Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 228276 mal)

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #45 am: 14:34:59 So. 26.Februar 2017 »
Nahles liebte Horst Neumann:



Doch der liebt nun eine andere:



Nahles versucht es bei Werner Stolz:



Piech derweil liebt Osterloh:



Auf jeden Fall liebt Nahles den Arbeiter:



Der Führer liebt derweil Grundsteinlegungen bei Fallersleben:


Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #46 am: 21:30:46 Di. 28.Februar 2017 »
Zitat
VW China duldet illegale Leiharbeit – Arbeiter in Jilin streiken – Solidarität ist angezeigt!

Das in Hongkong ansässige „China Labour Bulletin“ berichtet, daß 500 Leiharbeiter des VW-Joint Ventures in Changchun (Provinz Jilin) für die Einhaltung des Grundsatzes „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ streiken. Bereits seit mehreren Monaten hatten sie versucht, ihre Rechte auf offiziellem Weg durchzusetzen. (…) Die Arbeiter berufen sich auf das geltende chinesische Arbeitsvertragsgesetz sowie auf die mit dem „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns abgeschlossene „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ vom 29.10.2009 und die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ vom 30.11.2012.
(…)
Der Konflikt in China zeigt, daß die Lage der Leiharbeiter und „Kontraktarbeiter“ dort strukturell absolut vergleichbar ist mit der Lage der Leiharbeitnehmer und Werkvertragsbeschäftigten in Deutschland. Allerdings: Die Rechtslage in China ist – absurd genug ! – noch eindeutiger als in Deutschland. Umso unverständlicher ist es aber, daß sich offenbar bis heute weder der „Weltbetriebsrat“ noch der Konzernbetriebsrat in Wolfsburg oder die IG Metall der Sache angenommen haben.(…)

(Geffken)

http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/

Der Vorsitzende des Weltbetriebsrates ist Frank Patta, war 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg und wurde hier schonmal thematisiert: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg310206#msg310206


2013 gab es ein Treffen mit chinesischen Gewerkschaftern:


Zitat
Weltkonzernbetriebsrat und chinesische Gewerkschaften haben einen Koordinierungskreis. In China fanden Treffen dieses Kreises bisher nur in Peking statt. Zum ersten Mal waren wir jetzt in Fushan – einem der neuen Volkswagen-Standorte“, erklärt Frank Patta, Generalsekretär des Weltkonzernbetriebsrates. Mit Chairman Kong Xianghong nahm zudem erstmals ein führender Gewerkschafter aus der Provinz Guangdong an dem Treffen teil. In der Provinz, in der auch Fushan liegt, hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Arbeitsniederlegungen gegeben. „Die chinesischen Gewerkschafter sind deswegen sehr daran interessiert, zu erfahren, wie bei Volkswagen in Deutschland die Mitbestimmung funktioniert und wie bei uns Tarifverhandlungen geführt  werden. Ich war beeindruckt, wie offen darüber diskutiert werden konnte“, erklärt Patta, der auch Vorträge an der Sun-Yat-Sen-Universität der Provinzhauptstadt Guangzhou halten konnte.

https://www.porsche-betriebsrat.at/fileadmin/inhalt/mitarbeiterzeitung/MITBESTIMMEN__Juni_2013.pdf

Von deutschen Gewerkschaften lernen heißt nicht wirklich Siegen! Es soll sogar vorkommen, dass die Blödsinn erzählen...

Nebenbei: Eine Mitarbeiterin in Changchun erzählt wohl auch gerne Blödsinn:
Zitat
In den sozialen Medien erhält die Gruppe große Unterstützung. Volkswagen erklärte, man nehme die Proteste sehr ernst. FAW wollte sich nicht äußern. Am Telefon erklärte eine Mitarbeiterin in Changchun, man wisse von keinen Protesten.
http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/china-proteste-gegen-vw/19460894.html (1.3.17)

Tagesschau und DLF sind die protestierenden Leiharbeiter nun auch eine Meldung wert:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-leiharbeiter-proteste-china-101.html
http://www.deutschlandfunk.de/china-vw-leiharbeiter-protestieren-gegen-ungleiche-bezahlung.1773.de.html?dram:article_id=380251

Mal sehen, was BR und IGM in Wolfsburg dazu sagen oder ob sie sogar Solidarität und Unterstüzung zusagen. Ziemlich unwahrscheinlich, weil sie dann erklären müssten, warum sie hier bei der Frage "Gleiche Bezahlung" nicht aktiv werden.  

Der Weltkonzernbetriebsrat und somit auch die IG Metall scheint sich grundsätzlich einen Dreck darum zu scheren, was international bei VW so los ist. So werden in den USA seit längerem Tarifvertragsverhandlungen verweigert, in dessen Folge es zu Drangsalierungen bis hin zu Rassismus gekommen sein soll. Der Weltkonzernbetriebsrat mit Frank Patta persönlich war zugegen, ist aber anscheinend nicht gewillt zu unterstützen:  

Nur auf Englisch: http://www.alternet.org/labor/chattanooga-auto-workers-host-strike-meeting

Daheim schauen die VW-Betriebsräte Heim, Melhop und Osterloh gerne zusammen mit Maffay in die Klatschreporterkamera:



Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #47 am: 11:11:40 Mi. 01.März 2017 »
Man kommt gar nicht mehr hinterher:

Zitat
01.03.17
VW Argentinien befiehlt Kurzarbeit für 600 Beschäftigte: Verkündet mit einem Massenaufgebot an Polizei

