Autor Thema: generation praktikum  (Gelesen 58824 mal)

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6466
generation praktikum
« Antwort #15 am: 10:57:24 Sa. 21.Januar 2006 »
Frankreich: Seit Herbst 2005 sorgt das Netzwerk "Génération Précaire" in Frankreich für Aufsehen. Es thematisiert die Situation der ewigen Praktikanten, die als billige und rechtlose Arbeitskraft mißbraucht werden. Bisherige Erfolge der Aktionen waren ein breites Medienecho und die Kenntnisnahme der Mißstände durch Regierung. Der Artikel stellt das Netzwerk vor.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

besorgter bürger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 3831
generation praktikum
« Antwort #16 am: 14:11:09 Mo. 06.Februar 2006 »
die junge welt greift das thema mal wieder auf

Zitat
Was dem Gutsherren der Sklave war, ist heuer dem Werbefachmann der Praktikant

http://www.jungewelt.de/2006/02-06/046.php
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Wilddieb Stuelpner

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 8920
generation praktikum
« Antwort #17 am: 18:03:03 Mo. 06.Februar 2006 »
Und wenn sich Nachwuchsakademiker dann selbstständig machen, kommt sowas wie buw-Geschäftsführer raus. AN-Rechte und Gewerkschaften - völlig unerwünscht und am besten gleich verbieten. Alteingessene Geschäftsphilosdophien gleichen Schlags sind dann solche wie bei den Discountern Lidl und Aldi.

Besser treten als getreten zu werden!

Oder

Wie bei den Radfahrern: Nach oben buckeln, nach unter treten!

besorgter bürger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 3831
generation praktikum
« Antwort #18 am: 12:56:49 Mi. 08.Februar 2006 »
wo leben eigentlich die ganzen praktikanten? ganz klar auf ihrem eigenen planeten - wo sonst?

http://www.planetpraktika.de/

aber vorsicht! gleich auf der startseite grinst einen der focustyp an.
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Wilddieb Stuelpner

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 8920
generation praktikum
« Antwort #19 am: 13:17:57 Mi. 08.Februar 2006 »
Im eigenen Saft liegender, konservativer deutscher Journalist, Verlagsmanager und Chefredakteur, FDP-Spaßparteimitglied, Speichellecker der Unternehmer und Agitator für AG-verbände ist



Helmut Markwort, Vorstandsmitglied der Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. KG entwickelt und etablierte das Magazin und den Markennamen FOCUS. Von 1993 an ist er Geschäftsführer von FOCUS (bis 2004 Chefredakteur), seit 2004 Herausgeber des Nachrichtenmagazins. Seit 1996 ist er Geschäftsführer von FOCUS Online und FOCUS TV und seit 2000 Herausgeber des Wirtschaftsmagazins FOCUS Money sowie Vorsitzender im Aufsichtsrat der TOMORROW FOCUS AG.

Das Markwort-Motto "Fakten, Fakten, Fakten" wurde zum geflügelten Wort, es offenbart aber auch zugleich die Defizite seines journalistischen Stils: Analysen, Zusammenhänge und Hintergründe bleiben bei Markwort nicht selten auf der Strecke.

Aufsehen erregte er am 12. Juni 2005 in der Sendung "Sabine Christiansen" als er der Linken generell und seinem Nebenmann Ottmar Schreiner im Besonderen vorwarf, ihre Wirtschaftspolitik wäre "nationaler Sozialismus".

Na internationaler Sozialismus ist auch schlecht möglich. Zur gleichen Zeit kann die WSAG und die Linken nicht weltweit aktiv und präsent sein. Aber die Flickschusterfunktionäre der CDU/CSU/FDP/SPD sind überall zu finden, wenns ums Abstauben geht.

Gun Stick Onkle

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 242
  • Wird später nachgeholt!
generation praktikum
« Antwort #20 am: 13:30:13 Mi. 08.Februar 2006 »
Hallo Freunde!

Ja, Ja, wir leben in einer Deflation! Da sind solche Auswüchse ganz normal! Ich hoffe nur, ihr kommt alle am 11.02.06, nach Berlin!!!!

Seid ihr euch sicher, das nicht demnächst die legalisierte Prostitution kommt? am Arbeitsplatz, für Frauen, als Freiwild und für die Männer, die Prügelstrafe?

Wir Deutsche brauchen nur noch ein wenig still zu halten, und weiter CDU,CSU,SPD,FDP,Grüne, zu wählen, dann sind wir auf dem sicheren Weg!

