Autor Thema: Billigkräfte am Lkw-Steuer  (Gelesen 23402 mal)

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #15 am: 16:47:22 Mi. 20.Mai 2015 »
Den Ostblock hat man erfolgreich vom Joch des Kommunismus befreit. Jetzt herrscht da die Freiheit des Sklavenhandels.
Da will Westeuropa natürlich von profitieren und beseitigt alle Hürden des freien Handels.

Zitat
Rumänischer Lkw-Fahrer in Not

MIDLUM. Einen Einsatz der besonderen Art hatten in der vergangenen Woche die Beamten des Polizeikommissariats und der Polizeistation Langen zu bewältigen. Ein rumänischer Lastwagenfahrer hatte sich bei seiner Botschaft darüber beschwert, dass er seit bereits mehr als drei Wochen mit einem Kleintransporter unterwegs sei, der über keine Schlafkabine verfüge. Er schlafe immer nur auf dem Fahrersitz und ein Ende der Reise durch Europa sei auch noch nicht in Sicht.

Die Botschaft informierte darüber wohl seinen Chef. Der eilte mit einem schnellen Wagen und mit einem weiteren Lkw-Fahrer zum Autobahn-Parkplatz Midlum (ohne Gastronomie und Toilette) und warf den 37-Jährigen aus dem Laster. Der Mann wurde spätabends hilflos auf dem Parkplatz zurückgelassen.

Als die eingesetzten Beamten auf dem Parkplatz eintrafen, fanden sie einen vollkommen hilflosen und vom Regen durchnässten Lkw-Fahrer vor. Dessen einziges Hab und Gut waren ein paar Kleidungsstücke und ein Kinderspielzeug, das er zuvor für seine Tochter gekauft hatte.

Der mittellose Mann wurde von der Gemeinde in einer Notunterkunft untergebracht. Versuche, den Fahrer über offizielle Stellen seines Landes in seine Heimat zu bekommen, scheiterten.

Während sich die Gemeindeverwaltung der Wurster Nordseeküste und die Polizei einig waren, dass dem Mann geholfen werden müsse, wurde die Situation unbürokratisch gelöst. Die Beamten hielten einen Lkw aus Rumänien an und fragten den Fahrer, ob er seinen Landsmann mit in die Heimat nehmen könne. Von den Ereignissen sichtlich mitgenommen und voller Dankbarkeit ist der ausgesetzte Fahrer nach etwas mehr als drei Tagen „Zwangsurlaub“ wieder auf dem Weg in seine Heimat.
http://www.cn-online.de/lokales/news/rumaenischer-lkw-fahrer-in-not.html

Fritz Linow

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #16 am: 19:52:24 Fr. 03.Juli 2015 »
Zitat
Ost-Spediteure unterlaufen Mindestlohn
Osteuropäische Spediteure unterlaufen auf Deutschlands Straßen den Mindestlohn. Statt 8,50 Euro zahlen sie oft nur zwischen zwei und vier Euro pro Stunde. Rund ein Viertel der Lkw-Kilometer hierzulande fahren Anbieter aus Osteuropa.


Spediteure aus Osteuropa unterlaufen auf deutschen Straßen flächendeckend und drastisch den geltenden Mindestlohn. Das hat der Berufsverband Camion Pro nach Umfragen unter osteuropäischen Lkw-Lenkern ermittelt. Statt brutto minimal 8,50 Euro seien es tatsächlich zwischen zwei und vier Euro, sagt Camion Pro-Vorstand Andreas Mossyrsch. „Das ist Sozialdumping“, stellt er klar.

Dabei werde auch massiv gegen geltende Kabotage-Regeln verstoßen, wonach ausländische Lkw-Fahrer, die Waren nach Deutschland geliefert haben, hierzulande nur eingeschränkt neue Aufträge abfahren dürfen. Sie seien aber oft monatelang in Deutschland unterwegs.

Billiganbieter aus Osteuropa fahren in Deutschland mittlerweile über ein Viertel aller Lkw-Kilometer ab, schätzen Experten. Das treibe immer mehr deutsche Spediteure in den Ruin, klagt Mossyrsch. Allein in seinem Verband zähle er jährlich rund 50 Pleiten. Große Spediteure auch aus Deutschland seien dagegen vielfach Profiteure des massenhaften Missbrauchs. Denn sie würden sich oft osteuropäischer Subunternehmer bedienen.

Deutschen Behörden wirft die aus einem Schutzverband hervorgegangene Camion Pro vor, auch ein halbes Jahr nach Einführung des Mindestlohns in Deutschland dessen Einhaltung bei ausländischen Lastwagenfahrern nicht zu prüfen. Deutsche Spediteure würden dagegen vom dafür zuständigen Zoll kontrolliert. Den Bereich der schwarzen Schafe klammere man aber aus.

