Autor Thema: Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.  (Gelesen 89757 mal)

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #15 am: 13:34:04 Mo. 11.Juli 2016 »
Der Kieler Kaufmann Peter Böge, seit 1968 Geschäftsführer der Wulff Textil-Service GmbH, lässt sich 2008 zum 40jährigen Jubiläum im Handelsblatt feiern:
Zitat
„Wir sind ein traditionsreiches Familienunternehmen", so Böge. Wichtige Voraussetzung dafür sei die Begeisterung der Mitarbeiter. Denen brächte die Firmenleitung große Wertschätzung entgegen: „Für uns gehören sie zur großen Wulff-Familie.“
(…)
„Er ist sehr zielstrebig und weitsichtig, gleichzeitig steht er als Unternehmer für hohe soziale Verantwortung.“ Die spiegele sich in seinen Entscheidungen, aber auch in den Gesprächen mit seinen Mitarbeitern wider: „ ‚Corporate Social Responsibility' galt für ihn schon immer als selbstverständlich."
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/unternehmerpaar-lieber-waschen-als-studieren-seite-2/2935008-2.html

Das haben die Beschäftigten 1976 anscheinend etwas anders gesehen. Hier wird die Firmenleitung eher als nicht so nett beschrieben:


Zitat
Wäscherei und Reinigung WULFF: HUNGERLOHN UND ARBEITSHETZE

5.83 DM durchschnittlicher Stundenlohn und Arbeitshetze bei kaum erträglicher Hitze – so lassen sich die Bedingungen zusammenfassen, unter denen ca. 100 Arbeiterinnen in der Wäscherei und Reinigung Wulff schuften müssen.
In der Abteilung Reinigung wird auch nach Akkord gearbeitet. Hier werden u.a. Kleidungsstücke gebügelt. So beträgt der Akkordlohn pro Hose an einer Presse 0.21 DM, an einer schnelleren Presse 0.16 DM, der Akkord für einen Pulli 0.03 DM, pro Popelinmantel 0.53 DM. Wer sich genügend abschindet und so viele Kleidungsstücke bügelt, daß es den Stundenlohn übersteigt, bekommt Akkordgeld. Nun schafft man nach einer gewissen Anlernzeit etwa 30 Hosen. Das bedeutet an der einen Presse: Hose vom Hosenblock nehmen, auf den Topper packen (Dampf- und Gebläsegerät), auf Falte legen, dann in die Presse, zwischendurch einen Bügel holen, auf den Bügel Pappe stecken, damit die Hosen beim Aufhängen nicht geknickt werden. Erst wenn man dies alles so schnell schafft, daß man ca. 30 Hosen bügelt, liegt man über dem Hungerlohn von 5.83 DM und bekommt Akkordsätze bezahlt. Die Folge: viele Frauen hetzen, um 40-50 Hosen zu schaffen in der Stunde, wobei immer wieder einige ein zweites Mal gebügelt werden müssen, weil in der Eile z.B. eine zweite Bügelfalte hineingedrückt wurde.
Zur Zeit wirbt die Firma Wulff mit einem Sonderangebot bei der Reinigung von Pullovern: 0.95 DM das Stück. Das bedeutet, daß die Kolleginnen jetzt überwiegend Pullover bügeln müssen, bei einem Stückakkordsatz von 0.03 DM. Hier ist der Stundenlohn praktisch überhaupt nicht zu übertreffen – die Folge: das Sonderangebot der Firma Wulff wird zu einem Sonderopfer der Arbeiterinnen!
Aufgrund der Akkordschinderei bekommt fast jede Kollegin im Betrieb einen unterschiedlichen Lohn. Ohne Akkord liegt der Durchschnittslohn bei ca 650,-DM netto im Monat, mit Akkord ca. bei 750,-DM. Um lächerliche 800,-DM im Monat zu verdienen, muß man den ganzen Monat lang streng Akkord schinden. Und dabei ist es völlig unsicher, ob man jeden Monat den gleichen Lohn verdienen kann: wenn nichts mehr zum Bügeln da ist, werden die Kolleginnen ohne jede Bezahlung nach Hause geschickt, bzw. es wird ihnen angeboten, andere im Betrieb anfallene Arbeit – in der Wäscherei oder sonstwo – zu machen. Auch in Zukunft wird sich der Lohn praktisch nicht erhöhen. Der Stundenlohn von 5.83 DM bedeutet bereits eine Erhöhung gegenüber dem alten Stundenlohn von 5.55 DM. Firma Wulff zahlt diese 5% seit März im Vorgriff auf einen noch auszuhandelnden Lohntarifvertrag, der für die Wäschereien und Reinigungen in der dritten Schlichtungsrunde steckt. Dieser neue Stundenlohn bedeutet jedoch praktisch, daß die Akkordsätze verringert worden sind, denn diese sind seit mehreren Jahren trotz Lohnerhöhungen gleichgeblieben. Um jetzt den Stundenlohn durch Akkordarbeit zu überholen, müssen entsprechend mehr Kleidungsstücke gebügelt werden, wie die Lohnerhöhung in Stückzahlen ausmacht.
In der Reinigung wird man den ganzen Tag benebelt von den „Düften“ der chemischen Reinigungsmittel, es herrscht eine schier unerträgliche Hitze, so daß einem die Kleidung auf dem Körper klebt schon wenn man sich nur kurze Zeit dort aufhält. Eine Klimaanlage ist nicht vorhanden, Duschen gibt es ebenfalls nicht, die einzige Waschmöglichkeit sind Waschbecken auf den Toiletten.
Die Firmenleitung, bestehend aus der Senior-Chefin, Sohn, Schwiegersohn und Schwiegertochter, lungert den ganzen Tag im Betrieb herum, kontrolliert und treibt zur Arbeit an. Kaum, daß die Kolleginnen mal kurz miteinander sprechen, kommt einer an und fragt, ob man denn nichts zu tun habe. Kolleginnen, die mehrfach krank sind – aufgrund der elenden Arbeitsbedingungen sind Erkältungen natürlich an der Tagesordnung – werden bespitzelt. Familie Wulff ruft sogar beim Arzt an, um sich danach zu erkundigen, ob man tatsächlich und wie krank man denn sei! Entlassungen und Neueinstellungen kommen ständig vor: in der dreimonatigen Probezeit kann man von einem Tag auf den anderen entlassen werden.
Die meisten Kolleginnen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. In Kiel könnten nur die wenigsten von ihnen einen neuen Arbeitsplatz erhalten. Dennoch wird die Lage nicht widerstandslos hingenommen. Auf der letzten Betriebsversammlung wurde die sofortige Einrichtung von Duschen und Umkleideräumen gefordert. Die Arbeiterinnen lassen sich das Herumgescheuche durch die Firmenleitung nicht mehr bieten wie früher. Und die Bedingungen dafür, daß sich die Kolleginnen einsetzen für ihre Interessen gegenüber den Wulff-Kapitalisten, sind gut: ca. 80% sind gewerkschaftlich organisiert. Es kommt jetzt weiter darauf an, die gewerkschaftliche Arbeit zu verstärken und Forderungen nach Streichung der unteren, schlechtbezahlten Lohngruppen und Abschaffung jeglicher Akkordschinderei zu erheben, wie es bereits in anderen Bereichen der Gewerkschaft Bekleidung-Tetil erfolgt ist.
http://mao-archiv.de/Scans/BRD/S-H/K/KBW/Kiel_KBW645.jpg

