Autor Thema: Entpolitisierung  (Gelesen 12220 mal)

BGS

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Re:Entpolitisierung
« Antwort #30 am: 12:45:53 Mo. 26.März 2018 »
Da sprichst Du ein wahres Wort gelassen aus. Es liegt an uns Ausgebeuteten, nicht nachzulassen im Bestreben, die Verhältnisse endlich zum Tanzen zu bringen.

MfG

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Kuddel

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #31 am: 15:03:40 Mi. 05.Juni 2019 »
Zitat
Robert Habeck:
"Die Volksparteien sind der Denke der Achtzigerjahre verhaftet"
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/zahl-der-toten-in-sudan-steigt-auf-60-16222222.html

Was für ein Dreck ist das denn!?!
Es geht nicht um einen Politikstil, um die Form des Auftretens oder um eine "Denke".
Wollte man etwas ändern, ginge es um politische Inhalte, um die Machtverhältnisse.
Man sollte klären, welchen Interessen man dient.

Die GRÜNEN wollen nichts an den Macht- und Eigentumsverhältnissen ändern, nur am Stil der Politik.
Dreitagebart und offenes Hemd, statt Schlips.

Kuddel

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #32 am: 08:39:14 Mi. 10.Juli 2019 »
Zitat
Boris Johnson
Trump-Kopie Boris Johnson könnte bald Premierminister werden

Boris Johnson ist klarer Favorit auf die Nachfolge von Theresa May. Er ist ein bunter Hund wie Donald Trump.
https://www.fr.de/politik/boris-johnson-trump-kopie-koennte-bald-premierminister-werden-12355618.html

Die Medien sind auf Trashniveau angelangt und es gibt quasi keine alternativen Medien.
Entsprechend hat sich die politische Diskussion verflüchtigt. Wir hatten es ja bereits mit Ronald Reagan. Da ist ein B-Movie Schauspieler gewählt worden. Die Machtverhältnisse werden nicht mehr erkannt und benannt. Man redet von ominösen "Eliten" und das können die momentanen Parlamentarier sein (in den USA ist "Washington" ein Schimpfwort) oder auch nur Leute, die studiert haben, je nach dem, wie es gerade paßt. Gegen diese "Elitien" hilft natürlich nur ein richtiger Rüpel, jemand, der sich nicht von besseren Argumenten in die Schranken weisen läßt. Es geht nur noch um Macht und Durchsetzungsfähigkeit. Viele der Ausgebeuteten fühlen sich erniedrigt, entrechtet und ohne einen Einfluß auf den Lauf der Dinge. Sie wollen sich auf die Seite von Machtmenschen schlagen, von Leuten, die ihre Wut verkörpern, die herumpöbeln und sich nicht von Journalisten und linken Spinnern beeindrucken lassen.

Wenn nicht politisch diskutiert wird, wenn die Eigentums- und Machverhältnisse und -Interessen nicht benannt werden, dann wird nur noch aus dem Bauch heraus gewählt. Und dann werden oftmals diejenigen gewählt, die den Wählern am meisten schaden.

Kuddel

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #33 am: 11:46:41 Mi. 14.August 2019 »
Es ist unerträglich aber kein Zufall: Die Medien versuchen Dinge wie die politische Ausrichtung oder die Klassenangehörigkeit vollständig zu ignorieren und richten ihren Fokus auf Oberflächlichkeiten. Auf Lifestyle, Mode, Macken und gern auch subkulturellen Kram. So soll die Kluft zwischen Arm und Reich und Oben und Unten verschwinden.

Ach, das sind doch auch nur Menschen, genauso verschroben wie du und ich.

Wenn das nur so wär! Unter den Teppich gekehrt wird die Tatsache, daß wir uns nicht nur im Besitz/Reichtum unterscheiden, sondern auch in der Macht, die die Reichschweine haben und uns vorenthalten.

