Autor Thema: Kämpferische Stimmung bei den Metallern  (Gelesen 8855 mal)

ManOfConstantSorrow

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #15 am: 20:22:44 Fr. 29.Mai 2020 »
Zitat
War das alles? Streik erzwingt Zugeständnisse, aber es bleibt bei der Schließung von Voith in Sonthofen

Der unbefristete Streik beim Maschinenbaubetrieb Voith in Sonthofen ist nach knapp fünf Wochen beendet. Seit Mittwoch, 27. Mai, arbeiten die rund 500 Beschäftigten wieder voll.




Am Dienstag hatten 87 Prozent der abstimmenden IG Metall-Mitglieder einen mit dem Voith-Konzern ausgehandelten Sozialtarifvertrag zugestimmt. Mit den im Tarifvertrag enthaltenen Regelungen werden die Folgen des Arbeitsplatzverlustes für die Betroffenen in Form von Abfindungen finanziell abgefedert. Aus einem Härtefonds sollen nach Angaben der IG Metall zusätzliche Gelder vor allem für ältere Beschäftigte, Eltern, Alleinerziehende und Lebenspartner, die beide bei Voith arbeiten, bereitgestellt werden. Nach der Beendigung der Produktion im kommenden Herbst, für die noch kein konkreter Termin feststeht, werden die Betroffenen in einer Transfergesellschaft aufgefangen. Dort sollen sie bis zu 18 Monate lang mit Qualifizierungsmaßnahmen unter Fortzahlung eines Unterhaltsgeldes von 80 Prozent des bisherigen Lohns umgeschult werden. Damit soll die Chance auf einen neuen Job vergrößert und der Gang zur Arbeitsagentur verhindert bzw. zeitlich verzögert werden. Somit konnten durch Streikdruck einige Regelungen erreicht werden, die über das hinaus gehen, was der Gesamtbetriebsrat bereits in einem Sozialplan erreicht hatte. Beschäftigte des bisherigen Standorts in Sonthofen können unter Umständen auch an anderen Voith-Standorten weiter arbeiten. Diese sind allerdings weit entfernt und wären mit einem Umzug verbunden.

Alle Auszubildenden können ihre Ausbildung im Betrieb bis zum erfolgreichen Abschluss fortführen. Doch danach gibt es keinen Sonthofener Betrieb mehr, in dem sie als Facharbeiter Anstellung finden und auch keine Garantie auf Übernahme anderswo. Während das Ende der Produktion in dem traditionsreichen Betrieb besiegelt ist, können knapp 170 technische Angestellte im Büro- und Entwicklungsbereich, Controlling, Produktmarketing und Service in einem neuen, tarifgebundenen „Büro Allgäu“ des Voith-Konzerns zunächst weiter arbeiten und erhalten dafür eine Beschäftigungssicherung für drei Jahre. Bisher arbeiteten sie ohne Befristung. Damit droht mittelfristig auch ein Ende dieser Arbeitsplätze in Sonthofen.

Auch wenn hohe Abfindungen für den Arbeitsplatzverlust für einzelne Beschäftigte etwa in rentennahen Jahrgängen vielleicht individuell verträglich sein mögen, ist die Schließung des Betriebs für die Stadt Sonthofen und die Allgemeinheit keineswegs „sozial verträglich“. Jeder Kollege und jede Kollegin muss sehen, wo er oder sie bleibt. Statt kollektivem Zusammenhalt einer kampfstarken und selbstbewussten Belegschaft droht nun Vereinzelung. Existenzängste machen sich breit. Kolleginnen und Kollegen, die bisher solidarisch zusammen gearbeitet haben, konkurrieren nun vielleicht gegeneinander in Bewerbungen um neue Jobs bei einem anderen Betrieb. Vor allem ist es angesichts der jetzt hereinbrechenden schweren Wirtschaftskrise, die auch die Auto- und Zulieferindustrie erfasst hat, völlig unklar, ob alle in der Region überhaupt wieder einen vergleichbaren Arbeitsplatz mit tariflicher Absicherung und ohne Befristung finden werden. Letztlich werden nun direkt oder indirekt Existenzen zerstört und manche Familien auseinander gerissen. Arbeitslosigkeit und Prekarisierung zerstören die Lebensplanung von Millionen.

