Autor Thema: Mit den Nerven am Ende  (Gelesen 36575 mal)

Onkel Tom

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #15 am: 14:39:26 Mo. 17.Oktober 2016 »
Wenn Du mit dem Gedanken spielst zu kündigen, würde ich mich nicht
auf das verlassen, was das Jobcenter davon mündlich hält.

Nach einer Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst, kommen sie gern auf
Sanktionsideen.

Der Anteil an Sanktionen die wegen Arbeitsplatzaufgabe verbraten werden,
sind auf Platz 1. was Sanktionsgrund und Einsparungen angeht.

Wenn die Gesundheit das Arbeitsverhältniss nicht mehr aufrecht erhalten
lässt und dies durch Dein Fach-Doc auch noch diagnostiziert wird, schaut das
ganze besser aus.
Ein Attest wie "Aus medizinischer Sicht ist das derzeit bestehende
Arbeitsverhältnis meines Patienten nicht mehr zumutbar" schaut das ganze
noch besser aus.

Daraus wird ein sogenannter "wichtiger Grund" deutlich und musst Dich eher
nicht mit Sanktionsärger abkaspern..

Was vom Jobcenter mündlich kommt, wird später im Falle des Falles gern
verdreht oder verleugnet, hauptsache es kann sanktioniert werden.

Die Jobcentren, egal wo, haben das Vertrauen zu ihren Anspruchsberechtigten
schon laaange verspielt.

 ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #16 am: 15:39:00 Mo. 17.Oktober 2016 »
Hallo Onkel Tom,
da hast Du wohl leider recht. Deshalb bin ich auch beim Doc in Behandlung wegen chronischer Schmerzen, die es gibt, seit ich in der Pflege arbeite.

Ich könnte ständig die Wände hoch und runter gehen wenn ich mir betrachte was so läuft: Arbeitgeber können Menschen verheizen, die Jobagenturen machen mit (so, dass manche Mitarbeiter schon selber sagen "Unmöglich, was sich ein Arbeitnehmer bieten lassen muss", aber diese Aussage kommt nach "eiinen Moment, ich muss die Türe schließen". Oder "wir als Arbeitgeber sind ja auch nicht besser mit unseren Jahresverträgen. Wo soll da die Motivierung herkommen.". Komisch nicht, keiner ist selber zufrieden, viele motzen und dennoch sinid wir alle in der Tretmühle gefangen oder treten uns selber fest. Und wenn es dann an die Wahlen geht - den kleinen Punkt - wo rebelliert werden kann, da gewinnen dann auch noch Modelle, die ganz weit weg sinid von gut und böse; die noch tiefer graben im Kreis derer, denen es "schlecht" geht und derer "die alles verloren" haben.

Nur, lieber Onkel Tom, da ja nur in den Medien so viele Jobs vergeben sind wie lange schon nicht mehr. Wohl auch nur solche, wo ein Drittel dieser Beschäftigten zwei Jobs benötigt um durch Leben zu kommen, ist es relativ schwer in der Teenagerspätlese etwas zu bekommen. Die eine oder andere Sache hätte funktioniert (wenn ich beispielsweise zwei Monate der Einarbeitung kostenfrei gearbeitet hätte .... und das für eine Mutterschaftsvertretung, wo der Job von heute auf morgen zu Ende sein kann und auch noch in Teilzeitbasis). Was auch auffällt: in meiner Region hat die Zeitarbeit nun noch mehr Zulauf. Klar, da kann der Entleiher ein paar Menschen verbraten, denen dann Hoffnungen machen und sie hinterher auch abschießen.

Leute, so habe ich mir das alles nicht vorgestellt.... und dabei verschärft sich alles ja noch zunehmends...

lieben Gruß von Dagmar

Onkel Tom

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #17 am: 23:36:06 Mo. 17.Oktober 2016 »
Ja, Du erzählst hier Deine Situration, die unmissverständlich beschreibt, was
der "moderne" Arbeitsmarkt mit dem Lohnerwerbsabhängigen so alles anrichtet.
Anbei bleibt alles Menschliche auf der Strecke.

Den Preis, den Du für Deine Arbeit bezahlst, ist hoch. Dein Körper schreit nach
Erhohlung. Du kämpfts dagegen an, hauptsache Du hast Arbeit. Auf die Allüren
der Jobcentren hast Du erst recht kein Bock, also sagst Du Deiner Gesundheit
"Halts Maul und quäl mich nicht".. Wat ein Teufelskreislauf...

