Autor Thema: Warnstreik bei Nagel  (Gelesen 734 mal)

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Warnstreik bei Nagel
« am: 14:41:07 Sa. 15.Juni 2013 »
Zitat
Tarifverhandlungen in der Logistikbranche / Verdi: Mehr für untere Lohngruppen
Warnstreik bei Nagel
Von Tina Hayessen




Für einige Stunden ging gestern im Logistikunternehmen Kraftverkehr Nagel nicht mehr viel. Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Warnstreik gerufen. Anlass ist die zweite Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeberverband des Verkehrsgewerbes am 20. Juni – hierfür will Verdi sich in eine gute Position bringen. Auch in anderen Betrieben in Niedersachsen gab und gibt es weiterhin Warnstreiks.

Achim-Uphusen. "6 Prozent" stand auf den Aufklebern, die sich die Mitarbeiter des Logistikunternehmens Kraftverkehr Nagel gestern auf Blaumann, Mütze oder Jacke gepappt hatten. Die Angestellten der Uphuser Niederlassung folgten dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi, gegen Mittag für einige Stunden die Arbeit niederzulegen. Das gleich vorweg: Es war zunächst einmal nur ein Warnstreik, einer von vielen, die zurzeit in Niedersachsen stattfinden. Grund dafür ist die anstehende zweite Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeberverband des Verkehrsgewerbes Niedersachsen (GVN). Für den 20. Juni in Walsrode wolle man sich in eine gute Verhandlungsposition bringen, erklärte Thomas Warner, bei Verdi zuständig für Speditionen.

"Wer gut arbeitet, muss auch ordentlich dafür entlohnt werden", sagte Warner zu den rund 70 von insgesamt 260 Nagel-Mitarbeitern. Und er ließ durchblicken, dass die Sechs-Prozent-Forderung der Aufkleber eben nur auf Papier gedruckt und nicht in Stein gemeißelt ist. "Die Mitglieder müssen entscheiden, bei welchem Abschluss wir ja sagen."

Mit der Streikmoral ihrer Kollegen zeigten sich die Versammelten insgesamt sehr zufrieden. "Es sind ja fast alle da", sagte einer der Streikenden. Nur die Nachtschicht nicht und einige Angestellte, die noch in der Probezeit seien. "Das kann man schon auch verstehen." Wer noch fehlte waren natürlich die Leiharbeiter, denn die waren als Externe schließlich nicht zum Warnstreik aufgerufen. Leiharbeiter gebe es vielleicht 70, wobei die meisten in Oyten tätig seien, schätzte Betriebsratsmitglied Reinhold Binnemann. Dass es zwei verschiedene Gruppen von Arbeitnehmern im Unternehmen gebe, sagte Binnemann, habe durchaus spürbare Folgen: "Das wirkt sich schon aufs Betriebsklima aus, wenn jemand – für zum Teil gleiche Arbeit – weniger bekommt." Um die Differenz zwischen Höchst- und Tiefstlöhnen ging es denn auch laut Warner bei dem Warnstreik, wenngleich damit die Festangestellten gemeint waren. Denn das Angebot der Arbeitgeber aus der ersten Verhandlungsrunde habe man schon deswegen abgelehnt, weil es Lohnsenkungen am unteren Ende der Einkommensskala vorsah. "Sie wollten den Stundenlohn eines Lagerarbeiters von 8,99 Euro auf 8,50 Euro senken", empörte sich Warner. Übrige Vergütungen hätten laut Angebot um 2,1 Prozent im ersten und 2,0 Prozent im zweiten Jahr steigen können. Dieser Vorschlag, betonte Warner, müsse deutlich verbessert werden. Ansonsten sei eben auch ein richtiger Streik möglich, einer, "der echten wirtschaftlichen Schaden anrichtet". Niederlassungsleiter Günter Kück wollte zu dem Warnstreik und seinen Auswirkungen gestern nichts sagen.
http://www.weser-kurier.de/region/zeitungen/verdener-nachrichten_artikel,-Warnstreik-bei-Nagel-_arid,593438.html