Autor Thema: Gorch Fock – Diebstahl, Demütigung, Tod  (Gelesen 17555 mal)

Kuddel

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Re: Gorch Fock – Diebstahl, Demütigung, Tod
« Antwort #45 am: 13:01:50 Mi. 23.Januar 2019 »
Zitat
Grüne und Linke fordern das Ende der „Gorch Fock“

Die „Gorch Fock“ ist der Stolz der Marine. Doch die Sanierung des Schulschiffs entwickelt sich zum Kosten- und Korruptionsskandal.

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Nach Auftrags- und Reparaturstopps in den vergangenen Jahren stellte die Ministerin im Dezember 2018 alle Zahlungen ein. Zum einen waren die Kosten explodiert, zum anderen steht ein Korruptionsverdacht im Raum.
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Seit November 2015 liegt er auf Kiel, seit 1136 Tagen. Anfangs hatte die Marine 17 Wochen und 9,6 Millionen Euro für die Instandsetzung eingeplant. „Dann haben wir hinter die Planken geguckt“, erzählte von der Leyen 2017, „dann stellt man fest, dass sie grundsaniert werden muss. Bis auf den Kiel muss fast alles ersetzt werden.“

Seit dem 3. Januar 2019 liegt ihr eine verstörende Analyse des Bundesrechnungshofs vor. Seither erscheint die Kostenexplosion in einem neuen Licht. Nach monatelangen Recherchen sind die Prüfer überzeugt: „Die Marine hätte um den Zustand des Schiffes wissen können und müssen.“ Bei Schäden tritt der sogenannte Havariemeister auf den Plan und begutachtet sie. Im März 2016 beantragte der Projektleiter eine Budgeterhöhung auf 12,2 Millionen. Im April kletterten die Kosten auf 16, im Juni auf 22,1, im August auf 33,5, im September auf 64,5, im November 2016 auf 75, Anfang 2018 auf 128, zuletzt auf 135 Millionen Euro. Fertigstellung: 2020.

Diese Geschichte handelt von der Kostenexplosion, vom Verdacht der Korruption und von der Unfähigkeit, sich ehrlich zu machen.
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Hinzu kommt, dass die Justiz seit Ende 2018 gegen den Kostenprüfer des Marinearsenals ermittelt, das den Auftrag vergab. Der Mann hat vom Hauptauftragsnehmer, der Elsflether Werft, zwei vergünstigte Kredite in Höhe von 800.000 Euro erhalten. Offiziell hat er sich Ende 2018 selbst angezeigt. Doch das ist nur die bessere Hälfte der Wahrheit. Nach den Recherchen dieser Redaktion hat er bei der Vernehmung eingeräumt, dass ihm bedeutet worden war, reinen Tisch zu machen. Über den Kredit wurde längst getratscht.
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Allein an Liegegebühren bei der Bredo-Weft rund 43 Kilometer die Weser flussaufwärts fallen rund 10.000 Euro an. Pro Tag.
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Ein besonders krasses Beispiel aus dem Jahr 2016 dokumentieren die Prüfer in ihrem 38 Seiten langen Dossier. Noch bevor die Masten mit Ultraschall untersucht werden konnten, waren sie schon neu angestrichen worden. Prompt musste die Farbe wieder abgetragen werden – die Ingenieure rückten mit dem Ultraschallgerät an und stellten fest, dass die Masten nicht zu retten waren. „Vor Beginn der Arbeiten war nicht geklärt, ob die Instandsetzung der ,Gorch Fock‘ insgesamt noch wirtschaftlich lohnend war“, rügten die Prüfer.

Der Havariebeauftragte hatte 2011 beklagt, dass die „schiffbauliche Untersuchung“ seit 1979 nie richtig und oder umfassend durchgeführt worden sei. Korrosionsschäden zeigten sich durch „Löcher in der Außenhaut sowie Schäden an Trägern und Schottwänden“. Er kam zum Schluss, dass „vom tatsächlichen schiffbaulichen Zustand der ,Gorch Fock‘ über einen Zeitraum von vielen Jahren eine nicht unwesentliche Gefährdung von Schiff und Besatzung ausging“. Die Prüfer rechneten vor, dass der Verschleiß pro Jahr 0,1 Millimeter an Stahl abträgt.

