Autor Thema: Politische Vertretung und Wahlsysteme  (Gelesen 60 mal)

Hartzhetzer

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Politische Vertretung und Wahlsysteme
« am: 07:05:46 Mo. 28.Oktober 2019 »
"Entschuldigung, aber ich möchte über solch eine Partei wie der SPD keinen Gedanken mehr verschwenden."

... das sage jetzt ich, nicht der Böhermann.  :P

Lassen wir doch diese Partei einfach rechts liegen, und diskutieren wir lieber darüber, was alles hierzulande und weltweit geändert werden müsste, um eine bessere Welt zu erschaffen. - Und diese Liste wird immer länger, je länger dies nicht geschieht.

Wie wahr.

MfG

BGS

Ja alles andere ist Zeitverschwendung, allein schon die Idee von Parteien. Eine politische Massenorganisation die versucht mit der Macht des Kompromisses die Ideen ihrer Mitglieder in einem Gesamtwillen zu komprimieren. Dadurch werden alle Mitglieder in eine Schublade gesteckt und von deren Willen/ Ideen bleibt nicht mehr viel übrig. Die Mitglieder verkommen so zum Atomisierten biologischen Macht Fundament der Parteiführer.

mfg
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

tleary

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Re: Politische Vertretung und Wahlsysteme
« Antwort #1 am: 07:30:43 Mo. 28.Oktober 2019 »
Es muß auch ein anderes politisches System her. Keine "parlamentarische Demokratie", denn die verleitet die, die gerade am Drücker sind, korrupt zu werden. Die Volksvertreter werden geschmiert und bestochen von denen, die die wirkliche Macht, also Gut und Geld besitzen. Volksvertreter in dieser Demokratieform sind doch nur Marionetten der Kapitalinteressen.

Was her gehört, ist ein nicht korruptionsanfälliges politisches System. Also eines, das keine Berufspolitikerkarrieren und auch keine Parteien kennt.

Mir schwebt da sowas vor was man als "Losdemokratie" bezeichnet. Das heißt, es werden rein zufällig Personen aus dem normalen Volk für nur eine relativ kurze Zeit an die Hebel der Macht per Losentscheid gebracht, die dann nach einigen Monaten  (wenn ihre konkrete Aufgabe, z.B. Gesetze für einen bestimmten Sachbereich zu formulieren) wieder zurück in ihr normales Leben entlassen werden Also, nicht dauerhaft priviligiert und somit losgelöst von den Nöten eines normalen Bürgers sind.

Nur als Beispiel: Ein Abgeordneter im jetztigen politischen System muß niemals befürchten, von den zerstörerischen Gesetzen, die er selbst und seinesgleichen während seiner Amtszeit ausheckt, betroffen zu sein. Dafür ist seine soziale Absicherung auch nach seiner Amtszeit viel zu gut.

So ein sozial zerstörerisches Monster wie die "Hartz-IV"-Gesetzgebung wäre einer "Losdemokratie" (anderer Name: aleatorische Demokratie) undenkbar, eben weil derjenige "Kurzzeit-Volksvertreter" nach Entlassung in seine normale Lohnarbeiterexistenz immer befürchten müsste, auch irgendwann in Hartz-IV zu fallen. Menschen sind eben egoistisch veranlagt, und wenn sie etwas nicht direkt trifft oder treffen kann, stellen sie ganz andere Regeln (Gesetze) auf, wie wenn die Chance besteht, daß sie irgendwann einmal negativ von diesen betroffen sein *könnten*.

Das wäre dann eine wirkliche "Demokratie in Aktion", weil auch ein ständiger Austausch (es wären immer dutzende, evtl. sogar hunderte Gruppen mit vielleicht 20 Personen, die dann Gesetze oder Verordnungen formulieren müssten) mit dem "normalen Volk" stattfinden würde. Auch gute Ideen aus der Bevölkerung fänden viel leichter Eingang in die Gesetzgebung und das Regieren allgemein.

Das nur so als erster Denkansatz, wenn wir schon dabei sind, eine neue, bessere Welt zu erfinden. Denn dieses System wird irgendwann demnächst am Ende sein, das ist schon absehbar. Selbst die Herrschenden scheinen diese konkrete Vorahnung zu haben... Und damit das ganze nicht in der Barbarei endet, muß man eben über "positive Gegenentwürfe" jetzt schon diskutieren.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Kuddel

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Re: Politische Vertretung und Wahlsysteme
« Antwort #2 am: 09:21:05 Mo. 28.Oktober 2019 »
Mir schwebt da sowas vor was man als "Losdemokratie" bezeichnet.