Grüße, Rudi
Fast immer gut drauf! Für jeden guten Spaß zu haben!
Demokratie muss von den Menschen kommen, und nicht von wenigen Reichen!

Wilddieb Stuelpner

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 8920
generation praktikum
« Antwort #21 am: 14:27:56 Mi. 08.Februar 2006 »
Die von AA/ARGE verordnete und vermittelte Prostitution gibt es schon längst wie die Vermittlungsbeispiele in Görlitz, Dresden, Gotha, Berlin, Rostock etc. beweisen.

EMMA: Mai/Juni 2006: Arbeitsamt vermittelt Prostituierte!

In Nürnberg beschwichtigt man derweil. Es würden nur solche Frauen vermittelt, die ausdrücklich angeben, als Prostituierte arbeiten zu wollen. „Völliger Nonsens“ sei dagegen, dass Frauen, die ein Arbeitsangebot im Bereich Prostitution ablehnen, die Gelder gestrichen werden, so Pressesprecher Ulrich Waschki. „Wenn einer Frau ein solches Angebot unterbreitet wird, dann kann das nur daran liegen, dass das Bordell oder der Nachtclub der Arbeitsagentur verschwiegen haben, um welche Art Etablissement es sich handelt.“

Zweitens dürfe eine Arbeit „aus einem wichtigen Grund abgelehnt werden“. Das steht in der Tat in den Sozialgesetzbüchern II und III, die Arbeitslosengeld II beziehungsweise die Arbeitslosenversicherung regeln. Allerdings: Dass auch „Sexarbeit“ ein solcher „wichtiger Grund“ sein könnte, hat der rotgrüne Gesetzgeber keinesfalls festgeschrieben.

Das hat erst die Bundesagentur für Arbeit in einer internen „Durchführungsanweisung“ getan: „Ein wichtiger Grund kann die nichtvorhandene Bereitschaft sein, Prostitution auszuüben“, steht dort. „Selbstverständlich darf niemand, der das nicht will, in Dienstleistungen im Erotikbereich vermittelt werden“, erklärt Pressesprecher Waschki. „Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens, dass so etwas nicht möglich ist.“

Gesellschaftlicher Konsens? Der kann sich ändern. „Es gibt keine gesicherte gesetzliche Grundlage, auf der eine vom Arbeitslosengeld II betroffene Frau eine Vermittlung im Bereich der sexuellen Dienstleistungen ablehnen kann“, stellt Anwältin Garweg fest. Zumal die Grauzone groß ist. „Wenn eine Frau mal als Tänzerin gearbeitet hat – warum sie dann nicht in einen Job als Table-Dancerin vermitteln?“

(Meine Anmerkung: Man stelle sich mal eine bayrische, konservativ und katholisch erzogene Trachtentänzerein vor, die arbeitslos wird und in die Prostitution unter Androhung von Sperrzeiten genötigt wird. Wird dann der Priester von der Kirchenkanzel von Sodom und Gomorrha faseln oder seinen Rand wegen Obrigkeitsdenken halten?)

Das Fazit der Juristin: „Die Selbstverpflichtung der Arbeitsagentur ist ohne förmliches Verfahren jederzeit abänderbar. Vom Gesetzgeber gewollt oder ‚nur‘ übersehen – fest steht: Wenn der Gesetzgeber dieses Ergebnis nicht gewollt hat und eine klare Rechtslage schaffen will, ist er aufgefordert, diese Gesetzeslücke zu schließen.“

Wer hätte es vor einigen Jahren überhaupt für möglich gehalten, dass deutsche Arbeitsagenturen Bordellbetreibern Prostituierte vermitteln? Und wer garantiert, dass nicht so manche verzweifelte arbeitslose Frau durch die Salonfähigkeit der „Sexarbeit“ dazu verleitet wird – oder gar gedrängt – den Schritt in die Prostitution zu tun?

BRD-Regime will Arbeitslose auch als Prostituierte arbeiten lassen

Außerdem gibts diese Schote: Bundesanstalt gibt Zuschüsse für Existenzgründungen in Prostitution

MDR, Sendung "exakt": Hartz IV - Prostituierte als Ich-AG

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6466
generation praktikum
« Antwort #22 am: 00:32:36 So. 26.Februar 2006 »
Yo,
das Trendmagazin SPIEGEL hat jetzt schon das Thema Praktikum entdeckt.

