Autor Thema: Wilder Fahrerstreik in Seattle  (Gelesen 1362 mal)

admin

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2848
Wilder Fahrerstreik in Seattle
« am: 20:20:35 Mo. 02.April 2012 »
Anfang Februar gab es einen selbstorganierten Streik der Hafentrucker von Seattle. Ich habe inzwischen einen direkt Kontakt zu einer Aktivistin dort. Doch leider fehlt mir ständig die Zeit für redaktionelle Arbeit an diesem Forum.

Ich veröffentliche mit etwa 2 Monaten Verspätung meine etwas holperige Übersetzung eines Artikels von der Kampagne für Saubere und sichere Häfen:

Zitat
Amerikas Trucker machen den Hafen von Seattle dicht und weisen auf die Gefahren in diesem Job hin



Montag morgens ist am meisten Betrieb an allen Häfen, doch am vergangenen in Seattle wurden die Trucks geparkt. Fahrer unter den wichtigsten Unternehmen, die das Hauptgeschäft dort machen, schalteten ihre Motoren ab, verließen ihr Kabinen und hörten auf zu laden. Sie wurden woanders gebraucht.

Entschlossenheit und Unbeugsamkeit brachte rund 150 Fahrer dazu ihr Einkommen zu opfern und Vergeltungsmaßnahmen zu riskieren, um in einem einhalbstündigen Treck zum State Capitol (Regierung) in Olympia zu schwärmen.

Der Handelsverkehr des Hafens von Seattle ist auf ein Tröpfeln gesunken und ist seit dem auch nicht mehr in Fahrt gekommen.

Diese Woche haben die Trucker, unter dem Deckmantel der Scheinselbständigkeit, die Armglocken schellen lassen wegen der Gefahren ihrer Jobs, übergewichtiger Container, schäbiger Arbeitsmaterials, das Risiko anderen
Verkehrsteilnehmern gegenüber, die Schuld für die Nichteinhaltung der Sicherheitsbestimmungen zu tragen: Deren Arbeitgeber und riesigen Auftraggeber sind Wall Mart, Sears und Target.

Die Speditionsbosse bei „Pacer“, „Seattle Fracht“, „Western Ports“, und andere waren in Schockstarre doch die Behörde war es nicht. Die führenden Cops bezeugten eine scwindelerregende Liste an Gefahren, die von der Transportbranche ausgehen: Chronische Brüche und Manipulation der Sicherheitsstandards wurden von einem Enthüllungsjournalisten aufgedeckt. Im letzen Jahr wurden 32% der kontrollierten LKW außerhalb der Häfen beanstandet, doppel so viele, wie im Rest des
Landes. Als speziell ausgebildetete Beamte verschärft kontrollierten, wurde nach Berichten des Fernsehsenders King 5 TV 58% der Hafentransportfahrzeuge von Seattle aus dem Verkehr gezogen. Und nach der Aussage von Kommisars Jason Barry wurden 80% der Fahrzeuge in der jüngsten Vergangenheit stillgelegt.

Wenn die kollektiven Proteste der Fahrer Schockwellen in den Hafenbetrieben und Speditiongewerbe ausgelöst haben, dann haben ihre Demonstrationen auch einen gesellschaftlichen Glauben erschüttert. Während der Occupy Wall Street Hafenblockaden haben Aktivisten und Unterstützer darüber debattiert, ob die Blockaden den Arbeitern im Hafen Löhne abgesaugt haben –schließlich geht es um die Argumente der 99% - oder ob sie die Profite abgraben der von Seattle aus global operierenden Goldman Sachs Schiffahrtgesellschaft und deren Westküsten Speditionen.

Dieser Protest hat bewiesen, daß die Hafentrucker als Aktivisten von innen, es vorzogen Geld zu verlieren, als die Möglichkeit ihre Muskeln zu zeigen gegen die alles niederwalzenden wirtschaftlichen Kräfte, die im Wortsinne ihr Leben in Gefahr bringen. Selbst und insbesonders inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs. Ihre historische Fähigkeit sich selbst zu organisieren, sich zusammenzuschließen und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen in die eigenen Hände nehmen, entfalte sich vor unseren Augen.

