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Whistleblowing

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Kuddel:
Der Kampf für eine bessere Gesellschaft hat viele Formen und Austragungsorte.

Allein das Aussprechen der Wahrheit und das Veröffentlichen von Mißständen zieht oftmals Repression nach sich. Beispiele sind die Altenpflegerin Brigitte Heinisch,  Bradley Manning, Jilian Assange, Inge Hannemann, Gustl Mollath oder Edward Snowden.

Es lohnt sich hier etwas zu stöbern: http://www.whistleblower-net.de

Folgendes Interview finde ich ebenfalls lesenswert:


--- Zitat ---„Wir überwachen jeden, überall“

Daten-Spionage Der Whistleblower Edward Snowden beantwortet die wichtigsten Fragen zur größten Enthüllung in der Geschichte des US-Nachrichtengeheimdienstes NSA


Edward Snowden in Hongkong

The Guardian: Warum haben Sie sich entschlossen, zum Whistleblower zu werden?

Snowden: Die National Security Agency (NSA) hat eine Infrastruktur aufgebaut, die es erlaubt, fast alles abzuhören. Damit wird ganz automatisch das meiste an zwischenmenschlicher Kommunikation aufgenommen, es muss noch nicht einmal beabsichtigt sein. Wenn ich mir Ihre E-Mails oder das Telefon Ihrer Frau ansehen wollte, so könnte ich das tun. Ich komme an Ihre E-Mails, Ihre Passwörter, ihre Telefonverbindungen, Ihre Kreditkarten. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die solche Dinge tut … Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich mache und sage, aufgezeichnet wird. Ich möchte das nicht unterstützen und bin nicht bereit, das zu akzeptieren.

Aber ist denn Überwachung nicht notwendig, um das Risiko von Terroranschlägen wie dem in Boston zu verringern?

Terrorismus hat es schon immer gegeben. Was in Boston passiert ist, war eine kriminelle Handlung. Das war keine Frage von Überwachungsmaßnahmen, sondern von guter, alter Polizeiarbeit. Die Polizei ist sehr gut in dem, was sie tut.

Denken Sie, eine Straftat begangen zu haben?

Wir haben genug kriminelle Handlungen auf Seiten der Regierung gesehen. Es ist heuchlerisch, mir diesen Vorwurf zu machen. Sie haben die Einflussmöglichkeiten der Öffentlichkeit beschnitten.

Was denken Sie, wird mit Ihnen geschehen?

Nichts Gutes.

Warum sind Sie nach Hongkong geflogen?

Ich halte es für äußerst tragisch, dass ein Amerikaner sich an einen Ort begeben muss, an dem die Freiheit eingeschränkt ist. Dennoch hat Hongkong, anders als die Volksrepublik China, den Ruf, dass die freie Rede hier etwas wert ist. Es gibt eine starke Tradition der freien Meinungsäußerung.

Was enthüllen die geleakten Dokumente?

Dass die NSA hinsichtlich des Umfanges, in dem in den USA Überwachung stattfindet, auf Anfragen des Kongresses routinemäßig die Unwahrheit sagt. Ich glaube, auf die Frage von Senator Ron Wyden und Senator Mark Udall nach dem Umfang der Überwachung wurde behauptet, man habe nicht die Instrumente, um sie zu beantworten. Wir verfügen über die Instrumente, und ich habe Karten, auf denen zu sehen ist, wo die Leute am meisten überwacht werden. Wir sammeln mehr digitale Kommunikation in den USA als von den Russen.

Was halten Sie von den Protesten der Obama-Regierung gegen chinesische Hacking-Angriffe?

Wir hacken alle, überall. Wir machen gern einen Unterschied zwischen uns und den anderen. Aber wir sind in fast jedem Land der Erde, ohne dass uns mit diesem Land im Krieg zu befinden.

Ist es möglich, sich gegen staatliche Überwachung zu schützen?

Sie ahnen noch nicht einmal, was alles möglich ist. Das Ausmaß ihrer Möglichkeiten ist erschreckend. Wir können Apparate verwanzen. Ich kann Ihren Anschluss sofort identifizieren, sobald Sie sich eingewählt haben. Sie werden nie sicher sein, ganz egal, welche Sicherungsmaßnahmen Sie installieren.

Video: NSA whistleblower Edward Snowden: 'I don't want to live in a society that does these sort of things', Glenn Greenwald and Laura Poitras, The Guardian
http://www.guardian.co.uk/world/video/2013/jun/09/nsa-whistleblower-edward-snowden-interview-video

Haben Sie ihre Familie eingeweiht?