Fazit: Wegen Ängste machst Du gezwungendermaßen weiter wie bisher.

Einziges Ventil ist die Wände hoch und runter laufen. Wow. Du kannst Dich
wenigstens über die "Verwahrlosung des Arbeitsmarktes" aufregen.
Andre haben auch mit ihrer Gesundheit Risiko gespielt und sind heute nicht
mal mehr in der Lage Brötchien zu sagen. Resignierend arbeiten sie ihren Rest
ab, bis sie umfallen.. Der Wille gebrochen und macht mit mir doch was ihr wollt.

Was hälat Du denn mal davon, über Deinen eigenen Tellerrand zu schauen..
Schnell enteckts Du Mitmenschen, denen es genau so geht und Dir vorher garnicht
so als "Leidensgenossen" aufgefallen sind.
Erstaunt lohnt es sich mal zu einem Kaffeeklatsch zu treffen und Euch über
eure Sorgen aus zu tauschen. Die Chancen sind hoch, das ihr nicht lange zu zweit
bleibt..

Ich möchte damit sagen, es wird Zeit, der Vereinzelung entgegen zu wirken und
am besten nicht allein gegen die Situration an zu kämpfen.

In den 70zigern hieß es noch "Arbeiten um zu leben" Dies bedeutete mehr Lebens-
quallität, Lebensplanung, Urlaub usw.

Heute ist der Spieß umgedreht "Leben um zu arbeiten" und bedeutet Mehreinsatz
und hast nüscht davon. Weder die Grundlage einer funktionierenden Lebensplanung,
noch darfst Du Dich wenigstens 1 mal pro Jahr in den Flieger setzen und der
Sonne entgegen lächeln. Geschweige Null Arbeitsplatzsicherheit..

Ja, Mensch könnte jetzt darüber träumen "Die guten alten Zeiten" und zur Gegenwart
jammern, aber das half noch nie was und heute ein oft genutzter Weg, vor sich selbst
und vor seinen möglichen Mut zu flüchten. Tu Dich zusammen mit anderen, beackert
Eure Schnittmenge Eurer Interessen und wenig später könntet ihr daran Freude bekommen,
Eure Wut über die gegenwärtige Arbeitswelt an den Orten eurer Painiger aus zu
lassen. Denn dann bekommenen sie genau die Angst zurück, die Euch sonst erdrückt.

Allein machen sie Dich ein. Gemeinsam sind wir stark.
Lass Dich nicht verhartzen !

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #18 am: 20:08:37 Di. 18.Oktober 2016 »
Hallo Onkel Tom,
das hast Du super geschrieben!

Ich habe mir nach dem Lesen überlegt, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre tatsächlich mal etwas mehr als den Kaffee zu trinken mit vielen anderen, denen es ähnlich oder ebenso geht. Bisher habe ich mich politisch schön raus gehalten, weil ich als einziges kleines Würmchen eh nichts bewegen kann. Wenn aber jedes kleine Licht das denkt, dann gehen bald die Lichter aus - weil es genau so ist wie Du schreibst: viel zu viele machen es so wie ich, schleifen sich durch und ändern nichts.

Weißt Du, was mich an mir und meiner derzeitigen Lebensweise am meisten ärgert? Es ist eigentlich genau das Duckmäusertum, welches ich verurteile und welches dafür sorgt dass Unrecht nicht auf den Tisch kommt. Komisch, wenn anderen Unrecht geschieht, dann schaffe ich es meinen Hintern zu schwingen, vielleicht sollte ich mal begreifen wie eng mein Tellerrand mit dem des Nachbarn zusammenhängt ....

Lieben Gruß von Dagmar

Onkel Tom

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #19 am: 11:53:31 Mi. 19.Oktober 2016 »
Naja, in erster Linie ist es doch wichtig, erstmal auf seinen eigenen Körper zu hören.

Genau so, wenn dem Körper etwas fehlt, meldet er Appetit auf das, was dem Körper
gerade fehlt. Anbei die Gesundheit nicht ignorieren, ist Mensch schon mal weiter.
Weiter kommt dann noch das seeliche Befinden hinzu.

Hat Mensch diese Dinge für sich selbst reflektiert, kommt die Erkenntnis, wie mann
ausgeglichener existieren könnte und wie man in seiner Freizeit mit etwas anfangen
könnte um für sich Ausgleich zu schaffen.

