Autor Thema: Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!  (Gelesen 8222 mal)

Eivisskat

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Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« am: 20:03:13 Di. 15.Januar 2013 »
Zitat
Lassen Sie sich diesen Film nicht entgehen!

Er zeigt wie kaum ein anderer, dass “Markt” und “Wirtschaft” heute ausnahmslos jeden Lebensbereich unserer Gesellschaft bestimmen. Viele medizinische Eingriffe sind nicht nur teuer, sondern auch unnötig – und manche sogar schädlich.

Operiert wird trotzdem, denn teure OPs bringen den Kliniken satte Gewinne. Die Ärzte werden immer häufiger zu Erfüllungsgehilfen der Finanzabteilung. Wer nicht mitmacht, ist out, berichtet ein Insider: „Wenn ein Arzt nicht in Reih und Glied läuft, dann wird er plötzlich nicht mehr zu Operationen eingeteilt. Wenn so was nicht fruchtet, dann wird er gemobbt und abgemahnt, bis er kündigt.“


Wer hingegen viel operiert, wird großzügig mit Boni entlohnt. Und viele niedergelassene Ärzte werden in einem illegalen Netz von Fangprämien von den Krankenhäusern dafür bezahlt, dass sie möglichst viele Patienten für OPs überweisen. Diese Kranken, die ihrem Arzt vertrauen und keine unabhängigen Informationen über die Notwendigkeit und Qualität von Operationen und Operateuren erhalten, werden zu Opfern des Systems.

Gibt es etwas Schlimmeres, als wenn diejenigen, die gezwungen sind, ihrem Arzt zu vertrauen, als wirtschaftliche Melkkühe ausgenutzt werden, weil “der Markt” dazu zwingt, Gewinne zu machen auf dem Rücken der Gesundheit des Patienten? Vor allem auch angesichts der aktuellen Privatisierungstendenzen des Gesundheitssystems in Spanien ist dieser eindringliche Film eminent wichtig.

Das eindringliche Video, das gestern in der ARD ausgestrahlt wurde, finden Sie hier:

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/13046542_vorsicht-operation?buchstabe=R



Lesen Sie dazu auch:* Gewinnmaschine Operationssaal: Ärzte warnen vor sich selbst



Quelle: http://uhupardo.wordpress.com/2013/01/15/alles-ist-markt-alles-ist-wirtschaft-vorsicht-operation/#more-4887

Eivisskat

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #1 am: 16:14:14 Mi. 16.Januar 2013 »
TV-Wiederholung der Dokumentation "VORSICHT OPERATION" auf Phoenix:

27.02.13 um 21.00h und am 28.02.13 um 01.30h und 08.15 und 19.15h

Eivisskat

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #2 am: 15:32:09 Fr. 18.Januar 2013 »
Zitat
Organspende-Skandal an Münchner Klinikum weitet sich aus - Laut "SZ" Unregelmäßigkeiten in rund 30 Fällen

Die Zahl der Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen im Münchner Klinikum rechts der Isar ist offenbar höher als bislang bekannt. An dem Klinikum soll es in den Jahren 2007 bis 2012 knapp 30 Verstöße gegen die Richtlinien für Lebertransplantationen gegeben haben, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Bei drei Patienten sollen Blutproben aktiv manipuliert und in elf Fällen Alkoholkranke auf die Warteliste gesetzt worden sein, obwohl diese noch nicht die erforderlichen sechs Monate abstinent waren.

Darüber hinaus geht es dem Bericht zufolge auch um fälschlicherweise angegebene Dialysen, die die Transplantation dringlicher erscheinen ließen, aber auch um Patienten mit Leberzirrhose, die als "hochdringlich" gemeldet wurden, obwohl sie die dafür notwendigen Kriterien womöglich nicht erfüllten.

Zudem wurden Krebspatienten transplantiert, bei denen sich bereits Metastasen gebildet hatten. Das Klinikum erklärte gegenüber der Zeitung, erst nach Abschluss der Untersuchungen werde man "die Ergebnisse bewerten, die Konsequenzen daraus ziehen und diese veröffentlichen".