Mehr als 200 Lkw-Lenker aus Osteuropa hat Camion Pro in den vergangenen Wochen angesprochen, um über deren Arbeitsbedingungen Auskunft zu erhalten. Reden wollte nur jeder Dritte. „Es herrscht ein Klima der Angst“, erklärt Mossyrsch. Keiner von rund 70 auskunftswilligen Fahrern aus Ländern wie Rumänien oder Bulgarien habe für seine Fahrzeit auf deutschen Straßen den hiesigen Mindestlohn erhalten. Teils seien sie für monatlich 250 Euro brutto ein Vierteljahr in Deutschland oder anderswo in Westeuropa unterwegs, bei zwölf bis 16 Stunden Tagesarbeitszeit.
Deutschen Behörden wirft Mossyrsch neben Untätigkeit auch Naivität vor. „Es fehlt die Vorstellungskraft, mit wem man es zu tun hat“, klagte der Experte und sprach von einer osteuropäischen Lkw-Mafia. Ein befragter Lastwagenfahrer aus Bulgarien habe gebeichtet, dass sein Arbeitgeber bei allen 70 Lastwagen seiner Spedition den Fahrtenschreiber so manipuliert, dass er während der Fahrt auf Ruhezeit gestellt werden kann. „Dann kann man unbegrenzt fahren“, stellt Mossyrsch klar.
Fahrtenschreiber manipuliert

Camion Pro übergebe den Fall nun mit einer Liste aller manipulierten Lkw an Ermittlungsbehörden. Dem Informanten habe man zuvor versprechen müssen, anonym zu bleiben. „Sonst ziehen sie mich tot aus dem Fluss“, habe er gewarnt. Das sei krass, aber auch kein Einzelfall, stellte Mossyrsch klar. Auch er selbst sei schon einmal nach dem Anprangern von Missständen in der Branche mit dem Tode bedroht worden.

Camion Pro bietet osteuropäischen Lastwagenfahrern, die hierzulande ohne Mindestlohn unterwegs sind, nun Hilfe bei Klagen vor deutschen Arbeitsgerichten an. Per Durchgriffshaftung könnten sie auch deutsche Auftraggeber osteuropäischer Subunternehmer verklagen und Prozesskostenhilfe beanspruchen.

Wer einen Monat lang auf deutschen Straßen fahre und mit Hungerlöhnen abgespeist werde, dem entgingen rund 1700 Euro monatlich, rechnete Mossyrsch vor. Diese Dimension und der Umstand, dass auch bis zu drei Jahre rückwirkend geklagt werden kann, sei trotz Ängsten ein starkes Motiv, vor den Kadi zu ziehen. Viele osteuropäische Lastwagenfahrer seien auch verzweifelt. Ihre Arbeitsbedingungen seien nach eigenen Angaben schlechter als zu Zeiten des Sozialismus.
http://www.fr-online.de/arbeit---soziales/lkw-mafia-aus-osteuropa-ost-spediteure-unterlaufen-mindestlohn,1473632,31097966.html

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #17 am: 20:03:35 Mi. 07.Oktober 2015 »
Zitat
Umstrittene Arbeitszeiten
Lkw-Fahrer werden zu Nomaden der Autobahn


von Fabian Federl

Vor allem osteuropäische Fahrer verbringen ihre Ruhezeiten auf deutschen Raststätten. Langsam erkennt die Politik das Problem.


Berlin - Hinter Udo Skoppeck liegt der Plenarsaal des Bundestags, vor ihm die Reichstagswiese. „Vor wenigen Monaten standen wir noch auf dieser Wiese und haben demonstriert, gerufen und gepfiffen. Man hat uns gesagt, die Wand sei schalldicht, keiner würde uns hören.“ Skoppeck dreht sich zu seinen fünf Kollegen um, nickt zufrieden. „Doch das stimmte nicht. Wir wurden gehört und jetzt sind wir hier.“ Die Männer sind Lkw-Fahrer. Seit 1985 ist Skoppeck im internationalen Fernverkehr tätig.

Udo Schiefner ist Bundestagsabgeordneter für die SPD und Mitglied des Verkehrsausschusses. Schiefner kennt die Probleme der Fernfahrer. Er hat ein Treffen im Bundestag organisiert mit Kirsten Lühmann, der Obfrau der SPD im Verkehrsausschuss. Es ist, so Schiefner, das erste offizielle Treffen einer Delegation von Berufskraftfahrern mit Abgeordneten. Skoppeck nennt das Treffen grinsend „einen historischen Moment“.

Die Nöte der Kraftfahrer: Lohndumping durch die Beschäftigung billigerer Arbeitskräfte aus Osteuropa, fehlende Kontrollen von Ruhezeiten. In jüngster Zeit haben die Probleme zugenommen, auch durch die Einführung des Mindestlohns. Skoppeck und seine Kollegen berichten von rumänischen Fahrern, die über Monate auf der Straße, in ihren Fahrzeugen lebten. Das sei nicht nur unwürdige Arbeit für den Fahrer, sondern auch gefährlich für den Straßenverkehr. Ruhezeiten würden nicht eingehalten, Kontrollen gebe es sowieso kaum – „allenfalls stichprobenhaft“.

Aber auch wenn kontrolliert würde, die gesetzlichen Regeln sind vage. Wie lang die wöchentliche Ruhezeit sein muss und wann sie ausgesetzt werden kann, interpretiert jedes europäische Land für sich; auch wo die Ruhezeit verbracht werden muss. Obwohl es eine EU-Richtlinie gibt, kommt es zu unterschiedlichen Auslegungen. In Frankreich und Belgien müssen Fahrer ihre Ruhezeit an ihrem Lebensmittelpunkt verbringen, also zu Hause. In Deutschland ist das nicht so. Wegen des Sonntagsfahrverbotes kann man das auf den Rastplätzen sehen: Fernfahrer, die vor ihren Lkw kochen und auf die Weiterfahrt waren.

