Autor Thema: über das System Hartz IV  (Gelesen 15902 mal)

tleary

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #150 am: 02:21:53 Di. 24.Mai 2022 »
Wie es laufen kann, sah man bei Inge Hannenann. Bleibt die Frage, was wäre, wenn sich mehr zusammentun.
Du glaubst doch nicht im Ernst, dass sich eine erklekliche Anzahl dieser Vasallen je dafür ausspricht, ihr Machtinstrument schlechthin zur Gängelung und Gefügigmachung der ELO's freiwillig aus der Hand zu geben. Die hätten ja dann aus Sicht der Geschäftsführung der BA voll ihren Job verfehlt. Denn zum "Helfen" sind die ohnehin nicht da. Geht auch gar nicht, weil für Langzeitarbeitslose einfach kein Bedarf am Markt ist.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Kuddel

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #151 am: 12:28:35 Di. 24.Mai 2022 »
Du beweist mal wieder, daß du keine Ahnung von sozialen und politischen Kämpfen hast.
Leute, die einen bestimmten Job tun oder die einer politischen Strömung nachlaufen, sind nicht von Geburt an "Schergen", "Vasallen", "Faschos" oder sonstwie an eine bestimmte Ausrichtung und Funktion gebunden. Sie können ihre Meinung und ihr Verhalten ändern.

Genau das gilt es zu erreichen.

Die Soldaten, die noch mit Hurra für Kaiser und Vaterland in den 1. Weltkrieg gezogen sind, haben irgendwann die Rote Fahne gehißt und den Kaiser zum Teufel gejagt.

In der Iranischen Revolution haben die Soldaten ihre Befehle verweigert und nicht auf die demonstrierenden Menschen geschossen. Die Änderung des Bewußtseins und des Verhaltens ist der Schlüssel zu gesellschaftlichen Veränderungen.

Kuddel

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #152 am: 12:30:31 Di. 24.Mai 2022 »
Inge Hanneman schrieb: "Die Sanktionen für ein Jahr auszusetzen, ändert an dem Machtverhältnis zwischen JC u. Arbeitssuchenden noch nichts. Sie müssen dauerhaft ausgesetzt und Hartz IV nicht nur umbenannt, sondern das entstandene System der Demütigung grundlegend verändert werden."

Tiefrot

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #153 am: 23:46:58 Di. 24.Mai 2022 »
Ein zentraler Grund für H4, Sanktionen, etc. war die Verbilligung der Arbeit.
Ist es auch heute noch. Von Kapitalistenseite wird niemand dieses Instrument
aus der Hand geben. Und da der Staat, bzw. die Politische Ebene in allererster
Linie die Interessen des Kapitals unterstützt, brauchen "wir" von denen nichts erwarten.

Jedenfalls nicht ohne Druck.
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Kuddel

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #154 am: 19:15:27 Sa. 04.Juni 2022 »
Hier ein paar Bilder was einem Alleinstehenden nach ALG2-Regelsatz täglich zusteht.


Nahrung und alkoholfreie Getränke: 5,19€


Freizeit/Unterhaltung/Kultur: 1,46€


Post/Telekommunikation: 1,34€


Bekleidung/Schuhe: 1,24€


Wohnen/Energie/Wohninstandhaltung: 1,27€


Innenausstattung/Haushaltsgeräte und -gegenstände: 0,91€


andere Waren/Dienstleistungen: 1,19€


Verkehr: 1,34€


Gesundheitspflege: 0,57€


Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen: 0,39€


Und der beste zum Schluss!
Bildung: 0,05€


dagobert

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #155 am: 20:19:09 Sa. 04.Juni 2022 »
Hier ein paar Bilder was einem Alleinstehenden nach ALG2-Regelsatz täglich zusteht.

...

Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen: 0,39€
Wobei anzumerken ist, dass diese Position drastisch gekürzt wurde, da nach Ansicht der Bundesregierung nur der reine "Warenwert" regelbedarfsrelevant ist.
Wirklich mal ausgehen ist nicht vorgesehen.
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)

Draisine

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #156 am: 14:17:18 So. 05.Juni 2022 »
Wirklich mal ausgehen ist nicht vorgesehen.

Dazu fehlt den meisten sowieso die Zeit. Jedenfalls denen, die erst einmal 16 Jahre zum Wäsche waschen mit der Hand verdonnert werden. Trotzdem..

Zitat
Der Anwalt der Klägerin hielt die Regelungen für verfassungswidrig. Für „weiße Ware”, also größere Haushaltsgeräte, seien im Regelsatz monatlich nur 1,60 Euro vorgesehen. Dann müsste sie 16 Jahre lang für eine neue Waschmaschine sparen. Das sei völlig unrealistisch.

