Autor Thema: Hände weg vom freien Sonntag – Gewerkschaften kritisieren FDP und Unternehmerv.  (Gelesen 156 mal)

RoterProlet

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„Hände weg vom freien Sonntag“ – Gewerkschaften kritisieren FDP und Unternehmerverband

Sonntags sind die Läden zu. Das soll sich nach Meinung des Unternehmerverbands „Handelsverband Deutschland“ (HDE) ändern. Dieser fordert eine regelmäßige Öffnung im Einzelhandel auch am 7. Tag in der Woche. Die FDP will diese Forderungen im Parlament durchbringen. GewerkschafterInnen sind empört.


Der Unternehmerverband Handelsverband Deutschland (HDE) hat Ende Januar per Pressemitteilung die grundgesetzlich verankerte Sonntagsruhe für das „Sterben“ von Handel und Stadtzentren verantwortlich gemacht. Um dagegen vorzugehen, brauche es eine „verlässliche Sonntagsöffnung“.

Umsetzten soll das die FDP. Wie die Welt am vergangenen Mittwoch berichtete, will sie per Antrag im Bundestag „das allgemeine Verkaufsverbot für den Einzelhandel an Sonntagen gemäß den verfassungsmäßigen Vorgaben (…) lockern“.

Gewerkschaften kritisieren Vorstoß

Die Forderungen von UnternehmerInnen-Seite stoßen auf massive Kritik bei GewerkschafterInnen. Stefan Eirich, Bundespräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), erinnert an Artikel 140 des Grundgesetzes, nach dem der „Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage (…) als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“ bleiben müssten. Das habe auch das Bundesverfassungsgericht 2009 bekräftigt.

Orhan Akman, bei ver.di verantwortlich für den Einzel- und Versandhandel, weist die von HDE und FDP verbreitete Darstellung zurück, dass das Verbot der Sonntagsöffnungen den stationären gegenüber dem Online-Handel benachteilige: „Auch der Online-Konkurrenz ist es gesetzlich untersagt, am Sonntag Waren zu kommissionieren und zu vertreiben. Am Sonntag online getätigte Bestellungen werden erst am Montag bearbeitet. Das haben wir erst im vergangenen Jahr erneut vor Gericht gegen Amazon durchsetzen können.“

Jede Lockerung des Sonntagsschutzes werde nur den Verdrängungswettbewerb im Handel anheizen und das Leben der Beschäftigten weiter verschlechtern. „Wir werden nicht akzeptieren, dass die Gesellschaft nur noch durch die Brille des Konsums gesehen werden soll“, so Akman.

Salami-Taktik

Die Vorsitzende des Evangelischen Verbands „Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt“ (KWA), Gudrun Nolte, sieht in dem Vorgehen von Handelsverband und Liberalen eine Salami-Taktik: „Seit Jahren und Jahrzehnten versuchen die Einzelhandelsunternehmen und ihre politischen Unterstützer, die Ladenschlusszeiten immer weiter zu lockern und die Öffnungszeiten auf Kosten der Beschäftigten auszudehnen. Eine allgemeine Abschaffung des Sonntagsschutzes hätte zur Folge, dass am Ende alle darunter leiden, auch der stationäre Einzelhandel. Dann würden die Pakete aus dem Onlinehandel auch am Sonntag zugestellt werden. HDE und FDP denken hier einfach zu kurz. Wir werden den Sonntag verteidigen!“

Erstmals vor gut hundert Jahren wurde in Deutschland der Sonntagsschutz nach heftigen ArbeiterInnenkämpfen in der Weimarer Verfassung festgeschrieben. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneut bestätigt.
https://perspektive-online.net/2020/02/haende-weg-vom-freien-sonntag-gewerkschaften-kritisieren-fdp-und-unternehmerverband/
„Einen Finger kann man brechen, aber fünf Finger sind eine Faust!“
Ernst Thälmann, Vorsitzender der KPD
Geboren am 16.04.1886 – Von den Nazis ermordet am 18.08.1944