Ich hatte den Punkt, mich zu analysieren, was mache ich, warum bin ich unzufrieden
und dann habe ich danach geschaut, wie ich denen, die mir Unzufriedenheit
einbringen, zurück ärgern könnte.

Wie der ganze Hartz-4-Schrott beschlossen wurde, habe ich nach 2 Jahren erfolglosen
Bewerben vor lauter Wut meine Computerecke zerdeppert. Eine Absage von x Absagen
hatte dazu gereicht, das mir klar wurde, egal was ich mache, es funzt nicht.

Hätte ich a la "Es sind immer andere schuld" oder "Da kann ich sowiso nicht gegen machen",
wäre ich in der Misere wohl hängen geblieben. Mit Selbstmitleid kommt man auch nicht weiter..

Ok, gegen die neuen Gesetze konnte ich zunächst nichts machen, aber habe mich dann
einer Erwerbslosenini angeschlossen und mich an Aktionen beteiligt, wo ich Ausgleich
fand.

So, wie das Jobcenter und diese SGB-Änderungen mich ärgern, konnte ich dann innerhalb
einer Gruppe durch Protest etc. genau die zurück ärgern, die mir die Misere eingehandeln.

Es dauert seine Zeit, sich neu zu orientieren, aber ich bereue es nicht und fühle mich
mittlerweile besser.

M.s.G. Tom  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #20 am: 14:06:39 Sa. 04.Februar 2017 »
Hallo Ihr Lieben,
etwas Zeit ist vergangen und mein Arbeitgeber, von dem ich damals schrieb ist verstorben. Ich hatte ziemlich an Stärke gewonnen, mich munter beworben und auch das eine oder andere Vorstellungsgespräch gehabt - jedoch kein Arbeitsort wo Herz, Verstand und mein Können vor Freude gehüpft wären. Denn die Aufgaben müssen ja auch so sein, dass beide Seiten etwas davon haben.

Nunmehr bin ich also von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden (habe das alles wohl dem RA übergeben, da normalerweise eine Auslauffrist vor Gericht erstritten werden kann, ob das aber lohnt ist die andere Frage).

Durch das Lesen vieler Erfahrungen von Euch habe ich einige Zeitarbeitsfirmen beleuchten und befragen dürfen, was diesen "komischerweise" nicht gefiel. Wenn mir Zeitarbeit vorgeschlagen wird, so nehme ich natürlich die Gespräche wahr, wirke mit und werde durch meinen Fragenkatalog an die ZAF-Firmen (komisch oder?j uninteressant.

Es fällt mir sehr schwer, die guten Ratschläge und Meinungen der ARGE zu teilen. Ich habe mich selber über mich geärgert, weil ich mich selber auf Widerstand gebürstet habe. Denn eigentlich muss ich nur deren Gequatsche überstehen und kann dann zu den Bewerbungen und Gesprächen finden, die mich ansprechen.

Ich muss nun versuchen, meinen ständigen Kreislauf von "Hauptsache Arbeit" zu unterbrechen. Das führte nämlich immer nur zu schlechteren Konditionen und Gesundheitsschäden. Der Weg ist jedoch nicht einfach, da ich in dem Moment wo ich sage, Zeitarbeit und Higher-Firer-Unternehmen sind keine Perspektive sondern münden nur wieder in Arbeitslosigkeit, den einen oder anderen schnippischen Kommentar höre. Durch die Masse an Anträgen und Formularen und die netten Gespräche bei der Arbeitsagentur muss ich schon immer sehr am Selbstwert feilen, der nach diversen Aktionen droht in den Keller zu sinken. Ich denke, da gehrt es mir ähnlich wie von Onkel Tom geschildert. Ja Tom, da habe ich von Dir gelernt: für jedes Vorstellungsgespräch bei einer ZAF müssen auch die SB bei der Arge etwas tun: Reisekostenanträge bearbeiten und viele Rückfrage-Mails ob Probearbeit genehmigt, wenn ja wie oder was oder überhaupt....

Ja, heute - auch nach Posts von Euch - bekomme ich wieder etwas Boden unter den Füßen schreibe Bewerbungen dorthin, wo ich den Job bewältigen kann und dieser mir auch Spaß machen könnte und bereite mich mit Fragenkatalogen auf die Gespräche vor, die ich durch VV führen muss. Ist dort durch Zufall etwas Gutes dabei - schön, dann freue ich mich sehr. Zumeist sind die aber schon bedient wenn ich beim Vorstelljungsgespräch näheres über die Unternehmen wissen möchte, die mir da gerade so als "alleiniger Heilsbringer" serviert werden, obwohl im Internet schon seitenweise die Art und Weise von Higher-and-Fire-Unternehmen (nicht Zeitarbeit) beschrieben sind.

