Autor Thema: Billigkräfte am Lkw-Steuer  (Gelesen 22133 mal)

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Billigkräfte am Lkw-Steuer
« am: 11:56:15 Mo. 24.Juni 2013 »
Zitat
Zahl der Billigkräfte am Lkw-Steuer nimmt zu


Spediteure aus Schleswig-Holstein wollen am 31. August protestieren. Foto: dpa

Laut Mautstatistik ist der Anteil deutscher Speditionen auf den Autobahnen auf 62 Prozent gesunken. Schleswig-holsteinische Unternehmen warnen vor Lohndumping.

Lübeck. Im Norden droht ein Preiskampf im Speditionsgewerbe, denn die Kapitäne der Landstraße werden jetzt ausgeflaggt: Immer häufiger sitzen Fahrer von den Philippinen auf dem Bock - für 680 Euro im Monat. Die Idee hatte die lettische Firma "Dino trans", die in Lübeck eine Zweigstelle unterhält.

Spediteure aus Schleswig-Holstein wollen am 31. August gegen diese Entwicklung protestieren - ihre Trucks werden hupend durch die Hansestadt fahren. "Firmen aus Osteuropa, die sehr viel geringere Löhne zahlen, verdrängen uns seit geraumer Zeit vom Markt", erklärt Thomas Rackow vom Unternehmensverband Logistik in Neumünster. "Jetzt verschärfen sie die Situation weiter, da die philippinischen Fahrer noch einmal weniger verdienen."

"Da wurde eine Tür geöffnet, die sich nicht mehr schließen lässt"

Laut der letzten Mautstatistik des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) ist der Anteil deutscher Speditionen auf den Autobahnen bereits auf 62 Prozent gesunken, 38 Prozent aller Transporte werden von Firmen aus anderen Ländern gefahren.

Der Unternehmensverband Logistik spricht von 100 Philippinos, die bereits unterwegs sind. Bernd Moser, Chef der Spedition Günther Moser aus Eutin (Kreis Ostholstein) sagt: "Es ist eine Globalisierung, die uns eiskalt erwischt. Politiker sagen gerne, ihr müsst fünf oder sechs Jahre überstehen, dann gleichen sich die Bedingungen an. Doch das ist ein Trugschluss. Wie in der Schifffahrt wurde hier eine Tür geöffnet, die sich nicht mehr schließen lässt."

"Es geht doch um den massiven Wettbewerbsvorteil"

Von der Firma "Dinotrans" heißt es, nur 13 philippinische Fahrer seien engagiert worden - weil in Lettland Fahrermangel herrsche. Martin Schmidt, Geschäftsführer der Lübecker Zweigstelle, erklärt: "Ich kann nicht für das Mutterhaus sprechen, deshalb nur anregen, in Sachen Preiskampf einmal nachzudenken. Sollte es einen Kostenvorteil durch die Philippinos geben, macht es keinen Sinn, diesen an die Kunden weiterzugeben. Der Gewinn wäre dann ja weg."

"Es geht doch um den massiven Wettbewerbsvorteil", entgegnet Rackow. Er erlaube eine weitere Expansion auf dem liberalisierten Markt Europas. Rackow warnt: "Durch die Verdrängung eines deutschen Fahrers inklusive Lkw entgehen dem Staat jährlich Steuereinnahmen von 80.000 Euro." Der Unternehmensverband Logistik fordert jetzt einen einheitlichen europaweiten Mindestlohn. Viel Hoffnung darauf gibt es nicht. Jutta Steinruck (SPD), Mitglied des europäischen Parlamentes und tätig im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, sagt: "Einen europaweiten Mindestlohn lässt der Gesetzgeber nicht zu."

Nachteile für die Sicherheit auf den Straßen hat die steigende Zahl ausländischer Fahrer übrigens nicht. Ulrich Baschke von der Verkehrsabteilung im Kieler Landespolizeiamt: "Ihr Anteil am Unfallgeschehen entspricht laut Statistik ihrem Anteil am Straßenverkehr."
http://www.shz.de/artikel/artikel/zahl-der-billigkraefte-am-lkw-steuer-nimmt-zu.html

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #1 am: 10:57:32 Di. 30.Juli 2013 »
Zitat
Lohndumping bei Lkw-Fahrern