„Moderne Nomaden“, sagt der SPD-Abgeordnete Schiefner. „Es herrschen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der Branche.“ Die Speditionen würden die „unscharfen Regeln gnadenlos ausnutzen“. Nicht nur osteuropäische Firmen bezahlten ihre Mitarbeiter erbärmlich. Auch deutsche Spediteure gründeten Briefkastenfirmen im Ausland, um den Mindestlohn zu umgehen.

Rund 30 deutsche Lkw-Fahrer trafen sich im April 2015 auf dem Autohof Köln-Eifeltor an der A4. Sie planten eine Demonstration vor der Zentrale des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG). Bei dem Protest solle es nicht darum gehen, neue oder schärfere Gesetze einzuführen. Das BAG solle lediglich die bereits vorhandene europäische Richtlinie einhalten und kontrollieren. Wichtigster Punkt dabei: die wöchentliche Ruhezeitregelung. Seither organisierten sich die Fahrer, bekamen Unterstützung verschiedener Kraftfahrervereine und weckten irgendwann die Aufmerksamkeit der EU-Abgeordneten Jutta Steinruck, die die Trucker an ihren Parteikollegen Udo Schiefner weitervermittelte, der die Fahrer wiederum in den Bundestag einlud.

„Das ist kein Kampf gegen unsere osteuropäischen Kollegen“, sagt Skoppeck. Es sei ein Kampf gegen die Speditionen, die sich nicht an die Regeln hielten, die ihren Fahrern ein unwürdiges Gehalt zahlten, sie wochenlang als Nomaden durch Europa ziehen ließen. Damit fügten sie nicht nur diesen Fahrern Schaden zu, sondern der ganzen Branche, auch durch das höhere Unfallrisiko.

Dass die Verhältnisse sich verschlimmert haben, liegt auch an der fehlenden Repräsentation. Es gibt keine schlagkräftige Gewerkschaft. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi werden die Fahrer im Bereich Postdienste, Spedition und Logistik geführt. Doch nur rund fünf Prozent der Verdi-Mitglieder in dieser Kategorie sind Fernfahrer.

Der Lkw-Verkehr ist die Basis des Güterverkehrs in Europa. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Umsatz der Logistikbranche in Deutschland verdoppelt, fast zehn Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in der Logistikbranche, 2,8 Millionen Menschen. Rund 800 000 davon sind Kraftfahrer. Doch der deutsche Anteil am europäischen Markt nimmt ab. Nur noch rund 60 Prozent der Lkw auf deutschen Straßen sind in Deutschland gemeldet, der internationale Güterverkehr ist zunehmend osteuropäisch geprägt.

Oft stehen die beiden größten europäischen Transportunternehmen DHL und Schenker dahinter – deutsche Firmen. Sie umgehen deutsche Gesetze, indem sie Niederlassungen im Ausland gründen und osteuropäische Fahrer engagieren. Im internationalen Güterverkehr ist das schon lange die Norm und im Rahmen der Dienstleistungs- und Arbeitnehmerfreizügigkeit erlaubt. Zunehmend bedienen diese Fahrer auch nationale Routen in Deutschland. Das nennt sich Kabotage und unterliegt strengen quantitativen Regeln. Die machen aber nur Sinn, wenn sie auch kontrolliert werden.

Einen ersten Erfolg haben Udo Skoppeck und seine Kollegen verbucht, indem sie eine Zusage aus Berlin erhielten. Das Verkehrsministerium teilte per Mail mit: Man prüfe derzeit, in welcher Form eine Regelung für die Ruhezeit am Heimatort umgesetzt werden könne. Das heißt, man prüft nicht mehr, ob das Gesetz kommt, sondern wie es kommt.

Udo Schiefner hat die Belange der Fahrer zum Thema seiner Rede kürzlich im Bundestag gemacht. Er forderte, „die Rechte und Möglichkeiten dieser Branche und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken“. Man müsse „das Nomadentum auf den Autobahnen und Rastplätzen Deutschlands beseitigen“. Die Rede bekam an mehreren Stellen Applaus der Regierungsfraktionen. Auf seiner Website findet sich inzwischen ein neues Bild: Udo Schiefner und Kirsten Lühmann übergeben Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) einen Aktenordner mit den Forderungen der Fernfahrer.

Udo Skoppeck gibt sich nach dem Treffen im Bundestag zufrieden. Die Abgeordneten verabschieden sich von den Fahrern, man will in Kontakt bleiben. Derweil hat Daimler den „selbstfahrenden“ Lastwagen in Baden-Württemberg getestet. Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard bezeichnete die kürzlich erfolgte Testfahrt als wichtigen Schritt hin zu marktreifen Autopilot-Lastern. „Der Highway Pilot bringt mehr Sicherheit, weil er immer zu hundert Prozent da ist, er wird nie abgelenkt, er wird nie müde, er lässt in der Konzentration nicht nach – das heißt: mehr Sicherheit.“ Bis der Pilot im Einsatz ist, wird Udo Skoppeck wohl in Rente sein.
http://m.tagesspiegel.de/wirtschaft/umstrittene-arbeitszeiten-lkw-fahrer-werden-zu-nomaden-der-autobahn/12406348.html

"Langsam erkennt die Politik das Problem."
"Udo Schiefner ist Bundestagsabgeordneter für die SPD und Mitglied des Verkehrsausschusses. Schiefner kennt die Probleme der Fernfahrer."

