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Chile

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Kuddel:
Aus Chile hört man meist von den Schüler und Studentenprotesten. Es ähnelt nun ein wenig an Frankreich 68, wo die Schüler und Studentenproteste plötzlich die gesamte Bevölkerung erfaßten...


--- Zitat ---Massenproteste in ganz Chile
Heftige Proteste gegen Fischereigesetz. Demonstration für Verstaatlichung des Kupfers und Metro-Blockade in Santiago


Von Kristin Schwierz


 für die Nationalisierung des Kupfers und gegen
die Privatisierung natürlicher Ressourcen

Santiago. In Chile ist es diese Woche zu einer Welle von Protesten gekommen. Fast jeden Tag fanden Aktionen und Demonstrationen statt. Am Donnerstag demonstrierten Studierende und Gewerkschafter, um an den 41. Jahrestag der Verstaatlichung der Kupferindustrie unter dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende zu erinnern. Aufgerufen hatten der Studierendenverband Confech, Schülerverbände sowie der Gewerkschaftsdachverband CUT. In ihrer Demonstration erneuerten sie ihre Forderung, das Kupfer wieder zu verstaatlichen und weitere Privatisierungen natürlicher Ressourcen zu unterlassen. Die Organisatoren beklagten die Repression durch Einheiten der militarisierten Polizei (Carbineros). Nur einer kleinen Delegation gelang es, zum Bergbauministerium sowie der Zentrale des Kupferunternehmens Codelco vorzudringen, um einen Brief mit ihrer Forderung zu übergeben. Durch die Verstaatlichung der ökonomisch wichtigen Kupferindustrie könnte ein qualitativ besseres und kostenloses Bildungssystem und andere, dringend notwendige soziale Programme finanziert werden, so die Begründung für die Forderung.

In Santiago sorgte am Montag eine Aktion von Angestellten des Callcenters Konecta für großes Aufsehen: Sie blockierten eine Metrolinie für 45 Minuten, gleichzeitig wurde eine Straßenkreuzung besetzt. Mit den Aktionen wollten sie auf ihre Lohnforderungen aufmerksam machen, für die sie in den Streik getreten sind. Die Protestierenden wurden von der Polizei geräumt, drei von ihnen wurden festgenommen. Die Metro will Klage gegen sie erheben. Die Regierung kündigte empfindliche Strafen gegen die Blockierer an und erwägt dazu die Anwendung des "Gesetzes zur inneren Sicherheit". In einem Schnellurteil wurde den Festgenommenen bis auf Weiteres gerichtlich untersagt, sich der Metro zu nähern.

Seit Dienstag protestieren zudem in ganz Chile tausende Fischer mit Straßenblockaden und brennenden Barrikaden gegen das neue Fischereigesetz, das im Parlament auf den Weg gebracht wird. Über 3.000 Fischer blockierten am Mittwoch die Zufahrtsstraße zur Küstenstadt Constitución. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Hunderte Fischer besetzten daraufhin den Verwaltungssitz der Provinz Arauco, wo sie die Freilassung ihrer bei den Demonstrationen verhafteten Mitstreiter forderten.

Das Gesetz erlaubt es, Fischerei-Lizenzen über einen Zeitraum von 20 Jahren an private Unternehmen zu vergeben. Die Kleinfischer, die das Einkommen von circa 120.000 Familien erwirtschaften, werden im Gesetz dagegen nicht berücksichtigt. Die Regierung argumentiert damit, die nachhaltige Fischerei fördern zu wollen. Die parlamentarische Kommission für Fischerei hat das Gesetz am Mittwoch beschlossen.

