Autor Thema: generation praktikum  (Gelesen 59753 mal)

Carsten König

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generation praktikum
« Antwort #30 am: 17:29:09 Do. 18.Mai 2006 »
Nichts zu verdienen:

Zitat
Wenn Praktikanten Glück haben, verdienen sie 800 Euro im Monat, marktüblich sind 300 bis 500 Euro, und manchmal - wie oft in der Medienbranche - springt gar nichts heraus.

Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,409986,00.html

ManOfConstantSorrow

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generation praktikum
« Antwort #31 am: 09:57:25 Fr. 16.Juni 2006 »
Frauenhandel à la Fifa: Mit den schönsten Versprechungen auf's Feld gelockt und dann am Einlassgatter versauern. Wer bei der WM als Volunteer arbeitet, ist selbst Schuld.

http://www.stern.de/sport-motor/wm2006/tagebuch/:Bellstedt-Teil-7-Bekenntnisse-Fifa-Sklavin/563341.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

MarionK

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generation praktikum
« Antwort #32 am: 22:46:44 Di. 27.Juni 2006 »
Was ähnliches wurde mir auch angeboten.
Habe ich dankend abgelehnt...

Wilddieb Stuelpner

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generation praktikum
« Antwort #33 am: 07:55:36 Mi. 28.Juni 2006 »
Man staunt immer wieder über die Wortschöpfungsakrobaten in den Medien. Daß sie aller nasenlang mal die Landes- und Hauptstadtbezeichnung ummodeln, daran hat man sich abgefunden. Aber jetzt vergreifen sie sich an Berufsbezeichnungen und machen aus Volontär/in ein/e Volunteer/in.

Volunteer/in - Was soll das für eine Sprache sein?

Volontär in der Sprache Afrikaans (Kapholländisch bzw. Kolonial-Holländisch) aus Südafrika oder in Niederländisch oder in der Sprache der Khoi oder Khoi Khoi, so wie die Buren die Khoi rassistisch als Hottentotten (Stotterer) bezeichneten?

Französisch kanns nicht sein, dann hieße es volontaire und in Latein voluntarius.

Man sollte dem Wortschöpfer eine 10jährig gültige Sechs ausstellen und wieder in eine bundesdeutsche Zwergschule lebenslänglich inhaftieren, wo noch der Rohrstock des Lehrers im Unterricht Regie führt. Im Schülerjargon hieß der Rohrstock scherzhaft "der gelbe Onkel".

Zwergschule

Eine Zwergschule ist eine kleine Schule, meistens eine Dorfschule, in der alle Klassenstufen in einem Raum von einer Lehrkraft unterrichtet werden. In Deutschland sind die Zwergschulen in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts weitgehend abgeschafft worden. Heute gibt es z. B. auf der nordfriesischen Hallig Nordstrandischmoor noch eine Zwergschule.



Taschenbuch - 414 Seiten
München: Goldmann Verlag 2001. 8,45 €
ISBN: 3442076951

regenwurm

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generation praktikum
« Antwort #34 am: 11:30:21 Mi. 28.Juni 2006 »
von JK
Zitat
Volunteer/in - Was soll das für eine Sprache sein?

Englisch

Freiwillige,sich freiwillig melden,freiwillig anbieten
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

Magnus

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generation praktikum
« Antwort #35 am: 11:37:47 Mi. 28.Juni 2006 »
Zitat
Original von joachimkuehnel
...
Man sollte dem Wortschöpfer eine 10jährig gültige Sechs ausstellen und wieder in eine bundesdeutsche Zwergschule lebenslänglich inhaftieren,...

Ein Volunteer ist was anderes als ein Volontär


Eintragungen bei Google:

Volontär  482.000
Ehrenamtlicher Helfer  667.000
Volunteer  530.000.000

Da die FIFA ehrenamtliche Helfer aus der ganzen Welt sucht ist es vielleicht besser doch besser, den international bekannteren Begriff zu verwenden.

Den kann man natürlich nicht wissen, wenn man 40 Jahre eingesperrt war und die letzten 16,5 Jahre nichts dazugelernt hat. ;)

Kuddel

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generation praktikum
« Antwort #36 am: 20:07:27 Di. 22.August 2006 »


Italien: Prekäre Arbeitsverhältnisse unter Berlusconi und Sozialdemokrat d’Alema ausgeweitet.

http://www.jungewelt.de/2006/08-15/003.php

Kuddel

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generation praktikum
« Antwort #37 am: 20:08:06 Di. 22.August 2006 »
Italien: Prekäre Arbeitsverhältnisse unter Berlusconi und Sozialdemokrat d’Alema ausgeweitet.

