Autor Thema: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!  (Gelesen 31452 mal)

Troll

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #90 am: 14:32:37 Mo. 08.April 2019 »
Zitat
Deutsche Unternehmen im Ausland
Wirtschaft gegen Menschenrechte-Gesetz

Die Bundesregierung will ein Gesetz auf den Weg bringen, das Unternehmen verpflichtet, bei Auslandsgeschäften Menschenrechte einzuhalten. Die Wirtschaft reagiert alles andere als begeistert.

Die Bundesregierung will ein Gesetz auf den Weg bringen, das Unternehmen verpflichtet, bei Auslandsgeschäften Menschenrechte einzuhalten. Die Wirtschaft reagiert alles andere als begeistert.

Der Plan der Bundesregierung, Unternehmen bei Auslandsgeschäften notfalls per Gesetz zur Einhaltung der Menschenrechte zu verpflichten, bringt die deutsche Wirtschaft auf die Barrikaden. Von diesem "Unsinn" müsse sich die Regierung wieder verabschieden, fordert Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der "Rheinischen Post".
"Hier wird eine faktische Unmöglichkeit von den Unternehmern verlangt: Sie sollen persönlich für etwas haften, das sie persönlich in unserer globalisierten Welt gar nicht beeinflussen können", sagte Kramer.
Da, wo er als Unternehmer persönlich Einfluss auf die Produktion im Ausland hätte, fühle er sich "selbstverständlich verpflichtet", nach sozialen und ökologischen Standards arbeiten zu lassen, so Kramer. "Aber nicht dort, wo ich das gar nicht beeinflussen kann oder als Mittelständler noch nicht einmal überblicken kann. Das ist absurd."
...
...

Quelle tagesschau

Die Wirtschaft soll nicht die Regierung übernehmen sondern innerhalb ihres Unternehmens (egal wo) Menschenrechte beachten, daß dies als "Unsinn" angesehen wird spricht mal wieder Bände über die Menschen(rechts)verachtende Wirtschaft.
Es kann keiner, da globalisiert, eine perfekte Ausrede für jede Schweinerei, grenzenlose Schweinereien.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

BGS

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #91 am: 12:52:11 Di. 09.April 2019 »
Ihr stetiges Wirken und ihr fortgesetzter Einfluss haben doch "unsere globalisierte Welt" zu dem gemacht, was sie ist.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

counselor

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #92 am: 11:07:38 So. 28.April 2019 »
Zitat
Immer mehr Menschen trotz Vollzeit Job von Armut bedroht

Immer mehr Vollzeit arbeitende Menschen in Deutschland haben kaum genug Geld zum Leben. In Bayern gelten 420.000 Erwerbstätige als armutsgefährdet. Das heißt, sie verfügen nur über weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens.

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/immer-mehr-menschen-trotz-arbeit-von-armut-bedroht,ROupWnK
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #93 am: 20:45:21 Mo. 08.Juli 2019 »
Die gesellschaftliche Haltung des nach unten Tretens setzt sich mit aller Brutalität bis unten fort.
Arme gegen noch Ärmere...

Zitat
Unbekannte versuchen, schlafenden Mann anzuzünden

Zu einem unfassbaren Angriff auf einen schlafenden Mann kam es am Freitagmorgen in Wiesbaden. Ein Zeuge konnte Schlimmeres verhindern.


Wiesbaden - Einem aufmerksamen 40-Jährigen verdankt ein am Platz der deutschen Einheit schlafender Mann womöglich sein Leben. Der Zeuge beobachtete am frühen Morgen um 6.10 Uhr zwei junge Männer dabei, wie sie versuchten, das Hosenbein des Schlafenden anzuzünden.