Neben München hat es auch an den Unikliniken in Göttingen, Regensburg und Leipzig Manipulationen bei Organtransplantationen gegeben. In Göttingen wurde vergangene Woche ein Transplantationschirurg festgenommen. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags in neun Fällen sowie der schweren Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft prüft auch noch weitere Verdachtsfälle. Der Mediziner soll Krankenakten manipuliert haben, so dass bestimmte Patienten bevorzugt eine Spenderleber erhielten.

weiter: http://de.nachrichten.yahoo.com/organspende-skandal-münchner-klinikum-weitet-095401539.html



Eivisskat

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #4 am: 15:39:34 So. 07.Juli 2013 »
Zitat
Warnung der Weltärzte: EU-Pläne für Pharmatests gefährden Schutz der Patienten

Die EU-Kommission will die Regeln für klinische Studien vereinfachen. Weniger Bürokratie soll der Pharmaindustrie nutzen und wieder mehr Forschung möglich machen. Riskiert wird der Schutz für Patienten, kritisieren Mediziner.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/klinische-studien-plaene-der-eu-gefaehrden-patienten-a-907817.html

Zitat
Weltärzte warnen vor EU-Pharmaplänen bei Menschenexperimente

"Landet man etwa als Patient in einem Krankenhaus, an dem gerade eine bestimmte Medikamentenstudie läuft, wird man automatisch Testperson", berichtet das ehemalige Nachrichtenmagazin. "Egal ob Krebskranker oder Unfallopfer: Der Patient müsste aktiv mitteilen, dass er an der Studie nicht teilnehmen will. Wenn er das nicht kann, etwa weil er bewusstlos ist oder unter Schock steht, müsste er eine entsprechende Verfügung bei sich tragen."

Und damit das auch reibungslos klappt, wird kurzerhand auch an der Bewilligungsschraube solcher Menschenversuche gedreht. Zitat: "Der Prüfbehörde, die über die Zulassung einer Studie entscheidet, bleibt nur eine Frist von 12 bis 32 Tagen, um den Pharmatest auf Qualität und ethische Richtigkeit zu prüfen. Verpassen die Fachleute diese Frist, gilt der Antrag automatisch als angenommen. Ein wirksamer Schutz der Patienten werde so praktisch verhindert."

So Leute, mal eben bitte alle die Hand heben, wer die Parteien gewählt hat, die sich vor der Pharmaindustrie in den Staub werfen? Na, wo sind denn die über 80 Prozent aller Wähler, die hier jubelnd CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE ankreuzen - und somit unschuldige Menschen ins Verderben reissen, wenn sie bei einem Autounfall automatisch zum Versuchskaninchen für profitgesteuerten Pharmakonzerne werden?

Ach ja (Zitat): "Die EU-Kommission begründet ihre Pläne mit wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten zur Rettung des Pharmastandorts Europa." Oder anders formuliert: Die beste Demokratie die man sich kaufen kann.

http://www.duckhome.de/tb/archives/11074-Aufgelesen-und-kommentiert-2013-07-04.html

Kuddel

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #5 am: 11:35:33 Fr. 23.August 2013 »
Gesundheit als Ware und der Amoklauf neoliberaler Gesundheitspolitik

Ein paar zufällig zusammenkopierte Beispiele:

Zitat
Zahl der Operationen steigt rapide

Im Jahr 2011 gab es in deutschen Krankenhäusern drei Millionen Operationen mehr als noch 2005. Am häufigsten greifen Ärzte an Hüften und Knien ein.


Dem Bericht zufolge habe es im Jahr 2005 12,13 Millionen Operationen gegeben. 2011 seien es bereits 15,37 Millionen gewesen. Die Zahl der Wirbelsäulen-OPs habe sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Nirgendwo sonst in Europa habe es 2010 so viele Hüftoperationen gegeben wie in Deutschland. Auch bei den Knie-OPs liege Deutschland mit 213 Eingriffen pro 100.000 Einwohner im europäischen Vergleich vorne.

Weltweit ist Deutschland dem Bericht zufolge zudem eines der Länder mit den meisten Kaiserschnittgeburten. Von 1.000 Babys im Jahr 2010 seien 213 per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Im OECD-Vergleich sei der Anteil mit 447 Schnittentbindungen je 1.000 Geburten lediglich in Mexiko höher gewesen.

Die Linke führt den Anstieg auf das Fallpauschalensystem zurück, das medizinische Leistungen pro Behandlung statt nach dem Behandlungszeitraum vergütet. Zudem seien Krankenhäuser chronisch unterfinanziert.
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-08/operationen-deutschland-gesundheitsministerium

Zitat
Organspendeskandal
Als Arzt zum Richter über Leben und Tod

Transplantationschirurgie ist die Königsklasse der Medizin. Aiman O. steht vor Gericht, weil er ihre Grenzen überschritten haben könnte. Was trieb den Angeklagten an?


