Autor Thema: Ausbeutung  (Gelesen 4367 mal)

tec-ex

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Ausbeutung
« am: 23:47:03 Mo. 08.Juli 2013 »
Hallo an alle,

Vorsicht sei gewalten bei vielen Callcentern

anti-hartz4

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Re:Ausbeutung
« Antwort #1 am: 23:24:03 Di. 09.Juli 2013 »
Diese Bimmelbuden, hätten an mir sicher keine Freude.
Widerstand dem Kapitalgesindel

vampyrella

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Re:Ausbeutung
« Antwort #2 am: 10:44:22 Do. 11.Juli 2013 »
Kommt immer drauf an. Das man im CC alles Minuten bzw. sekundengenau erfasst sollte einem klar sein, wenn man so eine Stelle antritt.
Was ich immer empfehle ist, die Arbeitsstellen bzw. den Arbeitgeber mal vorher zu googeln um sich Bewertungen von Mitarbeitern durchzulesen.

Oftmals  kann man dann vorher einschätzen, worauf man sich einlässt.
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ManOfConstantSorrow

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Re:Ausbeutung
« Antwort #3 am: 16:08:31 Sa. 16.Januar 2016 »
Angeregt durch die Vielzahl an Beiträgen zum Thema, hab ich mal ein wenig gegoogelt. Es scheint ja weiterhin eine Branche mit wachsender Bedeutung zu sein, in der viel herumexperimentiert wird mit neuen Formen der Ausbeutung. Die Nähe vieler Callcenterbetreiber zur Politik läßt Korruption vermuten. Wenn Politker auf Firmenfeiern auftauchen, ist es schon recht eindeutig.

Die Branche wächst und es werden immer mehr Menschen gesucht, um sie in CC zu verheizen.

Zitat
Callcenter
Ein Jahr Mindestlohn - Branche wächst weiter

 „In dem Bereich gibt es eine sehr hohe Fluktuationsrate, die liegt bei teilweise 20 Prozent“, sagt Branchenexperte Ulrich Beiderwieden von der Gewerkschaft Verdi. Der Job bestehe darin, den ganzen Tag über vor einem Bildschirm zu sitzen, ein Headset aufzuhaben und mit Leuten zu telefonieren, die sich beschweren wollen. „Auch die Krankenquote ist im Callcenter-Bereich überdurchschnittlich hoch“, sagt Beiderwieden.

Auch Aufderhaars Chef Andreas Kremer, der Kikkxl mit heute mehr als 1600 Mitarbeitern im Ruhrgebiet, Osnabrück und Bremen und einem Umsatz von 48 Millionen Euro 1999 gegründet hat, sieht den Stress seiner Mitarbeiter und die hohe Fluktuation. Er verweist darauf, dass die Branche auch Quereinsteigern eine Chance gebe, die woanders keinen Job bekommen würden. Die Branche wachse jedes Jahr um zwei bis drei Prozent - das schaffe Bedarf an Arbeitskräften.
...
Laut Bundesagentur für Arbeit gab es Ende November 2015 mehr als 6000 unbesetzte Stellen in der Call- und Contactcenter-Branche.
http://www.n24.de/n24/Wissen/Job-Karriere/d/7827744/ein-jahr-mindestlohn---branche-waechst-weiter.html

Zitat
Leidensberichte von Call-Center-Mitarbeitern geben tiefe Einblicke in die Welt der Kunden-Hotlines. Die Arbeit in den Call-Centern ändert sich aber

Die Bezahlung ist schlecht, das Ansehen des Berufs noch mieser als das von Immobilienmaklern oder Autoverkäufern, der Stress groß: Viele Call-Center-Mitarbeiter brauchen ein dickes Fell, um nicht an ihrem Job zu verzweifeln. Rund 520.000 Frauen und Männer arbeiten in einem der knapp 7000 Call-Center zwischen Rügen und Traunstein. Durch die Digitalisierung wandeln sich die Anforderungen an die Beschäftigten aber rasant: Einfache Anfragen per Telefon werden zum Auslaufmodell, die Kommunikation per Mail oder Chat nimmt zu - damit könnten sich auch Anforderungen, Ansehen und Bezahlung der Jobs bald ändern.

