Autor Thema: Kultur  (Gelesen 7556 mal)

Kuddel

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Kultur
« am: 15:48:01 Di. 31.Dezember 2013 »
Ich beschäftige mich seit Ewigkeiten mit "Kultur" und halte sie für einen nicht unwichtigen Teil des Lebens. Sie ist ein Ausdruck der Innenwelten, der Träume und Sehnsüchte. Ich habe Veranstaltungen organisiert in Besetzten Häusern, in Autonomen Zentren und kommerziellen Läden. Aber jenseits von Musik, Filmen, Bildern etc.  ist die Alltagskultu, wie man sich bewegt, spricht, ißt ("You know that what you eat you are" - The Beatles), Sex hat, wohnt usw. wohl viel bedeutender und ehrlicher...

Das sagt alles viel über Menschen und die Gesellschaft. Und es ist ein guter Ansatz nicht nur die Gesellschaft (herrschende Kultur) zu betrachten, sondern auch die "Rebellen" und Gegenkulturen.

Das kam an anderer Stelle schon zur Sprache:
Zitat
Andersherum, die Revoluzzer sind oft auch nur kleinbürgerliche Spießer, sie wollen mit aller Macht anders sein und merken nicht wie spießig sie dabei sind/werden.

Also Teilweise hat das schon was Sektenhaftes!
Als gäbe es nicht schon genug Probleme auf der Welt muss man sich mit so einem Müll auch noch rumschlagen.
Das "Problem" ist ja, das wir in der Linken (Szene, Bewegung, was auch immer) immer besonders Tolerant gegenüber allen Meinungen sein wollen. Das gilt dann logischerweise auch für abstruse, theoretische Gehirnphantasien psychisch kranker Menschen.
Das führt dann häufig dazu das ein Plenum, eine Aktion, ein Projekt plötzlich im absoluten "Offtopic" landet.
Plötzlich ist die Frage: "Wie können wir den Flüchtlingen am besten helfen?" völlig unrelevant und es wird zwei Stunden darüber disskutiert, warum es sexistisch ist, wenn im Camp Männer bei 30°  mit nacktem Oberkörper rumlaufen.
Anstatt solchen Leuten in die Fresse zu hauen den Wind aus den Segeln zu nehmen, steigen alle in das Diskussionsboot mit ein und befeuern damit die Auseinandersetzung!

Das Thema "Millitanz" eignet sich auch sehr gut für so eine Spaltung. Schon seid 30 oder 40 Jahren.
Oder redet noch jemand über die Lampedusa- Fluchtlinge, über die Esso- Häuser oder über die Rote Flora?
Nö, alles dreht sich nur noch um die Demo und ob es gut oder schlecht war sich gegen einen Bullenangriff zu verteidigen.

Ach, ich hatte oben übrigens Veganer erwähnt!
Bevor es zu berechtigter Kritik kommt, das ich hier alle über einen Kamm scheren würde:
Ich meine damit die dogmatischen Veganer, die aus ihrem Veganismus eine Ersatzreligion gemacht haben und mit ihrer Intoleranz gegenüber Andersdenkenden eigentlich auf der Naziseite besser aufgehoben wären!

Hier kann die Diskussion fortgesetzt werden...

Rudolf Rocker

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Re:Kultur
« Antwort #1 am: 14:46:37 Mi. 01.Januar 2014 »
Danke, das Du das Thema mal angesprochen hast, Kuddel!
Das angesprochene Problem hat dazu geführt, das viele Leute (einschließlich meiner Wenigkeit) keinen Bock mehr darauf haben irgendwas zu machen.

Damit mich niemand falsch versteht:
Ich habe nichts gegen Diskussionen, gern auch kontrovers oder über abstruse Dinge.
Nächtelang philosophieren über den Lauf der Welt und was wäre wenn oder wenn nicht!
Natürlich ist es wichtig über Sexismus, Antisemitismus, Veganismus oder sonstwas zu diskutieren aber die Frage ist doch wie und mit welcher Priorität.
Ich will damit sagen: Es gibt in der deutschen Linken Gruppen, die mache sich Gedanken über Themen die ca. 99,9% der Weltbevölkerung komplett am Arsch vorbeigehen (Beispiel: Gendern mit I oder mit * oder mit_?) und erheben das dann zur Doktrin.
Oder eine Debatte über Veganismus vom Zaun zu brechen wärend man versucht eine Demo gegen Nazis vorzubereiten.