Die „weiße Ware” sei ein unregelmäßiger Bedarf und hätte gar nicht im Regelsatz berücksichtigt werden dürfen. Auch ein Darlehen helfe nicht weiter, da auf diese Weise das soziokulturelle Existenzminimum unterschritten werde.

Es nutzte nichts. Denn:

Zitat
  Dass die Betroffenen „eigenverantwortlich” aus ihrem Regelsatz ein Neugerät ansparen sollen, stelle kein Verstoß gegen Verfassungsrecht dar.Urteilte am Donnerstag, 19. Mai 2022, das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel (Az.: B 8 SO 1/21 R).

Quelle: https://www.gegen-hartz.de/urteile/sozialhilfe-kein-anspruch-auf-eine-neue-waschmaschine-laut-urteil

Solche Urteile verdeutlichen mir einmal mehr -eine langfristige Eingliederung von ALG II Empfängern kann tatsächlich gar nicht beabsichtigt sein. Denn ansonsten gäbe es solche Urteile nicht. ALG II ist tatsächlich Selektion zugunsten von ALG I Empfängern, mindestens, nach meiner gefestigten Überzeugung. Und die Jobcenter Theaterbühnen, wo der ALG II Empfänger dann vom Staat open End zugewiesen wird. :Q

Und das ist nur die Sachlage bei Verschleiß. Es gibt dazu auch eine Anzahl Gerätschaften, die selbst bei Erstausstattung und auch generell verweigert werden, wie aus dem Link ersichtlich wird:

https://www.alg-i.de/wissenswertes/anspruch-unter-der-lupe-zahlt-das-jobcenter-einen-fernseher/

"Was gehört außerdem nicht zur Grundausstattung der Wohnung?
Wie das TV-Gerät sind auch Spielekonsolen und Computer ausgeschlossen."

"Extras, die der persönlichen Unterhaltung und dem Vergnügen dienen, sind keine Grundbedürfnisse, was zur Folge hat, dass Jobcenter hierfür kein Geld bereitstellen."

Insofern sollen dann wohl auch weiter Bewerbungen mit der Hand geschrieben werden? Denn mit PC würden das dann der Unterhaltung und dem Vergnügen dienen?

Mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Entspringt die Konzeption von ALG II etwa nur der fixen Idee erzkatholischer Würdenträger? Ironie off...

Tiefrot

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #157 am: 01:03:53 Mo. 06.Juni 2022 »
Zitat
Entspringt die Konzeption von ALG II etwa nur der fixen Idee erzkatholischer Würdenträger? Ironie off...
Mal ganz unironisch betrachtet, Nein.
Es geht vielmehr darum, in wie weit Menschen kapitalistisch verwertbar sind.
Und das ist  bei Alten, Kranken und Arbeitslosen, etc. nicht der Fall.
Aber verhungern lassen kann man sie auch (noch) nicht, also wird daran gearbeitet,
das "Problem" möglichst billig zu halten. Einen anderen Zweck hat Hartz IV nicht.

Mensch als Ware eben.  :Q
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tleary

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #158 am: 06:06:07 Mo. 06.Juni 2022 »
Du beweist mal wieder, daß du keine Ahnung von sozialen und politischen Kämpfen hast.
Und du beweist, dass du einem völlig unrealistischen Wunschdenken nachgehst. Der gesunde Egoismus des Menschen wird nie dazu führen, für die Interessen anderer (der Arbeitslosen) die bequeme, finanziell gut ausgestaltete Existenz zu riskieren. Das kann auch von einem Arbeitsamtsberater (oder wie die heutzutage heißen) gar nicht erwartet werden. Die Befreiung von ihrer Unterdrückung - und das hat ja bekanntlich schon Marx konstatiert - können und sollen nur die direkt davon betroffenen, nämlich die Arbeitslosen leisten. Jede andere Hoffnung auf eine "Befreiung von oben", und dazu sind auch die Arbeitsamtsberater oder die von dir zitierten Soldaten im Iran zu sehen, kann und wird es niemals geben.

