Autor Thema: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank  (Gelesen 2924 mal)

Just B U

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Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« am: 14:29:00 Sa. 02.Februar 2013 »
Ich habe keine passendere Rubrik gefunden für das Folgende:


Zitat
Debatte um Psychiatrie - Experten warnen vor Ausweitung von Diagnosen

Um das neue Klassifikationssystem der psychischen Störungen, das im Mai veröffentlicht werden soll, ist eine Debatte entbrannt. Gesundheitsexperten warnen, die fünfte Auflage des "Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen" (DSM-5) könnte normale Verhaltensweisen zu seelischen Störungen erklären. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagt: "Das DSM-5 treibt die weltweite Psychiatrisierung von außergewöhnlichen Verhaltensweisen voran. Psychiater und pharmazeutische Firmen produzieren mehr Kranke, um mehr Geld zu verdienen."

Harald Terpe (Grüne), Obmann des Gesundheitsausschusses des Bundestags, befürchtet, dass das DSM-5 die Verwandlung der Kindheit in eine Krankheit noch weiter treiben könnte. "Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier gesellschaftlich nicht erwünschtes Verhalten von Kindern pathologisiert wird", sagt Terpe, studierter Mediziner und sechsfacher Vater. "Die Leidtragenden sind die Kinder, denen suggeriert wird, sie seien nicht ,normal' und könnten nur mit Medikamenten richtig funktionieren", sagt Terpe. Und weiter: "Die pharmazeutische Industrie unterstützt leider diesen Trend, indem sie Psychopharmaka als schnelle und einfache Lösung bewirbt und die erheblichen Risiken verschweigt."

Auch Andreas Heinz, der die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité leitet, mahnt zur Vorsicht: "Es ist falsch, alle möglichen Befindlichkeitsstörungen mit einem Krankheitsbegriff zu belegen."




http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/debatte-um-psychiatrie-experten-warnen-vor-ausweitung-von-diagnosen-a-878561.html





Zitat
Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank

In Kürze veröffentlichen Ärzte das überarbeitete Klassifikationssystem von psychiatrischen Krankheiten. Darin gibt es zahlreiche neue Diagnosen. Nach SPIEGEL-Informationen befürchten Gesundheitsexperten, dass gesunde Menschen mit Alltagsproblemen zu psychisch Kranken abgestempelt werden.
Licht und Schatten: Was ist noch normal und was schon krank?Zur Großansicht
Corbis

Licht und Schatten: Was ist noch normal und was schon krank?

Darf die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen zwei Jahre oder nur zwei Wochen dauern? Ab wann ist zu viel essen pathologisch? Und brauchen extrem reizbare Kinder, die sich mitunter zurückziehen, eine psychiatrische Diagnose?


Weiter:
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/streit-um-psychiatrie-diagnosen-gesunde-werden-zu-psychisch-kranken-a-878763.html



Und wieder steigert sich mein Entsetzen, mein Ekel und meine - mittlerweile - Abscheu...vor diesem ******** System...und dessen gehirngewaschenen und fremdgesteuerten Marionetten... kotz

Die Dummheit der Einen ist die Macht der Anderen.
Je dümmer u. desinteressierter die Einen desto mächtiger die Anderen.

Hätte man den christlichen Klerus mit der gleichen Vehemenz verteidigt, wie Teile der Linken das heute mit dem islamischen tun, hätte die Aufklärung nie stattgefunden.
Seyran

BGS

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #1 am: 16:49:33 Sa. 02.Februar 2013 »
Es ist schlicht ein Skandal,. daß die Geldgier inzwischen derart groß georden ist, daß die toll gewordene "pharmazeutische Industrie" nicht einmal mehr halt macht vor unschuldigen Kindern.

Sollen diese in Zukunft alle auf "gleich" genormt durch die Welt laufen, als willenlose, gerinfügig Beschäftigte die mehrheitlich bei einem "Jobcenter" "aufstocken" dürfen, (falls sie nicht zur Pseudo"elite" gehören) und noch immer die inzwischen unwählbaren "Parteien"(C.., S.., F.., G.....) wählen"?

MfG

BGS
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https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
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spreewaldrac

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #2 am: 18:49:09 Sa. 02.Februar 2013 »
Das passt schon. Warum sollte es denn bei den psychischen Erkrankungen anders sein als bei den somatischen? Das Gesundheitssystem ist ein großer Markt. Es geht in erster Linie ums Geldverdienen, um Profitmaximierung. Der Patient bzw. der Mensch kommt erst an zweiter Stelle. Willkommen im Finanzkapitalismus!

spreewaldrac

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #3 am: 19:00:05 Sa. 02.Februar 2013 »
Es ist schlicht ein Skandal,. daß die Geldgier inzwischen derart groß georden ist, daß die toll gewordene "pharmazeutische Industrie" nicht einmal mehr halt macht vor unschuldigen Kindern.

Gegen die "Mode"erkrankung ADHS wird ja in erster Linie der Wirkstoff Methylphenidat verschrieben, der auch in dem bekanntesten Medikament Ritalin enthalten ist. Das Folgende schreibe ich aus der Erinnerung; eine minimale Abweichung der Zahlen ist möglich:

Im Jahr 1993 wurden in Deutschland 34 Kilogramm Methylphenidat verschrieben (reine Wirkstoffmasse). Im Jahr 2011 waren es schon sagenhafte 1.791 Kilogramm. Bei diesen Zahlen fragt man sich zwangsläufig, wer denn hier überhaupt krank ist - die Kinder oder das Gesundheitssystem?

