Autor Thema: Frage zur "Entlohnung" von Lehrern  (Gelesen 4736 mal)

der große Zampano

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 186
Frage zur "Entlohnung" von Lehrern
« am: 22:47:38 Do. 01.November 2012 »
Mal eine Frage. Was verdient ein Lehrer eigentlich so ? (normaler Abschluss Lehramt und relativ frischer Einstieg und nicht verbeamtet).

Meine Frage erklärt sich folgendermaßen. Wenn das stimmt was ich als Ausschreibung gefunden habe, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass den Lehrern buchstäblich "aktuell alles sch**ßegal" ist.

Mein Fund: stellvertretende(r) Direktor(in) (also ordentlich Verantwortung) soll "nur" TVÖD 10 oder 11 (max. ca. 2750 brutto) bezahlt werden.
Was bekommt dann ein "normaler Lehrer" ohne Funktionsstelle ? (1500 Brutto ?)

Interessiert mich brennend, weil ich dann "weiß" was meinem Kind in "einiger Zeit" blüht. Lustlose Schüleraufbewahrung.

Hatte mein Studium zum Teil mit "Lehrämtern" zusammen. Vieles was die erzählten war für mich zum Teil zu "fantastisch", um dies zu glauben. Jetzt beginne ich sämtliche Äußerungen und BEschwerden der Lehramsstudenten noch als Untertreibung zu betrachten.

Dearhunter

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 514
Re:Frage zur "Entlohnung" von Lehrern
« Antwort #1 am: 04:46:17 Fr. 02.November 2012 »
Es darf nicht vergessen werden, dass es innerhalb der Besoldungsstufe alle paar Jahre eine automatische Erhöhung gibt. Nach etwa 10 Jahren werden so aus dem 2700 etwa 1000 Euro mehr.
Das gilt für verbeamtete und auch für angestellte Lehrer.
Nach diesen etwa 10 Jahren ergibt das je nach Steuerklasse und Verbeamtung oder nicht mit eventuellen Kinderzuschlägen zwischen 2500 und 3200 netto.

Die normalen Tariferhöhungen kommen natürlich noch dazu.


DH

Dearhunter

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 514
Re:Frage zur "Entlohnung" von Lehrern
« Antwort #2 am: 05:26:21 Fr. 02.November 2012 »
Ich werf noch ein paar Tabellen hinterher ...


http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrer-gehalt/3707


DH

der große Zampano

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 186
Re:Frage zur "Entlohnung" von Lehrern
« Antwort #3 am: 11:58:38 Fr. 02.November 2012 »
Da muss sich aber der Lehrer sehr anstrengen.

Mit Lohnsteuerklasse 1 sind 3000 netto selbst bei höchster Stufe E15 und "Tarifstufe 5" schwer möglich.

Und bei Verheirateten mit Lohnsteuerklasse 3 erst nach 16 Dienstjahren und auch nur unter der Bedingung von Entgeltgruppe 14.

Und die aus dem Link ersichtlichen "Nettozahlen" gelten ja "nur" für Beamte und die "dürfen ja noch private Krankenkasse zahlen. Das bleibt da unberücksichtigt.

Hab dann noch noch die Kommentare gelesen. Wenn denen zu trauen ist bleibt der obere Teile der Seite lediglich "graue Theorie" mit wenig Praxisbezug.


Quelle z.B.
http://www.tvoed-rechner.de/

Korrektur meinerseits: Je nach Steuerfreibetrag.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12273
  • Fischkopp
Re:Frage zur "Entlohnung" von Lehrern
« Antwort #4 am: 09:48:45 Di. 18.Oktober 2016 »
Zitat
Lehrer:
4,50 Euro Stundenlohn

Lehrer ist ein Halbtagsjob? Dieser Referendar arbeitet meist 60 Stunden pro Woche, vor Unterrichtsbesuchen bekommt er nicht mehr als drei Stunden Schlaf.


Name: anonym
Alter: 28
Position: Referendar
Branche: Lehramt an Gymnasien
Unternehmensgröße: 100 Kollegen, 1.000 Schülerinnen und Schüler

Ich werde nicht ganz uneigennützig Lehrer, und das meine ich nicht der Ferien wegen. Lernen finde ich einfach geil. Mit der Fremdsprache Englisch, die ich unterrichte, kann ich fast die ganze Welt verstehen und bereisen. Bio, mein anderes Fach, begeistert mich, weil es erklärt, wie unser Körper und damit unsere Lebensgrundlage funktioniert. Dadurch, dass der Zeitgeist der Pädagogik mittlerweile mehr das Individuum in den Vordergrund rückt, ist Schule auch nicht mehr so steif wie noch vor 50 oder sogar 20 Jahren. Die Kinder sollen im Unterricht lieber zum Sprechen motiviert werden, anstatt ihnen mit der Holzhammermethode einzuimpfen, dass bei "he, she, it" das "s" auch mit muss. Wobei das natürlich auch wichtig zu wissen ist. Aber eben nicht nur.