Zitat
Leute, die einen bestimmten Job tun oder die einer politischen Strömung nachlaufen, sind nicht von Geburt an "Schergen", "Vasallen", "Faschos" oder sonstwie an eine bestimmte Ausrichtung und Funktion gebunden. Sie können ihre Meinung und ihr Verhalten ändern.
Von Geburt an natürlich nicht. Aber per Auftrag vom Herrschaftssystem. Dafür werden sie bezahlt. Erfüllen sie diese Aufgabe nicht, werden sie wahlweise gerügt, abgemahnt, an eine andere unwichtigere Stelle zwangsversetzt oder eben als letzten Schritt... entlassen.
Es geht auch gar nicht darum, das ganze moralisch zu werten und diese Menschen irgendwie als "schlecht" hinzustellen, da gebe ich dir Recht. Sie haben vom System ganz einfach gewisse Vorschriften bei der Behandlung des nicht benötigten Teils der Arbeiterklasse zugewiesen bekommen, und an die haben sie sich zu halten. Tun sie das nicht, wegen irgendwelcher "Gewissensbisse", moralischer oder politischer Vorbehalte, werden sie von ihrer Funktion mittelfristig entfernt oder zumindest dazu gedrängt. Deine zitierte Hannemann ist dafür ja geradezu ein Paradebeispiel.
Im übrigen ist es so wie Tiefrot es sagt: Im Kapitalismus sind die Arbeitslosen ein zu viel an menschlicher Arbeitskraft, für die am Markt keine Nachfrage besteht. Diese würde nach den Regeln des Marktes vernichtet (durch Verhungern) werden. Da dies aus staatsrechtlichen Gründen in den industrialisierten Ländern (noch) nicht möglich ist, füttert man sie so mit so wenig Geld wie möglich durch.
Im Entwicklungsland Philippinen ist man da schon den nächsten Schritt gegangen, indem man diese "unnützen Esser", die sich dort ihren Lebensunterhalt nur noch auf staatlich nicht erlaubte Weise (Drogenhandel, Diebstahl etc.) verdienen können, sogar gezielt durch die Polizei und zivile Ordnungshüter ermordet.
Die Stellung der Arbeiterschaft durch "sich wehren", um ihre Lage zu verbessern, verschlechtert sich durch das stetig wachsende Überangebot an menschlicher Arbeitskraft bei 7 Mrd. Menschen dann auch quasi täglich. Man könnte nun natürlich vernünftigerweise die Arbeitsleistung pro Mensch der tatsächlich notwendigerweise zu produzierenden Güter aufteilen, wo dann wohl so etwas wie 2 bis 3 Stunden-Arbeitstag herauskommen würde.
Aber solange dieser Weltkapitalismus über so viele Gewaltmittel verfügt, um solche (Arbeiter-)Aufstände - die weltweit ohnehin schon seit Jahrzehnten so gut wie gar nicht mehr stattfinden - meist schon im Keim zu ersticken, ist das alles ins Reich der Fabel zu verweisen.

Also, ich sehe eigentlich nur noch den "Big Bang" auf uns zukommen. Irgendein großer (Atom-)Krieg, der dann alles beseitigt. Zugegeben, die schlechteste aller Lösungen. Aber *eventuell* kommt danach wirklich ein besseres, mehr an den echten Bedürfnissen der Menschen orientiertes Wirtschaftssystem nach. - Oder eben nichts mehr.

Man sieht das ja auch schon ganz deutlich am Horizont heraufziehen, dass die Konkurrenz der Staaten im Kapitalismus eine militärische Auseinandersetzung zur Folge haben wird. Wahlweise der westliche, die Weltwirtschaft momentan dominierende Block entweder mit Russland und/oder China den Kampf um die Vorherrschaft militärisch ausfechtet.
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Draisine

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #159 am: 02:23:48 Fr. 17.Juni 2022 »
Aktuell ist nunmehr klar: Die 200 Euro "Einmalzahlung für den Monat Juli 2022" (§ 73 SGB II), die wird für ALG II Empfänger im Juli 2022 ausgezahlt.

Zitat
Zum Ausgleich der mit der COVID-19-Pandemie in Zusammenhang stehenden Mehraufwendungen sowie etwaig bestehender finanzieller Mehrbelastungen in Anbetracht aktueller Preissteigerungen erhalten

und

Zitat
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Leistungen für Bildung und Teilhabe nach dem SGB II beziehen, erhalten ab Juli 2022 bis zur Einführung der Kindergrundsicherung einen monatlichen Sofortzuschlag in Höhe von 20,00 EUR


Quelle: Weisung -in Abstmmung mit dem BMAS

https://www.arbeitsagentur.de/datei/weisung-202206005_ba147518.pdf

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #160 am: 12:59:19 So. 19.Juni 2022 »
Yeah!!!!! Jüppppieieieie!!!!! :) 😁

Onkel Tom

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #161 am: 18:50:12 So. 19.Juni 2022 »
Tropfen Wasser auf heißen Stein wie damals, als Corona ausbrach..  :-\
Lass Dich nicht verhartzen !

tleary

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Re: über das System Hartz IV
« Antwort #162 am: 05:33:23 Do. 23.Juni 2022 »
Yeah!!!!! Jüppppieieieie!!!!! :) 😁
Du bist immer für 'nen Lacher gut. Nehme an, das "Yippie" war ernst gemeint.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)