Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 228275 mal)

Fritz Linow

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Filz und Korruption bei VW
« am: 12:41:05 Fr. 25.September 2015 »
Auch ohne die neueste Abgasaffäre dürte das hier ein schön langer Thread werden. Daher fange ich mal an:

Zitat
Ein besonders dreistes Beispiel für einen Werkvertrag kennt er [Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler] von BMW am Standort Dingolfing. „BMW hat dort eine Werkshalle leergeräumt und per Werkvertrag den Kontraktlogistiker Schnellecke ins Haus geholt“, sagt er. Der erledige mit 400 Leuten dort, was vorher BMW-Stammpersonal getan habe.

http://www.fr-online.de/wirtschaft/werkvertraege-protesttag-gegen-werkvertraege,1472780,31889392.html

Die Schnellecke Group ist der Hoflogistiker von VW und Rolf Schnellecke war langjähriger Oberbürgermeister von Wolfsburg und ist mittlerweile auch Ehrenbürger.

Die Masche, die Schnellecke nun bei BMW durchzieht, geschah auch schon 2001 bei VW. Die Inzest zwischen VW und Schnellecke ist schon seit 2001 bekannt:
Zitat
Die engen Verflechtungen zwischen Schnellecke und VW fügen sich gut ein ins Ambiente dieser Autostadt. In der niedersächsischen Provinz, wo Wolfsburg VW und VW Wolfsburg ist, kennt jeder jeden. Man trifft sich im Aufsichtsrat der von VW und der Stadt gemeinsam initiierten Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wolfsburg AG; man sitzt zusammen in der VIP-Lounge des VfL; man geht vereint zum Drachenbootrennen. Und natürlich schadet es da auch nicht, wenn ein großer Zulieferer gleichzeitig als Bürgermeister mit dem Konzern verhandelt.
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158117.html

Rolf Schnellecke ist ein windiger und eitler Geschäftsmann, der gerne mehr gewesen wäre, weshalb er auch in die Politik ging. Die IG-Metall hätte vielleicht mit einer Wahlempfehlung gerade in Wolfsburg Schnellecke verhindern können. Aber dazu ist sie bekanntlich viel zu sehr in den VW-Filz eingebunden.
Kleines Schmankerl nebenbei: Schnellecke und Bsirske sind auf dieselbe Schule gegangen.

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #1 am: 13:09:29 Fr. 25.September 2015 »
Im Zusammenhang mit den Werkverträgen der VW-Testfahrer, die ja auf der verschwundenen Seite leakleiharbeit.de thematisiert wurden, passt auch diese Meldung der Kanzlei Rat&Tat, die die restlichen Kläger vertritt:
Zitat
...Die IG Metall „übernahm“ von uns Rechtsstreitigkeiten, die sie trotz hinreichender Erfolgsaussichten und zur großen Überraschung selbst des Gerichts nicht weiterführte und zwar mit dem Ergebnis, daß nun alle von der IG Metall vertretenen Kläger leer ausgehen. Es drängt sich der Verdacht auf, als sie dies von Anfang an das Ziel der am Unternehmenskonsens interessierten IG Metall Wolfsburg gewesen. Jedenfalls bestätigte sich damit auf kaum erwartbare Weise, was wir kürzlich in diesem Zusammenhang als „heiße Luft“ der IG Metall in ihrem angeblichen „Kampf gegen Werkverträge“ skizzierten...
=342&tx_ttnews[backPid]=1]http://www.drgeffken.de/index.php?id=71&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=342&tx_ttnews[backPid]=1

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #2 am: 15:07:49 Fr. 25.September 2015 »
Der damalige 2. Vorsitzende der IG-Metall Wolfsburg, der zweitgrößten Verwaltungsstelle der IGM, Frank Patta hatte über einen längeren Zeitraum in feinster Selbstbedienungsmentalität immer wieder falsche Spesen abgerechnet (Bier, DJ...).
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65794369.html

Das hielt ihn nicht davon ab, 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg zu werden. 2012 wurde er feierlich verabschiedet. Auch der VW-Gesamtpersonalvorstand gehörte zu den Laudatoren.
2010 wird ein gewisser Sebastian Patta Personalchef in Braunschweig (5700 Mitarbeiter).
http://www.kfz-betrieb.vogel.de/wirtschaft/articles/295568/
Un tatsächlich sind der Manager Sebastian, der von berufswegen die Lohnkosten senken und Leute entlassen muss, und Frank, der genau das verhindern soll, Brüder.