Das größte Problem ist ja, das man mit diesen Leuten genauso wenig reden kann wie z.B. mit den Zeugen Jehovas. Die sind von ihrer Meinung 100% überzeugt und jeder der ihnen widerspricht wird als Gegner angesehen und mit irgendwelchen Schwachsinnsargumenten in Grund und Boden geredet.

Ich denke dieses Verhalten hat dazu geführt, das die linke (insbesondere die linksradikale) Bewegung so unglaublich uninteressant für junge und neue Leute geworden ist.
Es gibt aber auch immer mehr Leute die darauf keinen Bock mehr haben und ich denke hier könnte man ansetzen.

Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #2 am: 16:23:45 Mi. 01.Januar 2014 »
Zitat
...das viele Leute (einschließlich meiner Wenigkeit) keinen Bock mehr darauf haben irgendwas zu machen.
Anspruch und Wirklichkeit einer Subkultur.
...man kann sich auch engagieren ohne sich an eine zweifelhafte Szene zu hängen.

Tiefrot

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Re:Kultur
« Antwort #3 am: 17:38:14 Mi. 01.Januar 2014 »
Das wäre natürlich auch 'ne Möglichkeit.
Allerdings läuft man doch ziemlich Gefahr, in eigenen Saft zu schmoren.  ::)
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Eivisskat

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Re:Kultur
« Antwort #4 am: 19:27:46 Mi. 01.Januar 2014 »
Zitat
Es gibt aber auch immer mehr Leute die darauf keinen Bock mehr haben


Parallelwelten existieren überall!

Bestes Beispiel erst neulich im Herbst `13 erlebt hier in der kleinen Ortsgruppe der Linken (Partei):

Um uns herum bricht hier zwar gerade die ganze Welt zusammen, man denke nur an die Wahl in D., die NSA-Geschichte, die EU-Krise, immer schlimmere Dinge mit H4, weltweite Umweltskandale, etc., etc ....ganz egal wo mensch in seiner Umgebung hinguckt, überall brennt´s lichterloh

und dort beim Treffen hingegen wird von den "Genossen"^^  der Wunsch geäußert:

"Lasst uns doch mal über Venezuela reden"

 ::)



Habe ich noch Lust dorthin zu gehen? Nein!

Ganz besonders nicht, weil dort immer noch in blödester Altherren- und Stammtischmanier - wie vor 30 Jahren - hinter großen Biertöpfen (immer wieder ausgewechselt natürlich...) stundenlang über die banalsten Dinge/Details gelabert wird, meist NUR um sich gegenseitig in der Redekunst zu übertrumpfen (wer hat den Längsten...) und OHNE jegliche Rücksicht auf alles was außerhalb des eigenen kleinen Horizonts liegt. Filmreif!

Mich wundert nur, dass die sich über ihren fehlenden Nachwuchs wundern...




Zitat
Pale Blue Dot: Raumschiff Erde - Ein Staubkorn im Universum

Rudolf Rocker

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Re:Kultur
« Antwort #5 am: 22:41:05 Mi. 01.Januar 2014 »
Wo wir grade von Subkultur sprachen: ;D ;D


Tiefrot

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Re:Kultur
« Antwort #6 am: 02:42:11 Do. 02.Januar 2014 »
Jaaaaa, das Ding ist herrlich !  ;D  ;D  ;D
Erinnert mich an die momentane Erscheinung von Links unten.
Da gehts im Augenblick auch so zu.  ::)
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Rudolf Rocker

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Re:Kultur
« Antwort #7 am: 08:57:18 Do. 02.Januar 2014 »
Ja, linksunten startete mal als ziemlich gute Ergänzung zu indymedia.
Das hat sich aber leider seid geraumer Zeit wieder erledigt! :-[

Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #8 am: 12:41:23 Sa. 07.März 2015 »
Zitat
Das Kultur-Business

Kunstwerke, Bücher und andere Artefakte zählen normalerweise zu den Werten, die es um jeden Preis zu fördern und zu verteidigen gilt. Entsprechend verehrt werden Verleger, Mäzene und Kunstsammler, die sich mit viel Idealismus, Verve - und nicht zuletzt mit ihrem eigenen Geld - für die schönen Künste in die Bresche werfen.