Aber Leute: es kostet Nerven und Kraft! Was Ihr hier alle schon geschafft habt, steht noch vor mir....

Gruß von Dagmar




Wernichtsweissmussallesgl

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #21 am: 23:58:40 So. 05.Februar 2017 »
Hallo Dagmar. Ich versuche seit 2 Jahren eine andere Stelle zu bekommen.
Das unmöglichste Unternehmen verlangte eine kostenlose Probearbeit, wo ich noch in Stellung bin. Unglaublich was die sich einbilden.
Diesem Spinner habe ich mitgeteilt das ich mehr Meisterstücke gebaut habe, als er. Da brauche ich keinem etwas zu beweisen. Liegen ja auch 25 Jahre Berufserfahrung auf dem Tisch in Form von Arbeitszeugnissen. Diesem Ausbeuter habe ich noch eine fette Email geschrieben die er  hoffentlich meinem Arbeitgeber weitergeleitet hat. Unmöglich nach einer 50 Std. Woche noch nach Arbeit zur Probe zu fragen. Er fände das nur Fair!!!!!
So sind die Söhne von Firmenerben. Der regt mich immer noch auf. Aufforderung zur Schwarzarbeit! Sowas aber auch.
Ich wünsche Dir viel Kraft etwas neues zu finden.  Ich möchte mal wissen wann ich endlich gekündigt werde.
Ich denke ich mache die 18 Monate Krankengeld voll. Der Gesundheit zuliebe. Solche Arbeitgeber gehören angezeigt beim Zoll.

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #22 am: 07:40:36 Mo. 06.Februar 2017 »
Hallo Wernichtsweissmussallesgl,

Du hast absolut recht - und bist schon ein vielfaches weiter als ich: Du bist nämlich in der Lage Dich als erstes zu stellen und klar für Deine Gunsten zu entscheiden. Bei mir geht das noch zögerlich. Ich bekam einen Job (wäre nur 50%, Mutterschaftsvertretung) angeboten. Hätte aber zusätzlich zum 100% Job noch einen Monat beim neuen Arbeitgeber (vermutlich unendgeltlich) arbeiten sollen. Da ja meine Kündigungsfrist den Beginn in seiner Arztpraxis unnötig heruasgezogen hätte. Ich habe NEIN gesagt, aber dennoch .... mich immer wieder gefragt ... wenn Du dann menschenwürdigere Verhältniss hättest. Totaler Bullshit!!! Wer nämlich solche Wünsche an jemanden heranträgt, der ist meilenweit von menschenwürdig entfernt.
Auf den Gedanken der Schwarzarbeit war ich damals noch gar nicht gekommen... da sieht man wie naiv ich bin.

Ich arbeite mich jetzt mal durch die Gesetze und brauche dann auch noch Zeit, dieses für mich zumzusetzen. Es begriffen zu haben ist ein paar Stiefel - für mich das nächste Paar auch für mich kämpfend einzutreten.

Wie lange bist Du schon in Deiner Klitsche? Mit befristetem Vertrag oder unbefristet? Für mich habe ich schon oftmals im Ende einer Befristung eine Erleichterung verspürt, weil dann der Job dort vorbei war .... dann aber kamen die Freunde der ARGE, die nur das besste wollten ;-) Und genau das muss ich umsetzen, dass deren Bestes (Quote) ganz sicher nicht mein Bestes ist....

Lieben Gruß von Dagmar und toi toi toi

Kuddel

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #23 am: 12:17:44 Mo. 06.Februar 2017 »
Ich glaube, das wichtigste ist, erstmal zu begreifen, daß man nicht selbst schuld hat.
Diese schwer- oder überhauptnicht aushaltbaren Bedingungen im Job breiten sich immer weiter aus.
Natürlich sollte man gemeinsam gegen solche Zustände vorgehen, aber mit diesem Spruch ist einem nicht geholfen, wenn man sich in einer solchen Situation befindet und es nicht mehr ertragen kann.