Blablabla. Es war nie das Problem, daß "die Politik" die Probleme nicht gekannt hätte. Sie hatte nur nie Interesse daran etwas zu ändern.
Das Problem liegt darin, daß die Fahrer es nicht gelernt haben, ihre Macht zu erkennen und ihre Interessen selbst durchzusetzen.

Don Derfel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #18 am: 21:48:32 Mi. 07.Oktober 2015 »
Klar. Zum Teil sind die einfach doof. Da tippe ich mir (und ein paar andere) seit Jahren die Finger blutig.
ABER:
Es gibt zunehmend Kollegen, die langsam den Arsch hochwuchten. Fünf Kollegen waren wie erwähnt in B., um denen schon mal sanft auf die Füße zu treten und der Kontakt wird gehalten, ggf auch nachgefragt, was sich dort tut.

Der zweite Punkt hat einiges mit den Berufsalltag zu tun. Wenn du nach bis zu 14 Stunden (Lenk+ Arbeits+ "Pausenzeit) mit viel Glück einen halbwegs erträglichen Parkplatz gefunden hast, ist da keine Power mehr für ernsthafte politische Arbeit und Wochenende haben die einfach die Schnauze voll.

Dazu kommt der ewig selbe Scheiß durch die Medien und andere Kacke. Nach meinen bisherigen Erfahrungen muss man die Leute erst einmal halbwegs motivieren und "aufbauen". Da ist Schei.. Verdi erstmal einigermaßen ungeeignet.
Da geht es mir nicht um Mitgliederwerbung, sondern die tote Herde überhaupt erstmal vom Acker zu prügeln und nicht auch noch weiter auszubremsen.

Ich denke, wir sollten Gewerkschaftkritik bei den Gewerkschaften abladen und DENEN mal satt in den fetten Arsch treten, dazu wäre auch "Manpower" - also Mitglieder mit denselben Intereesen hilfreich. Blöd, wenn wir die SELBST verjagen, oder?

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #19 am: 18:40:14 Fr. 08.Januar 2016 »
Zitat
Fern jeder Truckerromantik

Berufskraftfahrer haben es schwer, sich europaweit zu organisieren

von Stephan Manitz

Die Wirtschaft verlangt zunehmend Flexibilität und die Just-in-time-Produktion hat die Lager der Industrie auf die Autobahnen verlegt. Der Versandhandel wächst weiter und immer mehr Transporte finden auf der Straße statt. Es arbeiten fast eine Million Menschen in Deutschland als Berufskraftfahrer, von denen etwa 100000 als Lkw-Fahrer im Fernverkehr beschäftigt sind.

Die Transportbranche ist die Achillesferse der Wirtschaft und man sollte vermuten, dass die dort Beschäftigten ihre Macht nutzen für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Das Gegenteil ist richtig. In den 90er Jahren gehörten die Lkw-Fahrer noch zu den besserverdienenden Arbeitern im Land, doch die Angriffe auf ihre Arbeitsbedingungen waren beispiellos. Kein anderer Beruf erfuhr einen so radikalen Absturz in prekäre Bedingungen.

Der letzte große Arbeitskampf mit gewerkschaftlicher Unterstützung fand 1983 statt, er brachte den Lkw-Verkehr auf der A2 bei Helmstedt zum Erliegen. Damals schien sogar die Versorgung von West-Berlin in Gefahr. Gefordert wurde ein Nachtarbeitszuschlag von 30%, eine Verminderung der Wochenarbeitszeit von 57 auf 50 Stunden, 10 freie Tage im Monat, höhere Spesen sowie ein Be- und Entladeverbot. Die Blockade wurde mit einem Polizeieinsatz und einer rund ein Jahrzehnt dauernden Prozesswelle gegen die ÖTV beendet.

Die Gewerkschaft zog sich aus diesem Bereich danach weitgehend zurück. Man erklärte die Trucker für unorganisierbar, da sie für die Gewerkschaft ungleich schwerer zu erreichen sind, als die Arbeiter, die man in Versammlungen eines Großbetriebs leicht ansprechen kann.

In der Wirtschaftskrise 2008 entstand eine spontane Protestwelle unter dem Namen «Dieseldemo», die von selbstfahrenden Unternehmern initiiert wurde. Sie entwickelte sich zu einem Selbstläufer und mit rund 600 Lkw zum größten unabhängigen Fahrerprotest in Deutschland. Taxifahrer und Landwirte schlossen sich mit ihren Fahrzeugen dem Protest an. Am offenen Mikrofon wurde auch der Unmut der einfachen Fahrer laut. Doch die Fahrer waren von der Größe des Protests überfordert und vertrauten die Organisations- und Pressearbeit einem pensionierten Polizisten an, der über ein beeindruckendes Rede- und Organisationstalent verfügte. Damit hatten sie die Kontrolle über ihre Veranstaltung verloren. Missliebige Meinungen wurden aus dem Forum getilgt und Widersacher sogar juristisch bedroht. Das war das Ende dieser Protestbewegung.

Arbeitsbedingungen
Das Spektrum der Arbeitsbedingungen klafft heute immer weiter auseinander. Arbeitsbedingungen bei Speditionen in Mecklenburg-Vorpommern gelten in Hessen bereits als sittenwidrig. Fahrer sehen sich häufig gezwungen, sich jenseits der Arbeitszeitregelungen und Sicherheitsvorschriften zu bewegen. Gerade in der KEP-Branche (Kurier, Express und Paketdienste) wird der Mindestlohn mit Scheinselbständigkeit unterlaufen. Unter dem wachsenden Konkurrenzdruck gehen kleine Speditionen in die Insolvenz und so mancher Fahrer wird um seinen Lohn betrogen.

