Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 257008 mal)

Kuddel

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #345 am: 17:22:31 Mo. 06.September 2021 »
Zitat
VW-Betriebsräte
Waren 750.000 Euro für Osterloh zu viel?

In Braunschweig beginnt diese Woche der Prozess über zu hohe Gehälter und Bonuszahlungen für Betriebsratsmitglieder bei VW. Angeklagt sind zwar nur die Personalchefs. Dennoch betrifft der Prozess auch das Unternehmen.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/prozess-um-zu-hohe-gehaelter-der-vw-betriebsratsmitglieder-17516167.html

Kuddel

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #346 am: 19:30:22 Mo. 13.September 2021 »
Neues aus dem Verbrecherkonzern:

Zitat
MAN-Beben: Betriebsratschef verließ Volkswagens Lkw-Tochter, nachdem Compliance-Ermittlungen brisante Privilegien für den Arbeitnehmervertreter aufgedeckt hatten
  • Im August trat der langjährige Betriebsratschef des Lkw-Herstellers MAN, Saki Stimoniaris, mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern zurück – darunter auch sein Aufsichtsratsmandat in der Volkswagen AG. Aus persönlichen Gründen, hieß es in einer Presseerklärung.
  • Unsere Recherchen zeigen aber nun, dass vor dem Rücktritt ein Whistle-Blower über die Sonderbehandlung für Stimoniaris ausgepackt hat. Daraufhin wurde ein Compliance-Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Betriebsratsverfassungsgesetz in Gang gesetzt.
  • Ähnliche Affären erschütterten den Volkswagen-Konzern in der Vergangenheit immer wieder. Aktuell läuft vor dem Landgericht Braunschweig der Prozess gegen ehemalige und amtierende VW-Manager, weil sie Betriebsräten Vorteile gewährt und dabei Firmengelder veruntreut haben sollen.
https://www.businessinsider.de/wirtschaft/man-beben-betriebsratschef-verliess-die-lkw-tochter-von-volkswagen-nachdem-compliance-ermittlungen-brisante-privilegien-fuer-den-arbeitnehmervertreter-aufgedeckt-hatten-a/


Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #347 am: 14:09:06 Do. 25.November 2021 »
Betriebsratsklatsch:

Zitat
10.9.21
Frank Patta kritisiert VW-Betriebsrat: „Ich vermisse die Transparenz“

Es ist das „Listen-Beben“: Bei der nächsten VW-Betriebsratswahl wird Frank Patta nicht für die IG Metall, sondern auf eigene Rechnung antreten.
(…)
Der ehemalige Erste Bevollmächtigte der IG Metall und langjährige sowie hochrangige Betriebsrat hat durchaus das Potenzial, die Machtverhältnisse im Arbeitnehmergremium durcheinander zu wirbeln. (…)
WAZ: Herr Patta, was hat sie als langjähriger Metaller dazu bewogen mit einer eigenen Liste gegen die IG Metall-Fraktion anzutreten?

Patta: Dafür gibt es verschiedene Gründe, vor allem aber Intransparenz und die Sorge um die Arbeitsplätze hier in Wolfsburg, insbesondere in der Produktion. Das Verbrenner-Aus ist beschlossen, in Wolfsburg werden aber bis auf einige Hybride nur Verbrenner gebaut. Das Projekt Trinity ist zwar angekündigt, aber wir wissen nicht, ob das ausreicht, um die Jobs hier in der Produktion zu halten. Es gibt keine Kennzahlen. Nicht einmal ich als Mitglied des Betriebsrats habe nähere und belastbare Information. Darüber muss jetzt diskutiert werden. Und zwar in den Gremien des Betriebsrats, nicht in irgendwelchen Hinterzimmern oder Werksfliegern.

WAZ: Sie sind also auch unzufrieden mit dem Führungsstil im Betriebsrat?

Patta: Ja. Ich vermisse schon seit längerer Zeit Transparenz – in Sachen Information, bei Entscheidungen und bei der vorgelagerten Diskussion von Inhalten.(…)

WAZ: Sie selbst sind Betriebsrat im Bereich Produktion. Teilen die Kollegen dort ihre Angst um die Jobs?