Der Mediziner soll bei der Meldung von Daten seiner Patienten an die zentrale Vergabestelle Eurotransplant absichtlich falsche Angaben gemacht haben, so dass diese, "seine" Kranken auf der Warteliste weit nach oben rückten.
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-08/organspende-skandal-transplantationschirurg

Zitat
Jeder dritte Verdacht auf Behandlungsfehler ist richtig

Gutachter haben rund 12.500 Beschwerden über falsche Behandlungen untersucht. Fast jeder dritte Verdacht bestätigte sich. Besonders Operationen können Fehler verursachen.
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-05/Medizin-Behandlungsfehler-MDK

Zitat
"Sie brauchen ein neues Gelenk"

Wie verhindert man sinnlose Operationen? Wie viel Wettbewerb verträgt das Krankenhaus?


Früher war das Hauptziel eines Krankenhauses, kranke Menschen wieder gesund zu machen. Dass die Kosten dabei nicht aus dem Ruder liefen, war eine Nebenbedingung. Heute steht die Nebensache im Vordergrund. Das gesamte Gesundheitswesen wird zunehmend nach ökonomischen Kriterien gesteuert, auch die Krankenhäuser. Darin liegt das Problem. Die Patienten sind zu einer Art Portfolio geworden. Wie optimiert man es? Indem man die Diagnosen so stellt, dass lukrative Fälle dabei herauskommen.
http://www.zeit.de/2013/18/krankenhaeuser-mathias-binswanger-karl-lauterbach

Troll

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #6 am: 17:07:21 Mi. 18.September 2013 »
Zitat
Heil- und Hilfsmittelreport
Tausende durch Implantate gefährdet

Tausende Patienten in Deutschland sind nach Einschätzung des Bremer Gesundheitsforschers Gerd Glaeske durch fehlerhafte oder riskante Medizinprodukte gefährdet. In den Körper einsetzbare künstliche Gelenke, Stents, Herzschrittmacher oder Brustimplantate seien zu wenig getestet, sagte Glaeske bei der Vorstellung des neuen Heil- und Hilfsmittelreports der Krankenkasse Barmer GEK in Berlin. "Wir haben Probleme zuhauf."
....

Quelle: t-online
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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #7 am: 11:37:29 So. 09.Februar 2014 »
Zitat
Schrott im Körper

Plötzlich senden implantierte Defibrillatoren tödliche Elektroschocks aus oder sie explodieren sogar im Körper. Künstliche Hüftgelenke brechen, Prothesen sondern toxische Metall-Ionen ab. Brustimplantate, gefüllt mit Industriesilikon, reißen, und die giftige Füllung verteilt sich im Körper. Die betroffenen Patienten müssen unnötige Folge-Operationen über sich ergehen lassen.

Der deutsche Journalist Dagobert Lindlau bekam fehlerhafte Schockgeber für sein Herz. Die Französin Christine Terrade ist eine von vielen Opfern, denen Brustimplantate mit giftigem Industriesilikon eingesetzt wurden. Wie viele andere Patienten fragt sie nach den Gründen, sucht Verantwortliche und Gerechtigkeit.

Bei Hüftprothesen gibt es Serien, die jahrelang eingesetzt werden. Und Hunderte, ja Tausende Patienten müssen nach dem Bruch ihrer mangelhaften Prothese erneut operiert werden und wiederholt mühsam das Gehen lernen. Folgekosten für die Krankenkassen rund 100.000 Euro pro Fall. Dass die Prothesen-Serie kaum klinisch getestet wurde, sie gar nicht auf den Markt hätte kommen dürfen, dass der behandelnde Arzt leider nicht wusste oder nicht wissen wollte, wie schlecht sie ist - das alles erfährt der Patient nicht. Immerhin hat er überlebt. Was bei Patienten mit defekten Defibrillatoren nicht immer der Fall ist.

Meldungen über Probleme mit Medizinprodukten erreichen die Kliniken oft viel zu spät. Solange der Hersteller sein Gerät nicht selbst vom Markt nimmt, geschieht nichts. Nachweislich verschwanden in mehreren Fällen die mangelhaften Medizinprodukte, Beweisstücke für eventuell später stattfindende Schadensersatzklagen. auf mysteriöse Art und Weise nach der Explantation.

