Autor Thema: Elektromobilität  (Gelesen 2998 mal)

ManOfConstantSorrow

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Mit dem Elektroauto in die Sackgasse
« Antwort #30 am: 11:48:56 Mo. 30.September 2019 »
Zitat
… Die neue Zauberformel „Elektromobilität“ wird laut Wolf aus drei Gründen in die nächste Sackgasse führen. Erstens, weil unter den gegebenen Bedingungen ein Elektro-Pkw im Lebenszyklus nur maximal 25 Prozent weniger CO2 emittiert als ein Benzin- oder Diesel-Pkw. Dabei wächst gleichzeitig mit dem Einsatz von Millionen neuer Elektro-Pkw die Zahl der Autos mit herkömmlichen Antrieben pro Jahr um 70 bis 100 Millionen. Die Gesamtsumme der CO2-Belastung steigt damit von Jahr zu Jahr deutlich. Zweitens, weil Elektroautos meist Zweitwägen sind, die zur Intensivierung des städtischen Verkehrs führen und dabei drei bis vier Mal mehr Fläche beanspruchen als der öffentliche Verkehr. Drittens, weil die damit verbundene zusätzliche Menge an Elektrizität die dringend notwendige Verringerung von Kohlestrom verlangsamt und das Hochfahren der Atomstromerzeugung zur Folge haben wird. So verdreifacht China, das stark auf E-Mobilität setzt, aktuell die Zahl der Atomkraftwerke auf 100. Aus Sicht der Autolobby beabsichtigt und aus Sicht der Umweltfreunde fatal: Mit dem Kult um das Elektroauto wird die Tatsache ausgeblendet, dass es für Mobilität einfache und überzeugende Lösungen gibt...
Zitat
“Elektromobilität verstärkt die Macht der Autokonzerne und das Potenzial an Zerstörung”
… Elektromobilität ist integraler Bestandteil der Automobilität und Teil des »fossilistischen Kapitalismus«. Im absehbaren Szenario der Entwicklung des Weltbestands an Kraftfahrzeugen kommt es zu keiner Reduktion der Nachfrage nach Öl und Gas.(...)
Die Ideologie der Elektromobilität ist vielfach elitär und technikgläubig bzw. technik-fetischisierend. Es geht vor allem um Mobilität für eine gehobene Mittelschicht…
http://www.labournet.de/?p=146655
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Elektromobilität
« Antwort #31 am: 11:52:32 Di. 08.Oktober 2019 »
Zitat
Lautstarker Protest gegen Lithium-Abbau: Förderung des weißen Goldes sorgt für Ärger

In Südamerika wächst der Widerstand gegen den Abbau des Leichtmetalls, das für die Elektromobilität aber benötigt wird.


Am 1. März hielt Argentiniens konservativer Präsident Mauricio Macri vor dem Kongress in Buenos Aires eine Rede zur wirtschaftlichen Zukunft seines Landes. Der Staatschef sagte in triumphalem Ton: „Die Welt redet über Lithium, und wir haben enorme Vorräte in Catamarca, Salta und Jujuy.“

Tatsächlich lagern dort riesige Reserven des Leichtmetalls, das gerade in den Industrienationen gehypt wird. Lithium braucht man vor allem, um Batterien herzustellen – etwa in der Automobilindustrie, die voll auf E-Mobilität setzt. Die Ureinwohner Argentiniens fürchten Auswirkungen auf ihre Lebensgrundlagen. „Heute Lithium, morgen Hunger“ – fassen die in der Region lebenden Kolla-Ureinwohner die Bedrohung für sich zusammen. Die Kolla leben im Wesentlichen von der Lama-Zucht und der Landwirtschaft.

Lithium: Gewinnung des weißen Goldes gelingt nur unter Einsatz von Chemikalien

Nach Berechnungen der Risikoanalyse-Firma Global Data wird sich die Lithium-Produktion bis 2022 verdreifachen. 86.000 Tonnen mehr als bisher würden in dieser Zeit gefördert werden. Und eine große Rolle in dieser Voraussage spielen auch Chile und Bolivien, die an die drei lithiumreichen argentinischen Provinzen grenzen. In diesem Dreiländereck lagern vermutlich bis zu 80 Prozent der weltweiten Vorkommen des strategisch wichtigen Metalls.

