Autor Thema: AMAZON  (Gelesen 116401 mal)

Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #405 am: 20:11:47 Mi. 06.Februar 2019 »
So halbwegs richtig.
Dort einen Kampf zu organisieren erinnert an Widerstand in einem autoritären Staat.
Bei Amazon Bad Hersfeld ist der Organisationsgrad schon beachtlich, in anderen Niederlassungen eher marginal. Der materielle Schaden ist jedoch groß, doch das kann der Konzern erstmal wegstecken und gibt es niemals zu. Die Streikbeteiligung wächst jedoch kontinuierlich. Das obige Zitat zeigt, daß die Beteiligten selbst diskutieren, mit welchen Strategien und Forderungen weitergekämpft wird.

Deshalb ärgert mich die Formulierung
Zitat
ist Ver.di bei Amazon aber noch weit davon entfernt, den Laden lahmzulegen
Verdi ist eine sozialpartnerschaftliche Organisation, die kein Interesse an Klassenkampf hat.
Die Streikbewegung kommt allein von der Basis der Beschäftigten, die die Verdi-Strukturen nutzen, um den Arbeitskampf legal führen zu können. Es kämpfen die Beschäftigten und nicht Verdi. Dieser Unterschied ist nicht unwichtig.

counselor

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Re: AMAZON
« Antwort #406 am: 14:02:56 So. 10.Februar 2019 »
Wir sind uns einig, dass der Streik von der Basis ausgeht. Die Initiative liegt bei der Basis. Dennoch existiert eine Wechselbeziehung zwischen dem Verdi-Funktionärsapparat und der Basis. Die Einen können ohne die Anderen nicht. Entscheidend für den Erfolg der Amazonies ist der Organisationsgrad bei Amazon. Vor allem daran müssen die Amazonies noch arbeiten. Aber sie haben schon einiges geschafft: Es gibt bereits Betriebsräte bei Amazon und die polnischen Kollegen führen Solistreiks durch. Amazon reagiert auch mit kleineren Zugeständnissen auf die Streiks.

Die Amazonies machen es genau richtig: Sie machen Ver.di zu ihrer Kampforganisation.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

admin

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Re: AMAZON
« Antwort #407 am: 14:27:07 So. 10.Februar 2019 »
Die Amazonies machen es genau richtig: Sie machen Ver.di zu ihrer Kampforganisation.

Sie machen es schon weitgehend richtig. Sie treffen sich auch unabhängig und es gibt Aktionen, Kampfformen und Strategien, die tragt Verdi nicht mit. Sie kriegen es aber hin auch ohne und gegen Verdi. Das geht nur durch ihre politische Cleverness und eine Vernetzung über die Gewerkschaftsstruktuen hinaus.

Ein spannendes und wichtiges Thema. Die Amazonies sind aber in einer sehr besonderen Situation und so läßt sich ihr Vorgehen nicht 1:1 auf andere Betriebe oder Branchen übertragen.

ManOfConstantSorrow

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Re: AMAZON
« Antwort #408 am: 08:12:47 So. 17.Februar 2019 »
Zitat
In Toulouse blockierten einige Dutzend „Gelbwesten“ einen Standort des Online-Versandhändlers Amazon, wie der Sender BFMTV berichtete. Die Demonstranten versperrten demnach mit Lastwagen zeitweilig die Zufahrt zu dem Warenlager.
https://www.handelsblatt.com/politik/international/frankreich-gelbwesten-protestieren-erneut-weniger-teilnehmer/24004540.html?ticket=ST-928200-sZvV7oYoZEz9DT3IFV26-ap5
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #409 am: 20:36:19 So. 10.März 2019 »
Zitat
Amazon-Chef Jeff Bezos verteidigt den Spitzenplatz in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Das Vermögen des Unternehmers legte gegenüber der Vorjahresliste um 19 Milliarden auf geschätzte 131 Milliarden Dollar (116 Milliarden Euro) zu, wie das US-Wirtschaftsblatt mitteilte.
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Milliardaers-Ranking-Tabellenfuehrer-Bezos-jetzt-noch-reicher-4327198.html