http://www.jungewelt.de/2006/08-15/003.php

uwenutz

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generation praktikum
« Antwort #38 am: 12:47:35 Fr. 25.August 2006 »
Unabhängig des etymologisch gesehenen Anglizismus`,

ob Volunteer oder Volentär, hier wird ein eigentlich öffentliches
Ehrenamt zu einer prekären Arbeitstätigkeit. Die trennscharfen
Unterschiede im Sinnzusammenhang verschwimmen oder werden
gar nicht mehr wahrgenommen um Dienstleistung billigst anbieten
zu können. Es bedarf der Propaganda, des ausgefeilten Marketings
um den Dienstleistungssklaven zu suggerieren an etwas Größerem
kollektiv teilzuhaben. Wenn dem so wäre, dürfte daß „große Geld“
jener Weltmeisterschaft von unterbewertetem Kalkül sein, - dabei
sein ist alles-, aber weit gefehlt, hier ging es mehr denn je nur um
letzteres. Die beiden sehr wohl differenten Begriffe haben einen
gemeinsamen Faktor, die der Freiwilligkeit und Bereitwilligkeit zum
Engagement, der meines Erachtens wohlfeil psychologisch
(aus)genutzt wurde und weiterhin wird, nur so ist deren Dafürhalten
zu verstehen, nicht umsonst werden mit Slogans:
„Kontakte knüpfen“; „sehe es als Chance “, Vakanz zu einer angebot-
und nachfragegleichen Jobofferte ohne Entgelt erfolgreich umgesetzt.
Frage meinerseits, wo ist das ehrenamtliche Engagement führender
FIFA-Aspiranten zu finden?
Nicht umsonst, gleich dem italienischen Lehenswort Precari oder
noch besser "Estate Precaria", ist hier die neue Schöne Welt
treffend erläutert, wohl dem der das begreift.

Vielleicht ist ein Sklave nur dann ein Sklave, wenn er sich als
Sklave begreift.

Wilddieb Stuelpner

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generation praktikum
« Antwort #39 am: 15:59:47 Fr. 25.August 2006 »
Betrachtet man sich so manche Ehrenmänner und -frauen in Stiftungsräten, in Vereinigungen und Vereinen der High Society, so hat daß bei aufgehaltenen Händen und Geldbeutel und gezahlten Aufwandsentschädigungen, Unkostenbeiträgen etc. eher was mit Ehrenrühriges zu tun.

Die FIFA ist dabei ein besonderes Kapitel, welches bereits schon in den Bereich der Kriminalität hineingreift.

Deutsche Welle: Schily - Blattner und das Bundesverdienstkreuz - FIFA-Ermittlungen statt Bundesverdienstkreuz - warum sich der FIFA-Chef Blatter den Orden noch nicht umhängen kann

"Weit über zweihunderttausend Mal wurde er verliehen - der Bundesverdienstorden. "Er wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt." Der ehemalige Innenminister Schily wollte auch FIFA-Chef Joseph S. Blatter in den Kreis der Ausgezeichneten aufnehmen. Blatter sollte den Verdienstorden bekommen, weil er sich für die WM in Deutschland aussprach Doch in der Schweiz laufen Ermittlungen gegen die FIFA, auch Blatter steht angeblich unter Verdacht. Da regt sich politischer Widerstand, ihm noch während der WM den Orden zu verleihen."

Handelsblatt: Ermittlungen in der Schweiz - Streit um Bundesverdienstkreuz für Fifa-Chef Blatter

"Fifa-Präsident Joseph S. Blatter soll im September nach Informationen des Handelsblattes das Bundesverdienstkreuz erhalten. Allerdings gibt es Streit darum, ob die Ehrung angemessen ist.

HANDELSBLATT. Das erfuhr das Handelsblatt aus Diplomatenkreisen und aus dem Umfeld des Bundesinnenministeriums. Allerdings sind Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble inzwischen Zweifel gekommen, ob die Verleihung, die noch vor dem Regierungswechsel durch seinen Vorgänger Otto Schily in die Wege geleitet wurde, angemessen ist.

Auch in Diplomatenkreisen ist Kritik laut geworden, erfuhr das Handelsblatt. Eine deutsche Gesandtschaft in der Schweiz weigerte sich zunächst, eine Laudatio auf Blatter zu schreiben. Erst nach gehörigem Druck aus Berlin beugte sie sich.

Hintergrund der Bedenken ist eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung im Schweizer Kanton Zug. Es geht um „untreue Geschäftsbesorgungen zum Nachteil der Fifa“. Die Ermittler gehen der Frage nach, ob der inzwischen Bankrott gegangene TV-Rechtevermarkter ISL Fifa-Funktionäre bestach, um die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 zu erhalten."