Und so behandelt man dann das Thema:

Zitat
SPIEGEL ONLINE: Sie bejammern, worüber andere Menschen stolz wären: Sie qualifizieren sich weiter, reisen in verschiedene Städte, lernen ständig neue Menschen kennen.

Zitat
SPIEGEL ONLINE: Gibt es einen Ausweg aus der Misere? In Ihrem Buch wird an einer Stelle vorgeschlagen, eine Revolution anzuzetteln, Arbeitsplätze zu besetzen, sich zu nehmen, was man verdient.

Eine Galeere besetzen um endlich rudern zu dürfen? Hei, wie lustig doch die Peitsche knallt...

Aber ja, die SPIEGEL-Interviewpartnerin ist eine echte Revolutionärin!

Zitat
Das geht natürlich zu weit. Ich denke aber, die Entscheidungsträger in unserer Gesellschaft müssen sich schleunigst überlegen, welche neuen Formen von Arbeit sie schaffen können, beziehungsweise, wie Arbeit in Zukunft definiert und entlohnt wird.
  Quelle

Und während die Entscheidungsträger in unserer Gesellschaft sich überlegen, wie wir alle zukunftsfähig werden, habe ich mich weiter durch die SPIEGEL-Site geklickt und folgendes gefunden:

Zitat
Praktika

Interessierten Studenten und Studentinnen bietet die SPIEGEL-Gruppe bei
a + i art and information, SPIEGEL TV, manager magazin sowie in verschiedenen Verlagsabteilungen und der SPIEGELnet GmbH Praktika an. Die Dauer der Praktika wird nach Absprache festgelegt. Praktika in den SPIEGEL-Ressorts sind Schülern der Henri-Nannen-Schule und der Deutschen Journalistenschule vorbehalten.

Wenn Sie sich initiativ bewerben möchten, schicken Sie uns bitte eine schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf, Zeugnissen und einem Lichtbild. Geben Sie bitte den Zeitraum und die Abteilung an, in der Sie Ihr Praktikum absolvieren möchten und bewerben Sie sich frühzeitig, das heißt mindestens 6 Monate vor dem gewünschten Zeitraum.

Über unsere aktuellen Vakanzen informieren Sie sich bitte unter Stellenangebote.

Volontariate

Innerhalb der SPIEGEL-Gruppe werden Volontariate  bei  a + i art and information und bei SPIEGEL TV angeboten. Freie Volontariatsstellen entnehmen Sie bitte den aktuellen Stellenangeboten.

Traineeausbildung

In der Dokumentation des SPIEGEL-Verlags werden Traineeausbildungen zum Dokumentationsjournalisten angeboten. Freie Traineestellen entnehmen Sie bitte den aktuellen Stellenangeboten.

Worin sich ein Volontariat vom Praktikum unterscheidet, weiß ich nicht.
Und was ein Trainee ist will ich auch gar nicht wissen!
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

besorgter bürger

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 3831
generation praktikum
« Antwort #23 am: 01:04:23 So. 26.Februar 2006 »
Zitat
Sie bejammern, worüber andere Menschen stolz wären

na denn, seid stolz drauf!

die lebensläufe der zukunft:

geboren. 1990

schule: 1996 - 2006
abi 2006 - 2009
studium 2010 - 2015 (danach verschuldet)
praktika 2015 - 2020 (zu jung)
selbstständig 2020 - 2025 (danach überschuldet)
zeitarbeit 2025 - 2035 (mindestlohn)
arbeitslos 2035 - 2057 ( zu alt)
sozialrente ab 2057 ( 300,- euro)
tot ab 2060 (keine privatversicherung)
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6466
generation praktikum
« Antwort #24 am: 17:56:07 Do. 30.März 2006 »
1. April - Das Datum ist Programm: „Arbeiten ohne Geld – Das kann doch nicht Euer Ernst sein? Der 1. internationale Praktikanten-Aktionstag findet am 1. April u.a. in Berlin, Paris, Brüssel und Wien statt. Gemeinsames Symbol sind weiße Masken, mit denen die Praktikanten gegen ihre rechtlose Situation demonstrieren. Siehe dazu:

http://www.studentsatwork.org/UNIQ114370792526183/doc165464A.html
http://www.fairwork-verein.de/news.php
http://jungle-world.com/seiten/2006/13/7460.php
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Carsten König

  • Gast
generation praktikum
« Antwort #25 am: 18:58:04 Do. 30.März 2006 »
Zitat
Aus der Not heraus entwickelt die europäische Jugend, worauf viele so lange gewartet haben: ein gemeinsames Lebensgefühl. Die düsteren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt machen den Jungen Angst. In Paris gehen sie deshalb seit Wochen auf die Straßen, und nach dem nationalen Streik in Frankreich am Dienstag will nun der Rest der europäischen Jugend nachziehen. Für Samstag ist in mehreren Großstädten Europas, unter anderem in Berlin und Brüssel, der »erste europäische Praktikantenstreik« ausgerufen worden. Der Streik findet also ausgerechnet an einem Wochenende statt, wenn die meisten Praktikanten ohnehin nicht arbeiten.