Nein. Meine Familie weiß von nichts … Meine größte Angst ist, dass sie meine Familie und Freunde verfolgen werden. Jeden, der mit mir in irgendeiner Verbindung steht. Damit werde ich den Rest meines Lebens leben müssen. Ich werde nicht mit ihnen kommunizieren können. Die Behörden werden aggressiv gegen jeden vorgehen, der mich kennt. Der Gedanke lässt mich nachts nicht schlafen.

Wann haben Sie sich entschlossen, die Dokumente öffentlich zu machen?

Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe gesagt, das war's. Es war ein natürlicher Prozess. 2008 haben viele Leute Obama gewählt. Obwohl ich nicht zu ihnen gehörte und eine der kleineren Parteien gewählt habe, habe ich seinen Versprechungen dennoch geglaubt. Ich hatte meinen Entschluss schon gefasst, habe wegen seiner Wahl aber noch gewartet. Doch er setzte die Politik seines Vorgängers fort.“

Wie haben Sie reagiert, als Sie am Freitag hörten, wie Obama die Veröffentlichungen verurteilte, gleichzeitig aber eine Debatte über das Verhältnis von Sicherheit und Offenheit begrüßt hat?

Er hatte Schwierigkeiten, sich zu verteidigen. Er versuchte, etwas zu rechtfertigen, das sich nicht rechtfertigen lässt. Er wusste das.

Wie ist es mit der allgemeinen Reaktion auf die Enthüllungen?

Es überrascht und freut mich zu sehen, wie stark die Öffentlichkeit zugunsten der Unterstützung jener Rechte reagiert, die hier im Namen der Sicherheit beschnitten werden. Es ist zwar nicht Occupy Wall Street aber es gibt eine Initiative, die am 4. Juli auf die Straße gehen will, um das Fourth Amendment zu verteidigen. Sie heißt „Restore The Fourth Amendment“ und hat ihren Ursprung auf der Online-Plattform Reddit. Die Resonanz und Unterstützung im Internet ist groß.

Der Washingtoner Experte für internationale Angelegenheiten Steve Clemons sagte, er habe auf dem Dulles Airport das Gespräch von vier Männern mit angehört, die wohl gerade eine Sicherheitskonferenz besucht hatten. In Bezug auf die Leaks habe einer von ihnen gesagt, sowohl Reporter als auch Leaker sollte man „verschwinden“ lassen. Wie geht es Ihnen dabei?

Wenn wir auf der Arbeit darüber geredet haben, wie man mit Gesetzesverstößen umgehen sollte, wurde nie für ein ordentliches Gerichtsverfahren plädiert, sondern immer für entschiedenes Handeln. Sie sagten, es sei besser, jemanden aus einem Flugzeug zu stoßen, als ihn vor Gericht zu stellen. Es herrscht allgemein eine sehr autoritäre Einstellung.

Haben Sie einen Plan?

Alles, was ich tun kann, ist, hier zu sitzen und zu hoffen, dass die Regierung Hongkongs mich nicht abschiebt. Ich tendiere dazu, in einem Land Asyl zu beantragen, das die gleichen Werte vertritt. Island käme in Frage , wo man sich in der Vergangenheit für Menschen eingesetzt hat, die im Internet für die Freiheit kämpfen. Ich habe keine Ahnung, wie meine Zukunft aussehen wird.

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Sie im Gefängnis landen werden?

Ich hätte das nicht tun können, ohne das Risiko zu akzeptieren, im Gefängnis zu landen. Man kann sich nicht mit den mächtigsten Geheimdiensten der Welt anlegen, ohne dieses Risiko zu akzeptieren. Wenn sie dich kriegen wollen, werden sie das früher oder später auch tun.

Wie fühlen Sie sich heute, fast eine Woche nach der ersten Enthüllung?

Ich denke, die Empörung ist gerechtfertigt. Sie lässt mich hoffen, dass die Sache für Amerika einen positiven Ausgang nimmt, unabhängig von dem, was mit mir geschieht. Ich erwarte nicht, mein Zuhause wiederzusehen, auch wenn es das ist, was ich möchte.

Übersetzung: Holger Hutt
--- Ende Zitat ---
http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/wir-ueberwachen-jeden-ueberall

Troll:

--- Zitat ---Skandal um Überwachungsprogramm
Nur Friedrich hat kein "Prism"-Problem

Quelle: tagesschau
--- Ende Zitat ---

Stimmt sicherlich, der hat ganz andere Probleme die eigentlich unter ärztliche Aufsicht gehören.