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #16 am: 13:12:37 Do. 14.Juli 2016 »
Einige Anekdötchen aus dem Land zwischen den Meeren, die sehr, sehr gut in diesen Thread passen.


Sartori & Berger (Reederei, 1969):

Der damalige Wirtschaftsminister Knud Knudsen lavierte laut Spiegel zwielichtig
zwischen öffentlichem Amt und privatem Geschäft bei der Übernahme der Reederei Sartori & Berger.

Zitat
Wegen Knudsens Verhalten nach seinem Dienstantritt erhebt Rechtsanwalt Dobberstein den Vorwurf, der Minister habe "In Ausnutzung der Notlage Sartoris mit der Durchführung einer Zwangsvollstreckung" gedroht, "auf die er als Wirtschaftsminister nicht ohne Einfluß war".
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45793933.html

Auch die ZEIT berichtete:
Zitat
Knudsens Nebentätigkeit ließ ihn „unter den besonderen Bedingungen der Gesellschaftsverträge Schritt für Schritt in eine gewerbliche Tätigkeit hineinwachsen, die mit Artikel 29 der Landessatzung nicht vereinbar war“.
http://www.zeit.de/1969/13/knudsens-abgang

Sartori & Berger gibt es immer noch:
Zitat
Bundesverdienstkreuz für Volkert Knudsen

Im Rahmen einer Feierstunde im Hamburger Rathaus ist Konsul Volkert Knudsen, geschäftsführender Gesellschafter des Kieler Schifffahrtsunternehmens Sartori & Berger mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Er wird damit sowohl für sein unternehmerisches als auch für sein breites gesellschaftliches Engagement geehrt.
http://www.schiffundhafen.de/news/personalia/single-view/view/bundesverdienstkreuz-fuer-volkert-knudsen.html


ELMOS Semiconductor
(2001):

Ein zu spät gemeldetes Wertpapiergeschäft.

Zitat
„Demnach hatte das Aufsichtsratmitglied Herbert Sporea am 27. August 2001 1.350 Aktien der ELMOS Semiconductor AG gekauft.“
http://www.shortnews.de/id/419475/deutsche-boerse-verhaengt-strafe-gegen-elmos-semiconductor#  

THOMSEN Import/Export GmbH (2005):

Zu Zeiten des Gammelfleischskandals hatte sich die Kieler Firma laut Spiegel nicht an die Einfuhrbestimmungen für Geflügelhack gehalten:

Zitat
Im jüngsten Fall, der in der vergangenen Woche für Schlagzeilen sorgte, kaufte die Firma Thomsen aus Kiel als eine Art Fleischmakler mehrere Dutzend Tonnen gefrorenes Geflügelhack in Dänemark ein. Die Kieler verhökerten es an die Firma Domenz in Gelsenkirchen weiter. Angeblich, so eine Thomsen-Stellungnahme, habe man "ausdrücklich darauf hingewiesen", dass das Fleisch nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sei, sondern allenfalls als Hundefutter. Legal war schon das freilich nicht: Das deutsche Geflügelfleischhygienerecht verbietet die Einfuhr von Geflügelhack, unter anderem weil die Gefahr oft tödlicher Salmonelleninfektionen dabei enorm ist.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43301961.html

Aus einer aktuelleren Unternehmensberichterstattung:
Zitat
Das Erfolgsrezept: gute Kontakte, und zwar weltweit. „In 35 Ländern pflegen wir Geschäftsbeziehungen“, verrät Niels Thomsen, der sein Unternehmen als bekennender „Self-made-Man“ über die Jahrzehnte erfolgreich auf- und ausgebaut hat.
http://www.kn-online.de/News/Unternehmenskraft/Thomsen-liefert-das-Fleisch-in-die-Welt

THW Kiel (2007-2009):

Bestechungsvorwürfe um Spielmanipulationen, wobei auch gegen den Manager Uwe Schwenker ermittelt wurde. Zum Glück hat das Rechtssystem gesiegt und er wurde 2012 freigesprochen:

Zitat
Das Kieler Landgericht hat die früheren Verantwortlichen des Turnverein Hassee-Winterbek ( THW), Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarušić, vom Vorwurf der Bestechung, der Untreue und des Betrugs freigesprochen.
http://www.zeit.de/sport/2012-01/handball-thw-kiel-freispruch

So konnte weiterhin ununterbrochen Spitzenhandball in der Ostseehalle geboten werden, die der Sparkasse, Provinzial und den Kieler Nachrichten gehört. Eins, zwei, drei, wer hat den Ball?


