Autor Thema: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...  (Gelesen 217 mal)

tleary

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Wie bekannt "leidet" die Agrarindustrie besonders unter der Corona-"Krise". Nicht etwa, durch erhöhte Krankenzahlen oder abhandengekommene Kundschaft. Sondern ganz simpel unter dem Mangel an billiger Arbeitskraft, die nun nicht mehr so einfach von weit hergeholt und ausgepresst werden kann. Als Ersatz hat man Einheimische ausgemacht. Aber es geben sich einfach zu wenige davon für diese lange und körperlich aufreibende Arbeit bei maximal gezahltem Mindestlohn (+ "Leistungszulage" (?), wie's immer so schön heißt) her.

Außerdem kann der Agrarkapitalist den Einheimischen - weil diese noch selbst in der Lage sind, sich unterzubringen - nicht gleich wieder einen Großteil des mageren Verdienstes für "Kost und Logis" vom Lohn einbehalten.

Ein aufschlußreicher Artikel hierzu findet sich hier:

Zitat
Coronakrise und Wanderarbeit: Wer pflügt die deutsche Scholle?

„Ich verliere 1500 Tonnen Spargel!“ titelt in großen Lettern die Bild-Zeitung. Großbauer Heinrich Thiermann „fehlen 800 Arbeiter“, wegen der Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen Einreisebeschränkungen. Thiermann zählt zu den größten Landwirtschaftsunternehmern im Spargelsektor, hat aber auch Heidelbeeren und Erdbeeren. Rund 3000 Hektar Land hatte Thiermann schon 2009 „unter Pflug“, wie das Handelsblatt damals schrieb, 20 Millionen Euro Umsatz fuhr er jährlich ein. Wer erwirtschaftet das? Der rüstige „Spargelkönig“, wie wohlwollende Medien ihn nennen, nicht. Ein Heer von ausländischen Saisonarbeitern verrichtet die körperlich aufreibende Tätigkeit Jahr für Jahr.
[......]
Quelle:
https://lowerclassmag.com/2020/04/12/coronakrise-und-wanderarbeit-wer-pfluegt-die-deutsche-scholle/
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

FrankWhite

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Re: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...
« Antwort #1 am: 10:52:47 Mi. 22.April 2020 »
https://de.statista.com/infografik/21312/saisonarbeitskraefte-in-der-deutschen-landwirtschaft/

Zitat
Schätzungsweise 300.000 Saisonarbeitskräfte werden der deutschen Landwirtschaft durch den coronabedingten Einreisestopp fehlen. Das jedenfalls lässt sich aus den Zahlen der vergangenen Jahre schließen. Im letzten von der Statistik erfassten Jahr waren es 286.000 - das entspricht fast einem Drittel der Beschäftigten in der Landwirtschaft.


Fritz Linow

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Re: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...
« Antwort #2 am: 09:43:49 Fr. 24.April 2020 »
Zitat
“an dem Fall sind wir seit mehreren Tagen dran. Nachdem einige Menschen aus Protest gegen die Unterkunftsbedingungen, gegen die Akkordlöhne und weil der Bauer ihnen die Flugkosten vom Lohn abziehen wollte, die Arbeit eingestellt haben, hat ihnen der Arbeitgeber das Essen vorenthalten mit dem Argument, dass nur diejenigen essen dürften, die arbeiten. Die haben daraufhin mehrere Protestvideos auf Facebook veröffentlicht, die auch die rumänischen Medien erreicht haben (...) Heute wurde ein Teil der Erntehelfer entlassen und “vom Hof gejagt”, die sind dann zu Fuß, hungrig und ohne Geld losgelaufen. Eigentlich hätten die noch in Quarantäne bleiben müssen, da sie erst seit 5 Tagen in Deutschland sind. Nachdem unsere Oldenburger Beratungsstelle und die IG BAU die Behörden alarmiert haben, kontrollierte das Gesundheitsamt und die Polizei den Betrieb. Nun wurden auch die gekündigten Menschen wieder aufgefunden. Die sollten nun ihre Quarantäne woanders verbringen und danach zurück nach Rumänien geflogen werden.”
https://www.labournet.de/branchen/landwirtschaft/erntehelfer-wenn-man-die-leute-anstaendig-behandelt-kommen-sie-auch/

tleary

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Re: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...
« Antwort #3 am: 05:46:31 Mi. 29.April 2020 »
Und ihrer Freiheit beraubt und zu Dauerarbeit verpflichtet (Ausgangsverbot, keine Beschränkung der Arbeitszeit mehr) werden die ausländischen Saisonarbeiter nun vom deutschen Staat auch noch ganz offiziell. In diesen wichtigen Punkten hat die Agrarlobby ganze Arbeit in Berlin geleistet.

Leute, wenn ihr es euch leisten könnt: Bleibt weg! Es tut diesen Agrarkapitalisten am meisten weh, wenn sie ihren Spargel selbst ernten müssen oder - wahrscheinlicher - auf den Feldern verrotten sehen!

Aber 30.000 durften nun doch mit Sonderflügen zur Feldarbeit hierher verbracht werden. - Falls die Zahl überhaupt stimmt, und nicht viel zu niedrig publiziert ist.
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(Autor unbekannt)

Kuddel

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Re: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...
« Antwort #4 am: 14:46:22 Mi. 29.April 2020 »
Leute, wenn ihr es euch leisten könnt: Bleibt weg!

So läuft es nicht. Natürlich würden fast alle Jobs unbesetzt bleiben, wenn die Menschen wirklich frei wären. Es gibt aber den verdammten ökonomischen Druck, es gibt den Druck der Jobcenter, es gibt das soziale Mobbing gegen Erwerbslose, das ganze Arsenal an Daumenschrauben des Ausbeutersystems. (In Osteuropa herrschen teilweise soziale Bedingungen wie in Entwicklungsländern, da ist Spargelstechen in Deutschland ein attraktiver Ausweg.)

Es gilt kollektive Kämpfe zu entwickeln. Dazu muß man die Osteuropäer erst einmal kennenlernen, mit ihnen quatschen... Die Sprachbarriere läßt sich überwinden, wenn man wirklich will...

Fritz Linow

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Re: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...
« Antwort #5 am: 18:58:57 Do. 30.April 2020 »
Salzburg:

"Wir haben am 30. 4. in Salzburg eine größere Menge Spargel enteignet, kollektiviert und verschenkt."





https://de.indymedia.org/node/80149

Onkel Tom

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Re: Die Agrarkapitalisten und ihre ausländischen Arbeitssklaven...
« Antwort #6 am: 19:59:42 Do. 30.April 2020 »
Glückwunsch   :D Jo, Robin Hood lässt grüßen..
Ob den Damen auf dem Foto das gleich bewusst war, wie der Spargel zum Tisch gefunden hat ?
Schöne Aktion  :)
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