In dem VW Werk in General Pacheco (eine Stadt mit grob 50.000 Menschen, nördlich von Buenos Aires) arbeiten rund 4.000 KollegInnen. 600 von ihnen sollen jetzt – für maximal anderthalb Jahre (!) zur Kurzarbeit gezwungen werden, zunächst einmal für 30 Tage. Großzügigerweise betonte die Unternehmensleitung, am Ende dieser 30 Tage würden die Betroffenen „ein Telegramm“ erhalten, worin sie über ihre weitere Zukunft informiert würden. Und verkündete diese „Betroffenheit“ am Schichtende in Einzelgesprächen. In dem Artikel „Volkswagen: impresionante operativo policial para suspender a 600 trabajadores“ am 23. Februar 2017 bei El Argentino Zona Norte wird vor allem darauf abgehoben, dass die Geschäftsleitung sich „ihrer Sache“ denn doch nicht so sicher war: Die Verkündigung geschah erst, als ein enormes Polizeiaufgebot vor dem Werk aufmarschiert war, was in diesem Artikel auch mit Fotos belegt ist. Belegt ist einmal mehr auch, dass die Metallgewerkschaft Smata (der unbekannte Autor verweist darauf: „Ebenso grün gekleidet, wie die Polizei“) den ganzen Tag „Beruhigungsaktivitäten“ unternommen habe.

http://www.labournet.de/internationales/argentinien/arbeitsbedingungen-argentinien/vw-argentinien-befiehlt-kurzarbeit-fuer-600-beschaeftigte-verkuendet-mit-einem-massenaufgebot-an-polizei/

Höchstwahrscheinlich hat die argentinische Metallgewerkschaft Smata auch eine Unterrichtung aus Wolfsburg bekommen, wie man als willfährige Erfüllungsgehilfin zu handeln hat.

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #48 am: 21:31:25 Mi. 08.März 2017 »
Was der Wolfsburger so aus den Wolfsburger Medien erfährt:

Zitat
Merkel: Erfuhr im September 2015 aus Medien von VW-Skandal

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des VW-Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren. Anschließend sei dann auch von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) informiert worden.
Berlin.Dies sagte Merkel am Mittwoch als Zeugin im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sie habe unterstützt, dass Dobrindt rasch eine Untersuchungskommission einsetzte, und zur Aufklärung ermuntert.

Der Ausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 mit Blick auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr.

VW hatte eine verbotene Software eingesetzt, was 2015 in den USA aufflog und zum Diesel-Skandal führte. Auch bei mehreren anderen Herstellern sind später auffällige Abgaswerte bekannt geworden.

dpa
http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Merkel-Erfuhr-im-September-2015-aus-Medien-von-VW-Skandal


Und was so in den anderen Medien steht (natürlich immer noch zu wenig):
Zitat

Merkel: Erfuhr erst September 2015 von VW-Skandal
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren.
Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hebt den Kopf. Sie blickt hoch zur Pressetribüne und nickt den Journalisten zu. Lächelnd umkreist sie ihren Platz, einen schwarzen Ledersessel vor einem hellen Holztisch. Die drei Stühle neben ihr bleiben leer. Merkel rückt ihr Namensschild zurecht: „Dr. Merkel“.

Noch einmal mustert sie Mikrofongalgen und Kamera-Objektive, die sie neugierig anstarren. Mit Spannung war Merkels Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss zum VW-Abgas-Skandal erwartet worden. Was wird sie sagen? Wird sie überhaupt etwas sagen? Was wusste sie? Wann wusste sie etwas? Und von wem?

Die Kanzlerin: „Ich bin bereit“

Merkels Auftritt ist die letzte Zeugenbefragung vor dem Ausschuss. Das Interesse der Medien ist immens. Kurzfristig muss die Befragung in einen größeren Saal verlegt werden. „Sie müssen richtige und vollständige Angaben machen“, ermahnt der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke) die Kanzlerin. „Ich habe versucht, mich zu erinnern und bin bereit“, antwortet Merkel und räuspert sich.

Behrens will wissen: „In welcher Weise und Intensität haben Sie sich mit dem Thema Emissionen zwischen 2007 und 2016 befasst?“ Merkel erklärt, sie sei früher immerhin Umweltministerin gewesen und habe sich „immer wieder damit beschäftigt“, aber nie mit technischen Details, immer nur „im Geiste“.

Merkels Strategie wird schon mit der ersten Antwort deutlich. Erfahren habe sie erst am 19. September 2015 aus den Medien von „dem Vorfall“ – wie alle anderen auch. Merkel, die Ahnungslose, die aber schnell Aufklärung verlangt haben will.
„Ich habe keine klare Erinnerung“

Sie habe rasch Kontakt mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgenommen. „Ich habe ihn ermuntert, mit voller Transparenz und Energie aufzuklären, um die Dinge ans Licht zu bringen, sofern sie nicht schon bekannt waren.“ Sie habe es begrüßt, als Dobrindt eine Untersuchungskommission einrichten will.

Alle Versuche, sie von dieser Linie abzubringen, perlen an Merkel ab. Kannte sie die Abweichungen bei Abgasmessungen? „Daran erinnere ich mich nicht. Ich habe mich mit Testfragen nicht beschäftigt.“ Und die Abschaltvorrichtung? „Ich habe keine klare Erinnerung“, „keine detaillierte Kenntnis“, „am Rande mit verfolgt, aber nie intensiv damit beschäftigt“, „mit den Presseberichten am Rande erfahren“, „vorher keinerlei Kenntnis“.

Sicherlich, Kontakte mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn zu diesem Thema habe es gegeben, aber erst am 22. September in einem Telefonat, um das sie Winterkorn am Vortag gebeten habe. Sie habe von ihm nichts Neues erfahren. Nichts, das sie nicht schon vorher aus den Medien erfahren habe. Aus internen Telefonaten berichte sie ansonsten grundsätzlich nicht.
„Es wird wohl so gewesen sein“

Ob sich das Bundeskanzleramt in die bisherigen Untersuchungen eingebracht habe, will Behrens wissen. „Nee, das machen Sie doch. Ich habe das zur Kenntnis genommen, was Sie hier ermitteln“, sagt Merkel flapsig und erntet Gelächter. Behrens rückt ein Treffen mit dem früheren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger im Jahr 2009 in den Fokus.