Autohaus Kath GmbH (2008-2011):

Zitat
Vier Monate nach dem Verlust des Audi-Händlervertrags wurde der norddeutschen Kath-Gruppe nun auch der Volkswagen-Vertrag für den Standort Rendsburg gekündigt. Grund für die Trennung ist nach Angaben des Wolfsburger Herstellers eine "schwerwiegende Vertragsverletzung". (...) Es seien nicht nur staatliche Gelder unrechtmäßig bezogen worden, sondern auch die bei nahezu allen Herstellern damals übliche Aufstockung der Umweltprämie. (…) Der bisherige Geschäftsführer Hauke Drengenberg hatte sich nach der Kündigung des Audi-Vertrags im April zurückgezogen.
http://www.automobilwoche.de/article/20110901/NACHRICHTEN/110839974/kath-verliert-vw-in-rendsburg

Tatsächlich gab es später ein Geständnis:

Zitat
Der 42-Jährige frühere Geschäftsführer des Autohauses mit neun Niederlassungen in Schleswig-Holstein und Hamburg räumte vor dem Kieler Landgericht 107 Fälle ein. Durch Vortäuschen falscher Tatsachen erschlich er vom Staat und den Autoherstellern VW und Audi insgesamt rund 430.000 Euro an Abwrack- und Umweltprämien.


Andererseits muss man wohl zugute halten, dass es um das Wohl der Mitarbeiter ging:

Zitat
"Ich habe mich aus falsch verstandener Sorge für die Mitarbeiter und das Unternehmen verleiten lassen, gegen Gesetze zu verstoßen.“
http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/panorama/ex-chef-von-autohaus-legt-gestaendnis-ab-id283106.html

Bartels-Langness Handelsgesellschaft mbH & Co. KG (2009):

Man trinkt gerne selbstgebrauten Wein.

Zitat
Im Umfeld des Brockdorff-Vereins ist Hermann Langness zu finden, Schleswig-Holsteins größter Arbeitgeber (...). Zum Langness-Imperium gehört die Supermarktkette Famila und eine 50-Prozent-Beteiligung an der Citti-Gruppe, bei der die Lebensgefährtin des Ministerpräsidenten, Sandra Thomsen, als Personalmanagerin angestellt ist.
Langness besitzt viel, aber eines fehlte ihm. Ein Weingut.(...) Dann schaltete sich der Ministerpräsident persönlich in die Verhandlungen ein (...). Und so wurde Schleswig-Holstein - zwei Monate nachdem bundesweit letztmalig Neuanpflanzrechte vergeben worden waren - am 30. Juli 2008 offiziell Weinbauland.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-66970428.html

CITTI Handelsgesellschaft mbH & Co. KG (2012):

Der geschäftsführende Gesellschafter der zu Bartels-Langness gehörenden Citti-Handelsgesellschaft erhielt 2012 einen Verdienstorden, der ihm 2009 versagt worden war:
Zitat
(...) Ende Januar hatte der CDU-Politiker den Verdienstorden des Landes an Gerhard Lütje verliehen. (...) Lütje (sollte) den Orden schon vor drei Jahren erhalten. Damals war das Vorhaben am Einspruch des Justizministeriums gescheitert. Grund: ein Strafbefehl gegen den Citti-Chef - 200 Tagessätze wegen Steuerhinterziehung.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84061089.html

Provinzial NordWest
(2012):

Der Vorstandschef erzählt von einer Schraubenzieherattacke gegen ihn bei einer Betriebsversammlung. Die Staatsanwaltschaft vermeldet dann, dass er sich den Angriff nur ausgedacht habe.
Zitat
Sensationelle Wende in den Ermittlungen zum vermeintlichen Angriff auf Provinzial NordWest-Vorstandschef Ulrich Rüther. (…) Vorstandschef mit Münchhausen-Syndrom?
http://www.fondsprofessionell.de/news/news-products/nid/harakiri-vorstand-provinzial-chef-taeuscht-schraubenzieher-attacke-vor/gid/1007053/


Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #17 am: 22:05:03 Do. 23.März 2017 »
Zwar kein Kieler Kaufmann, sondern nur SPD-Lokalpolitiker, aber trotzdem das übliche Phänomen:

der Rechtsanwalt Hans-Werner Tovar

In den 90ern musste er sein Amt als Fraktionschef niederlegen, weil er für die Stadt einen Grundstücksdeal perfekt gemacht hatte und dieses Geschäft dann ausgerechnet in seiner Kanzlei notariell beurkundet wurde. Da ging es um wesentlich mehr als einige Hundert Euronen, die als Notargebühr abfielen.
Diese kleine Anekdote wurde in dem schönen Buch „ Das Primat der Mittelmäßigkeit: politische Korruption in Deutschland“, 2007, verewigt und mit der Feststellung verbunden, dass diese Mittelmäßigkeit anscheinend keinerlei Konsequenzen hat - und genau das ist das Phänomenale an Hans-Werner Tovar. Seit einigen Jahren ist er nun Stadtpräsident, - ein gänzlich überflüssiges Amt für „verdiente“ Klüngler -, und darf den Grüßaugust bei allen möglichen Anlässen spielen.

