Autor Thema: Weihnachtsgeschenk nach VW-Art  (Gelesen 20173 mal)

Fritz Linow

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Re: Weihnachtsgeschenk nach VW-Art
« Antwort #30 am: 14:18:55 Do. 17.Oktober 2019 »
Zitat
17.10.19
VW in Baunatal: 100 Leiharbeiter-Jobs akut gefährdet - Hunderte weitere stehen auf der Kippe

Bis zu 600 Leiharbeiter-Stellen stehen laut Betriebsratschef Carsten Bätzold insgesamt bis Ende Januar zur Diskussion. 100 Jobs sind ganz akut gefährdet. Und: Nach Schließtagen am 4. und 5. Oktober seien weitere Schließtage – zumindest in Teilbereichen des Werkes – schon Ende Oktober möglich, sagt Bätzold im Gespräch mit der HNA. (...)
https://www.ovb-online.de/weltspiegel/baunatal-leiharbeiter-jobs-akut-gefaehrdet-zr-13124477.html

tleary

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Re: Weihnachtsgeschenk nach VW-Art
« Antwort #31 am: 01:45:22 Di. 22.Oktober 2019 »
Zitat
Bei Volkswagen soll die Produktivität im Stammwerk Wolfsburg im Zeitraum von 2016 bis 2020 jährlich um fünf Prozent erhöht werden. Durch mehrere Maßnahmen sollen so 186 Millionen Euro eingespart werden, wie ein Unternehmenssprecher am Donnerstag mitteilte.

Effizienz oder Produktivität bedeutet, mit derselben Beschäftigtenzahl mehr zu produzieren, oder die gleiche Produktion mit weniger Beschäftigten zu erzielen. Die Rate von fünf Prozent Produktivitätssteigerung pro Jahr soll für alle Werke der Marke Volkswagen bis 2025 fortgesetzt werden – was dann in der Dekade von 2016 bis 2025 eine Produktivitätssteigerung von mehr als 50 Prozent bedeuten würde.
Wenn die Produktivität in den VW-Werken tatsächlich von 2016 bis 2025 um jährlich 5 % ansteigen soll, so bedeutet dies daß nach 10 Jahren 63 % mehr Pkw's mit der selben Personalstärke produziert werden können.

Oder umgekehrt: Bei gleicher Stückzahl sind dann in 10 Jahren (also schon 2025) 39 % der Belegschaft überflüssig gemacht worden.

(Berechnet nach dem "Zinseszinsgesetz")


Ich vermute mal, das das der Hintergedanke dabei ist, das viele Leute lieber auf den Job verzichten und "freiwillig" kündigen, als diese Pendelei auf sich zu nehmen.
Und die Wegezeit wird sicher nicht bezahlt. Da bleibt man dann auch noch auf den Kosten sitzen.
Und: Emden -- Kassel sind eine Fahrt 400km! Das beduetet 8 Stunden Wegezeit pro TAG! Geht also nur über Zweitwohnung/ Pension oder Umzug.
Jeder Leiharbeiter gerät da - trotz Branchenzuschlägen, die ja verdienstmäßig trotzdem noch eine große Lücke lassen zu den Tariflöhnen der IG Metall - in die roten Zahlen, und legt bei seinem Job sogar noch drauf.

»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Fritz Linow

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Re: Weihnachtsgeschenk nach VW-Art
« Antwort #32 am: 15:00:42 Do. 15.Oktober 2020 »
Zitat
Leiharbeiter bei VW – zwischen tiefem Frust und Freude

VW stellt wieder befristet Leiharbeitnehmer ein. Doch es bleibt eine temporäre Lösung für wenige, die keine Sicherheit schafft.

Frust und Freude, Befristung, Freisetzung und Wiederanstellung – im Coronaherbst des Jahres 2020 ist die Situation der Leiharbeiter bei Volkswagen so unübersichtlich und emotional gegensätzlich wie selten zuvor. Während das Unternehmen jeweils rund 300 Zeitarbeiter der Autovision in den Werken Wolfsburg und Hannover befristet einstellt, gucken andere ehemalige Mitarbeiter in die Röhre.