Patta: Die Sorgen sind auf jeden Fall da. Nicht nur mit Blick auf die Zukunft, sondern auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation am Standort mit anhaltender Kurzarbeit. Dass schon vor Corona eine Schicht an der Montagelinie 1 gestrichen wurde, trägt da auch nicht gerade zur Beruhigung bei.

WAZ: Wie schwer ist Ihnen ihre Entscheidung gefallen?

Patta: Wirklich sehr schwer. Ich bin und bleibe überzeugter Metaller. Meine Unzufriedenheit und Kandidatur richtet sich ja auch nicht gegen die IG Metall als Gewerkschaft, sondern hat nur etwas mit der Arbeit des Betriebsrates zu tun.
(…)
https://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/WAZ-Interview-mit-Frank-Patta-ich-vermisse-die-Transparenz-im-VW-Betriebsrat
Zitat
11.10.21
„Enttäuschender Ego-Trip“: IG Metall und Betriebsrat schelten Frank Patta

Die IG Metall bläst zum Gegenangriff: Nachdem Frank Patta die Gründung einer eigenen Liste für die Betriebsratswahl angekündigt hat, erntet er dafür jetzt scharfe Kritik von Gewerkschaft und Betriebsrat. Sein Vorgehen sei egoistisch und „armselig“.
Die IG Metall schaltet angesichts der im nächsten Frühjahr anstehenden Betriebsratswahlen bei Volkswagen in den Wahlkampfmodus. Bisher hatte sich die Gewerkschaft, die in der Arbeitnehmervertretung des Autobauers traditionell dominiert, nicht oder nur oder indirekt zur Kampf-Kandidatur des ehemaligen Ersten Bevollmächtigten der Wolfsburger Geschäftsstelle sowie Ex-Generalsekretärs des VW-Konzernbetriebsrats, Frank Patta, geäußert. Jetzt kritisieren hochrangige Gewerkschafter Patta scharf für seine Pläne, bei den Wahlen mit eigener Liste anzutreten. Dabei finden die Metaller deutliche und harsche Worte. Die Vorwürfe reichen von „Spaltung“ bis hin zu Egoismus. Die Statements lesen sich dabei nicht nur wie eine Absage an eine Zusammenarbeit mit Patta, der trotz seiner Kandidatur stets seine Verbundenheit zur IG Metall bekräftigte, sondern gar wie eine Art Verbannung aus der IG-Metall-Familie. Benites über Patta: „Ego-Trip“: Man werde Frank Patta in keinster Weise unterstützen, stellt etwa der jetzige Erste Bevollmächtigte Flavio Benites klar und bezeichnet dessen Kandidatur als „Ego-Trip“. Patta ginge es nicht, wie von ihm behauptet, um die Sicherheit der Arbeitsplätze in Wolfsburg, sondern ausschließlich um seine eigene Rückkehr in den Führungskreis des Betriebsrates. Der Hintergrund: Als Guido Mehlhop im April zum stellvertretenden Betriebsratschef gewählt wurde, wurde dessen früherer Posten als Betriebsratskoordinator in der Tiguan-Produktion vakant. Patta, der nach einem Konflikt mit Bernd Osterloh und seinem Rücktritt als Generalsekretär des Konzernbetriebsrats ins zweite Glied der Arbeitnehmervertretung gerückt war, habe sich damals Hoffnungen auf die Nachfolge gemacht und seine Kandidatur als Mehlhops Nachfolger bekannt gegeben. Doch Mehlhop musste sein Amt als stellvertretender Betriebsratschef aus gesundheitlichen Gründen schnell ruhen lassen und kehrte auf seinen alten Posten zurück. Patta habe daraufhin seine Kandidatur zurückgezogen und stattdessen seine Pläne für eine eigene Liste öffentlich gemacht. Auch die Teilnahme an den Nominierungen für die IG Metall-Liste, bei den Mehlhop schließlich eine Zustimmung von 97 Prozent holte, habe Patta abgesagt. Damit habe er sich selbst dem demokratischen Prozess der IG Metall entzogen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Betriebsrat und Gewerkschaft.
„Frank Pattas Vorgehen ist menschlich schwer enttäuschend. Noch im Sommer hat er gemeinsam mit der IG Metall Betriebsratskoordinator werden wollen, um damit wieder im Betriebsausschuss für unsere gemeinsamen Ziele im Sinne der Belegschaft zu arbeiten. Als er seine Pläne für diesen Weg dann zurückziehen musste, war die IG Metall-Fraktion plötzlich nicht mehr der richtige Ort für ihn. Das ist schon sehr durchschaubar. Für die Fraktion der Metallerinnen und Metaller bei Volkswagen steht jedenfalls fest: Frank Patta war ein Gewächs der IG Metall. Und jetzt fehlen ihm seine Wurzeln“, kommentiert Jürgen Hildebrandt, Sprecher der IG Metall-Fraktion im VW-Betriebsrat Wolfsburg. Enttäuscht zeigt sich auch Flavio Benites: „Frank Patta will die IG Metall spalten – aus durchsichtigen, rein persönlichen Motiven.“ Der Erste Bevollmächtigte, der einst sogar auch durch das Zutun von Patta nach Wolfsburg gelotst wurde, stellt zudem klar, das die IG Metall geschlossen hinter der derzeitigen Betriebsratsspitze stehe. „Wir nehmen daher zur Kenntnis, dass er sich mit seiner Listengründung selbst von der IG Metall abgespalten hat. Dementsprechend wird die IG Metall Frank Patta auch in keinster Weise unterstützen“, so Benites. Auch Vertrauensleute kritisieren Patta: Patta selbst hatte seine Kandidatur bisher immer mit der Sorge um die Arbeitsplätze in der Produktion sowie mangelnder Transparenz der Betriebsratsspitze begründet. Dieser habe auch den Bezug und die Nähe zur Basis verloren, lautete ein Vorwurf. Seine Listengründung kommt nun aber auch scheinbar bei vielen Beschäftigten nicht wirklich gut an. „Unsere Leute können über Franks Aktion einfach nur mit dem Kopf schütteln“, sagt der Vertrauenskörperleiter Florian Hirsch. Jahrelang habe Patta intern keine Kritik geäußert. Jetzt, wo es mit einem Koordinatorposten nicht klappt, gründe er spontan eine eigene Liste. „Das ist armselig. Wir brauchen in diesen Zeiten Geschlossenheit und keine Spaltversuche. Pandemie, Halbleiter-Mangel und Kurzarbeit belasten die Belegschaft schwer. Dabei müssen sich die Beschäftigten von Volkswagen darauf verlassen können, dass der Betriebsrat und die IG Metall für sie einstehen – mit vereinten Kräften“, spart Hirsch nicht mit Kritik an Patta.
(…)
https://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Enttaeuschender-Ego-Trip-IG-Metall-und-VW-Betriebsrat-schelten-Frank-Patta