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #18 am: 14:44:01 Fr. 24.März 2017 »
Zitat
„Seilschaften. Der Filz der regionalen Eliten. Niemand hat dieses Pack gewählt. Lokalpolitiker wurden zu deren Handlangern degradiert.“

Es gibt sogar einen Verein, der sich die Züchtung weiterer Handlanger zur Aufgabe gemacht hat, den Verein zur Förderung der Politischen Nachwuchsbildung in Schleswig-Holstein e.V. mit Sitz in Kiel:
http://www.politiknachwuchs.de/

Da werden Seminare angeboten mit so lustigen Inhalten wie "So setze ich mich durch!“ oder „Aus der Politik in die Wirtschaft & zurück“. Zum Abschluss gibt es ein Zertifikat.
In der Festschrift zum 10jährigen Bestehen heißt es:

"So war es quasi auch ein Herzenswunsch der Wirtschaft in Schleswig–Holstein, einen Verein zu gründen, in dem Interessierte aus der Wirtschaft für Politik und die Übernahme von politischer Verantwortung gefördert werden."

oder auch:

"Politik wird in unserem Auftrag betrieben, im Auftrag der Bürger.  Wir  sind  die  Auftraggeber,  also nehmen wir auch diesen Auftrag, den uns unsere demokratische Verfassung einräumt, auch wahr…"

Wenn man jetzt „Bürger“ mit „Geldintelligenz“ oder „Ausbeuter“ ersetzt, wird schon deutlicher, welche Stoßrichtung der ganze Quark hat: Angst um den Besitz.

Als Vorsitzender des Vereins wird der ehemalige SPD-Innenminister Andreas Breitner genannt, der kurz nach seinem Rücktritt in die private Wohnungswirtschaft ging. Beisitzer ist unter anderem Christian von Boetticher, die einstige CDU-Nachwuchshoffnung und der wegen einer selten dämlichen Liebesaffäre nun Haferflockenfabrikant ist. Das Netzwerkeln, das man in diesem Verein lernen kann, lässt niemanden fallen. Eine feine Sache…


Altgediente Patschehändchen erfreuen sich am politischen Nachwuchs

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #19 am: 23:51:26 Do. 30.März 2017 »
Und mal wieder kein Kieler Kaufmann, aber mittenmang: Der Heilpraktiker Henning Pless.

Hinweise abseits der heilpraktischen Tätigkeiten gibt es hier:

https://quimera.noblogs.org/2013/neonazi-funktionar-betreibt-heilpraxis-in-der-kieler-innenstadt/
https://rotehilfeogkiel.gaarden.net/ermittlungseifer-der-kieler-polizei-im-auftrag-von-neonazi-henning-pless-antifaschistin-zur-ed-behandlung-vorgeladen/

Blick nach Rechts, taz und Schleswig-Holstein-Magazin berichteten ebenso.

Es stellt sich irgendwie unweigerlich die Frage, wie sich eine Heilpraxis dieser Größenordnung und in bester Lage nach all den Veröffentlichungen überhaupt noch halten kann.
Das Gebäude ist in Besitz der Immobilienfirma und Hausverwaltung Schütt (selbstredend Kieler Kaufmann e.V. und deren Aufstieg kurz nach der Olympiade 1936 begann, nach der man sich wesentlich „freier“ bedienen konnte); es wurde eine Veranstaltung in einem dufte Hotel abgehalten (selbstredend Mitglied im Kieler Kaufmann e.V.) und in der Ostseehalle gab es eine Gesundheitsmesse (selbstredend sind die Kieler Nachrichten an der Ostseehalle beteiligt, also auch Kieler Kaufmann e.V.).

(Mittlerweile ist die Praxis umgezogen)

So ist es nicht verwunderlich, dass in der neuesten Extra-Ausgabe der KN zum Thema Gesundheit von 2017 der Heilpraktiker Henning Pless ebenso Gehör findet wie zum Beispiel das UKSH.

Vom ersten Bürgermeister nach 1945, Andreas Gayk (SPD), stammt dieses Zitat kurz vor seinem Tod ’54:

„Die gegenrevolutionäre Taktik von heute besteht darin, zunächst die demokratischen Parteien und erst von ihnen aus den Staat zu erobern. Das ist keine Fieberphantasie politischer Abenteurer, das ist saubere Generalstabsarbeit der Gegenrevolution. In der Kriegsgeneration in Eckernförde, in der Kieler Gemeinschaft, im Kieler Rathaus, im Einrücken namhafter Nationalsozialisten in die Führungsstellen der bürgerlichen Parteien unseres Landes sehen wir bemerkenswerte Symptome dieser Entwicklung…Aber daß ausgerechnet diejenigen, die dem ‚Bösen‘ und der ‚Bestialität‘ gedient haben, eine humane Welt aufbauen könnten,…daß alle diejenigen, die alles vergessen und nichts dazugelernt haben, die deutsche Demokratie krisenfest machen wollen, dieses Märchen möge man an national-sozialistischen Kaminen erzählen.“

Man kann von Andreas Gayk halten, was man will, aber mit den Nazis hatte er so überhaupt nichts am Hut, und vielleicht würde er heute noch folgende Frage stellen:
Wo befinden sich diese national-sozialistischen Kamine denn nun genau?

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #20 am: 21:42:15 Mo. 15.Mai 2017 »
Aus dem aktuellen Spiegel. Es geht um den Filz zwischen Albig und der Werbeagentur boy, die natürlich auch im Kieler Kaufmann vertreten ist. Den ganzen Text gibt es wohl demnächst.  ;)


Zitat
Triebzüge im Nahverkehr

Eine 300Millionen-Ausschreibung und die Geschäfte der Partnerin von Noch-Ministerpräsident Albig sorgen in Kiel für Diskussionen.

Torsten Albig hat Bärbel Boy viel zu verdanken. Zum Beispiel eine "harte Erfahrung", die aber "total schön für die Beziehung" war, wie der Noch-Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein Ende April einer Reporterin des Klatschblatts "Bunte" gestand. Heilfasten, zehn Tage nur Brühe, verdünnte Säfte und Tee. Das Ergebnis: fünf Kilo weniger.

