Autor Thema: Sklavenmarkt Deutschland  (Gelesen 25591 mal)

Kuddel

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Sklavenmarkt Deutschland
« am: 21:09:16 Mo. 04.Juli 2016 »
Ich bin eher zufällig drüber gestolpert. Eine (Radio?)Reportage, eine Soundcollage zur Situation prekärer Ausbeutungsverhältnisse in Deutschland von 2014.
Wirklich gut gemacht.

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Rudolf Rocker

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Kuddel

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #2 am: 11:23:15 Mi. 24.August 2016 »
Es gibt immer wieder neue Reportagen zum Thema Leiharbeit.

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Es wird die Situation jedoch nicht durch Journalisten oder "die Öffentlichkeit" grundlegend geändert.
Es kommt auf das Organisieren der Betroffenen selbst an. Die Betroffenen sind die Leiharbeiter und genauso die Stammbelegschaften. Es gibt Stammbelegschaften, die gegen die Leiharbeit und für die Festanstellung ihrer Leiharbeiterkollegen kämpfen. Es gibt aber auch Betriebsräte, die Leiharbeit für einen "Puffer" halten, der die Stammbelegschaft schützt und somit unterstützen sie Leiharbeit und die Spaltung der Belegschaft.
Das sollte nicht hingenommen werden und man muß die Diskussion da ansetzen, daß die Stammbelgschaft sich damit ins eigene Knie schießt. Eine gespaltene Belegschaft ist eine geschwächte Belegschaft, die viel leichter Opfer der Unternehmerwillkür wird.

dagobert

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #3 am: 18:43:21 Mi. 24.August 2016 »
Eine gespaltene Belegschaft ist eine geschwächte Belegschaft, die viel leichter Opfer der Unternehmerwillkür wird.
Leider kapieren das viel zu viele noch immer nicht.

Kuddel

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #4 am: 20:42:29 Mi. 24.August 2016 »

Fritz Linow

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #5 am: 08:14:57 Sa. 08.Oktober 2016 »
Das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst beschäftigt u.a. einen Leihsklaven im Schweine- und zwei im Kuhstall.
Letzte Seite: https://kleineanfragen.de/sachsen/6/6388-mittel-fuer-leiharbeit-im-haushaltsplan

Grunz!

Fritz Linow

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #6 am: 20:05:02 So. 16.Oktober 2016 »
IgZ macht sich mal wieder Sorgen um den Begriff „Leiharbeit“:
Zitat
Losgelöst von den Detailfragen der Arbeitnehmerüberlassung appellieren wir erneut an den Gesetzgeber, das Wort „Leihe“ und alle Ableitungen daraus im Gesetz endlich zu streichen. Die Begrifflichkeit ist antiquiert, sachlich falsch und für alle Beteiligten diskriminierend. Menschen erbringen eine Arbeitsleistung. Es wird keine Ware verliehen! Wie aus der Entstehungsgeschichte des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (vgl. BT-Drucksache VI/2303 vom 15. Juni 1971, Anlage 1, Seite 10) deutlich wird, hat der Gesetzgeber selbst schon gezweifelt, ob die Begrifflichkeit wirklich sinnvoll sei.
http://www.bundestag.de/blob/475452/8c5947b787e706353a0256d78e4193f6/materialzusammenstellung-data.pdf

Und so stand es 1971 geschrieben:

Zitat
Der Arbeitgeber wird als Verleiher, der Dritte als Entleiher und der überlassene Arbeitnehmer als Leiharbeitnehmer bezeichnet. Diese Begriffe stimmen zwar nicht mit dem Sprachgebrauch des Bürgerlichen Gesetzbuchs überein, das unter Leihe nur die unentgeltliche Gebrauchsüberlassung einer Sache versteht. Der Begriff des Leiharbeitsverhältnisses hat sich jedoch inzwischen nicht nur im allgemeinen Sprachgebrauch, sondern auch in der arbeitsrechtlichen Literatur durchgesetzt. Deshalb erscheint es vertretbar, dem auch im Bereich dieses Gesetzes zu folgen und die anschaulichen Begriffe „Verleiher" usw. zu wählen.