Dann muß man schnell nach einem individuellem Ausweg suchen. Zu den ersten Schritten gehört es, sich eine Leck-mich-am-Arsch-Haltung zuzulegen und zum Arzt zu gehen. Zum einen ist ein solcher Zustand alles andere als gesund, zum anderen sollte man sich klarmachen, daß der "gelbe Schein" auch ein legitimes Kampfmittel sein kann.

Dann muß man sehen, wieviel Rückhalt und wieviel Mut man hat und welche Möglichkeiten der Notwehr man sieht.
Es ist gut, wenn man sich nicht verrückt machen läßt, sich Zeit nimmt und mit anderen quatscht, damit man nicht von einem Desaster zum nächsten stolpert.

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #24 am: 15:01:38 Mo. 06.Februar 2017 »
Hey Ihr, hallo Kuddel,
ich versuche gerade das für mich umzusetzen. Ich war seither eher angepasst und habe versucht, Anforderungen anderer zu erfüllen. Dieses bedeutet aber im Umkehrschluss, dass von mir mehr genommen wurde, als ich zu geben bereit und in der Lage war.

Nun sollte ich also lernen für mich einzustehen und auch meine Rechte zu begreifen und auch zu leben. Das wird bei mir noch dauern, bis es richtig sitzt. Fakt ist aber, dass ich heute beim Gespräch bei der ZAF mit einem Ordner aufgelaufen bin, was den Sachbearbeiter schon etwas irritierte. Der war nett, kein Thema - will ja auch erst mich einkaufen, um mich dann gewinnbringend zu verkaufen....

Meine finanzielle Schmerzgrenze habe ich wesentlich höher gesetzt als mein letzter Stundenlohn war. Zeitarbeit ist für mich "Schmerz" und da muss auch das entsprechende Schmerzensgeld dabei sein. Ich habe unmissverständlich klar gemacht, dass ich Bewerbungsgespräche auf dem freien Markt habe und somit die Zeitarbeit für mich nur als Überbrückung in Frage käme - ich somit sofort kündigen würde wenn andere Möglichkeiten sich anböten. Arbeitsbereit ja, aber nicht zu jedem Preis und jederzeit. Deshalb auf evtl. Arbeitsbeginn nach Absprache. Natürlich hatte er "Verständnis", dass ich einen eventuellen zukünftigen Arbeitsvertrag erst mal mitnehmen und prüfen lassen wollte. Sorry, geht nicht anders, auch wenn heute ein Auftrag ist und morgen sein Kunde einen Mitarbeiter vor sich stehen sehen will. Ich muss für meine eigene Rechtssicherheit sorgen....
Auf die Frage -die mich erstaunte denn ich solle ja als Kaufmann eingesetzt werden- ob ich wieder in die Pflege ginge musste ich verneinen. Zum ersten ist mir der Lohn dort zu gering, zum zweiten habe ich dadurch bereits chronische Rückenschmerzen.... denen ich mit regelmässiger Akkupunktur zu Leibe rücken muss....
Das Gespräch blieb ohne Ergebnis offen - ein defenitives Arbeitsangebot ist mir nicht erteilt worden. Auch auf Probearbeit bin ich nicht angesprochen worden (und das obwohl ich soviele schöne Dinge dabei hatte ... EGV wo steht keine Zeitarbeit wird finanziert, eine Mail der ARGE wo ebenfalls steht bei Probearbeit muss Zeitarbeit Arbeitsvertrag machen).

Am Mittwoch ist das nächste Gespräch, auf welches ich mich vorbereits. Bei einem Higher-Fire-Arbeitgeber. Auch an diesen habe ich einen Fragenkatalog. Genau dieses schrittweise Kuddel, ist das, wo ich für mich lernen muss meine Wünsche zu überlegen. Keine Schnellentscheidungen weil mich jemand mit schönen Worten vollgeschwallt hat ....

Aber genau das muss ich lernen diesen Pokerfaces lächelnd entgegenzutreten und kein Wort zu glauben. Ob Wirtschaft oder Politik, hier geht es niemandem um menschliche Arbeitsbedingungen sondern um Profit, Diäten oder gute Renten... aber nicht um meine gute Rente, darauf ist nämlich niemand bedacht....

Wie stark mein eigener Mut und mein eigenes Rückrad(t) sind, das muss sich noch entwickeln und zeigen. Je mehr ich aber frage und hinterfrage, desto häufiger widersprechen sich die "Helfer" von ARGE und ZAF selber. Im Moment für mich sind das ganz wichtige Grundlagen.....