Der Rumpf müsste seit dem Bau fast die Hälfte seiner zehn bis zwölf Millimeter verloren haben. Dass Warnungen in den Wind geschrieben wurden, deutet für den Bundesrechnungshof „entweder auf eine völlige Verkennung der Sachlage oder den unbedingten Willen zum Weiterbetrieb der ,Gorch Fock‘ hin“. Lindner glaubt, am Ende bleibe die Ministerin verantwortlich „für die schlechte Arbeit ihres Apparates genauso wie für die Entscheidung, an der ,Gorch Fock‘, koste es, was es wolle, festzuhalten“.
https://www.morgenpost.de/politik/article216270745/Gorch-Fock-Sanierung-Kein-Windjammer-nur-Katzenjammer.html

Da meldet sich prompt die IG Metall zu Wort:
Zitat
IG Metall: Arbeiten an „Gorch Fock“ müssen fortgesetzt werden

Die Gewerkschaft IG Metall Küste drängt angesichts von mehreren Hundert Arbeitsplätzen bei Werften und Zulieferern auf eine Fortsetzung der Instandsetzung des Marine-Segelschulschiffes „Gorch Fock“.
https://nord24.de/bremerhaven/gorch-fock-ig-me

Ich muß unwillkürlich an die Geschichte des Kieler Flughafens denken:

2002:
Zitat
Bürger aus dem Kieler Umland, vorweg der Vorsitzende des Flughafen-Ausschusses Altenholz, demonstrierten in der Kieler Innenstadt gegen den Ausbau des Flughafens Holtenau

Zusammen mit dem Vorsitzenden des Flughafen-Ausschusses Altenholz, Joachim Dammann, demonstrierten am Sonnabend rund 4000 Gegner einer Startbahnverlängerung auf dem Kieler Flughafen gegen die Ausbaupläne der Landesregierung.
https://www.welt.de/print-welt/article381037/Protest-gegen-den-Ausbau-des-Kieler-Flughafens.html

2017
Zitat
Wohnen statt fliegen in Holtenau

Am Freitag startete das Bündnis „Wir machen Stadt“ auf dem Europaplatz ihre Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren zur Zukunft des Flughafens. Sechs Monate haben die Verantwortlichen nun Zeit, 8000 Unterschriften für ihr Anliegen zu sammeln und einen Bürgerentscheid durchzusetzen.


Bis zu 1800 Wohnungen könnten auf dem Flughafen Holtenau entstehen. 30 Prozent davon soll sozial geförderter Wohnraum sein, der Rest bezahlbarer Wohnraum, so die Bündnis-Mitglieder. „Wir wollen einen gemischten Stadtteil dort entwickeln, der Wohnraum für Studenten, Familien und Geringverdiener bietet“, so Rudow. Aber auch Gewerbe soll sich auf dem Gelände ansiedeln. „Im Moment sind dort 73 Leute beschäftigt. Nach Schätzungen des von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens könnten dort aber 2500 Arbeitsplätze neu geschaffen werden.“ Wichtig sei, dass die Planungen zur Gestaltung des Flughafens bald beginnen.
http://www.kn-online.de/Kiel/Wohnen-statt-fliegen-in-Holtenau

2018
Zitat
Ein Bündnis aus CDU, SPD, FDP, SSW, Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte im Vorwege für den Erhalt des Airports geworben.
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/kommunalwahl_2018/Deutliches-Ja-der-Kieler-zum-Flughafen,kielerflughafen102.html

Ein Bündnis des Grauens.

Der DGB springt scheinbar immer ein, wenn es um die Verteidigung der Interessen des Militärs und des Kapitals geht.