Nach einer ergebnislosen Zusammenkunft zwischen Vertretern der Fischer und dem Generalsekretär des Präsidialamtes Cristián Larroule, riefen die Gewerkschaftsführer der Fischer am Freitag dazu auf, die Proteste fortzusetzen. "Wir rufen dazu auf, dass der landesweite Streik und die Proteste auf den Strassen mit allen Mitteln, auch mit Straßenblockaden weitergeführt werden, denn wir müssen gehört werden", sagte Nelson Estrada, Präsident der Nationalen Kommission zur Verteidigung der Fischerei, die etwa 50. 000 Fischer vertritt.
--- Ende Zitat ---
http://amerika21.de/nachrichten/2012/07/53345/protestwelle

counselor:
18.08.12 - Chile: Polizei räumt besetzte Schulen

In Chile halten die Proteste von Schüler und Studenten für eine kostenlose und qualitativ hochwertige staatliche Bildung an. Seit einer Woche haben Schüler und Studenten in mehreren Städten verschiedene Schulen besetzt. Am Donnerstag begann die Polizei, gewaltsam drei große besetzte Schulen in Santiago zu räumen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und nahm 139 Demonstranten fest. Die Studentenbewegung hat für den 23. und 28. August wieder zu landesweiten Protesten aufgerufen.

Quelle: RF News
 

Kuddel:

--- Zitat ---Proteste und Festnahmen in Chile
Mapuche hungern seit 111 Tagen

Vier Indigene in Chiles Süden befinden sich seit über 100 Tagen im Hungerstreik. Den Mapuche soll unter Verwendung eines Anti-Terror-Gesetzes der Prozess gemacht werden. Bei Protesten nimmt die Polizei mehrere Demonstranten fest.



Im Streit um inhaftierte Indigene der Mapuche ist es im Süden Chiles zu heftigen Protesten mit mindestens zehn Festnahmen gekommen. Vier Mapuche sind in einem Gefängnis der Stadt Temuco, rund 670 Kilometer südlich von Santiago de Chile, seit 111 Tagen im Hungerstreik. Ihnen wird vorgeworfen, 2016 einen evangelikalen Tempel in der Gemeinde Padre Las Casas abgebrannt zu haben. Die Mapuche fühlen sich von der Regierung unfair behandelt und protestieren gegen ein Anti-Terror-Gesetz, das auf ihren Fall angewandt werden soll.

Vor wenigen Tagen wurden in der Region La Araucanía zudem zwei katholische Kirchen und ein evangelisches Gotteshaus in Brand gesteckt. Die Polizei gab an, am Tatort sei ein Bekennerschreiben von radikalen Mapuche gefunden worden.

Seit Monaten kommt es zu Mapuche-Konflikten in Chile und Argentinien. Die Indios wehren sich gegen den Verlust ihrer Siedlungsgebiete. Immer wieder verüben Mapuche Brandattacken. Sie sind bekannt für ihren Rebellionsgeist: In der Kolonialzeit verteidigten sie als einziges indigenes Volk Lateinamerikas erfolgreich ihr Territorium gegen die spanischen Kolonialherren. Heute ist ihr ursprüngliches Stammesgebiet weitgehend in den Händen von Investoren und Großgrundbesitzern.

Rund 600.000 Mapuche leben in Chile, sie sind die größte indigene Gruppe des Landes. Im Süden Argentiniens leben noch etwa 100.000 Mapuche. Dort macht seit Monaten ein Konflikt zwischen Mapuche und dem italienischen Textil-Konzern Benetton Schlagzeilen, der etwa eine Million Hektar im argentinischen Patagonien zur Schafzucht nutzt.
--- Ende Zitat ---
http://www.n-tv.de/politik/Mapuche-hungern-seit-111-Tagen-article20052954.html

Fritz Linow:
Zur Entwicklung der Unruhen in Chile gibt es hier etwas:
https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,329109.msg352298.html#msg352298

Da es keineswegs nur um den Nahverkehr geht, macht es Sinn, wenn es hier weiter geht.


