Autor Thema: Handwerk OHNE goldenen Boden  (Gelesen 2666 mal)

Kann das sein?

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Handwerk OHNE goldenen Boden
« am: 09:18:58 Mo. 30.Mai 2005 »
Zahlungsausfälle werden für deutsche Handwerker zum Albtraum.

Leipzig: Sachsens Handwerkspräsident Joachim Dirschka hat der Bundesregierung vorgeworfen, im Kampf gegen die mangelnde Zahlungsmoral versagt zu haben.
Bei der Präsentation der jüngsten Konjunkturanalyse der Handwerks kammer Leipzig bezifferte Dirschka die Summe der verspätet oder gar nicht bezahlten Rechnungen auf 66 Milliarden Euro (in Gesamt-Deutschland). Den Großteil davon betreffe das Bauhandwerk. Auf rund fünf Milliarden Euro blieben die Unternehmen ganz sitzen. Fast ein Drittel der Bauhandwerker habe deshalb schon vor der Pleite gestanden. Dirschka warf der Berliner Regierung vor, von der bereits seit 1998 tätigen sächsischen Fachgruppe zu diesem Thema kaum etwas übernommen zu haben. „Man hat das als reines Ostproblem abgetan", ergänzt Kammer-Hauptgeschäftsführerin und Gruppenmitglied Sigrid Zimmermann. „Erst jetzt, da insgesamt jedes fünfte Unternehmen in Deutschland darüber klagt, wachen einige auf" Im Osten zahlen regionale Bauträger verzögert oder gar nicht, im Westen häufiger die Kommunen nicht. Die Stimmung, im Leipziger Handwerk indes ist schlechter geworden. Nur noch jeder sechste Betrieb schätzt seine Lage als gut ein. Ursache sei der deutliche Nachfragerückgang sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Gründungen aus Not und Zwang: Bei den neuen Handwerksbetrieben handle es sich um Notgründungen aus der Arbeitslosigkeit (Anm.: Die "Ich-AG´s?). Das betreffe vor allem Fliesenleger. Auch bei Gebäudereinigern und Raumausstattern nähmen neue Betriebe oft den vorhandenen die Arbeit weg. Ein weiterer Faktor im Kampf gegen drohende Auftragsverluste sind aus dem Ausland einströmende Billighandwerker. „Der Kampf um einen gleichbleibenden Kuchen wird härter", so Dirschka. Die Mitarbeiterzahl je Betrieb sank im Durchschnitt auf inzwischen 6,7. Vor acht Jahren lag sie bei rund 13. Somit seien etwa 70000 Jobs verloren gegangen. Zugleich nehmen die öffentlichen Investitionen rapide ab. In Leipzig fielen sie in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Auch den möglichen Wegfall der EU-Höchstförderung fürchtet Leipzigs Handwerkerschaft. Sie orientiert sich am Bruttoinlandsprodukt, also an der Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen in einer Region. Die liegt in Leipzig höher als EU-förderrelevanten Durchschnitt. Dresden befindet sich auf der Kippe. Chemnitz liegt darunter. Die hohe Leipziger Arbeitslosigkeit wird jedoch nicht berücksichtigt, beklagt Dirschka.

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Mal aus eigener Erfahrung eine Kleinserie kritischer Anmerkungen zum Thema Handwerksunternehmen in Deutschland:

- Solange Handwerksbetriebe nach erbrachter Leistung ihrem Kunden oftmals die Rechnung erst nach 1-3 Monaten zur Bezahlung zusenden, kann die Situation bzw. die Liquidität noch gar nicht so dramatisch wie beschrieben sein.

