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MAN

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xyu:

interessantes aus dem MAN Werk München (Karlsfeld):

--- Zitat ---[M] Arbeitskampf bei MAN
Recherchegruppe Ausstand 18.01.2013 22:35 Themen: Militarismus Soziale Kämpfe
Im folgenden veröffentlichen wir ein Interview, daß wir mit einigen Arbeiter_innen geführt haben, die im Münchener MAN Werk beschäftigt sind und sich links vom Betriebsrat stehend sehen. Darin geht es um die aktuelle Situation für die Beschäftigten und Möglichkeiten des Arbeitskampfs.
Wie ist die Situation für die Arbeitenden bei MAN zur Zeit?
Bei MAN gibt es jetzt Kurzarbeit und das bekommen als aller erstes die Mitarbeiter_innen in der Produktion zu spüren. Vor allem will der Vorstand die Krise mal wieder für Einsparungen nutzen und das verunsichert die Leute sehr. Die Übernahme durch VW ist natürlich auch Gesprächsthema. Denn VW verlangt jetzt, dass wir ihre Richt- und Leitlinien übernehmen, die starke Veränderungen in fast allen Bereichen umfassen.

Und was bedeutet Kurzarbeit im Moment?
Es wird nur Einschichtig gefahren, was bedeutet, dass die Spätschichtler frei haben. In der Zeit, bekommen sie Kurzarbeitergeld, was bedeutet, dass sie am Ende 90% ihres Lohns bekommen. 90% deshalb, weil MAN den Teil vom Arbeitsamt aufstockt.

Was sagt der Betriebsrat zum Thema Kurzarbeit und wie ist euer Verhältnis zu ihm?
Der Betriebsrat feiert natürlich jede kleine Errungenschaft und gerade die Aufstockung war da wieder eine gute Gelegenheit. Unsere Meinung ist ganz klar, wir stehen hinter Betriebsrat und Gewerkschaft, aber nur, wenn sie hinter uns stehen. Leider tun sie das nicht und so ist das Verhältnis doch mehr als angespannt.

Gerade ist die neueste Ausgabe eurer Betriebszeitschrift mit dem Titel "Werkerinfo" erschienen. Vielleicht könnt ihr kurz beschreiben, was das ist?
Als erstes ist es ein Kommunikationsmittel der Belegschaft, zumindest sehen wir es als solches. Wir schreiben über die Geschehnisse im Betrieb und kommentieren sie auch. Nach über 3 Jahren erschien gerade schon die 11 Ausgabe.

Wie ist die Reaktion der Kolleginnen und Kollegen darauf?
Mittlerweile sehen uns einige Kollegen und Kolleginnen schon als wichtigen Teil, weil wir ihnen aus der Seele sprechen. Wir schreiben, was wir erleben.

Gab es auch schon Reaktionen von "offizieller" Seite, also zum Beispiel vom Betriebsrat?
Bei der letzten Betriebsversammlung wurden wir vom Betriebstarsvorsitzenden vor über 5000 Mitarbeiter_innen indirekt angesprochen. Wir sollen doch gut über „unsere“ Firma sprechen, auch wenn noch nicht alles gut ist. Geschrieben wurden wir noch nicht. Es scheint wohl so, als wäre noch nicht ganz klar, wie man mit uns umgehen soll.

Ihr ruft in eurer neuesten Ausgabe erstmals zum "selbstorganisierten Streik" auf. Was sind eure Erwartungen?
Ja das stimmt. Aber was wir erwarten? Wir hoffen, dass einige mitmachen, indem sie krank machen oder Urlaub nehmen. Aber ob bei der jetztigen Situation, wo alle Angst um ihren Arbeitsplatz haben und wilde Streiks in Deutschland eh noch sehr unpopulär sind, genug Leute mitmachen um die Bänder zum stehen zu bringen, ist eher unwahrscheinlich.

Dabei legt ihr besonders Wert auf "selbstorganisiert"?
Wie gesagt, der Betriebsrat und die Gewerkschaft (IGM) machen nichts, außer zu allem was die Konzernleitung will, Ja und Amen zu sagen. Also müssen wir das selbst in die Hand nehmen. Wir hoffen, dass die Arbeiter_innen das auch verstehen und die Beteiligung dementsprechend hoch sein wird.

