Autor Thema: Krankes Gesundheitssystem - Leben im Sozialstaat  (Gelesen 1829 mal)

Eivisskat

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Krankes Gesundheitssystem - Leben im Sozialstaat
« am: 20:00:24 So. 21.Oktober 2012 »

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Re:Krankes Gesundheitssystem - Leben im Sozialstaat
« Antwort #1 am: 20:19:25 Mi. 31.Oktober 2012 »
Zitat
8. Schwere Vorwürfe gegen KKH Allianz
Eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands, die KKH Allianz, hat schwer kranke und damit besonders teure Versicherte dazu aufgefordert, zu kündigen. Dies geht aus internen Telefonprotokollen hervor, die Frontal21 vorliegen.
Quelle: ZDF frontal21

Quelle: NDS

So sieht Wettbewerb aus, alles viel besser und effizenter, nur krank sollte man nicht sein oder werden.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

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Re:Krankes Gesundheitssystem - Leben im Sozialstaat
« Antwort #2 am: 12:33:25 Mi. 07.November 2012 »
Zitat
Neue Vorwürfe gegen KKH-Allianz
Arme und Kranke als Neukunden unerwünscht

Arme und chronisch Kranke sind in der KKH-Allianz bei der Anwerbung von Neukunden nicht erwünscht. Das belegen interne Geschäftsunterlagen, die Frontal21 vorliegen, sowie Aussagen mehrerer Vertriebsmitarbeiter.

„Eindeutiges Geschäftsziel“ der KKH-Allianz sei es, „kranke, alte oder gering verdienende Leute nicht in der Kasse zu haben“, sagten ehemalige und aktive Vertriebsgeschäftsleiter gegenüber dem ZDF. Erst vergangene Woche hatte Frontal21 aufgedeckt, dass KKH-Allianz schwer Kranke telefonisch zum Kassenwechsel gedrängt hatte. Der Präsident des Bundesversicherungsamts, Maximilian Gaßner, bewertet diese Geschäftspraxis im ZDF als „Verletzung des Kernbereichs der Pflichten einer Krankenkasse.“

KKH-Allianz entschuldigt sich

Inzwischen hat die KKH-Allianz gegenüber Frontal21 schriftlich eingeräumt, dass „in Einzelfällen Mitgliedern im Zusammenhang mit der Erhebung von rückständigen Beiträgen auf inakzeptable Art und Weise ein Wechsel der Krankenkasse angeboten worden ist.“ Die KKH-Allianz entschuldigt sich hierfür bei den Betroffenen. Der Eindruck, die Kasse würde „systematisch“ einkommensschwache und kranke Versicherte ausgrenzen, treffe aber „in keiner Weise zu“. Die KKH-Allianz setze sich im Gegenteil „seit Jahren für chronisch Kranke ein.“

Frontal21 liegen jedoch Geschäftsunterlagen der KKH-Allianz vor, nach denen Vertriebsmitarbeiter nur dann eine Provision für die Anwerbung von Neukunden erhalten, wenn diese mindestens 1000 Euro Brutto im Monat als Arbeitnehmer verdienen. Außerdem zahlt die KKH-Allianz ihren Vertrieblern laut diesen Unterlagen nur dann eine so genannte „Qualitätsprovision … in voller Höhe“, wenn Neukunden nicht zu hohe Leistungen in Anspruch nehmen.

Mitarbeiter bestätigen Provisionssystem

Vertriebsmitarbeiter bestätigten dem ZDF dieses Provisionssystem. Einer sagte gegenüber Frontal21, von Alten und Kranken „soll ich mich gänzlich fern halten, weil ich dort absolut keinen Cent verdiene und die KKH solche Leute auch nicht gerne aufnehmen möchte“. Ein anderer sagte: „Eindeutiges Geschäftsziel der KKH-Allianz ist: wir wollen keine chronisch Kranken versichern.“

Die KKH-Allianz bestätigte gegenüber Frontal21, dass die Aktivitäten des Vertriebs „auf bestimmte Mitgliedergruppen“ fokussiert seien. Dies sei notwendig, so die Kasse, um „die ausgewogene Versichertenstruktur“ zu sichern.

