Autor Thema: Whistleblowing  (Gelesen 18247 mal)

Rudolf Rocker

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Re:Whistleblowing
« Antwort #15 am: 21:28:22 Di. 02.Juli 2013 »
"Aber erzählt uns ja nichts von Recht,
Verfassung, Freiheit.
Erzählt sonst alles, was ihr lustig seid,
aber dieses eine jemals wieder zu sagen,
das habt ihr verscherzt."

Kurt Tucholsky


Selten fand ich ein Zitat passender, als dieses hier!

Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

admin

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Re:Whistleblowing
« Antwort #16 am: 09:45:56 Mi. 03.Juli 2013 »
Zitat
Wegen des Gerüchts, der flüchtige US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden befinde sich an Bord seines Flugzeugs, ist Boliviens Präsident Evo Morales zu einer Zwischenlandung in Österreich gezwungen worden.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/snowden-geruechte-boliviens-praesidentenmaschine-muss-in-wien-landen-a-909108.html

Es werden Recht, Gesetz und jeglicher Respekt vor souveränen Staaten mit Füßen getreten.

Rudolf Rocker

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Re:Whistleblowing
« Antwort #17 am: 10:32:56 Mi. 03.Juli 2013 »
Ich bin ehrlich erstaunt darüber, wie selbst Putin oder solche Staaten wie Frankreich, die sonst keine Gelegenheit auslassen, ihre nationale Souveränität herauszukrähen, vor den USA einknicken!
Was ist da los? Drohen die USA damit Atomraketen auf jedes Land zu ballern, das Snowden aufnimmt, bzw. bei der Flucht hilft?


Zitat
Es werden Recht, Gesetz und jeglicher Respekt vor souveränen Staaten mit Füßen getreten.

Menschenrechte, Grundrechte, Verfassungen...alles nicht mehr das Papier wert auf dem es geschrieben wurde wenn die US- Regierung mit dem Finger schnippt?

Edward Snowden hat uns allen die Augen geöffnet und gezeigt wie schlimm die Situation wirklich ist.
Nämlich noch schlimmer als es sich die größten Pessimisten vorstellen konnten.
Wer es jetzt noch nicht kapiert hat, wird es auch nicht mehr kapieren und weiter als hirnloser Zombie bedingungslosen Kadavergehorsam einfordern!

Ich danke Edward Snowden von ganzen Herzen für seine mutige Tat.
Ebenso danke ich Bradley Manning der in einem amerikanischem Gefängnis der Folter ausgesetzt ist.
Und allen anderen Whistleblowern die den Mut hatten (und noch haben werden) Informationen zu veröffentlichen die uns zeigen das der totale Überwachungsstaat keine Hirngespinst, sondern schon längst Realität ist!
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

Kuddel

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Re:Whistleblowing
« Antwort #18 am: 10:42:16 Mi. 03.Juli 2013 »
Was ist da los? Drohen die USA damit Atomraketen auf jedes Land zu ballern, das Snowden aufnimmt, bzw. bei der Flucht hilft?

Nicht nötig. Sie kennen die nötigen intimen Details im Leben der Politiker.


Zitat
Deutschland verweigert NSA-Whistleblower Edward Snowden das Asyl. Politiker von CDU und SPD verteidigen die Entscheidung. Sozialdemokrat Dieter Wiefelspütz kann "nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird".
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-und-spd-verteidigen-ablehnung-von-snowdens-asylantrag-a-909122.html

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Re:Whistleblowing
« Antwort #19 am: 21:17:57 Mi. 03.Juli 2013 »
Zitat
Oh Mann, diese Morales-Flugzeug-Geschichte werden noch einige Leute bereuen. Hier hat einer ein paar Tweets von Kirchners Tweets übersetzt, die Präsidentin von Argentinien. Die Südamerikaner werten das offensichtlich weiträumig als Beleidigung und Herabwürdigung nicht nur von Morales sondern von ihnen allen. Und Morales ist so sauer, dass der direkt ein Treffen der UNASUR beantragt hat. Und er hat Kirchner am Telefon erklärt, dass er den Österreichern keine Erlaubnis erteilt hat, sein Flugzeug zu durchsuchen. Das behaupten die ja gerade. Eine Frechheit sondergleichen. Die haben also mal schnell nachgeschlagen und verifiziert, dass die Durchsuchung von dem Flugzeug illegal ist:

    She confirms absolute immunity by legal tradition, received [?] by the 2004 Convention and the Tribunal of The Hague.

