Autor Thema: Hungerstreik lohngeprellter Bauarbeiter in Frankfurt/M.  (Gelesen 7197 mal)

xyu

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Hungerstreik lohngeprellter Bauarbeiter in Frankfurt/M.
« am: 02:02:03 Do. 26.Juni 2014 »
Zitat

Eine Gruppe rumänischer Bauarbeiter hat am Montag vor einer Baustelle in Preungesheim protestiert. Wie die Männer berichten, haben sie seit etwa zwei Wochen keinen Lohn erhalten. Bereits am vergangenen Freitag sind sie in einen Hungerstreik getreten, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen.

Die Männer arbeiten seit etwa drei Monaten auf dem Gelände an der August-Schanz-Straße 27-31a. Dort soll ein Handwerkszentrum für zwölf Betriebe entstehen. Bauherr sind die Gebrüder Hahn aus Kronberg. Bereits vor einem Jahr begannen die Bauarbeiten. Den Rohbau fertigte der Baukonzern Bilfinger SE an, dessen Vorstandsvorsitzender der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch ist. Wie ein Unternehmenssprecher mitteilt, hat Bilfinger mit der Baustelle nun aber „nichts mehr zu tun“. Im Frühjahr seien die Arbeiten am Rohbau abgeschlossen worden und damit habe Bilfinger seine Aufgabe an der Baustelle erfüllt.

Der Sprecher der Bauarbeiter, Bundi Ferenc, berichtet, dass die Männer von der Accent Bau GmbH mit Dämmarbeiten beauftragt worden seien. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Bad Soden und ist im gesamten Rhein-Main-Gebiet tätig. So war es in der Vergangenheit bereits als ausführende Firma für die Installation des Wärmedämm-Verbundsystems im Opernturm gegenüber der Alten Oper zuständig. „Dort haben wir auch gearbeitet“, sagt Ferenc. Bereits seit einem Jahr arbeiten die Männer demnach immer wieder für Accent. Der Geschäftsführer, Roland Fuhrmann, äußert sich, ebenso wie die Bauherren, nicht zu den Vorwürfen.

Der Frankfurter DGB-Geschäftsführer, Harald Fiedler, hat am Montag die Bauarbeiter besucht. „Das sind die Auswirkungen des neuen europäischen Sklavenmarkts, die wir hier sehen“, sagt er. Fiedler bezweifelt, dass die Bauarbeiter legale Beschäftigungsverhältnisse haben. Auch glaubt er nicht, dass hier die gesetzlichen Tarifbestimmungen eingehalten werden.

Bis vor zwei Wochen haben die Bauarbeiter ihren Angaben zufolge jeweils 100 Euro pro Woche bekommen. Sie wohnen in einem Baucontainer auf der Baustelle, für den sie 700 Euro im Monat bezahlen müssen. Zu sechst teilen sie sich dort 20 Quadratmeter. „Accent schuldet uns insgesamt 28 000 Euro“, sagt Ferenc.

Laut Fiedler werde den Männern nur die Öffentlichkeit helfen können. „Es gibt ständig solche Fälle. Meistens werden die Bauarbeiter, wenn sie aufmucken nach Hause geschickt“, sagt er. Ferenc und seine Kollegen werden weiter hungern. Bis sie ihr Geld bekommen.
Quelle: http://www.fr-online.de/frankfurt/hungerstreik-bauarbeiter-ohne-lohn,1472798,27586364.html

Fritz Linow

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Re:Rumänische Bauarbeiter in Frankfurt/M.
« Antwort #1 am: 12:35:23 Fr. 24.Februar 2017 »
Zitat
Lufthansa-Baustelle am Frankfurter Flughafen

Rumänische Bauarbeiter erhielten monatelang keinen Lohn

Veröffentlicht am 22.02.17 um 18:35 Uhr

Das Geld reichte gerade für ein bisschen Essen: Rumänische Bauarbeiter warten seit Herbst auf ihren Lohn. Arbeitsfeld und Nachtquartier war eine Lufthansa-Baustelle am Frankfurter Flughafen.

Wände stellen, Decken montieren - Bürogebäude 327 am Frankfurter Flughafen ist eine Baustelle. Und ein Schlafsaal. Denn rumänische Arbeiter waren bis vor wenigen Tagen an diesem Ort nicht nur mit dem Trockenbau beschäftigt. Sie lebten dort auch. Und das unter armen Bedingungen.