Die Reserven werden auf zehn Millionen Tonnen geschätzt.


Noch ist Australien führender Produzent mit 18.300 Tonnen jährlich, gefolgt von Chile mit 14.100 Tonnen. Weit dahinter erst liegt Argentinien mit 5500 Tonnen. Doch das wird sich ändern, wenn die Regierung in Buenos Aires ihre Pläne durchsetzt. Künftig könnte das Land gemeinsam mit Australien zum führenden Produzenten des „weißen Golds“ aufsteigen und laut Global Data 29 Prozent zur weltweiten Förderung beitragen.

Für die Kolla-Indigenen ist das eine fürchterliche Vorstellung: Denn die Gewinnung des weißen Goldes ist sehr wasserintensiv und gelingt nur unter Einsatz von Chemikalien. Für den Abbau des Metalls werden Zehntausende Liter Süßwasser pro Stunde benötigt – und das in einer Region, in der es wenig regnet und das Gleichgewicht zwischen Salz- und Süßwasser sehr fragil ist. Das Trinkwasser könnte auf mittlere Sicht irreversibel kontaminiert und so die Existenzgrundlage der in der Region noch lebenden 60.000 Kolla-Indianer gefährdet werden.

Argentinien: Kolla-Ureinwohner protestieren gegen geplante Lithium-Abbauprojekte

Im Februar protestierten die Ureinwohner wochenlang gegen die geplanten Lithium-Abbauprojekte und kritisierten, dass die Konzerne „ihr heiliges Territorium“ einfach besetzten. Die Lithium-Konzerne würden die Böden mit ihren Chemikalien verseuchen und die Lamas dadurch krank und mit Missbildungen geboren werden, kritisiert Cecilia Sustersic vom Netzwerk „Red Ambiental y Social“. „Die Konzerne gefährden das Leben an sich hier“, unterstreicht die Aktivistin. „Wir werden ihnen nicht gestatten, dass sie hier ein strategisch wichtiges Metall abbauen, um den weltweiten Konsum zu befriedigen, und uns dafür an den Abgrund führen.“
https://www.fr.de/wirtschaft/lithium-foerderung-weissen-goldes-sorgt-argentinien-aerger-13076718.html

dagobert

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Re: Elektromobilität
« Antwort #33 am: 10:01:49 Sa. 09.November 2019 »
Der Widerstand wächst, die Beispiele der negativen Folgen lassen sich nicht mehr Unterdrücken.
Schlechte Arbeit und schlecht für die Umwelt da heißt es immer öfter "Nein, danke".
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Jiddu Krishnamurti

Kuddel

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Re: Elektromobilität
« Antwort #34 am: 09:31:02 Fr. 15.November 2019 »
Recht vernünftiger Kommentar aus der taz:

Zitat
Grüne und Tesla
Freude am Obszönen

Warum frohlocken Berlins Grüne eigentlich so laut, wenn Tesla kommt? Das Unternehmen steht mit seinen Produkten wahrlich nicht für die Ökowende.

Ein bisschen albern ist sie ja schon, die kollektive Aufregung über Elon Musks „Gigafactory“ (frei übersetzt: „Superduperfabrik“), die innerhalb von zwei Jahren auf der grünen Heide vor den Toren Berlins entstehen und Tesla-Autos produzieren soll. Sicher hat das auch Glamour, und das Versprechen tausender neuer Arbeitsplätze, die das Unternehmen schaffen will, kann kaum jemanden kalt lassen. Aber schon bei der heiß diskutierten Frage, wieso Tausendsassa Musk den Landkreis Oder-Spree der deutschen Hauptstadt vorgezogen habe, wird es drollig: Von den USA aus betrachtet heißt der neue Standort natürlich Berlin.