Netzzeitung: Blatter mit Verdienstkreuz ausgezeichnet

Fifa-Präsident Joseph Blatter ist von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung war aufgrund von Ermittlungen gegen den Schweizer strittig.

Die Fußballweltmeisterschaft 2006 hat nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bislang alle Erwartungen erfüllt und «zum Teil noch übertroffen. Deutschland hat das Motto der WM 'Die Welt zu Gast bei Freunden' mit Leben erfüllt», sagte die Kanzlerin am Freitag bei einem Empfang für die Fifa in Berlin. Dem Präsidenten des Fußball-Weltverbandes, Joseph Blatter, übergab Merkel zwei Tage vor dem WM-Finale im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz. Der Schweizer zeigte sich «gerührt». Mit der Auszeichnung werde das gesamte Fifa-Team geehrt.

Ermittlungen in der Schweiz

Merkel wünschte den beiden Endspielteilnehmern - Frankreich und Italien - viel Glück bei letzten WM-Partie in Deutschland. Die Teams beider Länder hätten Können und Nervenstärke bewiesen. Allerdings habe sich auch die deutsche Mannschaft «hervorragend» präsentiert. «Zu den besten vier auf der Welt zu gehören - das kann sich sehen lassen. Das ganze Land steht hinter unserem Team.» Bundestrainer Jürgen Klinsmann bescheinigte die Kanzlerin eine «phantastische Arbeit». Merkel empfahl der Fifa zugleich Deutschland als Austragungsort für die Frauen-Fußball-WM 2011.
Blatter sprach von einer großartigen Fußball-WM und betonte: «Das Verdienst dafür gehört Deutschland.» Das Bundesverdienstkreuz habe er mit Emotionen und Stolz entgegen genommen. Das Bundespräsidialamt hatte die Verleihung bis vor kurzem geprüft. Gegen die Auszeichnung für den Fifa-Präsidenten waren in Deutschland auch kritische Stimmen laut geworden. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Schweizer Kanton Zug, die dem Vorwurf auf «untreue Geschäftsbesorgungen zum Nachteil der Fifa» nachgeht.

Merkel hob bei dem von heftigen Sommer-Gewittern begleiteten Empfang im Bundeskanzleramt auch die Leistungen des Präsidenten des WM-Organisations-Komitees, Franz Beckenbauer, hervor. Seinem Einsatz sei es zu verdanken, dass die WM 2006 überhaupt in Deutschland statt gefunden habe. Beckenbauer habe die WM an entscheidenden Stellen geprägt. (nz)"

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Ein richtiges Ehrenamt übt man freiwillig und völlig unentgeltlich in jeder Beziehung aus. Nur kann das nicht der Maßstab für jobsuchende Arbeitslose sein, die für sich und ihrer Familie den Lebensunterhalt aufrechterhalten müssen. Da sind Empfehlungen von Arbeitsberatern/-vermittlern/Fallmanagern in diese Richtung wohl eher dicker Zynismus und Gehässigkeit.

Wilddieb Stuelpner

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generation praktikum
« Antwort #40 am: 17:39:49 Sa. 03.Februar 2007 »
Pressedienst 7/2006 der Linkspartei.PDS Sachsen vom 2. Februar 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

anbei gebe ich Ihnen eine Presserklärung der Jungen Linken.PDS Sachsen zur Kenntnis.

Freundliche Grüße
Rico Schubert

Nagel zur „Generation Praktikum“

„Die Begriffe „Prekariat“ und „Generation Praktikum“ sind im vergangenen Jahr in den Alltagswortschatz eingegangen – und sollen die Tendenz der zunehmenden sozial ungesicherten Lebensverhältnisses weiter Teile der Bevölkerung illustrieren. Nicht nur Erwerbslose jeden Alters und erfolglos nach einer Ausbildung Suchende sind davon betroffen, auch Erwerbstätige sind mit der Realität der prekären Lebenssituation konfrontiert. 14 % der Erwerbstätigen, das sind 5,4 Millionen Menschen in Deutschland, müssen sich als Leih- und Zeitarbeiter oder in befristeten, unterbezahlten Arbeitsverhältnissen durchschlagen“, erklärt Juliane Nagel, jugendpolitische Sprecherin der Linkspartei.PDS Sachsen zu der Anfang Februar veröffentlichten Studie „Generation Praktikum“ der DGB-Jugend.