Zitat
20.10.21
VW-Betriebsrat: IG Metall-Fraktion verbannt Frank Patta

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich: Die IG Metall-Fraktion im VW-Betriebsrat verbannt Frank Patta und zwei weitere Mitglieder aus ihren Reihen.

Der Machtkampf innerhalb des VW-Betriebsrates geht in die nächste Runde: Nach der deutlichen Kritik der IG Metall und der Vertrauensleute an Frank Pattas Plänen, bei den Betriebsratswahlen im nächsten Frühjahr mit einer eigenen Liste anzutreten, folgen jetzt auch Taten: Patta wurde aus der IG Metall-Fraktion ausgeschlossen und verliert seinen Betreuungsbereich in der VW-Montage. Hinzukommt: Die Betriebsräte Norbert Lem und Michael Maginski wurden ebenfalls aus der IG Metall-Fraktion abgeschlossen und müssen ihre Betreuungsbereiche abgeben.
(…)
Der ehemalige Erste Bevollmächtigte der Wolfsburger IG Metall und frühere Generalsekretär des VW Konzernbetriebsrats Frank Patta wird bei den Wahlen mit einer eigenen Liste antreten, ob Lem und Maginski sich ihm anschließen oder ebenfalls auf eigene Rechnung kandidieren, dazu ist noch nichts bekannt. Die IG Metall-Fraktion jedenfalls begründet den Ausschluss des Trios mit fehlendem Vertrauen. Der Erfolg des Betriebsrates beruhe auf seiner Geschlossenheit Nicht nur seien Lem und Maginski ihren Pflichten als Vertrauensleute nicht nachgekommen, indem sie den Wahlen zur Nominierung der IG Metall-Liste ferngeblieben sind, „sie sahen sich auch auf wiederholte Nachfrage nicht in der Lage, sich zur Fraktion der IG Metall zu bekennen“, erklärte der Fraktionssprecher Jürgen Hildebrandt.
(…)
https://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/VW-Betriebsrat-IG-Metall-Fraktion-verbannt-Frank-Patta-und-zwei-weitere-Betriebsraete

