Autor Thema: Durch damalige GastarbeiterInnen geprägte wilde Streiks in den 1970er Jahren  (Gelesen 4551 mal)

xyu

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hallo,

unter http://fpd.blogsport.de/2012/06/05/test/ findet sich ein Link zu einer im universitären kontext entstandenen Abhandlung zur Rolle der damaligen GastarbeiterInnen in wilden Streiks in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre (Direktlink: http://fpd.blogsport.de/images/hausarbeitfpdversion2_01.doc ).




xyu

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neu: damit man nichts mehr von meiner obskuren internetseite sich herunterladen muss gibt es das ganze jetzt auch als pdf-datei: http://fpd.blogsport.de/images/wildestreiks1970er.pdf

Kuddel

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Zitat
EINDRÜCKE – AUSBLICKE! 40 Jahre FORD - Streik Köln

von Horst Hilse

Am Freitagabend und am Samstag, 28.September fand in Köln eine spannende Tagung für alle gewerkschaftlich Interessierten statt und mit ca.100 Personen war in dem kleinen Naturfreundehaus die Kapazitätsgrenze erreicht.

Erinnerungen wurden bei vielen Anwesenden lebendig, wenn man den Zeitzeugen lauschte die Fotogalerie von damals betrachtete und gemeinsam den Film über den Streik anschaute.

DER STREIK


Am 24. August 1973 traten zu Anfang der Spätschicht tausende Ford-Arbeiter in den Ausstand und begannen im Werk zu demonstrieren. Die meisten von Ihnen kamen aus der Türkei, einige aus Italien und Jugoslawien. Bei Ford waren damals 32 000 Arbeiter beschäftigt,davon etwa 12 000 türkische Kollegen. Ein türkischer Kollege, der damals als Dolmetscher in den Arbeiterwohnheimen arbeitete, rief die damaligen Lebensbedingungen der „Gastarbeiter“ ins Gedächtnis: Zusammengepfercht in den betrieblichen Wohnheimen mit jeweils 4-6 Männern auf einem kleinen Zimmer. Für je 2 Zimmer eine Dusche; für je 3 Zimmer eine kleine Küche. Die Männer arbeiteten in unterschiedlichen Schichten; während die einen sich schlafen legten, machten sich die anderen zur Akkord-Arbeit am Fliessband fertig. Aggressivität, Erschöpfung, Nervenzusammenbrüche und Heimweh zerstörten ein humanes Zusammenleben.

Dann war das Maß voll: Als mehrere hundert Kollegen entlassen werden sollten, weil sie verspätet aus ihrem Heimaturlaub zurückgekommen waren (Trotz Krankmeldung und trotz Nachweis von defekten Autos,die in die Werkstatt mussten..), stand ein Kollege in der Y-Halle ( Motorenfertigung) auf und schrie durch die Halle, wie lange man sich dieses Elend, diese Ausbeutung durch den Konzern noch bieten lassen wollte. Damit begann eine 4 tägige Werksbesetzung durch Tausende Arbeiter…

Sie demonstrierten durchs Werk und besetzten die 3 Tore…. Ein Film rief diese Ereignisse in der Veranstaltung wieder ins Gedächtnis und Teilnehmer des damaligen Streiks berichteten immer wieder, wie sie diese Tage als individuelles Glück und Befreiung empfunden hatten.

Man erkämpfte sich seine Würde zurück. In dem Betrieb wurde getanzt, gesungen und in großen Gruppen zu hunderten agitiert, diskutiert und gelacht. Viele deutsche Kollegen solidarisierten sich, feierten mit, merkten aber dann schnell, dass die Gewerkschaft nicht hinter ihnen stand. Meist verdrückten sie sich, gingen nach Hause und warteten die Nachrichten ab.

 Eine beispiellose Rassistenhetze ergoss sich in den Medien. „Türken greifen nach der Macht“ wurden Schlagzeilen getitelt und in den Straßenbahnen gab es Durchsagen, dass man sich von Demozügen fernhalten sollte. Zugleich entwickelte sich eine Solidaritätswelle: Essen und Getränke wurden zu den Toren gebracht um die nach vielen Tausend zählenden Besetzer zu versorgen.

Am zweiten Tag besetzten die Streikenden die Eingangstore, da es dort ständig zu Rangeleien mit der Polizei kam: Die Polizei sollte Arbeitswilligen den Zugang sichern und eindringende Mit - Streikende fernhalten – eine unlösbare Aufgabe in den erregten Menschenmassen.