Doch ihr Einsatz ist manchmal nicht ganz so uneigennützig, wie es scheint. Oft genug wird das gutwillige Publikum an der Nase herumgeführt, unterscheiden sich die Umtriebe der Kultureliten nur wenig von Mauscheleien und Vetternwirtschaft, wie sie aus der restlichen Unternehmens- und Finanzwelt vertraut sind. Zieht man den Heiligenschein erst einmal zur Seite, lassen sich hier ganz ähnliche Geschichten erzählen, von Eitelkeit und Vorteilsnahme auf der einen, Opportunismus, Karrierismus und Speichelleckertum auf der anderen. Wie immer geht es ums Kapital, sei es nun sozialer oder rein pekuniärer Natur.
http://www.deutschlandfunk.de/maezene-das-kultur-business.1247.de.html?dram:article_id=309814

Es lohnt sich die 50 min Zeit zu nehmen, um sich den Glauben an das Schöne und Hehre der Kunst nehmen zu lassen
 

Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #9 am: 19:18:25 Sa. 03.Dezember 2016 »
Nochmal zum Thema "Subkultur".
Es hat in vielerlei Beziehung etwas gesundes, wenn man sich abgrenzen kann gegen den Lebensstil der Eltern oder den gesellschaftlichen Mainstream. Und wenn es ein paar Erkennungsmerkmale gibt, an denen man Gleichgesinnte findet.

Es war wirklich einfach, als man sich nur die Haare länger wachsen lassen mußte und damit zeigen konnte, daß man nicht auf Arbeit, Karriere und materiellen Scheiß steht, sondern auf die schönen Dinge des Lebens, auf Sex, Drogen und gute Musik.

Die Mächtigen und die Verblödeten vertraten geifernd ein freudloses Leben der Anpassung an Tradition und Obrigkeit.

Heute funktioniert es nicht mehr so. Da nehmen CDU Poltiker mehr Drogen als irgendwelche durchgeknallten Freaks und in der FDP geht es intern oftmals mehr um guten Sex, als um politische Inhalte.

So sieht heute ein prominenter Sozialdemokrat aus:



Der Zausel ist Chefredakteur der BILD:



Und so stylt sich heute ein reaktionärer Schreiberling der Zeit:




Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #10 am: 11:43:39 Mi. 21.Dezember 2016 »
Ich krieg das Kotzen...
Pegida für die Großraumdisco, AfD fürs Stadion:

Zitat
Olympiahalle
Böhse Onkelz auf Feldzug gegen das Establishment

Nach einer fast zehnjährigen Pause sind sie mit ihrem neuen Nummer-eins-Album "Memento" wieder auf Tour.


Wie ein Kirmesboxer stolziert er über die Bühne: Kevin Russel spannt den Bizeps an, stößt einen Kampfschrei aus und blickt mit aufgerissenen Augen herausfordernd in die Menge. Der selbstbetitelte "Stachel im Arsch der Nation" ist zurück - oder wie Ben Becker es im Sommer 2015 als Anheizer für 100 000 Fans auf dem Hockenheimring nahe am Sonnenstich formulierte: "Sie steigen hinab zu uns wie die Engel."

Die Böhsen Onkelz, eine der umstrittensten deutschen Rockbands, sind nach fast zehnjähriger Pause mit ihrem neuen Nummer-eins-Album "Memento" wieder auf ihrem Feldzug gegen das Establishment. Der erste von zwei Auftritten in der Olympiahalle am Montagabend zeigt, wie eine postfaktische deutsche Gegenkultur 2016 tickt - ein Einblick in die Filterblase der Anderen. Eine verkürzte Textexegese der Onkelz-Hits aus 30 Jahren Band-Geschichte läse sich wie folgt: Das Leben ist hart; man wird belogen und betrogen; der Staat, die Kirche, die Medien verarschen die Normalen, die Aufrechten; aber Errettung ist möglich: Freundschaft und Nation geben Halt.