Der Daimlerchef in Jeans und mit lustigem T-Shirt:
Zitat



Zitat
Paul Allen
Dieser Mann war Rock'n'Roll

Er stieg früh aus, wurde mit Microsoft aber trotzdem zum Milliardär. Sein Geld steckte Paul Allen in allerlei skurrile Projekte.


https://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/paul-allen-dieser-mann-war-rock-n-roll-nachruf-auf-microsoft-gruender-a-1233573.html

Sind sie nicht knuddelig? Milliardär beim Babywickeln. Das wurde von unserem Lieblingsverlag gewürdigt.
Zitat


Teslachef Elon Musk am Kiffen:
Zitat


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Re: Entpolitisierung
« Antwort #34 am: 13:00:48 Mi. 14.August 2019 »
Gibt es dafür eine App, die schönsten Hirnfickbilder, exklusive Bilder internationaler Arschlochveranstaltungen bzw. Arschlochtreffen?
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Kuddel

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #35 am: 10:42:08 Do. 22.August 2019 »
In diesem Thread wiederholt sich das immerwieder gleiche Grundmuster: Man will Menschen verdummen und ihnen die Möglichkeit nehmen, die herrschenden Zustände und Zusammenhänge zu verstehen.

Politik ist der Umgang mit Interessenkonflikten von gesellschaftliche Gruppen mit wirtschaftlichen- und Machtinteressen.

In den Medien geht nur noch um Individuen und Emotionen. Ein reines Kasperletheater irgenwelcher VIPs. Die machen scheinbar ganz alleine "Politik". Ich hasse den Begriff von "Alphatieren" im Zusammenhang von Politik.

Süddeutsche:
Zitat
Vor 30 Jahren schaffte der Ökonom Leszek Balcerowicz in Polen den Sozialismus ab.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/polen-sozialismus-1.4565761

Spiegel:
Zitat
Macron verlangt Klartext von Johnson - und schickt eine Warnung
https://www.spiegel.de/politik/ausland/emmanuel-macron-verlangt-klartext-von-johnson-und-schickt-eine-klare-warnung-a-1283089.html
Zitat
Minister Pompeo will schlichten, Trump poltert weiter
https://www.spiegel.de/politik/ausland/trump-gegen-daenemark-minister-pompeo-will-schlichten-der-praesident-poltert-a-1283088.html

Politische Zusammenhänge existieren scheinbar nicht mehr. Je mehr man sich diesen Dreck reinzieht, desto weniger versteht man, was in der Welt los ist.

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #36 am: 09:40:23 Mo. 26.August 2019 »
Die Entpolitisierung liegt in der Verleugnung der Macht- und Klassenverhältnisse.
Es wird entweder bei gesamtgesellschaftlichen Problemen an den Einzelnen appelliert oder an den "Konsumenten", ansonsten benutzt man eher nebulöse Vorstellungen von "wir alle" oder "die Menschen".

Dabei kann man gerade an der Umweltzerstörung belegen, was für ein Unsinn das ist.
Zitat
Wenn man sich ansieht, was derzeit in Brasilien passiert, könnte man verzweifeln: Die brennenden Wälder zeigen, wie unfähig wir Menschen sind, uns selbst zu retten.
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klima-und-waldbraende-3-menschheitsfallen-und-wie-wir-ihnen-entkommen-a-1283381.html

In Brasilien sind es keineswegs "wir Menschen", die für die Waldbrände verantwortlich sind. Die indigenen Menschen Brasiliens versuchen die Wälder, in und von denen sie leben, gegen die Brandstiftungen zu verteidigen. Auch in der städtischen Bevölkerung wächst eine Umweltbewegung. Die Brandrodung wird von der Agrarindustrie vorangetrieben. Der rechtsradikale Präsident Bolsenaro verteidigt die Interessen der Agrarindustrie. Es gibt hier also klare Interessen und Fronten und es sind keineswegs "wir alle", die die Brandrodung organisieren.

Auch am Hambacher Forst sieht man deutlich entgegengesetzte Interessen.
Der Konzern RWE will mit dem Braukohleabbau Profit machen. Die Waldbesetzer wollen die Natur gegen die Profitintersssen verteidigen. Die Polizei wird zur Verteidigung der Profitinteressen eingesetzt.

Dieser "wir Menschen"-Quatsch taugt also kein Stück zum Verstehen und Lösen der Probleme.