Mit der Unterzeichnung des Sozialtarifvertrags endet ein achtmonatiger Kampf der in hohem Maße gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in der „Hütte“, wie der Betrieb im Hinblick auf seine mit der Verhüttung von Eisenerz begonnene Tradition vor Ort genannt wird. Im vergangenen Herbst hatte der Voith-Konzern die Pläne zur Schließung der Produktion bekannt gegeben, obwohl der Betrieb profitabel ist. Von einer Konzentration der Produktion in der Turbosparte auf das Werk in Crailsheim (Baden-Württemberg) verspricht sich das Konzernmanagement höhere Profite. Voith hatte den Betrieb in Sonthofen erst 2007 übernommen und macht die Produktion nach fast einem halben Jahrtausend industrieller Tradition dicht. Voith war bisher der größte Arbeitgeber in der Region Sonthofen.

Das Konzernmanagement im württembergischen Heidenheim und die Eigentümerfamilie Voith, die mit ihrem Milliardenvermögen zu den reichsten Familien Deutschlands zählt, haben sich somit trotz finanzieller Zugeständnisse an die Metaller letztlich durchgesetzt. Die von der IGM geweckte Hoffnung, durch einen Streik für einen Sozialtarifvertrag die Kosten für die Schließung so weit in die Höhe zu treiben, dass die Konzernchefs darauf verzichten, ging nicht auf. Dabei kam in dem knapp fünfwöchigen Streik eine große Kampfbereitschaft und Entschlossenheit zum Ausdruck. Die Solidarität in Nah und Fern war beeindruckend. Es wurde deutlich: Streiken ist auch in Corona-Zeiten möglich.

Kampf gegen Betriebsschließungen braucht Perspektiven

Doch es fehlte eine weitergehende Perspektive für die Ausweitung des Kampfes gegen einen der großen deutschen und international operierenden Konzerne. Während die Streikenden sich auf einen heißen Streiksommer einstellten, setzte die bayerische IG Metall-Bezirksleitung von Anfang an auf einen raschen Abschluss und Abbruch des Streiks. So standen die kämpferischen Sonthofener mit ihrem Streik am Ende alleine da, auch wenn es Anzeichen für Solidarität aus anderen Voith-Werken gab. Der Sonthofener Betrieb hat bis zur Schließung offenbar noch volle Auftragsbücher. Der Streik zeigte Wirkung und hätte bei einer Fortsetzung mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mehr Druck auf die Konzernspitze erzeugen können. Doch dieses wirtschaftliche Druckmittel wurde jetzt durch den Streikabbruch von der IG Metall-Bezirksleitung ohne Not aus der Hand gegeben.

Das Voith-Management setzte auf Einschüchterung durch einen Gerichtsbeschluss, der eine Blockade gegen den Abtransport von Halbfertigwaren verbot. Dies zeigt, auf welcher Seite dieser Staat steht. Wer dies kampflos hinnimmt, wer das kapitalistische Privateigentum akzeptiert und nicht antasten will, kann einen Kampf gegen Betriebsschließungen kaum gewinnen. Es ist ein Verbrechen und ein Akt der Maschinenstürmerei, auf der Jagd nach noch mehr Profit die Anlagen zu demontieren und eine so hochmotivierte und kompetente Belegschaft auseinanderzujagen, anstatt ihr die Gelegenheit zu geben, ihre Kreativität und ihr Wissen einzubringen, um nützliche, gesellschaftlich sinnvolle und ökologisch verträgliche Produkte herzustellen. Mit der Schließung der Produktion geht auch eine Insel und Hochburg der Arbeiterbewegung unter – ein Sieg für das Kapital.

Es ist höchste Zeit für eine kämpferische, umfassende gewerkschaftliche Strategie gegen Betriebssschließungen. In den kommenden Monaten und Jahren werden bundesweit vermutlich hunderte Belegschaften vor dieser Frage stehen und einen ähnlichen Kampf führen wie bei Voith in Sonthofen. Diese Kämpfe dürfen nicht mehr vereinzelt geführt, sondern müssen gebündelt und koordiniert werden. Auch Solidaritätskommittees zur Einbindung anderer Gewerkschaften und der Bevölkerung sind wichtig Neue bzw. alte Kampfformen müssen her. Es gab auch schon einmal im Bereich der IG Metall Bayern eine Betriebsbesetzung gegen drohenden Arbeitsplatzverlust: 117 Tage lang hielten die Arbeiter der Firma Hofmann in Eibelstadt bei Würzburg im Winter 1983/84 die Fabrik besetzt. Besetzungen von bedrohten Betrieben gab es in den 1980er Jahren auch anderswo in der Bundesrepublik und in den frühen 1990er Jahren auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR als Antwort auf den industriellen Kahlschlag der Treuhandanstalt. Sie fanden ein starkes Echo.