Noch schlimmer sieht es bei den ausländischen Fahrern aus, die in Deutschland seit der EU-Öffnung nach Osteuropa als Dumpinglöhner unterwegs sind. Bekannt wurde der Fall der philippinischen Fahrer, die für die lettische Firma Dinotrans in Deutschland für monatlich 680 Euro fahren. Dabei ist die Untergrenze noch längst nicht erreicht. Aus italienischen Häfen wurde bekannt, dass man dort rumänische Fahrer mit 320 Euro abspeist. Es gibt auch Unternehmer, die für die Übernachtung in der Lkw-Kabine eine Miete vom Lohn abziehen.

Die Einhaltung der Arbeitszeiten wird ebenso selten kontrolliert wie die Regeln über die Sicherheit von Fahrzeug und Ladung. Zur Protestaktion für eine bessere Kontrolle durch das Bundesamt für Güterverkehr tauchte nicht einmal ein Mitarbeiter der Behörde auf. Und sobald ein EU-Land beschließt, die Zahl der Kontrollen auf den Autobahnen zu erhöhen, gibt es Druck von der EU wegen vermeintlicher Wettbewerbsverzerrung.

Fahreraktivisten machten sich auf zum EU-Parlament, wo man ihnen Gehör schenkte und Sympathie zeigte, doch es wurde ihnen erklärt, die Wettbewerbsfähigkeit sei das oberste Gebot für EU-Politiker und man könne nur über Dinge entscheiden, die davon nicht berührt werden.

Den Fahrern wird deutlich vorgeführt, dass sie auf keine Unterstützung aus der Politik zu hoffen brauchen. Während die sozialdemokratische EU-Politikerin Jutta Steinrück sich rührend den Fahrern zuwendet, Stammtische und Protestaktionen besucht, stellt ihre Parteigenossin Andrea Nahles klar, dass es sich dabei nur um Wahlkampf handelt. Sie beschloss im Januar 2015 für Fahrten ausländischer Speditionen durch Deutschland eine Ausnahmeregelung beim Mindestlohn. Der freie Fall der Arbeitsbedingungen in der Branche geht weiter.

Selbstorganisierte Proteste
Die Selbstorganisationen (KCD und A.i.d.T.*), die sich in den letzten Jahren gegründet haben, weckten zunächst Hoffnungen unter den Fahrern. Nach einer kurzen Euphorie und monatlich stattfindenden Protestaktionen im ganzen Land, bekamen die Fahrer jedoch ihre Unerfahrenheit in Auseinandersetzungen zu spüren. Als die Zahl der teilnehmenden Kollegen an den Aktionen nie die 200 überschritt und keine spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erzielt wurden, verbreitete sich wieder Hoffnungslosigkeit, Vorwürfe gegen die Organisatoren der Proteste wurden laut. Und es gab auch Grund zur Kritik. Während anfänglich die Organisationen gemeinsam zu Protesten aufriefen, entstand nach einiger Zeit eine kontraproduktive Konkurrenz. Die von der A.i.d.T. nur wenige Tage nach dem europaweiten «Together-Now»-Protest (2014) angesetzte eigene Demonstration wurde als Sabotageaktion am gemeinsamen Kampf gewertet.

Die negativen Folgen dieser Erfahrung sind nicht überwunden, es gibt nur noch wenige Versuche, Protestaktionen auf die Beine zu stellen, und die Resonanz bleibt begrenzt. Viele richten sich wieder in ihrer Einzelkämpfermentalität ein.

Aus der Mischung aus Frust und Verzweiflung heraus erscheinen die Parolen von Pegida und Co. als attraktiv und in den Fahrerforen schwappt diese Stimmung gelegentlich hoch. Doch sie bleiben nicht unwidersprochen, und es wird weiter diskutiert, wie man der Stimme der Fahrer ein größeres Gewicht verleihen kann, scheint aber hilflos bei der Frage, wie man die Kollegen besser mobilisiert. Man versucht es mit Kontakten zu Politikern und diskutiert die Gründung einer eigenen Gewerkschaft.

Die Branche erscheint wie ein Testfeld, um die Grenze für die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen herauszufinden. Osteuropa ist hier Vorreiter und man zieht im Westen unter der Vorgabe der Konkurrenzfähigkeit nach. Fahrer sprechen längst von «Sklavenbedingungen».

In diesem unattraktiven Beruf gibt es eine klare Überalterung, der Nachwuchs bleibt aus, doch für die Branche ist das kein Grund, die Löhne zu erhöhen, solange man auf ausgebildetes Personal aus Osteuropa zurückgreifen kann. Die deutschen Fahrer werden nicht umhinkommen, sich mit ihren osteuropäischen Kollegen zusammenzusetzen und nach gemeinsamen Strategien gegen Lohndumping zu suchen.

Die größten Proteste finden derzeit in Russland statt, worüber in deutschen Medien kaum berichtet wird. Auslöser der Protest- und Streikwelle ist die Einführung einer Maut, deren Betreiberfirma zur Hälfte einem Vertrauten Putins gehört. Mindestens 2000 Lkw haben sich an den Protesten, Arbeitsniederlegungen und Blockaden beteiligt.