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/06/023/0602303.pdf

Die Zweifel der damaligen Gesetzgeber scheinen eher von geringerer Natur gewesen zu sein, liebe Sklavenhändler!

dagobert

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #7 am: 21:41:37 So. 16.Oktober 2016 »
Zitat
Es wird keine Ware verliehen!
Nein, schlimmer:
Es werden Menschen verliehen! So als wären sie eine Ware.

counselor

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #8 am: 21:50:24 So. 16.Oktober 2016 »
Leiharbeit bedeutet doppelter Verkauf der Ware Arbeitskraft. Der Leiharbeiter verkauft seine Arbeitskraft an die Verleihfirma, die sie als eine Art Zwischenhändler weiterverkauft und dafür einen Teil des Mehrwerts erhält.

Leihbuzzen sind Lohnsklavenhändler!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

dagobert

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Kuddel

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #10 am: 19:20:29 Di. 31.Januar 2017 »
Hier noch ein weiteres Beispiel für die Verlogenheit der DGB Politik.
Je mehr die Gewerkschaften von einem Kampf gegen den Mißbrauch der Leiharbeit faseln, desto mehr wächst diese ekelhafte Branche.

Zitat
Erstmals mehr als eine Million Leiharbeiter

Allen Gesetzesverschärfungen zum Trotz hat die Zahl der Leiharbeitnehmer im vorigen Jahr erstmals die Marke von einer Million überschritten. Im Juni 2016 waren 1,006 Millionen Leiharbeiter sozialversicherungspflichtig oder als haupterwerbliche Minijobber beschäftigt, wie aus einer Bilanz der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht. Das waren 45.000 mehr als ein Jahr zuvor. Drei Prozent der über 31 Millionen sozialabgabenpflichtig Beschäftigten hatten damit einen Job in der Zeitarbeit. Union und SPD stritten 2016 lange über eine schärfere Regulierung der Leiharbeit, die dann zum Jahresende verabschiedet wurde.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/beschaeftigung--erstmals-mehr-als-eine-million-leiharbeiter-,1472780,35124244.html

Fritz Linow

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #11 am: 14:01:57 Do. 25.Mai 2017 »
Die IGM Berlin ist darüber empört, dass Leiharbeiter kein Equal Pay erhalten und will nun demonstrieren. Da sind anscheinend Blitzmerker am Start:


Zitat
Festangestellte und Leihbeschäftigte von Atos scannen Knöllchen in der Cecilienstraße für das Land Berlin. Das machen sie seit 13 Jahren, in den gleichen Räumen – aber nicht zu gleichen Konditionen. Jetzt sollen alle für weniger Geld an ein Subunternehmen verliehen werden. Wir fordern, dass Atos endlich seine Pläne für die Beschäftigten darlegt und dass die Leihbeschäftigten festanstellt werden. Dafür demonstrieren wir am Freitag um 9.45 Uhr vom Atos-Standort in der Cecilienstraße zum IGA-Gelände.

Die Beschäftigten von Atos AIT2 haben die Hängepartie genauso satt wie die Versuche von Atos, sie auszutricksen. Dazu gehört, dass die 14 Leihbeschäftigten seit September nicht mehr Equal Pay erhalten, obwohl sie die gleichen Tätigkeiten verrichten wie die Festangestellten – und das seit 13 Jahren! (...)
http://www.igmetall-berlin.de/aktuelles/meldung/13-jahre-leiharbeit-bei-der-polizei-sind-genug/

und Vorgeschichte:
http://www.igmetall-berlin.de/betriebsraete-vertrauensleute/meldung/klarheit-fuer-die-beschaeftigten-atos-und-das-land-berlin-in-der-pflicht/

Es ist eklig, wie neuerdings immer öfter von "Leihbeschäftigten" die Rede ist.

Fritz Linow

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #12 am: 21:35:34 Mi. 28.Juni 2017 »
Man kümmert sich rührend um die Leiharbeiter. Wichtig ist der letzte Satz:
Zitat

Flexible VW-Leiharbeiter arbeiten jetzt sogar bei Porsche

Wolfsburg  430 von 500 Betroffenen, deren Verträge in Wolfsburg ausliefen, fanden neue Jobs.