Die Transport- und Logistikbranche ist die drittgrößte in Deutschland – zunehmend droht aber Gefahr durch Unternehmen aus Nachbarländern, die unter Ausnutzung von Billigarbeitskräften und unterschiedlichen Gesetzen Tiefstpreise anbieten.
Während bei uns ein Fahrer um die 2200, 2500 Euro brutto verdient, dann liegen wir im osteuropäischen Bereich bei ca. 800. Und wie jetzt auch festgestellt worden ist, dass in Lübeck auch philippinische Fahrer bei lettischen Unternehmen tätig sind, die dann noch unter 700 Euro verdienen, dann können sie sich vorstellen, dass wir durch diese Regelung immer weiter vom Markt gedrängt werden.
Philippinische Fahrer auf LKW von lettischen Firmen, die in Deutschland registriert sind – auch das ist nach EU-Recht legal, wenn die Fahrer eine Arbeitserlaubnis für ein EU-Mitgliedsland haben.
Quelle: DLF

Quelle: NDS
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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #2 am: 21:01:33 Mi. 18.Dezember 2013 »
Zitat
Løndumping fra Danmark
Die dänische Speditionsfirma Frode Laursen baut auf im Norden, denn Arbeitskraft ist in Deutschland billiger zu haben

»Frode Laursen«. Der Name des 1948 gegründeten dänischen Familienunternehmens steht für Fairness und Werte, gilt als vorbildlicher Arbeitgeber. Doch in der Flensburger Niederlassung ist das alles anders.


»80 neue Jobs für Flensburg« frohlockte das »Flensburger Tageblatt« Ende September. Für 15 Millionen Euro will Frode Laursen im Gewerbegebiet Handewitt ein neues Dienstleistungszentrum errichten, auf 95 000 Quadratmetern, unmittelbar an der A 7. Doch was zunächst wie eine gute Idee klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als knallharter Preiskampf. »Die Lohnkosten in Deutschland sind niedriger als in Dänemark«, sagt Frode-Laursen-Direktor Anders Balle zu den Gründen der Ansiedlung. Das tue ihm »als Däne« zwar leid, hinderte den Konzern aber schon 2010 nicht daran, die insolvente Spedition Nielsen & Sørensen zu übernehmen und zwei Produktlager bei Handewitt einzurichten. Seitdem werden von hier aus Fensterelemente und Süßigkeiten, wie »Mars« und »Snickers« in den skandinavischen Raum geliefert - zu niedrigeren, deutschen Löhnen. Mit dem geplanten Dienstleistungszentrum soll dieses Feld noch erweitert werden.

Warum sich das Outsourcing Richtung Deutschland derart rechnet, wird bei einem Blick auf die Produktlager Altholzkrug und Wittenberger Weg deutlich: Mit gerade einmal 8,20 Euro pro Stunde verdienen die 35 Lagerfacharbeiter und Kommissionierer hier monatlich gut 200 Euro netto weniger, als vergleichbare Arbeiter in Dänemark - von den etwa 20 ständig eingesetzten Leihkräften ganz zu schweigen. Hatte Frode Laursen bei Eröffnung der Standorte zunächst moderate, partnerschaftliche Töne angeschlagen, änderte sich das Klima in den letzten Monaten grundlegend. So stellt das Unternehmen nach Angaben von Matthias Pietsch, ver.di-Sekretär im Fachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik, Mitarbeiter inzwischen nur noch auf ein Jahr befristet ein, ignoriert die Feiertagsregelungen im deutschen Arbeitsrecht und kündigt Beschäftigten, die sich im Ringen um faire Arbeitsbedingungen zu weit nach vorne wagen: »Wer aufmuckt, kriegt die skandinavische Kälte zu spüren«, sagt der Gewerkschafter, der erst vergangenen Dienstag wieder zu einer Güteverhandlung vor dem Flensburger Arbeitsgericht erscheinen musste. Da wurde über den Fall eines Beschäftigten verhandelt, dem Ende Oktober aus »betriebsbedingten Gründen« gekündigt wurde - nur Wochen nach der Ankündigung des Unternehmens, seine Niederlassungen in Flensburg massiv auszubauen und 80 neue Jobs zu schaffen.

