Autor Thema: Die Paketsklaven  (Gelesen 62027 mal)

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1687
Re:Die Paketsklaven
« Antwort #60 am: 19:40:43 Fr. 12.Oktober 2018 »
Im DHL Umfeld gibt es einen regelrechten Wettbewerb bei der Ausbeutung der Beschäftigten.

Ein Subunternehmen in Kiel scheint in Führung zu liegen: Unbezahlte Arbeit ist schwer zu unterbieten!

http://betriebsgruppepostdienstenord.blogsport.eu/2017/01/03/unbezahlt-bei-dhl-arbeiten/

Im Frühjahr 2018 wurde die Zusammenarbeit mit HFL beendet. Für besonders Fleißige hatte es wohl auch Briefumschläge mit Bargeld gegeben. Verdi bleibt dran, jaja...
https://psl-hamburg.verdi.de/bereiche/bg-brief-kiel/++co++57e16d86-c960-11e8-99ef-525400afa9cc

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1687
Re:Die Paketsklaven
« Antwort #61 am: 14:32:21 Di. 16.Oktober 2018 »
Zitat
ZDFzoom: Schuften bis zum Umfallen

Besonders der boomende Internet-Handel bringt der Post-Tochter DHL satten Umsatz. Doch die Paketflut schafft auch Probleme: Es wird immer schwieriger, Personal zu finden. In vielen der deutschen DHL-Delivery-Niederlassungen herrscht Mangel an Paketzustellern.

Der Job des Paketboten gilt als unattraktiv - mieses Arbeitsklima, schlechte Bezahlung und steigende Überlastung der Zusteller bei DHL haben sich herumgesprochen. Um die Lücken zu stopfen, greift DHL verstärkt auf Arbeitssuchende außerhalb der deutschen Grenzen zurück.

Reporter Arne Lorenz, der mit seinen Recherchen für "ZDFzoom" bereits mehrfach dubiose Beschäftigungsverhältnisse des Logistik-Riesen aufgedeckt hat, wird auch diesmal fündig. Er entdeckt ein gut organisiertes Netz von Subunternehmern und Zeitarbeitsfirmen, die den Nachschub an Paketboten sicherstellen. Aus Polen, Rumänien, sogar aus afrikanischen Ländern kommen die Menschen, die aufgrund ihrer häufig prekären Situation leicht anzuwerben sind. Arne Lorenz findet Bedrückendes: Paketfahrer, die unter unwürdigen Bedingungen ihr Dasein fristen, die teilweise ohne Arbeitsvertrag und Kündigungsschutz, ohne Kranken- und Sozialversicherung und unter Umgehung des Mindestlohns schuften. Möglich ist dies, weil sie von Subunternehmern angeworben werden, die ihrerseits um Aufträge bei der Post buhlen müssen, um wirtschaftlich überleben zu können. In der ganzen Paket-Branche tobt ein zerstörerischer Preiskampf: Kunden möchten ihre Pakete zeitnah bis vor die Haustür geliefert bekommen, viel bezahlen will niemand.

Mit ihren überzogenen Gewinnversprechen an die Aktionäre hat sich der Konzern Deutsche Post/DHL selbst unter Druck gesetzt und tut es weiterhin. Trotz Einbruch des Aktienkurses im laufenden Jahr verspricht man fünf Milliarden Gewinn für das Jahr 2020. Auf wessen Kosten diese Gewinne realisiert werden, darüber schweigt der Konzern.

17.10.2018, 22:45 - 23:15
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-schuften-bis-zum-umfallen-100.html

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp
Re:Die Paketsklaven
« Antwort #62 am: 16:38:13 Fr. 26.Oktober 2018 »
Zitat
Online-Boom
Paketfahrer leiden unter Überstunden

Paketfahrer leiden besonders unter den Belastungen durch Überstunden.


Wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund mitteilte, leisten Paketboten und Lastwagenfahrer rund 7,2 Überstunden pro Woche. Beim Durchschnitt aller Arbeitnehmer sind es rund vier. Vor allem wegen der starken Zunahme des Online-Handels seien die Zusteller immer höheren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, hieß es weiter.

Neben Paketfahrern zählten auch Beschäftigte in Gesundheitsberufen sowie aus dem Sicherheits- und Überwachungsgewerbe zu den Risikogruppen. Für die Studie wurden über mehrere Wochen hinweg fast 10.000 Arbeitnehmer befragt.

Die Grünen-Politikerin Müller-Gemmeke erklärte, Arbeit müsse ohne Hetze und Stress machbar sein, hier seien die Arbeitgeber gefordert. Ungeplante Überstunden, die anfielen, weil die Zeit für die Arbeitsmenge nicht ausreiche, könnten krank machen. Ähnlich äußerte sich die Linken-Politikerin Tatti. Nötig sei eine Reduzierung der gesetzlichen Wochenhöchstarbeitszeit auf 40 Stunden.
https://www.deutschlandfunk.de/online-boom-paketfahrer-leiden-unter-ueberstunden.2932.de.html?drn:news_id=939349

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp
Re:Die Paketsklaven
« Antwort #63 am: 15:43:42 Do. 06.Dezember 2018 »

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp
Re:Die Paketsklaven
« Antwort #64 am: 21:18:02 Do. 13.Dezember 2018 »
Zitat
...die Statistik erfasst keine selbständigen oder gar scheinselbständigen Fahrer. "Hinzu kommt eine wachsende Zahl von ausländischen Subunternehmern bei den Paketdienstleistern mit noch schlechteren Löhnen", so Meiser. Auch die Gewerkschaft Verdi beobachtet hierzulande immer mehr Paketfahrer aus Osteuropa.