Im November rollte ein Lkw aus ungeklärten Gründen in eine Gruppe protestierender Fahrer, einer kam ums Leben, drei weitere wurden schwer verletzt. Die russische Regierung senkte die Höhe der Mautgebühren, versuchte aber gleichzeitig, die Fortführung der Proteste mit harten Maßnahmen zu unterbinden. Als Fahrer für den 1.–3.Dezember eine Blockade des Autobahnrings um Moskau ankündigten, versuchte die Polizei, Lkw bereits auf der Fahrt nach Moskau aufzuhalten, sprach von einer «Antiterroroperation» und stellte Wasserwerfer bereit. Am 3.Dezember fanden Gespräche zwischen den Vertretern der protestierenden Fahrer und der Regierung statt. Die Proteste sind abgeebbt, aber noch nicht beendet.

* KCD – Kraftfahrerclub Deutschland; A.i.d.T. Germany – Actie in de Transport Germany. A.i.d.T. hat sich 2013 aus einer Facebookgruppe heraus gegründet, zuerst in den Niederlanden, daher der Name. A.i.d.T. ist heute in fast allen westeuropäischen Staaten präsent. Beide Organisationen organisieren angestellte Fahrer. Anders als im europäischen Ausland, wo die meisten Trucker als selbstfahrende Unternehmer arbeiten, sind in Deutschland 80% angestellt.
http://www.sozonline.de/2016/01/fern-jeder-truckerromantik/

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #20 am: 16:20:58 Mo. 15.Februar 2016 »


Ein Lastwagenfahrer begrüßt an der Grenze zwischen Weißrussland und Litauen den Tag mit Gymnastik im Schnee.

Fritz Linow

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #21 am: 09:57:11 Do. 09.Juni 2016 »
Zitat
ver.di kritisiert unwürdige Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern

Berlin, 7. Juni 2016 | Anlässlich von Medienberichten über die unwürdigen Arbeitsbedingungen osteuropäischer Lkw- und Sprinter-Fahrer im Dienste hier ansässiger Unternehmen fordert die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis Politik und Unternehmen zum Handeln auf: „Die Politik des Wegsehens ist unerträglich. Andere EU-Staaten setzen die entsprechenden Vorschriften rigoros um, wonach die tägliche Ruhezeit nur in dafür geeigneten Fahrzeugen und die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit keinesfalls im Fahrzeug verbracht werden darf. In Deutschland aber wird weder kontrolliert noch sanktioniert. Das macht diese unwürdigen Zustände überhaupt erst möglich“, sagte Kocsis. (...)

https://www.verdi.de/themen/nachrichten/++co++1a6bd4ac-2d66-11e6-adfb-5254008a33df

Wenn Kocsis ihr dummes Maul aufmacht, sollte man vorsichtig sein.

Rudolf Rocker

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #22 am: 10:09:25 Do. 09.Juni 2016 »
...vor allem hat ver.di einen nicht unerheblichen Anteil daran, das die Situation so ist, wie sie ist!

Sunlight

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #23 am: 10:39:17 Do. 09.Juni 2016 »
...vor allem hat ver.di einen nicht unerheblichen Anteil daran, das die Situation so ist, wie sie ist!

Möchte vorausschicken, dass ich ver.di absolut nicht mag. Warum die jetzt plötzlich die LKW-Fahrer entdecken,
mag dem zunehmenden, öffentlichen Druck geschuldet sein. Immer wieder Reportagen über die unwürdigen
Verhältnisse in dieser Branche und den Vorwurf in Richtung Ver.di sich nur da zu engagieren, wo Ver.di sich
auch profilieren kann.

Zitat
Anlass der Kritik sind wiederholte Medienberichte, wie zuletzt im WDR-Fernsehen, die die unhaltbaren Arbeits-
und Entlohnungsbedingungen der bei Subunternehmen beschäftigten Fahrer thematisieren.

Bestätigt sich hier an der Stelle öffentlicher Druck.  Denn deutsche LKW-Fahrer sind aufgrund ihres Mißtrauens
gegen Ver.di und ihre Situation nur schwer zu organisieren. Einmal enttäuscht, ist Niemand bereit Ver.di nochmal
eine Chance zu geben.

Als es vor Zeiten darauf an kam die Fahrer bei ihren berechtigten Forderungen zu unterstützen,
hat Ver.di auf der ganzen Linie versagt. Sie haben ihre Unterstützung verweigert und sind nicht bei
den Demos anwesend gewesen!


Zitat
„Die Politik des Wegsehens ist unerträglich. Andere EU-Staaten setzen die entsprechenden Vorschriften rigoros um,
wonach die tägliche Ruhezeit nur in dafür geeigneten Fahrzeugen und die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit keinesfalls i
m Fahrzeug verbracht werden darf. In Deutschland aber wird weder kontrolliert noch sanktioniert. Das macht diese
unwürdigen Zustände überhaupt erst möglich“

Diese Aussagen treffen auf die Branche allgemein zu. Es wird weder auf der Straße, noch in den Speditionen,
ausreichend kontrolliert. Die Folge sind:

Dumping-Löhne,
erbärmliche Arbeitsbedingungen,
rechtswidrige Klauseln in Arbeitverträgen,
Anordnung zur Überladungen,
Verstoß gegen Lenk und Ruhezeiten,
Fahren auf Verschleiß des LKW, bis es nicht mehr geht.