Der Mann lag im Bereich eines Treppenaufganges an dem Platz, als die beiden unbekannten Täter sich mit Spraydose und Feuerzeug am Hosenbein des Schlafenden zu schaffen machten. Erst als der Zeuge die beiden Männer ansprach, ließen sie von dem Schlafenden ab und suchten das Weite.
https://www.fr.de/rhein-main/wiesbaden/wiesbaden-hessen-unbekannte-versuchen-schlafenden-mann-anzuzuenden-zr-12777590.html

P.S.: Die Täter sind mir nicht bekannt. Vielleicht waren es Hardcorefaschos. Wahrscheinlicher aber, ganz normale Jugendliche, die einfach nur das tun, was viele denken. Sie leben die neoliberalen Werte und Verhaltensmuster aus.

Kuddel

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #94 am: 10:29:54 Di. 20.August 2019 »
Man scheint sich daran zu gewöhnen, daß man auf Probleme der Armut nicht mehr mit sozialen, sondern mit polizeilichen Maßnahmen reagiert.

Zitat
Frankfurt Bahnhofsviertel:
Ein rauer Wind weht

Stadt und Polizei haben ihre Aktion zur Befriedung des Bahnhofsviertels begonnen.

...
Die knapp 20 Drogenabhängigen, die in der Nähe ebenfalls auf der Straße und in den Hauseingängen sitzen, beobachten die Szene aufmerksam. Einige gehen sofort weg, als sich die Polizisten nähern. Wenig später werden drei Mitarbeiter der Stadtpolizei an derselben Stelle einen Obdachlosen ansprechen, der daraufhin seine Sachen – eine große Plastikplane, eine alte Decke, ein paar Tüten – einpacken und wortlos das Weite suchen wird.
...
Familienbetrieb in der vierten Generation. Im Grunde komme man mit den Abhängigen im Viertel gut aus, sagt Ewen, aggressiv seien sie selten, und wenn, dann untereinander. Für ihre Kunden sei der Anblick des Elends auf der Straße aber wenig erfreulich. Ewen zeigt auf eine etwas verwahrlost aussehende junge Frau, die sich an einen Bistrotisch direkt vor der Metzgerei gesetzt hat und mit weit nach hinten hängendem Kopf und offenem Mund eingeschlafen ist. „Gleich beginnt unser Mittagsgeschäft“, sagt Ewen. „Eine Viertelstunde können wir sie jetzt noch schlafen lassen, aber dann werde ich sie bitten müssen, zu gehen.“ Insgesamt sei die Lage im Stadtteil für ein Unternehmen nicht besonders gut, sagt Ewen dann.
...
Hier und da äußern Akteure aus dem Viertel Bedenken, dass die Polizei zu hart gegen Süchtige vorgehen könnte oder die Arbeit der Sozialarbeiter behindert werde, wenn sie ordnungspolitische Aufgaben aufgehalst bekämen. Und auch die Menschen, die auf den Straßen des Viertels ihr Zuhause haben, dürften Angst vor mehr polizeilicher Repression haben. Mehrfach ist an diesem Montagmorgen zu beobachten, wie Drogenabhängige oder Obdachlose um eine Ecke biegen, Polizisten oder Einsatzwagen sehen und sofort auf dem Absatz kehrtmachen.

Die Aktion der Stadt hat an diesem Montagmorgen begonnen. Wie sie den Stadtteil verändern wird, wird sich zeigen.
https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-bahnhofsviertel-rauer-wind-weht-zr-12928434.html

Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Polizeieinsätze ändern NICHTS an den sozialen Problemen, doch die Kundschaft der Gewerbetreibenden soll dieses Elend nicht sehen. Problem gelöst.