Fazit: Es ist scheißegal, was man bei VW macht. Symbolisch rollen dann halt ein paar Köpfe (VW-Affäre,  VW-Abgasskandal...). Insgesamt betrachtet ändert sich nichts, weil bei VW Filz und Korruption die Stützpfeiler des Selbstverständnisses aller Beteiligten sind.

Rappelkistenrebell

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #3 am: 17:34:42 Fr. 25.September 2015 »
"The Guardian" enthüllt: Europäische Regierungen verlangen lasche Prüfverfahren

25.09.15 - "rf-news" dokumentiert eine Enthüllung der liberalen britischen Zeitung "The Guardian" vom gestrigen Donnerstag. Der Artikel zitiert aus vertraulichen Dokumenten, denen zufolge staatliche Stellen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien schon Monate vor dem VW-Abgas-Skandal bei der EU-Kommission vorstellig wurden, um die für 2017 geplanten schärferen Testvorschriften so zu verwässern, wie es bereits seit 30 Jahren der Fall ist.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland wird Heuchelei vorgeworfen, indem sie einerseits hinter den Kulissen an veralteten Prüfverfahren für Kohlendioxidemissionen festhalten wollen und andererseits nach einer europäischen Untersuchung der Manipulationen von VW bei Luftverschmutzungstests rufen.

Dokumente, die der "Guardian" einsehen konnte, machen offensichtlich, dass diese drei Länder die Europäische Kommission bedrängten, Schlupflöcher in den Autotests aufzunehmen, die zu einem höheren Ausstoß an Kohlendioxydemissionen führen, der die Grenzwerte um14 Prozent übertreffen würde.

Gerade vier Monate vor dem jetzigen VW-Emissionsskandal unternahmen Großbritannien, Frankreich und Deutschland den Vorstoß, Schlupflöcher aus einem Test, der 1970 unter dem Namen NEDC konzipiert wurde, auf einen neuen Test zu übertragen, der unter dem Namen Personenwagen-Testverfahren (WLTP) den alten Test 2017 ersetzen soll.

Das neue Testverfahren sollte gerade solche Schlupflöcher schließen, die bis zu 20 Prozent Abweichungen zwischen zugesagten und tatsächlichen Werten ermöglicht hatten. Diese Schlupflöcher würden nicht nur die tatsächlichen CO2-Emissionen von Neuwagen auf 110 Gramm CO2 pro Kilometer steigern – deutlich über der EU-Grenze von 95 Gramm pro Kilometer – sondern auch für die Autofahrer 140 Euro mehr Spritkosten pro Jahr bedeuten gemäß den Berechnungen des grünen Vereins Verkehr und Umwelt (T&E).

Quelle: "The Guardian"

http://www.theguardian.com/environment/2015/sep/24/uk-france-and-germany-lobbied-for-flawed-car-emissions-tests-documents-reveal


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw39/the-guardian-enthuellt-europaeische-regierungen-verlangen-lasche-pruefverfahren
Gegen System und Kapital!


www.mlpd.de

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #4 am: 20:30:05 Fr. 25.September 2015 »
Gerne totgeschwiegen von VW und der Stadt werden die sogenannten Italienerbaracken, in denen es gerade Anfang der 70er einige Unruhen gab. Es gibt zwar ein paar Filme über die Italiener in Wolfsburg ( der bekannteste und beste ist wohl „Palermo oder Wolfsburg“), aber ansonsten nicht sonderlich viel, es sei denn, es wird als Erfolgsgeschichte dargestellt.
Der untenstehende Artikel von 1973 (etwas länger) enthält aber eigentlich alles, was das Herz begehrt: Ausbeuterbosse, korrupte Gewerkschaft und Politiker, gierige Kirche, selbstorganisierter Widerstand und dessen Scheitern.
Falls jemand weitere Quellen dazu hat, immer her damit.