Tina74

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Re: AMAZON
« Antwort #410 am: 10:34:41 Mo. 25.März 2019 »
Ich kaufe sehr gerne bei Amazon und war bisher immer sehr zufrieden, abgesehen von wenigen Malen wo ich mit polnischen oder indischen Leuten am Telefon gesprochen habe. Sie waren aber alle sehr kulant.

Allerdings ist es furchtbar, dass eine einzige Firma so viel Macht hat... Lohnsklaven werden dann entstehen. Vielerorts ist Amazon der einzige und der grösste Arbeitgeber siehe Osten

Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #411 am: 09:54:21 Mi. 27.März 2019 »
Ich hatte vor Jahrzehnten einen Science Fiction, eine Dystopie, gesehen. Die Menschen wurden durch perfekte Medien betäubt. Es war eine Art Kugel, in die man sich hineinsetzte und alle Sinne wurden bedient. Es war nicht nur ein dreidimensionelles Bild, sondern auch auch der Geruchssinn oder Hautreize waren Teil des Programms. Die meisten waren dem nicht gewachsen und zeigten ein Suchtverhalten. Sie konnten die Kugel verlassen, wollten es aber nicht. In der Welt waren die sozialen Spannungen gewachsen und sie wurde nur noch von zwei Großkonzernen beherrscht.

So wie es aussieht, sind wir davon nicht weit entfernt. Zwei der mächtigsten Schweinekonzerne starten eine Zusammenarbeit:

Zitat
Volkswagen verbündet sich offenbar mit Amazon

Volkswagen-Boss Herbert Diess beschreitet neue Wege, um die Produktivität seiner Fabriken zu steigern. Unterstützung soll er sich dafür aus der neuen Welt holen: vom Internetriesen Amazon.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-verbuendet-sich-mit-amazon-a-1259840.html

Wampel

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Re: AMAZON
« Antwort #412 am: 00:55:51 Do. 28.März 2019 »
Lohnsklaven werden dann entstehen.
Wieso "werden"?
Ist doch längst (fast) überall Realität.

Schluepferstuermer

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Re: AMAZON
« Antwort #413 am: 09:14:40 So. 31.März 2019 »
Was Kuddel als Alptraum beschreibt, ist doch teilweise Realität.

Wenn jmd. "meint" etwas zu benötigen, bestellt er es bei Amazon. Nur nicht das Gehirn benutzen.

Amazon weiß durch Algorithmen,  was der jenige in Zukunft braucht (die Kunden, die dies kauften, kauften auch dieses - Wenn jmd. eine Webseite über Kinderspielzeug anpeilt, nimmt die Werbung von Amazon über Baby Accessoires zu).

Viele stellen sich freiwillig eine Wanze (Alexa) in die Wohnung.
lg Schlüpferstürmer

Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
"Bild" Euch Eure Meinung
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Wer die CxU und SPD in ihrer Terrorherrschaft gegen das eigene Volk lobt, lobt ihren braungefärbten Nazicharakter!!

counselor

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Re: AMAZON
« Antwort #414 am: 16:30:02 Do. 11.April 2019 »
Zitat
Sprachassistent: Amazon wertet Alexa-Aufnahmen aus

Durch die Analyse von aufgenommenen Sprachbefehlen will Amazon seinen Sprachassistenten Alexa verbessern. Doch die Mitarbeiter haben auch Zugang zu den privaten Inhalten der Nutzer.

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/amazon-alexa-107.html
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Troll

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Re: AMAZON
« Antwort #415 am: 17:20:28 Do. 11.April 2019 »
Oh, dass ist ja ganz schlimm, hätte man es auch nur ahnen können dass Amazon die angebohrte Datenölquelle sprudeln lässt und keinen Tropfen vergeudet.
Amazon mußte ja nicht mal selbst bohren, die müssen nur Auffangbehälter unter die Dekadenzlöcher stellen.