"Die Kollegen sind seit Monaten um ihren Lohn betrogen worden“, sagte Philipp Jacks, Regionalchef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Mittwoch. Es gehe um seit September aufgelaufene Lohnrückstande für insgesamt 28 Mitarbeiter einer Firma aus Neu-Isenburg.

Eine von mehrere Baustellen, auf denen sie in wechselnder Besetzung aktiv waren: das Gebäude am Flughafen. Die meisten Männer seien in ihre Heimat abgereist. Fünf Arbeiter blieben und wandten sich in ihrer Not an die Gewerkschaft. Mitarbeiter des DGB-Projekts "Faire Mobilität", das für die Interessen von Wanderarbeitern eintritt, brachten die Männer in Pensionen unter. Ihnen seien rund 55.000 Euro Lohn vorenthalten worden.

Neue Arbeit suchen

"Wo bleibt unser Geld?" Transparente mit Fragen wie dieser trugen die fünf Rumänen, als sie am Mittwoch am Flughafen auf ihre Lage aufmerksam machten. Einer von ihnen ist Alexandru, 57 Jahre alt. Er spricht wie die anderen kaum Deutsch. Das Geld, das ihm sein Chef zahlte, hat seinen Angaben zufolge nur für ein bisschen Essen gereicht. Was er und seine Kollegen jetzt ganz ohne Geld machen wollen? "Wir suchen neue Arbeit“, übersetzt DGB-Projektmitarbeiterin Letitia Türk seine Antwort.

Bauherr im Flughafengebäude ist die Lufthansa Technik AG - jene Sparte, die im Flugkonzern Maschinen wartet, Ersatzteile vorhält oder unter dem Motto "Fliegende Träume" VIP- und Regierungsflugzeuge mit edlen Ausstattungen versieht. Den Auftrag zum Trockenbau am Flughafen erhielt ein Unternehmen aus Bayern. Es beschäftigte als Subunternehmen die Firma aus Neu-Isenburg. Und mit diesem Betrieb befassen sich nun auch der Zoll und die Sozialkasse des Baugewerbes. Denn nicht nur die rumänischen Arbeiter sind nach Darstellung der Gewerkschaft die Betrogenen.

"Am Ende ist es keiner gewesen."

Zwei der Männer, die beim DGB Hilfe fanden, seien ohne ihr Wissen Schwarzarbeiter gewesen. Bei der Sozialkasse habe die Neu-Isenburger Firma sie jedenfalls nicht angemeldet. Ihre drei Kollegen waren mit verdächtig geringen Monatslöhnen in Höhe von 150 bis 420 Euro registriert.

Seit 2011 gibt es das DGB-Projekt "Faire Mobilität“. Es wurde vor einigen Jahren gegen die Ausbeutung ins Leben gerufen, der Menschen vom Balkan und aus Osteuropa auf Großbaustellen immer wieder ausgesetzt sind. "Die Kosteneinsparungen kommen ganz unten an“, lautet die Erfahrung von DGB-Regionalchef Jacks.

Nur wenige melden sich

Im Herbst gelang Zoll und Polizei bei einer Razzia mit Schwerpunkt Frankfurt ein Schlag gegen eine Bau-Mafia, die mit Subunternehmen Millionen mit der Beschäftigung von Schwarzarbeitern gemacht haben soll. Vor zwei Jahren hatte der Fall von 50 Rumänen Schlagzeilen gemacht, die für einen Subunternehmer auf einer Hotelbaustelle im Frankfurter Europaviertel arbeiteten und auf Lohn warteten. Kein Einzelfall, wie die aktuellen Vorkommnisse auf dem Flughafen zeigen. Selten sei aber, dass sich Betroffene überhaupt melden: "Wir bekommen nur das wenigste mit", sagt DGB-Projektmitarbeiterin Türk.

Das von der Lufthansa Technik mit den Umbaumaßnahmen beauftragte Unternehmen will die Vorwürfe gegen den eingesetzten Subunternehmer jetzt prüfen. Man werde gegebenenfalls Konsequenzen ziehen, hieß es auf Anfrage von hessenschau.de. Der Vertrag mit dem Subunternehmer enthalte selbstverständlich "Verpflichtungen zur Einhaltung des Mindestlohns und der weiteren gesetzlichen Verpflichtungen".

Lufthansa prüft

Es habe auch Kontrollen gegeben. So habe das Subunternehmen wie üblich eine Bestätigung des Steuerberaters über die Zahlung des Mindestlohns an die Beschäftigten vorgelegt. Ähnlich äußerte sich die Lufthansa Technik. "Wir verpflichten alle Auftragnehmer auf Einhaltung der Vorschriften und gehen den Vorwürfen nach", sagte ein Sprecher.

