Autor Thema: Kultur  (Gelesen 8092 mal)

Fritz Linow

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Re: Kultur
« Antwort #30 am: 14:30:59 Do. 13.Juni 2019 »
Das Video ist schon schlimm, aber dieser Satz irgendwie auch:
Zitat
Ach, was waren das noch Zeiten, in denen Jeans, lange Haare und Rockmusik noch Protest gegen das System bedeuteten.

Das ist mir zu viel Verklärung. Und gibt es überhaupt eine Sub- oder Gegenkultur, die nicht sofort aufgesogen und zur Verwertung freigegeben wird und damit automatisch ihren Protestcharakter verliert?

Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #31 am: 15:15:53 Do. 13.Juni 2019 »
Klar, da gab es den Super-8 Film "Rollo Aller", eine Persiflage auf das Gefühl mit Rockmusik die Welt zu verändern.
"Raus aus der Gesellschaft - Rein in den Rock!" https://www.mopo.de/metropolis-rollo-aller----der-abend-19747000

Natürlich konnte jeder Vollhonk sich die Haare wachsen lassen und Hippieklamotten überwerfen. Trotzdem funktionierte es, daß die vom Faschismus und dessen Ausläufern geprägte Elterngeneration sich dadurch provoziert fühlte und einem den Weg ins Arbeitslager wünschte. In dieser Beziehung funktionierte die Gegenkultur eine ganze Weile.

Die Symbolik dieser Maskerade richtete sich immerhin gegen Militarismus (Männer mit Mädchenfrisuren), gegen Arbeit und Konkurrenzkampf. Es ging eher um die schönen Dinge des Lebens.

Es funktionierte dann noch ein weiteres Mal, als die Punx aufkamen und die Vorgängergeneration aufmischte. "Never trust a hippie!" Sid Vicious mit Hakenkreuz T-Shirt. Als die Linken langsam den Punk für sich entdeckten und vereinnahmten, war es allmählich vorbei mit der subversiven Sprengkraft dieser Kultur. Heute ist es nur noch ein trauriges Abbild einer Kultur, die schon lange vorbei ist.

Es gab nochmal ein kurzes Aufflammen einer Gegenkultur, die auch nur so lange funktionierte, wie man ihre Logik nicht verstand. Die Rave Bewegung im Rahmen elektronischer Musik veweigerte sich irgendwelcher politischer Inhalte, doch in UK wurden leerstehende Fabrikhallen besetzt, um mit Tausenden zusammen zu feiern. Dann verschwand man wieder. Man schiß auf alles, Arbeit, Karriere, ging nur noch ab auf Feiern, Sex, Drogen, verneinte die ganze verkackte Welt inklusive der albernen Versuche, sie mit Protesten zu verändern. Man hat für einen Moment diese Welt außer Kraft gesetzt. Thatcher wollte mit polizeistaatlichen Mitteln diese Kultur beenden und versuchte es mit einem Verbot der "repetitative beats". In Deutschland forderte die Junge Union Techno zu verbieten. Ich hatte in der Zeit eine Menge Spaß, aber es hielt nicht lange an. Die beschissene Love Parade von Dr.Motte mit "Friede, Freude, Eierkuchen" sagte bereits alles. Neue Modelabel und grinsende Extacy Verstrahltheit. Leckt's mich, das war ein verdammt kurzes Vergnügen.

Die Halbwertszeit der subversiven Elemente wurde kürzer und kürzer.
Ich sehe inzwischen nicht mal mehr einen kleinsten Augenblick, in der diese Form kultureller Subversion eine Chance hat. Ich sehe sie nur noch als Bestandteil der herrschenden Kultur mit dem Ziel der Beschleunigung der Verwertungsprozesse.

Ich habe auch keinerlei Hoffnung, daß es mit einer neuen Subkultur anders kommen kann. Das Thema ist durch.

Troll

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Re: Kultur
« Antwort #32 am: 09:20:27 Fr. 14.Juni 2019 »
Mich nervt es wenn eine Massenbewegung zur Individualität erklärt wird, und als negativer Nebeneffekt Intoleranz in der angeblich immer toleranteren Gesellschaft aufblüht wie selten zuvor.
Wenn Filme, Bands u.ä. quasi schon als "Kult" geboren werden dann war mein bisheriges Verständnis dafür grundfalsch, der "Kult" entwickelt sich nicht mehr sondern wird von PR-Agenturen erfunden, da hab ich keinen Bock drauf.
Es erscheint mir alles so eklig Uniform.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Onkel Tom

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Re: Kultur
« Antwort #33 am: 09:37:22 Fr. 14.Juni 2019 »
...