Frauenpower

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #95 am: 14:29:24 Mi. 21.August 2019 »
https://de.euronews.com/2019/08/02/eskilstuna-fuhrt-als-erste-stadt-schwedens-bettel-lizenz-ein
Zitat
Eskilstuna, westlich von Stockholm, hat als erste Stadt Schwedens eine Lizenz fürs Betteln eingeführt. Konkret bedeutet dies, dass seit 1. August 2019 Menschen, die im Innenstadtbereich andere um Geld bitten, eine polizeiliche Genehmigung vorweisen müssen.
Diese Genehmigung kostet täglich 250 Kronen, umgerechnet gut 23 Euro, die am Morgen des entsprechenden Tages entrichtet werden muss.
:-\ man suche den Fehler ... (vermutlich sind 23 Euro gerade mal "Tageseinnahme", mehr oder weniger, ich weiß es nicht)

ManOfConstantSorrow

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #96 am: 17:14:16 Mi. 13.November 2019 »
Zitat
Armut verursacht immer mehr Konflikte in Wohnquartieren

Eine schwierige soziale Situation und ein hoher Anteil durch Armut bedrohter Mieter ist einer bundesweiten Erhebung zufolge häufig ein Grund für Konflikte in Wohnquartieren.


Nach Angaben des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW folgt erst an zweiter Stelle Ärger wegen der Hausordnung. Das sind Ergebnisse der am Mittwoch präsentierten Studie "Herausforderung: Zusammenleben im Quartier", die der GdW in Auftrag gegeben hatte. Auf Platz drei folgen nach den Einschätzungen der befragten Mitgliedsunternehmen interkulturelle Konflikte.

An erster Stelle der Konfliktgründe stehe aber eindeutig die soziale Situation der Mieter, sagte Anne von Oswald von der Minor Wissenschaftsgesellschaft, die die Studie durchgeführt hat. "Dahinter verbergen sich beispielsweise erhöhte Kinderarmut, Jugendarbeitslosigkeit oder Altersarmut." Es gebe zwar keinen Flächenbrand mit Blick auf Konflikte, die Wohnungsunternehmen wahrnehmen, aber eine zumindest teilweise besorgniserregende Entwicklung.

In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Situation mit Blick auf das Zusammenleben der Mieter in fast jedem zweiten Wohnquartier verschlechtert, sagte von Oswald. Mitarbeiter von Wohnungunternehmen berichteten von zunehmenden Aggressionen ihnen gegenüber, zum Teil auch von tätlichen Angriffen.

GdW-Präsident Axel Gedaschko sagte, es habe sich insgesamt etwas zum Negativen verändert. Von der Bundespolitik forderte er unter anderem Förderprogramme für Quartiersarbeit auch für Wohnungsunternehmen und ein Innovationsprogramm zur Finanzierung von Forschung und Modellprojekten zur Stärkung des Zusammenlebens in Wohnquartieren.

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen verrtitt nach eigenen Angaben europaweit rund 3000 Unternehmen mit sechs Millionen Wohnungen, in denen mehr als 13 Millionen Menschen leben.
https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1765298/

Wenn Armut zu wachsenden Spannungen und Gewalt führt, kann logischerweise die Gegenstrategie nicht härtere Gesetze und mehr Polizei lauten, sondern Kampf gegen Armut.

Wenn die Wohnungsspekulanten zu den Hauptverursachern der Verarmung gehören, so wäre der Kampf gegen die Spekulaten das beste Mittel gegen das angespannte Klima in den Quartieren.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #97 am: 21:05:29 Fr. 15.November 2019 »
Zitat
Die Frankfurter Innenstadt muss sauberer und sicherer werden – finden vor allem die Einzelhändler. Die Stadtpolizei ist mit zahlreichen Mitarbeitern auf der Zeil im Einsatz.
https://www.fr.de/frankfurt/beim-betteln-anfassen-verboten-13224508.html

Es ist widerwärtig, wenn Gewerbetreibende bestimmen können welche Menschen sich in der Gegend aufhalten können und wer dafür zu unsauber und unsicher ist. Noch schlimmer ist, wenn die Polizei sich dieses Menschenbild zueigen macht.

