Autor Thema: Kultur  (Gelesen 7557 mal)

Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #15 am: 10:08:28 Di. 20.Juni 2017 »

Kuddel

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Re:Kultur
« Antwort #16 am: 12:12:46 Di. 22.Mai 2018 »
Der Weg einer Gegenkultur in einer neoliberalen Welt:

Zitat
Neben dem W.O.A. organisieren die beiden Ober-Freaks mittlerweile eine ganze Reihe von Events: unter anderem die Full Metal Cruise, bei der 2000 Metal-Fans auf Kreuzfahrt gehen, die Skireise-Konzert-Kombi Full Metal Mountain in den Kärntner Alpen, die Hamburg Metal Dayz und das Werner-Rennen des Comic-Zeichners Brösel. Außerdem betreiben sie eine Stiftung, ein Platten-Label, einen Musikverlag, einen Radio- sowie einen Internet-TV-Sender – alles Ideen, die die beiden charismatischen Gründer mit dem Tempo ultraschneller Hardcore-Riffs in die Welt schießen.



Und genau da liegt das Problem. Denn ihr Unternehmensgeflecht ist mittlerweile derart ausgewuchert, dass weder die Strukturen noch die Mitarbeiter mitkommen. Aktuell hecken Jensen/Hübner einen Studiengang Heavy Metal aus („Wir sind da schon ziemlich weit“), in Planung ist zudem irgendwas Professionelles mit Festivals und Nachhaltigkeit, und neuerdings gehört ihnen auch noch der Landgasthof, der jetzt inoffiziell Zum Wackinger heißt und von ihnen wieder in Schwung gebracht werden soll.
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-thema/consulting-2018/wacken-open-air-ig-metal

Troll

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Re:Kultur
« Antwort #17 am: 15:22:26 Di. 22.Mai 2018 »
So sieht eine Gegenkultur aus?
Ich finde es sieht genauso schlecht aus wie die Mainstreamkultur, oder reicht es schon die Fahrstuhlmusik in Konsumtempeln zu ändern um ein Gegen-plingpling zu inszenieren, scheiße in neuer Geschmacksrichtung oder was?
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counselor

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Re:Kultur
« Antwort #18 am: 15:35:47 Di. 22.Mai 2018 »
So sieht eine Gegenkultur aus?
Ich halte das nicht für Gegenkultur.
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Re:Kultur
« Antwort #19 am: 15:50:04 Di. 22.Mai 2018 »
Vielen reicht der Begriff "gegen" um dafür zu sein.
Muß man eigentlich Gebühren bezahlen wenn man versucht selbst zu denken?
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BGS

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Re:Kultur
« Antwort #20 am: 18:05:14 Di. 22.Mai 2018 »
So sieht eine Gegenkultur aus?
Ich halte das nicht für Gegenkultur.

Ich auch nicht.

Gegenkultur sind hier z.B. Konzerte in der Wildnis oder an ungewöhnlichen Orten, von denen nicht jeder Hans und Frans weiss.

MfG

BGS
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Re:Kultur
« Antwort #21 am: 19:29:46 Di. 22.Mai 2018 »
Am Anfang war WOA eine Art Gegenkultur, jetzt ist es Mainstream, ich glaube vielen anfänglichen Gegenkulturströmungen ging es schon ähnlich, selbst Techno war mal eine Gegenkultur.
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Nao

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Re:Kultur
« Antwort #22 am: 10:23:00 Do. 24.Mai 2018 »
Mainstreamkultur

Treffend kritische Bemerkungungen zum Vorzeigekünstler Chinas:

Zitat
Ai Weiwei fühlt sich in Berlin nicht mehr geschätzt

Der erste große Irrtum ist wohl die hierzulande noch vor einiger Zeit nahezu flächendeckend verbreitete Meinung, Ai sei ein großer Künstler, eventuell sogar, so der Stern, der „wichtigste der Welt“. Dagegen haben Leute, die etwas davon verstehen – sagen wir mal, der international renommierte Kritiker und Kurator Hou Hanru –, schon länger betont: „Als Künstler ist er völlig uninteressant.“ Der globale Erfolg Ais verdankt sich – neben westlichen Galeristen, die ihn massiv gefördert und eingekauft haben – hauptsächlich den westlichen Medien. Die haben ihn gemacht. Sie interessierten sich besonders für den Mann, weil er nach einem zwölfjährigen USA-Aufenthalt nicht nur präzise wusste, welche Kunst im Westen ankommt, sondern auch Englisch spricht und man anders als mit den meisten chinesischen Künstlern ähnlichen Formats direkt mit ihm kommunizieren kann.