Weil ich der Erste in meiner Familie bin, der Abitur gemacht hat, ist es mir wichtig, einen sicheren Job zu haben. Ich möchte später mal nicht so doll auf’s Geld gucken müssen, wenn ich oder meine Familie mal in den Urlaub fahren möchten. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Als Referendar in NRW verdiene ich 1.343 Euro brutto und damit etwa 1.100 Euro netto. Damit komme ich nur aus, weil ich noch für 350 Euro in einer WG auf 12 Quadratmeter lebe und meinem Studi-Lifestyle treu geblieben bin, abgesehen vom Feiern und dem sozialen Leben leider. Das ist wirklich das letzte, wofür ich gerade Zeit und Energie habe.

Wie auch, wenn ich praktisch sieben Tage die Woche minimal 45 meistens aber eher 60 Stunden arbeiten muss. Zweimal die Woche gehe ich zum Fußball, das ist alles, was ich mir gerade gönnen kann. Sonst lebe ich für die Arbeit und bin froh, wenn ich sechs Stunden am Tag schlafen kann.

Ähnlich wie bei fertig ausgebildeten Lehrkräften verbirgt sich auch bei uns Referendaren die meiste Arbeit nicht im Stundenplan. Offiziell muss ich zwar nur 14 Stunden in der Woche unterrichten, dazu kommt dann aber noch ein vierstündiger Seminartag und eine Vorbereitungszeit von drei bis vier Stunden pro Unterrichtseinheit sowie 45 Minuten Korrekturzeit pro Klassenarbeit.

    Unterrichtsbesuche sind der Gipfel der Perversion


Das heißt, dass ich fast jeden Tag nach drei bis vier Zeitstunden in der Schule noch mal locker sechs am Schreibtisch draufschlagen muss. Auch am Wochenende. In dieser Zeit muss ich für meine 9. und 10. Klassen Material sichten, vor allem im Sinne des "kooperativen Lernens" Gruppenarbeitsphasen gestalten und sicherstellen, dass sich die Unterrichtseinheit in das, was die Kinder im gesamten Schuljahr lernen müssen, einfügt.

Ich persönlich arbeite dabei aus ökonomischen wie ökologischen Gründen gerne mit dem Schulbuch, weil ich dann nicht so viel kopieren muss. Auch wenn das für Referendare eher verpönt ist, weil man zeigen soll, dass man auch selber Arbeitsblätter konzipieren kann. Das gilt vor allem in Unterrichtsbesuchen, die meines Erachtens den Gipfel der Perversion darstellen. Wirklich jeder weiß, dass der Anspruch an diese und die Realität im Schulalltag nicht zusammenpassen. Das sind Kunststunden, die wir dort vorbereiten und abhalten sollen.

In NRW muss man während des Referendariats elf solcher Unterrichtsbesuche abhalten, was im Vergleich zu anderen Ländern aber echt okay ist. Nichtsdestotrotz sind diese Unterrichtsbesuche, in der mein Unterricht von mehreren Personen besucht und im Anschluss eine Stunde besprochen wird, der reinste Horror. Auf meinen letzten UB, wie wir Referendare das abkürzen, habe ich mich fünf Tage lang vorbereitet. Das hieß, dass ich zunächst fünf Tage vorarbeiten musste, damit ich überhaupt Zeit dafür hatte.

Drei Stunden Schlaf

In den drei Tagen vor dem Unterrichtsbesuch habe ich pro Nacht drei Stunden geschlafen. Durchgehalten habe ich das nur mit Koffeintabletten. Im Nachhinein haben die mir körperlich zwar echt zugesetzt, noch mal nehmen würde ich sie aber trotzdem. Das ist ein Stresslevel, das ich bislang noch nie gekannt habe. Dass an unserer Schule gerade Referendare zum zweiten Mal durchgefallen sind und sie damit jegliche Chance auf den Lehrerberuf verspielt haben, erhöht den Druck dazu.

    Sofort in den Schuldienst einzutreten kann ich mir gerade beim besten Willen nicht vorstellen.


Vor allem Gespräche mit älteren Kollegen geben mir trotzdem Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Wenn man sich erst mal seinen Grundstock an Lehrmaterialien aufgebaut hat und man so viel Erfahrung gesammelt hat, dass man auch mit Türschwellenpädagogik, also der Unterrichtsvorbereitung mit dem Übertreten der Türschwelle, oder nur mit Buch guten Unterricht gestalten kann. Weil man dann weiß, wie es funktioniert und man von den vielen Stunden Vorbereitung zehren kann. Und dann ist das Lehrersein mit 3.000 Euro netto vielleicht wirklich irgendwann der "gut bezahlte Halbtagsjob", von dem man landläufig spricht. Die ganzen Klassenarbeiten natürlich nicht mit einberechnet.

Bis dahin muss ich mir sicher noch ein paar Nächte um die Ohren schlagen, um didaktische Kunstwerke zu vollbringen und in der Zwischenzeit daran arbeiten, dass ich meinen Unterricht schneller vorbereiten kann, ohne dass die Qualität groß darunter leidet. Ansonsten spare ich das, was bei einer Arbeitswoche von 60 Stunden und 4,50 Euro Stundenlohn netto über bleibt, für die Zeit nach dem Referendariat. Sofort in den Schuldienst einzutreten kann ich mir nämlich gerade beim besten Willen nicht vorstellen.
http://www.zeit.de/campus/2016-10/lehrer-gehalt-referendar-lehramt-gymnasien