Hunderte weitere Fahrer haben seit dem sich der Arbeitsniederlegung angeschlossen und einige Betriebe sind weiterhin geschlossen wegen zu wenig Personal, um Fracht zu bewegen. Als ihre Trucks geparkt blieben, fragten sie Verbündete und Unterstützer, ob die ihre Stimme verstärken könnten, indem sie dieses Forderungen nach außen tragen und auch in die Gesetzgebende Sitzung mit öffentlicher Fragestunde. Teilnehmer für Teilnehmer sprach dort für den Gesetzesvorschlag, der die Verantwortung für die Abwendung von Sicherheitsrisiken und die Kosten der Bußgelder von den verschwitzen Schultern der Fahrer auf die der megareichen Unternehmen in Konzernhänden schieben sollte, zu deren Handwerkszeug die Fahrzeuge gehören.

Semere Woldu, der seit 8 Jahren im Hafen von Seattle lädt, sprach vor dem Ausschuß: „Unsere Arbeit ist extrem gefährlich. Also sind die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen sehr wichtig. Unglücklicherweise werden wir Fahrer gezwungen die Strafen für den Bruch dieser Bestimmungen zu zahlen, die wir nicht zu verantworten haben. Wir kriegen oft einen Strafzettel oder werden herangezogen für schadhaftes Arbeitsmaterial, das nicht uns gehört. Einmal wusste mein Boß, dass ich eine
schwere Ladung hatte. Er sagte mir die Waage früh morgens zu passieren, während sie noch geschlossen ist, um damit das Wiegen zu vermeiden.“

Immer weitere Fahrer berichteten von illegalem Druck durch ihre Arbeitgeber und teilten ihre Ängste über ihre persönliche Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer. „Jeden Tag lade ich zwei oder drei Ladungen mit Übergewicht, was möglichweise mich und andere gefährdet“, sagte Aynalem Moba, ein Veteran mit 14 Jahren Hafenerfahrung. „Der Truck könnte kippen. Ich fürchte mich oder einen anderen damit umzubringen. Manchmal transportieren wir Gefahrgut ohne es zu wissen.“

“Die Reedereien und Bahngesellschaften zwingen uns mit schadhaftem Material zu arbeiten. Einmal war meine Ladung 4-5000 Pound (1800kg-2250kg) zu schwer und es war auf einem Fahrgestell, dass für schwere Lasten ungeeignet ist. Die Firma sagte, ich soll es trotzdem nehmen“, sagte der Fahrer (seit 13 Jahren) Calvin Borders. „Ich war wirklich nervös deshalb. All diese Extralast zog und drückte an dem Truck. Es ist meine Lenkdichtung gebrochen. Es hat mich 450$ gekostet.. Mein Truck ist mein Leben. Wenn er nicht fährt kann ich nicht arbeiten.

Einige der Protestler wurden gefeuert. Das veranlasste ihre Kollegen dazu aus Solidarität ebenfalls die Arbeit niederzulegen, auch aus Ekel vor dieser Maßnahme. Am Mittwoch haben diese Männer und Frauen, die nicht gewerkschaftlich organisiert waren und verzweifelt nach dem Schutz suchen, den kollektive Verhandlungen bedeuten, Flugblätter verteilt an den Kais und Terminals, um ihre Kollegen von der Hafenarbeitergewerkschaft aufzurufen gemeinsam aufzustehen um geschlossen für die Rechte und unser aller Sicherheit zu kämpfen.

Wir werden werden alle Neuigkeiten veröffentlichen, sobald sie hereinkommen.
Wirst auch du ihnen zur Seite stehen und die Nachricht verbreiten?
http://cleanandsafeports.org/blog/2012/02/01/breaking-america%E2%80%99s-truck-drivers-shut-down-port-of-seattle-to-expose-dangers-of-the-job/