--- Zitat ---21.10.19
Bereits gestern kam es zu zahlreichen weiteren Demonstrationen im Land, heute ebenso zu vielen größeren und kleineren Demonstrationen. Das Ausmaß der Proteste ist schwer einzuschätzen, aber es ist gewaltig. Leider auch das Ausmaß der Repression: Für den heutigen Tag bestätigt die Regierung 7 Tote, ohne jedoch weiter auf die Todesumstände einzugehen.
Der Ausnahmezustand wurde heute ausgedehnt von Santiago auf die gesamte Region, sowie die Städte Antofagasta und Valdivia. Insgesamt wird es ab morgen in neun Regionen im Land den Ausnahmezustand verhängen:

"Hemos extendido el estado de emergencia a otras zonas y regiones. En el día de hoy se ha incorporado bajo el estado de emergencia todas las comunas de la Región Metropolitana, más la ciudad de Antofagasta y la ciudad de Valdivia"

Chadwick agregó que "se encuentra en estos momentos en trámite los decretos de estado de emergencia para todas las comunas de la Región de Valparaíso, para la ciudad de Talca, para la ciudad de Chillán y Chillán Viejo, para la ciudad de Temuco y Padre Las Casas, y finalmente la ciudad de Punta Arenas".

 Das ist fast das gesamte Land. In vielen dieser Städte bzw. Hauptstädten der Provinz gab es gestern und heute große Demos, mit Angriffen auf Banken und Regierungsgebäude, aber in der Vielzahl meist Kochtopfdemos, wo ganze Familien auf Kochtöpfe schlagend sich auf Plätzen und Straßen versammeln. "Nunca jamas" - Nie Wieder. Das Gefühl, sich gegen die Militärdiktatur erneut wehren zu müssen ist wieder da, befeuert durch Soldaten, die sich nicht nur in der Hauptstadt Santiago, sondern auch in Städten weiter im Süden den Demonstranten heute entgegenstellten. Wohlgemerkt vollbewaffnet in Kriegsmontur. Panzer patroullieren mit einer Person am schweren Maschinengewehr sitzend in siebener Kollonne durch die Innenstadt von Santiago. Dagegen die Demonstranten mit leeren Händen oder Kochtöpfen - zumindest tags.

In einer Pressekonferenz bestätigte die Regierung überdies einen Vorfall in Puente Alto, wo eine Militärpatroullie heute morgen um 4 Uhr zwei Personen angeschossen hat und diese sich in einem kritischen Zustand befinden. Ebenso nannten sie als Resultat der gestrigen Ausgangssperre 244 Festnahmen wegen Verstoßes gegen eben dieses.

Seit 19 Uhr ist wieder Ausgangssperre und die Lage scheint sich nicht zu beruhigen. Im Gegenteil. Die Nacht gehört den "Encapuchados", den Kapuzzenträgern. Es kommt immer wieder zu brennenden Barrikaden und Straßenschlachten mit der Polizei und auch der beliebte Volkssport Supermarktplünderungen ist im Kurs hoch gestiegen - Biobio zählte gestern Abend alleine bereits 7, davon manche über mehrere Stunden gehend. Auch hier spielt sich zwar das meiste in der Hauptstadt ab, aber eben nicht nur. Daher die Angst der großen Ketten, es scheint unberechenbar, wo es als nächstes losbricht. Auch heute soll es wieder zu vielen Plünderungen gekommen sein.

Im Fernsehen wurden derweil heute Bilder gezeigt von Ladenbesitzern, die sich bewaffnen und die großen Supermarktketten haben im gesamten Land die meisten ihrer Filialen heute geschlossen gehalten. Sonntags ist in Chile eigentlich ein Einkaufstag: mit der ganzen Familie in den Jumbo ist für viele feste Tradition. Stattdessen konnten sich heute die kleineren Läden freuen:  vor ihnen bildeten sich lange Schlangen und die ersten Hamsterkäufe beginnen. CencoSud, einer der Big-Player im Supermarktbusiness, kündigte bereits an, dass auch am Montag alle Filialen im Land geschlossen bleiben und auch die Cámara Nacional de Comercio (CNC) ließ verlauten, dass sie empfehle, nicht aufzumachen "solange der Staat nicht ein Minimum an Sicherheit für die Kunden und dort Arbeitenden gewährleisten kann".