Sprechen möchte man bei Frode Laursen über all das nicht so gerne, auch wenn der Logistiker unter dem Stichwort »Werte und Visionen« stets seine Verantwortung für die Mitarbeiter und die innerbetriebliche Kommunikationskultur betont. So antwortete Konzernchef Torkil Andersen auf eine schriftliche Anfrage von Pietsch, man freue sich zwar über den netten Brief und habe engagierte Mitarbeiter - jedoch keinerlei Gesprächsbedarf. »Es ist ja nicht so, dass man mit Allen sprechen muss«, betont auch Anders Balle gegenüber »nd«. Die Vorwürfe von Pietsch weist er zurück: »Ich glaube, das ist nicht richtig, was er sagt. Die Verträge, die Feiertagsregelungen sind in Ordnung.« Die Beschäftigten in Handewitt scheinen das anders zu sehen: Trotz Fristverträgen und Einschüchterungsversuchen der Geschäftsleitung konnte ver.di inzwischen einen Großteil der Betroffenen organisieren, initiierte Mitarbeiterversammlungen und ein Treffen mit der dänischen Gewerkschaft »3f«. »Wenn schon die stets propagierten, dänischen Sozialstandards nicht eingehalten werden«, so Pietsch, »muss Frode Laursen mindestens nach deutschen Tarifen zahlen.« Nichts weniger als das will der Gewerkschafter jetzt mit Hilfe der Öffentlichkeit und gezielten Aktionen durchsetzen.

Irritiert reagiert man auf die Vorwürfe bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Region (WiREG). Deren Geschäftsführer Olaf Krüger stellt zwar klar, dass man die Arbeitsbedingungen bei Projektpartnern kaum beeinflussen kann, gleichwohl aber auf den Ruf der Unternehmen achtet - und der sei bei Frode Laursen ausgezeichnet gewesen. Eines aber müsse bei derartigen Ansiedlungen klar sein, so Krüger weiter: »Aus dänischer Sicht sind wir Niedriglohnland.«
http://www.neues-deutschland.de/artikel/917993.londumping-fra-danmark.html

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #3 am: 21:41:19 Mi. 18.Dezember 2013 »
Zitat
Løndumping fra Danmark
 ...

»Aus dänischer Sicht sind wir Niedriglohnland.«

http:
//www.neues-deutschland.de/artikel/917993.londumping-fra-danmark.html


Bei weitem nicht nur aus "dänischer Sicht". Hier arbeitet ein ungelernter afghanischer Freund (Flüchtling mit Frau und fünf Kindern) seit neuestem für umgerechnet über 11,- € netto pro Stunde. Er hat wenig Sprachkenntnisse, aber richtig faire Arbeitsbedingungen, einen unbefristeten Vertrag etc.

Leider werden die einzigen Gewinner unter Merkel wieder Bankster und Gauner sein, man kann eigentlich nur noch abhauen aus D., da es dort keine Perspektive mehr gibt, so man keinen Job hat.

MfG

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #4 am: 14:47:37 So. 16.März 2014 »
Lkw-Fahrer klagen über Konkurrenz
Um auf ihre schlechte Arbeitssituation im Fahrergewerbe aufmerksam zu machen, trafen sich am Samstag viele zu einem Flashmob in Dieburg.

TV Beitrag vom HR:

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?jmpage=1&rubrik=5300&mediakey=fs%2Fhessenschau%2F2014_03%2F140315194632_lkw_25488&type=v&jm=2&key=standard_document_51138639

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #5 am: 09:30:45 Mo. 17.März 2014 »
Zitat
Von Olaf Harning

Für 628 Euro durch Europa
Philippiner wollen nicht länger zu Dumpinglöhnen in Deutschland Lkw fahren

Das lettische Logistikunternehmen Dinotrans wirbt Philippiner in Manila an, um auf deutschen Straßen Lkw zu fahren. Bisher gaben sie sich fügsam und waren günstig für das Unternehmen. Jetzt wehren sie sich.



200 Lkw-Fahrer protestierten im August 2013 in Lübeck gegen die Arbeitsbedingungen von Dinotrans.


 Sie werden in Manila angeworben, nach Riga geflogen und schließlich von Lübeck aus auf die europäischen Autobahnen geschickt. Rund 100 philippinische Fahrer soll das lettische Logistikunternehmen Dinotrans inzwischen beschäftigen - weil die Männer erstens Englisch sprechen und zweitens als ebenso zuverlässig wie genügsam gelten. Rund 850 Dollar im Monat werden für den Job gezahlt, dazu kommen Spesen zwischen 250 und 500 Euro - je nach Dauer des Beschäftigungsverhältnisses. Zum Vergleich: In tariftreuen deutschen Speditionen verdienen Fahrer gut 2000 Euro im Monat - plus Spesen, versteht sich.