"Wir brauchen zunehmend andere Qualifikationen", sagt der Präsident des Call Center Verbandes, Manfred Stockmann. In den vergangenen Jahren habe sich die Arbeit im Call-Center stark weiterentwickelt. "Die Telefonie hat andere Anforderungen als die E-Mail-Bearbeitung und bei Chat oder Video-Call kommen weitere Aspekte hinzu." Einen Buchstabendreher im Chat würden Kunden wohl verzeihen - Rechtschreibung und Grammatik müssen aber sitzen, um keine hämischen Kommentare im Internet nach sich zu ziehen. Auch die Art der Ansprache ist im Chat eine andere als in der E-Mail oder im Telefongespräch.

Für die Firmen entsteht daraus nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi ein Dilemma: "Die Unternehmen wissen, dass die Arbeit anspruchsvoller wird, sind aber nicht bereit, Geld in die Hand zu nehmen und den Beschäftigten mehr zu bezahlen", sagt Gewerkschafter Helmut Doser von Verdi Bayern. Das könnte sich aber ändern: Denn viele Firmen tun sich jetzt schon schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden: 10.000 Stellen sind nach Angaben des Call Center Verbandes derzeit offen.

Für viele Jobsuchende in Deutschland ist die Arbeit im Call-Center zum Stundenlohn von 8,50 Euro allerdings nicht attraktiv: Die Arbeitszeiten beginnen zudem oft erst am Nachmittag, da die Kunden am liebsten nach Feierabend bei der Kunden-Hotline anrufen.
http://www.computerwoche.de/a/call-center-erfinden-sich-neu,3215268

Outsourcing, ausgliedern scheint ein Trend zu sein.

Zitat
Telefónica Deutschland will drei Call-Center in Hamburg, Bremen und Nürnberg ausgliedern. Einen entsprechenden Bericht der Rheinischen Post hat ein Unternehmenssprecher inzwischen bestätigt. Damit ist die Zukunft der insgesamt rund 2100 Mitarbeiter ungewiss.

Call-Center-Mitarbeiterin (Bild: Shutterstock).Die 900 Mitarbeiter in Hamburg, die 200 Beschäftigten in Bremen und die 1000 Angestellten in Nürnberg seien kürzlich in internen Versammlungen informiert worden, dass ihre Call-Center in rechtlich eigenständige Firmen umgewandelt werden, schreibt die Rheinische Post.
http://www.zdnet.de/88244840/telefonica-gliedert-deutsche-call-center-aus/

Die Firmen sind nicht nur rechtlich eigenständig, es gilt auch für die Arbeitsbedingungen. Was einmal erkämpft worden ist, gilt plötzlich nicht mehr.

Zitat
Telefónica Deutschland war im vergangenen Jahr mit E-Plus verschmolzen und dadurch zum größten Mobilfunkanbieter in Deutschland aufgerückt. Durch den Zusammenschluss erwartet der Konzern Einsparungen von mehr als fünf Milliarden Euro. Dazu soll auch der Abbau von 1600 Stellen, vor allem in München und Düsseldorf, beitragen. Mit den Arbeitnehmervertretern hatte sich das Unternehmen bereits Anfang des Jahres auf einen Sozialplan für den Stellenabbau bis zum Jahr 2018 geeinigt.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/telefnica-deutschland-o2-prueft-zukunft-seiner-call-center/12226454.html
Der tolle "Betriebsrat" hat also letztendlich mitgeholfen die "Einsparungen" von mehr als fünf Milliarden Euro reibungslos durchzusetzen.

Einerseits gibt es eine Konzentration durch immer größere und mächtigere Konzerne...
Zitat
Call Center-Dienstleister Webhelp übernimmt Callpex und CSM

Mit der Übernahme des türkischen Unternehmens Callpex ist nun der erste außereuropäische Kauf der Webhelp Gruppe erfolgt. Parallel zu dieser Akquisition wurde das Schweizer Unternehmen CSM in die Gruppe integriert. Das Ziel klingt ehrgeizig: Der Dienstleister will Branchenführer in Europa werden.