Ich finde diesen Gedanken absolut furchtbar! Da kann man ja gleich politische Entscheidungen auswürfeln.
Es sollten schon diejenigen in demokratischen Entscheidungen ausgewählt werden, die über notwendige Kenntnisse und das Vertrauen der Menschen verfügen. Die Leute müssen abwählbar sein wenn sie ihr Vertrauen verspielt haben und nicht erst nach 4 Jahren. Mir erscheint ein Rätesystem als sinnvoll. Ein ständiger Kontakt zur Basis ist notwendig. Die Macht soll bei der Basis liegen, überregional muß koordiniert und zusammengefügt werden, doch es soll zu keiner zentralisierten Machtkonzentration kommen. Der Kapitalismus zeichnet sich ja dadurch aus, daß die Wirtschaft autoritär entscheidet und Betriebe demokratiefreie Zonen sind. Deshalb sind gerade Arbeiterräte wichtig. Es sollte dabei über den betrieblichen Tellerrand hinausgeblickt werden. In den 70er Jahren gab es bei Arbeitskämpfen in Italien Forderungen, die die Senkung von Wohnungsmieten und Lebensmittelpreisen beinhalteten. Aber auch der aktuelle Lehrerstreik in Chicago beweist, daß dieser Blick über den Tellerrand möglich ist:
Zitat
JUSTICE FOR STUDENTS AND FAMILIES
Student learning also depends on what happens outside the class­room. CTU fights for social justice in the areas of affordable housing, sanctuary schools, Sustainable Community Schools, and restor­ative justice
https://www.ctulocal1.org/movement/contract-campaigns/contract-chicago-deserves/

Zitat
Sie fordern bezahlbaren Wohnraum in der Stadt und finanzielle Unterstützung für Schülerinnen und Schüler und deren Familien, die vom Verlust ihrer Wohnungen bedroht sind.

Schule und Wohnen sind eng miteinander verbunden


Wohnen ist ein sehr wichtiges Thema in Chicago. 17.000 Schülerinnen und Schüler sind obdachlos, besonders afro-amerikanische Familien sind von Segregation betroffen und leben in finanziell schwachen Gemeinden. Steigende Mieten triffen sie besonders. “Wir meinen ernst“, unterstrich der Vize Präsident der CTU Stacy Davis Gates, „wir müssen die soziale Ungleichheit überwinden“. Die Gewerkschaften haben bisher alle Angebote abgelehnt, die nur Gehaltserhöhungen beinhalten.
https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrerstreik-in-chicago/

counselor

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Re: Politische Vertretung und Wahlsysteme
« Antwort #3 am: 17:32:23 Mo. 28.Oktober 2019 »
Ich bin auch für ein Rätesystem mit imperativem Mandat. Und natürlich sofortiger Abwählbarkeit, wenn der Mandatsträger das Vertrauen mißbraucht.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

tleary

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Re: Politische Vertretung und Wahlsysteme
« Antwort #4 am: 23:47:25 Mo. 28.Oktober 2019 »
Mir schwebt da sowas vor was man als "Losdemokratie" bezeichnet.

Ich finde diesen Gedanken absolut furchtbar! Da kann man ja gleich politische Entscheidungen auswürfeln.
Es sollten schon diejenigen in demokratischen Entscheidungen ausgewählt werden, die über notwendige Kenntnisse und das Vertrauen der Menschen verfügen.
Und das hat ein Durchschnitts-Politprofi, das "nötige Fachwissen"? - Bis so ein Politiker da oben auf der Karriereleiter angekommen ist, mußte er sich dutzende Male durch Intrigen und Schlechtmachen des Konkurrenten allein schon in der eigenen Partei durchsetzen. Der hatte gar keine Zeit, sich zum "Experten" für irgendetwas zu qualifizieren. Darauf kommt es ja auch gar nicht an: Seine einzige Bestrebung muß ja sein, nicht durch die Presse oder andere mächtige Institutionen (eigene Partei, Arbeitgeberverband, Gewerkschaften, sonstige Interessenverbände) via Intrigen und Vorwürfen gestürzt zu werden. Wie soll da irgendein "Experte" entstehen? Wenn, dann höchstens einer in Sachen Machterhalt. Bestes Beispiel dafür ist doch die Merkel, die damals ihren Umweltminister ohne mit der Wimper zu zucken geschasst hat, nur weil die Medien meinten, er müsse weg. 