Etwas anderes ist dann schon fast peinlich: die ungezügelte Freude mancher grüner SpitzenpolitikerInnen über die am Dienstagabend bei einer Preisverleihung verkündeten Ansiedlungspläne, namentlich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Fraktionschefin Antje Kapek. „Ich freue mich natürlich wahnsinnig über die Nachricht. Das Werben und die Gespräche haben sich gelohnt“, jauchzte Pop ins Twitterversum, und Kapek sekundierte: „Die ganze Welt reißt sich um Tesla … Berlin/Brandenburg wird es. Wirklich großartig!“

Dass der Regierende Bürgermeister der Presse verriet, er sei schon mal Tesla gefahren und das habe viel „Spaß“ gemacht – geschenkt. Aber die Grünen haben einen Ruf als Ökopartei zu verlieren, und mit ihrer unreflektierten Begeisterung für die Musk-Schmiede kommen sie damit wieder ein Stückchen voran. Denn selbst wenn die Tesla-Modelle selbst in der taz schon mal leichtfertig „Öko-Autos“ tituliert werden – das sind sie nicht.

Spätestens ein Blick auf die Tesla-Website macht klar, dass hier einfach nur der Pkw als machtvolle Verlängerung des menschlichen Fortbewegungsapparats, als rollende Festung mit supersmartem Image neu erfunden werden soll. Das „Model Y“, das vielleicht mal in Grünheide montiert wird, weist zwar nicht die grotesken Spitzenwerte des Sportwagens „Roadster“ (über 400 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit) auf. Es handelt es sich aber eben doch um einen SUV, dessen Elektromotoren ihn laut Herstellerangaben in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 katapultieren und der mit 240 Stundenkilometern Spitze natürlich im Land der unbegrenzten Geschwindigkeit auf Autobahnen genau richtig ist. (Im Inneren merkt man von solch mörderischen Kräften wenig: „Blickfang ist hier ein 15-Zoll Touchscreen, während das Klangfeld-Audiosystem wahre Konzertatmosphäre zaubert“, verspricht die Werbung.)

Nur ein kleines bisschen „grüner“

Natürlich ist es ein kleines bisschen „grüner“, wenn der Saft, mit dem man durch Brandenburg oder Berlin-Mitte rast, von Windrädern erzeugt und nicht aus dem Wüstenboden gepumpt wird. Aber grundsätzlich gilt, was der Mobilitätsexperte Wolfgang Lohbeck unlängst in einem Interview mit der SZ sagte: „Was Tesla herstellt, ist die dümmste und obszönste Variante der Elektromobilität. Einen Drei-Tonnen-Wagen zu bewegen, noch dazu mit extremen Beschleunigungswerten, das kann nicht ökologisch sein und auch nicht sozial.“ Und: „Auch Ökostrom ist weder ,sauber' noch umsonst, er ist sogar besonders kostbar.“

Um die Fallhöhe der Grünen noch mal zu verdeutlichen: Es ist dieselbe Partei, die Greta Thunberg preist und – zu Recht – vor den imminenten Gefahren des Klimawandels warnt. Dass sie gleichzeitig ganz normale politische und gesellschaftliche Player sein wollen, denen dann Aufrufe zu Konsumverzicht und Plädoyers für ein Ende des Wachstums irgendwie peinlich sind, lässt sich schon lange an ihrer verschwiemelten Haltung zum boomenden Fluggeschäft ablesen: Da hofft Senatorin Pop dann eben, dass ganz, ganz bald ganz viel synthetisches Kerosin aus den Solarzellen zum BER fließt. Ein schöner Traum!

