Autor Thema: Unseriöse Geschäftspraktiken von Finanzdienstleistern  (Gelesen 1695 mal)

Versicherungshasser

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Unseriöse Geschäftspraktiken von Finanzdienstleistern
« am: 21:28:18 Mo. 09.Mai 2005 »
So, nun muss ich hier mal was loswerden, da ich selbst davon betroffen bin.

Zur kurzen Vorgeschichte: Anfang letzten Jahres war ich aufgrund von Stellenabbau in meiner Branche kurzzeitig arbeitslos. Da ich mit dieser Situation nicht wirklich zufrieden war, schrieb ich zahlreiche Bewerbungen, jedoch erfolglos. In meiner Verzweiflung meldete ich mich nach einiger Zeit telefonisch auf eine Zeitungsannounce von einer Firma, die angeblich Mitarbeiter in verschiedenen Positionen einstellen würde. Prompt wurde ich aufgrund meines Anrufes zum "Vorstellungsgespräch" eingeladen. Ich war zwar ein wenig verwundert, daß das so schnell ging aber natürlich freute ich mich in erster Linie darüber ein Vorstellungsgespräch zu haben. Auf meine Frage am Telefon, was denn die Firma so macht wurde ich am Telefon mit einer Aussage in der Art "Ja das würde ich Ihnen gerne persönlich zeigen" vertröstet. Gutgläubig und ohne zu wissen was mich erwartet und was diese Firma eigentlich betreibt ging ich dann dort auch hin.

So weit so gut. Der Tag meines "Vorstellungsgespräches" kam. Als ich das Gebäude und die Büroräume betrat, machte alles einen sehr gepflegten Eindruck und ich wurde höflich begrüßt. Nach ca. 15 Minuten wurde ich dann zur Leiterin des "Unternehmens" hereingeholt. Schnell war für mich klar, worum es sich handelt. Ein Finanzdienstleistungsunternehmen. Na toll dachte ich, so ein Bullshit, ich suche Arbeit und nicht sowas.

Andererseits machte es einen guten Eindruck auf mich, das Konzept passte, die Leute machten keinen übermässig schmierigen Eindruck und auch sonst alles klang recht plausibel. Zudem war ich arbeitslos und verzweifelt auf der Suche nach einem Job. Ich wollte einfach nur arbeiten und Geld verdienen! Ich dachte mir, das ist sicher was anderes wie dieser übliche Versicherungs- und Finanzdienstleister-Abzockescheiss. Wie sich später herrausstellte sollte diese gutgläubige Naivität bereuen.

Und so nahm das ganze seinen Lauf, ich ließ mich unter der Vorgaukelung falscher Tatsachen dazu überreden dort anzufangen. Aber nein, doch nicht etwa als Angestellter, sondern auf freiberuflicher Basis (mit dem Hintergrung, daß sich diese Scheissfirma nämlich sämtliche Sozialabgaben spart und sich möglichst gut von den Mitarbeitern distanzieren kann wenn irgendwas schiefläuft).

Das angebliche Fixgehalt mit dem ich geködert wurde, war an bestimmte Mindestvorraussetzungen gebunden, die für einen Branchenfremden wie mich nur schwer oder gar nicht erreichbar waren. Witz Nr. 1.

Aber dumm und naiv wie ich war, gab ich natürlich mein Bestes um nicht zu versagen, schließlich musste ich ja auch von was leben.

Sogar feste Arbeitszeiten waren dort vorgeschrieben. Witz Nr. 2 für einen "Selbstständigen" ohne wirkliches Fixgehalt. Denn für das musste ich ja meine Leistung bringen: Versicherungen verkaufen; Auch wenn dies dort natürlich ganz anders dargestellt wurde.

So machte ich weiter, nachdem ich mich einen Monat vertrösten ließ und mit ach und krach die Mindestbedinungen beim zweiten Anlauf geschafft hatte bekam ich großzügigerweise Geld, welches laut Kontoauszug als Vorschuß betitelt wurde.