In Hannover gibt es auch einige feste Jobs

Angesichts einer relativen hohen Nachfrage nach bestimmten Modellen und der gleichzeitigen Furcht vor einer erneuten Coronawelle plus Grippeausbruch wird zusätzliches Personal eingestellt. Die zeitlichen Perspektiven sind unterschiedlich. In Wolfsburg enden die Kontrakte spätestens im März nächsten Jahres, in Hannover hingegen erst im September. Und: Während im Nutzfahrzeugewerk auch rund 50 feste Stellen im Angebot sind, haben die Kontrakte fürs Wolfsburger Stammwerk eine ganz eindeutige Befristung.

Erleichterung und Verbitterung dicht beieinander

Dass die komplizierte Gemengelage nur schwer zu kommunizieren ist, wissen auch die Manager und Betriebsräte. Heuern und Feuern liegen zeitlich und räumlich zu dicht beieinander, als dass es nicht zu Erleichterung und Verbitterung gleichermaßen bei den Betroffenen kommt.

Ex-Arbeitsdirektor sorgte für Eklat

Seit Bekanntwerden des Abgasskandals vor 5 Jahren ist das einst nahezu vorbildliche Leiharbeiter-Modell von Volkswagen mit vielen Übernahmen nicht mehr praxistauglich. Richtig emotional wurde das Thema, als der damalige Personalvorstand Karlheinz Blessing, ein Sozialdemokrat, viele der verbliebenen Zeitarbeitnehmer im Stammwerk zum Weihnachtsfest 2017 nach Hause schickte. Das kostete ihn zwar den Job. Aber an der grundsätzlichen Problematik hat sich nichts geändert.

Es bleiben nur Extraschichten und Leiharbeiter

Volkswagen will sich – eigentlich – im Zuge der Sparprogramme und des Zukunftspaktes von allen Leiharbeitern trennen und auch künftig auf sie verzichten. Da aber in der Produktion ebenfalls Personal über Altersteilzeit abgebaut und kein neues eingestellt wird, müssen Produktionsspitzen durch Extraschichten und – eben doch – befristet eingestellte Zeitarbeitnehmer kompensiert werden.
Die Krankenstände sind hoch

In Coronazeiten wird die Ausgangslage noch schwieriger. In der jetzigen Grippe- und Urlaubszeit sind die sogenannten „Abwesenheiten“, also die Krankenstände hoch, während die Covid-19-Fälle sich in überschaubarem Rahmen halten. Die Teams an den Bändern müssen nun dennoch mit Externen aufgefüllt werden. Exemplarisch wird das Dilemma jetzt auch im Nutzfahrzeugewerk Stöcken bei Hannover deutlich.

„Schwer planbarer Personaleinsatz“

Betriebsratsvorsitzende Bertina Murkovic und Personalvorstand Thomas Edig erläuterten die Maßnahmen zu Wochenbeginn gegenüber Journalisten. Edig sagte: „Mehrere Wochen Shutdown der Fabrik im Frühjahr, ein herausforderndes Aufholprogramm, der gute aktuelle Auftragsbestand – gleichzeitig hohe Abwesenheiten und der Herbst mit seinem Erkältungswetter und die jährliche Grippe vor der Tür: Diese Situation führt zu einem unsicheren, stark schwankenden und schwer planbaren Personaleinsatz bei uns hier in Hannover, ebenso wie bei vielen anderen Werken im Konzern.“

In der Konsequenz führt das zum Einsatz von Leiharbeitern. „Damit wir für unsere Kunden auch weiterhin zuverlässig Fahrzeuge in Top-Qualität bauen können, holen wir jetzt bis zu 300 Zeitarbeitnehmer bedarfsorientiert in die Produktion. Die Verträge laufen voraussichtlich bis zum September 2021. Es freut uns sehr, dass wir gemeinsam mit dem Betriebsrat diese Entscheidung so schnell treffen konnten.“