Laut einer aktuellen Presseinformation wird die Webhelp Gruppe in diesem Jahr einen Umsatz von 725 Millionen Euro in der EMEA-Region erreichen – als nächstes Ziel ist das Durchbrechen der „1 Milliarde Euro-Grenze“ anvisiert. Im türkischen Markt ist Webhelp aktuell – mit einem jährlichen Wachstum von zehn Prozent bereits auf Platz 4 der Branche.

Bereits im Juni 2015 hatte Webhelp seine Position in Mitteleuropa mit der Übernahme von Perry & Knorr sowie walter services International und Online, die in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, Rumänien, Polen und Italien vertreten sind, gestärkt (CallCenterProfi berichtete). Mit dem Kauf von Callpex ist nun auch der Bosporus erreicht und damit das Ziel verwirklicht, sich dauerhaft in der Türkei niederzulassen.

„Mit nur 70.000 Telefonarbeitsplätzen für eine Bevölkerung von 75 Millionen Menschen – im Vergleich zu 350.000 Telefonie-Arbeitsplätzen allein in Frankreich – hat das Kundenkontaktmanagement großes Potenzial im türkischen Markt, untermauert durch dessen dynamisches wirtschaftliches und demografisches Wachstum“, so Frederic Jousset, Gründer und Vorsitzender der Webhelp Gruppe. Abgesehen davon lässt die Übernahme von Callpex den Umsatz bei Webhelp um 20 Millionen Euro steigen und bringt neue Großkunden wie etwa Pegasus Airlines, Avea/Turkcell, TTNet, Garanti Bank oder Borusa. Außerdem wird durch die Übernahme für Webhelp erstmals die Akquise außerhalb Europas möglich. Das war laut Oliver Duha, Gründer und stellvertretender Vorsitzender der Gruppe, auch eines der Ziele: „Mit Callplex folgt Webhelp seiner Expansionsstrategie, die auf die Top 5 der jeweiligen Länder abzielt. Dabei bauen wir auf das erfolgreiche Zusammenspiel des lokalen Managements mit der Webhelp Gruppe, unter anderem als starkem Kapitalgeber, um damit vollen unternehmerischen Elan zu entfachen.“
http://www.callcenterprofi.de/branchennews/detailseite/call-center-dienstleister-webhelp-uebernimmt-callplex-und-csm-20154967/

...gleichzeig gibt es die Tendenz die Belegschaften immer weiter zu splitten. Die absolute Vereinzelung ergibt sich aus dem Trend der Callcenterarbeit in Heimarbeit.

Zitat
Wandel in Callcenter-Branche
Kummerkasten jetzt in Heimarbeit


Schon länger lassen manche Betreiber der Telefonzentralen ausschließlich Selbständige für sich von zu Hause aus arbeiten. Jetzt geht es bei dem zweitgrößten Anbieter auf dem deutschen Markt, Walter Services, erstmals um festangestellte Arbeitnehmer: Gut 8000 Mitarbeiter bundesweit beschäftigt das Unternehmen in Ettlingen in Baden-Württemberg. 50 von ihnen können nun zu Hause ihre Telefonarbeit erledigen, in zwei Jahren sollen es bereits 500 sein. "Wir bringen die Arbeit zum Menschen, nicht den Menschen zur Arbeit", sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Klaus Gumpp.

Natürlich geht es auch um Geld. Selbst wenn die Homeoffice-Mitarbeiter von Walter regelmäßig für einen Tag ins Callcenter zur Schulung sollen, kann das Unternehmen Miet- und Bürokosten sparen. Der Weg ins billigere Ausland, von Ausnahmen wie Istanbul oder Mallorca abgesehen, ist für Betreiber hierzulande meist keine Alternative: Wer in Großbritannien eine Servicenummer wählt, wird nicht selten in ein Callcenter ans andere Ende der Welt durchgestellt, etwa nach Indien, wo Mitarbeiter noch weniger Geld kosten. In Deutschland wissen die Callcenter-Betreiber, dass es nicht so gutgeheißen wird, wenn ein Mensch am anderen Ende der Leitung womöglich gebrochen Deutsch spricht.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wandel-in-callcenter-branche-kummerkasten-jetzt-in-heimarbeit-1.1637444