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #37 am: 12:15:24 Mo. 26.August 2019 »
Verwirrspiel, Bolsonaro ist ein Mensch und verantwortet einen großen Teil der Brände -> der Rest der Menschheit schaut zu und plärrt, schafft es aber nicht diesen Bolsonaro wegen Gefahr für die gesamte Menschheit wegzusperren oder mindestens soweit zu entmachten das er niemals mehr so einen Schaden anrichten kann.
Also ist "Mensch" schon Schuld, er möchte keine Verantwortung übernehmen und daraus resultieren dann solche "Verantwortliche" wie der Bolsonaro.

Und der Hambacher Forst Widerstand ist auch Opfer der heutigen schizo-Denkweise, knallharter Widerstand der mit Wattebällchen schmeißt, denn Gewalt ist ein absolutes NO-GO!
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Re: Entpolitisierung
« Antwort #38 am: 11:12:30 Mo. 27.April 2020 »
Ich sagte es an anderer Stelle schon: Wir müssen uns Gedanken über Möglichkeiten einer selbstorganisierten Bildung machen.

Ein Großteil der Bevölkerung hat das Gefühl verarscht zu werden und daß etwas nicht stimmt. So lange das nur ein Bauchgefühl ist und man politische Zusammenhänge und Klassenverhältnisse nicht versteht, ist man damit Spielball der Demagogen und Rattenfänger.

Bilder von der "Hygienedemo" in Berlin:


Diese Vereinfachung ist sehr beliebt: Man macht Mißstände einfach an einer Person fest. Hier ist es Bill Gates. Immer wieder gern genommen sind reiche Juden (Soros, Rothschild, Greenspan). Es werden Klassenverhältnisse und Zwänge dieses Wirtschaftssystems völlig ausgeblendet.



Inzwischen ist es fast schon normal so zu quatschen. "Die Politik". So einfach ist es. "Die Politik" steht auf der einen Seite und "das Volk" auf der Anderen. Genauso: "Die Medien", das sind wohl alle Öffentlich Rechtlichen und die großen privatwirtschaftlichen Medien zusammen. Dagen stehen dann Ken FM, PI News, Compact und die ganze braune facebooksoße.

Es gibt kein links und rechts mehr, kein oben und unten, keine Ausbeuter und Ausgebeuteten. Das sind die Grundlagen, um die Unzufriedenen auf einen Marsch nach Rechts zu führen.

Es bringt nichts, gegen die Unzufriedenen zu demonstrieren, wir müssen aufklären woher die Ungerechtigkeit kommt und wohin der Weg führt, auf den die Demagogen uns führen wollen.

Wir müssen Kämpfe organisieren, die für sich sprechen, die sich direkt gegen die Verarmung und Entrechtung wenden. Kämpfe gegen Spekulanten und Vermieter, gegen niedrige Löhne und Ausbeuter, gegen miese Sozialleistungen und neoliberalen Kahlschlag.

Ach ja, auf dem Schild gehören "Globalisten" zu den Bösen. Das heißt, die Nationalisten wären "die Guten". Mit Nationalismus wurden die Menschen schon immer in einen grausamen Konkurrenzkampf und in Kriege geschickt. Nationalismus ist eine Gefahr. Gegen die Globalisierung der Kapitalinteressen hilft nur eine Globalisierung von unten. Und die hört nicht an den EU Grenzen auf. Die EU ist ein Projekt des europäische Kapitals, nicht unseres. Damit sind wir noch lange kein Bündnispartner für Nazis, die auch gegen die EU sind.

BGS

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #39 am: 13:13:58 Mo. 27.April 2020 »
Mit Verlaub, wie soll denn die "Globalisierung von unten" konkret aussehen angesichts weitgehender Entpolitisierung, Verblödung, Gleichgültigkeit und des Nichtbegreifens einfachster Zusammenhänge? Von Existenzkampf, Armut, Spaltung über Spaltung etc. ganz zu schweigen.

Natürlich wäre es wunderbar, wenn wir endlich gemeinsam über Grenzen hinweg die jetzigen unmenschlichen Zustände und deren Handlanger wegfegen würden. So wie bisher kann es unmöglich weiter gehen!

MfG

BGS
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Re: Entpolitisierung
« Antwort #40 am: 14:17:36 Mo. 27.April 2020 »
Wie ich mir eine "Globalisierung von unten" vorstelle?