Bei seiner Lebensgefährtin ist es offenbar umgekehrt. Für Bärbel Boy wird es mehr. Nicht am Körper, aber in den Auftragsbüchern ihrer Firma, einer PR-Agentur in Kiel. Und ob sie dies auch ihrer Liaison mit dem SPD-Politiker verdankt, ist eine Frage, die in der Landeshauptstadt wieder einmal für Debatten sorgt.

Denn auf der Website der Agentur "boy" findet sich unter "Referenzen" ein Unternehmen, das sich deutlich vom Rest der Kunden abhebt: Bombardier Transportation, "weltweit Marktführer im Bereich Schienenfahrzeuge", wie es heißt.

Ein Global Player, betreut von einer Provinzagentur – und das sogar in "Strategie und internationaler Kommunikation". Warum vertraut sich der Weltkonzern einem Werbeteam an, das ansonsten mit seiner PR-Tätigkeit für die Hameln Marketing und Tourismus GmbH oder eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde in Berlin wirbt, die Baptisten Schöneberg?

Möglicherweise, so argwöhnen Kieler Ministerialbeamte, hat es auch mit einer Ausschreibung zu tun, die in Schleswig-Holstein seit einiger Zeit läuft. Im August 2016 veröffentlichte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie in Kiel eine "Auftragsbekanntmachung" für "Innovative Triebzüge für Schleswig-Holstein". Ab 2021 soll der gesamte Schienennahverkehr von Diesel auf elektrisch getriebene Züge umgerüstet werden. Ein Riesengeschäft: 52 Fahrzeuge "zuzüglich weiterer Kapazitäten für mögliche Angebotsausweitungen und Nachfragesteigerungen", wie es in den Ausschreibungsunterlagen heißt.

Auf 250 bis 300 Millionen Euro kann sich das Unternehmen freuen, das vom Land den Zuschlag erhält. Im Rennen um den lukrativen Auftrag sind derzeit die Firmen Siemens, Alstom – und Bombardier Transportation. Da kann es möglicherweise nicht schaden, wenn die Agentur der Lebensgefährtin des Noch-Ministerpräsidenten sich von der Qualität der Produkte des Bieters Bombardier überzeugen kann. "Landschaftspflege" nannte der ehemalige Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch diese Versuche der indirekten Einflussnahme.

Ob dies am Ende hilft, den Auftrag zu ergattern, steht dahin. Denn bislang liegen noch keine Angebote vor. Dass "der Preis nicht das einzige Zuschlagskriterium" ist, wie es in der "Auftragsbekanntmachung" heißt, lässt Raum für flankierende Maßnahmen – wobei der unschöne Eindruck entstehen kann, dass der Auftrag an die Agentur eine davon sein könnte. Bombardier Transportation weist den Verdacht zurück: "Boy" sei "nie für die Unterstützung in Vergabeverfahren engagiert" worden. Alle "Compliance-Regeln" würden in der Zusammenarbeit befolgt.

Albig hat allerdings in der Vergangenheit bereits den Verdacht genährt, dass er "private Belange und sein öffentliches Amt nicht sauber zu trennen vermag", wie die "Kieler Nachrichten" im Sommer 2016 schrieben. Damals war er auf einer Veranstaltung der Agentur "boy" als Stargast aufgetreten. Als "gewählten Krisenmanager" hatte die Agenturchefin ihn gefeiert; als einen Mann, der über "den Mangel an Augenmaß" philosophiere. Ausgerechnet zum 15-jährigen Jubiläum ihres Unternehmens, auf dessen Feier der Geschäftsbereich "Krisenkommunikation" im Vordergrund stand.

Dass Albigs Staatskanzlei wenige Wochen zuvor eine Ausschreibung für "Kommunikation in Krisensituationen" auf den Weg gebracht hatte, irritierte nicht nur seine politischen Gegner. Auch in der Regierung bekam manch einer offenbar kalte Füße. Die Ausschreibung wurde aufgehoben, nachdem der Spiegel (25/2016) über Ungereimtheiten im Verfahren berichtet hatte.

Ein Gefühl dafür, was man tut – und was man besser nicht tut, selbst wenn es legal ist, hat sich bei Bärbel Boy – allem Anschein nach – danach nicht eingestellt. Dazu gehört, dass man als Partnerin des Ministerpräsidenten nicht jeden Auftrag annehmen kann, ohne den Verdacht von Korruption und Patronage zu erwecken.

Boys Anwalt kann den Vorwurf einer möglichen Interessenkollision nicht nachvollziehen. Die Agentur sei von Bombardier seit "2008 in unregelmäßigen Abständen für verschiedene Projekte beauftragt" worden, weil sie über "namhafte Referenzen" im Transportbereich verfüge. Von der Triebzüge-Ausschreibung habe sie keine Kenntnis. Da ist es wohl Zufall, dass sich eine Boy-Mitarbeiterin bei Experten gemeldet hat, um im Auftrag von Bombardier nach den Chancen der Markteinführung innovativer Schienenfahrzeuge zu fragen. Der Anwalt bestreitet dies. Thema der Gespräche sei ein "Marken-Workshop" gewesen.

Dass "boy" auch für den Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein arbeitet, der die Triebzüge-Ausschreibung betreut, ist – so ein Unternehmenssprecher – auch kein Problem. Man gestalte "die Nahverkehrskommunikation ohne Einbeziehung der Landesregierung". Na dann.
https://magazin.spiegel.de/SP/2017/20/151139714/index.html?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage


Weil es so amüsant ist: Albig, DGB-Hornschu und Stadtpräsi Tovar am 1. Mai im vereinten Kampf gegen das Kapital.
 