Tatsächlich lässt etwa DPD fast alle Pakete von Subunternehmern zustellen. Auch bei Hermes arbeiten nur fünf Prozent der Boten direkt bei dem Unternehmen.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/paketboten-zusteller-niedriglohn-1.4248719

Zitat
Der Preiskampf ist hässlich. Für das niedrigere Angebot der Billigkonkurrenten wie Hermes zahlen dessen Fahrer einen hohen Preis. Gerade erst warf die Düsseldorfer Obdachlosenhilfe Hermes vor, dass dessen Subunternehmer ausländische Boten für so wenig Geld beschäftigten, dass diese auf der Straße wohnen müssten.
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/niederlage-jeden-tag

BGS

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3456
  • Polarlicht
Re:Die Paketsklaven
« Antwort #65 am: 06:17:11 Do. 20.Dezember 2018 »
Mieseste Ausbeutung mit System + Tradition: Schon 2006 traf ich in Norddeutschland mehrfach gänzlich orts- und sprachunkundige "Hermes"-Fahrerinnen und Fahrer. Aus der Ukraine, Weissrussland, Moldawien. Ist bestimmt nicht besser geworden >:(

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8055
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #66 am: 17:37:30 So. 27.Januar 2019 »
Wie kann es zu so etwas bizarrem kommen?
https://youtu.be/Mzd4PnGE1nY
Die Erklärungsversuche aller Beteiligten stelle ich mir lieber nicht vor.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Rudolf Rocker

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13420
  • Waldkauz (8>
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #67 am: 18:55:56 So. 27.Januar 2019 »
Jetzt weiß ich endlich, was mit Postwurfsendung gemeint ist!

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4429
  • Sapere aude!
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #68 am: 05:08:05 So. 24.Februar 2019 »
Zitat
Paketdienste: Frank Bsirske kritisiert "mafiöse Strukturen" beim Paketversand

Arbeitstage bis zu 16 Stunden, 4,50 Euro als Stundenlohn: Der ver.di-Chef übt scharfe Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten.

Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2019-02/paketdienste-arbeitsbedingungen-verdi-bundeschef-frank-bsirske-paketversand
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8055
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #69 am: 09:16:57 Sa. 02.März 2019 »
12 Years a Paketbote
https://youtu.be/-BIe-E4Y8Gc
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #70 am: 09:40:50 So. 14.April 2019 »
Zitat
Miese Arbeitsbedingungen - Bundesrat will Ausbeutung in Paketbranche stoppen

Mieser Lohn, lange Tage: Die Arbeitsbedingungen in der Paketbranche gelten als extrem hart. Die Länder wollen die Ausbeutung stoppen und fordern die Regierung zum Handeln auf.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bundesrat-fordert-stopp-von-ausbeutung-in-paketbranche-100.html

Jetzt versucht sich die Politik am Abfedern der Extremausbeutung.
Die Gewerkschaften spielen da keine Rolle mehr. Die haben immer brav mitgespielt bei bei Abwärtsspirale und weggesehen.
Wen interessieren schon diejenigen, die nicht Gewerkschaftsmitglied sind?

Frauenpower

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 320
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #71 am: 07:59:39 So. 28.April 2019 »
Der Mittepopulist Altmaier (CDU), der sich auch schon für einen Rüstungsexport nach Saudi-Arabien ausgesprochen hat https://www.n-tv.de/politik/Altmaier-stuetzt-Ruestungsexport-an-Saudis-article20966275.html (wo es die letzten Tage 37 Hinrichtungen (!) durch Köpfen (!) und Kreuzigungen (!) gab https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-04/hinrichtungen-saudi-arabien-exekution-terrorismusvorwurf weshalb auch aus  diesem Grund Waffenexporte in solche Länder umstritten sind und eingestellt werden sollten) stellt sich nun auch gegen die Verbesserungspläne der Arbeitsbedingungen für Paketzusteller_innen! https://www.zeit.de/news/2019-04/27/altmaier-gegen-heil-plaene-fuer-paketzusteller-190427-99-986000
Zitat
Berlin (dpa) - Wirtschaftsminister Peter Altmaier lehnt die Pläne von Arbeitsminister Hubertus Heil für bessere Arbeitsbedingungen in der Paketbranche ab. «Es ist jetzt nicht die Zeit für neue Belastungen der Wirtschaft», sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze müsse Vorrang haben vor dem Aufbau neuer Bürokratie. Heil will die großen Paketdienste verpflichten, Sozialabgaben für ihre Subunternehmer nachzuzahlen, wenn diese beim Mindestlohn betrügen. Laut «Süddeutscher Zeitung» will der SPD-Politiker dazu noch im April ein Gesetz vorlegen.
ich meine: lasst mal Altmaier an die Pakete ran! Ein bischen Bewegung wird ihm nicht schaden. Auch nicht, die  Realität der Leute kennenzulernen. Hallo? Der Sozialabgaben-Mindestlohnbetrug (so denn), den es laut Heil bei  Subunternehmern geben kann und die dann nachgezahlt werden  sollen seiner neuen Pläne nach, interessieren ihn wohl auch nicht???
Bitte, wer wählt CDU-CSU??