Erst einmal sollten wir medial allgegenwärtige "wir" einmal abklopfen.
Meist meinen die "wir Deutschen" oder "wir Europäer".

Aber was soll dieser Scheiß!?! Dieses "wir" gibt es für mich ganz bestimmt nicht. Es gibt kein "wir" mit Nazis und es gibt für mich auch keinen Schulterschluß mit Bonzen (was der DGB ja anders sieht).

Ich habe sicherlich mehr Gemeinsamkeiten (auch vom Lebensgefühl her) mit einem Fließbandarbeiter bei Foxconn in China oder einem Callcenterbeschäftigten in Tunesien, als mit einem deutschen Fascho oder Reichschwein.

Es gab einen früher im Forum sehr engagierten Chefduzer, der wollte nichts von Streiks in Chile (z.B.) hören. Das war ein durchaus netter Kerl, aber in seinem Kopf gab es riesige Mauern zu den Menschen in ähnlichen Lebensverhältnissen in anderen Ländern. Das Einreißen dieser Mauern, allein vom Interesse her, ist ein wichtiger Schritt.

Wir brauchen uns nicht auf andere Kontinente versetzen, wir sind mitten drin in der globalisierten Arbeitswelt und ich nehme mal an, daß auch bei Euch im hohen Norden Osteuropäer auf den Baustellen und in der Altenpllege malochen und philippinische LKW Fahrer durch die Gegend fahren. Die Gemeinsamkeiten mit ihnen muß man sich erst einmal bewußt machen.

Ich find es auch immer wieder interessant von deiner Arbeit und deinem Alltag zu hören. Das Überschreiten der Grenzen von Informationen und das Wissen voneinander, ist wichtig.
"Entpolitisierung, Verblödung, Gleichgültigkeit" sind eine Art Grundrauschen, schon immer.
Ich halte das für keinen Grund zu verzweifeln. Wenn man nicht auf diesen nationalen Schulterschluß und den Konkurrenzkampf hereinfällt und man weiß mit wem (bei allen Unterschieden und Streiteren) man zusammenstehen muß, fügt sich das weitere auch. Nur Geduld!

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #41 am: 14:59:34 Mo. 27.April 2020 »
Vielen Dank für diese Worte.

Mit der Geduld war es mir schon immer nicht so einfach. Die Entpolitisierung in Skandinavien könnte noch weiter sein als möglicherweise in D. Hier gibt es keine Arbeitsloseninitiativen. Viele kennen nichts als (ihre beschissene) Arbeit und dann den Suff am Wochenende, sind nicht mal in der Lage, sich in die Lebensrealitäten von Arbeit auf Abruf, Arbeitslosigkeit bzw. die der Kranken oder Sozialhifeempfänger bzw. Rentner im Geringsten hineinzuversetzen.

Andererseits haben die Gewerkschaften noch Macht und legen sich schnell mit den Arbeitgebern an, falls nötig. Auch gibt es eine Art grundsätzliche Solidarität. Die Ursache könnte sein, dass weit im Norden schon immer kargere Lebensbedingungen herrschten.

Was in der Zeitung steht wird oft blind geglaubt, die TV-Nachrichten sowieso. Und an Sport darf es natürlich nicht fehlen (statt selbst sich zu bewegen)... .

Kein Grund aufzugeben, schliesslich haben wir so viele Gemeinsamkeiten und sind derart Viele, dass die jetzigen gruseligen Verhältnisse nicht bestehen werden können, letzten Endes.

MfG

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #42 am: 11:21:39 Mo. 31.August 2020 »
"Wir schaffen das!"

Dieser Spruch geistert gerade wieder durch die Medien.
Zitat
„Wir schaffen das“ – Ein Satz für die Geschichtsbücher
schreibt die Welt.

Ein besseres Beispiel für die bewußte Entpolitisierung ist kaum zu finden. Es handelt sich um einen absoluten Nullspruch. Jeder Politiker könnte und müßte so einen Spruch bei jeder eigenen Entscheidung bringen, wenn er ernstgenommen werden will.

Wieso kann so eine nichtige Floskel derart mit Emotionen aufgeladen werden? Es war ja lange Zeit so, daß dieses Zitat Leute zum Durchdrehen brachte. Man tat so, als sei es die Einleitung des Untergangs des Abendlandes und man wurde hysterisch.