Weil ihr Monatslohn bei Dinotrans wechselkursbedingt auf gerade einmal 628 Euro pro Monat gesunken war, legten am 21. Februar mehrere Dutzend philippinische Fahrer in Lübeck die Arbeit nieder. Hier hatte Dinotrans 2009 eine Niederlassung aufgemacht. Der Kurs des US-Dollar fiel im Februar erheblich ab, und so sank der bis dahin ohnehin schon niedrige Monatsverdienst der Männer von 670 Euro noch einmal um gut 40 Euro. Zu wenig, befanden selbst die bereits an Dumpinglöhne gewöhnten Dinotrans-Fahrer und traten kurzerhand in einen »wilden Streik«. Erst nachdem der kurzfristig nach Lübeck geeilte Geschäftsführer Staffan Resare in Anwesenheit philippinischen Botschaftspersonals einen festen, in Euro ausgezahlten Monatslohn zugesagt hatte, nahmen die Fahrer ihre Arbeit wieder auf.

Bekannt geworden sind diese Vorgänge durch die norwegische Fachzeitschrift »Transport Magasinet«: Journalisten des Blattes waren kürzlich auf Dinotrans aufmerksam geworden, weil die norwegischen Behörden im Januar mehrere Zugmaschinen des Unternehmens im wahrsten Sinne des Wortes »aus dem Verkehr zogen« - die Lkw waren mit Sommerreifen in den skandinavischen Winter geschickt worden und auf tief verschneiten Straßen liegen geblieben. Als sie der Sache auf den Grund gingen, trafen die Journalisten auf völlig verunsicherte philippinische Fahrer, die ihnen von Dumpinglöhnen und Knebelverträgen berichteten. In diesen Vereinbarungen, die dem »Transport Magasinet« vorliegen, wird den Fahrern offenbar verboten, über ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen und sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Beim Unternehmen selbst wollte man sich gegenüber »nd« nicht zu den Vorgängen äußern. Geschäftsführer Martin Schmidt stellte lediglich klar, dass Dinotrans »keine deutsche Spedition« sei, sondern ihren Hauptsitz in Riga habe. Für weitergehende Fragen nannte Schmidt eine Kontaktperson in Lettland, die auf entsprechende Anfragen jedoch nicht reagierte. So bleiben nur Aussagen Staffan Resares, der gegenüber dem »Transport Magasinet« beteuerte, die genannten Knebelverträge würden eigentlich nur im Nahen Osten gelten und selbstverständlich hätten Dinotrans-Mitarbeiter das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Verträge für Nahost, die von philippinischen Fahrern in Riga unterzeichnet werden, um in Deutschland zu fahren?

Auch ver.di-Sekretär Matthias Pietsch mag das nicht recht glauben: »Gewerkschaften sind nicht gern gesehen bei Dinotrans«, sagt er, »und das lässt man die Fahrer auch spüren.« Er bemüht sich jetzt um engeren Kontakt zu den Philippinern, will sie im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen unterstützen. Gleiches gilt für jene Fahrer-Organisationen, die schon im August 2013 mit einem Lkw-Korso vor der Dinotrans-Niederlassung protestierten.

Eine Veränderung hat die Arbeitsniederlegung unterdessen bewirkt: Die Männer aus Manila werden von anderen Fahrern nicht einzig auf ihre Rolle als Dumping-Konkurrenz reduziert, sondern vermehrt als Kollegen betrachtet - und das mit Respekt. Der Kommentar eines Fahrers im »Trucker-Forum«: »Einfach aufgehört zu arbeiten, trotz Bedrohung von Dinotrans (…). Von dem Stolz und dem Mut dieser Leute können wir uns eine riesen Scheibe abschneiden.«
http://www.neues-deutschland.de/artikel/926933.fuer-628-euro-durch-europa.html?sstr=Dinotrans

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #6 am: 18:35:22 So. 06.April 2014 »
Leben im LKW: Wie Trucker ausgebeutet werden

Es ist ein kalter Sonntagmittag im Hamburger Hafen. Auf der Ladefläche eines LKW sitzen fünf Männer und kochen Suppe. Seit fünf Tagen leben die Fahrer aus Weißrussland zwischen Kabine und Ladefläche, warten auf ihre Fracht. Eine Ecke weiter verbringen polnische LKW-Fahrer ihr Wochenende. 600 Euro verdienen sie im Monat - zu wenig, um sich einen Stellplatz auf einem Autohof leisten zu können. Denn dort kostet das Parken Geld. Zwei Dixi-Klos auf der Straße sind die einzigen sanitären Anlagen hier.