Zitat
25.11.21
VW: Aufstand gegen Betriebsratschefin Cavallo

Dicke Luft im Betriebsrat von Volkswagen. Eine Gruppe um die Arbeitnehmervertreter Norbert Lem und Michael Maginski hat Betriebsratschefin Daniela Cavallo heftig angegriffen.
In einem Brief, der unter anderem an die VW-Hauptaktionäre der Familien Porsche und Piëch sowie an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) adressiert war, kritisierten sie die Betriebsratsspitze um die Vorsitzende Cavallo scharf. Man wolle die Großeigentümer "aus gegebenem Anlass" darauf aufmerksam machen, dass man den "rufschädigenden und Aktienkurs-beeinflussenden Irrweg des aktuellen Betriebsrates nicht mehr mittragen" könne.
(…)
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Aufstand-gegen-Betriebsratschefin-Cavallo,volkswagen2178.html


Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #348 am: 07:34:06 Sa. 04.Dezember 2021 »
Zitat
2.12.21
Gegenwind für Cavallo: Acht Listen bei VW-Betriebsratswahl

Es dürfte spannend werden: Noch nie zuvor hatte die IG Metall-Liste bei einer VW-Betriebsratswahl in Wolfsburg soviel Konkurrenz. Insgesamt treten acht Gruppierungen an. Darunter ernstzunehmende Gegner.

Wer bei VW-Betriebsratswahlen in der Vergangenheit Spannung erwartete, der war an der völlig falschen Adresse. Der Ausgang war – wenn auch aus anderen Gründen – in der Regel so vorhersehbar wie bei Regierungswahlen in der DDR, das Ergebnis stets dasselbe: Dominanz der IG Metall-Fraktion. Fast 90 Prozent der Stimmen konnte die Liste der größten Gewerkschaft der Welt in Wolfsburg meist auf sich vereinen. Auch weil bei einem ungefähr genau so hohem Organisationsgrad bisher die Konkurrenz fehlte.

Von den derzeit 75 Betriebsräten stammen 66 aus der IG-Metall Fraktion. Der Rest der Sitze verteilt sich auf MIG 18, die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) und einen Einzelkandidaten. Aktuell besteht der Betriebsrat bei Volkswagen in Wolfsburg aus 75 Vertretern, 66 davon gehören zur IG Metall-Fraktion. Mehr als 50 von ihnen betreuen als Bereichsbetriebsräte die rund 65 000 Mitarbeiter im Stammwerk. Die Bereichsbetriebsräte berichten wiederum an neun sogenannte Koordinatoren, die zusammen mit der Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo und deren Stellvertreter das wichtigste Gremium, den Betriebsausschuss, bilden. Zudem unterstützt ein Verwaltungsapparat mit rund 70 Geschäftsführern, Generalsekretären, Referenten und Assistenten die Arbeitnehmervertreter.

Die Basis der IG Metall im Werk bilden die Vertrauensleute, diese spielen auch bei der Nominierung der Liste eine entscheidende Rolle. Der neue Betriebsrat wird aus nur noch 73 Vertretern bestehen. Die Wahl wird im März coronabedingt an mehreren Tagen stattfinden. In diesem Jahr könnte dieses so solide Machtgefüge kräftig durcheinander geraten. Denn: Noch nie gab es soviel Gegenwind für die Liste der Metaller. Das Brisante daran: Der Großteil der Konkurrenz kommt nicht etwa von außerhalb, sondern aus den eigenen Reihen.