Frauenpower

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #98 am: 12:38:13 So. 08.Dezember 2019 »
Zitat
Der Bundesverband der Tafeln hat in der Debatte um Lebensmittelpreise in Deutschland davor gewarnt, Menschen mit geringem Einkommen aus dem Blick zu verlieren. Verbandschef Brühl sagt im Interview: „Einfach nur höhere Lebensmittelpreise zu fordern, ist zu einfach. Das würde die Kundenzahl bei den Tafeln in die Höhe treiben.“ Allerdings: Auch so steigt die Zahl - besonders Rentner stehen an.
– Quelle: https://www.svz.de/26606647 ©2019

... und die Verpackungsflut bei Tafeln ist nochmal besonders, wegen Fertiglebensmittel, oder durch die Tafeln Verpacktes aufgrund von wahrscheinlich Hygienevorschriften

Verdrängung durch Immobilienfirmen ist auch widerwärtig
https://www.tagesspiegel.de/berlin/kneipe-in-berlin-kreuzberg-meuterei-verweigert-schluesseluebergabe/24405160.html
Zitat
Die linke Kneipe Meuterei hat ab Samstag keinen Mietvertrag mehr. Doch das Kneipenkollektiv kündigt an, die Schlüssel nicht herauszugeben. CHRISTOPH KLUGE
Gestern wird Demo für die Kneipe gewesen sein:
https://leutefuerdiemeute.noblogs.org/

Die Duldung im Berliner Monbijoupark wird auch nicht verlängert für das Theater Märchenhütte
https://www.tagesspiegel.de/berlin/drama-im-park-um-das-monbijou-theater-tobt-erbitterter-streit/24184652.html

Alles, für das Berlin geliebt wird, steht inzwischen auf sandigem Boden !!  :-\ :'(

Aber für Größenwahn reichts:
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/08/berlin-hermannplatz-bezirke-gegen-karstadt-neubau.html
Zitat
Riesig sollte es werden, das neue Karstadt-Gebäude am Hermannplatz. Doch die tollkühnen Pläne des Eigentümers, eine österreichische Investorengruppe, werden jäh ausgebremst: "Wir brauchen kein Stadtschloss in Kreuzberg", sagt Baustadtrat Schmidt.

Gibt eine Bürger_innen-Initiative gegen das riesen Kaufhaus - Projekt - Bürgerinni Hermannsplatz

steht auch in der verdi publik was drüber - der Bau könnte auch durch den Film "Babylon Berlin" inspiriert sein, da sei das ehemals vorhanden gewesen Gebäude wohl zu sehen

Noch was: bitte Regisseur_innen: keine kurz vor - während und Nachkriegszeit-Filme mehr meiner Meinung nach, denn Scheiße muss nicht dauernd verfilmt werden noch und nöcher! Anderes wird doch noch möglich sein. Und Babylon Berlin finde ich auch scheiße, da unnötig und geht in Richtung Nostalgisierung und Verherrlichung meiner Meinung nach

Kuddel

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Re: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!
« Antwort #99 am: 19:40:29 So. 08.Dezember 2019 »
Die US Regierung, der Leuchtturm der Freien Welt, gibt vor, wohin die Reise geht:
Zitat
Schätzungsweise 700.000 armen Amerikanern werden schon bald die Lebensmittelmarken gekürzt. Die Demokraten warnen, dass viele der Betroffenen daher schon bald nicht mehr genug Geld haben werden, um genug Lebensmittel zu kaufen. Trumps republikanische Regierung hingegen verweist auf die niedrige Arbeitslosigkeit, die es den Menschen ermögliche, selbst ein Einkommen zu erwirtschaften.

Konkret geht es um ein Programm, das rund 36 Millionen Amerikaner jeden Monat beim Kauf von Lebensmitteln unterstützt. Laut der neuen Regelung der Regierung sollen künftig gesunde Erwachsene, die keine Kinder haben, den Anspruch verlieren, wenn sie nach drei Monaten der staatlichen Unterstützung nicht mindestens 20 Stunden pro Woche arbeiten.
https://www.spiegel.de/politik/ausland/trump-regierung-will-700-000-amerikanern-die-sozialleistungen-kuerzen-a-1299753.html