Welche Forderungen habt ihr formuliert?
U.a. keine 40 Stundenwoche mehr, wirkliche Besserstellung von Menschen mit Behinderung(en) und keine Produktion mehr von Militärfahrzeugen.

Also ist auch Antimilitarismus ein Thema für euch?
Ja, wir wollen kein Teil dieser Kriegmaschinerie sein. Wir sprechen uns klar gegen die Produktion von Militärgütern und Kriege im Allgemeinen aus.

Und seht ihr auch einen Bezugspunkt zu anderen sozialen Bewegungen?
Ja, auf jeden Fall. Wir positionieren uns auch zu Themen wie Antirassismus und Antisexismus, weil wir diese Kämpfe für wichtig halten.


Die Online-Ausgabe des Werkerinfos findet ihr unter: www.werkerinfo.tk

Das Interview führten wir im Januar 2013

Recherchegruppe Ausstand
--- Ende Zitat ---
http://de.indymedia.org/2013/01/340615.shtml


--- Zitat ---Streikaufruf für den 21.1.2013

Ja…trotz, oder gerade wegen der Krise rufen wir zum Streik in unserm MAN Werk in München auf. Denn gerade in der Krise wird von uns Arbeiter_innen mal wieder das größte Verständnis für Einsparungen erwartet. Wieder wird eine Krise für weitere Einsparungen ausgenutzt. Betreffen tun die natürlich als erstes uns in der Produktion. Denn an sich selbst sparen die Unternehmensbonzen nicht. Wer weiß, wie es mit den Befristeten Kollegen und Kolleginnen weiter geht. Auch Leiharbeiter_innen wurden mal wieder schamlos rausgeschmissen, als würden sie nur zum Spaß mit uns arbeiten. In jeder Krise werden Arbeiter_innen entlassen und wenn überhaupt, dann nur zum Teil wieder durch Befristung oder Leiharbeit ersetzt. Diese Entwicklung geht auch dieses mal so weiter, vor allem auch, weil VW unser Werk als zu unproduktiv bewertet.
Nur, wo soll das alles noch enden? Wollen wir wirklich warten, bis uns die Kapitalisten bessere Arbeitsverhältnisse schenken? Das wird aber nicht passieren. Sie und die großen Gewerkschaften halten uns ab und zu eine kleine Tariferhöhung und ein bisschen Extrageld hin, damit wir ruhig bleiben und uns denken, besser als nichts. Aber auf der anderen Seite nehmen sie sich trotzdem mehr als ihnen zusteht. Und zwar von uns, denen, die für sie produzieren. Die, bei denen sie immer weiter einsparen, um immer noch mehr Gewinn in ihre eigenen Taschen fließen zu lassen.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dieses mal ein offensives Zeichen gegen diese Politik zu setzten!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung!
Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.
2 feste Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.
2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.
Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.
Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.
Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).
Keine weiteren Taktverkürzungen mehr.
Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.
AVP abschaffen.
Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
300 Neueinstellungen in der Produktion
Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).

Wir lassen uns nicht zu modernen Sklaven diktieren!
Schluss mit der Diktatur der Bosse!
STREIK!
--- Ende Zitat ---
http://werkerinfo.blogsport.de/2013/01/16/ausgabe-112013-streikaufruf-4/

xyu:
für den 2./3. mai wird erneut aufgerufen durch krankschreibung oder inanspruchnahme von urlaub die produktion stillzulegen: werkerinfo.blogsport.de/2013/03/14/so-wie-es-ist-darf-es-nicht-bleiben/


--- Zitat ---Wie auch schon beim letzten mal (im Januar 2013), wird es auch dieses mal extra einen Streikaufruf geben, um den Kolleginnen und Kollegen die Dringlichkeit des Handelns und unsere Forderungen nahe zu bringen.


Leider mussten wir feststellen, dass sowohl bei dem letzten selbstorganisierten Streik(versuch), als auch bei einem Boykottaufruf im vergangen Jahr die Massen nicht zu mobilisieren waren. Das mag auf der einen Seite an der zu kurzen Mobilisierungszeit liegen, aber wohl auch an der Individualisierung und der Desinteresse vieler Arbeiter_innen.