Frauenpower

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Re: Gorch Fock – Diebstahl, Demütigung, Tod
« Antwort #46 am: 11:21:38 Mi. 13.März 2019 »
Die Kieler Staatsanwaltschaft behält "den Fall Jenny Böken" https://www.welt.de/regionales/hamburg/article190120785/Tote-Gorch-Fock-Kadettin-Kieler-Staatsanwaltschaft-behaelt-Fall-Jenny-Boeken.html
Zitat
Die Staatsanwaltschaft Kiel behält den Fall der 2008 ums Leben gekommenen „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken. Die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein habe den Antrag des Vaters, die Ermittlungen einer anderen Staatsanwaltschaft zu übertragen, abgelehnt, teilte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft am Montag in Schleswig mit. Es bestünden keine Zweifel an der Unvoreingenommenheit der Staatsanwaltschaft Kiel. Diese teilte auf Anfrage mit, die Ermittlungen jetzt fortzusetzen, die während des Antrags geruht hätten.
Zitat
Die Todesumstände der 18-jährigen Jenny Böken, die während einer Ausbildungsfahrt des Segelschulschiffs der Marine in der Nacht zum 4. September 2008 bei einer Wache über Bord ging, sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Der Leichnam wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler halten ein Unglück für am wahrscheinlichsten. Die Eltern sehen Hinweise sogar für einen Mord – gestützt auf eine eidesstattliche Aussage eines früheren Bundeswehrangehörigen.

über zehn Jahre sind seit dem Umkommen der Kadettin vergangen! Und kein Ergebnis bisher!!

Frauenpower

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Re: Gorch Fock – Diebstahl, Demütigung, Tod
« Antwort #47 am: 15:11:50 Di. 24.Dezember 2019 »
Der Fall wurde wieder neu aufgerollte - und auch schon wieder eingestellt leider
https://www.nwzonline.de/panorama/kiel-mysterioeser-tod-einer-gorch-fock-kadettin-ermittlungen-im-fall-jenny-boeken-wieder-eingestellt_a_50,6,1904229147.html
Zitat
KIEL Die Kieler Staatsanwaltschaft hat ihre neuerlichen Ermittlungen zum mysteriösen Tod der „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken wieder eingestellt. „Wir glauben den Angaben einer Zeugin nicht“, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Für die Anklagebehörde gibt es weiterhin keine ausreichenden Anzeichen für ein Tötungsdelikt.

Im Rahmen der Ermittlungen sei auch der Bekanntheitsgrad von der Zeugin und Jenny Böken überprüft worden, sagte Bimler. Allerdings seien keine ausreichenden Anhaltspunkte gefunden worden, die deren Darstellung stützten.

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft das Todesermittlungsverfahren wieder aufgenommen. Grund war die Aussage der Zeugin. Diese beruhten laut der Behörde im Wesentlichen auf Hörensagen. Die Zeugin sei im Jahr 2008 bei der Bundeswehr gewesen, habe aber weder zur Marine noch zur Besatzung der „Gorch Fock“ gehört.
https://www.nwzonline.de/panorama/kiel-mysterioeser-tod-einer-gorch-fock-kadettin-ermittlungen-im-fall-jenny-boeken-wieder-eingestellt_a_50,6,1904229147.html

Kuddel

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Re: Gorch Fock – Diebstahl, Demütigung, Tod
« Antwort #48 am: 15:24:21 Di. 24.Dezember 2019 »
Die Justiz hat nicht vor, sich mit dem braunen militärischem Filz ernsthaft anzulegen.

Frauenpower

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Re: Gorch Fock – Diebstahl, Demütigung, Tod
« Antwort #49 am: 15:41:25 Di. 24.Dezember 2019 »
... oder die Wahrheit soll einfach nicht an das Tageslicht. Den Eindruck gewinne ich, wenn ich die Artikel durchlese, die es dafür gibt. Ich leide mit den Eltern.