Gleich mehrere IG-Metallmitglieder, darunter auch Betriebsräte, treten mit eigenen Listen gegen Spitzenkandidatin Daniela Cavallo und ihr Team an. Vier Neugründungen treten bei den Wahlen an: Bei den Wahlen im Frühjahr wird die VW-Belegschaft deswegen deutlich mehr zu Lesen haben auf dem Wahlzettel. Seit Dienstag steht fest: Gleich acht verschiedene Listen gehen auf Stimmenfang. Neben den bereits vertretenen Listen von IG Metall, MIG 18 und CGM sowie „Die Alternative“ vom bisherigen Einzelkandidaten Dirk Böse sind das die Neugründungen „Die Unabhängigen“ und „Mensch sein bei VW/Werte leben“, „Wir für euch“ sowie „Die andere Liste“.

Erfreulich: Rechte Gruppierungen, wie sie in der Industrie unter anderem bei Daimler immer mehr an Bedeutung gewinnen, finden sich nicht darunter. Der IG Metall könnte damit eine ähnliche Erosion drohen wie den Volksparteien in der Politik. Die Listen „Wir für euch“ und „Die andere Liste“ stellen dabei aktuell wohl die größte Gefahr für die Metaller da. Erstere wurde von den beiden geschassten IG-Metall-Betriebsräten Norbert Lem und Michael Maginski gegründet. Acht Personen treten auf der Liste an. Lem und Maginski kritisieren vor allem Daniela Cavallos Umgang mit Herbert Diess. In einem Schreiben an die Großaktionärsfamilien Porsche und Piech sprachen sie sich für den Konzern-Chef aus, warnten davor, der Betriebsrat wolle Diess aus „egoistischen“ Gründen opfern und sprachen von einem „aktienkurs- und rufschädigendem Irrweg“ des Betriebsrates.

Unter der Flagge „Die andere Liste“ kandidiert mit Frank Patta ein echtes Schwergewicht. Der 57-Jährige verfügt über Jahrzehnte Erfahrung in der Mitbestimmung, war Erster Bevollmächtigter der Wolfsburger IG Metall und unter Bernd Osterloh zudem Generalsekretär des Konzernbetriebsrats und dort für das Internationale zuständig. 15 Personen hat Patta auf seiner Liste vereint, darunter den frischgewählten SPD-Ratsherr der Stadt Wolfsburg und Reislingens „Beinahe-Bürgermeister“ Thomas Heyn. Dieser hatte sich zunächst erfolglos für die Liste der IG Metall beworben. Patta begründet seine Kandidatur zum einen mit der Sorge um Arbeitsplätze in Wolfsburg, vor allem prangert er die fehlende Transparenz und „Hinterzimmerpolitik“ des Betriebsrates an. „Die Macht hat sich in den letzten gut zehn Jahren zunehmend aus den Gremien zur Betriebsratsspitze verlagert. Wichtige Entscheidungen wie die Vertragsverlängerung mit Herbert Diess im Juli werden ohne vorherige Diskussion entschieden und der Basis nur zum Abnicken vorgesetzt. Kurze Zeit später gibt es dann wieder Theater, das wir alle ausbaden müssen“, kritisiert Patta im Gespräch mit der WAZ. Er möchte die einzelnen Gremien wieder stärken. „Es geht nicht um die Personen, sondern um die Mitbestimmung“, so Patta.

Während der Betriebsrat um Daniela Cavallo bisher gelassen auf die Gegenbewegung reagiert, setzte vor allem die IG Metall mit ihren Vertrauensleuten zum Gegenangriff an. Lem und Maginski warf man aus der Fraktion und ihren Büros und kritisierte, sie würden sich mehr um die Zukunft des Konzern-Chefs, als um die Belegschaft kümmern. Bei Patta wurde es sogar persönlich. Diesem ginge es nur um seinen persönlichen Vorteil, seine Kandidatur nannte der Erste Bevollmächtigte Flavio Benites gar einen „Ego-Trip“. Bei den neuen Listen würde es sich generell um „egoistische Spaltungsversuche“ handeln. In diesen herben Ton stimmte auch die traditionell gewerkschaftsnahe SPD mit ein. „Die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und die IG-Metall-Fraktion machen einen hervorragenden und wichtigen Job im Sinne der Kolleginnen und Kollegen. Dass ausgerechnet in dieser herausfordernden Situation diese für uns alle wichtige Arbeit durch Spaltung und Falschinformationen erschwert wird, halten wir für hoch problematisch“, kommentierten die Landtagsabgeordnete Immacolata Glosemeyer und der Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs in einem gemeinsamen Statement und machten die Wahl damit auch offiziell zu einem Politikum.
https://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Gegenwind-fuer-Cavallo-Acht-Listen-bei-VW-Betriebsratswahl

Kuddel

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #349 am: 09:33:21 Sa. 04.Dezember 2021 »
Ich muß zugeben, daß ich nicht recht durchblicke, was da gerade abgeht.