Besetzungen als Form des Kampfes können den Anspruch verdeutlichen, den Betrieb unter Kontrolle der Beschäftigten weiter zu führen, und zwar ohne Bevormundung durch profitsüchtige Kapitalisten und abgehobene Manager. Sie werfen die Frage auf: Wer herrscht in Wirtschaft und Gesellschaft? Wer bestimmt, was und wie produziert wird? Sie führen logischerweise auch zu der Forderung nach Enteignung von bedrohten Betrieben und von Schlüsselbereichen der Industrie. Dies ist übrigens keine weltfremde Träumerei, sondern in §2 der IG Metall-Satzung als Ziel der Gewerkschaft festgehalten: „Überführung von Schlüsselindustrien und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden Unternehmungen in Gemeineigentum“.

Höchste Zeit für Enteignung und Gemeineigentum

Wann, wenn nicht jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um dieses Ziel in Angriff zu nehmen? Der Voith-Konzern gehört zu den Schlüsselindustrien und ist ein markt- und wirtschaftsbeherrschendes Unternehmen. Wenn Eigentümer und Manager auf der Jagd nach noch mehr Profit einen profitablen Betrieb schließen, gehört ihnen dieser Betrieb aus der Hand genommen. Selbst Grundgesetz und Bayerische Verfassung sehen Enteignungen vor. Enteignungen von kleinen Garten- und Grundstücksbesitzern zum Bau von Straßen sind auch in Bayern Alltag. Wir erleben in diesen Tagen, dass Staatsbeteiligungen an Industriebetrieben kein Tabu mehr sind. Wie sehen, wie der Staat sogar mehr Geld in die Lufthansa steckt, als die Aktien noch wert sind. Warum sollte dann nicht auch der Voith-Konzern enteignet werden? Der Konzern hat übrigens in den letzten zehn Jahren allein für seine Betriebe in Bayern knapp vier Millionen Euro Fördergelder erhalten. Dies ergibt sich aus einer Anfrage der Linksfraktion an das Bundeswirtschaftsministerium.

Im letzten Sommer demonstrierten 50.000 Mitglieder der IG Metall in Berlin für einen „fairen, sozialen, ökologischen und demokratischen Umbau“ von Industrie und Gesellschaft und bekannte sich zu Klimazielen und einer „integrierten Mobilitäts- und Energiewende“. Doch von Tag zu Tag erleben wir jetzt, dass eine solche „sozial gerechte Transformation“ unvereinbar ist mit dem Profitstreben der Konzerne und Banken. „Eigentum verpflichtet zur Nachhaltigkeit“, so der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann an die Adresse der Unternehmer. Noch deutlicher wurden junge Metaller aus Bayern: „Keiner mag Kapitalisten“ und „Chabos wissen, wer enteignet wird“, hatten sie sich in Anlehnung an einen bekannten Rapsong auf Plakate gemalt. Damit solidarisierten sie sich mit der Berliner Bewegung „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“.

Das Thema Enteignung ist also auch schon an der Basis der IG Metall Bayern angekommen. Für die geforderte Transformation und eine Umstellung auf ökologisch verträgliche Produktion werden gerade auch hoch qualifizierte Arbeiter und Angestellte wie die Sonthofener Voith-Beschäftigten gebraucht. Nehmt endlich den Kapitalisten die Betriebe aus der Hand und lasst die Arbeiter und Angestellten ran! Sie können es besser!
https://www.derfunke.de/rubriken/kapital-und-arbeit/2689-war-das-alles-streik-erzwingt-zugestaendnisse-aber-es-bleibt-bei-der-schliessung-von-voith-in-sonthofen
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #16 am: 20:40:39 Fr. 29.Mai 2020 »
Zitat
Die von der IGM geweckte Hoffnung, durch einen Streik für einen Sozialtarifvertrag die Kosten für die Schließung so weit in die Höhe zu treiben, dass die Konzernchefs darauf verzichten, ging nicht auf.

Da mußte ich gerade herzlich lachen. Den gleichen Mist hat die IGM hier in Nürnberg bei der AEG-Schließung 2005 erzählt und ist damit gescheitert.

