden, und gegen die sich die überfallene Aktion richtete – sowie von ununterbrochenen Versuchen, das Streikrecht einzuschränken und Streiks öffentlich zu ächten, ist dies eine Haltung, die den Kern der Entwicklung trifft. Siehe dazu unsere aktuelle Materialsammlung „Tod in Piacenza – massive Proteste und Kampf für Gewerkschaftsrechte" vom 18. September 2016:
http://www.labournet.de/internationales/italien/arbeitskaempfe-italien/it-ak-logistik/proteste-und-streiks-in-italien-gegen-die-ermordung-eines-streikpostens-in-piacenza/"

Rappelkistenrebell:
Aus: Ausgabe vom 28.09.2016, Seite 2 / Ausland

»Es geht nicht nur um einen Tarifvertrag«
Der Streik in der Logistikbranche in Italien wird vor allem von migrantischen Arbeitern getragen. Starker Druck der Unternehmen. Gespräch mit Giorgio Grappi
Interview: Roberto Ciccarelli


»In der Logistik gibt es eine klare Trennung, wobei die Migranten die schwersten Arbeiten verrichten.« – Giorgio Grappi
Foto: REUTERS/Alessandro Bianchi

In der Nacht vom 14. zum 15.September gab es während eines Streiks bei einem Subunternehmen des Logistikkonzerns GLS einen tragischen Zwischenfall …

Der Tod des ägyptischen Arbeiters und ehemaligen Lehrers Abd Elsalam Ahmed Eldanf, der an einem Streikposten in Piacenza von einem Lkw überfahren wurde, ist nicht das Ergebnis eines Unfalls oder eines Zufalls. Wer die Arbeitskämpfe der migrantischen Arbeiter in der Logistik verfolgt hat, kennt die Gewalt, die von Unternehmerseite bei den Blockaden ausgeübt wird, die Versuche, sie zu durchbrechen, und die Polizeieinsätze gegen Streikposten, sehr genau. Ich glaube, dass diese Tragödie als Teil der Kämpfe der Beschäftigten begriffen werden muss, die mit einer Arbeitsorganisation konfrontiert sind, bei der die Gegenseite immer schwerer auszumachen ist, und die Kampfformen notwendig machte, die über die traditionellen hinaus gehen.

Was ist an diesen Kämpfen neu?

Erstens werden sowohl die Lager als auch die Transporte blockiert. Zweitens spielen die eingewanderten Beschäftigten eine Vorreiterrolle. Das ist das Resultat einer Rebellion gegen eine brutale Ausbeutung. Für gewöhnlich werden die Auseinandersetzungen als improvisierte Episoden oder als Probleme der öffentlichen Ordnung abgetan. In einigen Fällen wurden die Blockaden sogar als Unterbrechung existentieller Dienste betrachtet.

Wie muss man die Proteste interpretieren?

Diese Kämpfe sind die Antwort auf das Fehlen fundamentaler Schutzbestimmungen, aber auch auf die Versuche der Politik, die zugewanderten Arbeitskräfte zu erpressen. Der Verlust des Arbeitsplatzes kann zu ihrer Ausweisung führen oder sie in die Illegalität drängen. Darüber hinaus leiden sie unter den prekären Arbeitsbedingungen in Italien.

Genau wie in anderen Branchen wurde das Wachstum der Logistik und die Wettbewerbsfähigkeit fast ausschließlich über das Drücken der Arbeitskosten erreicht. So hat man die Beschäftigten auch für die schlechte italienische Infrastruktur blechen lassen. Die Aktionen wurden nur als Kämpfe einer speziellen Branche betrachtet. In Wirklichkeit geht es hier nicht nur um einen Tarifvertrag, sondern um die politischen Bedingungen, die zur Prekarität der gesamten Arbeitswelt führen.

Eine entscheidende Rolle bei der Nutzung dieser Arbeitskraft kommt den Kooperativen zu. Wie kann man sie beschreiben?

In der Logistik gibt es eine klare Trennung, wobei die Migranten die schwersten Arbeiten verrichten. Die Kooperativen wurden von den Unternehmen benutzt, um diese Arbeitskräfte zu rekrutieren. Die Genossenschaften sind flexible Instrumente, die je nach Erfordernis offen oder geschlossen sein können. Dort Mitglied zu sein ermöglicht eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis, verschleiert aber, wer der eigentliche Arbeitgeber ist. Jenseits der schönen Reden haben wir gesehen, dass die Chefs der Kooperativen genau wie alle anderen sind. Diese Faktoren zusammengenommen schufen eine unerträgliche Situation. Nicht unterschätzt werden darf die Tatsache, dass diese Situation nur dank der direkten Aktion der Arbeiter öffentlich wurden.

Wie werden sich die Kämpfe im Logistikbereich in diesem Rahmen entwickeln?

Die Spaltungen zwischen den Berufsgruppen sind heute in vielen Fällen überwunden. Es ist wichtig, stärkere Verbindungen zwischen den verschiedenen Anliegen und Forderungen herzustellen. Die Arbeit der Migranten ist ein Beispiel dafür, dass Beschäftigte gegenwärtig unterschiedlichen politischen Bedingungen unterliegen. Die gigantische Umwälzung, die derzeit stattfindet, macht es immer schwerer, wenn nicht unmöglich, eindeutig zwischen politischen und gewerkschaftlichen Fragen zu unterscheiden. Deshalb ist die Logistikbranche sehr viel mehr als eine Ansammlung von Lagerhallen, Verkehr und Verteilung. Ihre Logik ist eine Antwort auf die globalen Koordinaten der heutigen Politik.

Ich spreche hier nicht von einem Superstaat, der die einzelnen Staaten ersetzt. Aber wir müssen uns darüber klar werden, wie wir unser Handeln, angesichts der Existenz von transnationalen Infrastrukturkorridoren und Versorgungsketten, ausrichten.

Giorgio Grappi ist Sozialwissenschaftler, Aktivist der Migranten-Koordination von Bologna und des Kollektivs »S-Connessioni precarie« (Prekäre Verbindungen)

Dieses Interview erschien zuerst in der linken italienischen Tageszeitung Il Manifesto

Übersetzung: Andreas Schuchardt

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/09-28/005.php

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