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #72 am: 12:39:18 Mi. 15.Mai 2019 »
Vielleicht gehört diese Meldung eher in die Rubrik "Gewerkschaften".

Zitat
DGB-Chef lobt Koalitionseinigung zu Paketboten

DGB-Chef Reiner Hoffmann sieht in der Einigung der großen Koalition zu besseren Arbeitsbedingungen für Paketboten einen wichtigen Durchbruch.

Es könne nicht sein, dass Unternehmen systematisch Sozialversicherungsbetrug zulasten der Beschäftigten betrieben, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) dem Sender SWR.

Die Spitzen von Union und SPD hatten sich darauf geeinigt, Verbesserungen für Paketboten einzuführen. Große Paketdienste sollen verpflichtet werden, Sozialabgaben für ihre säumigen Subunternehmer nachzuzahlen. Dafür sollen kleine und mittelständische Unternehmen an anderer Stelle entlastet werden
https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article193527103/DGB-Chef-lobt-Koalitionseinigung-zu-Paketboten.html

Im Kapitalismus herrscht ein Dauerkonflikt zwischen Kapital und Arbeit. Der Konflikt wird zwischen Arbeitern und Kapitalisten ausgetragen. Der DGB hat die Gewerkschaften (sich) aus der Auseinandersetzung vollständig herausgezogen und im Fall der Paketboten in die Hand des Staates gelegt.

Das bedeutet eine radikale Verschiebung der Machtverhältnisse. Der Staat soll sich um die Regulierung der Ausbeutung kümmern. Die Arbeiter sollen die Klappe halten.


Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp
Re: Die Paketsklaven
« Antwort #73 am: 10:15:35 Di. 18.Juni 2019 »
Zitat
Paketlogistiker Trans-o-flex: Sozialdumping-Verdacht bei Subunternehmern

========================================================================

Am 18.6.2019 um 0:30 Uhr gewährt RTL in seine Reportage „Die Alltagskämpfer – ÜberLeben in Deutschland“ Einblicke in die Realität der Transport- und Paketbranche. Ein Kamerateam hatte den „Alltagskämpfer“ Andreas Mossyrsch vom Berufsverband Camion Pro zwei Wochen lang bei seinem Kampf gegen Sozialdumping begleitet.

Dabei erfährt der Zuschauer, wie der Paketdienst Trans-o-flex seine deutschen Subunternehmer abkocht, und wie dadurch angestellte Fahrer ihren regulären Arbeitsplatz verlieren. Osteuropäische „Geschäftsleute“ übernehmen dann häufig die frei werden Touren und besetzen diese mit ausländischen Fahrern, die kaum der Sprache mächtig sind und vermutlich ihre Rechte nicht kennen. Der Film zeigt auch, unter welch katastrophalen Verhältnissen ein osteuropäisches Subunternehmen russische Paketfahrer mitten in Deutschland arbeiten lässt. Die von Camion Pro und RTL aufgedeckten Arbeitsbedingung erinnern dabei stark an Menschenhandel.

Trans-o-flex hat bereits nach den Dreharbeiten versucht, Camion Pro mit der Androhung einer Einstweiliger Verfügungen massiv unter Druck zu setzen und die Recherchen zu behindern. Dabei wollte das Unternehmen offenbar verhindern, dass Camion Pro im Umfeld der Subunternehmer des Logistikers recherchiert.

Andreas Mossyrsch, Vorstand von Camion Pro: „Mir war wichtig, dass ich bei der Reportage zeigen konnte, was Sozialdumping bei osteuropäischen Fahrern anrichtet. Genauso wichtig war mir aber auch, zu zeigen, wie anständig arbeitende Unternehmen durch Sozialdumping in die Insolvenz getrieben werden, und wie angestellten Fahrern ihre Existenzgrundlage entzogen wird. Der ungewöhnliche Sendetermin nachts um 0:30 Uhr lässt darauf schließen, dass diese Reportage deutlich von anderen RTL-Produktionen abweicht. Es könnte sich lohnen, am Montag etwas länger aufzubleiben, denn nach der Reaktion der Trans-o-flex-Rechtsanwälte auf die Dreharbeiten, könnte es durchaus sein, dass das Unternehmen mit allen rechtlichen Mitteln versuchen wird, die weitere Ausstrahlung der kritischen Reportage in der RTL Mediathek zu stoppen.“
Pressemitteilung von Camion Pro

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13723
  • Fischkopp