Die am 1.2.07 veröffentlichte Studie der DGB-Jugend zu „Prekären Beschäftigungsformen von Hochschulabsolventinnen und –absolventen“ nimmt die Situation der „qualifizierten „Leistungsträger“ in den Fokus. Danach absolvieren 37 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen ein Praktikum - die Hälfte der Praktika ist unbezahlt und trotzdem fest in die Unternehmensarbeit eingeplant.

„Eine Gesellschaft, die einen wachsenden Teil ihrer Mitglieder ausstößt, zur (fast) unentgeltlichen Beschäftigung in den so genannten 1-Euro-Jobs oder Praktika zwingt, die permanente Qualifizierung und rastlosen, flexiblen Einsatz der Arbeitskraft zu unsicheren Bedingungen fordert ist nicht zukunftsfähig. Eine solche Gesellschaft macht krank!“, sagte Nagel.

Die Junge Linke.PDS Sachsen nimmt die Veröffentlichung der Studie der DGB-Jugend zum Anlass, wiederholt der Forderung nach einem bedingungslosen, garantierten Grundeinkommen Ausdruck zu verleihen und fordert entsprechend der von der DGB-Jugend definierten angemessenen Bedingungen zur Absolvierung von Praktika eine gesetzliche Regelung:

Praktika müssen klar von Normal-Arbeitsverhältnissen abgegrenzt, zeitlich befristet und angemessen vergütet, beispielsweise entsprechend tariflich vereinbarter Löhne, werden.

Link zur Studie:
http://www.studentsatwork.org/UNIQ117041310425266/doc1317506A.html


Die Linkspartei.PDS Landesverband Sachsen
dieWahlFabrik
Rico Schubert
Großenhainer Straße 101
01127 Dresden
T 0351 - 85 32 725
M 0170 - 56 24 837

ManOfConstantSorrow

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generation praktikum
« Antwort #41 am: 22:00:43 Fr. 23.März 2007 »
Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist das bundesweit verbreitete Praktikum kein geeignetes Instrument für den Einstieg in den Beruf. Von 12,7 Millionen Neueinstellungen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den Jahren 2004 und 2005 entfielen ganze 2,3% auf Praktikanten.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Jaybird

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generation praktikum
« Antwort #42 am: 10:17:03 Sa. 24.März 2007 »
Wobei - auch hier nochmal der Zeitartikel (Abschrift).

Deckt sich teilweise mit meinen Beobachtungen.

klick

Troll

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generation praktikum
« Antwort #43 am: 09:52:01 Di. 27.März 2007 »
Zitat
"Gesetze können Missbräuche bei Praktikantenverhältnissen nicht verhindern"
Petitionsausschuss/
Berlin: (hib/MIK) Auch durch neue Gesetze können Missbräuche bei Praktikantenverhältnissen nicht ausgeschlossen werden. Die Bundesregierung denkt aber über rechtliche Klarstellungen in diesem Bereich nach. Dazu soll zunächst aber statistisches Material ausgewertet werden, das im April vorliegt. Dies machten die Vertreter der Bundesregierung am Montag bei der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses deutlich, bei der es um zwei Eingaben zur Situation von Praktikanten ging. In der ersten Petition forderte Desiree Grebel, Praktika von Hochschulabsolventen in ein reguläres Arbeitsverhältnis umzuwandeln, wenn sie länger als drei Monate dauern und dem Berufsbild des Hochschulabsolventen entsprechen. In der zweiten Petition fordert der DGB-Bundesvorstand, dass Praktika und ähnliche Lernverhältnisse per Gesetz eindeutig von Arbeitsverhältnissen abgegrenzt werden müssen, damit sie keine regulären Stellen ersetzen. Praktika müssten auf drei Monate begrenzt und mit mindestens mit 300 Euro pro Monat vergütet werden. Beide Petitionen wurden von mehr als 108.000 Bürgerinnen und Bürgern unterstützt. Die Vertreter der Bundesregierung erläuterten, dass es drei Gruppen von Praktikanten gebe. Bei der ersten Gruppe handele es sich um Rechtsverhältnisse, bei denen nicht die Arbeitsleistung, sondern der Lernzweck im Vordergrund stehe. Dies gelte auch für Hochschulabsolventen, die außerhalb der Ausbildung neue Erkenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen sammeln wollten. Bei der zweiten Gruppe gehe es darum, das Berufsleben kennenzulernen. Hier seien keine gesetzlichen Vergütungen vorgesehen. Nach Ansicht der Regierung gibt es bei diesen beiden Gruppen von Praktikantenverhältnissen keine Probleme. Anders sehe dies bei der dritten Gruppe aus, die in den Petitionen angesprochen würden. Hierbei wird formell ein unentgeltliches Praktikum vereinbart, tatsächlich werde jedoch echte Arbeitsleistung erbracht. Allerdings seien auch diese "Praktikanten" nicht ohne gesetzlichen Schutz. So stehe ihnen oft ein Vergütungsanspruch zu, der sich auch einklagen lasse. Die Vertreter der Regierung machten wie die meisten Abgeordneten deutlich, dass sie eine Begrenzung der Praktika auf drei Monate für nicht sinnvoll hielten. Dies gelte auch für eine gesetzliche Mindestvergütung von 300 Euro. Dadurch könnten die Praktikanten davon abgehalten werden, ihren Anspruch auf eine wesentlich höhere Vergütung einklagen. Die Abgeordneten des Petitionsausschusses wollen in einer der kommenden Sitzungen abschließend über die Eingaben entscheiden.