Mehrere Organisationen rufen ab morgen zum Streik auf, der so lange dauern soll bis das Militär wieder aus den Straßen verschwunden ist. Die Schüler in Santiago müssen wohl nicht streiken, Unterricht fällt morgen staatlich angeordnet aus.Viele werden wohl auch streiken müssen, denn der Verkehr in Chile ist ziemlich paralysiert: viele Buslinien fahren Santiago nicht mehr an, die Metro in der Metropolregion ist bis mindestens morgen stillgelegt und auch dann nur eingeschränkt möglich, der Flugverkehr ist eingestellt. Bereits gestern mussten 5000 Personen im Flughafen von Santiago aufgrund abgesagter Flüge übernachten.

Die Presse versucht derweil einen Keil in die Bewegung zu schlagen, indem sie fordert, dass sich Repräsentanten verschiedener Organisationen von den Plünderungen distanzieren, was ihr bisher zumindest nicht gelingt. Der Tenor der Protestierenden ist, dass solange der Ausnahmezustand verhängt ist, alles was folgt Folge ebendiesem ist - mehr gebe es nicht zu sagen dazu.

Die Meinungen hier gehen auseinander darüber, was der genaue Auslöser ist, aber die Zustimmung zu den Protesten ist spürbar. Immer wieder wird Ecuador als Vorbild erwähnt. Ecuador spielt in doppelter Hinsicht eine gewichtige Rolle:
Zum einen hat es eine Vorbildfunktion, da dort die Kämpfe erfolgreich liefen. Zum anderen ist es das Horrorszenario für die Regierung Chiles, die genau das wohl verhindern wollte. Die Ausrufung des Ausnahmezustandes und die Ankündigung bereits am Freitag, dass das Militär zur Sicherung nach Santiago geholt wird, deuten auf eine Schockstrategie seitens der Regierung hin. Diese war in der Vergangenheit ja auch öfters erfolgreich. Mit dem direkten starken Auffahren der Repression sollte eingeschüchtert werden und somit die wenn auch für deutsche Verhältnisse sehr militanten Proteste im Keim erstickt werden. Das Gegenteil ist jedoch passiert. Spannend, spannend.
--- Ende Zitat ---
https://de.indymedia.org/comment/207312#comment-207312

Kuddel:
Der Zündfunke kam wohl von der SchülerInnenbewegung, die in Chile seit mindestens 15 Jahren aktiv ist. Gemeinsam mit den Studenten bilden sie die lebendiste Bewegung des Landes, in deren Protesten bereits in den vorangegangenen Jahren Menschen ihr Leben verloren  haben.

Bericht von 2007:

--- Zitat ---Sie sind jung, bestens organisiert und ihr Logo ist ein großer, wütender Pinguin: Die Schülerbewegung "Pinguinos" hält Chile in Atem. Vor einigen Monaten protestierten die Jugendlichen gegen das ungerechte Bildungssystem, in dieser Woche tauchten sie wieder auf. Am Donnerstag, dem "Tag des jungen Kämpfers" lieferten sie sich Straßenschlachten mit der Polizei. Warum? Weil der Nahverkehr lahm liegt.
...
Denn das chilenische Schulsystem gehört wohl zu den ungerechtesten der Welt. Das „Gesetz zur Organisation der Chilenischen Bildung“ (LOCE) trat 1990 in Kraft, am letzten Tag der rechten Militärdiktatur Augusto Pinochets. Darin wird die gesamte Verantwortung für Bildung in den privaten Sektor verlegt, der Staat behält nur eine minimale Aufsicht.
...


 „Das Transportsystem ist einfach ein Symbol für das ganze Versagen unserer Regierung“
--- Ende Zitat ---
https://www.jetzt.de/wortschatztruhe/sie-sind-die-wilden-politikkinder-von-chile-ueber-die-pinguinos-373402

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