430 Zeitarbeitnehmer, deren Verträge in diesem Jahr im Werk Wolfsburg ausgelaufen sind, arbeiten inzwischen in anderen Konzern-Werken. Diese Zahl nannte gestern VW-Betriebsrat Mario Kurznack Bodner.

Hintergrund: Rund 500 Verträge von Zeitarbeitnehmern sind seit Jahresbeginn im Stammwerk nicht verlängert worden. Betriebsrat, VW-Personalwesen und der Verleiher Autovision Zeitarbeit haben sich allerdings intensiv darum bemüht, den Betroffenen Anschlussverträge zu vermitteln. Das ist in der überwiegenden Zahl der Fälle gelungen: 430 arbeiten aktuell mit Zeitverträgen im VW-Werk Kassel, bei Nutzfahrzeuge in Hannover und bei der Konzerntochter Porsche in Zuffenhausen. „Unser Ziel ist es, allen Betroffenen Alternativen aufzuzeigen“, betont Betriebsrat Kurznack-Bodner.
Ob das auch in Zukunft in diesem Umfang gelingen wird, kann auch die Arbeitnehmervertretung nicht garantieren. Entscheidend dafür ist der Bedarf in den anderen Werken. Derzeit arbeitet das Gros der betroffenen Zeitarbeitnehmer für Nutzfahrzeuge im benachbarten Hannover (350). In Kassel und bei Porsche in Zuffenhausen sind es jeweils 40. „Wir freuen uns, dass ein Großteil der Betroffenen die Angebote angenommen hat. Vor allem in Kassel und bei Porsche stehen die Chancen gut, auf lange Sicht sogar einen unbefristeten Vertrag zu bekommen“, sagt Kurznack-Bodner. „Wir werden uns auch weiter um jene Kollegen kümmern, deren in diesem Jahr auslaufende Verträge nicht verlängert werden.“

Die Linie des Unternehmens ist eindeutig. Bis 2020 will Personalvorstand Karlheinz Blessing die Zahl der Leiharbeiter auf null zurückfahren. Von den einst 6500 in Deutschland beschäftigten Zeitarbeitnehmern der Kernmarke VW seien bereits mehr als die Hälfte ausgeschieden. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Blessing außerdem: „Am Ende des Jahres werden wir voraussichtlich noch gut 1000 Leiharbeitnehmer haben.“

In Wolfsburg waren bei Abschluss des Zukunftspaktes im November 2016 annähernd 2000 Mitarbeiter der Autovision Zeitarbeit in der Produktion tätig. Inzwischen hat sich vieles verändert. Da der Golf-Absatz deutlich zurückgegangen ist, werden die Stammmitarbeiter jetzt flexibel eingesetzt. In Wolfsburg arbeiten jetzt weniger als 1000 Zeitarbeitnehmer in den Hallen. Im Oktober laufen nochmals viele Verträge aus. Der Betriebsrat will aber dafür sorgen, dass Kollegen, die seit drei Jahren dabei sind, weitere zwei Jahre im Stammwerk arbeiten können. Auch Alternative werden weiterhin aufgezeigt. „Gerade in Kassel wird auf Sicht weiteres Personal benötigt“, erläutert Kurznack-Bodner. Der Auftrag an die Autovision Zeitarbeit, sich auch auf dem Drittmarkt nach Jobs umzusehen, erwies sich bisher als nur schwer realisierbar.
http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211065267/Flexible-VW-Leiharbeiter-arbeiten-jetzt-sogar-bei-Porsche.html

Ach was.

Kuddel

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #13 am: 21:52:05 Mi. 28.Juni 2017 »
Ähm, was ist denn ein "Drittmarkt"??
Der "2. Arbeitsmarkt" was doch schon prekäre Scheiße. Praktika, Leiharbeit und Co.
Und woran denkt man jetzt? Rechtsfreier Raum? Sklaverei?

Oder hab ich was falsch verstanden?

Fritz Linow

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Re:Sklavenmarkt Deutschland
« Antwort #14 am: 22:05:38 Mi. 28.Juni 2017 »
Unter Drittmarkt versteht Volkswagen alles, was nicht mit Auto zu tun hat, also Paketbote, Altenpflege, aber auch Klempner.