Zitat
Wer bei VW-Betriebsratswahlen in der Vergangenheit Spannung erwartete, der war an der völlig falschen Adresse. Der Ausgang war – wenn auch aus anderen Gründen – in der Regel so vorhersehbar wie bei Regierungswahlen in der DDR, das Ergebnis stets dasselbe: Dominanz der IG Metall-Fraktion.

Treffend beschrieben und mir soweit bekannt.

Betriebsratsarbeit in solchen Großbetrieben hat sowohl etwas theatralisches alsauch spackiges, das ist mindestens so abtörnend wie das Gelaber in den Parlamenten.

Das, was in den Großbetrieben passiert hat eine riesige Bedeutung und die Auswirkungen sind meist nicht nur regional. Sowas wie VW ist gigantisch, deren Politik hat nicht nur nationale Auswirkungen, sondern weltweit. Ich habe aber wenig Ahnung, was sich da im Betriebsrat tut. Die traditionellen linken Initiativen, die sich mit Betriebsratsarbeit und Betriebspolitik befassen, sind arg geschrumpft. Deshalb wundere ich mich, was da gerade abgeht. Komische Machtkämpfe innerhalb der IGM? Lustig, daß der alte Filz ins Stolpern kommt, aber eigentlich verstehe ich nur Bahnhof.

Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #350 am: 09:59:20 Sa. 04.Dezember 2021 »
Man muss das auch nicht alles verstehen. Das meiste ist total bescheuert:
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article234009867/Cavallo-gegen-Heyn-VW-Betriebsratszoff-in-Wolfsburgs-SPD.html (Schranke)

Eigentlich geht es um Standortsorgen, eigene Pfründe, verletzte Eitelkeiten und immerhin ein wenig Opposition gegen den Filz. Man sollte nicht vergessen, dass es die IG Metall Wolfsburg und der Betriebsrat von Volkswagen war, der maßgeblich an H4 und Leiharbeit beteiligt war. Im Rahmen der aktuellen Produktionskrise tun sich in Wolfsburg nun Abgründe auf.

Kuddel

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #351 am: 14:13:23 Mi. 12.Januar 2022 »
Zitat
Wandel in der Automobilbranche
Dem Burgfrieden die Form geben
VW: IG Metall mahnt Mitgestaltung bei laufender Umstrukturierung des Unternehmens an
https://www.jungewelt.de/artikel/418254.wandel-in-der-automobilbranche-dem-burgfrieden-die-form-geben.html

 :Q

Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #352 am: 19:59:01 Di. 15.März 2022 »
Zitat
14.3.22 (Schranke)

Die Betriebsratsliste MIG 18 wendet sich nach Bekanntwerden der ersten Eckdaten aus dem Geschäftsbericht des Volkswagen-Konzerns in einem offenen Brief an den Ersten Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Metall Jörg Hofmann, den Ersten Wolfsburger Bevollmächtigten Flavio Benites und die Mitglieder der Tarifkommission. Darin wird die angekündigte Erhöhung der Dividende scharf kritisiert

„Die Dividende für die Stammaktionäre soll von 4,80 Euro auf 7,50 Euro um satte 56 Prozent erhöht werden. Diese exorbitante Erhöhung zeigt, wie gut es dem Unternehmen momentan geht, unabhängig davon, was gerade in der Öffentlichkeit erzählt wird und wie es dargestellt wird. Zumindest die Kolleginnen und Kollegen, die im Aufsichtsrat sitzen, müssen früher über diese Absicht informiert gewesen sein. Wer es jetzt noch nicht geschnallt hat, dem muss doch spätestens jetzt ein Licht aufgehen: Bei einem Zuwachs von über 56 Prozent bei der Dividendenausschüttung für die Aktionäre bleibt natürlich nicht mehr so viel für die Belegschaft über. Die Familien Porsche und Piech, Qatar, aber auch das Land Niedersachsen steigern ihre Einkommen aus Aktien um 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unser Vorschlag aus den vergangenen Jahren zeigt sich jetzt wieder als sinnvoll: Bonus- und Tarifverhandlungen erst nach der Hauptversammlung der Aktionäre starten. Und Ihr müsst jetzt endlich dafür Sorge tragen, dass das alles auch mal nachgeholt wird. Spätestens bei den Tarifverhandlungen im Herbst muss für die Belegschaft noch mal richtig nachgelegt werden“, heißt es in dem Brief von Listenführer Antonino Potalivo.

