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Kultur

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Kuddel:
Ich beschäftige mich seit Ewigkeiten mit "Kultur" und halte sie für einen nicht unwichtigen Teil des Lebens. Sie ist ein Ausdruck der Innenwelten, der Träume und Sehnsüchte. Ich habe Veranstaltungen organisiert in Besetzten Häusern, in Autonomen Zentren und kommerziellen Läden. Aber jenseits von Musik, Filmen, Bildern etc.  ist die Alltagskultu, wie man sich bewegt, spricht, ißt ("You know that what you eat you are" - The Beatles), Sex hat, wohnt usw. wohl viel bedeutender und ehrlicher...

Das sagt alles viel über Menschen und die Gesellschaft. Und es ist ein guter Ansatz nicht nur die Gesellschaft (herrschende Kultur) zu betrachten, sondern auch die "Rebellen" und Gegenkulturen.

Das kam an anderer Stelle schon zur Sprache:

--- Zitat von: Rudolf Rocker am 11:55:21 Di. 31.Dezember 2013 ---
--- Zitat ---Andersherum, die Revoluzzer sind oft auch nur kleinbürgerliche Spießer, sie wollen mit aller Macht anders sein und merken nicht wie spießig sie dabei sind/werden.

--- Ende Zitat ---

Also Teilweise hat das schon was Sektenhaftes!
Als gäbe es nicht schon genug Probleme auf der Welt muss man sich mit so einem Müll auch noch rumschlagen.
Das "Problem" ist ja, das wir in der Linken (Szene, Bewegung, was auch immer) immer besonders Tolerant gegenüber allen Meinungen sein wollen. Das gilt dann logischerweise auch für abstruse, theoretische Gehirnphantasien psychisch kranker Menschen.
Das führt dann häufig dazu das ein Plenum, eine Aktion, ein Projekt plötzlich im absoluten "Offtopic" landet.
Plötzlich ist die Frage: "Wie können wir den Flüchtlingen am besten helfen?" völlig unrelevant und es wird zwei Stunden darüber disskutiert, warum es sexistisch ist, wenn im Camp Männer bei 30°  mit nacktem Oberkörper rumlaufen.
Anstatt solchen Leuten in die Fresse zu hauen den Wind aus den Segeln zu nehmen, steigen alle in das Diskussionsboot mit ein und befeuern damit die Auseinandersetzung!

Das Thema "Millitanz" eignet sich auch sehr gut für so eine Spaltung. Schon seid 30 oder 40 Jahren.
Oder redet noch jemand über die Lampedusa- Fluchtlinge, über die Esso- Häuser oder über die Rote Flora?
Nö, alles dreht sich nur noch um die Demo und ob es gut oder schlecht war sich gegen einen Bullenangriff zu verteidigen.

Ach, ich hatte oben übrigens Veganer erwähnt!
Bevor es zu berechtigter Kritik kommt, das ich hier alle über einen Kamm scheren würde:
Ich meine damit die dogmatischen Veganer, die aus ihrem Veganismus eine Ersatzreligion gemacht haben und mit ihrer Intoleranz gegenüber Andersdenkenden eigentlich auf der Naziseite besser aufgehoben wären!
--- Ende Zitat ---

Hier kann die Diskussion fortgesetzt werden...

Rudolf Rocker:
Danke, das Du das Thema mal angesprochen hast, Kuddel!
Das angesprochene Problem hat dazu geführt, das viele Leute (einschließlich meiner Wenigkeit) keinen Bock mehr darauf haben irgendwas zu machen.

Damit mich niemand falsch versteht:
Ich habe nichts gegen Diskussionen, gern auch kontrovers oder über abstruse Dinge.
Nächtelang philosophieren über den Lauf der Welt und was wäre wenn oder wenn nicht!
Natürlich ist es wichtig über Sexismus, Antisemitismus, Veganismus oder sonstwas zu diskutieren aber die Frage ist doch wie und mit welcher Priorität.
Ich will damit sagen: Es gibt in der deutschen Linken Gruppen, die mache sich Gedanken über Themen die ca. 99,9% der Weltbevölkerung komplett am Arsch vorbeigehen (Beispiel: Gendern mit I oder mit * oder mit_?) und erheben das dann zur Doktrin.
Oder eine Debatte über Veganismus vom Zaun zu brechen wärend man versucht eine Demo gegen Nazis vorzubereiten.

Das größte Problem ist ja, das man mit diesen Leuten genauso wenig reden kann wie z.B. mit den Zeugen Jehovas. Die sind von ihrer Meinung 100% überzeugt und jeder der ihnen widerspricht wird als Gegner angesehen und mit irgendwelchen Schwachsinnsargumenten in Grund und Boden geredet.

Ich denke dieses Verhalten hat dazu geführt, das die linke (insbesondere die linksradikale) Bewegung so unglaublich uninteressant für junge und neue Leute geworden ist.
Es gibt aber auch immer mehr Leute die darauf keinen Bock mehr haben und ich denke hier könnte man ansetzen.

Kuddel:

--- Zitat ---...das viele Leute (einschließlich meiner Wenigkeit) keinen Bock mehr darauf haben irgendwas zu machen.
--- Ende Zitat ---
Anspruch und Wirklichkeit einer Subkultur.
...man kann sich auch engagieren ohne sich an eine zweifelhafte Szene zu hängen.

Tiefrot:
Das wäre natürlich auch 'ne Möglichkeit.
Allerdings läuft man doch ziemlich Gefahr, in eigenen Saft zu schmoren.  ::)

Eivisskat:

--- Zitat ---Es gibt aber auch immer mehr Leute die darauf keinen Bock mehr haben
--- Ende Zitat ---


Parallelwelten existieren überall!

Bestes Beispiel erst neulich im Herbst `13 erlebt hier in der kleinen Ortsgruppe der Linken (Partei):

Um uns herum bricht hier zwar gerade die ganze Welt zusammen, man denke nur an die Wahl in D., die NSA-Geschichte, die EU-Krise, immer schlimmere Dinge mit H4, weltweite Umweltskandale, etc., etc ....ganz egal wo mensch in seiner Umgebung hinguckt, überall brennt´s lichterloh

und dort beim Treffen hingegen wird von den "Genossen"^^  der Wunsch geäußert:

"Lasst uns doch mal über Venezuela reden"

 ::)



Habe ich noch Lust dorthin zu gehen? Nein!

Ganz besonders nicht, weil dort immer noch in blödester Altherren- und Stammtischmanier - wie vor 30 Jahren - hinter großen Biertöpfen (immer wieder ausgewechselt natürlich...) stundenlang über die banalsten Dinge/Details gelabert wird, meist NUR um sich gegenseitig in der Redekunst zu übertrumpfen (wer hat den Längsten...) und OHNE jegliche Rücksicht auf alles was außerhalb des eigenen kleinen Horizonts liegt. Filmreif!

Mich wundert nur, dass die sich über ihren fehlenden Nachwuchs wundern...





--- Zitat ---Pale Blue Dot: Raumschiff Erde - Ein Staubkorn im Universum
--- Ende Zitat ---

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