Sie habe angeblich Schwarzenegger und Vertreter der kalifornischen Umweltbehörde ermahnt, die amerikanischen Grenzwerte für Diesel-Fahrzeuge seien zu niedrig. Es habe so geklungen, als ob die Kanzlerin als oberste Fürsprecherin der deutschen Autoindustrie auftrete.

„Es gab ein Frühstück. Es wird wohl so gewesen sein“, sagt die Kanzlerin. Es sei um Pläne für neue Emissionsgrenzwerte nach 2014 gegangen. Im Vordergrund habe die Reduzierung von Emissionen gestanden. „Das war keine Attacke auf die kalifornischen Umweltbemühungen. Ich habe mich auch danach nicht mehr dafür eingesetzt“, betont Merkel. Das Gespräch sei ihr ohnehin nicht auffallend in Erinnerung geblieben. „Ich weiß es schlicht nicht. Eine konkrete Erinnerung daran habe ich nicht.“
Keine Erkenntnisse, keine Erklärung

Merkel wird nach Zeitungsartikeln gefragt, nach möglichen Hinweisen der EU auf Verstöße, bevor der Skandal an die Öffentlichkeit drang. Doch die Kanzlerin bleibt hart: „Nein, davon weiß ich nichts.“ Immer neue kritische Artikel und Berichte werden ihr präsentiert. Irgendwann platzt es aus ihr heraus: „Hoch lebe die Pressefreiheit.“

Oliver Krischer von den Grünen hakt nach: „Sie verstehen mehr von Stickoxiden als zwei ehemalige Verkehrsminister, die wir hier befragt haben. Haben Sie eine Erklärung, warum das in Deutschland nicht entdeckt wurde, sondern in den USA?“ Nein, dafür habe sie keine Erklärung. „Es ist da entdeckt worden, und dann muss man sich damit auseinandersetzen. Ich betreibe keine Motivforschung. Das ist nicht meine Aufgabe.“

Ein Raunen geht durch den Saal. Keine Erkenntnisse, kein Wissen, keine Erklärung, keine Informationen – Merkel bleibt ihrer Linie treu. Versäumnisse deutscher Behörden kann sie nicht erkennen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass das Kraftfahrtbundesamt schlecht gearbeitet hat. Sie sehe auch keine Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen, sagt sie. Und auch kein Staatsversagen. Nein, systematisch weggesehen habe niemand.
„Ein Hohn für Millionen Autofahrer“

Nach zwei quälend langen Stunden ist die Befragung vorbei. „Ich bedanke mich auch und wünsche Ihnen eine gute Abschlussarbeit“, sagt Merkel. Widersprechen will ihr niemand – zustimmen aber auch nicht.

Grünen-Obmann Krischer zeigt sich enttäuscht. Er nennt es „unverantwortlich“, dass Merkel den Skandal als „Vorfall“ bagatellisieren will. „Unverantwortlich“, dass sie den „Vorfall“ nicht zur Chefsache gemacht hat. „Absolut unpassend“, dass sie die Verantwortung allein Verkehrsminister Dobrindt überlassen will. „Das ist ein Hohn für Millionen betroffene Autofahrer.“

Der Ausschussvorsitzende Behrens zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Kanzlerin. Ihre Aussage, erst im September 2015 durch Medienberichte aufgeklärt worden zu sein, „steht meinen Erkenntnissen diametral entgegen“.

Von Jörg Köpke/RND

http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Merkel-Erfuhr-erst-September-2015-von-VW-Skandal


Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #49 am: 11:33:33 Sa. 01.April 2017 »
In Hannover-Stöcken regt sich Widerstand gegen den korrupten IGM-Sauhaufen bei VW:

Zitat
31.03.2017
IG Metall droht Abweichlern mit Rauswurf

Am 6. April wählen rund 1000 Delegierte aus 115 Standorten weltweit in Wolfsburg die 10 VW-Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerseite – eine reine Formsache (wir berichteten). Komplettiert wird das Gremium durch 10 Vertreter der Konzern-Anteilseigner. „114 Standorte haben die Delegierten per Einheitsliste und Friedenswahl bestimmt – also ohne Urnengang“, berichtete jetzt die Hannoversche Allgemeine (HAZ). Das fehlende Werk ist die Nutzfahrzeugfabrik in Stöcken. Und deshalb gibt es dort Ärger, wie die HAZ weiß.

Achtungserfolg verschärft die Gegensätze

In Stöcken gibt es eine sehr aktive Opposition im Betriebsrat, der – wie in allen deutschen VW-Werken – von der IG Metall dominiert wird. Einer der rebellischen Wortführer ist Ibrahim Badan, der unter anderem für sich verbuchen kann, eine Betriebsratswahl in Stöcken erfolgreich vor dem Bundesarbeitsgericht angefochten zu haben. Er sorgte jetzt bei der Delegiertenwahl auch mit dafür, dass es für die IG Metall nicht so rund lief wie in allen anderen Werken. „Bei der Delegiertenwahl Anfang März gelang der „Vereinigten Alternativen Liste“ ein Achtungserfolg: Mit 1387 Stimmen stellt sie bei der Abstimmung über die Aufsichtsratsmitglieder in Wolfsburg drei Delegierte und damit einen mehr als 2012. Für den Ausgang der Wahl spielt das keine Rolle - wohl aber für das Binnenverhältnis im Werk: Der Graben in der Arbeitnehmervertretung scheint dadurch noch breiter geworden zu sein“, analysiert die HAZ.