Tiefrot

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Sonntags sind die Läden zu. Das soll sich nach Meinung des Unternehmerverbands „Handelsverband Deutschland“ (HDE) ändern. Dieser fordert eine regelmäßige Öffnung im Einzelhandel auch am 7. Tag in der Woche. Die FDP will diese Forderungen im Parlament durchbringen. GewerkschafterInnen sind empört.
Kapiere ich nicht ganz: Was soll Sonntagsöffnung bringen, wenn das Publikum
sowieso in Folge von Billiglöhnen kein Geld zum Ausgeben hat ?

Erschwerend kommt hinzu, wann sollen die Leute zu Kräften kommen,
sich um die Familie kümmern etc., es sind doch keine Roboter ?

Fragen über Fragen  ::)
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RoterProlet

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Kapiere ich nicht ganz: Was soll Sonntagsöffnung bringen, wenn das Publikum
sowieso in Folge von Billiglöhnen kein Geld zum Ausgeben hat ?

Erschwerend kommt hinzu, wann sollen die Leute zu Kräften kommen,
sich um die Familie kümmern etc., es sind doch keine Roboter ?

Fragen über Fragen  ::)

Ich denke, dass genau an diese Menschen dabei gedacht wurde. Es können denn ja Menschen noch einen dritten oder vierten Minijob annehmen um Sonntags irgendwo an der Kasse zu sitzen....

Wer Zeit für die Familie brauch, kann dann ja ausgetauscht werden. Es gibt ja schließlich genau "Arbeitslose".

Kein Problem im Kapitalismus
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NachbarArsch

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Kapiere ich nicht ganz: Was soll Sonntagsöffnung bringen, wenn das Publikum
sowieso in Folge von Billiglöhnen kein Geld zum Ausgeben hat ?


Zum Einen ist das ein liberales oder neoliberales Dogma. Umso mehr Beschränkungen abgebaut werden, umso freier kann sich der Markt entfalten und die Wirtschaft wachsen.
Desweiteren besteht der Einzelhandel vorallem aus einen Verdrängungskampf. Große Ketten und Konzerne können so einen Marktvorteil ausbauen und kleinere verdrängen.

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Erschwerend kommt hinzu, wann sollen die Leute zu Kräften kommen,
sich um die Familie kümmern etc., es sind doch keine Roboter ?

Naja das regelt dann der Markt. Wer nicht mithält fällt halt aus. Sind an dieser Stelle ja nicht super, teure, hochqualifizierte Arbeiter in die schon massig investiert wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kar%C5%8Dshi

Mitlerweile gibts das ja auch in Deutschland
https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,28990.msg355352.html#msg355352

Echt ekelhaft das alles. Aber es git immer noch Leute die sich "Hauptsache Arbeit" einreden lassen...

BGS

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  • Polarlicht
In Teilen Skandinaviens konnte ich in den letzten Jahren miterleben, wie erst die Ladenöffnungszeiten immer mehr verlängert wurden, jetzt haben z.B. alle Supermärkte etc. von 8 bis 22 Uhr in der Woche und am Sonntag 10:00 bis 22:00 geöffnet.

Die Menschen, die dort arbeiten müssen, tun mir verdammt leid. Etliche bekommen keine Festverträge und arbeiten auf Abruf. Zum Mindestlohn :'(. Sie wissen nie, wieviel Stunden man sie einsetzen wird.

Von der daraus resultierenden Frustration und Unsicherheit der Ausgebeuteten mal ganz abgesehen:
 
Niemand hat mehr Geld zum Ausgeben, als vorher, somit war die extreme Ausweitung der Arbeitszeiten selbst für die Kapitalisten komplett nutzlos.

Dafür gibt es noch mehr Scheidungen (ca. jede zweite Ehe) und Familiendramen aller Art.

MfG

BGS


"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)