Gerade deshalb wurde dieses Mal der Zeitpunkt der Mobilisierung schon viel früher gelegt und verschiedene Mittel und Wege dafür gewählt.

 

Zu erwähnen ist aber, dass die Anzahl der krankgeschriebenen Mitarbeiter_innen auf ein Höchststand liegt. Vor allem im Vergleich mit den anderen MAN Werken ist sie am höchsten. Dass es sich dabei um eine Form des Widerstands handelt, ist durch viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen klar (auch wenn an dieser Stelle gesagt werden muss, dass nicht alle erkrankten einfach nur krank machen, sondern einige wirklich krank sind).
--- Ende Zitat ---
https://linksunten.indymedia.org/de/node/81238

xyu:
in der neuen ausgabe wird u.a. über den effekt der streikaufrufe berichtet:


--- Zitat ---In den letzten beiden Ausgaben haben wir zum „selbstorganisierten Streik“ aufgerufen, dazu wollen jetzt ein paar Worte aus unserer Sicht schreiben.
Der erste Aufruf galt für den 21.1.13, wurde aber erst 5 Tage vorher veröffentlicht und auch die Aufkleber wurden im Werk erst in den paar Tagen davor verklebt. Wegen der sehr kurzen Mobilisierungszeit kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen, alles schien wie immer zu laufen. Also entschieden wir uns einen zweiten Anlauf zu nehmen und riefen erneut zum Streik auf. Dieses Mal für den 2. und 3. Mai, begleitet von einer kleinen Kampagne („So wie es ist, darf es nicht bleiben!“) und einer frühzeitig veröffentlichten/verteilten Ausgabe. Durch eine frühe und großflächige Mobilisierung sollte es dieses Mal einen erfolgreichen Versuch geben, die Arbeiter_innen in unserem Werk zu einem selbstbestimmten und unkontrollierbaren Streik zu bewegen. Trotz der ständigen Bemühung die Mobilisierung zu verhindern, konnte das Mögliche nicht mehr gestoppt werden. Schon am Montag den 29.4. zeichnete sich ein hoher Krankenstand ab, der an den beiden Streiktagen nochmals gestiegen war. Wir wollen und können das nicht komplett auf unsere Kappe nehmen, doch wir sind uns sicher, dass die Streikaufrufe auch ein Grund dafür sind, dass der Krankenstand so hoch wie schon lange nicht mehr war. Einige Abteilungen hatten einen Krankenstand von 7 Arbeiter_innen pro Schicht. Dass wir es geschafft haben, den bereits bestehenden Protest zu bündeln sehen wir als Erfolg. Eigentlich kann es sogar als großen Erfolg verstanden werden, weil es einen solchen Widerstand Jahrzehnte nicht mehr gegeben hat.
Mit dem fernbleiben vieler Kollegen und Kolleginnen stieg auch die Zahl der Fehler. Einerseits ist das das, was unserer Meinung nach sowieso in ein paar Jahren passieren wird; und zwar, dass durch das wegrationalisieren von Mitarbeiter_innen nur eine Verschlechterung der Qualität eintritt. Anderseits ist es ein weiteres klares Zeichen, dass unser Widerstand massive Auswirkungen auf den ganz normalen Wahnsinn an unseren Arbeitsplätzen hat. Am Montag erreichte die Direct-Run-Quote in der LKW-Montage ein Tiefstand von nur 4%. Das heißt, dass 96% der Fahrzeuge in Nachreparatur mussten. Die Prozentzahl liegt sowieso im Schnitt nur noch bei etwa 30 bis höchstens 50 %. Über 400 Fahrzeuge warten mittlerweile auf ihre Nachreparatur, was für die Kollegen und Kolleginnen in der Nacharbeit Sonderschichten sogar am gesamten Wochenende im Zweischichtbetrieb bedeutet. Deshalb rufen wir auch die Kolleginnen und Kollegen in der Nacharbeit auf krank zu machen, wenn ihr keine Lust auf Wochenendarbeit habt. Leistet auch Widerstand, bis Chefs und Betriebsrat kapieren, dass es so wie es ist, nicht bleiben darf!
Und sollte es wegen den minus Zahlen an den Bändern der letzten Tagen und Wochen zu einer Sonderschicht am Samstag kommen, rufen wir hiermit alle auf, diese zu verweigern. Denn nur so zeigt der Streik wirklich Wirkung! Und nur so verstehen es die Chefs mal, dass man mit uns nicht umgehen kann wie mit Eseln!
Streik ist die einzige Sprache, die sie verstehen!