Und die IG Metall war trotz eines Stimmenanteils von 86 Prozent extrem angesäuert, weil auf der alternativen Liste auch Mitglieder der Gewerkschaft stehen. Diesen werde nun mit dem Ausschluss gedroht, berichtet die Zeitung aus der Landeshauptstadt und zitiert aus einem entsprechenden Schreiben an die widerborstigen Metaller. Ähnliches plante man vor sechs Jahren übrigens auch in Wolfsburg, weil in der Betriebsratsgruppe Mig 18 ebenfalls IG-Metaller sitzen. Sie hätten mit der Kandidatur auf einer alternativen Liste gegen die Satzung der mächtigen IG Metall verstoßen, hieß es damals. Ein entsprechendes Verfahren wurde damals jedoch nicht eingeleitet. In Hannover ist die Tonart wesentlich rauer. Die Kandidaten wurden laut HAZ aufgefordert, sich bis Ende März „schriftlich und mündlich hier in der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung überzeugend von der oben genannten Liste“ zu distanzieren. Ansonsten drohe der Ausschluss.

„Werte wie Gerechtigkeit müssen wieder gelebt werden“


Doch was will die „Die Vereinte Alternative Liste“ überhaupt erreichen? Ihr Slogan lautet „Gemeinsam gegen Korruption und Manipulation.“ Ibrahim Badan erläuterte gegenüber unserer Zeitung, was dahinter steckt. „ Werte wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit müssen wieder gelebt werden“, sagt er. Sie ständig nur einzufordern, das reiche nicht. Die Betriebsräte und Gewerkschafter im Aufsichtsrat hätten weder Dieselgate verhindert noch seien sie gegen die hohen Vorstandsgehälter vorgegangen. „Sie nehmen die Nöte und Sorgen normaler Arbeitnehmer gar nicht mehr wahr“, behauptet Badan. Es gehörten neue Köpfe in den Aufsichtsrat. Dazu wird es nicht kommen. Stattdessen fehlt ein prominenter Kopf auf der Wahlliste. Gesamtbetriebsrats-Vize Stephan Wolf aus Wolfsburg, die rechte Hand von Osterloh, kandidiert nicht mehr, weil die Standorte stärker repräsentiert werden sollen.



DIE KANDIDATEN DER ARBEITNEHMERSEITE

Die drei Frauen, die künftig für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzen sollen, sind Birgit Dietze aus dem Bundesvorstand der IG Metall, Ulrike Jakob, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Komponentenwerkes Kassel, sowie Bertina Murkovic, Betriebsrats-Vize des Nutzfahrzeuge-Werkes in Hannover. Damit erfüllt die Arbeitnehmerseite die Vorgabe eines 30-prozentigen Frauenanteils auf ihrer Liste. Die Arbeitgeberseite hatte diesbezüglich bereits vorgelegt.

Die übrigen sieben Kandidaten sind Bernd Osterloh (Vorsitzender des VW-Gesamtbetriebsrates), Jörg Hofmann (Bundesvorsitzender der IG Metall), die Betriebsratschefs Peter Mosch (Audi), Uwe Hück (Porsche), Athanasios Stimoniaris (MAN-Gesamtbetriebsrat), Johan Järvklo (IF Metall bei Scania in Schweden) Hans-Peter Fischer (Volkswagen Management Association).

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210116259/IG-Metall-droht-Abweichlern-mit-Rauswurf.html
http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/IG-Metall-droht-Abweichlern-bei-VW-mit-Ausschluss

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #50 am: 17:16:28 Fr. 12.Mai 2017 »
Weil mal wieder wegen Filz und Korruption ermittelt wird, geht ein Mann nun in die Offensive:

Zitat
12.05.17
„Ginge es mir ums Geld, wäre ich nicht mehr Betriebsratschef“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagt im Interview: „Ich habe keine Lust auf ein Versteckspiel.“ Sein Gehalt hat Manager-Höhe.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Personalverantwortliche des Volkswagen-Konzerns. Hintergrund ist der Vorwurf, Betriebsratschef Bernd Osterloh werde zu gut bezahlt. Mit Osterloh sprach Armin Maus.

 Herr Osterloh, die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Unternehmensvertreter wegen der Höhe Ihrer Vergütung. Was sagen Sie dazu?


So etwas belastet einen, das ist doch klar. Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht. Und ich kann sagen: Ich bin da mit mir im Reinen. Meine Gehaltsentwicklung wird vom Unternehmen festgelegt. Unter Einhaltung des Betriebsverfassungsgesetzes und mit klaren internen Regelungen zur Betriebsratsvergütung. Die erlassenen Regelungen sind mehrfach intern und von externen Experten überprüft worden. Ich gehe also davon aus, dass man der Staatsanwaltschaft die Rechtmäßigkeit der vom Unternehmen getroffenen Entscheidungen darlegen wird.

Wird Ihre Arbeit durch das Ermittlungsverfahren nicht schwieriger?


Das ist für mich persönlich sicher keine einfache Zeit. Aber für meine Arbeit darf das keine Rolle spielen. Das können meine Kolleginnen und Kollegen zu recht von mir erwarten. Eines will ich betonen: Gegen mich wird nicht ermittelt. Und es gibt auch keinen Grund für Spekulationen.

Aber jetzt will die ganze Welt wissen, was sie verdienen. Wir auch.

Das verstehe ich. Und ich habe da auch keine Lust auf ein Versteckspiel. Schon 2005 habe ich gesagt, dass ich vergleichbar zu einem Manager bezahlt werde. Aktuell vergleichbar zu einem Bereichsleiter. Im Konzern haben wir etwa 300 solcher Manager. Davon allein am Standort Wolfsburg um die 80. Und entsprechende Tätigkeiten hat man auch mir in der Vergangenheit angeboten. Mir war es aber wichtiger, Betriebsrat zu sein.

Und was haben Sie nun verdient?