Das machte mir Hoffnung. Ließ sich in dieser Branche etwa tatsächlich Geld verdienen? Laut den Pflichtseminaren, welche großzügigerweise kostenfrei waren (sonst hätten die mich gleich gekonnt) ja. Meistens erzählten irgenwelche Unsympathen im Anzug dort was von Erfolg, dem großen Geld und um wieviel besser doch "unsere Gesellschaft" sei als alle anderen. Wenn ich die übrigen Seminarteilnehmer sah, dann kam mir sowieso das Kotzen, so schleimig waren die. Das beste war, daß sich nach jedem dummen Gelaber was am Rednerpult vorgetragen wurde alle selbst beklatschten. Fragt sich nur für was. Witz Nr. 3

Ich wollte mich zwar nicht entmutigen lassen, jedoch kam ich langsam aber sicher dahinter daß sich hinter dem Prinzip dieser Firma genau das Verbarg wie bei allen anderen Finanzdienstleistern und Versicherungen auch:

Groß Leute anwerben, meistens Arbeitslose oder Junge Leute und deren Naivität gnadenlos ausnutzen. Sobald diese unter der Vorgaukelung falscher Tatsachen angefangen haben wird ihnen erstmal ne Lebensversicherung oder ein ähnlichr Dreck verkauft. Dann deren Verwandte und Bekannte abgreifen um denen mittels Schönrederei, verdrehter Tatsachen und Verblendung ebenfalls irgendeinen Versicherungsdreck zu verkaufen, der für den Kunden zwar keinen Nutzen hat aber ne Menge Provision bringt. Von dieser Provision jedoch sehen nur die was, die ganz oben sitzen wo ein Normalo nie hinkommt (auch wenns ihm erzählt wird)

Mir wird schlecht wenn ich daran denke wie meine angeworbenen Kunden zum Teil langjährige Verträge gekündigt haben auf anraten von sogenannten "Beratern" um anschließend ihr teuer verdientes Geld irgendein wertloses Abfallprodukt einzuzahlen, das nicht annähernd die Leistung hatte, wie das Vorherige. Wurde natürlich dem ahnungslosen Kunden gegenüber anders hingestellt. Wenn ich daran denke mit welcher Schleimigkeit das ganze dann noch geschah muss ich echt gleich kotzen gehen. Im übrigen wurden die Schreiben zur Kündigung der Altverträge gleich von der Firma ausgedruckt, der Kunde brauchte nur zu unterschreiben.

Wenn es jedoch ein Kunde wagte fragen zu stellen oder mißtrauisch zu werden, dann wurde er gleich abserviert oder als Idiot hingestellt und hintenrum mit einer Abfälligkeit behandelt die ich hier nicht wiedergeben möchte. Ähnlich wurden auch die Leute in den Seminaren für die Mitarbeitergewinnung behandelt die lästige Fragen stellten. Statt Fragen zu klären war Selbstbeweihräucherung angesagt.

Hab dann irgendwann das Handtuch geschmissen weils immer krasser wurde. Hab den ganzen Schwachsinn nichtmehr ertragen. Konnte es auch nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren von Berufswegen Leute über den Tisch zu ziehen.

Ich für meinen Teil bin raus aus der Sache und um eine Erfahrung reicher. Will mit Versicherungen und der ganzen damit verbundenen Abzockerscheisse nichts mehr zu tun haben. Habe mittlererweile auch wieder eine richtige Arbeit. Mir tuts nur um die Leute leid die sich jeden Tag aufs neue wieder in sowas reinziehen lassen. Dumme finden diese Betrügergesellschaften ja immer. Im Endeffekt wird nur die Verzweiflung der Leute ausgenutzt.


Was ich hier jetzt geschrieben habe, ist eigentlich nur die Spitze eines ganzen Eisberges. Wollte nur mal wissen ob jemand schon ähnliche oder gar gleiche Erfahrungen gemacht hat, bzw. inwieweit man sich gegen sowas wehren kann. Würd mich über ein wenig feedback freuen.Ich weiß ja nicht ob die vielleicht irgendwann mal auf die Idee kommen, Geld von mir zurückzuverlangen (Hat mich sowieso alles mehr Geld gekostet als ich da verdient hab) oder ähnliche Scherze.

Soweit wars das erstmal von mir. Entschuldigt eventuelle Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehler, die ich im Eifer des Gefechts übersehen haben mag.