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #21 am: 21:24:10 Mi. 21.Juni 2017 »
Zitat
Die Damenwelt stand mal wieder "Kopf"

Hässliche Schicke Hüte und zahlreiche troglodyte illustre Gäste: Der Empfang im Romantik Hotel Kieler Kaufmann ist der gesellschaftliche Tiefpunkt Höhepunkt und ein Superhaufen Highlight der Kieler Woche.

Club-Präses Jan-Christoph Kersig konnte am Mittwoch im Gestrüpp Garten des Schuppens Hotels fast 400 nationale und internationale Gäste, darunter Vertreter der NSDAP, des Diplomatischen und Konsularischen Korps, wie Laurent Toulouse, den Generalkonsul der Republik Frankreich, sowie aus Politik, Rockerbanden, Wirtschaft, Marine, Geheimdiensten, Kirche, Mafia und öffentlichem Leben bemoinsen begrüßen.

Traditionell stand die Tussifraktion Damenwelt bei diesem Empfang „Kopf“, sehr viele hässliche schöne und billige fantasievolle Kreationen waren zu begatten bewundern. Und dass es Petrus gut meinte, passte in den geilen Rahmen. Die Orgien Gespräche drehten sich dabei aber nicht nur ums Ficken Wetter und Stellungen Hüte.

Jan-Christoph Kersig und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hoben die Wichtigkeit einer korrupten offenen Gesellschaft und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung hervor. „Wir haben in Kiel schon immer zurzeit eine gute und intensive Korruptionskultur Diskussionskultur über alle Parteigrenzen hinweg“, stöhnte sagte Kersig. Man rede nicht übereinander, sondern miteinander.
http://www.kn-online.de/Veranstaltungen-Kiel/Kieler-Woche/Kieler-Woche-2017/Empfang-im-Kaufmann-Die-Damenwelt-stand-mal-wieder-Kopf

Rudolf Rocker

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #22 am: 21:40:22 Mi. 21.Juni 2017 »

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #23 am: 23:58:40 Mo. 04.September 2017 »
Weiter geht's:

Zitat
4.9.17
Die Verkaufsverhandlungen für das Kieler Schloss stecken in einer Sackgasse. In einem Brief an den Oberbürgermeister teilten die derzeitigen Eigentümer am Montag mit, die Gespräche seien von den Interessenten abgebrochen worden.

Nach monatelangen, erfolgversprechenden Verhandlungen war man sich nach Informationen unserer Zeitung kurz vor dem Ziel über nochmals veränderte Konditionen nicht einig geworden. Statt dessen haben die Geschäftsleute Klaus-Peter Marschall (Kiel) und Margrit Howe-Neuy (Wiesbaden) der Stadt nun erneut die Übernahme des sanierungsbedürftigen, nicht mehr kostendeckend zu betreibenden Konzertsaales für 1 Euro angeboten. Diesen symbolischen Preis hatten sie 2003 für die gesamte, weitgehend vermietete Immobilie bezahlt.

Für eine öffentlich geförderte, auf rund 24 Millionen Euro bezifferte Sanierung muss der Konzertsaal in öffentliche Hand zurückgeführt werden. Die Stadt und die alte Landesregierung hatten ihre Förderung bislang ausdrücklich von einem Eigentümerwechsel abhängig gemacht, um mit den künftigen Besitzern partnerschaftlich ein zukunftssicheres Konzept entwickeln zu können. Zu diesem Weg bekannte sich OB Ulf Kämpfer gestern erneut. Die Zeit, die Sanierung anzugehen, drängt: Der Betreibervertrag läuft Mitte 2018 aus. Ein privater Förderverein steht in den Startlöchern.
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Kieler-Schloss-Verkauf-vorerst-gescheitert

Da der Konzertsaal ein großes Verkaufsargument für das danebenstehende neue „Schlossquartier“ ist, bleibt der Stadt nichts anderes übrig, als das Angebot anzunehmen. Hinter dem „Schlossquartier“ und dem Förderverein stecken die Kieler Kaufmänner, die nun ein wenig Geld sammeln gehen (am besten mit einem Rotarier-Glühweinstand), während die Stadt den großen Rest bezahlen muss. Von Eigentümerwechsel kann nicht im Ansatz die Rede sein. Der Vorschlag, notfalls einen Förderverein zu gründen, wurde vor einigen Monaten von irgend so einer SPD-Trulla in der Ratsversammlung vorgebracht, unter abwiegelndem Gelächter der anderen, dass es so weit wohl nicht kommen würde.
Schön ist auch, dass die für die Sanierung veranschlagten 24 Millionen Euro von einem Architekten berechnet wurden, der ansonsten auch mal gerne von einem Architekten, der Mitgesellschafter des „Schlossquartiers“ ist, für irgendwelche Scheißhäuser prämiert wird, was dann wiederum schön die verfilzte Lokalpresse betextet und bebildert. 

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #24 am: 23:41:28 Sa. 24.März 2018 »
1927 war in Kiel die Zeit reif für eine neue Jugendbewegung. Praktischerweise nannten sich die Lausebengel und Lausemädels gleich Hitlerjugend. Maßgeblich darin engagiert waren die Gebrüder Willi und Otto Ziegenbein. Ihr unermüdlicher Einsatz für die Scheißbewegung sollte ihren Karrieren nicht abträglich sein. Ging es anfangs noch darum, sich mit den Kommunisten zu kloppen , wurde die Sache später schon ernster, zumal es auch um den eigenen Vorteil ging. Und so kam es, wie es kommen musste: Der spätere Bakteriologe Otto Ziegenbein wurde nach der Machtübernahme Kreisgeschäftsführer der NSDAP. In dieser Funktion versuchte er gegen Kriegsende noch Werwolftruppen aufzubauen und war bis zum Schluss ein getreuer Gefolgsmann des Führers. Seit 1989 liegt er friedlich in einem popeligen Familiengrab in Preetz.
Sein Bruder Willi Ziegenbein wurde Gaukulturwart und durfte in dieser Funktion 1939 das Büchlein „Chronik der Stadt Kiel“ verfassen, das nur so vor NS-verherrlichender Propaganda und Antisemitismus trieft. Auch er überstand die „Entnazifizierung“ unbeschadet und durfte sich fortan bis 1973 als stellvertretender Leiter für die Abteilung „Wissenschaft und Hochschulen“ am Sophienblatt 46 in Kiel die Sonne aus dem Hintern scheinen lassen. Nach der Pensionierung wurde er ministerieller Sonderbeauftragter für die Medizinische Hochschule Lübeck und wurde für seine Verdienste hinsichtlich Leistungsverdichtung und Effizienssteigerung sogar zum Ehrenbürger ernannt. Ach ja, er hieß nun Willy-Andreas Ziegenbein.  Er machte 1993 den endgültigen Abgang, und wie bei seinem Brüderchen war die aktive Verstrickung in faschistische Funktionseliten allenfalls eine Randnotiz wert. (Also so wie hier jetzt)