--- Zitat ---US-Reaktionen auf PRISM-Enthüllungen
Zwischen Verrat und Heldentum

Ein Verräter, der bestraft werden muss - das ist für die Mehrheit von Demokraten und Republikanern der Computer-Experte Snowden. Als Held wird er dagegen von der Tea- Party-Bewegung gefeiert. Fakt ist, der 29-jährige Snowden hat die Obama-Regierung mit seinen Enthüllungen über das gigantische Überwachungsprogramm PRISM blamiert.

Noch gibt es keine offizielle Reaktion der US-Regierung auf die Selbstenttarnung von Edward Snowden. Doch die Juristen im Justizministerium arbeiten mit Hochdruck an der Strafverfolgung und Auslieferung des 29-Jährigen.

Schon wieder ist es ein blasser Computer-Experte mit idealistischen Motiven, der die US-Regierung weltweit blamiert. Und das, während gerade der Prozess gegen den Wikileaks-Informanten Bradley Manning begonnen hat, und sich die US-Regierung außerdem für das Ausspähen von Telefonverbindungen der Nachrichtenagentur AP rechtfertigen muss.

Auch wenn US-Präsident Barack Obama bisher zu Snowden geschwiegen hat - nichts ärgert ihn mehr als Informanten, die Regierungsgeheimnisse an Journalisten weitergeben: "So etwas ist mir nicht willkommen. Es gibt einen Grund, warum diese Programme geheim sind."
....
....
Amerikanische Rechtsexperten bezweifeln, dass er sich einer Inhaftierung entziehen kann. Schließlich gibt es zwischen den USA und Hongkong ein Auslieferungsabkommen.

Quelle: tagesschau
--- Ende Zitat ---

Falsches Abhörprogramm offengelegt, hätte er ein Chinesisches oder Russisches Abhörprogramm offengelegt wäre er ein Held, aber so.

Kuddel:

--- Zitat von: Troll am 16:08:26 Sa. 15.Juni 2013 ---
--- Zitat ---Skandal um Überwachungsprogramm
Nur Friedrich hat kein "Prism"-Problem

Quelle: tagesschau
--- Ende Zitat ---

Stimmt sicherlich, der hat ganz andere Probleme die eigentlich unter ärztliche Aufsicht gehören.

--- Ende Zitat ---

Transparent haben nur die anderen zu sein, für die eigenen Leute und Interessen gelten andere Maßstäbe:


--- Zitat ---Die Journalistenorganisation Netzwerk Recherche verleiht dem Bundesinnenminister ihren Negativpreis "Verschlossene Auster".  

Friedrich habe etwas getan, was keine Bundesregierung vor ihm gewagt habe, sagte der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo in seiner Laudatio: das Recht auf Auskunft zu bestreiten.

Friedrich, der nach Otto Schily (SPD) als zweiter Innenminister die Auster verliehen bekommen hat, nahm den Preis nicht persönlich entgegen.

Vor allem zwei Vorfälle trugen laut Mascolo zu der Entscheidung bei, Friedrich zum Informationsblockierer des Jahres zu küren: die Anfrage des Journalisten Hans-Wilhelm Saure (Bild) zur Rolle ehemaliger Nazis beim Bundesnachrichtendienst (BND) und die Anfrage der Reporter Niklas Schenk und Daniel Drepper (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) zu den Medaillenvorgaben deutscher Athleten.

Beide Male habe das Innenministerium eine Auskunft abgelehnt, und im Fall der Medaillenvorgaben habe Friedrich, der auch Sportminister ist, sogar versucht, eine Veröffentlichung der Vorgaben der Sportförderung bei den Olympischen Spielen 2012 gerichtlich zu verhindern. Dabei hatten die Journalisten ein verfassungsmäßiges Recht auf Auskunft. "Warum weiß Friedrich nichts davon?", fragte Mascolo.

Mascolo übermittelte dem Innenminister und seinen Mitarbeitern "herzlichen Glückwunsch und gute Besserung".
--- Ende Zitat ---
http://www.sueddeutsche.de/politik/negativpreis-von-netzwerk-recherche-innenminister-ist-informationsblockierer-des-jahres-1.1697319

ManOfConstantSorrow:
aus einem Leserbrief in zeit-onlile:

Das ein Amerikaner sich genötigt fühlt nach China zu fliehen, ist eine unglaubliche Blamage für die USA und für den gesamten Westen!

