Autor Thema: Entpolitisierung  (Gelesen 11063 mal)

ManOfConstantSorrow

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #45 am: 10:37:42 Do. 10.September 2020 »
Nehmen wir den Springerkonzern. Eine Machtanhäufung, die nicht nur der Profitmaximierung dient, sondern das Bewußtsein der Bevölkerung beeinflussen und vergiften soll. Ein antidemokratischer und faschistoider Komplex, der Rassisimus fördert und gegen solidarischen Zusammenhalt arbeitet.

Statt sich um diese politischen Zusammenhänge zu kümmern, beschreibt die ZEIT die Konzernchefin so:
Zitat
...sie von einer zurückhaltenden Schülerin zur selbstbewussten Frau wurde...
https://www.zeit.de/2020/38/friede-springer-verlegerin-politik-axel-springer
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #46 am: 09:22:03 Fr. 28.Mai 2021 »
Die Entpolitisierung hat mit den Verschwinden linker Organisationen und Bewegungen zu tun. Ein kritisches Bewußtsein entsteht eher kollektiv.

Die Medien spielen eine besondere Rolle. Sie wollen mit ihren Produkten nicht nur Geld verdienen, sie nehmen eine aktive Rolle bei der Bewußtseinsbildung ein. Früher war ihre Rolle die offene Hetze. Antikommunismus als Staatsdoktrin und als mediale Dauerberieselung. Heute wird Individualismus gepredigt. Man hat sich nicht mehr für gesellschaftliche Verhältniosse zu interessieren, sondern es zählt der Blick nach innen. Die eigene Befindlichkeit, das Gefühl und der Stil. Alles wird psychologisiert. Alle möchten "stilsicher" sein.

Bei sowas krieg ich das Kotzen:
Zitat
Beim Impfen denken die reichen Länder nur an sich
Teilen, was knapp ist, zum Beispiel das Vakzin - das ist so eine einfache Regel. Und so schwer zu beherzigen.
https://www.sueddeutsche.de/meinung/impfstoff-who-g7-apartheid-1.5304694?reduced=true

Es geht nicht um einfache Regeln und wie schwer es ist, sie zu beherzigen. Es geht um knallhalte Interessen und Machtverhältnisse. Der Wirtschaft und den Regierung ist nicht mit einem Knigge für Benimmregeln beizukommen. Wir müssen uns gemeinsam gegen die Macht- und Profitinteressen stellen, wir müssen lernen, die Benachteiligten in ihrem Kampf um Gleichbehandlung zu unterstützen. Gegen das herrschende Unrecht kann es nur kollektive Lösungen geben.

Kuddel

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  • Fischkopp
Re: Entpolitisierung
« Antwort #47 am: 19:03:37 Sa. 10.Juli 2021 »
Qualitätsjournalismus:

Zitat
Dieser Mann besiegt die USA

https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Dieser-Mann-besiegt-die-USA-article22664950.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Was soll dieser Müll?

"Die USA" sind weder Trump noch Biden.
Und dieser bärtige Hampelmann ist weder Afghanistan, noch die Taliban.

Personifizierung, Vereinfachung bis zur Unkenntlichkeit und das Weglassen von Zusammenhängen, von Interessen und Interessensgruppen. In dem Bericht (der etwas besser als die Überschrift ist) stehen durchaus Fakten, die bleiben losgelöst von ökonomischen und politischen Zusammenhängen.

Nikita

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Re: Entpolitisierung
« Antwort #48 am: 22:37:15 Di. 14.September 2021 »
Ich finde das hier so halbwegs passend als Kategorie.

CBS-Show »The Activist«
Politaktivismus als Reality-TV-Wettkampf – zynisch oder hilfreich?


In der neuen US-Show »The Activist« spielen Aktivisten um Geld. Wer sein Projekt am besten auf Social Media bewirbt, gewinnt. Ein Spiel mit dem guten Zweck? Aktivisten protestieren, eine NGO verteidigt das Konzept.

Mit der Ankündigung einer Realityshow über das Engagement für wohltätige Zwecke hat der US-Sender CBS für Streit in den USA gesorgt. In der Sendung »The Activist«, die von Oktober an ausgestrahlt werden soll, treten Aktivisten und Aktivistinnen um ein Preisgeld gegeneinander an, wie es auf der Website des Senders heißt. Zahlreiche bekannte Aktivisten warfen dem Sender vor, gesellschaftliches Engagement in ein Spiel zu verwandeln. Die Produzenten verteidigten das Konzept.

Laut CBS können die Zuschauer die Bemühungen von sechs Protagonisten verfolgen, die versuchen, »mächtige Bewegungen zu schaffen« und »echte Veränderung in einem von drei lebenswichtigen globalen Bereichen herbeizuführen: Gesundheit, Bildung und Umwelt«. Das Finale soll am Rande des G20-Gipfels Ende Oktober in Rom stattfinden. Der »Erfolg« der Kandidaten soll an der Wahrnehmung ihrer Aktivitäten in Online-Medien sowie durch die Moderatoren gemessen werden. An der Produktion sind mehrere Stars beteiligt, darunter der Sänger Usher und die Schauspielerin Priyanka Chopra.

In Aktivistenkreisen sorgte die Ankündigung für Kritik: »Könnten sie das Geld nicht direkt an Aktivisten geben, anstatt Aktivismus in ein Spiel zu verwandeln, und einen Bruchteil des benötigten Geldes in einen ›Preis‹ zu investieren? Menschen sterben«, schrieb die Schauspielerin und Feministin Jameela Jamil im Onlinedienst Twitter.

»Es ist schwer genug, für eine Sache zu kämpfen. Und dann muss man für einen Haufen Millionäre tanzen und singen, während sie entscheiden, wer ihrer Brosamen würdig ist«, sagte Nabilah Islam, eine ehemalige Kongresskandidatin der US-Demokraten in Georgia.

Und der Podcaster und Aktivist Joey Ayoub sprach von einem »entmenschlichenden« Projekt: »Solche obszönen Shows machen in einer abgehobenen, elitären Welt, in der Aktivisten nichts anderes sind als angehende Unternehmer, durchaus Sinn.«
...

https://www.spiegel.de/kultur/tv/the-activist-auf-cbs-politaktivismus-als-reality-tv-wettkampf-a-f815d5a2-3da5-4ca0-8b3f-d8e6a625dff2