Quelle: hib-Meldung 26.03.07
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kater

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generation praktikum
« Antwort #44 am: 21:08:43 Di. 27.März 2007 »
Zitat
Petition: Drei Monate Praktikum - dann Job

Opposition und 60.000 Petenten fordern mehr gesetzlichen Schutz für ausgebeutete Praktikanten. Arbeits- und Bildungsministerium wollen erst mal den Aufschwung abwarten - auch bei der Regierung arbeiten Praktikanten für lau

BERLIN taz  Im Petitionsausschuss des Bundestags geht es gesittet zu. So gesittet, dass man meinen könnte, die Probleme der Berufseinsteiger seien nur geträumt. Dagegen aber spricht der Anlass der Anhörung: Über 60.000 BürgerInnen haben eine Petition beim Bundestag unterschrieben, die den Gesetzgeber auffordert: Begrenzt Praktika auf drei Monate, sorgt für eine Vergütung von mindestens 300 Euro pro Monat und definiert den Begriff Praktikum strenger. Verhindert Missbrauch!

Die Ausschussvorsitzende erteilt das Wort: Bitte, Herr Rudolf, schildern Sie das Problem. Und Herr Rudolf von der DGB-Jugend schildert und schildert. Als da wären: junge Hochschulabsolventen, die nur Praktikastellen finden. Eine nach der anderen. Unter- oder gar nicht bezahlt. Tendenz in den letzten Jahren steigend. Mehrheitlich Geistes- und Sozialwissenschaftler, aber auch viele Wirtschafts- und Naturwissenschaftler plagen sich beim Berufseinstieg ab und schuften ohne Sozialversicherung und Zukunftsaussicht.

Bettina König von Fairwork, einem Verein, der für die Rechte von Praktikanten kämpft, steuert einige deftige Beispiele bei. Da ist das Übersetzungsbüro, das Muttersprachler als unbezahlte Praktikanten zu Hause arbeiten lassen will. Da ist der Praktikant, der sich für eine Abfallfirma 60 Stunden die Woche abrackert. Über 20 Mails, die solche Arbeitsverhältnisse schildern, bekommt Fairwork pro Woche. Ihre Schlussfolgerung: "Berufsanfänger müssen durch die Gesetzgeber geschützt werden, weil ihre Position so schwach ist."

Staatssekretär Rudolf Anzinger vom Arbeitsministerium ist sich dagegen nicht so sicher, ob es wirklich ein größeres Problem gibt. Er teilt die Praktikanten in drei Gruppen ein: Schnupperpraktikanten, Lernpraktikanten - und dann die Missbrauchsfälle, in denen Praktika Arbeitsverhältnisse verdecken. Aber: Bis die Ergebnisse der Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorliegen, will er sich nicht festlegen. Und Staatssekretär Andreas Storm vom Bildungsministerium verweist auf die Konjunktur: Der Arbeitsmarkt für Akademiker ziehe gerade wieder an.

Gegen die Konjunkturabhängigkeit des Problems spricht allerdings nicht zuletzt die kürzlich erschienene Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur. Das IAB hat herausgefunden, dass gerade einmal 2,3 Prozent aller Stellen an Praktikanten vergeben werden. In großen Betrieben sind es sogar noch weniger.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring meint daher, dass Aufklärungsmaßnahmen und Gütesiegel, wie sie das Arbeitsministerium fordert und umsetzt, nicht ausreichen. Damit sich auch die freie Wildbahn der Bundestag-Sittlichkeit annähert, fordert er vom Arbeitsministerium einen Zeitplan für eine rechtliche Regelung. Und bitte, Herr Müntefering, fragt er: Wie vereinbaren Sie eigentlich Ihr Gütesiegel-Engagement damit, dass auch in Bundesministerien Praktikanten für nichts schuften? ANNEGRET NILL

http://www.taz.de/pt/2007/03/27/a0108.1/text