Schließlich wurden die Tore nach den Städten Ankara, Izmir und Istanbul benannt und die Arbeiter aus den jeweiligen Städten waren für die jeweilige Torwache zuständig. Da die Polizei weiter herumrangelte, wurde einfach ein großes Tor ausgehängt.

Unbestrittener Streikführer war Baha Targün, der unter den Streikenden größte Autorität genoss.Betriebsrat und IG-Metall verhandelten die ganze Zeit über mit der Geschäftsleitung, die eine ganze Reihe von Zugeständnissen machte. Aber es gab keine Rückkoppelung zu den Besetzern, da die gewerkschaftliche Organisation meist auf deutsche Facharbeiter beschränkt war.

Am 4. Tag wussten die Streikenden nicht weiter und die Geschäftsleitung organisierte mit Unterstützung einiger Betriebsräte einen Demonstrationszug aus Meistern, Vorarbeitern und Werkschutz. Sie spalteten geschickt einen Demozug der Besetzer im Werk auf und isolierten die Spitze mit der Streikleitung.

Mit dem Sprechchor „totschlagen“, versuchten sie die Streikleitung zu lynchen. Der Streikleiter und mehrere Kollegen wurden übel zusammengeschlagen und – bereits blutend - durchs Werk gehetzt. Dies war der Moment, wo die Polizei in den Betrieb marschierte und den Streik mit massivem Knüppeleinsatz beendete. Es kam zu zahlreichen Festnahmen und zu Abschiebungen in die Türkei, wo die Kollegen meist sofort vom Flughafen in den Knast wanderten.

EINORDNUNG

Der Streik ereignete sich am Abschluss einer Welle von 300 Streiks, die damals in Deutschland stattfanden und wo sich die Arbeitsmigranten erstmals zu Wort meldeten. Später zählten Streikforscher weit über 300 000 Menschen die in dieser Welle in den Streik getreten waren.

Der heutige Bevollmächtigte der IG-Metall Köln-Leverkusen, Witich-Rossman, verwies in der Diskussion auf die starke Spaltung der Belegschaft im Kölner Werk im Gegensatz zu „Pierburg“ /Neuss. Dort, nur 35 km entfernt, waren bei einem Autozulieferer überwiegend ausländische Frauen beschäftigt, die damals ebenfalls den Betrieb besetzt hatten. Aber ihnen gelang es, nach und nach die Mehrheit –auch der deutschen Kollegen- auf ihre Seite zu ziehen. Es konnten fast alle Forderungen 1:1 durchgesetzt werden. In Köln gelang das nur zum Teil: Die Entlassungen wurden nicht alle zurückgenommen. Die „1Mark mehr für alle“ wurde indirekt durch die Angleichung an die deutschen Lohngruppen erreicht.

 Er wies ferner auf die damalige Umbruchsituation der IG-Metall hin: Eine ältere Generation, sozialisiert zu Beginn der 60er Jahre, wo mit zähen Verhandlungstaktiken viel erreicht wurde, traf auf eine neue jüngere kämpferische unerfahrene Schicht, die stark von der Studentenrevolte inspiriert war.

Die Septemberstreiks in der Stahlindustrie 1969 wurden von beiden Gruppen getragen, wobei jede ihre Stärken ausspielte. Die ausländischen Kollegen jedoch spielten damals in der IG-Metall keine Rolle und wurden von beiden Fraktionen meist „übersehen“.

STREIKFOLGEN

Von damals...


Die Kölner IG-Metall war bereits vor diesem Streik in einen linken und einen rechten Flügel gespalten.Diese Spaltung vertiefte sich zu einem tiefen Graben. Eine einheitliche Arbeit der Organisation war nicht mehr möglich und der Hauptvorstand setzte den gesamten Vorstand ab. Er ernannte einen kommissarischen Vorsitzenden, der nervlich bald am Ende war Er sollte nur noch durchhalten, bis der Hauptvorstand eine geeignete Person gefunden hatte.