Was war da los? Das Besondere an diesem Phänomen war, daß es sich um einen Schulterschluß von Rechtsradikalen, den Medien (vom Mainstream bis zu den Asozialen Medien) und der Politik gab. Es herrschte eine Gleichschaltung und man hatte sich zur kollektiven Verbreitung einer Lüge geeinigt.

Es wurde vollständig die militärische Zerstörung Syriens ausgeblendet. Die Menschen sind vor Elend und Krieg geflüchtet.

In absoluter Gleichschaltung wurde hierzulande behauptet, es handle sich um "Merkels Füchtlinge", sie habe "die Grenzen göffnet" und die Migranten "geholt". Nicht davon ist wahr. Es handelte ich um eine massive Fluchtbewegung aus Gründen, mit denen Merkel nur wenig zu tun hatte, die Menschen sind geflüchtet und nicht "geholt" worden.

Diese Lüge hatte nicht nur zu einem politischen Rechtsruck, sondern auch zu einem Zulauf zur AfD und einem Anstieg des militanten Rassismus geführt. Ich wiederhole, nicht die Geflüchteten haben für Rassismus und Rechtsruck gesorgt, sondern die Lügen des politischen und medialen Mainstreams.

Noch deprimierender empfand ich, daß es von links zu keiner Aufklärung kam, keine Entlarvung der Lügner und ihrer Interessen. Im Gegenteil, man glaubte diese Lügen und wiederholte sie. Man sah, ganau wie die Rechten, in Merkel eine "Flüchtlingsfreundin" und Merkel bekam Applaus von links. Man wollte nicht sehen, daß Merkel eine wirtschaftsfreundliche, reaktionäre, bisweilen rassistische Politik macht. Zur Zeit der sogenannten "Flüchtlingskrise" gab es einen gewaltigen Bedarf an Arbeitskräften aus der Wirtschaft. Syrer galten als besser ausgebildet und motivierter für den Arbeitsmarkt. Merkel siebte Menschen aus nach dem Bedürfnissen der Wirtschaft und erhöhte die Abschiebungen ins Kossovo. In diesem Zusammenhang stößt mir der Merkelapplaus von links besonders übel auf.

Erstaunlich finde ich, daß die Lügen von der Flüchtlingsfreundin Merkel, die ihre Flüchtlinge nach Deutschland holte und diese für den Rechtsruck gesorgt hätten, bis zum heutigen Tag unwidersprochen bleiben.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #43 am: 12:14:58 Mo. 31.August 2020 »
Erzähl keinem springendem Legendenschreiberling daß Merkel u.a. den Rechtsruck befördert hat, die Springer wären nicht wirklich abgeneigt passt aber nicht in weder links noch rechts Zeiten, unsere Klassenlose Gesellschaft hat schon zu viele Zeilen gebraucht um das madig zu machen.

Legenden werden geschrieben, und Merkel mausert sich zur empathischen Heiligen, eine angeblich letzte dieser Art, ""Wir" schaffen das", ihren Stinkefinger bekommen die aufopfernden Helfer ("Wir") nicht zu Gesicht, die müßen sich mit den Stinkefingern ihrer CDU/SPD Untergebenen herum schlagen und verzweifeln.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Re: Entpolitisierung
« Antwort #44 am: 11:45:58 Fr. 04.September 2020 »
Zitat
Im Herbst 2016 hat Merkel dann mit einer weiteren "Wir"-Formulierung eine neue Aufgabe für das Kollektiv formuliert. "Wir brauchen bei Rückführungen eine nationale Kraftanstrengung", sagte die Bundeskanzlerin beim Deutschlandtag der Jungen Union. Dieses ominöse "Wir" hatte nun andere Prioritäten. Ganz in diesem Sinne gab es 2016 die erste Sammelabschiebung nach Afghanistan sowie weitere Gesetzesverschärfungen, unter anderem die Einführung eines ganzen Katalogs von völlig weltfremden Kriterien für ärztliche Atteste im Kontext von Abschiebungshindernissen, so dass die Abschiebung schwerkranker Menschen deutlich erleichtert wurde. In diesem Sinne ging es seitdem weiter.
https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/492/wer-ist-wir-6962.html
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