Panorama Beitrag: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/panorama4933.html

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #7 am: 11:50:40 So. 13.Juli 2014 »
Zitat
20 Euro Gehalt am Tag
Unternehmen beutet Philippiner aus: Hungerlöhne im 40-Tonner


Von Wiebke Bromberg und Anastasia Iksanov



Der Fahrer steht vor einem Laster von „Dinotrans“. Er ist dankbar für seine Arbeit und auch mit dem Lohn ist der Mann zufrieden.
Foto: Iksanov


Senioren, die mit 70 Jahren noch als Laster-Fahrer auf den Autobahnen unterwegs sind – das ist keine Seltenheit. Wie die MOPO nach dem Horror-Unfall auf der A1 berichtete, hat die Branche massive Nachwuchsprobleme. Ein entscheidender Grund: Lohndumping. Ausländische Fahrer werden angeworben – und skrupellos ausgebeutet. Mittlerweile arbeiten sogar Philippiner in Norddeutschland. Für 20 Euro. Am Tag.


Das lettische Logistikunternehmen „Dinotrans“ wirbt Philippiner in Manila an. Sie werden nach Riga geflogen. Dort unterschreiben sie ihre Verträge, sollen zudem geschult werden und die nötigen Papiere erhalten. Schließlich landen die Brummi-Sklaven in Lübeck, wo das Unternehmen seit 2009 eine Niederlassung hat. Rund 100 philippinische Fahrer soll die Firma beschäftigen. Sie bekommen rund 850 Dollar netto im Monat. Hinzu kommen Spesen zwischen 250 und 500 Euro. Ein Hungerlohn, der dennoch den EU-Richtlinien entspricht.

Denn die Fahrer haben lettische Verträge. In Lettland gibt es einen Mindestlohn von gerade mal 320 Euro netto. Zum Vergleich: In deutschen Speditionen verdient ein Fahrer gut 2000 Euro netto im Monat – inklusive Spesen. „Lohndumping ist ein Riesenproblem für unsere Branche. Osteuropäische Löhne haben bereits einen großen Einfluss, aber diese extreme Form verschärft die Lage weiter“, sagt Thomas Usinger (53), Vorstandsvorsitzender des „Verbands Straßengüterverkehr und Logistik Hamburg“.


Der Fahrer, der seit Monaten in seinem Laster lebt, zeigt Bilder seiner Familie.
Foto: Iksanov


Wechselkursbedingt sank der Lohn der Arbeiter im Februar von 670 auf gerade einmal 628 Euro pro Monat. Etliche Männer weigerten sich zu fahren. Erst nachdem ihnen ein in Euro ausgezahlter Monatslohn zugesagt wurde, nahmen sie ihre Arbeit wieder auf.
Einen der Männer traf die MOPO auf dem Lübecker Firmen-Gelände. Er verdient 670 Euro im Monat und ist zufrieden damit.

„Seit einem Jahr arbeite ich für diese Firma. Hier bekomme ich mehr als auf den Philippinen. Dort habe ich als Kraftfahrer umgerechnet etwa 400 Euro verdient“, sagt der Vater von zwei Töchtern, der seit Monaten im Laster lebt. Mehrere seiner Kollegen berichten von Knebelverträgen, in denen ihnen verboten wird, über ihren Job zu sprechen oder sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Ver.di-Sekretär Matthias Pietsch will die Fahrer unterstützen, hat aber Probleme, an die Männer heranzukommen, weil sie massiv „unter Druck stehen“. „Dinotrans ist das uns bekannte schwärzeste Schaf der Branche. Hier ist vor allem die Politik gefragt, solchen Auswüchsen einen Riegel vorzuschieben.“

Die Behörden sind mittlerweile aktiv geworden. Vergangene Woche schlug der Zoll bei „Dinotrans“ zu. Es wurden Unterlagen wegen des Verdachts der Schwarzarbeit beschlagnahmt. Ermittlungsergebnisse sind noch nicht bekannt.

Die Verantwortlichen von „Dinotrans“ waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
http://www.mopo.de/umland/20-euro-gehalt-am-tag-unternehmen-beutet-philippiner-aus--hungerloehne-im-40-tonner,5066728,27716252.html

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #8 am: 14:37:17 Mo. 18.August 2014 »
Die von dem Fachjournalisten Christian Bock und Andreas Mossyrsch nach monatelangen Recherchen in den Niederungen der Logistikbranche aufgedeckten Strukturen internationaler „Arbeitsvermittler“ tragen nicht nur die Handschrift der organisierten Kriminalität, sondern tangieren sogar teilweise völkerrechtlich relevante Tatbestände, wie den „Menschenhandel“. Unter den Tätern sind offenbar auch deutsche Transportunternehmen. Die große Zahl der ehrlich agierenden deutschen und europäischen Speditionen, sowie hunderttausende Fahrer in Ost-und Westeuropa gehören aber vor allem zu den Verlierern. Ihre Unternehmen, mit menschenwürdigen Arbeitsplätzen, können gegen diese „Konkurrenz“ nicht bestehen. Die hiesigen Firmen schließen und deutschen Arbeitnehmern werden neue Stellen in Polen (ohne Sozial– und Krankenversicherung) angeboten.