Just B U

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #4 am: 20:38:09 Sa. 02.Februar 2013 »
Mal O. T.:

@ admin

...danke fürs verschieben...ich habe diese Rubrik komplett übersehen.... :)
Die Dummheit der Einen ist die Macht der Anderen.
Je dümmer u. desinteressierter die Einen desto mächtiger die Anderen.

Hätte man den christlichen Klerus mit der gleichen Vehemenz verteidigt, wie Teile der Linken das heute mit dem islamischen tun, hätte die Aufklärung nie stattgefunden.
Seyran

waaaas?

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #5 am: 12:35:33 Di. 05.Februar 2013 »
Zuvor hat die "Gehirn und Geist" über das Thema ausführlich berichtet. http://www.gehirn-und-geist.de/alias/kontroverse-um-dsm-5/die-neuordnung-der-seelenleiden/1148815

Das DSM-V beeinflusst das voraussichtlich neu erscheinende ICD-11 im Jahre 2015. Das ICD findet für Deutschland Anwendung.

Ein Kritikpunkt an dem kommendem Kategorisierungssystem DSM-V ist, dass die Arbeitsgruppen ihren Bereich ausdehnen und bisher geltende Krankheitskriterien aufweichen. Folglich rechnen Ärzte und Psychologen damit, dass die Zahl der Diagnosen steigt. Denn das DSM-V bemüht sich noch mehr als der Vorgänger, DSM-IV, bloß keinen Hilfsbedürftigen zu übersehen und für jedes Verhalten eine Diagnose zu definieren. Kritisch zu betrachten ist weiterhin, dass nach dem “British Medical Journal” mehr als die Hälfte der Arbeitsgruppenmitglieder von der Pharmaindustrie finanziell unterstützt werden. Auf http://www.angst.org/news/dsm-v-413.html finden sich auch weiterführende Infos.

Es ist schon ziemlich pervers wie Krankheit, Gesundheit, Geld, Profit und Macht miteinander zusammenhängen.

Isolde S.

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #6 am: 17:04:30 Di. 05.Februar 2013 »
Zitat von: waaaas
Es ist schon ziemlich pervers wie Krankheit, Gesundheit, Geld, Profit und Macht miteinander zusammenhängen.
Diese zentrale Botschaft sollte man einer grundsätzlichen Neuordnung des Gesundheitswesens voranstellen. Die finanziellen Anreize müssen neu gesetzt werden. Im Zentrum des Handelns muss die Gesundheit der Menschen stehen. Ergo darf der Arzt nicht dafür "bestraft" werden, wenn er seine Patienten gesund macht. Denn dann verdient er kein Geld mehr mit ihnen. Er muss aber Geld verdienen, sonst darf er selbst Insolvenz anmelden. Im klinischen Bereich sieht es analog gleichermaßen aus.

waaaas?

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #7 am: 18:42:29 Di. 05.Februar 2013 »
Ein Problem besteht zudem ja noch darin, dass der (Haus-)Arzt meiner Meinung überfordert ist auf diesem Gebiet. Bis oder ob die Ärzte das neue System anerkennen, ist ja noch weitere Frage.

Troll

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Re: Neue Psychiatrie-Diagnosen: Aus gesund wird geisteskrank
« Antwort #8 am: 18:28:58 Fr. 24.Januar 2014 »
Zitat
«Wir haben die Unreife von Kindern in Krankheit verwandelt»

Herr Frances, wenn ich es richtig sehe, haben Sie ein Problem mit Ihrer eigenen Berufsgattung.
Psychiatrie, richtig ausgeübt an Personen, die effektiv darauf angewiesen sind, hilft wunderbar und ist absolut notwendig, aber wir haben die Grenze für Funktionsstörungen nach unten verschoben. Wir brauchen zu viele Medikamente für Leute, die ohne Medikamente oder mit Psychotherapie besser zurechtkämen.
In Ihrem Buch «Normal» schreiben Sie, es habe eine Inflation psychiatrischer Diagnosen gegeben. Haben Sie dafür Beispiele?
Ja. In den USA qualifizieren 25 Prozent der Bevölkerung für Angststörungen, und sogar 50 Prozent müssen mit einer lebenslänglichen Diagnose einer psychischen Störung rechnen. 20 Prozent der Bevölkerung nehmen Psychopharmaka zu sich. Jedes Jahr sterben mehr Menschen an einer Überdosis von verschriebenen Medikamenten als an einer Überdosis von Rauschgift.
Was für psychische Krankheiten werden inflationär diagnostiziert?
In den letzten 20 Jahren hat es hauptsächlich drei falsche Epidemien gegeben: Die bipolare Störung bei Kindern (manisch-depressive Störung, Red.) hat um das Vierzigfache zugenommen, Autismus um das Zwanzigfache und das Aufmerksamkeitsdefizit um das Dreifache. «Aufmerksamkeitsdefizit» wird jetzt auch bei Erwachsenen diagnostiziert, und «bipolare Störungen» haben sich bei Erwachsenen verdoppelt.

Quelle: Basler Zeitung

Quelle: NDS
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