Autor Thema: generation praktikum  (Gelesen 60977 mal)

besorgter bürger

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generation praktikum
« am: 15:44:12 Sa. 25.Juni 2005 »
Zitat
Wer sagt: »Ich mache noch einmal ein Praktikum«, sagt das auch, weil er weiß, dass dann Ruhe ist. Es hört sich einfach besser an als: »Ich bin immer noch ohne Job, und wenn noch drei Monate vergehen, dann bin ich langzeitarbeitslos.«

vorsicht! wer so etwa 30 jahre alt ist kann von diesem artikel depressionen bekommen

die zeit
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

aian19

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generation praktikum
« Antwort #1 am: 20:54:10 Sa. 25.Juni 2005 »
Zitat
...kann von diesem artikel depressionen bekommen

Nö, mich hat vor einigen Jahren schon die Erkenntnis gepackt, seit dem seh´ ich es gelassener und lächle, wenn ich welche sehe, die mir erzählen, nach dem Praktikum würden sie fest eingestellt werden........(ist übrigens noch nicht einmal vorgekommen.....)
"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin

Carsten König

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generation praktikum
« Antwort #2 am: 00:02:13 So. 26.Juni 2005 »
Ganz beschämend dieses System wenn vollwertige Arbeitskräfte mit solchen verschleierten Ausbeutungsverhältnissen substituiert werden.

Was studiert man denn eigentlich...um dann als akademischer Azubi durch die Betriebe geschleust wird?

besorgter bürger

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generation praktikum
« Antwort #3 am: 12:27:42 So. 26.Juni 2005 »
ich mach auch keine praktika mehr. das hat zwar den nachteil das ich bald total aus meinem beruf raus bin aber was nüzt mir das up to date sein wenn ich doch nicht meine brötchen damit verdienen kann?
arbeit als selbstzweck? nein danke!
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Kuddel

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generation praktikum
« Antwort #4 am: 19:10:59 So. 26.Juni 2005 »
Man kann´s nicht oft genug wiederholen, der Zeitgeist sagt, "irgendwas bei den Medien" ist unglaublich erstrebenswert. Leute belügen und verarschen ist eins der höchsten Güter, was will man dann noch mit Geld?

Zitat
stern.de 26.6.05

Praktikant Business Development (m/w)

Bei uns können Sie aktiv an der Weiterentwicklung einer der führenden deutschsprachigen Internetseiten mitarbeiten. Unbedingt erforderlich ist die Fähigkeit zur verlässlichen, selbständigen Tätigkeit, Vertrautheit mit Internet und PC-Standardprogrammen (MS Office), Grundkenntnisse in HTML, Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität und Teamfähigkeit.

regenwurm

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generation praktikum
« Antwort #5 am: 15:10:38 Sa. 23.Juli 2005 »
Ausbildung
Arbeitskraft im Sonderangebot

Der Ausbildungspakt hat Tausende von Praktika geschaffen – und für die Unternehmen billige Probe-Lehrlinge.
 
 Erst mal Probe arbeiten, dann sehen wir weiter? So zieht sich die Ausbildung vier Jahre hin.

 
Von morgens halb acht bis abends halb acht arbeitet Daniela Nell im Norma-Supermarkt in Brühl. Gerade mal 192 Euro im Monat erhält sie dafür, dass sie zwölf Stunden am Tag kassiert, Kisten auspackt und Dosen umräumt. Der Discounter bekommt die Arbeitskraft der 21-Jährigen frei Haus. Ihren Lohn zahlt die Bundesagentur für Arbeit. Einziges Entgegenkommen: Norma hat ihr eine Ausbildung zur Verkäuferin in Aussicht gestellt – vielleicht zum neuen Lehrjahr. Das allein, sagt Nell, mache die Arbeit im Markt schon besser als die unbezahlten Praktika, die sie vorher bei Real und Hussel absolviert hat. "Da wurde ich nur als billige Arbeitskraft benutzt."

 den ganzen Artikel
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

Pinnswin

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generation praktikum
« Antwort #6 am: 11:40:41 So. 24.Juli 2005 »
WELT Zitat:
Zitat
,Wir beide dachten, wir seien dort willkommen. Stattdessen war dem, der uns hinzugebeten hatte, unsere Anwesenheit offensichtlich seit der Aussprache der Einladung peinlich geworden. Jedenfalls sprach er kein Wort, schaute uns nicht an. Das war vor vier Jahren. Die Mitpraktikantin und ich lachen noch heute ausgiebig, wenn wir an jenes sonderbare Frühstück denken.,

 8)
Seien sie froh, das derjenige, der sie „hinzugebeten“ hatte, ihnen nicht ein Schürzchen, Cäppie und ein Serviertablett in die Hand gedrückt hat, zur Bedienung der anderen fest eingestellten Gäste. Dann hätten Sie schon wieder jemand anderem den Job geklaut und das ist, auch für weltfremde studierte Menschen, so langsam aber sicher unverzeihlich. .


 :evil:
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

ManOfConstantSorrow

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generation praktikum
« Antwort #7 am: 17:12:48 Mi. 23.November 2005 »
Weil Praktikanten immer häufiger als billige oder unbezahlte Arbeitskräfte auf regulären Stellen eingesetzt werden, hat sich die „Generation Praktikum“ zu organisieren begonnen - und klagen bereits gegen ihre ehemaligen Arbeitgeber auf nachträgliche Lohnzahlungen.