Der Beitrag wird voraussichtlich am Montag, den 18. 8. 2014 ab 19:25 Uhr ausgestrahlt. Danach ist der Beitrag in der ZDF-Mediathek (http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/hauptnavigation/startseite) abrufbar.

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #9 am: 13:13:10 Di. 19.August 2014 »
Hier der Ausschnitt aus der WISO-Sendung.
Warum ich das Thema "Dumpinglöhne bedrohen deutsche Speditionen" bei den Internetauftritten zur WISO-Sendung nirgends etwas fand bleibt das Geheimnis von ZDF, anscheinend kann man froh sein das der Beitrag nicht aus der Sendung/Mediathek geflogen ist.

Quelle: ZDF

WISO - Kraftfahrer Lohndumping

Noch einen zum Thema.
Zitat
Lohndumping auf der Autobahn - Warum LKW-Fahrer wochenlang auf Raststätten campieren

Sie hausen oft wochenlkang auf Rast- und Parkplätzen, die ohnehin schon restlos überfüllt sind. Und sie sind vom immer weiter um sich greifenden Lohndumping betroffen - LKW-Fahrer aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Im Speditions- und Transportgewerbe herrschen immer unwürdigere Zustände. Auch in Hessen.

Quelle: defacto HR - ARD

defacto Lohndumping auf der Autobahn
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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #10 am: 22:18:08 Fr. 22.August 2014 »
Was mit dem Wegfall des Kabotageverbots folgen würde, war von Vornherein glasklar.

Warum tut man nun derart überrascht?

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Bericht osteuropäischer Fahrer
« Antwort #11 am: 20:30:34 Mi. 28.Januar 2015 »
Wir, Fahrer des Internationalen Fracht Transfers der Unternehmen Litauens, wundern uns: haben Sie denn keine Information darüber, dass die Fahrer von Unternehmen Litauens, die von Politikern Litauens regiert werden, ständig beraubt werden? Dadurch entsteht der Schaden auch dem Staat. Es geht um riesige Geldsummen.

Wir, Fahrer, arbeiten wie Sklaven im wahren Sinne des Wortes. Schon 25 Jahre verbringen wir je sechs Wochen am Steuer und wissen nicht nur vom Hörensagen, wie es in Buchhaltungen so geht. Vor vielen Jahren haben die Herrschaften D. Grybauskaite und A. Butkevicius, damals als Finanzminister, bei der Zusammenarbeit mit Frachtfahrerunternehmenverband „Linava“ ein Gesetz verabschiedet (es ist auch in Kraft getreten), das das Stehlen von 50% des Tagesgeldes und der Einkommensteuer legitimiert hat. Das gilt auch heute noch. Unternehmen behaupten, dass sie den Fahrern 100% Tagesgeld und 1,3 von monatlichem Mindestlohn (391 € brutto) auszahlen. In der Tat ist es anders. Ein Fahrer bekommt 10 ct pro km, was entspricht nicht nur den Gesetzen der Litauischen Republik, der EU und IRU, sondern ist nur die Hälfte vom Tagesgeld. In Wirklichkeit bekommen die Fahrer ÜBERHAUPT KEINEN LOHN und die Hälfte vom Tagesgeld. Das macht insgesamt über 1000 € monatlich. Unternehmen eignen sich das nicht nur an, sondern sie vermindern dadurch auch den Gewinn und die Steuer werden davon auch nicht bezahlt.

Unsere Fahrer bekommen keine DKV, UTA oder Routex Karten. Statt dessen werden für Geschäfts- oder Strafzahlung entweder die persönliche Bankkarte oder die private Bankrechnung des Fahrers genutzt. Das Geld wird als Vorschuss vom Lohn und Tagesgeld überwiesen, auf diese Weise bleibt die gestohlene Summe verborgen. Außerdem kann man nicht beweisen, dass man die Ausgaben und Strafen beglichen hat. Aus diesem Grund haben die Fahrer zu leiden.
 
Auch die höchsten Strafen können die Unternehmen nicht daran hindern, wenn nur das Transportmittel nicht beschlagnahmt oder die Lizenz des Europäischen Transfers nicht suspendiert wird.

Sogar an Wochenenden dürfen wir nicht auf bezahlten Raststätten parken, so dass manche dringende Bequemlichkeiten uns erspart bleiben. So verlieren daran auch deutsche Geschäftsleute.