Das zweite große Missverständnis lautet: Ai Weiwei ist ein großer politischer Denker. Tatsächlich hegt er eher schlichte politische Vorstellungen, die sich zumeist darauf beschränken, dass der Staat ein Feind der Kreativität und Freiheit sei, und deshalb zu bekämpfen. Damit kommt er besonders gut bei Leuten an, die ähnlichen neoliberalen Thesen anhängen. Dass beispielsweise der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie und zwischenzeitliche AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel im April 2011 vor der Berliner Akademie der Künste Flugblätter verteilte, auf denen Freiheit für den damals inhaftierten Ai gefordert wurde, passt sehr gut ins Bild.

Das größte Missverständnis aber ist, dass Ai ein echter Dissident sei, womöglich sogar „Chinas Staatsfeind Nr. 1“ (Bild). Zunächst einmal: Ai ist einer, den man in China einen „Princeling“ nennt. Sein Vater, Ai Qing, Dichter und hochrangiger Kulturfunktionär, verbrachte die Kriegszeit an der Seite Maos in den Höhlen von Yan’an. Zwar fiel er – wie sehr viele Funktionäre der KP – zwischenzeitlich in Ungnade und musste einen Teil seines Lebens in der Verbannung verbringen, wurde jedoch sofort nach der Kulturrevolution voll rehabilitiert und zum Vizepräsidenten des Schriftstellerverbands ernannt. Aufgrund der Stellung seines Vaters durfte sich Ai Weiwei in puncto abweichender Meinungsäußerung immer deutlich mehr erlauben als andere; der Name des Vaters dürfte Ai auch bei den diversen Bauprojekten, in die er involviert war und die von der Partei unterstützt wurden, genutzt haben.

Als Ai sich dann im Sommer 2015 in Berlin niederließ, schien sich die Traumbeziehung zwischen dem „Märtyrer-Künstler“ (Die Zeit) und Deutschland zunächst fortzusetzen.

Als er schließlich auch noch ein Selfie mit der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel voll in Ordnung fand, hatte er den Kredit verspielt.
Auszüge aus: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/fuer-immer-pappkopie

Onkel Tom

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Re:Kultur
« Antwort #23 am: 07:16:37 Fr. 25.Mai 2018 »
Nicht verzagen.. Subkultur im größeren Rahmen gibt es noch, ist jedoch für
dieses Jahr leider schon ausverkauft.. Erlöse gehen unter anderem auch
an Projekte wie Demonstrationen (Lautsprecher-LKW mieten u.s.w.) links-
orientierter Art..

http://www.fusion-festival.de/de/2018/home/

 ;)
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Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #24 am: 18:39:11 Fr. 03.Mai 2019 »
In den Bereich "Kultur" laß ich mal ein paar Worte zu RAMMSTEIN fallen.
Gleich vorab: Ich bin kein Rammstein Fan.
Es sind professionelle Musiker, aber es gibt hunderte Bands, die ähnlich gut spielen und einige davon dürften musikalisch interessanter sein.
RAMMSTEIN hat das Grundkonzept ihres Auftretens von LAIBACH geklaut. Auch sie spielten geistreich mit faschistischer Symbolik. Schon lange davor. Das Plagiat wurde dann 100x erfolgreicher als das Original. LAIBACH hätte mehr Erfolg und Respekt verdient.
Rammstein waren ursprünglich ostdeutsche Theaterleute. Das merkt man.
Ich muß aber zugeben, als Gesamtkunstwerk taugen sie was. Sie sind schon irgendwo zurecht weltweit der deutsche Kulturexport Nr.1. Ich hab sie mehrfach live gesehen. In Skandinavien war es unglaublich, daß scheinbar das gesamte Publikum, das sonst kein Deutsch sprach, jedes Wort aus voller Kehle mitgröhlte.
Das Spiel mit Symbolen, mit Tabus und Provokationen und mit den Medien beherrschen sie wie niemand sonst. Was sie machen, ist wirklich geistreiche Popkultur. Daß sich Sachen mit Grips auch gut verkaufen, ist nicht unbedingt die Regel.