Mein Grundgehalt liegt bei rund 200000 Euro. Hinzu kommen Bonuszahlungen, die vom Geschäftsverlauf von Volkswagen abhängig sind. Die erhalte ich genau wie alle Manager in dieser Ebene. In der Spitze lag damit mein Jahresgehalt einmal bei rund 750000 Euro. Aktuell ist es deutlich niedriger. Im Übrigen: Ich habe schon im Oktober 2015 eine Erklärung gegenüber dem Unternehmen abgegeben, dass ich Wert darauf lege, dass ich im gleichen prozentualen Anteil auf Bonus verzichte, wie das die Belegschaft tut. Für das letzte Geschäftsjahr steht eine Bonuszahlung von etwa 386000 Euro im Raum. Durch meine Erklärung, die auch in diesem Jahr noch gilt, würde sich dieser Betrag auf 290000 Euro verringern. Mir war das damals wichtig. Denn ich habe den Vorstand zum Verzicht aufgefordert. Und ich kann nicht von anderen etwas fordern, was ich selbst nicht tue. Immerhin stand im Raum, dass die Belegschaft keinen Bonus erhält. Und mit meiner Erklärung hätte auch ich dann nichts bekommen und auch nichts haben wollen.

Finden Sie es richtig, dass ein Betriebsratsvorsitzender bezahlt wird wie ein Manager?

Das ist sicher eine gute Frage, denn hier geht es um Gerechtigkeit. Ich habe nicht über mein Gehalt entschieden. Das Unternehmen hat meine Einstufung nach Recht und Gesetz vorgenommen. Ich werde weder wie ein Generalbevollmächtigter, noch wie ein Markenvorstand, geschweige denn wie ein Konzernvorstand vergütet. Im Übrigen: Wäre es mir ums Geld gegangen, dann wäre ich heute nicht mehr Betriebsratsvorsitzender, sondern schon seit Ende 2015 Personalvorstand. Ich setze mich aber seit Jahrzehnten lieber mit ganzer Kraft für die Belegschaften ein. Das werde ich auch weiterhin tun.

Was denken Sie, wie werden ihre Kollegen reagieren?


Ich denke, dass sie das sehr wohl nachvollziehen können. Natürlich wird es den ein oder anderen geben, der das kritisch diskutiert. Diesen Diskussionen stelle ich mich. Im Übrigen: der Betriebsausschuss Wolfsburg, die IG Metall-Fraktion und der Gesamtbetriebsausschuss kennen das natürlich.

Warum hat jemand VW angezeigt?


Das kann ich ihnen nicht sagen, denn ich weiß es nicht. Es gibt natürlich immer Menschen mit persönlichen Motiven. Oder andere, denen vielleicht die Mitbestimmung ein Dorn im Auge ist. Ich weiß nur eines: Wir bei Volkswagen müssen uns aufs Geschäft und die Beschäftigungssicherung konzentrieren. Wir sind mitten in einem riesigen Umbau des Unternehmens. Wir müssen als Betriebsrat in den nächsten Jahren darauf achten, dass die Arbeitsplätze zukunftsfähig bleiben. Das ist mein Hauptanliegen. Und davon werde ich mich auch durch die aktuelle Diskussion nicht ablenken lassen.
http://www.wolfsburger-nachrichten.de/mitreden/antworten/article210552321/Ginge-es-mir-ums-Geld-waere-ich-nicht-mehr-Betriebsratschef.html


Auch:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.msg328447#msg328447

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #51 am: 17:50:00 Fr. 12.Mai 2017 »
So werden rechte Co-Manager zu Millionären...
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #52 am: 23:11:34 Fr. 12.Mai 2017 »
Das "Schwarzbuch Autolobby" von Greenpeace listet nochmal sehr schön den ganzen Filz in Einzelportraits auf: natürlich Schröder, Merkel, Dobrindt, Wissmann, aber auch die ganzen DGB/IGM-Betriebsräte auf den SPD-Hinterbänken, die von VW, Daimler und Opel bezahlt werden, und Leute, die man längst vergessen hat:
http://www.greenpeace.de/files/publications/s01841_web_greenpeace_schwarzbuch_autolobby_04_16.pdf    

Derweil hat die IG Metall aus aktuellem Anlass ihre Motivkarten erweitert:



http://www.die-ig-metall.de/

Der deutsche Repräsentant der Employment Law Alliance, die multinationale Unternehmen berät, die ihre Geschäftstätigkeit weltweit arbeitsrechtlich absichern möchten, spricht von Rechtsunkenntnis bis Rechtsnihilismus:

http://buse.de/anwaelte/dr-jan-tibor-lelley-ll-m-suffolk-university-law-school/


Aufschlussreiches Interview von 2007 nach dem Bestechungsskandal mit Walter Hiller, so einer Art moralischen Instanz bei VW, falls es so etwas gibt:

Zitat
11.01.2007
"Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein“

Er stand bis 1990 an der Spitze des Betriebsrates bei VW: Walter Hiller. Wir baten den früheren niedersächsischen Sozialminister zum Interview über die Bezüge von freigestellten Betriebsräten bei Deutschlands größtem Automobil-Konzern. Hiller fertigte im Anschluss an das Gespräch mit Henning Noske ein Memorandum, das wir heute und morgen komplett abdrucken. Wir werden den VW-Vorstand um eine Stellungnahme bitten und diese in der morgigen Ausgabe veröffentlichen.

Vergütung und Bonuszahlungen an Betriebsräte – aktuell

Seit 1991 bestimmt eine paritätisch besetzte Kommission die Eingruppierung von Betriebsräten. Zwei Vertreter des Unternehmens und zwei vom Gesamtbetriebsrat, der Vorsitzende und sein Stellvertreter, bilden die Kommission.

Nach meiner Überzeugung ist diese Kommissionsregelung juristisch, aber insbesondere politisch nicht in Ordnung.