Während der Rast werden von den Fahrern selbst auf Kosten ihrer Erholung LKWs gewaschen, kleine Reparaturen unternommen. Die Unternehmen wollen auf diese Weise sparen, indem wir gezwungen sind das alles kostenlos zu machen. Für das Laden und ähnliche Arbeiten wird nicht gezahlt. Dabei muss diese Zeit auf dem Tachograph als Ruhepause angemerkt werden. Kein Fahrer würde freiwillig Bundesstraßen durch ganz Deutschland wählen. Manager und Eigentümer der Unternehmen zwingen uns dazu, um die Zahlung für die Autobahn zu vermeiden. So werden dann die Bundesstraßen mehr belastet.
Manager versprechen, die Eilfrachten rechtzeitig zu liefern, dadurch werden die Fahrer in die Ecke getrieben und können die Vorschriften des (AETR) Europäischen Übereinkommens über die Arbeit des im internationalen Straßenverkehr beschäftigten Fahrpersonals nicht befolgen.

Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten, Fahrzeiten und allgemeine Zeit umstellen – dazu sind wir gezwungen. Technisch oft unordentliche Fahrzeuge – das alles bildet eine große Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Man ist gezwungen, alle möglichen Regel zu übertreten, sonst wird man arbeitslos. An ihre Stelle kommen Fahrer aus dritten Ländern. Gerechtigkeitshalber wäre es richtig, nicht nur Fahrer, sondern auch Unternehmen zu bestrafen. Für das Unternehmen sollte die Strafe um das 10fache größer sein, sonst rührt sich nichts. Nach sechs Arbeitswochen hat ein Fahrer bis drei Wochen frei. Da bekommt er kein Geld, wie auch für drei Tage Hin- und Rückfahrt.

Auf sechswöchigen Dienstreisen befinden sich ständig etwa 80000 Fahrer (laut Angaben von LINAVA (http://www.linava.lt/en/about-association/).
Also monatlich befinden sich in der schwarzen Kasse des Transportgeschäftes 80 Millionen Euro, die man zum Bestechen gebrauchen kann. Oder das geht auch an die schwarzen Kassen mancher Parteien. Und wieviel Steuer werden dabei vermieden! Außerdem werden Dotatien aus dem Budget der Republik oder auch von den EU-Mitteln von den Politikern, die oft auch Eigentümer der Unternehmer sind, an die „unrentablen“ Unternehmen zugewandt.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass man behauptet, dass es an Fahrern mangelt. Das nimmt man als Anlass für die Einladung der Bürger aus den dritten Ländern, denn sie können noch mehr begraben werden. Die Fahrer vom Ort werden nicht gerne eingestellt. Es heißt, junge Leute haben keine Erfahrung, während ein Reserveoffizier aus der Ukraine, Belorussland oder Russland gerade der richtige ist, obwohl er nie so ein Transportmittel gefahren hat. Man verlangt von den hiesigen Arbeitswilligen ein Pfand von einigen Tausend Euro und, um die billige Arbeitskraft aus Russland zu befördern, werden da „Sklavenbüros“ errichtet. Die Menschen von dort werden mit Mietbussen hierher gebracht. Keinen interessiert die Tatsache, dass ihre Arbeitsgenehmigung nur für Litauen gültig ist, nicht aber für andere EU Staaten.

Alle Transportmittel, die nach Westen gehen, benutzen das russische Dieselöl. Das tun hier alle, angefangen mit GIRTEKA und abschließend mit denen, die gar nicht nach Osten gehen, aber Dieselöl den Kollegen aus Osten abkaufen. Und schon rollt ein litauischer LKW mit 1,5 T russisches Dieselöl und einem Belorussen, Russen, Moldaven oder Ukrainer am Lenkrad Richtung Westen. Wenn Sie den Fahrermarkt beschützen wollt, sollten Sie die Staatsangehörigkeit der Fahrer prüfen. Arbeitserlaubnis für Litauen lässt nicht zu, dass jemand aus den dritten Ländern Geschäftsreisen in andere Länder der EU unternimmt. Unternehmer gründen „Abteilungen“ im Ausland. Da „kaufen“ sie Dienstleistungen. Einkommensteuer werden vermieden. Nicht wenige Abteilungen dieser Art befinden sich auch in den Ländern der EU, wo auch Fahrer aus Litauen für einen sklavischen Lohn schuften, ohne Steuer zu zahlen und ohne soziale Sicherheit zu bekommen. Davon profitieren ihre Vermittler.