Ich glaube es wird nicht mal zu einem Empörungslüftchen kommen, die betroffenen Arschgeigen bezahlen schließlich für den Abhördienst.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #416 am: 17:49:02 Mo. 15.April 2019 »
Zitat
Amazon-Mitarbeiter sind im Streik
Die Mitarbeiter haben an vier Standorten in Deutschland die Arbeit niedergelegt. Sie fordern einen Tarifvertrag und deutliche Lohnerhöhungen.


In der Nacht von Sonntag auf Montag legten die Mitarbeiter an den Standorten Bad Hersfeld, Koblenz, Rheinberg und Werne die Arbeit nieder
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/verdi-amazon-mitarbeiter-sind-im-streik/24220782.html?ticket=ST-47513-yeacOOTf2O4Ac3pmAyed-ap4

Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #417 am: 15:12:57 Mi. 17.April 2019 »
Zitat
Fast sechs Jahre Streik bei Amazon und kein Ende?

Seit Dienstag stehen die Zeichen beim Versandgigant Amazon wieder auf Arbeitskampf. Was fordert die Gewerkschaft und wie sind die Aussichten auf Erfolg?


...
Lauenroth-Mago hält Samstagarbeit bei einem Online-Händler für unnötig. "Mittlerweile gilt der Samstag als normaler Arbeitstag. Dadurch erzeugt man das Bedürfnis der Rund-um-die-Uhr-Belieferung. Das ist irrsinnig." Zudem wirft Verdi Amazon vor, dass das Unternehmen versuche, einen großen Teil der Arbeitnehmer systematisch in befristeten Arbeitsverhältnissen zu beschäftigen. Diese hätten somit keine Planungssicherheit.
...
Was haben die Streiks bisher erreicht?

Im September 2018 wurden die Löhne der Amazon-Mitarbeiter um 2,5 bis 3 Prozent erhöht. Als der Streik begann, lag der Lohn der langfristig Beschäftigten bei 8,40 Euro. Jetzt liegt er bei 12,50 Euro.
...
Um den Konzern zu treffen, streiken die Mitarbeiter bei Amazon seit fünf Jahren vor allem in den Zeiträumen, wo viele Bestellungen eingehen. Das sind etwa die Vorweihnachtszeit, Aktionstage wie der Black Friday oder aktuell kurz vor Ostern.
...
https://www.mdr.de/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/faq-streik-amazon-100.html

Zitat
Jetzt auch in Leipzig
Ver.di weitet Osterstreik bei Amazon aus

Mitten im Ostergeschäft ruft Ver.di nun auch am Amazon-Standort Leipzig zum Streik auf. Über Bekenntnisse des Versandhändlers zu Arbeits- und Gesundheitsschutz sagt der örtliche Streikleiter: "Es stinkt wie faule Eier."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-ver-di-weitet-streiks-auf-leipzig-aus-a-1263107.html

Zitat
Amazon-Beschäftigte setzten Streik in Leipzig fort

Die Beschäftigten am Amazon-Standort Leipzig haben ihren Streik auch am Mittwoch fortgesetzt. Er solle den ganzen Tag dauern, teilte Verdi-Sprecher Thomas Schneider mit. Unter den Streikenden herrsche "eine tiefe Enttäuschung über die Ignoranz des Managements". Der Ausstand hatte am Dienstag begonnen. Auch im hessischen Bad Hersfeld und in Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) gibt es nach Angaben von Amazon noch Arbeitsniederlegungen.
https://www.rtl.de/cms/amazon-beschaeftigte-setzten-streik-in-leipzig-fort-4325727.html