Wo damals übrigens die Baracken standen, wird heute das Publikum mit VFL Wolfsburg bespaßt.



Quelle: Schulkampf Nr.12,Heidelberg o.J. (1973),S.10




"
Wir veröffentlichen den Bericht eines Sypathisanten des Kommunistischen Bundes Wolfsburg über die italienischen Arbeiter in den Baracken von Volkswagen.

Die Lager von Wolfsburg

Eine der Städte von Deutschland, wo die Ausbeutung von Ausländern massenhaft praktiziert wird, ist Wolfsburg. In dieser Stadt versucht man nicht einmal mit einem Schleier von falscher Demokratie die Wirklichkeit zu verdecken, wie es im Allgemeinen gemacht wird. Es gibt nur das nackte und rohe Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer:“ Ich bezahle dich und du arbeitest und ich schere mich einen Dreck und deine Probleme als Ausgewanderter und deine Bedürfnisse als Mensch.“ Die ausländischen Arbeiter werden nicht nur in der Fabrik ausgebeutet, sondern auch danach, indem man ihnen menschenunwürdige Baracken gibt.
Alle wissen schon, daß Wolfsburg die Stadt von Volkswagen ist. In dieser Stadt arbeiten ca. 8000 Italiener, von denen fast 6000 in den Baracken der Firma schlafen.
Wenn man aus der Stadt kommt, überquert man nach einer Weile eine Brücke,die „Berliner Brücke“ heißt, von der das Lager seinen Namen hat. Wenn man von der Brücke herunterschaut, kann man eine ganze Reihe von Holzbaracken sehen (ca.60) und in der Mitte ein paar Steinhäuschen. Man glaubt plötzlich im Kino zu sein und einen dieser Kriegsfilme zu sehen, in denen Konzentrationslager vorkommen. Einen Augenblick bleibt man unentschieden, ob man weitergehen soll oder lieber umkehren. Aber dann geht man weiter, getrieben von der Notwendigkeit.
Das ganze Lager ist mit Stacheldraht umspannt. Es gibt einen einzigen Eingang, der vom Werkschutz kontrolliert wird. Um hineinzugehen muß man die Erkennungsmarke mit der Fotografie vorzeigen. Diejenigen, die kommen, um Arbeit zu suchen, oder die Eltern oder Freunde, müssen, um hineinzudürfen, ihren Paß dalassen, und einer der Wächter schreibt alles in ein Verzeichnis, sogar die Uhrzeit des Eintritts. Man bekommt den Paß erst beim Verlassen des Lagers wieder, das nicht später als 20 Uhr sein darf. Diejenigen, die Arbeit suchen, bekommen die ersten Ohrfeigen – moralische, versteht sich, da wir ja in einem „demokratischen“ System leben -, von einem Büttel der Fabrik, der ihnen sofort zu verstehen gibt, daß wir die Schafe sind. Eins der reizendsten Komplimente ist, wenn er sagt:“ Dusch dich und wasch dich gut, denn morgen untersucht dich der Arzt,“
Dann macht man mit den Baracken Bekanntschaft. Sie sind aus Holz und zweistöckig. In jedem Stock sind ca. 15 Zimmer, sowie die Klos, die Küche und Waschräume, -alles gemeinsam. Jedes Zimmer hat ca. 12 qm und man wohnt dort zu dritt. Es sind drei Betten übereinander darin, drei Schränke, drei Stühle, ein Tisch und ein Eisschrank. Die Miete ist 40 DM pro Person, das ist 120 DM pro Zimmer. Wenn wir die Anzahl der Zimmer der Baracken berechnen, sehen wir, daß der Profit der Firma beachtlich ist.