    If Austria doesn't let him go or wants to search his plane, we can present the case before the International Court of The Hague and request…

Die scheinen da alle richtig geladen zu diesem UNASUR-Meeting zu kommen. Ich vermute mal, dass da nicht nur ein Land dem Snowden Asyl anbieten wird jetzt. MWAHAHAHA, was für ein Eigentor.

Update: Hier gibt es die Kirchner-Tweets übersetzt auf Deutsch

Unglaublich!
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Rudolf Rocker

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Re:Whistleblowing
« Antwort #20 am: 21:46:11 Mi. 03.Juli 2013 »
Und sie sind absolut zu recht sauer!
Ich habe Kommentare gelesen, da schrieben Leute:
"Ich schäme mich zutiefst Europäer zu sein und möchte mich bei Präsident Morales aufrichtig entschuldigen!"

Die Maske ist gefallen und viele Menschen schauen jetzt mit purem Entsetzen in die wahre Fratze dieser angeblich freien und demokratischen Welt!
Alle die schon seid vielen Jahren Linke bzw. linksradikale Politik machen hatten schon des öfteren die Gelegenheit mal hinter die Maske zu gucken.
Aber für alle, die bisher geglaubt haben, hier sei alles in bester Ordnung dürfte das ein echter Schock sein.
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dagobert

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Re:Whistleblowing
« Antwort #21 am: 01:40:51 Fr. 05.Juli 2013 »
Zitat
Die Südamerikaner werten das offensichtlich weiträumig als Beleidigung und Herabwürdigung nicht nur von Morales sondern von ihnen allen. Und Morales ist so sauer, dass der direkt ein Treffen der UNASUR beantragt hat.
Die haben ja auch allen Grund sauer zu sein.
Ist echt ne riesige Sauerei, was da gelaufen ist.

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Re:Whistleblowing
« Antwort #22 am: 11:08:40 Di. 09.Juli 2013 »
Zitat
Wie ist der Stand der Verschlüsselung in deutschen Redaktionen? Gruselig! Money Quote:

Die erstaunlichste Antwort gibt jedoch Stefan Plöchinger, der Chefredakteur von Sueddeutsche.de: "Nachdem inzwischen alle Sicherungssysteme geknackt werden können, wie der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, wollen wir unseren Nutzern nicht falsche Sicherheitsgefühle durch Kommunikation einer vermeintlich sicheren Methode geben. Deshalb auch haben wir keinen anonymen Briefkasten etc. Nur analoge Kommunikation kann halbwegs gesichert werden."

Wait, what?! OMFG!!

Quelle: Fefes Blog

Aus dem verlinkten heise.de Artikel:

Zitat
Glenn Greenwald vom "Guardian" wird sicher nicht nur in die Journalistik- und Geschichtsbücher eingehen, weil er der erste Journalist war, an den sich der NSA-Whisteblower Edward Snowden wandte, sondern weil die Kommunikation beinahe daran gescheitert wäre, dass Greenwald nicht wusste, wie man die elektronische Post vor dem Belauschen schützt. Laut New York Times musste Greenwald kleinlaut zugeben, dass er weder die einschlägige Software installiert hatte noch wusste, was zu tun war.

Die Huffington Post berichtet, dass Snowden dem Journalisten Schritt für Schritt, auch mit Hilfe eines Youtube-Videos, beibringen musste, wie man E-Mails verschlüsselt.
....

Was regt sich die Journaille auf wenn Informantenschutz nicht gegeben ist, unfähig halbwegs sicher zu kommunizeren, sie können ja von Geheimdiensten und Politik eine Selbstverpflichtung einfordern.