Ich sehe inzwischen nicht mal mehr einen kleinsten Augenblick, in der diese Form kultureller Subversion eine Chance hat. Ich sehe sie nur noch als Bestandteil der herrschenden Kultur mit dem Ziel der Beschleunigung der Verwertungsprozesse.

Ich habe auch keinerlei Hoffnung, daß es mit einer neuen Subkultur anders kommen kann. Das Thema ist durch.

Das sehe ich weniger so.. Klar, selbstorganisierte Feste kosten auch ihr Geld und muss über die Festgäste
irgendwie wieder "eingesammelt" werden.
Das Bedürfnis, sich über Kultur von der großen Masse der sogenannten "Mitschwimmer" gesellschaftlicher
Erwartungshaltung zu distanzieren, sehe ich immer noch. Nicht am Outfit, jedoch an dem Interesse an
Veranstaltungen teil zu haben, die es vorübergehend ermöglichen, vom Alltag des Lebens abschalten zu
können..

Derzeit sieht es etwas mau aus, doch wenn sich Möglichkeiten ergeben, von der "dumpfen Gesellschaft"
Abstand zu nehmen, werden diese Möglichkeiten m.E. gern aufgesucht. In Hamburg wird dies jedes Jahr zum
Hafengeburtstag immer wieder und vermehrt von Jahr zu Jahr sichtbar..

Geht man am Rödingsmarkt los, sieht man bis zur NDR-Bühne Gäste, die allein "Party und Schiffe kosumieren"
wollen.. Geht mann weiter zur Rolly Rogers Bühne, ändern sich die Getränkepreise nicht, jedoch ist der Anspruch
der Besucher_innen etwas anders.. Die Atmosphäre geht anbei mehr in Richtung "Alternative und / oder Kritik
gegenwärtiger gesellschaftlicher Verhältnisse"..

Doch damit nicht genug.. Richtung Balduintreppe ändern sich die Getränkepreise und Verkaufsstände, die ihre
Beteiligung mit einer solidarischen Verknüpfung anbieten, werden mehr.. Nun geht es nicht mehr nur darum
"ordendlich Kasse zu machen", sondern auch Knete zu machen, für irgendwelche Kosten, die durch Protest,
Repressionen entstehen, ab zu mildern oder decken zu können.

Sprich an den der Hafenstraße angebundenen Ständen ist jeder dort erworbene Getränkeschluck mit einem
unbekannten Anteil Soliknete gegen gegenwärtiger Verhältnisse verbunden. Und ja, gerade da wird es schnell
sehr eng vor lauter Menschenmassen.. (Nicht allein deswegen, weil dort das Bier 1,50 statt 2-3 Eur kostet).

Was mich dieses Jahr besonders beeindruckte, das die Polizei glaubte, das sie anbei an der Balduintreppe
auf "Racial-Caching" gehen könnten und auf Kleindealer hofften.. Plötzlich wurden Jäger zu gejagten.
Es waren keine Afrikaner, die die Polizei die Balduintreppe hinab jagten.. Die Cops haben sich anbei voll auf
die Fresse gelegt und nix wie weg. Es waren hellhäutige, die Solidarität ausübten.

Ich betrachte es so, wie "Jägerzaun Pro und Contra Generationen". Die Eltern finden Jägerzaun ganz schick.
Deren Kinder reißen den Jägerzaun gern wieder ab und deren Kinder wollen den Jägerzaun wieder haben.

Derzeit glaube ich, das die jetztige Jägerzaun-Liebhaber-Generation in den nächsten Jahren wieder durch
Jägerzaungegner-Generation abgelöst wird.

Das rot zitierte könnte diesen Wandel fördern.  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #34 am: 20:24:00 Fr. 26.Juli 2019 »
Die WACKEN Kultur...

Zitat
Auf dem Wacken Open Air gibt es erstmals einen richtigen Supermarkt. Dahinter steht die Kette Kaufland. Die 450 Artikel sind extra auf die Festivalbesucher abgestimmt.
https://www.shz.de/24861412

Troll

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Re: Kultur
« Antwort #35 am: 20:33:25 Fr. 26.Juli 2019 »
Wacken die Supermarktkultur, cool!
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Jiddu Krishnamurti

Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #36 am: 15:32:15 Mi. 28.August 2019 »
Mir ist mal wieder nach einem Rundumschlag zumute.
Möchte mich über Mode auskotzen.

Die Mode ist einfach nur Retro.
Man zitiert vergangene Zeiten und meint es oft irgendwie ganz anders, ironisch gebrochen, was weiß ich.
Erst fand man die 70er so tierisch lustig. Knallbunte Hemden mit riesigen Kragen. Schlaghosen.
Ich hab die 70er als Teenager erlebt. Ich fand die 70er keineswegs lustig, sondern nur scheiße.
Der 70er Retrohype gipfelt im Schlagermove, organisiert von der BILD Zeitung, wo hundertausende Hirnamputierte mit bunten Hemden und Kleidern, komischen Brillen und lustigen Perücken zu Drecksmusik durch Hamburg tanzen.