Quelle: http://hermes.zeit.de/pdf/index.php?doc=/2006/14/Titel_2fZukunft_14

Carsten König

  • Gast
generation praktikum
« Antwort #26 am: 10:44:13 Sa. 01.April 2006 »

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
generation praktikum
« Antwort #27 am: 19:19:07 Sa. 01.April 2006 »
Zitat
Die Generation mit der Maske
In Europa protestieren heute die Praktikanten. Und geben sich damit ein Gesicht
Greta Taubert

Wir wollen diesen Begriff nicht mehr hören. Wir wollen uns nicht mehr damit beschreiben lassen. Eigentlich möchten wir auch gar nicht dazu gehören: zur Generation Praktikum. Denn wir haben uns diesen Zustand nicht selbst ausgesucht. Die Rock'n Roller, die Hippies, die Punks und die Yuppies - sie alle haben zu einer großen Jugendbewegung gehört, der sie sich freiwillig angeschlossen haben. Da ging es um ein Lebensgefühl, um eine Idee oder um Kapital. Schmalztolle und Peace-Zeichen, Legal-Illegal-Scheißegal und Dow-Jones: Mit den Jahrzehnten wechselten die Symbole für Jugendlichkeit, die größtenteils eine Lebenseinstellung beschrieben.

Jetzt gibt es keine generationsverbindenden Zeichen mehr. Weil es keine neuen Jugendlichen mehr gibt. Schon die Generation Golf und die Generation 89 haben an Profillosigkeit gelitten. Und auch wir haben uns in die Schablonen der 68er-Idee vom freien Menschen versucht einzupassen. Die Idee beschreibt den Menschen als Individualisten, der allen Sinn aus sich schöpft und sich selbst verwirklicht. Weil er sich um seine materielle Absicherung keine Sorgen mehr machen muss, kann er sich geistig und schöpferisch ausleben, um die Gesellschaft zu verbessern.

Aber das sind nicht wir. So sehr wir diesem Menschenbild auch entsprechen wollen. Wir können nicht. Und das lässt sich an der Maslow'schen Bedürfnispyramide zeigen. Diese hat fünf Stufen, ganz unten stehen die Grundbedürfnisse wie Essen und Atmen, ganz oben steht die Selbstverwirklichung. Unser Problem beginnt bereits auf Stufe zwei: bei der Sicherheit. Als Generation Praktikum haben wir keine Aussicht auf einen festen Arbeitsplatz, auf Sozialversicherungen und auch nicht auf eine planbare Zukunft. Deshalb ist es schon schwer genug, Stufe drei - Partnerschaft, Kinder, Freunde - zu erklimmen. Von dem vierten Bedürfnis nach Status, Macht und Anerkennung sind wir als Praktikanten sowieso weit entfernt.

Das bringt uns in eine Zwangslage: Zum einen haben wir als Kinder den Gedanken des Postmaterialismus in Waldorfschulen oder Kinderläden lernen können, zum anderen fehlt uns jetzt als jungen Erwachsenen, die sich vom Geld der Eltern unabhängig machen wollen, die materielle Grundlage zur Selbstverwirklichung. Darum erscheint das Praktikum idealerweise als eine Art Kompromiss zwischen beidem: Ich arbeite, um meine Berufschancen zu verbessern - aber nicht weil ich muss, sondern weil es mir Spaß macht. Diesen Mittelweg können aber nur die beschreiten, die es sich leisten können. Dabei ist das Praktikum schon lange keine Investition in die Zukunft mehr.