Immerhin eine Grüne hat bislang konsequent geschwiegen: Das Wort „Tesla“ taucht im Twitter-Profil von Verkehrssenatorin Regine Günther nicht auf.
https://taz.de/Gruene-und-Tesla/!5642218/

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Re: Elektromobilität
« Antwort #35 am: 13:39:07 Fr. 15.November 2019 »
Zitat
Tesla und Elon Musk in der brandenburgischen Provinz: Viel Aufregung um eine Mobilität für die gehobene Mittelschicht

Die Mitteilung des Tesla-Chefs Elon Musk, er wolle „in der Nähe von Berlin“ eine neue Tesla-Fabrik errichten und „Tausende neue Arbeitsplätze“ schaffen, wird von so gut wie allen Seiten des politischen Spektrums gelobt: Der CDU-Bundeswirtschaftsminister, der SPD-Ministerpräsident von Brandenburg, die Grüne Berliner Verkehrssenatorin – alle sind begeistert. Es gehe schließlich nicht nur um neue Jobs, sondern vor allem um einen Beitrag für eine „klimafreundliche Mobilität“. Das ist Augenwischerei, Wunschdenken und in weiten Teilen barer Unsinn. Von Winfried Wolf.
...

HTML5: https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/191114_Tesla_und_Elon_Musk_in_der_brandenburgischen_Provinz_NDS.mp3
Quelle: NDS

Da stehen alle Alternativlosen am Arsch des Musk Schlange, sie wollen möglichst tief in die Materie eindringen. Lässt sich die Politik eigentlich nur noch von Wirtschaftslobbyisten beraten, andere Denkweisen gibt es gar nicht mehr und dazu noch aggressivst gestützt durch die Qualitätspresse (wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel).
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Kuddel

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Re: Elektromobilität
« Antwort #36 am: 14:59:50 So. 17.November 2019 »
Zitat
Ausgebrannter Tesla in Österreich wird zum hochgefährlichen Sondermüll
Die 600 Kilo schwere Batterie wirft Fragen über die Wiederverwertung auf. Wissenschaftler und Juristen sind ratlos, wie sie mit Wracks wie diesem umgehen sollen.
https://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/elektroauto-ausgebrannter-tesla-in-oesterreich-wird-zum-hochgefaehrlichen-sondermuell/25232168.html?ticket=ST-11079637-RAUZN2JarPaW0c55hEG2-ap1

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Re: Elektromobilität
« Antwort #37 am: 11:40:34 Do. 21.November 2019 »
Zitat
Gefahrgut ausgebrannter Tesla: Wochenlanges warten auf Tesla-Experten

Fast 7 Wochen musste ein Tesla-Fahrer auf Hilfe warten, nachdem sein Auto ausgebrannt war. Niemand weiß, was mit den Akkus geschehen soll.
...
...

Inzwischen hat sich doch noch eine Firma gefunden, die angibt, eine Entsorgungslösung gefunden zu habe: SEDA-Umwelttechnik aus der Tiroler Gemeinde Kössen hat spezielle Behälter entworfen, in denen die Reste des Tesla-Akkus gelagert werden können sollen.

Quelle: heise

Aus einem Heise Kommmentar:
Zitat
Batterie ist ausgebaut und äusserlich unbeschädigt

Laut https://tvthek.orf.at/profile/Tirol-heute/70023/Tirol-heute/14032678 (7:43) kam jemand von Tesla vorbei und hat die Batterie ausgebaut. Am Ende des Beitrags sieht man kurz die ausgebaute Batterie und sie sieht ziemlich unbeschädigt aus. Gebrannt hat sie auf jeden Fall nicht.

Die Beteiligten hinterlassen aber keinen guten Eindruck: Der Schrotthändler lagert das angeblich so unglaublich gefährliche Wrack auf einem unversiegelten Kiesplatz unmittelbar neben seinen eigenen Fahrzeugen und der Eigentümer und Unfallverursacher lässt sich daneben Filmen. Tesla reagiert (mal wieder) zu spät und lässt die Geschichte zu einem PR-Desaster ausarten und der ORF bläst eine Lokalposse total übermässig auf.

Direkt -> https://tvthek.orf.at/profile/Tirol-heute/70023/Tirol-heute/14032678/Brisanter-Entsorgungsversucht/14595308

"Unter Ausschluß der Öffentlichkeit"

Da springt einen das Vertrauen geradezu an .... und rammelt das Bein des Verbrauchers.
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