Vom Neu-Isenburger Betrieb war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut Gewerkschaft bestritt der Geschäftsführer, ein Landsmann der Bauarbeiter, die Vorwürfe. Er mache unter anderem Ausgaben geltend, die er zur Unterbringung seiner Beschäftigten gehabt habe.

DGB-Regionalchef Jacks kommentiert diese Stellungnahmen achselzuckend: "Es ist immer dasselbe bei diesen Konstellationen mit Subunternehmen oder sogar Sub-Subunternehmen: Am Ende ist es keiner gewesen." Hauptproblem sei, dass sich die Behörden nicht genug kümmerten. Gerade der Zoll greife nicht genug durch.
 
http://hessenschau.de/wirtschaft/rumaenische-bauarbeiter-erhielten-monatelang-keinen-lohn,bauarbeiter-geprellt-100.html

Laut FR ist der Subunternehmer aus Neu-Isenburg die Weiss GmbH, der Generalunternehmer die TM Ausbau in Puchheim bei München.
http://www.fr.de/frankfurt/wanderarbeiter-in-frankfurt-betrugsverdacht-am-frankfurter-flughafen-a-989789

Auch auf der derzeit größten Krankenhausbaustelle Europas am UKSH in Schleswig-Holstein haben die Firmenwagen der rumänischen Baufirma Frankfurter Autokennzeichen...

Kuddel

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Re: Hungerstreik lohngeprellter Bauarbeiter in Frankfurt/M.
« Antwort #2 am: 17:46:22 Mo. 22.Juni 2020 »
Wir müssen Kontakte zu Arbeitsmigranten suchen, wenn wir an Klassenkampf interessiert sind.


Fritz Linow

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Re: Protestaktion in Regensburg: Bauarbeiter besetzen Kräne
« Antwort #3 am: 20:15:22 Mi. 05.August 2020 »
Zitat
5.8.20
Protestaktion in Regensburg: Bauarbeiter besetzen Kräne

Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr im Regensburger Stadtsüden: Dort haben drei Bauarbeiter zwei Kräne besetzt. Offenbar wollen sie mit ihrer Aktion darauf aufmerksam machen, dass sie seit mehreren Wochen kein Geld bekommen haben.

Auf einer Baustelle im Regensburger Stadtteil Königswiesen haben am Mittwochnachmittag Bauarbeiter eine spontane Streikaktion begonnen. Etwa 25 Arbeiter sind nach BR-Informationen daran beteiligt. Auch zwei Kräne wurden besetzt. Nach Angaben der Streikenden wollen sie mit der Protestaktion darauf aufmerksam machen, dass sie angeblich die letzten zwei Monate kein Gehalt mehr bekommen haben. (...)
https://www.br.de/nachrichten/bayern/protestaktion-in-regensburg-bauarbeiter-besetzen-kraene,S6nfdeE


https://twitter.com/MosebachEmil/status/1291067463795441664/photo/1

Fritz Linow

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Re: Protestaktion in Regensburg: Bauarbeiter besetzen Kräne
« Antwort #4 am: 15:25:10 Do. 06.August 2020 »
Zitat
6.8.20
Die Bauarbeiter, die in Regensburg auf Kränen für die Zahlung ihrer Löhne gestreikt haben, haben am Donnerstagnachmittag die unbequeme Position wieder verlassen. Die Löhne seien überwiesen worden, hieß es.

"Gegen 13.30 Uhr sind die Bauarbeiter wieder von den Kränen gestiegen", bestätigt ein Polizeisprecher gegenüber der Passauer Neuen Presse. Es gehe ihnen "hervorragend", sagt der Sprecher: Es seien wohl nicht immer die gleichen Bauarbeiter auf den Kränen gesessen, sondern man habe sich abgewechselt.