Denn die Wirtschaft hat längst erkannt, wie sie sich den Zwiespalt der Jungen zwischen Selbstverwirklichung in der Gegenwart und Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft zu Nutze machen kann. Nur gut ausgebildete Praktikanten dürfen für ein paar Monate kostenlos ihre Dienste anbieten. Sie schnuppern dort nicht, sie schuften. Medienberichte überschlagen sich mit Praktikantenschicksalen, die erst ausgebeutet und dann ausgespuckt werden. Neueste Gemeinheit von Unternehmen ist ein Praktikum, das als Stellenangebot getarnt wird. Absolventen bewerben sich auf den vermeintlichen Job und sollen monatelang in einem unbezahlten Praktikum zeigen, was sie können und wollen - um dann vom nächsten Stellenbewerber abgelöst zu werden. Es stehen ja auch immer wieder qualifizierte Bewerber vor der Tür, die an Berufserfahrung nicht hinter anderen zurückstehen wollen. Insofern handelt die Wirtschaft nur nach ihrem ureigensten Prinzip: Nachfrage und Angebot bestimmen den Markt. Das bedeutet im Praktikantenfall, dass immer mehr Akademiker und Ausgebildete mit Abschluss sich um Praktikantenplätze mit niedrigstem Gegenwert einlassen - und damit die Spirale weiter antreiben.

Während wir uns mit beiden Händen an der gesellschaftlichen Idee der Selbstverwirklichung festhalten, zieht uns die wirtschaftliche Realität auf den Boden. Eine ungemütliche Haltung, in der man eigentlich nur noch "Protest" schreien kann. Wenn man es kann. Wir haben bereits in der Debatte um Studiengebühren unter zwei Protestbehinderungen gelitten: Vernunft und Angst. Schule, Erziehung, Studium haben uns zu vernünftigem, abgeklärtem, kompromissbereitem, ideologielosem Humankapital gemacht. Konsens, so haben wir es gelernt und geglaubt, ist die einzig richtige Lösung eines Problems. Und Diskussionen müssen immer konstruktiv geführt werden.

Für eine Revolution, in der es um gesellschaftliche Ideen ginge, sind wir zu vernünftig. Und für eine Demonstration, in der es um die eigene Zukunft geht, sind die meisten zu ängstlich. Nach der Shell-Jugendstudie 2002 sind nur ein Viertel der Jugendlichen pragmatische Idealisten, die mit Kämpferrhetorik eine "Humanisierung der Gesellschaft" fordern. Der große Rest denkt vor allem an die eigenen Belange. Die Individualisierung hat uns nicht befreit, sondern in uns selbst eingesperrt. Fast biedermeierisch ziehen wir uns in unsere eigene Welt aus Arbeit und Partnerschaft zurück. "Überraschend traditionell" lautet deshalb auch das Ergebnis einer Studie des Hochschulinformationssystems, die im vergangenen Jahr studentische Lebensentwürfe untersuchte. Daraufhin glaubten Neon, Stern, taz und FAZ die neuen Konservativen ausgemacht zu haben. Dabei fühlen wir uns in der Rolle der Bewahrer ja auch gar nicht so wohl. Aber für eine krawallige Revolte geht es uns zu gut - und zu schlecht. Der Ethnologe Wilhelm Emil Mühlmann erklärt das so: "Nur unter den seltenen Bedingungen einer stabilen Existenzgesichertheit können spezifisch jugendliche Eigenschaften wie Sorglosigkeit, Übermut, Spielfreude, aber auch Disposition zur Revolte gedeihen."

Die Angst vorm großen Krach zeigt sich auch an der ersten Protestaktion der Generation Praktikum. Am heutigen Sonnabend soll in Brüssel, Paris und Berlin der erste Praktikanten-Aktionstag stattfinden. Der Verein Fairwork, die französische Génération Précaire und die DGB-Jugend wollen zwar auf die "prekären Beschäftigungsverhältnisse" aufmerksam machen. Aber demonstrieren wollen sie nicht. Es soll eine "Performance" sein mit weißen Masken - um die Gesichtslosigkeit von ständig wechselnden Praktikanten zu versinnbildlichen, vor allem aber um "anonym zu bleiben, was den Betroffenen wichtig ist", wie es im Aktionsaufruf heißt. Die Zerrissenheit zwischen Hoffnung und Zweifel, zwischen den Werten der 68er und dem modernen Arbeitsmarkt verbergen wir. Das ist es also, das Symbol der Generation Praktikum: eine weiße gesichtslose Maske.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/539168.html

Kater

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7112
generation praktikum
« Antwort #28 am: 14:32:36 Di. 02.Mai 2006 »
Zitat
Billig und willig
In vielen Unternehmen werden volle Stellen durch Praktikanten ersetzt. Das ist nicht rechtens

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/serie_recht/546928.html

Zitat
Die Gerichte sprechen von Ausbeutung
Vor einem Monat demonstrierten Praktikanten in Berlin und forderten lautstark ihre Rechte. Wir fragten Christian Regnery, Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Arbeits- und Medienrecht, was einem Praktikanten, der genauso viel arbeitet, wie seine fest angestellten Kollegen, zusteht.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/serie_recht/546927.html?2006-05-02

Zitat
Hospitanten haben keinen Anspruch auf Lohn
Wenn das Lernen im Vordergrund steht
Von jes.