Die Filmemacher zeigen, wie simpel es ist, ein wirkungsloses und nachweislich schädliches Implantat europaweit zugelassen zu bekommen. Seit Jahren verhindern Lobbyisten im Auftrag der Hersteller europaweit gültige Neuregelungen und Gesetze. Netzwerke werden geknüpft und Millionenbeträge an Ärzte und Fachzeitschriften für positive Berichterstattung gezahlt. Die zuständigen Behörden sind machtlos. Sie können nur Empfehlungen aussprechen.

Gemeinsam mit einer Fachjournalistin aus London, einem "New York Times"-Reporter sowie einigen Anwälten aus Deutschland, Frankreich und Amerika ermöglichen Dorina Herbst und Jens Niehuss dem Zuschauer einen tiefen Einblick in das Business mit den Medizinprodukten. Sie decken Missstände fragwürdiger Geschäftspraktiken auf. Erschreckend: Um das Wohl der Patienten geht es dabei selten.

Im Anschluss an den Film findet eine Debatte statt, in der es um die weitere Entwicklung des Brustimplantate-Prozesses in Toulon und den nicht ausreichenden Verbraucherschutz auf EU-Ebene geht.

Arte, Dienstag, 11. Februar um 20:15 Uhr (90 Min.)
Wiederholung am Donnerstag, 27.02. um 8:55 Uhr

Quelle: Arte

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #8 am: 09:09:13 Mo. 19.November 2018 »
Zitat
Totalschaden

Kurze Liegezeiten, gnadenloser Arbeitsdruck für Ärzt*innen und Pfleger*innen - wie die Krankenhausfinanzierung die Medizin zerstört.


Von Bernd Hontschik

Etwa um die Jahrtausendwende fand im bundesdeutschen Gesundheitswesen so etwas wie eine Revolution statt, von der zunächst aber nur Eingeweihte und unmittelbar Betroffene etwas bemerkten. Es handelte sich um eine fundamentale Neuordnung der Krankenhausfinanzierung. Die Krankenhäuser wurden bis dahin mit sogenannten Tagessätzen finanziert. Für jeden Tag Liegezeit der Erkrankten erhielt das Krankenhaus eine bestimmte Pauschale, eben den Tagessatz.

Dieses zeitorientierte System wurde zwischen 1999 und 2002 schrittweise durch die sogenannten Fallpauschalen abgelöst. Fallpauschalen sind ein diagnoseorientiertes System. Nach australischem Vorbild wurden die Krankenhäuser von da an nach der Schwere der Diagnosen, den DRGs, bezahlt, die bei den Erkrankten zu der Krankenhausbehandlung geführt hatte. Das DRG-System war Teil – wenn auch nur ein kleiner – der Agenda 2010, und die damalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) verkündet bis heute stolz, dass sie dieses DRG-System eingeführt hat.

Es dauerte nicht lange, bis sich in den Krankenhäusern ein völlig veränderter Umgang mit den Erkrankten entwickelte, ja zwangsläufig entwickeln musste. Denn nur dasjenige Krankenhaus, das mit möglichst geringen Kosten in der Lage war, Kranke in möglichst kurzer Zeit abzufertigen, machte nun Gewinne; wer sich aber auf zeitraubende, empathische Medizin einließ, der machte Verluste. Unternehmensberater, eine bislang in Krankenhäusern völlig unbekannte Berufsgruppe, wuselten plötzlich in allen Krankenhäusern, in jeder Abteilung, auf jeder Station herum. Sie prüften, ob, wo und wie viel Personal gespart werden konnte. Die Frage war nicht: Was braucht der Kranke?, sondern: Was bringt er uns ein? Die Frage war nicht: Wie viele Ärzt*innen und Pfleger*innen werden für eine gute Medizin gebraucht?, sondern: Wie viele Stellen können wir streichen?
 
Ärzt*innen und Pfleger*innen waren einem immer größer werdenden Arbeitsdruck gnadenlos ausgeliefert. Die Liegezeit hat sich inzwischen halbiert, die Zahl der Patient*innen ist um ein Fünftel gestiegen, gleichzeitig wurden 60.000 Stellen in der Pflege gestrichen. Viele Ärzt*innen und Pfleger*innen können so nicht mehr arbeiten, ohne selbst krank zu werden. Das fundamental Fatale an dem neuen Bezahlsystem war und ist die ökonomische Verknüpfung zwischen der medizinischen Tätigkeit und der Diagnose mit der Höhe der Bezahlung. Indem nun allein die Diagnose die Einnahmen des Krankenhauses generierte, wurde sie zum zentralen Zielobjekt der Ökonomen. Tausende von Kodierfachkräften und Medizincontrollern der Krankenhäuser kämpften fortan täglich mit Tausenden von Kodierfachkräften und Medizincontrollern der Krankenkassen um jeden Euro.

