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Mit den Nerven am Ende

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Chlorophytum:
Hallo!

Ich verfolge dieses Forum schon seit Jahren. Mal mehr mal weniger aktiv. Aber stetig. Jetzt habe ich ein Problem.
Ich arbeite seit 5 Jahren in einem Betrieb, inzwischen als Vorarbeiterin. Kümmere mich um die Lehrlinge, die Kunden , das Telefon und alles was sonst noch so anfällt.
Der Chef war von Anfang an ein riesengroßes Arschloch. Schreit rum, behandelt alle wie Dreck. Wir haben ein Langzeitstundenkonto, da wir im Winter nicht soviel arbeiten. Dieses müssen wir dann während des Jahres auffüllen.
Damit er uns im Winter nicht entlassen muss. Das bedeutet, Überstunden bis zum Anschlag. Ein Kollege kam letztes Jahr auf 450 Überstunden. Diese wurden ihm ausbezahlt und da das Wetter nicht so schlecht war, wurde weitergearbeitet.
Wir werden persönlich angegriffen. Und zwar alle.
Im Sommer gibt es zwei Wochen Urlaub. Ich befinde mich gerade am Ende von Woche 2. Montag muss ich wieder los. Und wenn ich daran denke, glaube ich, ich kann das nicht mehr.
Um meinen Urlaub musste ich hart kämpfen, eigentlich wollte der Chef mir gar keinen Urlaub geben. Den sollte ich für den Winter aufsparen. Wie ich es denn wagen könnte, danach zu fragen. Ich solle dankbar sein, dass ich bei ihm arbeiten dürfe.
Irgendwann schob er mir einen Fehler unter, der aufgrund seiner falschen Anweisungen zu Stande kam, das haben alle mitbekommen. Und da sagte er zu mir: "Dein Berufsabschluss hat sich bei dir gar nicht gelohnt."
Es sind ein paar schlimme Unfälle passiert, aufgrund von Hektik, die der Chef mit seiner Schreierei erzeugt. Ein Kollege war wegen eines solchen Unfalles krank geschrieben und dann wurde ihm vorgehalten, er sei krank gewesen.
Zwei unserer Leute wohnen zusammen und wollten auch zusammen Urlaub haben, da wurde die Ernsthaftigkeit der Beziehung in Frage gestellt.  Die Ausbildung im Betrieb ist glatt mangelhaft. Vom Meister wird nix erklärt, der ist dumm wie Scheisse. Und wenn er was erklärt, dann auch noch falsch.
Sicherheitsvorschriften...? Was für Sicherheitsvorschriften? Die Arbeit ist lebensgefährlich. Bei Eisregen draußen arbeiten. Bei Gewitter. Bei Sturm. Bei 40°C.
Sexistische Anspielungen, Einmischung ins Privatleben. Fragt den Azubi, warum er nicht bei seinem Stiefvater wohnen geblieben ist, als seine Mutter sich von dem getrennt hat.
Stellt seine Leute vor Kunden als faule Schweine hin. Bei 450 Überstunden... Ist klar. Er beleidigt Kunden, bescheisst die auch noch, indem er Fantasiepreise abrechnet und ein MItarbeiter hatte einen Nervenzusammenbruch, ein anderer einen Herzinfarkt.
Ich lasse mir eigentlich nix von ihm gefallen und bin recht wehrhaft. Aber ich empfinde inzwischen blanken Hass für diese Person.

Na ja, ich spiele mit dem Gedanken da zu verschwinden. Zwei meiner Kollegen auch. Ich habe seit zwei Jahren ein Tagebuch über die Vorfälle geführt. Mit  Datum, Uhrzeit. Nur wie das halt so ist... Arbeitsplätze sind dünn gesäht. Mit dem Arbeitsamt möchte man doch lieber nix zu tun haben. Außerdem hat der Chef Connections. Er ist seit 40 Jahren im Geschäft und er wird dafür sorgen, dass keiner von uns einen Fuß auf die Erde bekommt.

Allerdings bin ich so durcheinander und mir geht es seit dem Spruch mit dem Berufsabschluss so mies, dass ich eigentlich gar nix mehr hinbekomme. Wie halte ich das noch so lange aus, bis ich meinen Absprung vernünftig organisiert habe?