Potalivo kritisiert in diesem Zusammenhang auch den Bonus in Höhe von 10.622 Euro für die Tarifbeschäftigten von VW Financial Services. „Die Kollegen, die ohne unsere Produkte nichts zu vermarkten hätten, bekommen über 7000 Euro mehr Bonus als die Stammbelegschaft. Jede Gewerkschaft, die noch irgendwas auf sich hält, müsste spätestens jetzt im Viereck springen. Wir von der MIG 18 verurteilen dieses Zwei-Klassen-System“, schreibt Potalivo.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article234815219/VW-Wut-Brief-wegen-Riesenbonus-und-Dividende-trotz-Krise.html


Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #353 am: 23:50:01 Mi. 23.März 2022 »
Zitat
23.3.22
VW-Reinigungskräfte: Protest bleibt ohne Erfolg

Die Gewerkschaft IG BAU regt eine Änderung der Sozialcharta von Volkswagen an. Den Betroffenen nützt das aber nichts.

Sie sind für ihre Reinigungs-Jobs in den Spülküchen der VW-Kantinen in Wolfsburg auf die Straße gegangen. Das war Ende vergangenen Jahres. Inzwischen steht fest, dass der von den Beschäftigten und der Gewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt (IG BAU) angestrebte Betriebsübergang von der Firma Tip Top auf den neuen VW-Dienstleister GRG nicht zustande gekommen ist. Von den insgesamt 80 Beschäftigten werden rund 50 nach IG Bau-Angaben arbeitslos. Der Rest arbeite nun „zu schlechteren Bedingungen“ für den neuen Dienstleister weiter, wie Margarete Wille von der IG BAU mitteilte. Nach ihren Angaben hat Tip Top das Gros der Mitarbeiter kulanterweise zwei Monate weiterbezahlt. Ende Mai müssen die ehemaligen Spülkräfte bei VW sich dann aber nach neuen Beschäftigungen umschauen.
(...)
Gewerkschafter Eilert hatte im Dezember auch eine Mitverantwortung von Volkswagen eingefordert: „In seiner Sozialcharta hat sich VW zu fairen Arbeitsbedingungen und zur Mitbestimmung bekannt. Es kann dem Konzern nicht egal sein, zu welchen Bedingungen die Beschäftigten seiner externen Dienstleister arbeiten.“ Der VW-Betriebsrat sagte dazu jetzt auf Anfrage: „Das war ein externer Dienstleister, so wie wir viele im Werk haben. Solche Dienstleistungen und Services werden von unserer Beschaffung regelmäßig ausgeschrieben. Solche Entscheidungen, was wir dann von wem einkaufen, fallen auf Basis sorgfältig definierter Standards, die wir als Arbeitnehmervertretung auch im Blick haben. Sie sind aber nicht mitbestimmungspflichtig, weil wir in dem Sinne ja niemanden einstellen – wo die Zustimmung des Betriebsrates nötig wäre.
(...)
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article234897607/VW-Reinigungskraefte-Protest-bleibt-ohne-Erfolg.html

Einfach mal schön auf den Verwaltungsschreibtisch kacken. Sollnse den Dreck dock selber wegmachen.

Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #354 am: 19:42:14 Do. 14.April 2022 »
Zitat
14.4.22
VW verweigert Schuldeingeständnis

Mit millionenschweren Entschädigungszahlungen wollte Volkswagen ein dunkles Kapitel der Firmengeschichte abschließen. Die Opfer fordern aber eine Entschuldigung - gegen die sich das Unternehmen weiterhin wehrt.
(…)
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/brasilien-vw-101.html

Nikita

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #355 am: 11:59:54 Do. 12.Mai 2022 »
Deutsche Unternehmen und ihr braunes Erbe
»Wie Ferry Porsche die Geschichte verdrehte, ist unglaublich«

S+
Mit Zwangsarbeit und »Arisierung« bauten Dynastien wie Quandt, Flick und Oetker im Nationalsozialismus ihre Imperien aus. Autor David de Jong ist empört, dass Konzerne sogar Charity im Namen von NS-Profiteuren betreiben.
Ein Interview von Jasmin Lörchner
12.05.2022, 00.28 Uhr

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Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #356 am: 19:48:03 So. 29.Mai 2022 »
Zitat
29.5.22
Ermittlungen gegen Volkswagen in Brasilien wegen Sklavenarbeit

Ein neues Ermittlungsverfahren der brasilianischen Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro wirft VW systematische Menschenrechtsverletzungen in Hunderten Fällen, Ausbeutung von Sklavenarbeit und Menschenhandel vor. Volkswagen muss nach Informationen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung" Mitte Juni zu einer Anhörung nach Brasilia reisen.
(…)
Dieses Mal zitieren wir aus einem 2.000 Seiten starken Akten-Konvolut der Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro. Diese hat gerade gegen Volkswagen offiziell ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Der Vorwurf: systematische Menschenrechtsverletzungen in Hunderten Fällen, Ausbeutung von Sklavenarbeit, Menschenhandel.
(…)
Bei missglückten Fluchtversuchen sollen Leiharbeiter angeschossen, verprügelt und gefesselt worden sein. Selbst schwer krank sollen sie mit vorgehaltener Waffe zur Arbeit gezwungen und erniedrigt worden sein. Zeugen beschreiben unter anderem, wie Arbeiter die Waffe der Aufpasser in den Mund nehmen mussten, wie die Frau eines Arbeiters als Strafe für einen Fluchtversuch vergewaltigt wurde und wie auch Minderjährige auf der Farm gegen ihren Willen festgehalten wurden. Eine Mutter gab zu Protokoll, wie ihr Sohn den Verletzungen durch die Gewaltausbrüche erlegen ist, andere Arbeiter sollen verschwunden sein. "Das war eine Form moderner Sklaverei", so der zuständige Staatsanwalt Rafael Garcia in Rio de Janeiro.
(…)
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Ermittlungen-gegen-Volkswagen-in-Brasilien-wegen-Sklavenarbeit,brasilien732.html

Das ist einfach nur noch gruselig.

ManOfConstantSorrow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #357 am: 07:20:22 Mo. 30.Mai 2022 »
Zitat
Interview mit dem VW-Chef
Herbert Diess: „Wir können nicht nur mit Demokratien arbeiten“

Der VW-Chef spricht über moralische Kompromisse, sein Engagement in China, die Zukunft der deutschen Wirtschaft...
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/interview-mit-dem-vw-chef-herbert-diess-wir-koennen-nicht-nur-mit-demokratien-arbeiten/28381928.html

Ein Bißchen Folter tut doch der deutschen Wirtschaft gut.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Fritz Linow

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #358 am: 20:12:23 Di. 31.Mai 2022 »
Kleines Fundstück von 1963, passt irgendwie zu Volkswagen und Brasilien:
Zitat
Hjalmor Schacht, 86, Alt-Bankier, einst Hitlers Wirtschaftsminister und Reichsbankpräsident, bedauerte jetzt in einem Interview, nach dem Kriege nicht in die Automobilbranche eingestiegen zu sein. Schacht, dem - nach eigenem Bekenntnis - VW-Generaldirektor Heinz Nordhoff 1952 die VW-Generalvertretung in Brasilien angeboten hatte: »Hätte ich nur angenommen. Dann wäre ich heute ein reicher Volkswagenvertreter und nicht ein armer Bankier.«
https://www.spiegel.de/politik/hjalmar-schacht-a-97a2ffcd-0002-0001-0000-000046171318

Kuddel

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Re: Filz und Korruption bei VW
« Antwort #359 am: 18:59:06 Fr. 03.Juni 2022 »
Brasilien: Zwangsarbeit - Vorwürfe gegen VW-Tochter

Video 07:20 Min. | Verfügbar bis 29.05.2023

https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/brasilien-zwangsarbeit-102.html