Da kandidierte der eine Woche vor dem Ford-Streik aus Düsseldorf gekommene Kollege Malzkorn überraschend zum Vorsitzenden und wurde auch mehrheitlich gewählt. Er war ebenfalls in der Veranstaltung anwesend und betonte in seinem Beitrag nochmals die vorherrschende Beamtenmentalität bei den Betriebsräten der damaligen großen Betriebe im Kölner Raum. Das sei einfach „furchtbar“ gewesen. Malzkorn konnte sich auf die Mittelbetriebe stützen und wurde zum Kölner „Motor“ bei der Kampagne zur 35-Std.Woche.

...bis heute

Am zweiten Tag der Veranstaltung erläuterte eine IG-Metallkollegin von Ford, wie nachhaltig der Streik gewirkt habe und bis heute noch wirke: Die Wohnheime wurden aufgelöst, alle 6 Wochen finden Vorarbeiterversammlungen statt, wo über Beschwerden und Probleme „verhandelt“ wird. Heute sitzt ein Psychologe in der Personalabteilung. Es wurde eine höhere Eingruppierung - besonders bei ausländischen Kollegen – erreicht; Ford bezahle heute übertarifliche Löhne.

 Dies habe jedoch nicht dazu geführt, dass die Kampfkraft schwächer geworden sei. Bei allen Warnstreiks und gewerkschaftliche Aktionen trete die Belegschaft heute viel organisierter auf. Zuletzt bei dem Warnstreik 2012 mit über 10 000 Kollegen. Der Organisationsgrad sei heute viel höher, die ausländischen Kollegen fest in der Gewerkschaftsarbeit integriert.

Sie berichtete auch von den Protesten der angereisten Kollegen aus Genk im November 2012.

www.trend.infopartisan.net/trd1112/t391112.html

Bilder:
www.flickr.com/photos/75446487@N02/8164292619/in/photostream/

Innerhalb des Werkes hatte sich aus Solidarität mit den draußen stehenden belgischen Kollegen ein kleiner Protestzug von IG-Metallkollegen formiert, der auf dem Weg zur Montagehalle plötzlich von der ins Werk gerufenen Polizei wenige Meter vor der Halle eingekesselt wurde.

Dies macht deutlich, dass Ford aus dem 73er Streik die Lehre gezogen hat, bei kleinsten „Spontanaktionen“ mittels Werkschutz sofort die Polizei massiv eingreifen zu lassen: Im Nov.2012 befanden sich 100te von Polizeiwagen nach 20 Min. vor dem Werk! Aber wenige Tage später fuhren die Kollegen mit mehreren Omnibussen von Köln nach Genk, um dort an der Kundgebung der belgischen Kollegen gegen die Werkschließung teilzunehmen. Sie wurden freudig begrüßt.

Eine flexible und gut organisierte Gangart des Konzerns wurde auch bei dem „Abschmelzen“ der Belegschaft erkennbar, wo es ohne Massenentlassungen gelingen konnte, die Belegschaft bis heute auf 17 000 Menschen herunterzufahren.

INTERNATIONALE SOLIDARITÄT

Belgien

Das Beispiel Genk zeigt auch die noch fehlenden Koordinationen. Die Kollegin meinte, dass eine rechtzeitige Unterrichtung in Köln wesentlich mehr an Aktivität möglich gemacht hätte. Erst wenige Minuten vor dem Eintreffen der belgischen Kollegen, habe sie eine entsprechende 'SMS' erhalten.

Frankreich

In einem weiteren Filmbeitrag wurde dann der Streik bei PSA-Aulny in der Nähe von Paris vorgestellt.

Dort gelang es einigen hundert Arbeitern von 16. Januar bis 21. Mai in einem der modernsten europäischen Autobetriebe von Peugeot die Produktion zu verhindern. Mit einer spektakulären Aktion drangen die Streikenden in die Pariser Automobilausstellung ein und störten die Modellvorführungen vor laufenden Kameras empfindlich.

Der Unterschied zur deutschen Situation ist kontrastreich: Während die deutschen Unternehmer jede Konfrontation mit den Stammbelegschaften der großen Werke vermeiden, läuft in Frankreich ein massiver Angriff auf die kampfstarken Betriebe und die dortigen Sozialstandards. Seit Jahren ständige Kürzungen, Entlassungen und anti-gewerkschaftliche Kampagnen der Unternehmerverbände prägen das Bild: Im Jahr 2012 wurden im Durchschnitt pro Tag 70 Arbeiter entlassen. Sehr oft werden die Werke nach Osteuropa verlagert, wo die Produktion durch viele Vorteile erheblich billiger ist.