In Wolfsburg muß das Motto „Ausländische Arbeiter -doppelt ausgebeutet“ heißen „dreifach ausgebeutet“, denn auch der italienische Priester schert sich seine Schäfchen. Einmal stand auf einem Flugblatt der „Union Ausgewanderter Italiener/Wolfsburg („Unione Emigrati Italiani/Wolfsburg):“Dieser, statt unser Gewissen zu erleichtern, erleichtert uns unsere Taschen.“
Die Weisen, die Taschen der italienischen Arbeiter zu erleichtern, sind verschieden. Volkswagen hat ihm im Inneren des Lagers eine Baracke zugewiesen, wo er Sonntags die Messe predigt, und jeden Abend einen Film zeigt. Der Eintritt kostet wenig, nur 50 Pf., aber wenn wir berechnen, daß statt für 300-400 Personen für 700 Platz ist und daß er drei Filme im Monat vom italienenischen Konsulat geschenkt bekommt und daß es sich um Stummfilme handelt, deren Kommentar die Arbeiter im Saal besorgen und daß endlich all das seit sehr vielen Jahren betrieben wird, dann wird uns klar, daß der Gewinn in die Sterne steigt. Auch das Billard und die Flipper in der Kantine A waren Privatbesitz des „handelnden Priesters“.
Auch das „Italienische Zentrum“ diente gut dazu, die Taschen der Arbeiter zu erleichtern durch eine Bar, eine Pizzeria, Spiel- und Tanzsaal. Dann gab es die anderen Einkünfte.
Die Wochenzeitung des Priesters „Der Gruß des Sonntags“ brachte noch Gewinn, denn sie war voll von Reklame verschiedener lokaler Firmen. Das Geld, das der italienische Staat, der Caritas-Verband, das Sozialamt usw., auslegten, stillte noch nicht seinen Gelddurst: Er füllte die Formulare für die Vermögenswirksamenleistung (das Gesetz der 26 Mark im Monat) aus und schickte die Italiener zu einer Bank, von der er für jeden neuen Sparer einen Prozentsatz erhielt.
1970 aber hatte der Priester kein leichtes Leben, dank einer Gruppe von italienischen Arbeitern, es wurden Demonstrationen gemacht, wo unter anderem die Entfernung des Priesters gefordert wurde und die selbstständige Verwaltung des Kinos durch eine Arbeiterkomission, die von allen Bewohnern des Lagers gewählt wird. Natürlich entläßt die Firma – auf Verlangen des Priesters hin- einen der kämpferischsten Arbeiter. Die Gewerkschaft stellte sich dieser Entlassung nicht entgegen. Aber viele Arbeiter, enttäuscht vom Verhalten der Gewerkschaft, wollten austreten und sagten klar, daß sie nicht die 8 DM zahlen wollten für eine Gewerkschaft, die nichts gegen die Entlassungen unternahm. Durch diesen Protest war die Gewerkschaft gezwungen, einen Rechtsanwalt zur Verfügung zu stellen. Nach 15 Tagen sieht auch VW sich gezwungen, den Arbeiter wieder einzustellen und ihm auch die 15 verlorenen Tage zu zahlen.