Es sind insbesondere zwei kritische Punkte. Die Entscheidungen der Kommission über die Eingruppierung oder der Festlegung von Bonuszahlungen ist nicht transparent.


Nicht nur die Institution Betriebsrat, sondern auch der Vertrauenskörper der IG Metall und auch die Arbeitnehmer haben ein Recht zu erfahren, in welcher Höhe und gegebenenfalls aus welchen Gründen von der Kommission so oder wie auch immer entschieden worden ist.

Des Weiteren sind schließlich auch die Mitglieder der Kommission, die dem Betriebsrat angehören, ebenfalls entsprechend einzugruppieren und zu beurteilen.

Sie selbst können das nicht – und scheinbar lief dies nach dem Schema, wie Volkert es in der letzten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. Volkert ist danach vom Arbeitsdirektor angerufen und gefragt worden, ob er mit der Bonuszahlung von X Euro einverstanden sei.

Nach all dem, was bis jetzt bekannt geworden ist, sollte erneut und grundsätzlich darüber nachgedacht und diskutiert werden, wie eine Lösung des Problems aussehen könnte.

Dabei könnte ein Gedanke. wie ihn ein nicht unbedeutender Jurist bereits vor Jahren zum Ausdruck brachte, weiterhelfen. Dieser Jurist meinte im Blick auf das Volkswagenwerk, dass man doch darüber nachdenken sollte, ob man das Gesetz nicht einschränkend auslegen kann, weil die Aufgaben von Betriebsratsmitgliedern zum Teil von hoher Verantwortung geprägt seien, so dass hierfür und dem unzweifelhaften zeitlichen Aufwand auch ein höheres Entgelt angemessen erscheint.

Egal wie auch immer eine neue Regelung aussieht, sie muss transparent sein für die Belegschaft. Allein dadurch wird sichergestellt, dass Betriebsratsmitglieder nicht in den Verdacht der Vorteilnahme geraten oder gar der Korruption verdächtigt werden.

Es geht darum, nach dem Motto zu verfahren: Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Und ich füge diesem hinzu: Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein und schnell gegangen.

Betriebsrat – Interessenvertretung der Arbeitnehmer

Als Organ der Betriebsverfassung wird der Betriebsrat von den Arbeitnehmern eines Betriebes als Interessenvertretung gegenüber dem Arbeitgeber gewählt.

Aktives und passives Wahlrecht haben alle Arbeitnehmer, sofern sie nicht dem Kreis der Leitenden Angestellten zugeordnet sind (§ 5.2 Betriebsverfassungsgesetz). Das Gesetz zieht hier eine klare Trennlinie zwischen den Leitenden Angestellten, die zusammen mit dem Vorstand die Interessen der Anteilseigner vertreten und den Arbeitnehmern, deren Interessen der Betriebsrat zu vertreten hat.

IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats sind Vertrauensleute mit besonderer Funktion

Aus gewerkschaftlicher Sicht sind die IG-Metall-Mitglieder im Betriebsrat Vertrauensleute der IG Metall. In den Augen der VW-Belegschaft gilt der Betriebsrat als oberster Repräsentant der IG Metall, wie sich dies seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat.

Beide Institutionen, Betriebsrat und Vertrauenskörper der IG Metall, haben deshalb eine gemeinsame Verantwortung in allen Belangen, die Interessen der Belegschaft zu vertreten. Daraus ergibt sich eine gemeinsame, aber auch gegenseitige Verantwortung für das jeweilige Handeln, indem bei schwerwiegenden Problemen und Entscheidungen die örtliche Leitung oder unter Umständen auch der Vorstand der IG Metall einzubeziehen ist.

Gegnerbezug zum Arbeitgeber

Die IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats als Vertrauensleute befinden sich deshalb in einem scheinbaren Spannungsfeld zwischen den nach dem Betriebsverfassungsgesetz übertragenen Aufgaben einerseits und den Zielen der IG Metall andererseits, was aber dadurch aufgehoben ist, dass der Betriebsrat als Kollektivorgan seine Beschlüsse fasst – und nur an diese ist das einzelne Mitglied gebunden.

Vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund von Arbeit und Kapital, wie er im Programm der IG Metall enthalten ist, ist damit ein Gegnerbezug zwischen der Institution Betriebsrat und der Gruppe der Leitenden Angestellten und natürlich auch dem Vorstand der Volkswagen AG gegeben.

Gegnerbezug und Co-Manager

Aus Sicht des seit den 70er Jahren existierenden Modells der kooperativen Konfliktbewältigung bei Volkswagen ist es aber dennoch möglich, auch bei schwierigen betrieblichen oder auch unternehmenspolitischen Problemen einen Konsens zu finden.

Dies war letztlich die Erkenntnis aus den Krisen der 70er Jahre, dass es nämlich allemal besser ist, sowohl für das Unternehmen als auch für die Belegschaft, sich gütlich zu einigen. Nun haben sich in den vergangenen Jahren die Probleme verschärft in der Auseinandersetzung von Arbeit und Kapital – und gerade deshalb ist es unter diesen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entwicklungen wichtig, diesen Interessengegensatz in jeder Hinsicht sowohl im Verhalten als auch in der Diskussion deutlich zu machen.

Verwischt wurde dieser Gegensatz durch und unter dem Arbeitsdirektor Peter Hartz. Durch den Begriff Co-Manager versuchte er Betriebsratsmitgliedern das Gefühl und den Wert von Leitenden Angestellten zu vermitteln.