Handelsblatt 23. November 2005
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Carsten König

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generation praktikum
« Antwort #8 am: 19:30:54 Mi. 23.November 2005 »
Zitat
Die Dauer und das Niveau der Tätigkeiten steigt, trotzdem ist ein großer Teil der Praktika unbezahlt. Kürzlich habe sich ein Betroffener gemeldet, der ein Jahr lang ohne Bezahlung ein Werbeprojekt geleitet habe, erzählt Richter. „Viele Hochschulabsolventen werden als kostenlose Praktikanten ausgebeutet und verdrängen reguläre Arbeitskräfte.“

Quasi die akademische Ausgabe der 1-Euro-Jobber.

besorgter bürger

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generation praktikum
« Antwort #9 am: 14:17:09 Do. 24.November 2005 »
faz

noch ein artikel dazu

Zitat
„Das ist wie in einer griechischen Tragödie - beide, Praktikanten und Unternehmen, sind in unterschiedlichen Ecken eines Systems gefangen, aus dem sie nur schwer herauskommen”, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Christian Scholz von der Universität Saarbrücken,

klar das die faz hier nicht nachfässt. das ergebnis wäre eine systemkritik.
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Carsten König

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generation praktikum
« Antwort #10 am: 18:18:39 Do. 24.November 2005 »
Zitat
Die Praktikantin der Stiftung eines großen deutschen Konzern akzeptierte auch die dritte Verlängerung ihres Dreihundert-Euro-Vertrages noch dankbar. Vielleicht, ganz vielleicht winkt ja doch irgendwann die Festanstellung, sagt sie.

Ja klar, träume weiter. Unglaublich, wie naiv ausgebildete Akademiker doch sein können.

regenwurm

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generation praktikum
« Antwort #11 am: 06:01:37 Sa. 26.November 2005 »
"Fair Work"
Ziel von "Fair Work" ist es:
"Unternehmen das Ausnutzen von Praktikanten so schwierig wie möglich zu machen."
Der Verein fordert Urlaubsanspruch und einen Lohn von mindestens 750 Euro Netto im Monat.
Hochschulabsolventen können sich kostenlos beraten lassen.
Derzeit bauen die jungen Leute von "Fair Work" eine Datenbank auf, in der Informationen zum Umgang einzelner Unternehmen mit Praktikanten veröffentlich werden sollen.

Gerichtsentscheidungen
Am 8. Januar 2003 entschied das Arbeitsgericht Berlin (AZ 36 Ca 19390/02), dass ein Arbeitsverhältnis sich nicht nach der Bezeichnung, sondern nach dem Inhalt qualifiziert. Das Bundesarbeitsgericht kam in einer Entscheidung vom 13. März 2003 (6 AZR 564/01) zu dem Schluss: "Praktikant ist, wer sich für eine vorübergehende Dauer zwecks Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit und Ausbildung, die keine systematische Berufsausbildung darstellt, im Rahmen einer Gesamtausbildung unterzieht, weil er diese für die Zulassung zum Studium oder Beruf, zu einer Prüfung oder anderen Zwecken benötigt."
Quelle:

weitere Infos unter:
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

ManOfConstantSorrow

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generation praktikum
« Antwort #12 am: 02:39:43 Di. 29.November 2005 »


 "Génération précaire" - die Generation Praktikum sucht erfolglos nach der Festanstellung



 Sie fordern eine Mindestvergütung und eine bessere rechtliche Stellung



 Anknüpfen an französische Arbeitnehmerbräuche: Streikaufruf der Praktikanten

http://www.generation-precaire.org/
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Spätlese

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generation praktikum
« Antwort #13 am: 10:53:14 Di. 29.November 2005 »
... und trotzdem scheint es so, dass die Praktikantenmasche nach wie vor floriert.

Schauen Sie z. B. hier:

http://www.wbstraining.de/c_wir/c_6_jobs.php

Ein Unternehmen der "Weiterbildungsindustrie", dass sich nebst Tochterunternehmen auf die sogenannte berufliche Qualifizierung von Langzeiterwerbslosen spezialsiert hat ...

...

sucht selbst kostenlose Arbeitskräfte als Praktikanten ...

die als It-Administratoren, Dozenten bzw. Bürokaufmann/-frau

arbeiten. (So wirds gemacht ... "für 3 Monate, aber gerne auch länger ... und die Dösbattel, die das machen, denken womöglich auch noch sie bekämen da irgendwann eine Festanstellung, oder dies sei das Sprungbrett in einen anderen Unternehmensteil.)

Steht ja ne Infoadresse: Da bekommen Sie so richtig was von der "Frikadelle" erzählt ...

---

(Praktika: Das findet sich im Bildungsbereich und im Institutsbereich sehr häufig, die BA stellt nur noch Praktikanten für 14 Tage zur Verfügung, alles darüber hinaus - wir diskutierten ja schon oft über dieses ausbeutungsfördernde bzw. arbeitsplatzvernichtende Instrument - trägt man nun selbst, wenn´s der AG nicht trägt.)
Alle von mir getätigten Aussagen/Antworten/Kommentare entsprechen lediglich meiner persönlichen Meinung und stellen keinerlei Rechtsberatung dar.

Kater

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generation praktikum
« Antwort #14 am: 01:43:25 So. 11.Dezember 2005 »
Zitat
Generation Praktikum
Berufseinsteiger hangeln sich von Praktikum zu Praktikum
Von Sabine Eichhorst
Mit 15 hat Britta ihr erstes Praktikum gemacht, in der Pressestelle von Bündnis 90/Die Grünen. Anschließend eines bei einem Privatsender, dann eines in einer Zeitungsredaktion, dann eines in einer Presseagentur. Heute ist sie 25, diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin und kann 30 Praktika vorweisen. Bei Bewerbungen hat ihr das nicht geholfen. Alles, was man ihr anbot war … ein Praktikum. Denn immer mehr Unternehmen heuern Praktikanten statt Festeinstellungen an.

weiter:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/laenderreport/443449/