Den italienenischen Arbeitern von Wolfsburg waren jedenfalls Massenproteste nichts Neues. In der Tat gab es, auch als keinerlei Organisation vorhanden war, Explosionen des Zorns gegen die Ausbeutung. Einmal passierte es, daß wegen Ärztemangels (Zwei für das ganze Lager) ein Arbeiter starb und einer in einen ernsten Zustand geriet. Gegenüber dieser Situation rebellierten die Arbeiter, und als die Unternehmensleitung die Polizei rief, bauten sie Barrikaden am Eingang des Lagers und verbrannten im Casino auch einige Baracken. Ein andermal geschah es, daß an Weihnachten ein christdemokratischer Abgeordneter die Grüße der Regierung bringen wollte. Das heißt, wie man in Sizilien sagt, er wollte die Arbeiter „dumm und zufrieden“ machen. Als er mit seinem Straßenkreuzer ins Lager fuhr, wurde er mit Schimpfworten und Steinen empfangen, sodaß er seinen Rückwärtsgang einlegen und fliehen musst, um nicht auch noch seine Haut zu hinterlassen.

Diese Explosionen von Zorn wären überall zu rechtfertigen, aber in der Situation in Wolfsburg erscheinen sie als die normalste Sache. Im Lager arbeiten nur Männer und in der Fabrik dürfen keine italienischen Frauen arbeiten. Aber die Mehrheit der Arbeiter ist verheiratet. Aber auch wenn sie Frauen mitbringen wollten, ohne sie arbeiten zu lassen, wäre es unmöglich, weil es ungeheuer schwer ist, ein Haus zu finden.

In der Zeit 1970 bis 71 hatten die Arbeiter einen hohen Grad von Kampfeswillen erreicht. Das Ergebnis wird im Mai 1971 sichtbar. Die Italiener organisierten die erste Demonstration des ersten Mai, der in Wolfsburg seit gut 25 Jahren nicht mehr gefeiert worden war. Der Demonstration schlossen sich auch die Deutschen an und zusammen bildeten sie einen Zug von mehr als 1000 Arbeitern, von denen die Hälfte Italiener waren. Es gelang der Firma Volkswagen nur, diesen Aufschwung des Kampfes zu beruhigen, indem sie Massenentlassungen inszenierte. Im Sommer wurden ungefähr 500 Arbeiter entlassen, unter denen sich natürlich die kämpferischsten befanden. Ihren Platz nahmen Tunesier ein.

Heute hat sich etwas geändert. Die Ausbeutung ist immer noch die gleiche. Im „Konzentrationslager“ ist nur die Hälfte der Arbeiter geblieben, der Rest lebt in den Kasernen, die die Firma bauen ließ. Von Holz ist man zu Zement übergegangen, aber in einem winzigen Zimmer lebt man noch genauso zu dritt. Don Parenti, der handelnde Priester, ist nicht mehr da. An seine Stelle ist ein anderer gekommen. Indem die Tunesier eingestellt wurden, haben die Bosse versucht, die Arbeiter zu spalten; das ist es, was sie durch die Unterschiede von Lohn und Brot versucht haben, zu erreichen. Aber sie haben eine dicke Enttäuschung erlebt, als sie am 1. Mai 1972 die italienischen, deutschen und tunesischen Arbeiter vereint gesehen haben!
"








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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #5 am: 10:31:13 Sa. 26.September 2015 »
Hier wurden Fakten zusammengetragen. In der Diskussion der Mainstreammedien beweint man hingegen die Schäden am werbestrategischen Mythos "Made in Germany".

Ich halte unser Kurzzeitgedächtnis, unsere Geschichtslosigkeit, für eine große Schwäche.
Deshalb herzlichen Dank für diesen Hintergrundbericht.

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #6 am: 23:02:32 So. 11.Oktober 2015 »
Volker Rieble ist ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, siehe hier: http://arbeitsunrecht.de/volker-rieble-das-zaar-poltern-fuer-das-kapital/

Aber selbst dieser Kackvogel spricht ziemlich deutlich aus, was ein Problem bei VW ist, auch wenn er dabei gewiss nichts Gutes im Schilde führt:

Zitat
...Die gesetzliche Pflicht für die Aufseher (Aufsichtsrat), ganz genau hinzusehen, wo es Schwachstellen im Unternehmen gibt, funktioniert bei den Arbeitnehmern in Deutschland nicht. Ein Betriebsrat, der zugleich Aufsichtsrat ist, müsste den Vorstand auch darin überwachen, wie er mit ihm als Betriebsrat umspringt. Man kann aber nicht zugleich Teil des Problems und Teil der Aufsicht sein...

...Die Straftat heißt „Begünstigung von Betriebsratsmitgliedern“. Sie wird aber nur verfolgt, wenn es einen Strafantrag gibt, der entweder vom Arbeitgeber oder vom Betriebsrat oder von der Gewerkschaft kommt. Dreimal dürfen Sie raten, wer von diesen Gruppen ein Interesse hat, einen solchen Antrag zu stellen! Alle sind im Filz befangen...