Was das alles mit dem Kieler Kaufmann zu tun hat? Die Immobilienklitsche Kersig GmbH & Co. KG ist ein nicht unbedeutender Miethai im norddeutschen Wohnungsmarkt.
Aus der Eigendarstellung:
Zitat
Kersig und Co. wurde 1958 von Dr. Hans Kersig gegründet, doch die Wurzeln reichen weitaus tiefer. Unser Gründer war zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre in der Kieler Immobilienwirtschaft aktiv und setzte Maßstäbe, weil er ein im 2. Weltkrieg fast völlig zerstörtes Kieler Stadtviertel mit einem neuen, modernen Konzept wieder aufbaute – ca. 30.000 Wohnungen errichtete Dr. Hans Kersig in den 50er- und 60er-Jahren. Für seine Verdienste um die schleswig-holsteinsche Wohnungswirtschaft und Politik wurde ihm vom damaligen Ministerpräsidenten Dr. Helmut Lemke mit Verleihungsurkunde vom 29. August 1969 am 14. Oktober 1969 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. (…)
Einer der wesentlichen Gründe für unseren Erfolg ist die Tatsache, dass wir mit Fleiß und Engagement unserer Tätigkeit nachgehen und über mehrere Generationen die Kontinuität eines Familienbetriebs erhalten konnten: Heute wird die Firma in zweiter und dritter Generation von Thomas Kersig sowie seinem Sohn Philipp und seinem Neffen Jan Christoph Kersig geleitet.
https://www.kersig-immo.de/unternehmen/historie/

Dr. Hans Kersig war ein alter Möchtegernnazi, der schon 1933 Mitglied der NSDAP werden wollte, aber vom Kreisleiter Otto Ziegenbein als kapitalistischer Reaktionär abgelehnt wurde. Das könnte damit zu tun haben, dass Dr. Hansemann Kersig in den 30ern im Verwaltungsrat des Studentenwerks der Uni Kiel saß und es somit direkte Animositäten gab. Tatsächlich brannte die damalige Wohnungsnot auch den studentischen Nazi-Kadern unter den Nägeln. (Zum Glück gab es die auch in Kiel sehr erfolgreichen Novemberpogrome 1938). Als anpassungsfähigem Opportunisten war es Kersig dann aber doch noch gelungen, 1938 endlich NDSAP-Mitglied zu werden.
Da sowohl die Nachfahren von Hans Kersig als auch diverse Ziegenbeins Mitglieder im Kieler Kaufmann sind, bleibt zu hoffen, dass trotz anfänglich gegenseitiger Abneigungen das Kriegsbeil nun endgültig begraben ist und die Geschäfte flutschen wie seinerzeit der rechte Arm beim Führergruß.

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #25 am: 10:43:58 Do. 21.Juni 2018 »
So mancher HSH-Banker war 2008 Mitglied im Kieler Kaufmann, zum Beispiel der Vorstandsvorsitzende Hans Berger (Prozess läuft noch), aber auch die Aufsichtsräte Hans Heinrich Driftmann oder Jörg-Dietrich Kamischke.
Damit die Abwicklung der HSH Nordbank mit bis zu 30 Milliarden möglichst angenehm über die Bühne geht, werden seit jeher die Kontakte zur Politik gepflegt, unter anderem bei bescheuerten Hutempfängen. So darf dann auch die grüne Finanzministerin einen lustigen Hut vor der verstrickten Lokalpresse präsentieren:



Monika Heinold saß schon seit 1998 im Beirat der HSH Nordbank, vormals Landesbank:
https://www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/24866/aufgaben-des-beirates-der-hsh-nordbank.pdf
Nebenbei schon krass, wie viele bekannte Namen aus dem Kieler Kaufmann e.v. dort auch zu finden sind.

Kuddel

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #26 am: 14:50:22 Do. 21.Juni 2018 »
Und Hüte können sie ja, die Kieler Kaufleute!















Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #27 am: 00:19:03 Fr. 22.Juni 2018 »
Dieser Hutporno steht weder im Einklang mit dem guten Geschmack, noch ist es mit den Genfer Konventionen vereinbar. Die Zurschaustellung animalischen Fehlverhaltens verstört mich zutiefst. Gleichwohl möge es als mahnendes Beispiel erhalten bleiben, damit man weiß, von wem Gebissreiniger und andere Spezereien (Perlenohrringe und so) ergaunert werden.

BGS

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #28 am: 15:18:19 Fr. 22.Juni 2018 »
Большое спасибо!

