Autor Thema: Überwachungsstaat  (Gelesen 126394 mal)

Bug

  • Gast
Überwachungsstaat
« am: 16:42:36 Mi. 14.Januar 2004 »
Ich finde es erstaunlich in wieweit heutzutage sich ein 1984-Horror-Überwachungsszenario entwickelt und das von Computerfreaks und Linken gleichermaßen ignoriert wird.

Das ist eine allgemeine Fesstellung, reicht jedoch in den Bereich Arbeit und Ausbeutung auch hinein und ist somit bei CHEFDUZEN nicht unbedingt off-topic.

Bei Vorstellungen und Einstellungen werden Dinge gefragt, die einen Betrieb nichts angehen. Ein Gentest zur Bewerbung ist nur noch eine Frage der Zeit.

Bei Kaufhäusern werden mit Hilfe der Kundenkarten Unmengen persönlicher Daten gesammelt mit denen man sich auch Persönlichkeitsbilder der Konsumenten bildet.

Es gibt unlängst einen unkrollierbaren Datenklau und -Austausch zwischen Öffentlichen Einrichtungen und der Privatwirtschaft, weniger durch Hacker, sondern eher durch Mitarbeiter, die sich dorch illegal kopierte Daten "etwas dazuverdienen".

Es muß hier grundsätzlich kritisiert werden, daß viele Linke weitere Staatliche Kontrolle über das Internet befürworten. Auch wenn man absolut nichts für Nazis und Kinderficker im Netz über hat sollte man sich im klaren darüber sein, daß jedes Überwachungs und Kontrollinstrument des Staates auch für völlig andere Interessen genutzt wird.

Das aktuellste Beispiel ist eine Software mit dem die Behörden den e-Bay-Handel überwachen um Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern illegale Einkünfte nachzuweisen.

  • Gast
Überwachungsstaat
« Antwort #1 am: 20:55:39 Do. 15.Januar 2004 »
Dagegen gibt es nur ein Mittel. Total ignorieren und die Herrschaften so gut es geht verwirren. Dann gehts denen wie den Stasideppen in der DDR. Das ganze Überwachungszeug ist nur Müll. Z.B kann man seinen Namen jedesmal etwas anders schreiben, seine Hausnummer jedesmal etwas variieren bei der Ausbildung, beim Job und beim Einkommen lügen, dass sich die Balken biegen. Natürlich jedsmal anders. Ich habe mir auch schon mal überlegt ein Kind einfach zu erfinden. Vermutlich funktioniert das sogar.

Horst-Karl-Egon der III

  • Gast
Überwachungsstaat
« Antwort #2 am: 09:49:46 Sa. 07.Februar 2004 »
...wenn Arbeitslose nebenher unangemeldet was dazuverdienen ist das Sozialbetrug.

Also muss dagegen vorgegangen werden.

DeppVomDienst

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 396
Überwachungsstaat
« Antwort #3 am: 13:14:16 Sa. 07.Februar 2004 »
@Horst Grössenwahn: Ok, die entsprechende Liste von Leuten, wo es sich lohnt (nix tun und ungerechtfertigt Geld scheffeln) findest Du hier!

Ansonsten empfehle ich zur politischen und ethischen Bildung, mal ein paar Tage auf Talkshows und Privatfernsehen zu verzichten.

milo

  • Gast
Überwachungsstaat
« Antwort #4 am: 14:37:03 Sa. 07.Februar 2004 »
Hallo DvD ! :)

warst du schneller als ich ;)

Meine Empfehlung war eher:
erstmal selber arbeitslos werden (die "Chancen" dazu stehen höher denn je ...), dann mitreden dürfen ...

Was anderes wirkt bei "gewissen Mitmenschen" einfach nicht.

Allerdings gehören sie auch zu den ersten, die laut losplärren, wenn es ans Eingemachte = ihr Vermögen geht und deshalb kein ALG, keine ALHi genehmigt wird.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12273
  • Fischkopp
Überwachungsstaat
« Antwort #5 am: 19:02:36 Sa. 13.März 2004 »
Moin,
ich hatte schon seit über ner Woche vor hier zu antworten. Zu Deppenhorst braucht man nix mehr zu sagen.

Aber vielleicht zum Gast. Ich finde es schon OK wenn man sich nicht gleich von jeder staatlichen Drohung einschüchtern läßt und sich auch über Tricks austauscht um die neuesten Maßnahmen zu umgehen.