Man kann es in einem Satz zusammenfassen: "Die Transport-Logistik-Branche ist ein rechtsfreier Raum,
wo jeder Unternehmer macht, was ihm beliebt  und Keinen interessiert das"!
»Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!«
»Keiner geht allein zum Amt  §13 SGB X«
»Keine Abgabe von Dokumenten ohne Kopie u. Stempel«
»No Nazi Net - Für soziale Netzwerke ohne Nazis«
»Netz gegen Nazis.de«

»»» Wir sind alle Indymedia - Wir sind alle linksunten «««

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #24 am: 13:42:29 Do. 09.Juni 2016 »
Es hatten sich ja aus der Not, aus dem überdeutlichen Zustand, von niemandem verteten zu werden, Selbstorganisationen der Berufskraftfahrer gebildet. Das erschien eine Zeit lang recht vielversprechend zu sein, als diese Organisationen einander bei Protestaktionen unterstützten. Als sie anfingen miteinander zu konkurrieren und manchmal sogar gegeneinander arbeiteten, war Schluß mit der positiven Dynamik. Mitgliederzahlen und Aktivitäten gingen den Bach runter.

Der Fachjournalist Jan Bergrath (FERNFAHRER Magazin) übernahm an dem Punkt eine unangenehme Rolle. Er knüpfte für die eine Organisation Kontakte zur "Politik". Als ein einfacher Fernfahrer eine Rede im Bundestag halten durfte, fühlten sich alle gebauchpinselt. Ist natürlich auch etwas besonderes, wenn man ohne irgendwelchen politischen Erfahrungen eine solche Möglichkeit erhält. Herr Bergrath erzählt dann, daß sie sich auf dem richtigen Weg befinden. Dabei wird ihnen jetzt nur erzahlt, daß sie abwarten müssen, daß sie sich an die parlamentarischen Regeln halten müssen, daß Mehrheit geschaffen werden müssen und diesen ganzen Scheiß. Man hat die Fahrerorganisation geschickt aufs Abstellgleis manövriert. Die Fahrer haben sich jetzt verheddert im Filz aus SPD und Verdi und glauben auf dem richtigen Weg zu sein und fühlen sich wichtig.

Jetzt sieht verdi auch ihre Stunde gekommen und will in dieser Branche wieder Mitglieder werben.

Und unter Fahrern gilt weiterhin der urdeutsche Glaube, "ohne Gewerkschaft geht es nicht!"
Dabei haben Kanadische Hafentrucker bewiesen, daß man ohne Gewerkschaft und ohne Gesetzestreue, erfolgreich sein kann.
https://www.youtube.com/watch?v=WN0iyByTp9M

Man kann es in einem Satz zusammenfassen: "Die Transport-Logistik-Branche ist ein rechtsfreier Raum,
wo jeder Unternehmer macht, was ihm beliebt  und Keinen interessiert das"!

Sehr treffend beschrieben.
Deshalb ist es so tragisch, daß die Fahrer so einschüchtern lassen von dem herrschenden Streikreicht und undurchschaubaren politischen Regeln,  statt einfach zu sagen: Jetzt reicht es uns. Wir fahren zu diesen Konditionen nicht weiter.

Sunlight

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #25 am: 16:18:35 Do. 09.Juni 2016 »
Es hatten sich ja aus der Not, aus dem überdeutlichen Zustand, von niemandem verteten zu werden, Selbstorganisationen der Berufskraftfahrer gebildet. Das erschien eine Zeit lang recht vielversprechend zu sein, als diese Organisationen einander bei Protestaktionen unterstützten. Als sie anfingen miteinander zu konkurrieren und manchmal sogar gegeneinander arbeiteten, war Schluß mit der positiven Dynamik. Mitgliederzahlen und Aktivitäten gingen den Bach runter.

Ja, eine zeitlang war da Hoffnung. Bis dann nur noch gegeneinander gearbeitet wurde,
aus welchen Gründen auch immer. Es müßig da jetzt noch nachzudenken. Ärgerlich,
ziemlich überflüssig und der wichtigen Sache wenig nützlich!

Zitat
Kuddel
Der Fachjournalist Jan Bergrath (FERNFAHRER Magazin) übernahm an dem Punkt eine unangenehme Rolle. Er knüpfte für die eine Organisation Kontakte zur "Politik". Als ein einfacher Fernfahrer eine Rede im Bundestag halten durfte, fühlten sich alle gebauchpinselt. Ist natürlich auch etwas besonderes, wenn man ohne irgendwelchen politischen Erfahrungen eine solche Möglichkeit erhält. Herr Bergrath erzählt dann, daß sie sich auf dem richtigen Weg befinden. Dabei wird ihnen jetzt nur erzahlt, daß sie abwarten müssen, daß sie sich an die parlamentarischen Regeln halten müssen, daß Mehrheit geschaffen werden müssen und diesen ganzen Scheiß. Man hat die Fahrerorganisation geschickt aufs Abstellgleis manövriert. Die Fahrer haben sich jetzt verheddert im Filz aus SPD und Verdi und glauben auf dem richtigen Weg zu sein und fühlen sich wichtig.

Unproduktiv, weil es nichts gebracht hat. Vertröstung, Hinhalten, richtig erkannt, auf das Abstellgleis geschoben,
vergessen und das Ganze ausgesprochen perfide und geschickt.

Zitat
Kuddel
Jetzt sieht verdi auch ihre Stunde gekommen und will in dieser Branche wieder Mitglieder werben.