Auf ein Konto, das die Arbeiter genannte hatten, sei zwischenzeitlich eine Gesamtzahlung erfolgt. Wie hoch diese ist, konnte der Sprecher nicht sagen. Die Arbeiter hatten gestreikt, weil sie angeblich seit zwei Monaten keine Löhne mehr bezahlt bekommen hatten.
https://www.pnp.de/lokales/regensburg-oberpfalz/Bauarbeiter-klettern-nach-Ueberweisung-der-Loehne-von-Kraenen-3751499.html

Zitat
(...) Die vier Arbeiter werden jetzt in ihre Unterkünfte nach Kelheim gebracht und wollen dann zurück nach Italien. Er habe schon auf vielen Baustellen in Italien und Frankreich gearbeitet, sagte einer von ihnen. "Nach Deutschland werden wir aber sicher nicht mehr zum Arbeiten kommen." (...)
https://www.br.de/nachrichten/bayern/besetzung-von-kraenen-beendet-bauarbeiter-erstreiken-lohn,S6sshM0

Fritz Linow

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Re: Regensburg: Bauarbeiter besetzen Kräne
« Antwort #5 am: 12:23:14 Do. 13.August 2020 »
Zitat
13.08.2020, 10:30 Uhr
Regensburger Bauarbeiter: Wird heute wieder gestreikt?

Letzte Woche haben in Regensburg ägyptische Bauarbeiter 23 Stunden gestreikt und zwei Kräne besetzt, weil sie zwei Monate keinen Lohn bekamen. Am Donnerstag könnte es wieder einen Streik geben. Offenbar wurden die Männer immer noch nicht bezahlt. (...)
https://www.br.de/nachrichten/bayern/regensburger-bauarbeiter-wird-heute-wieder-gestreikt,S7WtYAC

Kuddel

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Re: Hungerstreik lohngeprellter Bauarbeiter in Frankfurt/M.
« Antwort #6 am: 16:14:32 Do. 13.August 2020 »
Ein Bericht von "Regensburg Digital" gibt ein paar atmosphärische Einblicke.
Es herrscht ein gewisses Chaos und die Informationensfluß läßt wohl auch zu wünschen übrig.
Zitat
Einige von ihnen besetzen zwei der Baukräne und klopfen immer wieder mit Hämmern gegen die Verstrebungen der Baumaschinen, um so auf sich aufmerksam zu machen.
Das übliche Geflecht an Sub-Sub-Subunternehmen, wo die Kohle bei den Arbeitern nicht ankommt. Es war wohl eine selbstorganisierte Aktion ägyptischer Arbeiter,
Zitat
Viele von uns haben Familien und seit 45 Tagen keinen einzigen Euro mehr bekommen. (...) Weder Wasser und Essen noch ein Zugticket nach Hause könnten sie sich leisten.
, Unterstützung bekommen sie durch einige Personen aus dem angrenzenden Wohnheim, es fanden sich weitere Unterstützer
Zitat
Dem Streikaufruf einiger Demonstranten, die sich mit den ägyptischen Bauarbeitern solidarisieren und direkt gegenüber der Baustelle positioniert haben... „Wir haben Wasser und Kaffee von ein paar jungen Leuten bekommen“
Es gibt Spaltungen unter den Arbeitern auf der Baustelle
Zitat
Währenddessen wird auf der restlichen Baustelle weiter gearbeitet. Die dortigen Arbeiter sind bei einer anderen Firma angestellt...
Gewerkschaftliche Untersützung gab es erst später und begrenzt (Rechtsberatung).
Zitat
Mittlerweile hat die Gewerkschaft IG BAU und das Projekt „Faire Mobilität“ des DGB Kontakt zu den Bauarbeitern aufgenommen, um sie in arbeitsrechtlichen Fragen zu beraten.

https://www.regensburg-digital.de/streik-auf-baukraenen-lohn-noch-nicht-komplett-ueberwiesen/12082020/

Wären wir in der Lage so etwas in der eigenen Stadt mitzubekommen? Könnten wir irgend eine Form der Solidarität auf die Beine kriegen?

Kuddel

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Re: Hungerstreik lohngeprellter Bauarbeiter in Frankfurt/M.
« Antwort #7 am: 16:56:51 Do. 13.August 2020 »
P.S.: Es sind einige Leserbriefe geschrieben worden, die Sache wird also lokal heftig dikutiert. Interessant fand ich den Hinweis, daß "Ägypter" nicht unbedingt wörtlich genommen werden sollte.
Zitat
Als Ägypter (Egypts) bezeichnen sich sowohl Menschen aus Ägypten, als auch eine als Arbeiter auf dem Bau und im Transportgewerbe in Deutschland,, Österreich und Italien häufig zu Niedrigpreisen eingesetzte Minderheit, zu finden sind Menschen mit dem Herkunftsgefühl “aus Ägypten” im Kosovo, in Albanien bzw. heutigem Serbien.

https://de.wikipedia.org/wiki/Aschkali