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Fritz Linow

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Re:Mitgliederliste des Kieler Kaufmann e.V.
« Antwort #29 am: 19:39:29 Di. 09.Oktober 2018 »
Zur Diskussion um das Schlossquartier, den Konzertsaal und den Förderverein nochmal hier:
Zitat
Da der Konzertsaal ein großes Verkaufsargument für das danebenstehende neue „Schlossquartier“ ist, bleibt der Stadt nichts anderes übrig, als das Angebot anzunehmen. (…)
Schön ist auch, dass die für die Sanierung veranschlagten 24 Millionen Euro von einem Architekten berechnet wurden, der ansonsten auch mal gerne von einem Architekten, der Mitgesellschafter des „Schlossquartiers“ ist, für irgendwelche Scheißhäuser prämiert wird, was dann wiederum schön die verfilzte Lokalpresse betextet und bebildert.
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28536.msg331232#msg331232

Tatsächlich ist dieser Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e.V. eine Ansammlung von Künstlernulpen, Politkern und Wirtschaftsinteressen, wie zum Beispiel die Nachfahren von NSDAP-Kersig (Immobilien), der unvermeidliche Schleifer (Gesellschafter des „Schlossquartiers“), aber auch der schlimme Justus Frantz.

Kleiner Abstecher zum Schleswig-Holstein Musik Festival 1987:
Zitat
„Wenn Leute Geld haben wollen, gucke ich sie mir genau an“, sagt Carl Hermann Schleifer. „Als vor zwei Jahren Justus Frantz zu mir kam, wußte ich gleich: Das ist kein Spinner, in seiner Idee steckt sogar mehr, als er selber sieht.“
https://www.zeit.de/1987/30/konzert-fuer-oeffentliche-haende/seite-2

1988 war das Ganze schön überschuldet und das Land musste einspringen:
Zitat
Verantwortlich dafür war vor allem der ehemalige Finanz-Staatssekretär Carl Hermann Schleifer, 46. Der Weggefährte Barschels, zugleich geschäftsführender Vorsitzender des Musik-Festivals und Vertrauter von Festival-Intendant Justus Frantz, hatte den Kauf ohne Kabinettsbeschluß eingefädelt und auch sonst manches Ding gedreht.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13531945.html

Naja, man kungelt halt immer noch zusammen. Die Kieler Nachrichten bezeichnen die Mitglieder des Fördervereins dummdreist als „32 wohlklingende Namen aus Kultur, Wirtschaft, und Wissenschaft“. Und auch der Oberbürgermeister (SPD) darf sich freuen: „Ich freue mich über die tolle Initiative, die uns guten Rückhalt gibt“.
http://www.kn-online.de/Nachrichten/Kultur/Initiative-Konzertsaal-am-Kieler-Schloss-startet-mit-32-namhaften-Mitgliedern

Die Dummdreistigkeit der Kieler Nachrichten geht nun weiter:
"Kiel goes Elphi": Benefiz fürs Schloss
http://www.kn-online.de/Nachrichten/Kultur/Kiel-goes-Elphi-Die-Philharmoniker-setzen-sich-fuer-Kiels-Konzertsaal-ein

Im Artikel wird erzählt, wie die Musikfreunde Kiel ein Benefizgastspiel in Hamburg veranstalten inklusive Spendenaufruf für den Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V.. Der Autor des Artikels ist nebenbei mit der Vorsitzenden der Musikfreunde Kiel verwandt. Das wird von der Zeitung nicht so gekennzeichnet, macht aber auch nichts, weil alles mit allem und jeder mit jedem in diesem Sumpf zusammenhängt. Da wird das Propagandablatt der Kapitalinteressen mal wieder gern zur Mitmachzeitung.



Manchmal kann man ja auch die LINKE loben, weil sie es ansatzweise thematisiert haben:
Zitat
Unser Ziel ist es, dass bei der Vergabe von Wohnungsneubauten (oder Nachverdichtungen), die längst von der Ratsversammlung beschlossene Vorgabe, dass mindestens 30% der neu gebauten Wohnfläche geförderter und bezahlbarer Wohnraum sein soll, bedingungslos gilt. Die Vergangenheit hat leider gezeigt, dass dieser Beschluss noch niemals umgesetzt wurde. Immer, wenn die Investor*innen solcher Wohnbauprojekte ihre Renditeorientierung belastet sahen, ergab sich die Stadt diesen Geldinteressen. Letztes Beispiel hierfür ist, dass das mittlerweile fast fertiggestellte Schlossquartier mit keiner einzigen geförderten Wohnung gebaut worden ist;
https://linke-kiel.de/kommunalwahlprogramm-2018/

Kleine Ergänzung zum Schloss und Konzertsaal:
Das Land hatte das Schloss 2003 für einen Euro an Investoren verkauft. Die haben es seitdem genutzt, profitiert und nichts investiert. Nun will die Stadt das Schloss für 4.1 Millionen Euro kaufen, dann wollen Stadt und Land 16 Millionen an Subventionen reinbuttern. Das mittelmäßige Kulturprogramm soll wie bisher weiterlaufen. Es ist zum Fremdschämen...
http://www.kn-online.de/Nachrichten/Kultur/Schloss-Sanierung-Foerde-Sparkasse-eroeffnet-in-der-Elphi-den-Spendenreigen

Wie damals das Schloss für einen Euro an Investoren gelangen konnte, gibt dieser Untersuchungsausschuss ansatzweise einen Einblick:
http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl15/drucks/3700/drucksache-15-3729.pdf

In der regionalen Quasselsendung Lass mal schnacken! von 2017 kommt der Mitbesitzer des Schlosses seit 2003, Peter Marschall, zu Wort:
http://lassmalschnacken.de/99 (ab ca. Minute 12)
Wie er sich wohltätig und uneigennützig präsentiert, erregt tiefstes Mitleid. Zusammen mit dem Untersuchungsausschussbericht, der unter der Ägide des CDU-Politikers und Mitglieds des Kieler Kaufmann Tomas Stritzl abgearbeitet wurde, bleiben da schon noch einige Fragen offen, was Peter Marschall als Mitglied des Kieler Kaufmann und vor allem mit wem so ausheckt.