In ihrer altbekannten Wir-Gegen-Die-Rhetorik bleiben sie schwammig und spalten die Gesellschaft in In-, und Exkludierte - eine Strategie, mit der auch andere heimattreue Gruppen wie Freiwild derzeit ein Massenpublikum um sich scharen.

Die Band, die Mitte der Achtziger- und zu Beginn der Neunzigerjahre wegen fremdenfeindlicher Texte ("Türken raus") der rechten Szene zugeordnet wurde, beteuert seit einigen Jahren stets, sich davon distanziert zu haben.

...wenn er in der Zugabe wie früher einfach mit den Kameraden "Mexico" - ein Lied von 1985, aus der Zeit vor der Läuterung, von dem sich die Böhsen Onkelz wohl noch nicht distanziert haben - gröhlen darf: "Siegesgewiss fahr'n wir nach Mexiko, Um uns're Elf zu seh'n, Im Siegesrausch, voller Alkohol, Lassen wir die Fahnen weh'n."
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/olympiahalle-boehse-onkelz-auf-feldzug-gegen-das-establishment-1.3303262

Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #11 am: 19:23:17 So. 04.Juni 2017 »
Ich bin extrem empfänglich für alle möglichen kulturellen Ausdrucksformen, insbesondere die, die man mal als Gegen- oder Subkultur bezeichnet hat.
Es hatte eine durchaus sinnvolle Funktion, daß man Musik und ein paar Äußerlichkeiten hatte, mit denen man sich von der breiten Masse abheben konnte. Die Spießer fanden einen scheiße und man hatte einen Rückzugsort, an dem man sich wohler fühlen konnte als in der Scheißwelt da draußen.

Aber es ist längst nicht mehr so, daß diese kulturellen Ausdrucksformen uns gehören. Die Unterhaltungsindustrie schickt seine Talentscouts aus und nimmt auch extremes unter Vertrag.

Es war an der Optik eines Printmediums sofort zu erkennen, ob es ein Undergroundmagazin oder ein reaktionäres Drecksblatt war. Logisch. Ich beobachte nun aber fassungslos, daß die (Online- und Print-)Magazine sich radikal umorientieren und sich talentierte Grafiker, Fotographen und Layouter besorgen und sich in einer Optik präsentieren, wie es einst nur in der Subkultur zu finden war. Man leiht sich sogar die Ideen aus linksradikaler Ecke. Die Oberfäche wird immer subkultureller mit subversiven Einschlag und der Inhalt wird immer hohler und immer reaktionärer.

Mir geht es nah. Ich kann es nicht einfach achselzuckend hinnehmen, auch wenn mir nichts anderes übrigbleibt.
Es fehlt der Rückzugsraum, in den man sich flüchten kann vor dieser Scheißgesellschaft.
Der letzte Winkel der Gesellschaft ist neoliberal umgekrempelt, verseucht, versaut.

Rudolf Rocker

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Re:Kultur
« Antwort #12 am: 20:10:48 So. 04.Juni 2017 »
Naja, Subkultur findet ja nicht im luftleeren Raum statt, sondern unterliegt den gleichen gesellschaftlichen Veränderungen, wie alles andere auch.
Elvis und die Beatles waren auch mal Subkultur und das was vor 20 Jahren Subkultur war interessiert heute zum Teil keine Sau mehr. Andere Subkulturen werden imitiert und ja, einige auch assimiliert.
Die Diskussion über die Kommerzialisierung von Subkulturen gab es auch schon zu Ton, Steine, Scherben- Zeiten!

Kuddel

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Erzreaktionäre Scheiße rockt!
« Antwort #13 am: 21:27:18 Mo. 05.Juni 2017 »


CSU Söder auf der Bühne von Rock im Park.



BGS

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Re:Kultur
« Antwort #14 am: 05:32:57 Di. 06.Juni 2017 »
Peinlich.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)