„Wären die DRGs ein Medikament, so müsste man sie mit sofortiger Wirkung vom Markt nehmen. Alle versprochenen Wirkungen sind ausgeblieben, und alle Nebenwirkungen sind eingetreten“, sagt Günther Jonitz, der Präsident der Berliner Ärztekammer.

Auf www.der-marktgerechte-patient.org finden sich die bundesweiten Aufführungsdaten.

Er sagt das in einem aufregenden Film, der gerade eben in mehr als 100 Kinos in Deutschland angelaufen ist. „Der marktgerechte Patient“ heißt dieser bewegende Film, der die fatalen Folgen der Fallpauschalen darstellt. Wer die gegenwärtigen Zustände in unseren Krankenhäusern, die anhaltende Welle der Krankenhausprivatisierungen, den Personalmangel und das Primat der Betriebswirtschaft über die Medizin besser verstehen will, dem sei dieser Film dringend empfohlen. Es ist kein Film über Skandale. Es ist ein Film über den ganz normalen Krankenhausalltag. Das macht ihn so spannend, so berührend, so eindringlich.
http://www.fr.de/wissen/gesundheit/hontschik/dr-hontschiks-diagnose-totalschaden-a-1622424

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #9 am: 09:29:41 Mo. 19.November 2018 »
Halb OT: WERBUNG

Zitat
Der marktgerechte Patient

Ein "FILM VON UNTEN" von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 82 Min.

Es gibt zwar bereits zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutsche Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der

Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen (jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis – wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt, macht Gewinn – wer sich auf die Patienten einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust). Die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups) war der radikale Schritt zur kompromisslosen Kommerzialisierung eines Bereichs, der bis dahin vom Gedanken der Empathie und Fürsorge getragen wurde. Seither wird der Mensch dort, wo er am Verletzlichsten ist, nämlich als hilfsbedürftiger Patient, den gnadenlosen Prinzipien von Gewinn und Verlust untergeordnet.

Wir sind nicht an der Zurschaustellung von Skandalen interessiert. Uns kommt es bei der Aufdeckung von Folgen vor allem auf die Ursachen  der unhaltbaren Zustände in den deutschen Krankenhäusern an. Nur so sind sie zu verändern! Deshalb nun der Film: „Der marktgerechte Patient“

Fatale Folgen der Fallpauschalen

In den deutschen Krankenhäusern stehe nicht mehr der Patient sondern das Geld im Mittelpunkt aller Gedanken, sagt der Oberarzt für Anästhesie Peter Hoffmann im Film. „Das Geld ist immer im Hintergrund aller Entscheidungen. Man tut etwas, um die Kosten zu reduzieren oder man tut etwas, um mehr Erlöse, mehr Einnahmen für das Krankenhaus zu generieren. Das Krankenhaus wird geführt wie eine Fabrik. Maximaler Output, minimaler Aufwand, schneller, und der Patient wird zum Werkstück, die Abläufe werden industriell strukturiert, der Patient wird vorne eingefüllt und kommt hinten raus, und zwar bitte ein bißchen schneller. Geht das nicht einen Tag schneller?"

Der Patient als Mittel, um Erlöse zu optimieren
...

Quelle: http://der-marktgerechte-patient.org/index.php/de/

Mir hat die Doku gut gefallen, sehr sehenswert (viele Horrorelemente inkl.).
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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #10 am: 10:46:34 Mo. 19.November 2018 »
Merke: Das System der Fallpauschalen wurde von der SPD eingeführt (Ulla Schmidt war Gesundheitsministerin).
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Wernichtsweissmussallesgl

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Re:Alles ist Markt, alles ist Wirtschaft: Vorsicht Operation!
« Antwort #11 am: 23:30:20 Do. 22.November 2018 »
Die Ulla kommt auch noch aus meiner Stadt. Wegen der tollen Politik stehen die derzeit bei 13-14 %. Tendenz fallend.