Wer mehr über den AEG-Streik lesen will:
https://www.br.de/nachricht/mittelfranken/inhalt/aeg-stammwerk-nuernberg-schliessung-100.html

Eine Enteignung von Voith wäre aber nur sinnvoll, wenn das Eigentum an die Arbeiter übergehen würde (zB an eine Genossenschaft). Eine Verstaatlichung würde dagegen dazu führen, dass die Fabrik an die Gesamthand aller Kapitalisten (denn nichts anderes ist der kapitalistische Staat als Unternehmer) übergeht.

Aber als Forderung ist die Enteignung der Bonzen durchaus gerechtfertigt.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #17 am: 09:24:35 Sa. 30.Mai 2020 »
Den gleichen Mist hat die IGM hier in Nürnberg bei der AEG-Schließung 2005 erzählt und ist damit gescheitert.
Es wird so schnell vergessen. Da bauen die Gewerkschaften drauf.
Es fehlt an politischer Aufarbeitung und an zugänglichen Archiven und Zusammenstellungen der Lehren aus Arbeitkämpfen. Das ist das Resultat davon, daß linke Organisationen Betriebspolitik für sich abgeschrieben haben.


Zitat
Aber als Forderung ist die Enteignung der Bonzen durchaus gerechtfertigt.
Absolut! Aber diese Forderung sollte nicht nur von linken Gruppen kommen, sondern auch aus der Belegschaft selbst.

counselor

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #18 am: 16:14:12 Sa. 30.Mai 2020 »
Zitat
LEIPZIG - Belegschaft von Schaudt Mikrosa hat den Kampf aufgenommen

Gegen die geplante Schließung des Schleifmaschinenherstellers Schaudt Mikrosa GmbH, (vormals Tochter der Körber AG, seit 2018 in Besitz eines Investorenpools der Schweizer BZ Bank) und gegen die Vernichtung von rund 200 Arbeitsplätzen hat die Belegschaft zusammen mit der IG Metall Leipzig den Kampf aufgenommen:

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw22/belegschaft-von-schaudt-mikrosa-hat-den-kampf-aufgenommen
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Fritz Linow

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #19 am: 19:29:36 Mo. 15.Juni 2020 »
Zitat
13.6.20
Gemeinsamer Arbeitskampf bei Voith im Allgäu. Enttäuschung über Streikabbruch. Ein Besuch in Sonthofen
(...)
https://www.jungewelt.de/artikel/380180.arbeitskampf-sand-im-getriebe.html

Im Artikel wird auch ein wenig auf die Geschichte der Region eingegangen. Besonders schön:

Zitat
So soll die Unternehmensführung vergangenes Jahr auf einer Betriebsversammlung die Schließungspläne verteidigt haben. Damit Voith-Erben wie Ophelia Nick ihrem Hobby, der Biolandwirtschaft, nachgehen, eine Parteikarriere bei den Grünen vorantreiben und schöne Sonntagsreden über die Verantwortung der Reichen halten können, soll 500 Familien der Lebensunterhalt entzogen werden.

So sindse, die Grünen:
https://gruene-nrw.de/person/ophelia-nick/

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #20 am: 21:10:23 Di. 16.Juni 2020 »
Zitat
KLASSENKAMPF VON OBEN - Angriff mit Ansage

Unternehmerverband Gesamtmetall fordert unverhohlen Abbau von Schutzgesetzen und Tarifrechten – IG-Metall-Protest zaghaft

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/380340.klassenkampf-von-oben-angriff-mit-ansage.html
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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #21 am: 20:37:39 Di. 23.Juni 2020 »
Zitat
Demo und Autokorso in Nürnberg: Hier droht am Donnerstag Stau

NÜRNBERG - Mitarbeiter des Automobilzulieferers "ZF Friedrichshafen" demonstrieren am Donnerstag gegen einen drohenden Stellenabbau. Die IG Metall organisiert eine Kundgebung und einen Autokorso durch die Nürnberger Südstadt.