...Betriebsräte haben im Aufsichtsrat ihres eigenen Unternehmens nichts zu suchen. Über unabhängige Arbeitnehmervertreter kann man von mir aus reden.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/abgasskandal-top-betriebsraete-von-vw-werden-gesetzeswidrig-bezahlt-13849839.html

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #7 am: 10:17:18 Mo. 19.Oktober 2015 »
Und das ist jetzt wirklich grandios:

Zitat
Stephan Harbarth ist Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz - und damit einer der wichtigsten Rechtspolitiker der CDU.

Harbarths Kanzlei "SZA Schilling, Zutt & Anschütz" wurde von VW in der Abgasaffäre mandatiert.

Im Rechtsausschuss des Bundestages stimmte Harbarth dafür, das Thema VW von der Tagesordnung zu nehmen.

http://www.sueddeutsche.de/politik/vw-abgasaffaere-und-verbraucherschutz-mandat-vs-mandant-1.2697251

Enthemmt, skrupellos, korrupt... das übliche halt und es ist in der Tat allmählich langweilig und ermüdend, diesen Dreck ertragen zu müssen.

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #8 am: 08:15:12 Sa. 07.November 2015 »
Ein schönes Beispiel, wie eng Betriebsrat, Managerebene und Gewerkschaft bei VW miteinander verzahnt sind und nur nebenbei und irgendwie als selbstverständlich erwähnt:
Zitat
Auf Anfrage sagte Osterloh (Betriebsratsvorsitzender), der lange als Nachfolger für den Ende November ausscheidenden Personalvorstand Horst Neumann gehandelt wurde: „Ein Wechsel auf den Posten des Personalvorstands kommt für mich nicht infrage. Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt.“
http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Eklat-zwischen-VW-Betriebsrat-und-Vorstand

Strombolli

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #9 am: 08:35:25 Sa. 07.November 2015 »
....
Enthemmt, skrupellos, korrupt... das übliche halt und es ist in der Tat allmählich langweilig und ermüdend, diesen Dreck ertragen zu müssen.

Genau so ist es. Ich frage mich immer: hat das System? Ja, es hat. - Eines Tages, der sich ja längst schleichend ankündigt, ist damit Schluß. Spätesntens, wenn alle deutschen Mädchen von Muslimen durchgebumst und konvertiert sind und die Asylanten diese Scheinwelt begriffen haben.

Eine Welt der Lüge und des Betruges. Eine BRD des schönen Scheins, des Selbstbetruges.

Ob ich es noch erleben werde? Einen Tag mit positiven, motivierenden Nachrichten?
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #10 am: 08:43:24 Sa. 07.November 2015 »
Da gab es doch was wovon alle immer geschwärmt haben, "Sozialpartnerschaft".
Die Genossen der Bosse, ein lohnendes Verhältnis nur nicht für die Arbeiter, aber die können eh froh sein überhaupt arbeiten zu dürfen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #11 am: 23:19:46 Do. 26.November 2015 »
So sieht die Beschwichtigung und Ruhigstellung mittels Propaganda und gekaufter Medien bei VW aus. Eine Woche Extraurlaub bei einem Weltkonzern erscheint erstmal recht passabel, trotz der hohen "Nachfrage". Ein Konzern, der es gewohnt ist, Just-in-Time zu produzieren, vergibt keine Minute Extraurlaub. Und jetzt gleich eine Woche?
Es geht jetzt los mit der Krise. Genauso war es bei den anderen Krisen auch.

Zitat
VW verlängert Weihnachtspause

Volkswagen schickt seine Mitarbeiter im Werk Wolfsburg in einen verlängerten Weihnachtsurlaub. Die Produktion des Verkaufsschlagers Golf und des neuen Touran soll sogar mehr als drei Wochen stillstehen.