Aufsichtsbehörde prüft Vorwürfe

Das Bundesversicherungsamt prüft derzeit, ob die KKH-Allianz gegen Gesetze verstoßen hat. Der Präsident der Aufsichtsbehörde, Maximilian Gaßner, sieht „gravierende Vorwürfe, die durchaus mit belastbaren Daten belegt sind.“ Allerdings gehöre zu einem abschließenden Urteil eine ausführliche Stellungnahme der KKH-Allianz. Diese erwartet das Bundesversicherungsamt zum 14. November 2012.

Die KKH-Allianz ist eine der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Nach neuester Mitteilung hat sie rund 1,4 Millionen Mitglieder. Die Kasse ist verpflichtet, alle Versicherten gleich gut zu behandeln, egal ob jung oder alt, gesund oder schwer krank.

Quelle: frontal21 (mit Video)

Massenhaft Einzelfälle! Warum die mediale Aufregung, sie klatschten Beifall als die gesetzlichen Kassen zu marktwirtschaftlichem Handeln gezwungen wurden.
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Re:Krankes Gesundheitssystem - Leben im Sozialstaat
« Antwort #3 am: 15:34:55 Mi. 07.November 2012 »
Die Krankenkassen sind auch nur ein Spiegel der Gesellschft.
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

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Re:Krankes Gesundheitssystem - Leben im Sozialstaat
« Antwort #4 am: 19:15:55 Mi. 25.Dezember 2013 »
Zitat
Der graue Star

Dieser Augenarzt ist Krankenkassen und Gesundheitskonzernen ein Dorn im Auge. Und manchmal auch der Stachel im Fleisch seiner christdemokratischen Parteikollegen. Denn Hans-Walter Roth rebelliert unverdrossen gegen den Ausverkauf des Gesundheitssystems. In seiner Ulmer Armenklinik behandelt er auch jene Menschen, die sich medizinische Versorgung nicht mehr leisten können.
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Besonders in Fragen der Gesundheitspolitik sieht Roth rot. Die zunehmende Privatisierung und das damit einhergehende Gewinnstreben zulasten einer fairen Allgemeinversorgung für alle Menschen haben seiner Ansicht nach bereits unerträgliche Formen angenommen. "Die Konsortien haben den Patienten längst als Melkkuh ausgemacht", sagt der Mann, der als Vater und Entwickler der Kontaktlinse gilt. "Gesundheit gibt es bald nur noch für Wohlhabende." Um an die entsprechenden Futtertröge zu kommen, machten Krankenkassen und Großversorger gemeinsame Sache und unternähmen jegliche Anstrengungen, Praxen niedergelassener Ärzte zu übernehmen, um medizinische Versorgungszentren zu installieren.

"Enteignung" nennt der renommierte Augenarzt diese planvolle Vorgehensweise, der auch seine Praxis 2008 zum Opfer gefallen ist. Damals wurde der Druck über Budgetkürzungen so lange erhöht, bis sich die Praxis nicht mehr rechnete: "Die Praxen werden regelrecht ausgehungert." Eine Belagerung mit schriftlicher Ankündigung: "Ich erhielt einen Brief mit der Mitteilung, dass ich runterbudgetiert werde." Zuvor belief sich das zugestandene Regelleistungsvolumen pro Patient und Quartal auf 80 bis 90 Euro. "Dann wurde es heruntergesetzt auf 18 Euro." Und der gewünschte Effekt stellte sich prompt ein – Roth gab seine Praxis auf: "Ich wäre nicht mehr zahlungsfähig gewesen."

Nutznießer seien gewinnorientierte Konsortien wie Sana, Helios oder die Rhön-Klinik, die Preise gegenüber den Krankenkassen bestimmen könnten und sich nur noch jenen Patienten bevorzugt widmen würden, deren Krankheitsbilder lukrativ zu behandeln seien. "Kaufleute haben längst die Macht über die Medizin übernommen", bestätig die Ulmer Autorin Renate Hartwig. ...
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Quelle: kontextwochenzeitung.de

Es ist frustrierend mit anzusehen wie ein vormalig gutes Gesundheitssystem zerstört wird, der Markt richtets.
Und wieder werden die Toten die das "erfolgreichste aller Systeme" auskotzt nicht gezählt.
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Dieter Hildebrandt
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