Zitat
Rund 600 Beschäftigte streiken in Dortmund und Duisburg



In Dortmund und Duisburg sind am Mittwoch (17.04.2019) laut Verdi rund 600 Beschäftigte tarifloser Unternehmen auf die Straße gegangen. Vor der ersten Verhandlungsrunde im Einzelhandel in NRW fordern sie, dass ihre Unternehmen die Tarifverträge des Einzelhandels unterzeichnen.
Amazon-Beschäftigte streiken seit Montag

Mitten im Ostergeschäft hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten von Amazon, OBI, Douglas, dem Tedi-Lager, Smyths Toys sowie Porta Möbel Logistik dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.

Bereits seit der Nacht auf Montag (15.04.2019) streiken Amazon-Beschäftigte in Werne. Am Dienstagmorgen (16.04.2019) hatten sich auch Mitarbeiter des Dortmunder Tedi-Zentrallagers angeschlossen. Bei Tedi soll der Streik am Mittwoch (17.04.2019) enden, wogegen er bei Amazon noch bis Donnerstag (18.04.2019) dauern soll.
https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/streik-amazon-tedi-verdi-werne-dortmund-100.html

Zitat
Tedi-Mitarbeiter streiken in Dortmund und solidarisieren sich mit Amazon-Mitarbeitern
Streik


Am Dortmunder Tedi-Lager streiken am Dienstag und Mittwoch Mitarbeiter der Tedi-Tochter DLG. Sie wollen nach Tarif bezahlt werden. Auch bei Amazon wird gestreikt – aber nicht in Dortmund.
https://www.ruhrnachrichten.de/dortmund/tedi-mitarbeiter-streiken-in-dortmund-und-solidarisieren-sich-mit-amazon-mitarbeitern-1397192.html

Zitat
Auch Amazon, Douglas und Obi :
Verdi ruft zu Streiks in NRW bei mehreren tariflosen Unternehmen auf
https://rp-online.de/nrw/panorama/verdi-ruft-zu-streiks-in-nrw-bei-tariflosen-unternehmen-auf-auch-amazon-douglas-und-obi_aid-38167951

Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #418 am: 17:27:56 Mi. 24.April 2019 »
Während die taz ständig schreibt, daß die Streiks nix bringen, sieht es das Wirtschaftsmagazin Handelsblatt anders:

Zitat
Die dauernden Streiks schaden Amazon am Ende doch
Der US-Konzern weigert sich beharrlich, mit der Gewerkschaft in Deutschland zu verhandeln. Es ist an der Zeit für Amazon, dieses Dogma zu überdenken.
https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-die-dauernden-streiks-schaden-amazon-am-ende-doch/24232780.html?ticket=ST-4377854-FKxafFTcwastIW2JCFoc-ap6

Kuddel

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Re: AMAZON
« Antwort #419 am: 18:00:33 So. 12.Mai 2019 »
Zitat
Ein Fall von Klassenkampf
Amazon die Zähne zeigen

Für existenzsichernde Löhne und gute Arbeitsbedingungen: Seit sechs Jahren streiken deutsche Beschäftigte des US-Versandriesen regelmäßig


Vor ziemlich genau sechs Jahren gab es erstmals in deutschen Versandzentren des Onlinehändlers Amazon Streiks. Den Auftakt machten mehrere hundert Beschäftigte an zwei Standorten im nordhessischen Bad Hersfeld, wo sich der älteste und größte dieser Logistikstützpunkte des Konzernriesen befindet. Zuvor hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) das Unternehmen zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels aufgefordert. Kurz nach den Hersfeldern traten auch Beschäftigte am Amazon-Standort Leipzig (Sachsen) in den Ausstand. Inzwischen ist aus den Anfängen des Frühjahrs 2013 eine bundesweite kämpferische Streikbewegung geworden.