Wir weisen aus Sicherheitsgründen nochmals darauf hin, dass ihr (wenn ihr krank seid/macht) immer zu beginn der Schicht vom ersten Tag an dem ihr krank seid anruft und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am besten auch am ersten Tag per einschreiben an euren Meister/Meisterin schickt.
--- Ende Zitat ---
http://werkerinfo.blogsport.de/2013/05/08/ausgabe-132013/

Fritz Linow:

--- Zitat ---11.3.20
Lkw-Hersteller MAN will 6.000 Arbeitsplätze streichen

Der Münchner Lkw- und Bus-Hersteller MAN will einem Zeitungsbericht zufolge jede sechste Stelle streichen.

6.000 der 36.000 Arbeitsplätze seien akut gefährdet, schreibt das "Handelsblatt". Diese Zahl habe der Vorstand dem Betriebsrat mitgeteilt. Teil der Überlegungen ist dem Bericht zufolge die Schließung des Standorts im österreichischen Steyr. Der Chef von MAN Truck and Bus, Drees, hatte Anfang der Woche von einem "signifikanten Stellenabbau" gesprochen, jedoch ohne Zahlen zu nennen. Ein MAN-Sprecher wollte sich nicht zu der Meldung äußern. Die Gespräche über den Stellenabbau stünden noch ganz am Anfang, sagte er.
--- Ende Zitat ---
https://www.deutschlandfunk.de/unternehmen-bericht-lkw-hersteller-man-will-6-000.1939.de.html

p.s.: MAN ist Volkswagen

counselor:

--- Zitat ---OBERHAUSEN - Von wegen: "Mit VW gibt es keine Entlassungen"

Dass es mit VW als "Konzernmutter" keine Entlassungen oder betriebsbedingte Kündigungen geben würde, haben diverse MAN-Vorstände und die rechte Betriebsratsspitze gebetsmühlenartig verbreitet, nachdem die ehemalige MAN AG mehrheitlich von VW übernommen und in Teilkonzerne zerschlagen wurde.

Am 21. Juli wurde der Betriebsrat von MAN in Oberhausen - heute MAN Energy Solutions - darüber informiert, dass auf Druck von VW bei MAN Energy Solutions in Deutschland 3.000 der insgesamt 17.000 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Das Werk in Berlin-Tegel mit 420 Beschäftigten wird geschlossen, der Turbinenbau in Hamburg wird komplett nach Indien verlagert, von Hamburg wird nur noch Service gemacht.

Im Augsburger Werk sollen 1.800 Arbeitsplätze vernichtet werden, und in Oberhausen 526. Das ist jeder dritte Arbeitsplatz. Die Fertigung und Entwicklung von Gasturbinen bis 8 Megawatt Leistung, die mit über 200 Millionen Euro hochgepuscht werden sollte, wird aufgegeben. Die Illusionen von Serienfertigung und wachsendem Marktanteil sind zerplatzt. Einer der modernsten Prüfstände für Gasturbinen steht leer und ist ein Millionengrab (35 Millionen Euro) geworden.

Die Modellschreinerei, das Packaging von kompletten Maschinensträngen sowie ein beträchtlicher Teil der Fertigung soll aufgegeben und aus dem Werk in China bezogen werden. Die Belegschaft wird in Kleinstversammlungen informiert, die Angestellten sollen das ganze per Videochat verfolgen. Unter dem Vorwand von Corona hoffen die Herren, die Belegschaft zersplittern zu können. Jedoch beginnt ein wachsender Teil der Kollegen, die Erfahrungen aus dem Kampf der Opelaner anzuwenden. Verzicht und Zugeständnisse führen in die Sackgasse. Eine spannende Auseinandersetzung beginnt.
--- Ende Zitat ---

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw30/von-wegen-mit-vw-gibt-es-keine-entlassungen

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