Die endgültige Entscheidung über die Fahrweise fällt am Freitag. Geplant ist, dass die Produktion in Wolfsburg ab Donnerstag, 17. Dezember, ruht. Ausnahme: „Aufgrund der hohen Nachfrage und den derzeit laufenden Vorbereitungen für die neue Produktgeneration“ werde der Tiguan bis einschließlich Freitag, 18. Dezember, gebaut, so eine VW-Sprecherin.
In der Weihnachtswoche ruht dann die gesamte Produktion in Wolfsburg. In den arbeitsfreien Tagen rund um Weihnachten und Silvester werden Umbau-und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Das VW-Werk Wolfsburg startet im neuen Jahr wieder mit der Produktion des Tiguan am Montag, 4. Januar 2016. Die weiteren Produktionsbereiche mit der Golf-Familie und dem Touran starten in der zweiten Januarwoche am Montag, 11. Januar 2016.
http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-verlaengert-Weihnachtspause

Strombolli

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #12 am: 07:46:26 Fr. 27.November 2015 »
Was meint ihr, wie schnell die Karren alle weg wären, wenn sie nur 33% kosten würden.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

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schwarzrot

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #13 am: 10:07:14 Fr. 27.November 2015 »
Was meint ihr, wie schnell die Karren alle weg wären, wenn sie nur 33% kosten würden.
Ich werd' das gefühl nicht los, du schreibst, was du tun würdest (wenn es die stickoxid-karren entsprechend billiger gäbe und du das geld hättest)?  ;)
->
Zitat
"Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht." - Die deutsche Ideologie. Marx/Engels
->
Zitat
"Kapital", sagt der Quarterly Reviewer, "flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel." - Thomas Joseph Dunning, zitiert in Das Kapital
->
Zitat
Das Bewusstsein kann nie etwas Andres sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß." - Die deutsche Ideologie. Marx/Engels
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

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schwarzrot

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #14 am: 10:16:20 Fr. 27.November 2015 »
Zitat
Auswirkungen von Stickoxiden

Stickoxide - insbesondere Stickstoffdioxid - reizen und schädigen die Atmungsorgane. Erhöhte Konzentrationen in der Atemluft haben einen negativen Effekt auf die Lungenfunktion von Kindern und Erwachsenen.[3] Sie sind maßgeblich für die Entstehung des Sauren Regens mitverantwortlich, wobei Salpetersäure (HNO3) durch Reaktion von (2 NO2 + H2O → HNO3 + HNO2) oder durch Aufnahme von N2O5 in Aerosolpartikel und nachfolgender Bildung von NO3− in der flüssigen Phase entsteht.

Bodennahe Stickoxide sind beim sogenannten Sommersmog verantwortlich für die Ozonbildung (O3) unter Einfluss von UV-Strahlung.[8] Die Bildung des Ozons wird hier durch das UV-Licht der Sonne ausgelöst:

    \mathrm{(1) \ \ NO_2 + O_2 \ \xrightarrow{h \nu} \ NO + O_3}

Da der Vorgang reversibel ist, ist die Ozonmenge an sonnigen Tagen am Nachmittag am höchsten und fällt über Nacht wieder ab.

    \mathrm{(2) \ \ NO + O_3 \ \xrightarrow \ \ NO_2 + O_2}

Beim Transport der Schadstoffe von den Emissionszentren weg wandelt sich das NO zunehmend in NO2 um, wodurch die Bildungsreaktion von Ozon (1) beschleunigt und die Abbaureaktion (2) reduziert wird. Entsprechend können in ländlicheren Gebieten höhere Ozonwerte gemessen werden als in den Städten.[8]

Außerdem sind sie klimawirksam und verstärken die Erderwärmung. Insbesondere Lachgas (N2O) ist ein Treibhausgas, dessen Treibhauswirksamkeit bei einem Zeithorizont von 100 Jahren 298-mal so groß ist wie die von CO2.[9]

Lachgas trägt in einem hohen Ausmaß indirekt zum Ozonabbau in der Stratosphäre bei.[10] Es wird durch UV-Strahlung photolysiert und bildet dabei NO, welches entsprechend der Gleichung (2) wiederum Ozon abbaut.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stickoxide
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