Ihr neues Video DEUTSCHLAND dürfte inzwischen wohl jeder kennen. Die Diskussion darüber auch.

Jetzt haben sie ihre zweite Single von dem Album released und das Video dazu auf eine Hauswand in Berlin Mitte projiziert. "RADIO"

Auch dafür meinen Respekt.

counselor

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Re: Kultur
« Antwort #25 am: 20:42:40 Fr. 03.Mai 2019 »
Laibach war eine tolle Band. Erinnert mich an schöne Abende im LAKRITZ, einem damals selbstverwalteten Nachtclub in Nürnberg.
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Troll

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Re: Kultur
« Antwort #26 am: 12:22:47 Sa. 04.Mai 2019 »
Mir gefällt Rammstein, Fan in meinem Sinn ja, nach offizieller Fan-Definition NEIN!

Zitat
„We are as much fascists as Hitler was a painter.“

„Wir sind so sehr Faschisten, wie Hitler ein Maler war.“

Laibach (auf die direkte Frage, ob sie Faschisten seien)

Aus dem Laibach-Wiki

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BGS

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Re: Kultur
« Antwort #27 am: 13:43:06 Sa. 04.Mai 2019 »
Mir gefällt LAIBACH. In der Kunsthalle Kiel waren mal etliche Exponate von ihnen, Danke fuer die Infos.

MfG

BGS
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Re: Kultur
« Antwort #28 am: 12:49:28 Do. 13.Juni 2019 »
Kurz nochmal ein paar Gedanken zu Subkultur, Gegenkultur und Szenen.
Gerade der Faschismus versuchte die Gleichförmigkeit und Uniformierung zu erzwingen.
Da war die Swing-Jugend eine oppositionelle Jugendkultur verbunden durch Musik, Tanzstil und Haltung.
Noch älter ist die Kultur der Tätowierten. Damit erklärten sich zumeist Seeleute und Knackies zu Outsidern, die sich nicht den Regeln der bürgerlichen Gesellschaft unterwerfen.

Heute ist es genau umgekehrt. Man muß sich ehemals subkultureller Symbole bedienen, wenn man es im neoliberalen Kapitalismus zu etwas bringen will. Dreitagebart, Jeans, Band-T-Shirt-, Dutt, Afrolook sind heute nahezu pflicht, wenn man Zutritt in die "Gründer"- und "Start-up"-Szene will.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie findet: Gut für dich. Gut für Deutschland.
https://www.existenzgruender.de/DE/GO/inhalt.html
Den Menschen mit starkem Magen empfehle ich das hippe Video auf der Existenzgründerseite, in dem man sieht, wie Kapitalisten und Sklaven heuzutage auszusehen haben.

Ach, was waren das noch Zeiten, in denen Jeans, lange Haare und Rockmusik noch Protest gegen das System bedeuteten. Oder gar ein Tattoo oder ein Ohrring bei einem Mann.

Wenn ich heute jemanden sehe mit mächtigem Vollbart, mit extrem erweitertem Ohrloch und Tattoos bis über die Ohren, dann denke ich nur: Was für ein angepaßtes Arschloch!

Troll

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Re: Kultur
« Antwort #29 am: 13:59:38 Do. 13.Juni 2019 »
"Die Unglaublichen" (der Animationsfilm) Helden müßen untertauchen und sich vor der Öffentlichkeit verstecken, den Sohn des Heldenpärchens nervt es das er sich im Sport zurückhalten muß und redet mit seiner Heldenmutter, sie meint im Gespräch "jeder ist etwas besonderes" worauf der Sohnemann richtig bemerkt daß es dann ja normal ist besonders zu sein.
In dem Sinn, das ehemals besondere wird Normalität, Mode ist immer ein temporärer Zustand und damit eben nichts besonderes, Vollbärte, Piercings, Tatoos sind aktuelle Mode und schon langweilig, ermüdend.
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