Quelle: https://www.nordbayern.de/region/demo-und-autokorso-in-nurnberg-hier-droht-am-donnerstag-stau-1.10204214
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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #22 am: 17:50:15 Mi. 24.Juni 2020 »
Die Montagsdemo Nürnberg wird morgen mit einer kleinen Delegation an der Kundgebung und dem anschließenden Autokorso der IG Metall wegen dem Stellenabbau bei "ZF Friedrichshafen" teilnehmen.
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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #23 am: 20:05:59 Do. 25.Juni 2020 »
Die Kollegen waren erfreut über unsere Unterstützung der Aktion und haben sich ausdrücklich dafür bedankt. Hier ein ganz guter Bericht von infranken

Zitat
Arbeitsplätze - Autozulieferer kündigt massiven Stellenabbau an - Demo an fränkischem Standort

Am Freitagnachmittag ruft die Arbeitergemeinschaft IG Metall die Mitarbeiter des Automobilzulieferers ZF zu Demonstrationen auf. Rund 1.000 Arbeitsplätze sind in Nürnberg gefährdet. In Franken gibt es insgesamt fünf Standorte.

Rund 1.000 Arbeitsplätze sind in Nürnberg gefährdet: Der Automobilzulieferer ZF hat Ende Mai einen massiven Stellenabbau in Deutschland angekündigt. Insgesamt sollen rund 15.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die IG Metall hat deshalb zu Protesten aufgerufen: Heute Nachmittag haben sich hunderte Menschen in Nürnberg an einer Kundgebung beteiligt.

Unter dem Motto "Zukunft gestalten - Personal behalten - ZF-Standorte erhalten"ruft die Gewerkschaft zu einer Kundgebung an der Meistersingerhalle auf. Dort traten folgende Redner auf:

Andreas Weidemann (1. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg)
Roland Wehrer (IG Metall Nürnberg)
Udo Hirsch (Leiter des betrieblichen Vertrauenskörpers)
Batuhan Cevik (stellv. Betriebsratsvorsitzender der ZF Nürnberg)
Anschließend fuhr ein Autokorso von der Meistersingerhalle über die Frankenstraße zum ZF-Standort in der Nopitschstraße. Am Standort in Nürnberg sind die Arbeitsplätze von rund 1.000 Beschäftigten gefährdet.

Besonders viele Stellen in Bayern
Von den insgesamt rund 50.000 ZF-Beschäftigten in Deutschland befinden sich mehr als 18.000 Stellen in Bayern. Insgesamt gibt es 50 ZF-Standorte in Deutschland, wobei 11 in Bayern sind. Neben dem Standort in Nürnberg betreibt ZF noch weitere Standorte in Franken:

Aschaffenburg
Bayreuth
Lohr am Main (Landkreis Main-Spessart)
Schweinfurt

Schwere Vorwürfe gegen Automobilzulieferer ZF
Weidemann von der IG Metall erhebt schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen: "ZF verunsichert mitten in der Corona-Krise seine Beschäftigten mit der Ankündigung eines weitreichenden Stellenabbaus. Angesichts der Bemühungen von Politik, Gewerkschaften und den Betriebsräten, die Folgen der Krise für die Betriebe und ihre Beschäftigten abzumildern, ist das ein fatales Signal. Auch ZF wird von dem Milliarden schweren Konjunkturpaket profitieren und hat die Verpflichtung ihren Beschäftigten eine Perspektive zu bieten", heißt es in der Veranstaltungsbeschreibung.

Der zuständige Gewerkschaftssekretär Roland Wehrer hat ein klares Ziel der Aktion: „Die Möglichkeiten zur Kurzarbeit wurden ausgeweitet. ZF muss das nutzen, um an allen Standorten Beschäftigung zu sichern. Insbesondere für Nürnberg erwarten wir von der ZF ein klares Signal zum Erhalt des Standortes und der Beschäftigung. Langfristige Aufträge um das Nürnberger Werk auszulasten sind vorhanden. Eines ist klar: Wir werden um jeden Arbeitsplatz bei der ZF-Gusstechnologie GmbH Nürnberg kämpfen.“

Quelle: https://www.infranken.de/lk/nuernberg/autozulieferer-zf-kuendigt-massiven-stellenabbau-an-demo-in-nuernberg-art-5017787
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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #24 am: 19:15:43 So. 28.Juni 2020 »
Zitat
GELSENKIRCHEN - ZF-Belegschaften demonstrieren

Am Mittwoch und am Donnerstag dieser Woche demonstrierten mehrere Belegschaften des ZF-Konzerns gegen die geplante Arbeitsplatzvernichtung. Weltweit will ZF bis 2025 15.000 Stellen abbauen, davon die Hälfte in Deutschland.