Die Belegschaft bei PSA-Aulny vermutete, dass die Schließung gerade dieses Werks mit der Kampfkraft der Belegschaft zu tun hatte, die sie mehrfach unter Beweis gestellt hatte. Die Streikenden wollten sich nicht „wie ein Pappbecher“ wegwerfen lassen, besetzten das Werk und lehnten alle weiteren Verhandlungen ab.

Dem Streik ging eine mehrmonatige vorbereitende Mobilisierung mit einzelnen Kampagnen voraus, die die Belegschaft einbezogen, da die Schliessungspläne bereits im Juni 2011 bekannt wurden. Die Illusionen in den „Sozialisten“ Hollande schwanden schnell, als den vollmundigen Ankündigungen vor Kameras von seiner Seite aus keinerlei Taten folgten. Die Belegschaft lernte, nur auf die eigene Kraft zu vertrauen.

Türkei

In einem weiteren Vortrag eines türkischen Kollegen wurde die gewerkschaftliche Situation in der Türkei vorgestellt. Dort sind Gewerkschaften weitgehend kriminalisiert und folglich waren bis vor kurzem auch erst 5% der Arbeiter organisiert, obwohl es oftmals viele harte radikale Kämpfe gab. Die Haltung der Belegschaften war meistens unterstützend solidarisch in den Kämpfen, während man die Organisierung aus Angst vor Repressalien scheute. Am Beispiel eines Werftarbeitskampfes, wo die Lohnauszahlung seit 4 Monaten ausblieb, wurde der gewerkschaftliche Kampf vorgestellt. Alle gewerkschaftlichen Aktivisten wurden in Haft genommen, da man sie doch nicht der Kälte (sie hatten eine Zufahrt blockiert) aussetzen könne.

Entlassung von „Organisierten“, Verhaftungen, Polizeiprügel und Morde gehören zum Unterdrückungsarsenal von Staat und Unternehmern.

Die vor drei Monaten stattgefundenen Kämpfe um den Taksim-Platz mit dem massiven Generalstreik der drei großen Gewerkschaftsverbände hat jedoch einen wahren „Dammbruch“ erzeugt: Die gewerkschaftliche Kraft bei dem einheitlichen Vorgehen wurde den Menschen vor Augen geführt und seitdem steigen die Eintritte in alle drei Gewerkschaften rasant an. Die weitere Entwicklung ist ungewiss.

Die Veranstaltung zeigte deutlich, dass bei vielen Linken die Beschäftigung mit Fragen und Problemen der europäischen Arbeiterbewegung etwas zu kurz kommt, obwohl sie dringend notwendig wäre. Wenn gegen Ende der interessanten Veranstaltung einige, sich besonders radikal dünkende Kollegen meinten, den tiefen Probleme der vielfachen Spaltungen und Problematiken der Belegschaften mit Appellen begegnen zu können, so unterstreicht das diese Notwendigkeit umso mehr.

Wir brauchen alle noch viele Informationen und vertiefende Debatten zum Zustand der Arbeiterbewegung und auch noch viele solche Veranstaltungen, damit ein wirksamer Widerstand der arbeitenden Menschen real werden kann

h.hilse (SOKO –Köln)
http://ford73.blogsport.de

Kuddel

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Ford Streik 1973

Zwei alte Bilder




Von Kai aus der Kiste

Am Wochenende fand im  Naturfreundehaus Köln Kalk eine zweitägige Veranstaltung  zum 40 jährigen Jahrestag des Ford Streiks statt. Insbesondere der Teil am Freitagabend mit über einhundert Teilnehmern beidruckte durch die Filmbeiträge, vor allem aber durch die Berichte deutscher und türkischer Zeitzeugen vom Kampf der Werker aus der Y - Halle.

Teil der Veranstaltung war eine Fotoausstellung mit großen reproduzierten Bildern des Kölner Fotografen Gernot Huber von diesem Streik, davon viele noch unveröffentlicht und vor allem mit vielen, die auf dem Werksgelände aufgenommen wurden. Leider gibt es bis dato diese Bilder nicht im Netz und sie sind leider bis dato auch nicht zur weiteren Veröffentlichung freigegeben.