- Solange Handwerksbetriebe in vielen Fällen dem Auftraggeber das gesamte Material und die gesamte Arbeitszeit bis zur Fertigstellung vorfinanzieren, kann die Situation nicht so schlecht sein wie beschrieben. (Früher gab es die "1/3 Zahlung" (volksmündlich), bzw. die Zahlung nach Fertigstellung von einzelnen Abschnitten. Na, ja - ist heute ein Auftraggeber nicht zahlungswillig bzw. -zahlungsfähig, so verliert der Handwerksbetrieb gleich den gesamten Betrag statt nur einen Teil davon.)

- Solange Handwerksbetriebe sich oftmals keine Abnahmeprotokolle vom Auftraggeber unterzeichnen lassen, tritt immer wieder gerne die deutsche Volksseuche "Mängelrüge und Minderung des Preises" auf. Gleiches gilt auch bei fehlender Auftragsbestätigung. (Handwerker sind auf ihr Gewerbe hin betrachtet handwerklich meistens Meister ihres Faches, in kaufmännischen, kalkulatorischen und rechtlichen Dingen jedoch meistens Vollnieten.)

- Solange "reguläre deutsche" Handwerksbetriebe Angebote bzw. "Kostenvoranschläge" abgeben, die sich bei gleichem Leistungsumfang um bis zu 350% vom Preis her je nach Betrieb unterscheiden, werde ich mißtrauisch und mache lieber alles selbst. Abzocke "hoch 3"!

- Solange Handwerksbetriebe trotz vorheriger Vor-Ort-Besichtigung und Niederschrift der zu tätigenden Arbeiten mit fehlendem Material/Werkzeug erscheinen (oder nicht geeignetem Material erscheinen) und die Rechnung durch Fahrzeiten, Stundenlöhne bzw. minderwertiges Baumarktmaterial ergänzen, werde ich auch mißtrauisch und mache lieber alles selbst.

- Im obigen Text beschwert sich die Handwerkerschaft über den Wegfall der EU-Fördergelder.Was soll das überhaupt??? Fördergelder sind Subventionen, Subventionen sind Zahlungen der wenigen zahlenden EU-Mitgliedsstaaten (die meisten sind ja nur Zahlungsempfänger) und diese Zahlungen resultieren aus Steuermitteln. (Wohl auch daher steigen viele Steuern regelmäßig - WIR bezahlen und subventionieren also im Endeffekt u. a. die Handwerker.) Außerdem stellen Fördergelder bzw. Subventionen künstliche Marktbeinflussungen bzw. -verfälschungen dar.
Besonders in Ostdeutschland ist das jedoch leider so, dass man sich an diese Fördergelder gewöhnt hat (seit 15 Jahren) und diese zum Bestandteil der jährlichen regelmäßigen "Überlebenskalkulation" geworden sind. Man tut so, als hätte man einen gesetzlich garantierten Anspruch darauf und kann gar nicht verstehen und nachvollziehen, wenn man auf einmal mit diesen Zuschüssen nicht mehr das "operative Tagesgeschäft in der Region" verfälschen kann. (Aber das kommt eben daher, wenn man sich nicht für EU & Co. interessiert.)

patrick

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Handwerk OHNE goldenen Boden
« Antwort #1 am: 04:28:35 Sa. 11.Juni 2005 »
das bezeichnet man auch als wirtschaftskriminalität...

wenn man in der kaufahlle was klaut wird man verfolgt...aber als bauher der nicht zahlt nicht...schon komisch


naja so ist das hald...

danke Deutschland.... hauptsache man zahlt seine märchensteuer und den rest der so an steuern anfällt...

was man dafür bekommt is erst mal egal... sei es die verfolgung von wirtschaftskriminalität oder sei es die straßen sanierung...man zahlt und bekommt am ende kaum was...

"...als deutscher Politiker muss man vo rallem eines können: Melken..."

das Volk melken denk ich mal....
sie sind 24 jahre haben den meister oder besser noch sind studiert? sie haben berufserfahrun von min.5 jahren? dann sind sie bei uns richtig....!!! wir bieten ihnen 6 euro brutto....deutschlandweit

echt tolles deutschland...!!!!!