In Friedrichshafen fuhren Demonstranten mit 500 Autos, Motorrädern und Fahrrädern durch die Stadt und verursachten massive Verkehrsbehinderungen. In Diepholz bei Nienburg waren es über 200 Autos bei einem Corso und einer Kundgebung. Von weiteren Protesten wurde berichtet aus Passau, Bayreuth und Nürnberg. Der dortige IG-Metall-Sekretär sah die Aktion als Signal: „Wir wehren uns! Wir kämpfen für unsere Arbeitsplätze!"

Die Weltwirtschaftskrise in Verbindung mit der Finanz- und der Corona-Krise hat bei ZF zu erheblichen Produktionseinschränkungen geführt. Allein bei den Nutzfahrzeugen geht die Konzernleitung von einem weltweiten Rückgang der Nachfrage um 30 Prozent in diesem Jahr aus. Sie haben erhebliche Schwierigkeiten, die Produktion wieder hochzufahren.

Der Vorstand jammert über „hohe finanzielle Verluste“, und hat zugleich für 6,2 Milliarden Euro den US-Bremsenhersteller Wabco gekauft. Damit rüsten sie sich für eine neue Stufe des internationalen Konkurrenzkampfs. Die Krisenlasten sollen auf die Arbeiter und Angestellten abgewälzt werden. Leiharbeiter wurden schon entlassen und befristete Verträge z.T. nicht verlängert.

In Gelsenkirchen-Schalke wurde 2018 die geplante Schließung des Werks durch den Kampf der Belegschaft verhindert. 2019 haben dann 180 Arbeiter über Abfindungen und vorgezogene Rente den Arbeitsplatz verloren, z.T. mit erpresserischen Methoden. In Aussicht gestellt wurde ein Technologiezentrum, aber was wird daraus werden? Zumal ZF in Schweinfurt, Friedrichshafen, im tschechischen Pilsen und im indischen Hyderabad größere Entwicklungszentren für autonomes Fahren und E-Mobilität betreibt. Schon wurde Kurzarbeit bis Jahresende angemeldet.

Die ZF-Kollegen sind gut beraten, den konzernweiten Kampf um jeden Arbeitsplatz und für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich zu entwickeln. Über einen konzernweiten Aktions- und Streiktag wurde in den Belegschaften schon öfters diskutiert. Jetzt ist es an der Zeit!

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw26/zf-belegschaften-demonstrieren
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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #25 am: 18:43:42 Do. 20.August 2020 »
Zitat
WIRTSCHAFT - IG Metall schlägt Vier-Tage-Woche vor, zum Erhalt der Arbeitsplätze in der Metallindustrie

„Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben“, sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, der „Süddeutschen Zeitung“.¹ Arbeitszeitverkürzung ist ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Flut von Personalabbau-Plänen von Konzernen und anderen Betriebe dringend notwendig. So hat das Forschungsinstitut von Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer ermittelt, dass 100.000 Jobs in der Autoindustrie in Deutschland – das ist jeder achte Arbeitsplatz - gefährdet sind. Denn die Automonopole wollen die Lasten der Überproduktions- und Strukturkrisen (v. a. der Umstellung vom Verbrennungsmotor auf E-Antriebe) auf die Belegschaften abwälzen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw34/ig-metall-schlaegt-vier-tage-woche-zum-erhalt-der-arbeitsplaetze-in-der-metallindustrie-vor
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Fritz Linow

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Re: Kämpferische Stimmung bei den Metallern
« Antwort #26 am: 22:50:01 Sa. 10.Oktober 2020 »
Die Automobilindustrie wird demnächst das wichtigste Thema sein. Massenentlassungen und "Transformation". Dagegen ist "Freiräume erkämpfen" nichts.
Dabei spielt die IGM eine wichtige Rolle. Trotzdem ist das Filmchen irgendwie geil:
Zitat
Am Donnerstag den 8.10 organisierten die IG Metall-Betriebsräte des Daimler Werks Untertürkheim eine Aktion gegen die jüngsten Angriffe auf die Belegschaft des Standorts und dessen Zukunft. Nach den eigentlichen Zusagen zum Werkserhalt und zur Jobsicherung möchte das Managment die Verträge brechen- und muss es auch, denn hinter diesem erneuten Angriff steht nicht einfach nur die Niedertracht einiger Bosse, sondern wirtschaftliches Kalkül.