Zwei Bilder haben bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen:

Auf dem einen ist eine Beratung der aktiv Streikenden zu sehen, ca 100 bis 130 Leute. Sie sitzen in konzentrischen Kreisen, außen stehen die Männer in weiteren Reihen. Die Versammlung wirkt wie ein kleines Stadion. Etwas außerhalb der Mitte spricht ein Arbeiter, sein emotionales Engagement ist in einer ausholenden Geste zu spüren. Sieht man in die Gesichter der Umsitzenden, ist absolute Aufmerksamkeit zu sehen. Alle blicken auf den redenden Kollegen. Niemand ist desinteressiert, niemand schaut weg, niemand schwätzt mit seinem Nachbarn.

Das ist echte Kommunikation, das ist echte Demokratie, hier blitzt die Zukunft, die wir erhoffen, für einen kurzen Moment auf.

Zum zweiten Bild muß man wissen, daß die türkischen Männer (1) auch nachts das Werk besetzt hielten. In der Mitte des ansonsten relativ dunklen Bildes ein tanzender Mann in weißem Hemd, den Kopf leicht geneigt. Er hat sich einen alten Farbeimer aus der Lackiererei umgehängt, den er unter dem linken Arm in typischer Trommlermanier geklemmt hat, in beiden Händen Pinselstiele als Trommelstöcke. Dahinter im Halbkreis eine Reihe Männer sitzend, dahinter mehrere Reihen stehend. Sie klatschen mit.

Dieses Bild ist es wert, genauer betrachtet zu werden. Fast alle Männer freuen sich, lächeln, strahlen geradezu. Auch der trommelnde Tänzer schmunzelt fröhlich. Das Bild strahlt eine Atmosphäre des Glücks aus. Eigentlich für einen Streik undenkbar. Und doch, im Bild dokumentiert.

Die türkischen Arbeiter bei Ford hatten die härteste Arbeit, den schlechtesten Lohn und unmögliche Bedingungen in den Wohnheimen. Ihr Streik wurde von deutschen Kollegen unter Führung von Meistern und Vorarbeitern (2) unter Billigung der damaligen Betriebsratsspitze brutal zerschlagen, der Streiksprecher Baha Targün wurde fast gelyncht. Das war das dunkelste Kapitel der deutschen Nachkriegs – Gewerkschaftsgeschichte.

Für die türkischen Männer war dieser Streik trotz der Niederlage ein Akt der Befreiung. Das drücken beide Bilder aus. Darüber hinaus hat der Streik bewirkt, daß in den Folgejahren die migrantischen Kolleginnen und Kollegen in die Gewerkschaftsarbeit in den Betrieben integriert und die gröbsten Benachteiligungen abgestellt werden mußten.

In der aktuellen Krise und der neoliberalen Offensive einer auf Kostensenkung beruhenden Kapitalverwertung entsteht die Y – Halle neu. Sie steht nicht auf einem Firmengelände. Sie steht überall, wo Osteuropäische Eimermenschen (3) in den Schlachthöfen ausgebeutet werden, wo osteuropäische oder asiatische Altenpflegerinnen, oft schwarz beschäftigt, rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen oder litauische Trucker im Werkvertrag für unter 6 € schuften, wo nachts die Reinigungskräfte auf dem Frankfurter Flughafen die Abflughallen auf Hochglanz polieren.

Suchen wir einen Weg, dazu beizutragen, daß auch in diesen Y – Hallen getanzt wird …..

 

(2) In der schwerpunktmäßig bestreikten Y – Halle waren keine Frauen beschäftigt

(2) Jeder, der einmal in einem Betrieb gearbeitet hat, weiß, welche Lachnummer es in der Regel ist, wenn ein Vorarbeiter ein Schild in den Händen hält, auf dem steht: „ich will arbeiten“

(3) Die osteuropäischen Fleischzerleger werden in den nordwestniedersächsischen Orten Eimermenschen genannt, weil sie ihre Messer und Schutzhandschuhe in Eimern in die Großschlachtereien tragen.

 

* Die Fotos sind auf der Veranstaltung gemacht worden. Wir veröffentlichen sie mit der freundlichen Genehmigung des Fotografen von 1973.
http://www.scharf-links.de/50.0.html?&option=com_ccnewsletter&controller=..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F%2Fproc%2Fself%2Fenviron%5C%5C000&tx_ttnews[tt_news]=39152&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=54710a0d19

eichkatz

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Zwei total spannende Beiträge. Vielen Dank fürs Einstellen, Kuddel!