Ich würde davon ausgehen das eine Verschlüsselung sicher ist wenn sie von einem NSA-Mitarbeiter benutzt wird dessen Gebiet die massenhafte Überwachung der elektronischen Kommunikation ist und er auf diesem Weg brisante Daten übermittelt.
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Kuddel

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Re:Whistleblowing
« Antwort #23 am: 10:31:40 Di. 28.Oktober 2014 »
Julian Assange hat vor längerer Zeit die Parole ausgegeben, Hacker sollten die staatlichen Überwachungssysteme infiltrieren.
Ich war wenig begeistert von diesem Vorschlag. Es gibt ja einen Hackerkodex, der besagt, daß man sich nicht kaufen läßt und insbesondere, daß man nicht für staatliche Verfolgungsbehörden arbeitet und erst recht nicht plappert und andere belastet.

Dieser Kodex ist noch nie flächendeckend eingehalten worden. Es gibt so viele, die umfallen, wenn die Industrie mit gutbezahlten Jobs lockt. Und unter der Drohung von Knast, horrenden Geldstrafen und Schadensersatzforderungen, hat sich so mancher umdrehen lassen und arbeitet nun für die Gegenseite.

Es gibt 2 Dinge, die ich an Assanges Aufruf nicht mag:
1. Der Hackerkodex wird weiter aufgeweicht.
2. Ich widerspreche dem Welt- und Menschenbild vehement: Im System arbeiten nur Arschriecher und Vasallen der Macht. In der Subkultur (der Hacker) sind alle Rebellen. Überall sind es Menschen, die unberechenbar sind für beide Seiten. Ich halte es für wichtig auf die Menschen zu setzen, die im System sind und von Zweifeln und eigener Moral getrieben werden, sie zu bestärken, anzuspornen und ihnen Mut zu machen. Solche Menschen gab es immer und wird es immer geben. Diese Menschen sind für jegliches System ein unkalkulierbares Risiko. Dieses Poterntial zu nutzen bedeutet echte Subversion!

Eine aktuelle Meldung:
Zitat
Die Rätsel im Fall "Snowden II"
  • Ein zweiter NSA-Whistleblower ist möglicherweise vom FBI identifiziert worden.
  • Die Person soll Statistiken über Anti-Terror-Datenbanken weitergegeben haben.
  • Über "Snowden II" war bereits seit Juli spekuliert worden.
  • Noch ist unklar, ob die US-Staatsanwaltschaft Anklage erheben wird.
http://www.sueddeutsche.de/politik/nsa-whistleblower-die-raetsel-im-fall-snowden-ii-1.2194565

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Re:Whistleblowing
« Antwort #24 am: 10:21:47 Mi. 17.Dezember 2014 »
Zitat
Schweig, Verräter!
Whistleblower im Visier

Whistleblower packen aus. Nicht über die brisanten Geheimdienstinformationen, die sie öffentlich machten, sondern über ihr Schicksal als "Verräter" und angeklagte Straftäter. Weil sie die Wahrheit sagten, stehen sie nun am Pranger. In ihrer Geschichte spiegelt sich das Bild einer panischen politischen Praxis der USA im Kampf gegen den internationalen Terror.
....

Quelle: Arte

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Re:Whistleblowing
« Antwort #25 am: 18:47:28 Di. 28.April 2015 »
Zitat
Whistleblower und investigative Journalisten bald im Abseits?

Eine neue EU-Richtlinie will Geschäftsgeheimnisse besser schützen, könnte aber Aufdeckern von Missständen das Leben schwer machen
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44697/1.html

Kuddel

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Re:Whistleblowing
« Antwort #26 am: 12:20:07 Mi. 13.Mai 2015 »
Zitat
42 Monate Haft für CIA-Whistleblower

Weil er einem Journalisten Infos über fehlgeschlagene CIA-Manöver gegen Irans Atomprogramm gegeben hat, wurde CIA-Spion Jeffrey Sterling verurteilt. Fast wäre auch der Journalist ins Gefängnis gekommen, weil er seine Quelle nicht preisgeben wollte.


Zu neun mal 42 Monaten Haft ist am Montag der ehemalige CIA-Spion Jeffrey Alexander Sterling verurteilt worden. Im Jänner war er neun Verbrechen für schuldig befunden worden: Acht mal Weitergabe von Verteidigungsinformationen, einmal Behinderung der Justiz. Sterling soll dem US-Journalisten James Risen (New York Times) Informationen über die katastrophal fehlgeschlagene "Operation Merlin" gegeben haben.