Danke fürs Lesen.

Lg Chlorophytum

Rudolf Rocker:
Moin Grünlilie!

Schon beim ersten durchlesen sind mir ein paar Dinger aufgefallen, die Arbeitsrechtlich doch schon ziemlich fragwürdig sind. Um dem Urlaub zu verweigern muss der Chef schon gute Gründe haben und eine Ablehnung muss er schriftlich begründen. Die Höhe der Überstunden dürfte auch gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen.
Was Du schreibst, hört sich ein bißchen nach GaLa- Bau an. Da gibt es richtige Schweinefirmen.
Ich rate Dir mal dringend eine Gewerkschaftsvertretung aufzusuchen bzw. anzurufen. (Wenn ich mit GaLa- Bau richtig liege ist das die IG BAU.
Und das dein Chef soviele Connections hat, das du nie wieder irgendwo einen Fuß in die Tür bekommst, wenn Du da in den Sack haust, ist ein purer Mythos!
Die Firmen stehen alle in Konkurrenz und so mancher Mitbewerber freut sich über Insiderwissen aus anderen Firmen!
Wenn´s gar nicht mehr geht, geh zum Hausarzt und schildere deine Situation.

counselor:
Mit Deinem Mobbing-Tagebuch hast Du gute Karten,  wenn es um eine hohe Abfindung geht. Du solltest auf jeden Fall zur Gewerkschaft oder zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.

BGS:
Moin "Chlorophytum".

herzlichen Dank fuer Deine Schilderung , leider gibt es solche Zustände wohl weltweit.

Ich selbst arbeite seit Jahren in einem skandinavischem Hafen als Gabelstaplerfahrer, nachdem mir die Zustände in Deutschland unerträglich geworden waren trotz "guter" Jobs im Reederei- und Logistikbereich. Daher beherrsche ich nun z. B. vier Sprachen.

Doch heute musste ich mir indirekt herablassende Äusserungen meines schlicht gestrickten Chefs vor Kunden anhören und leide sehr unter derartigen unberechtigten und unnötigen Kränkungen.

Dennoch werde ich weiter kämpfen um vollständige Anerkennung durch die Tatsache meiner sehr guten Arbeit. Im Wissen, dass auch andere Zeiten kommen werden.

Fehlt noch, dass einen miese "Chefs" und Ausbeuter klein kriegen. Lieber halte ich durch und sehe zu, mich durch Sport, Kunst, Literatur und Meditation fitter zu halten, als meine Vorgesetzten. Denn die Zeit spielt fuer uns.

Lass' Dich nicht zermuerben. falls möglich, und sei Dir Deines Wertes -auch jenseits der Arbeitswelt- stets bewusst.

Auch ich bin seit Jahren mitunter erschöpft, doch sage ich: "Lever duad, as slaaf" = Lieber tot, als ein Sklave.

MfG

BGS

Chlorophytum:
Hi!

Ja, bingo, ist Galabau/ Baumschule. Gestern hat sich einer der Azubis bei mir gemeldet und meinte, er sollte Samstags arbeiten. Hat er abgelehnt, da sagte der Chef, 48 Stunden/ Woche wären Vorschrift. Was totaler Schwachsinn ist, im Vertrag standen 40 Stunden.
Wenn ich das schon höre...
Und wenn ich mir das Arbeitszeitgesetz so durchlese, da stimmt ja gar nix. Und der Chef nutzt mit der Begründung "Wir sind Landwirtschaft" jedes Schlupfloch, dass es gibt.
Sein Sohn ist noch bekloppter im Kopf. Der tut den ganzen Tag nix anderes als uns hinterherzuschleichen und bei der Arbeit zu beobachten, was wirklich ausgesprochen unangenehm ist.
Und schleichen ist nicht übertrieben. Er bleibt in Deckung, und dann sieht man ihn plötzlich irgendwo stehen, wie er gerade rüberstiert.
Na ja, ich könnte noch 200000 Sachen aufschreiben, die bei uns so abgehen. Was aber grad gar nix ändert. Gewerkschaft erscheint mir auch ganz sinnvoll.

Danke für eure Ratschläge!



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