Durch das momentane Auswahlsystem der parlamentarischen Demokratie kommen Egomanen an die Macht, Machtmenschen der oft übelsten Sorte.

Wie soll sich so ein gewählter Parlamentarier denn durch ein "besonderes Fachwissen" auszeichnen? - Bekommt er da während seiner Politkarriere besondere Schulungen verpasst? - Antwort: Nein! Er ist genauso auf den Rat und die Expertise von Experten angewiesen, wie eben ein per Losentscheid ausgesuchter Kurzzeitrepräsentant auch.
Zitat
Es sollten schon diejenigen in demokratischen Entscheidungen ausgewählt werden, die über notwendige Kenntnisse und das Vertrauen der Menschen verfügen.
Aber deine Aussage lässt auch ein gewisses Herabsehen und Mißtrauen auf die Kenntnisse und Fähigkeiten des normalen Bürgers schließen. Genauso würde ein Politiker argumentieren, der durch solch ein Verfahren (Losdemokratie) ersetzt werden soll. Er würde sagen: "Die anderen sind zu blöd und ungebildet. Ich hingegen bin intelligent und qualifiziert! So ein Mensch aus dem Volk könnte nie das, was ich durch meine Bildung kann!". - Vielleicht hat er damit sogar im Einzelfall recht, aber ich rede ja auch nicht davon, daß ein einzelner Entscheidungen trifft und Gesetze beschließt, sondern ein Gruppe von Menschen (von sagen wir 20 Stück). Und da kämen dann auch mit Sicherheit gute oder zumindest tragbare Entscheidungen heraus, eben weil dann so eine Art "Schwarmintelligenz" zum Zuge käme. In einer größeren Gruppe sind immer irgendwelche Leute, die sich in dem jeweiligen Bereich gut auskennen.


Noch eine letzte Gegenfrage: Wieviele (teuere) Fehlentscheidungen von den auch-so-qualifizierten Politprofis gab's denn, blickt man nur die letzten 20 Jahre zurück?

Ein paar Beispiele gefällig?
  • Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, kurze Zeit später Ausstieg aus der Atomkraft (wegen Fukushima), wobei sich an der Sachlage in D in den 3 Jahren dazwischen überhaupt nichts änderte. Die AKW's sind in diesem Zeitraum weder sicherer noch unsicherer geworden. Dieses Hü und Hott fürht noch zu Regreßforderungen der Atomindustrie an den Staat in Höhe von zig Milliarden Euro.
  • Stuttgart 21 (gehe ich jetzt nicht weiter drauf ein). Auch dutzende Milliarden an Steuergeldern verbuddelt.
  • BER-Flughafen
  • Privatisierung der Autobahn-Raststätten
  • Aufbau und Abwürgen des Ausbaus der alternativen Energien (Hü und Hott .... Auf- und Abbau der Kapazitäten kosten in der Windenergie ebenfalls Milliarden)
  • Rhein-Main-Donau-Kanal (okay, liegt schon länger zurück)

Allein die oben genannten fehlentschiedenen Projekte von Polit-"Experten" haben bisher hunderte Milliarden Euro gekostet. Und davon gibt's mit Sicherheit auf kommunaler und Landesebene oder von geringerer Größe noch viel mehr zu nennen. Somit kann ich das Argument "Leute aus dem normalen Volk wären zu doof, um qualifizierte Entscheidungen zu treffen", nicht gelten lassen.
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Fritz Linow

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Re: Politische Vertretung und Wahlsysteme
« Antwort #5 am: 00:00:14 Di. 29.Oktober 2019 »
Ey tleary:
Mach mal bitte im Theoriebereich einen eigenen Treht für deine aleatorische Demokratie auf oder nutze einen vielleicht schon vorhandenen. Das Thema ist spannend und es gibt eine Menge dazu zu diskutieren (auch über das imperative Mandat usw), aber bei der SPD ist das alles Unfug und geht hier nur veloren.

tleary

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Re: Politische Vertretung und Wahlsysteme
« Antwort #6 am: 00:09:27 Di. 29.Oktober 2019 »
Ich will ja, daß gar nicht mehr über das "tote Pferd" SPD diskutiert wird, weil es so sinnlos ist. ;) Verschwendung von knappen Ressourcen und so...

Aber okay, ich werde was neues aufmachen.
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