Erst Anfang Mai legten die Beschäftigten in mittlerweile fünf Versandzentren die Arbeit nieder: Nach Bad Hersfeld und Leipzig beteiligten sich auch Belegschaftsangehörige in Rheinberg und Werne (beide Nordrhein-Westfalen) sowie in Koblenz (Rheinland-Pfalz) an diesem Langzeitarbeitskampf. »Die Beschäftigten (…) streiken, weil sie existenzsichernde Löhne und gute Arbeitsbedingungen durchsetzen wollen«, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. »Sie verlangen, dass Amazon nicht mehr einseitig die Arbeitsbedingungen diktiert.«

Doch das US-amerikanische Unternehmen verweigert sich den Tarifverhandlungen und bestreitet die Zuordnung zum Einzel- und Versandhandel. Man sei ein Logistikunternehmen, heißt es. Immerhin hat der seit sechs Jahren anhaltende Arbeitskampf mittlerweile diverse Entgelterhöhungen und Sonderzahlungen für die Beschäftigten ausgelöst. Gerade die Streiks anlässlich des Schnäppchentages »Black Friday« sowie vor Feiertagen treffen den Onlinehändler empfindlich – auch wenn Unternehmenssprecher regelmäßig behaupten, dass die Ausstände keine Umsatzeinbußen bewirkt hätten.
Wer ist hier Verfassungsfeind?

Während die Mitarbeiter in Deutschland dank ihres Einsatzes und der gewerkschaftlichen Unterstützung Teilerfolge erreicht haben, geht Amazon im Stammland USA mit harten Bandagen gegen vermeintlich faule Beschäftigte vor: Sie erhielten die Kündigung – von einem Algorithmus, wie lebensmittelzeitung-online Anfang Mai berichtete. Die Produktivitätsmessungssoftware im Warenlager Baltimore erfasst die Arbeitsleistung jedes Beschäftigten haargenau. Wer die vorgegebenen Ziele nicht erreicht, bekommt erst eine Verwarnung und dann die Kündigung – der Algorithmus macht es möglich. Öffentlich wurde diese Vorgehensweise bei einem Gerichtsverfahren, das ein betroffener Mitarbeiter angestrengt hatte.

Die Anwältin des Konzerns erklärte, dass die automatisch erteilten Verwarnungen täglich von einem Vorgesetzten überprüft würden. Sei die verwarnte Person aus plausiblem Grund untätig gewesen – etwa wegen einer Toilettenpause – so werde die Verwarnung auch zurückgenommen. Insgesamt seien allerdings in Baltimore bereits mehrere hundert Beschäftigte mittels eines Computerprogramms gekündigt worden, weil sie die Produktivitätsziele nicht geschafft hätten.

Ganz so weit treibt es Amazon an seinen deutschen Standorten noch nicht. Doch dass auch hierzulande die Versandzentren mit immer mehr Technik aufgerüstet werden, ist bekannt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter müssen sich diesen technischen Abläufen unterwerfen, die »menschliche Arbeit« werde »durch die verstärkte Digitalisierung und vermehrte Automatisierungsprozesse entwertet«, stellt Orhan Akman von Verdi fest (siehe Interview). Die Betroffenen leiden unter der immer monotoner werdenden Arbeit und fordern gemeinsam mit Gewerkschaft und Betriebsräten, in die Umsetzung technischer Innovationen einbezogen zu werden.

Die Amazon-Kundschaft holt sich indes freiwillig und gegen Geld mit dem Informationsdienst »Alexa« die Überwachung ins Haus. Sobald das Gerät aktiviert ist, zeichnet es fleißig auf und liefert alle Daten an zentrale Amazon-Server in den USA. Auf dem Weg zu immer mehr Macht und Einfluss könnte der Konzern eines nicht so fernen Tages dann auch noch Polizei und Geheimdienst übernehmen.
https://www.jungewelt.de/artikel/354493.ein-fall-von-klassenkampf-amazon-die-z%C3%A4hne-zeigen.html