Miet- und Bürokosten werden also gespart. Absolute Vereinzelung. Und das Stichwort "Selbstständigkeit" in dem Bereich war mir auch neu. Damit kann ja wunderbar der Mindestlohn unterschritten werden.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Fritz Linow

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Re:Ausbeutung
« Antwort #4 am: 13:19:53 Di. 05.April 2016 »
Zitat
Organizing im Callcenter
Niedriglohn, Willkür und direkte Aktion
Mark Richter im Gespräch mit Gewerkschaftern*
Wie lassen sich Beschäftigte in Callcentern organisieren? Darüber sprach Mark Richter aus Frankfurt am Main mit Nico Hagenberg und Max Neekamp von der Rostocker Ortsgruppe der weltweiten Basisgewerkschaft «Industrial Workers of the World» (IWW). In dem Callcenter, um das es hier geht, arbeiten über tausend Menschen, und es gibt Pläne, Beschäftigte in der gesamten Branche zu organisieren................
http://www.sozonline.de/2016/04/organizing-im-callcenter/

Fritz Linow

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Re:Ausbeutung
« Antwort #5 am: 14:46:57 So. 05.Februar 2017 »
Zitat
2.2.17
Arbeiten in der Großraumhölle
Die Callcenterbranche wächst und mit ihr die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Die Löhne sind mies, Überwachung, Lärm und Stress gibt es kostenlos dazu.
http://www.zeit.de/karriere/2017-01/callcenter-mitarbeiter-arbeitsbedingungen-lohn

Kuddel

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Re: Ausbeutung
« Antwort #6 am: 18:38:01 So. 19.Mai 2019 »
Zitat
Callcenter: Jeder Zweite arbeitet für Niedriglohn

Vollzeit schuften, aber weniger als 2139 Euro brutto verdienen: In der Callcenter-Branche trifft das auf etwa 70.000 Beschäftigte zu. Die Linke fordert ein Umsteuern.


Mehr als jeder zweite Beschäftigte in der Callcenter-Branche arbeitet zu Niedriglöhnen. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums eine Frage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Demnach bekamen Mitte vergangenen Jahres 53,5 Prozent der Arbeitnehmer mit Vollzeitjob in Callcentern weniger als 2139 Euro brutto im Monat. Sie lagen damit unterhalb der Niedriglohn-Schwelle von zwei Dritteln des mittleren Entgelts. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Callcenter-Beschäftigten gestiegen – von 90 456 Mitte 2010 auf 134 249 Ende Juni vergangenen Jahres.
https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/politik/2574244-callcenter-jeder-zweite-arbeitet-fuer-niedriglohn

counselor

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Re: Ausbeutung
« Antwort #7 am: 20:48:05 So. 19.Mai 2019 »
Da stellt sich die Frage, wo beginnt der Niedriglohn. €2139,00 brutto entspricht etwa €1487,00 netto. Das würde ich nicht als Niedriglohn ansehen, sondern eher als normalen Lohn für einen Alleinstehenden. So verdient ein ausgelernter Mechatroniker zB zwischen €2000,00 - 3000,00 brutto. In meinem Beruf (nichtstudierter Netzwerkadministrator/MCSE/MCDBA) liegt das Einstiegsgehalt bei €2500,00 brutto.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Ausbeutung
« Antwort #8 am: 21:30:01 So. 19.Mai 2019 »
Ich ahnte diese Reaktion.
Wir haben uns derart daran gewöhnt mit einem absoluten Minimum klarzukommen, daß wir bereits 1500€ Netto für einen erstrebenswerten Lohn halten.
Man hat uns beigebracht mit den Krumen, die vom Tisch fallen, zufrieden zu sein.

counselor

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Re: Ausbeutung
« Antwort #9 am: 21:57:01 So. 19.Mai 2019 »
Ich sagte nicht, dass ich mit dem Sinken der Reallöhne zufrieden bin. Ganz und gar nicht. Ich bin für Lohnerhöhungen und für das Ende der Ausbeutung.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!