In Einzelfällen gelang dies, mit dem Ergebnis, dass diese Kollegen die Bodenhaftung verloren und sich mit Gehalts- und Bonuszahlungen bedienen ließen, wie sie sich in keiner Weise für einen Interessenvertreter der Belegschaft rechtfertigen lassen.
http://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150124627/Wo-keine-Kontrolle-ist-ist-der-Schritt-zur-Korruption-nur-klein.html

Als ob Osterloh dieses Memorandum von 2007 nochmal schnell gelesen hätte: öffentlich in der Not für Transparenz gesorgt, damit kein Korruptionsverdacht aufkommt, betonen, dass man kein Co-Management betreibt, womit der Gegnerbezug gewahrt bleibt, ansonsten aber weiterhin prächtig absahnen.

"Memorandum" aus vergangenen Tagen: Volkert, die Sudholts, Hartz, Osterloh



Das lustige an der ganzen Sache ist ja irgendwie, dass Osterloh nun als Abteilungsleiter, also als leitender Angstellter bezahlt wird, demnach also eigentlich nicht mehr Betriebsratsmitglied sein dürfte, wenn es denn nicht nur eine Phantasiekarriere wäre. Er wird bezahlt für etwas, was er nicht sein dürfte, solange er das macht, wofür er bezahlt wird. Absurd.

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #53 am: 12:58:58 Mo. 15.Mai 2017 »
Historisches aus den wilden 70ern:

1979:
Auf einem internationalen Gewerkschaftstreffen in Wolfsburg der bei Volkswagen Beschäftigten wird berichtet, dass die brasilianische Militärpolizei auch innerhalb des Werkgeländes Streikende niederknüppelte. Es war also durchaus auch in Wolfsburg bekannt, dass in Brasilien etwas nicht stimmt.
Demnächst will sich VW eigentlich dazu äußern, was es mit den Foltervorwürfen der brasilianischen Wahrheitskommission auf sich hat. Mal sehen…

Zitat
RIBEIRO ALSO REPORTED THAT THE MANAGEMENT OF VW DO BRAZIL IN SAO BERNANDO CALLED MILITARY POLICE DURING A STRIKE IN THE SECOND HALF OF MARCH. THE MILITARY POLICE OPERATED INSIDE AND OUTSIDE THE PLANT GATES. THERE WERE CLASHES BETWEEN MILITARY POLICE AND STRIKERS, AND SOME PEOPLE WERE HURT. A NUMBER OF STRIKERS WAS ARRESTED, AND A TRADE UNION FUNCTIONARY WHO WAS CHARGED WITH PARTICIPATION IN ORGANIZING THE STRIKE WAS FIRED BY MANAGEMENT IMMEDIATELY AFTER THE STRIKE, ACCORDING TO RIBEIRO'S REPORT. (…) IN THE POLITICAL SPHERE, THESE GERMAN MANAGEMENTS FREQUENTLY SHOW AN ANTI-UNION ATTITUDE. INSTEAD OF SUPPORTING THE INITIAL BEGINNINGS OF DEMOCRATIZATION IN BRAZIL OR AT LEAST ACCEPTING SUCH A DEVELOPMENT, GERMAN EMPLOYERS IN BRAZIL, ACCORDING TO RIBEIRO, WERE ATTEMPTING TO "STOP THE CLOCK". RIBEIRO COMPLAINED THAT IN ALL CASES PROFITS HAD PRIORITY OVER SOCIAL JUSTICE FOR GERMAN FIRMS OPERATING IN BRAZIL.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1979BONN11278_e.html


1978:
In Nigeria stürmten wegen der Arbeitsbedingungen die Beschäftigten das Werk, legten Feuer, zerstörten Maschinen und vermöbelten Manager.
Zitat

VOLKSWAGEN (VW) OF NIGERIA'S LAGOS AUTOMOBILE ASSEMBLY PLANT HAS BEEN SHUT DOWN INDEFINITELY IN THE AFTERMATH OF A RIOT WHICH EXTENSIVELY DAMAGED PLANT PROPERTY AND INJURED SEVERAL MANAGERS INCLUDING SOME GERMANS. THE RAMPAGE BY DISSATISFIED WORKERS FOLLOWS A LONG PERIOD OF LABOR UNREST INCLUDING CONFLICTS OVER WORK RULES AND CONDITIONS WHICH CULMINATED IN THE RECENT FIRING OF UNION PRESIDENT ALIU AKINWUNMI.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1978LAGOS11114_d.html

1975:
Als Reaktion auf die Absatzkrise hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker 25.000 Stellen gestrichen. In einem vertraulichen Gespräch, bei dem es haupsächlich um Investitionen in den USA geht, deutet er an, dass er mehr Leute entlassen hat als notwendig, um dann bei Neueinstellungen umso glänzender als Krisenmanager dazustehen. Wäre mal interessant, welche Überlegungen dieser Matthias Müller heutzutage hat, wenn er 30.000 Stellen streicht.

Zitat
BY IMPLICATION, HE ALSO SEEMED TO BE SAYING AT ONE POINT THAT HE HAD ACTUALLY RELEASED MORE WORKERS THAN WAS NECESSARY, AND THE REHIRING, WHICH HE EXPECTS TO BEGIN NEXT YEAR, HAD BEEN PART OF HIS PLAN ALL ALONG. THIS WOULD ALLOW HIM TO CLAIM, AFTER ONLY A YEUR ON THE JOB, THAT HE HAD SUCCESSFULLY TURNED VW'S FORTUNES AROUND.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1975STATE243441_b.html

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #54 am: 10:25:31 Sa. 20.Mai 2017 »
Volkswagen gönnt sich nun doch einen neuen Chefhistoriker. Nachdem der alte gegangen war, weil er zu sehr Spezialist für Zwangsarbeit bei VW war, kommt jetzt ein Technologiehistoriker. Das ganze wird als Neuausrichtung der "historischen Kommunikation" verkauft, also lieber den Schwerpunkt auf die Geschichte des Scheibenwischers oder Kolbendingsbums legen als die ganzen üblen Verstrickungen aufzuarbeiten. Als ob es für Technikgeschichte nicht schon genug Fraggels gäbe. Das alles kann man natürlich so machen, der angebliche Aufklärungswille wirkt dadurch aber weiterhin wenig glaubhaft.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/volkswagen-neuer-chefhistoriker-kommt-von-porsche/19828472.html

Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #55 am: 17:35:23 So. 28.Mai 2017 »
In den Braunschweiger/Wolfsburger Nachrichten wird neuerdings verstärkt über die mangelnde historische Aufarbeitung bei Volkswagen berichtet. Das ist fast schon erfrischend. Die Formulierung "Mut zur historischen Lücke" trifft es ganz gut.