Unbefristete Perspektive

Bertina Murkovic, Vorsitzende des Betriebsrats von VWN, bestätigt: „Aufgrund eines aktuell hohen Auftragsbestands auf der einen Seite und erhöhten Abwesenheiten auf der anderen ist die personelle Situation hier im Werk gerade sehr angespannt. Insofern begrüßen wir es sehr, dass wir 300 Zeitarbeitnehmer temporär aufnehmen können. Wichtig ist es uns als Betriebsrat hierbei jedoch, dass wir einem Teil der befristet Beschäftigten, die im Mai nicht weiter beschäftigt werden konnten, eine unbefristete Perspektive in unserem Werk in Hannover aufzeigen können.“

Im Mai waren die Verträge von 207 Zeitarbeitnehmern in Hannover ausgelaufen, weil das Modell Amarok nun nicht mehr in Hannover gebaut wird. Rund 100 von ihnen klagten danach auf Wiedereinstellung. Das solle nun aber bei der möglichen Wiederbeschäftigung keine Rolle spielen. Kriterien dafür sei die benötigte Qualifikation, die Leistungsbereitschaft sowie eventuelle soziale Härtefälle, ist zu hören.

In Baunatal ist die Enttäuschung groß

Neben der Freude über eine neuerliche Beschäftigung bei Volkswagen gibt es bei vielen Leiharbeitern auch Verdruss über die unsichere existenzielle Situation, in der sie und ihre Familien sich befinden. Selbst wenn VW Leiharbeitern, die beispielsweise in Emden oder Braunschweig nicht mehr benötigt wurden, teilweise sogar feste Jobs in Zwickau oder Baunatal anbot, ändert das wenig am in vielerlei Beziehung unbefriedigenden Los dieser Arbeitnehmer.

In Baunatal haben sich jetzt Ende Januar ausgeschiedene Leiharbeiter gegenüber der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeine (HNA) zu Wort gemeldet. Im hessischen Komponentenwerk hat sich die Auftragslage positiv entwickelt. Deshalb hoffen die Betroffenen nun auf Wiedereinstellung. „Wir können nur an das Gewissen appellieren. Wir möchten wieder reinkommen und arbeiten“, wird einer von ihnen in der HNA zitiert. „ Mit allen Familienmitgliedern seien 200 bis 300 Menschen von den Jobs abhängig. Ob sie dennoch für die offenbar geplanten Neueinstellungen in Baunatal in Frage kommen, ist indes fraglich. Und das liegt nach Einschätzung des dortigen Betriebsratschefs Carsten Bätzold auch am Befristungsgesetz, das eine komplizierte Situation schaffe.
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Die 85 Leiharbeiter seien bei der Autovision beschäftigt gewesen, und nicht direkt bei VW. Sie jetzt bei der Autovision wieder befristet einzustellen, sei rechtlich nicht möglich. Es könnte dort nur eine unbefristete Einstellung erfolgen, wird Bätzold in den HNA-Artikel zitiert.

Die seltsame Job-Konstellation im Coronajahr 2020, dazu die großen Umwälzungen im Volkswagen-Konzern und die kurzfristigen Personalbedarfsumstellungen sorgen in der Summe für eine Ausgangslage, die vor allem von den Leiharbeitern ein extrem hohes Maß an Flexibilität verlangt. Die Personalkarawane zieht entsprechend der jeweiligen Auslastung der Werke durch die Republik. So schreibt die HNA, dass die aus dem VW-Werk Emden 2019 auf feste Stellen übernommenen 100 Beschäftigten und 46 Mitarbeiter aus dem Werk Braunschweig „wegen steigender Nachfrage größtenteils in ihre Heimatorte zurückgekehrt“ seien.

Dass sich dieser ganz besondere Stress nicht positiv auf die Gesundheit auswirkt, dürfte auch klar sein. Deshalb möchte der VW-Betriebsrat diesen Beschäftigten dann auch einen Bonus zahlen. Doch eine Lösung liegt noch nicht auf dem Tisch.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wirtschaft/article230655900/Ploetzlich-Personalmangel-Volkswagen-stellt-neue-Zeitarbeiter-ein.html (Schranke)