Noch etwas zum Schluss. Litauische Fahrer sind nicht billiger. Das ist ein Mythos, um Steuer und Lohnerhöhungen für die Fahrer zu vermeiden. In gemeinsamen Unternehmen werden große Ausgaben angegeben und die Steuer werden auch in keinem Land gezahlt. Kaum zu glauben, dass es Ihnen bis jetzt unbekannt war. Es wäre für die Wirtschaft unseres Staates und die ganze EU viel günstiger, dass das Geld, das die Fahrer verdienen, auch an ihre Familien ginge. Es wäre für die gesamteuropäischen Finanzen von Vorteil. Jetzt profitieren daran die Ukraine, Russland, Belorussland.

Von 80 000 Fahrern haben die meisten Familien. Dreimal 80 000 – so viele Verbraucher beeinflussen mächtig die finanziellen und politischen Aussichten nicht nur Litauens sondern auch der ganzen EU. Andererseits, wer kann mit Sicherheit behaupten, dass Tausende von Reserveoffizieren, hier als Fahrer angestellt, nur dazu da sind, um zu verdienen? Sie haben ja einen Eidschwur ihrem Staat geleistet.

Inter Transfer Fahrer

(Aus einem Mailverteiler)

dagobert

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #12 am: 15:23:38 Fr. 30.Januar 2015 »
Zitat

Nahles setzt Mindestlohn im Lkw-Transitverkehr aus

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung setzt die Mindestlohnregel für den Lkw-Transitverkehr vorläufig aus.
Das teilte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles am Freitag nach einem Treffen mit ihrem polnischen Kollegen Wladyslaw Kosniniak-Kamysz in Berlin mit. Die neue Regelung gelte auch für bereits vorgenommene Kontrollen. "Sollten Verfahren eventuell bereits eingeleitet worden sein, werden diese eingestellt", teilte das Ministerium mit. Die Aufhebung beziehe sich aber nur auf den Transit und nicht auf grenzüberschreitenden Straßenverkehr, bei dem entweder Beginn oder Ende einer Fahrt in Deutschland liegt.
http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEKBN0L31FB20150130

Damit wird der Mindestlohn im grenzüberschreitenden Lkw-Verkehr praktisch ausser Kraft gesetzt. Für eine evtl. Kontrolle hat man halt andere Frachtpapiere dabei ...  >:D

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #13 am: 18:03:25 Di. 19.Mai 2015 »
Zitat
EU-Verfahren gegen Deutschland

Weil der deutsche Mindestlohn auch für ausländische Lkw-Fahrer gelten soll, hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.


Die EU-Kommission hat im Streit um den Mindestlohn für ausländische Lkw-Fahrer ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Auch wenn Brüssel grundsätzlich die Einführung des Mindestlohns unterstütze, bewirke die Anwendung in Deutschland "eine unverhältnismäßige Einschränkung der Dienstleistungsfreiheit und des freien Warenverkehrs", erklärte die Kommission am Dienstag. Der Anfang des Jahres eingeführte Mindestlohn von 8,50 Euro soll laut Bundesregierung auch für ausländische Lkw-Fahrer gelten, die auf deutschen Straßen unterwegs sind. Dies lehnen insbesondere Nachbarländer wie Polen und Tschechien ab.
"Unangemessene Hürden"

Für den Transitverkehr und bestimmte grenzüberschreitende Beförderungsleistungen würden durch den Mindestlohn "unangemessene Verwaltungshürden" geschaffen und damit das reibungslose Funktionieren des EU-Binnenmarktes behindert, erklärte die EU-Kommission. Demnach gibt es "angemessenere Maßnahmen, die zum sozialen Schutz der Arbeitnehmer und zur Gewährleistung eines lauteren Wettbewerbs ergriffen werden können und gleichzeitig einen freien Waren- und Dienstleistungsverkehr ermöglichen".

Deutschland hat nun zwei Monate Zeit, um auf die von der Kommission vorgebrachten Argumente zu antworten. Danach kann Brüssel über weitere Schritte entscheiden und Deutschland gegebenenfalls vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen. Die Bundesregierung hatte Ende Januar nach den Protesten der Nachbarländer die Geltung des Mindestlohns für reine Transitfahren bereits vorerst ausgesetzt.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/mindestlohn--eu-verfahren-gegen-deutschland-,1472780,30736324.html

Rudolf Rocker

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #14 am: 18:33:52 Di. 19.Mai 2015 »
Da kann man sich ja ungefähr vorstellen, was bei TTIP passieren würde!