Richtige Einschätzung, es werden Kraftfahrerkreise gebildet, schießen hoch und mit Gehirnwäsche versucht
die Fahrer als Mitglieder zu gewinnen. Je intensiver das versucht wird, desto sturer stemmt sich ein Großteil
der Fahrer dagegen aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen. Tja, im Ergebnis, dass sich zur Zeit absolut nichts
bewegt.  kotz

Zitat
Kuddel
Und unter Fahrern gilt weiterhin der urdeutsche Glaube, "ohne Gewerkschaft geht es nicht!"
Dabei haben Kanadische Hafentrucker bewiesen, daß man ohne Gewerkschaft und ohne Gesetzestreue, erfolgreich sein kann.
https://www.youtube.com/watch?v=WN0iyByTp9M

Man kann es in einem Satz zusammenfassen: "Die Transport-Logistik-Branche ist ein rechtsfreier Raum,
wo jeder Unternehmer macht, was ihm beliebt  und Keinen interessiert das"!

Sehr treffend beschrieben.
Deshalb ist es so tragisch, daß die Fahrer so einschüchtern lassen von dem herrschenden Streikreicht und undurchschaubaren politischen Regeln,  statt einfach zu sagen: Jetzt reicht es uns. Wir fahren zu diesen Konditionen nicht weiter.

Die kanadischen Hafentrucker! Danke, für das Video!
Genau das geistert seit Zeiten durch meinen Kopf, Zusammenhalt unter den Fahrern,  die Wirtschaft konsequent lahmlegen.
Zeigen, dass ohne die Fahrer absoluter Stillstand ist und nichts mehr geht. Es reicht schon lange, aber es tut sich nichts.
Denke auch, dass wir einen wirklichen Streik nicht erleben werden, leider. Aber vielleicht irre ich mich und es wird doch
irgendwann der Punkt erreicht, wo Allen der Kragen platzt.

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Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #26 am: 17:22:33 Do. 09.Juni 2016 »
Zitat
Für 800 Euro Monatslohn am Lkw-Steuer

DGB und Betriebsseelsorge sprechen von Ausbeutung ausländischer Fahrer und klären auf A-81-Rastanlage auf.




Sie reden von einem ausbeuterischen Vorgehen deutscher Transportfirmen und wollen in knallgelben Warnwesten auf der A-81-Rastanlage Wunnenstein ein Zeichen setzen. Die DGB-Mitarbeiterinnen Katarina Frankovic und Dr. Dorota Kempter sprechen am Samstag gezielt ost- und südeuropäische Lkw-Fahrer an.

Vor allem diese Fahrer spürten in der Transportbranche einen besonderen Druck.
...
 Als sie erstmals hörte, dass ein Fahrer für 700 Euro plus Spesen hier arbeite, „war ich geschockt“.
...
Dass ausländischen Truckern Lohn abgezogen worden sei, weil die Fahrerkabine nicht sauber war oder sie vom Dienst-Handy eine Privat-E-Mail verschickten, hat Frankovic erfahren. Oft gebe es im Krankheitsfall keine Entgeltzahlung. „Die Menschen nehmen viel auf sich, sind von ihren Familien lange getrennt“, verdeutlicht sie. Deutsche Lkw-Fahrer hätten sich gegen Verschärfungen in der Branche gewehrt. Jetzt würden oft polnische oder rumänische Fahrer zu schlechten Konditionen angeworben.

Ein stämmiger polnischer Brummi-Fahrer bestätigt im Gespräch mit Dorota Kempter den Trend. Er sei für eine Potsdamer Firma gefahren, irgendwann wurde ein Monatsgehalt nicht gezahlt.
...
Fahrer von ausländischen Firmen würden oft ohne Geld lange allein gelassen, müssten im Ausland auf Folgeaufträge warten.

Er kennt einen Fall, dass Brummifahrer tagelang bei Ulm auf einer Raststätte hausten und sogar Hasen im Feld jagten, um sich etwas zu essen zu besorgen. „Das glaubt man fast nicht.“
...
http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/region/Fuer-800-Euro-Monatslohn-am-Lkw-Steuer;art16305,2920394

Sunlight

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #27 am: 17:33:39 Do. 09.Juni 2016 »
 :o  ::) Der Stillstand eigentlich unverzeihlich. Dieser Kilometerfresser gibt schon 2014
die Erbärmlichkeit in dieser Branche mit knallharter Schärfe wieder:

http://www.youtube.com/watch?v=PLglPOPGWdY

Seit 2014 verschärfte sich der Abwärtstrend. Da wurde nichts übertrieben,
nur schonungslos die Situation wiedergegeben.



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dagobert

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #28 am: 23:22:36 Do. 09.Juni 2016 »
Zeigen, dass ohne die Fahrer absoluter Stillstand ist und nichts mehr geht.
Darauf warte ich schon lange ...

Kuddel

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Re:Billigkräfte am Lkw-Steuer
« Antwort #29 am: 12:26:42 Fr. 10.Juni 2016 »
Es ist zum Verzweifeln.
LKW Fahrer machen gern einen auf harten Kerl, treten großkotzig auf, haben eine große Klappe.
Und dahinter? Angsthasen!

Die Argumentation: Ohne Gewerkschaft geht es nicht.
Die Wirklichkeit: Mit dieser Gewerkschaft wird es nie was, denn sie will nicht.

Die größte Angst: So ein Streik wäre verboten.

Lenin sagte: Bevor ein deutscher Revolutionär einen Bahnhof stürmt, löst er eine Bahnsteigkarte.