Vor zwanzig Jahren waren Zehntausende Aktiv gegen die Volkszählung und die staatliche Datensammelwut. Heute hat sich das Gruselpotential vervielfacht und ich sehe keinen Widerstand gegen diese Entwicklung. Es ist schon bezeichnend, daß in der Beziehung die FDP und das Bundesverassungsgericht fortschrittlicher sind als die deutsche Linke:

Zitat
Großer Lauschangriff in weiten Teilen verfassungswidrig

Der Große Lauschangriff verletzt in seiner geltenden Form die Menschenwürde und ist deshalb in erheblichen Teilen verfassungswidrig.


Karlsruhe - Nach dem Urteil des Ersten Senats darf die Wohnraumüberwachung nur angeordnet werden, wenn es um schwere Straftaten geht, für die eine Höchststrafe von mehr als fünf Jahren droht. Bislang kann der Lauschangriff bei Straftaten mit geringerer Strafandrohung angeordnet werden.

Weiter ist laut dem Urteil die Überwachung sofort abzubrechen, wenn in der Wohnung Gespräche mit engen Angehörigen geführt werden und es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Angehörigen Tatbeteiligte sind. Auch bei Gesprächen mit Ärzten, Pfarrern oder Strafverteidigern muss das Mithören eingestellt werden, wenn diese nicht tatverdächtig sind, befanden die Richter.
 
Der Erste Senat begründet die engen Voraussetzungen damit, dass der Schutz der Privatwohnung in engem Bezug zur Menschenwürde steht. Nur solche Überwachungsmaßnahmen seien zulässig, die die Menschenwürde wahrten. In diesen Kernbereich dürfe die Wohnraumüberwachung nicht eingreifen. Zwar greife nicht jede akustische Überwachung von Wohnungen in die Menschenwürde ein. Eine gesetzliche Ermächtigung müsse aber Sicherungen enthalten. Das Risiko, dass die Unantastbarkeit der Menschenwürde verletzt werde, müsse ausgeschlossen werden.
 
Zwei Verfassungsrichterinnen sahen in der Relativierung der Unverletzlichkeit der Wohnung einen Verstoß gegen die Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes. Danach ist die Unantastbarkeit der Menschenwürde als unabänderlich garantiert.

Aktenzeichen Bundesverfassungsgericht 1 BvR 1084/99


Wir haben derweil die unglaubliche Datensammelwut in der Privatwirtschaft. Handyüberwachung, DNA-Analyse, Biometrische Datenerfassung, Videoüberwachung des öffentlichen Raumes und unkontrollierbare Geheimdienste.

Wenn wir uns für morgen noch eine kritische und Oppositionelle Politik engegen den herrschenden Verhältnissen erhoffen, sollten wir heute uns der oben genannten Themen wieder annehmen.

Meinungsfreiheit und Freiheit des Wortes werden zunehmend eine Frage des Geldes. Ein Forum wie Chefduzen droht ja auch zur Farce zu werden, wenn jeder hier genannte Betrieb Löschung kritischer Berichte und Kommentare erwirken kann...

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12273
  • Fischkopp
Überwachungsstaat
« Antwort #6 am: 01:35:13 Di. 30.März 2004 »
In unseren Medien beschrieb man die DDR stets als Diktatur wg. der STASI-Bespitzelung.

Polizei und Geheimdienste haben bei uns inzwischen technische Möglichkeiten von denen die STASI nichteinmal träumen konnte.

Aber neben der Behördlichen Überwachung gibt es bei uns auch noch eine privatwirtschaftliche...

Folgende Eigenwerbung habe ich aus der Website einer Detektei herauskopiert:

Zitat
Ihre Privatdetektei und Wirtschaftsdetektei
Informationen zur Mitarbeiterüberwachung


Wir überprüfen im Rahmen professioneller, Technik unterstützter Observationen und Ermittlungen bei der Mitarbeiterüberwachung Ihre Mitarbeiter (z.B. Kundendienst, Servicekräfte, Referenten) oder auch sonstige Personen, bei denen Sie den Verdacht haben, dass es Ungereimtheiten gibt und eine Mitarbeiterüberwachung durch eine Detektei angebracht ist.

    * Mitarbeiterüberwachung bei Krankenheit
    * Überwachung bei Verdacht von Unterschlagung bzw. Diebstahl
    * Überwachung von z.B. Kundendienst, Servicekräften und Referenten
    * Individuelle Mitarbeiterüberwachung
    * und vieles mehr...