Sterling hat sich nicht schuldig bekannt. Er soll die neun Strafen gleichzeitig absitzen, so dass es insgesamt bei 42 Monaten bleibt. Sollte er in der Berufung allerdings in einzelnen Anklagepunkte freigesprochen werden, würde das seine Haft nicht reduzieren. Der Mann hat einen jahrelangen Marsch durch das Regierungs- und Justizsystem der USA hinter sich.

Journalist fast im Gefängnis

Derweil hatte sich die internationale Aufmerksamkeit auf die Situation Risens konzentriert: Die Staatsanwaltschaft verlangte 2008, dass der Journalist gegen Sterling aussage. Risen weigerte sich zunächst erfolgreich gegen die Vorladung. Doch 2010 wurde ein neue Vorladung ausgestellt und vom zuständigen Berufungsgericht mit 2:1 Stimmen bestätigt. Der US Supreme Court nahm den Fall nicht zur Überprüfung an.

Also drohten Risen bis zu 105 Jahre Beugehaft, die er nach eigenem Bekunden auch angetreten hätte: Aus Prinzip könne er seine Quellen nicht offenlegen. Nach öffentlicher Empörung verzichtete die Anklage Anfang diesen Jahres auf Risens Aussage. Sie war für die Verurteilung nicht erforderlich. Der Präzedenzfall gegen das Redaktionsgeheimnis bleibt aber.

Beginn in Bonn

Sterling, der Doktor der Rechtswissenschaften ist, trat 1993 in den Dienst der Central Intelligence Agency. Er wurde zum Iran-Spezialisten ausgebildet und lernte Farsi. Er sollte Iraner als Spione für die CIA anwerben. 1997 wurde er nach Bonn geschickt, wie Risen 2002 in einem Artikel in der New York Times (NYT) berichtet hat. Doch in Deutschland soll der Spion vergeblich auf Befehle gewartet haben

Er flog schließlich zurück ins CIA-Hauptquartier in Virginia, um seine Vorgesetzten zu fragen, warum ihm keine Fälle zugeteilt würden. Die überraschende Antwort: Als Schwarzer mit Farsi-Kenntnissen falle er zu sehr auf. Also könne er keine Iraner anwerben.

Auch in seiner weiteren CIA-Laufbahn fühlte sich Sterling aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert. Im Jahr 2000 wandte er sich an das interne Antidiskriminierungsbüro der CIA. Daraufhin soll er speziell schikaniert und schließlich rund um den 11. September 2001 entlassen worden sein. Er klagte seinen Arbeitgeber vor Gericht, doch das Bundesbezirksgericht für das östliche Virginia entschied 2004 für die CIA. Der Gerichtsakt zum damaligen Fall (Sterling v Tenet) enthält keine öffentlich einsehbaren Dokumente.

In Wien, wo sonst

Dazwischen waren aber weitaus gravierende Dinge vorgefallen. Die USA wollten Irans Atomprogramm auf eine Weise sabotieren, die wie Material für einen Slapstick-Film wirkt: Ein angeheuerter russischer Atomphysiker wurde Anfang 2000 damit beauftragt, der iranischen IAEA-Gesandschaft in Wien Baupläne für eine fortgeschrittene russische Atombombe zuzumitteln.

Diese Pläne waren mit Fehlern behaftet, welche die Iraner erst nach Jahren hätten erkennen sollen. Derweil, so die Idee hinter der "Operation Merlin" genannten Aktion, würden sie auf anderweitige Forschung verzichten, und somit wertvolle Jahre verlieren.

Doch die Fehler waren so offensichtlich, dass sie dem Russen sofort auffielen. Er wusste nicht, dass die Inkorrektheiten Absicht waren, und warnte die Iraner. Die Operation Merlin wurde zum katastrophalen Fehlschlag. Anstatt das iranische Atomprogramm in die Irre zu führen, dürfte die CIA es beschleunigt haben.

Fehlschlag sollte geheim bleiben

Der Führungsoffizier des Russen dürfte niemand anderer als Sterling gewesen sein. Im März 2003 soll der Ex-Agent den Geheimdienstausschuss des US-Senats über Merlin informiert haben. Die Anklage hält das zwar nicht für illegal, bekrittelt aber die kritische Würdigung Merlins durch ihren Ex-Mitarbeiter.