Was braucht es denn noch, um zu zeigen wie beschissen es um die Bürgerrechte bei uns steht?

Sollte er sich lieber Jahre lang foltern lassen wie Bradley Manning?

Ich schließe mich dem Kommentar der nachdenkseiten an:

"Es ist sehr erfreulich, dass es noch Menschen gibt, die die demokratischen Werte auch dann gegen einen immer autoritärer werdenden Staat verteidigen, wenn sie sich selbst dadurch in höchste Gefahr bringen. Ich ziehe den Hut vor Menschen wie Edward Snowden und wünsche ihm, dass er schon bald ein angenehmes Land finden, dass ihm Asyl gewährt."
http://www.nachdenkseiten.de/?p=17559#h04

Troll:

--- Zitat ---Trotz Auslieferungsantrags der USA
Snowden hat Hongkong verlassen

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist auf dem Weg nach Moskau. Die Regierung in Hongkong erklärte, der 30-Jährige habe Hongkong legal verlassen. Zuvor hatte die Zeitung "South China Morning Post" berichtet, Snowden reise mit der Fluggesellschaft Aeroflot nach Russland und werde von dort aus in ein drittes Land - möglicherweise Ecuador oder Island - weiterfliegen. Snowden hatte das umfassende Abhörprogramm der US-Behörden "Prism" aufgedeckt und sich daraufhin in Hongkong versteckt.

"Auslieferungsgesuch entsprach nicht den Anforderungen"

Eigentlich hätten die Behörden in Hongkong Snowden an die Vereinigten Staaten ausliefern sollen - zumindest sieht das die US-Justiz so. Sie hatte Snowden am Freitag offiziell der Spionage beschuldigt, einen Haftbefehl ausgestellt und seine Auslieferung verlangt. Die Behörden in Hongkong entschieden jedoch anders. Man habe den Enthüller der US-Datenüberwachungsprogramme trotz des Auslieferungsgesuches ausreisen lassen, weil die Dokumente der US-Regierung nicht "vollständig den Anforderungen der in Hongkong geltenden Gesetze" entsprochen hätten. So habe es keine legale Handhabe gegeben, Snowden die Ausreise zu verweigern.

Hackte der NSA auch chinesische Netzwerke?

Die deutlichen diplomatischen Verstimmungen zwischen China und den USA hatten jedoch schon zuvor begonnen - mit einem Interview, dass Snowden der "South China Morning Post" gegeben hatte. Demnach soll der US-Geheimdienst NSA auch Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten sowie wichtige Datenübertragungsleitungen der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert haben. Der NSA habe Millionen SMS-Kurznachrichten chinesischer Mobilfunkanbieter abgefangen, berichtete Snowden. Zudem habe es 2009 auch Angriffe auf Computer von "Pacnet" in Hongkong gegeben, die seither aber eingestellt wurden. "Pacnet" ist Betreiber eines der größten Glasfasernetze in der Asien-Pazifik-Region und wickelt auch Internetverkehr mit den USA ab.

Mit den Angriffen auf die renommierte Tsinghua-Universität in Peking zielte der Abhördienst NSA auf eines der sechs großen Netzwerke des Landes, das Bildungs- und Forschungsnetzwerk CERNET, das dort angesiedelt ist. Es war einst das erste Internet-Netzwerk in China und hat sich zum größten Forschungsnetz entwickelt.

Bei dem jüngsten Angriff im Januar seien allein an einem Tag mindestens 63 Computer und Server der Pekinger Universität gehackt worden, berichtete Snowden. Zuvor hatte er schon enthüllt, dass auch die chinesische Universität in Hongkong angegriffen worden sei.

"Größter Schurke in der IT-Spionage"

In einer Reaktion bezeichnete Pekings amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die USA als "größten Schurken" in der IT-Spionage. In dem Kommentar war zudem von "beunruhigenden Zeichen" die Rede. Washington schulde China eine Erklärung.

Erst am Freitag hatte die britische Zeitung "Guardian" unter Berufung auf Unterlagen Snowdens berichtet, dass der britische Geheimdienst ein noch viel umfangreicheres Abhörprogramm betreiben soll als die USA.

Quelle: tagesschau
--- Ende Zitat ---

Alles nur zur Sicherheit Amerikas, so können sie z.B. die großen Terroristencamps, "Pekinger Universität" oder "Tsinghua-Universität"  im Auge behalten.

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