Die Dokumentation und Darstellung von Abläufen und der Nachweis hierüber reicht aus, um diese Mitarbeiter und Personen durch die Mitarbeiterüberwachung der Detektei bei Manipulationen Ihrer Protokolle oder Berichte gegebenenfalls sogar des Betruges zu überführen, den entsprechenden Mitarbeiter zu kündigen und den entstandenen Schaden inklusive der Detektivkosten für die Mitarbeiterüberwachung zurück zu fordern.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12273
  • Fischkopp
Überwachungsstaat
« Antwort #7 am: 17:50:36 Di. 06.April 2004 »
Einen hab ich noch:
Zitat
Original von rf-news.de

03.04.04
Videoüberwachung auf der Toilette
DaimlerChrysler ließ die Beschäftigten im französischen Smart-Werk in Hambach mit Video-Kameras auf der Toilette überwachen. Die Empörung ist groß: "Die hängen uns hier versteckte Kameras auf die Toiletten und spionieren uns heimlich aus, aber keiner wird zur Verantwortung gezogen. Das kann doch nicht sein", so ein Vertreter der Gewerkschaft CGT.  

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12273
  • Fischkopp
Überwachungsstaat
« Antwort #8 am: 17:26:12 Fr. 23.April 2004 »
George Orwell war nicht paranoid genug, um sich auszumalen was die heutige Wirklichkeit hervorbringt: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/sa/17266/1.html

nashorn

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 16
Überwachungsstaat
« Antwort #9 am: 20:50:07 Fr. 23.April 2004 »
Dazu fällt mir ein SiFi-Thriller ein, den ich vor längerer Zeit gesehen habe.

Die beiden Helden haben sich die Köpfe in Alu-Folien gewickelt, weil sie herausgefunden haben, dass man auf diese Weise der Gedankenkontrolle entgehen und nicht mehr geortet werden kann.

Ich kann mich leider nicht mehr an den Titel erinnern, aber es war sehr eindrucksvoll

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6535
Überwachungsstaat
« Antwort #10 am: 10:44:03 Mi. 12.Mai 2004 »
aus kn-online:

Hamburg geht gegen Missbrauch von Sozialhilfe vor - Datenabgleich

Hamburg (dpa/lno) - Die Hamburger Sozialbehörde geht nach einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" (Mittwochausgabe) gegen Sozialhilfeempfänger vor, die staatliche Zuwendungen zu Unrecht kassieren. Zurzeit werden die Daten von 120 000 Hilfeempfängern auf Zinseinkünfte aus Sparguthaben oder anderen Geldanlagen überprüft. Die Ergebnisse des Datenabgleichs mit dem Bundesamt für Finanzen werden zum Jahresende erwartet.

dpa/regioline vom 11.05.2004
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6535
Überwachungsstaat
« Antwort #11 am: 17:53:58 Mo. 12.Juli 2004 »
In der Öffentlichkeit wird der Überwachungstaat weiterhin als Mittel im "Kampf gegen den Terror" verkauft, wobei es nur um schnödesten Erhalt politischer und ökonomischer Interessen geht. Und fast jeder ist betroffen, sicherlich nicht nur irgendwelche "Fanatiker".

Mehr hier:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/17841/1.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6535
Überwachungsstaat
« Antwort #12 am: 16:42:39 So. 15.August 2004 »
Firma bespitzelt Arbeiter durch Detektive

Nach Informationen der Gewerkschaft ver.di hat die Duisburger Fruchtunion verdeckt arbeitende Detektive unter die Belegschaft eingeschleust, um herauszufinden, ob die 220 Beschäftigten während der Arbeit rauchen, trinken oder die  Muslime außerhalb der Pausen beten. Die Detektive arbeiten auch als Provokateure, in dem sie zum Beispiel zusammenstehen und rauchen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Pinnswin

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4126
  • Einsam ist es hier, und traurig. S.Lukianenkow
Überwachungsstaat
« Antwort #13 am: 08:10:26 Mo. 16.August 2004 »
Der Gläserne Kunde,
liebe Lebensmittelverkäuferinnen und Verkäufer,
REAL hat die erste voll automatische Kundekasse eingeführt, der/die Kassierer/in wird überflüssig und gleichzeitig ist besser ersichtlich, was der liebe Kunde denn nun konszumiert, von seinen paar Kröten

Gruß Beli
 :lol:  Willkommen im vollautomatischen Leben.

P.S.: @nashorn+b.Bürger: Erstickt man nicht, wenn man sich Alufoliie um den Kopp wickeln tut :?:
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6535
Überwachungsstaat
« Antwort #14 am: 13:18:02 Mi. 18.August 2004 »
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!