Laut Anklage hat der Agent ungefähr zu der Zeit auch Risen informiert. Sterling bekannte sich für nicht schuldig, der Journalist schweigt. Im April 2003 wollte Risen in der NYT über den Misserfolg der CIA berichten. Die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice intervenierte, woraufhin die NYT den Artikel nicht brachte. Die USA wollten so etwas ähnliches wie die Operation Merlin offenbar auch gegen Nordkorea versuchen. Die Veröffentlichung hätte das schon im Vorfeld verhindert.

Wie aus Dokumenten der Anklage hervorgeht, die bei Cryptome.org nachzulesen (PDF) sind, wollte die Ministerin den Journalisten sogar zu ewigem Schweigen bewegen. Das gelang ihr nicht: 2006 kam Risens Buch "State of War" im Verlag The Free Press heraus.

Urteil aus Virginia

Während des Strafverfahrens gegen Sterling hat sich sein Verteidiger über den beschränkten Zugang zu den Fakten des Falles beklagt. Am Ende forderte er eine Strafe, die wie im Fall David Petraeus' ausfallen sollte – will heißen, eine Geld- und Bewährungsstrafe. Petraeus hatte als CIA-Direktor seiner Freundin Einblick in geheime Informationen gewährt und wurde dafür im April zu 100.000 Dollar Geldstrafe sowie zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Er war allerdings nur des Vergehens der schleißigen Handhabung von Informationen angeklagt gewesen und keines Verbrechens.

Die Anklage forderte für Sterling eine Strafe im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien: Das wären 19 bis 24 Jahre gewesen. Doch ist das Gesetz eigentlich für Fälle gedacht, in denen Agenten fremde Regierungen mit geheimen Informationen versorgen.

Die Richterin des Bundesbezirksgerichts für das östliche Virginia wählte mit dreieinhalb Jahren einen Zwischenweg. Es war das selbe Gericht, das schon 2004 in Sterlings arbeitsrechtlicher Klage gegen ihn geurteilt hatte. Nach seiner Haft wird Sterling weitere zwei weitere Jahr überwacht werden. Dann muss er sich auch einer psychiatrischen Behandlung unterziehen, wobei er ausdrücklich kein Recht auf Ärztliche Schweigepflicht genießt.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/42-Monate-Haft-fuer-CIA-Whistleblower-2644161.html

Kuddel

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Re:Whistleblowing
« Antwort #27 am: 19:15:34 Mo. 18.Mai 2015 »
Zitat
Vorratsdatenspeicherung
Ein Gesetz gegen Wistleblower

Seelsorger, Whistleblower und Betreiber von WLAN-Hotspots bekommen Probleme, sollte der Gesetzentwurf des Justizministeriums zu Verbindungsdaten verabschiedet werden.
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2015-05/vorratsdaten-hoechstspeicherfrist-gesetzentwurf-netzpolitik

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Re:Whistleblowing
« Antwort #28 am: 11:18:55 Mi. 20.Mai 2015 »
Zitat
Trident whistleblower: nuclear 'disaster waiting to happen'
....

Quelle: Wikileaks

Zitat
Britische Atom-U-Boote
Militärpolizei nimmt Whistleblower am Flughafen fest

Seit Tagen war der Whistleblower Sam McNeilly auf der Flucht. Jetzt hat die britische Militärpolizei ihn gefasst. Doch der Matrose ist nicht mehr der einzige, der mangelnde Sicherheitsvorkehrungen in der Royal Navy beklagt.
....

Quelle: FAZ

Wie gehabt, der falschen Seite einen geblasen.
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Re:Whistleblowing
« Antwort #29 am: 20:14:56 Mo. 05.Oktober 2015 »
Maas und die Datenhehlerei

Justizminister Maas will ein Anti-Whistleblower-Gesetz durch den Bundestag schmuggeln. Was die Regierung plant, wäre ein Angriff auf Demokratie und Pressefreiheit.
http://www.sueddeutsche.de/digital/netzpolitik-datenhehlerei-1.2676184
http://www.sueddeutsche.de/digital/netzpolitik-datenhehlerei-1.2676184-2