Aus der Welt hinter der Bezahlschranke:

Zitat
(...)
Volkswagen plagt sich hingegen weiterhin mit der eigenen Geschichte herum und beschreitet am Ende mal wieder den Weg des geringsten Widerstandes. Die Gründung der „Gezuvor“ jährt sich morgen zum 80. Mal. In Berlin wurden am 28. Mai 1937 die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau des Volkswagens unter dem Dach der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Nationalsozialisten geschaffen (WN vom 26. Mai). Zwar wurde die gigantische Autofabrik am Mittellandkanal tatsächlich rasch gebaut. Autos, die viele Kunden bereits mit Anzahlungen vorbestellt hatten, wurden dort aber in den nächsten Jahren nicht in nennenswerter Zahl gebaut. Stattdessen liefen Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht von den Bändern sowie anderes Kriegsgerät. Und Geschäftsführer Ferdinand Porsche machte seinen Einfluss ab 1942 massiv geltend, damit die SS gegen Ende des Krieges auch KZ-Insassen für die Produktion von Kriegswaffen abstellte.

VW gelingt es in der offiziellen Pressemitteilung zum Gezuvor-Geburtstag, diese dunkle Phase pauschal abzuhandeln, um dafür umso enthusiastischer in die Produkt- und Erfolgsgeschichte des von den Briten nach dem Krieg privatisierten Unternehmens einzusteigen. „Aus einem Unternehmen, dessen Geschichte mit der Produktion des Käfers begann, entwickelte sich über die acht Jahrzehnte ein Global Player mit zwölf Marken, 120 Produktionsstandorten auf vier Kontinenten, mehr als 620 000 Mitarbeitern und mehr als 10 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen pro Jahr“, heißt es einleitend. So kann man das natürlich auch verkaufen. Aber ist das auch redlich?

Erklärt die Vergangenheit die Skandale von heute?

Im Endeffekt führt dieses Verhalten übrigens auch nur dazu, dass sich gerade ausländische Journalisten besonders für die Historie des erfolgreichen Autobauers interessieren. Jack Ewing, VW-Experte der New York Times, macht in seinem gerade erschienenen Buch „Wachstum um jeden Preis“ sogar die frühe Geschichte von Volkswagen mitverantwortlich für die Skandale der Gegenwart. Stichwort: Unternehmenskultur. Der Mut zur historischen Lücke fällt also im Zweifelsfalle nur Volkswagen selbst wieder bleischwer auf die Füße.
http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210704617/Wenn-das-Sponsoring-zur-Glaubensfrage-wird.html




Fritz Linow

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #56 am: 12:49:39 Fr. 09.Juni 2017 »
Volkswagen löst das Problem mit den aufbegehrenden Leiharbeitern in Changchun/China mal wieder auf die traditionelle Art und Weise: Aktivisten werden von der Polizei verhaftet.

http://www.labournet.de/?p=117278
http://www.clb.org.hk/content/volkswagen-worker-representatives-arrested-changchun-plant

Aus einer Rede „25 Jahre FAW-Volkswagen-Audi“ von Rupert Stadler (Verbrecher) von 2013:
Zitat
(…)
Wir sind drei starke Partner, die gemeinsam ihren Weg gehen.
(…)
Mit dieser Kooperation haben wir vieles gewagt und alles gewonnen!
(…)
Dem unternehmerischen Weitblick der Entscheider von damals ist es zu verdanken, dass wir heute hier stehen. In einem Land, das zu einer zweiten Heimat für uns geworden ist.
(…)
https://www.audi-mediacenter.com/de/publikationen/reden/rede-25-jahre-faw-volkswagen-audi-31

Unternehmerischer Weitblick 1984:



Vollstrecker des Leihsklaventums bei der Arbeit (halbwegs nüchtern):



Chinesin erzählt wohl einen guten Witz:



IG Metall erklärt sich mit den chinesischen Leiharbeitern solidarisch:


Nao

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #57 am: 15:25:17 Fr. 09.Juni 2017 »
Aus China kam dazu gerade die Bitte um Solidaritätsbotschaften und unterstützende Aktionen aus/in Deutschland.

Bitte per p.n. an mich. Ich leite es weiter.

counselor

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #58 am: 19:01:36 Do. 22.Juni 2017 »
Zitat
VW: Streik in der Slowakei - Böses Erwachen im Autoparadies

Tausende Volkswagen-Mitarbeiter in der Slowakei streiken für höhere Löhne. Der linkspopulistische Premier unterstützt sie dabei. Doch der Arbeitskampf bringt den für die Autobauer so attraktiven Standort in Gefahr...

Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-streik-in-der-slowakei-boeses-erwachen-im-autoparadies/19962190.html

Die Arbeiter fordern 16% mehr Lohn auf zwei Jahre.

Was mich an der Berichterstattung ärgert, ist das ewige Argument der "Standortgefährdung". Damit werden nämlich die Belegschaften gegeneinander ausgespielt und letztlich erpresst. Nötig ist die konzernweite Solidarität mit dem Streik - über alle Standorte und Ländergrenzen hinweg.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re:Filz und Korruption bei VW
« Antwort #59 am: 22:01:30 Do. 22.Juni 2017 »


Summertime...



...and the livin' is easy...