Es gibt sie noch, die klassischen Praktika, bei denen tatsächlich das Lernen im Vordergrund steht. Hospitanten nennt man die jungen Leute auch, die sich das Unternehmen für einige Zeit von Innen ansehen. Der Praktikant, so die Definition der Arbeitsgerichte, schaut und hört zu, läuft mit, probiert auch mal selbst etwas aus, ist aber nicht in die tägliche Arbeitsplanung des Betriebes eingebunden. Das heißt, der Praktikant ist für den Arbeitgeber eher eine Belastung als eine Hilfe. Daher hat er auch nicht die gleichen Rechte wie ein Arbeitnehmer.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/serie_recht/546929.html?2006-05-02

Zitat
SCHEINPRAKTIKUM
Was ist ein Scheinpraktikum?

Nicht alles, was der Arbeitgeber Praktikum nennt, ist laut Arbeitsrecht tatsächlich eins. Wenn nicht der Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen, sondern die Erbringung von Arbeitsleistung im Vordergrund steht, handelt es sich nicht um ein Praktikum, sondern um ein Arbeitsverhältnis, das angemessen entlohnt werden muss. Das Unternehmen macht sich ansonsten des "Lohnwuchers" schuldig (§138 II BGB). Das kann auch für freiwillige Praktika während des Studiums gelten. Wichtig: Berufsanfänger in der Anlernphase sind rechtlich keine Praktikanten - auch wenn sie sich erst in den Beruf einarbeiten müssen.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/serie_recht/546930.html?2006-05-02

regenwurm

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 3536
  • Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
generation praktikum
« Antwort #29 am: 09:07:27 Di. 16.Mai 2006 »
unserer aktueller "Sklavenmarkt" hier wieder 2 Beispiele

13.05.2006  
Berufsgruppe:  Praktikant (m/w),
Branche:  Tourismus/Gastronomie,
Position:  Praktikant
Region:  Wiesbaden (Stadt)
Einsatzort:  Wiesbaden

SIR ist eine der führende Hotelmarketing- & Reiseveranstalter-Agenturen. Wir suchen ab Februar 2006  für ca. 6 Monate ...


oder das hier:



Berufsgruppe:  Praktikant (m/w)  
Position:  Praktikant  
Region:  Frankfurt  
Einsatzort:  Nied

Praktikant(in) für Bürotätigkeiten ab sofort für mind. 4 Monate in unserer Frankfurter ...

nochwas zum sprachlichen "EINSATZORT" klingt doch irdwie nach Krieg
dazu befragte ich das Wörterbuch:


einsatz-, Einsatz-: -bereit /Adj./   1. bereit, sich einzusetzen: eine e. Schülerin; er hat sich immer e. gezeigt; die Fahrer leisteten e. ihren schweren Dienst   2. bereit zum Gebrauch: trotz der großen Hitze waren die Instrumente immer e.   3. Mil. bereit zum Gefecht: die Truppe e. halten; -bereitschaft, die /entsprechend den Bedeutungen 1 u. 3 von -bereit/; -dienst, der Organisation, Gruppe für einen besonderen Einsatz: ein E. für Katastrophen-, Krankheitsfälle; -fähig /Adj./ vgl. -bereit 2: die Lastkraftwagen mußten schnellstens wieder e. gemacht werden; -fertig /Adj./ vgl. -bereit 2: e. Bauteile; -gefäß, das Gefäß, das in ein anderes eingesetzt wird; -glas, das vgl. -gefäß; -kommando, das Kommando für einen besonderen Einsatz: ein technisches E.; -leiter, der Neupräg. Leiter eines Einsatzkommandos: der E. eines Polizeikommandos, einer Aufbautruppe, der Kriminalpolizei; -ort, der Ort, wo jmd., etw. eingesetzt wird: der E. ist noch nicht bekannt; -summe, die die in einem Spiel, einer Wette eingesetzte Summe:
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.