Als dann Bärte wieder aufkamen, freute ich mich zuerst und dachte, nun würden sich Leute an die Zeiten erinnern, in denen man die Nächte durch rauchend über den Zustand der Welt und Möglichkeiten anderer Gesellschaftsformen diskutierte.
Aber so war es wohl nicht gemeint. Es soll nur so aussehen. Das ist auch einer Zeitjournalistin aufgefallen und von ihr recht lustig beschrieben:

"VW-Bus, Birkenstocks und Bärte: Plötzlich sehen alle aus wie meine Eltern."
https://www.zeit.de/2019/35/oekologischer-lebensstil-solidaritaet-hippie-zugehoerigkeit-mainstream

In der Werbung ist ja aus dem Silicon Valley der Afrolook hier rübergeschwappt. Erinnert an die Black Panthers und Angela Davis. Ist aber nicht so gemeint. Nur zitiert und ironisch gebrochen. Haha. Damals ging es um den bewaffneten Kampf gegen das schweinische, kapitalistische US-System. Heute kriecht man diesem System mit Vollgas in den Arsch. Mit Afrolook.

Dann wurde man ganz ironisch gebrochen und zitierend spießig. Pullis mit V-Ausschnitt, die Farben wurden immer beiger, die Röcke immer länger und die Mädels machten sich nen Dutt. Diese Vollhonks machen sich nicht lustig über Spießigkeit, sie sind durch und durch spießig.

Ist aber steigerbar. Mit Fußballern und Hipstern wurden mit dem Undercut übertriebene Nazifrisuren wieder modern. Hauptsache schön gescheitelt. Trachtenmode nicht zu vergessen. Röcke und Kleider sind in gedeckten Farben schon längst knielang, mindestens. Damit könnte man auch für ein Kraft durch Freude oder Mutterkreuzplakat posieren.

Ihr Fashion Victims, ihr seid weder cool noch witzig, sondern nur dumm und scheiße!

Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #37 am: 13:55:41 Mo. 20.April 2020 »
Keine Fotomontage:



Hans-Jörn Arp, CDU-Abgeordneter aus Wacken, trägt zu Beginn der Sondersitzung des Landtags eine Schutzmaske mit dem Logo des Wacken-Festivals.

Satan rules!

Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #38 am: 09:54:16 Sa. 17.Oktober 2020 »
Ein schönes Beispiel aus der ZEIT:

Zitat
Gleichberechtigung
Ja, wir wollen!



Frauen wollen arbeiten, führen, Karriere machen. Sie wollen entscheiden und Verantwortung tragen.
https://www.zeit.de/arbeit/2020-10/gleichberechtigung-frauenquote-jutta-allmendinger-karriere-gesetz

Man benutzt eine linke oder subkulturelle Bildsprache, um reaktionäre oder neoliberale Inhalte zu transportieren.

Die Forderungen übersetzt: Ja, wir wollen uns ausbeuten lassen, wir wollen Hierarchie und Konkurrenzkampf!

BGS

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Re: Kultur
« Antwort #39 am: 13:48:19 Sa. 17.Oktober 2020 »
Grotesk das alles. Und doch gibt es m. E. hier und da zum Glück noch echte Subkultur. Die geht nicht in die Öffentlichkeit.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

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Re: Kultur
« Antwort #40 am: 13:14:51 Mo. 01.Februar 2021 »
Ein schöner Artikel aus dem Neuen Deutschland:

Zitat
Das Ende des Hipstertums
Schluss, aus und vorbei: Die »Zeit« beerdigt die Hipster, die Städte sind durchgentrifiziert


Die Wochenzeitung »Zeit« heilt alle Wunden. In der aktuellen Ausgabe erklärt Ijoma Mangold die Hipster für überholt. Jene Subkultur der Jungerwachsenen, die die westlichen Metropolen durchgentrifizieren, verteuern und vereinheitlichen in Richtung eines ziemlich austauschbaren sogenannten guten Geschmacks mit altertümlichen Bärten (Männer), alten Sonnenbrillen (Frauen), alten Frisuren (Männer und Frauen), viel Körperpflege und »Emo-Talk«, wie Mangold das nennt. Sie waren es, die die Biomärkte als Supermärkte durchsetzten, wie auch das Fixie-Fahrrad, das Craft Beer und die Rückkehr des Filterkaffees - in teuer. Auf Geld kam es ihnen nicht an, sie hatten genug, von Haus aus, und hielten deshalb ein WG-Zimmer für 500 Euro in Berlin-Neukölln für einen fairen Deal. Das kostete ja nur soviel wie ein Kulturwissenschaftsstudium im Monat auf einer der halbprivaten Berliner Hochschulen. Kein Ding, denn die Hipster fanden alles irgendwie ironisch und lustig.

Sie waren ein neuer Typus, rebellische Verbraucher, die sich in der Masse nonkonformistisch fühlen möchten. »Der Hipster ist eine Person, die Konsumentscheidungen - das richtige T-Shirt, die richtige Jeans, das richtige Essen - als eine Kunstform versteht. Er bewegt sich dabei zwar innerhalb der Grenzen des Massenkommerzes, sucht aber dennoch nach Distinktion und Exklusivität«, schrieb der US-Kulturtheoretiker Marc Greif im Jahre 2012. Und über ihr Gerede machten sich die Goldenen Zitronen schon vor 25 Jahren in dem Lied »0:30, gleiches Ambiente« lustig: »Was machst du so? / Ich bin in der Werbung. / Oh wow, das ist stark. / Ja, ich mag Menschen. / Ich auch, ich liebe Menschen (…) Hast du den neuen Quentin Tarantino schon gesehen? / Ja, ich mag Filme. / Ernsthaft? Ich auch, ich leihe mir oft Filme aus. / Wow, ich auch«.

Kann sein, dass die Hipster weg vom Fenster sind, wenn die Männer sich nun in ihren überteuerten Eigentumswohnungen ihre langen Bärte wieder abnehmen und die Frauen ihre Retro-Sonnenbrillen. Für Mangold wird es jetzt wieder inhaltlich: »Nach hip kam ›woke‹ - das erhöhte Bewusstsein für patriarchale Strukturen und weiße Privilegien«. Das gefällt ihm nicht besonders, zu politisch irgendwie, denn wer »woke« ist, lebe nicht ironisch, wirft er ein, »sondern im Ernstfall (der Klimakatastrophe) und ist auch sonst nie im Zweifel darüber, was gut und was böse, was links und was rechts ist.« Politische Entschiedenheit ist für Mangold entschieden übertrieben, ist die Welt denn etwa nicht mehr lustig? Bestimmt mag er auch Menschen und den neuen Quentin Tarantino.

Was er nicht schreibt: Früher war Hipster noch kein Schimpfwort. Da gab es den Hipster, aber nicht die Hipster. Das war eine coole Ausnahmefigur, keine uncoole Konsumentenbewegung. Entstanden in der Jazz-Szene der USA, im Bebop der 40er Jahre. Typ stylisher Durchblicker und magischer Realist. Hipstertum war auch eine Form der künstlerischen, proletarischen und schwarzen Selbstermächtigung. Also durchaus »woke«.

Vom Hipster wurde angenommen, dass er stets mehr als man selbst wusste. Kann man sich vorstellen, das es hip sein könnte, sich die »Zeit« zu kaufen, das Blatt der meist etwas betulich-akademischen Verwandtschaft, oft Lehrkräfte? Vielleicht, wenn man in die fünfte oder sechste Klasse geht und mit dieser dicken Zeitung durch die Gegend läuft. Bis irgendjemand sagt: »Oh wow, das ist stark« - »Ja, ich mag Zeitungen.«
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1147683.die-zeit-das-ende-des-hipstertums.html

Fritz Linow

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Re: Kultur
« Antwort #41 am: 23:53:25 Fr. 26.Februar 2021 »
Von den Roten Raketen (ca. 1928 oder so):

Niggersong

In Vergnügungsstätten der Bourgeois
tanzt ein Nigger - ha,ha,ha.
Begeistert schreibt der Zeitungsmob!
- Halt, stop! -
Versklavtes, schwarzes Arbeiterheer,
steht auf, steht auf!
Will nicht mehr!
Wutgeheul
in der Geldsackzeitung:
Negergreuel!
- Halt, stop! -
 
[Refrain:]
Ob schwarz, ob weiß,
wir ziehn am selben Strick.
Ob Kanton, Budweis,
Berlin, Kamerun -
nur eins ist zu tun:
Dem Unterdrücker ans Genick!
Werft sie raus, werft sie raus,
die Despoten,
macht eure Länder frei.
Schwenkt eure Fahnen, die roten,
befreit euch aus Sklaverei!
 
Das bürgerliche Pressereptil
hat auch das Ziel:
Haß zwischen Schwarz und Weiß zu säen,
uns uneinig zu machen.
Wir wissen und lachen,
denn jetzt
keiner gegeneinander aufhetzt!
 
[Refrain]
 
In einem Sechsteil der Welt
der Arbeiter hoch hält
die rote Fahne der Freiheit.
- Halt, stop! -
Dies leuchtende Beispiel
ist auch unser Ziel!
Drum ran, drum ran,
ob schwarz, ob weißer Mann!