Gruß von Dagmar

counselor

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #25 am: 15:13:34 Mo. 06.Februar 2017 »
Ich wünsche Dir viel Glück,  liebe Dagmar.  Es ist nämlich ziemlich schwer,  gegenüber Arbeitgebern und Vorgesetzten eigene Bedürfnisse zur Geltung zu bringen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #26 am: 15:18:04 Mo. 06.Februar 2017 »
Es ist saumässig schwer - vor allen Dingen, wenn jemand wie ich in der Vergangenheit gutes Kanonenfutter war.  Nur war ich wohl genau deshalb Kanonenfutter, weil ich mich selber hinten angestellt habe. Naiv war ich zu denken, wenn ich in Vorleistung gehe, dann merkt es der andere schon und kommt mir dann entgegen.... war nicht, ist nicht und muss irgendwie anders werden.

Aber ich habe nun einfach mal angefangen. Mal wird es besser gehen, mal schlechter .... wenn ich aber für mich klug genug bin keine vorschnelle Entscheidung zu treffen, dann bin ich schon auf dem richtigen Dampfer. Dann nämlich bleibt mir im Nachgang noch Zeit zum Überlegen, wo man/frau dann im Regelfall schon sehr wohl spürt was man/frau will oder nicht.

Ich denke das schwerste wird die ARGE mit subtilem Druck und ZAF-Angeboten sein.

Lieben Gruß von Dagmar

dagobert

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #27 am: 06:20:50 Di. 07.Februar 2017 »
Nun sollte ich also lernen für mich einzustehen und auch meine Rechte zu begreifen und auch zu leben. Das wird bei mir noch dauern, bis es richtig sitzt.
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.  ;)

Auch auf Probearbeit bin ich nicht angesprochen worden (und das obwohl ich soviele schöne Dinge dabei hatte ... EGV wo steht keine Zeitarbeit wird finanziert, eine Mail der ARGE wo ebenfalls steht bei Probearbeit muss Zeitarbeit Arbeitsvertrag machen).
6 Monate Probezeit sind in der Leiharbeit ohnehin Standard, da ist eine zusätzliche Probearbeit schlicht überflüssig.

Die EGV ist übrigens ein Vertrag zwischen dir und dem JC, das Ding geht keinen Dritten etwas an. Keine ZAF, keinen Maßnahmeträger, schlicht niemanden.

dagmar

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #28 am: 09:21:24 Di. 07.Februar 2017 »
Hey Dagobert,
das ist mir klar, aber den Passus darüber, dass Zeitarbeit von der ARGE nicht finanziert wird, den hätte ich ihm schon vorgelesen. Verbunden mit der dummen Frage ob das was mit den Statistiken und Ergebnissen der Arbeitsagentur zur Zeitarbeit zu tun hat.

Auch bin ich ja arbeitswillig - muss somit auch Probearbeit erdulden - aber natürlich nicht ohne Versicherungsschutz. Somit (wie Rudolf Rocker so schön sagte) Probearbeitsvertrag mit Probegehalt für die Zeit der Probearbeit ... denn ich möchte bitteschön schon versichert sein, wenn ich schon den Depp spielen darf.

Es ist ja jetzt länger her, dass ich irgendwelche Anträge stellen musste wie ALG oder Wohngeld. Bei jeder Aktion fällt mir auf, dass der Antrag zum Erhalt eines Antrages mit 30.000 Anlagen, die einzureichen sind, verbunden sind. Vermutlich geht in diesem unserem Sozialstaat doch langsam das Geld aus und die Mitarbeiter bekommen von oben Druck ohne Ende. Ich als Arbeitsloser der nicht will Sanktionen - die Ämter wenn sie nicht kleinkariert sind Abmahnungen - bei jedem von uns geht es ans Überleben. Natürlich haben wir in Deutschland noch eine recht gute Überlebenschance, wir haben Krankenversicherung, im Notfall die Tafeln und und und .... Nur: ein Land mit ständig wachsenden Steuereinnahmen und wirtschaftlichem Wohlstand und ganz unten solche, die krebsen und sich den Hochmut der "elitären" Klasse anhören müssen, ist einfach so daneben.

Letzterer Punkt gilt nicht für mich, ich bin noch in der Lage mich zu wehren und habe noch die Kraft für die Formulare und es erwächst in mir auch jetzt eine bockige "und jetzt erst recht" Haltung; im Notfall sind tatsächlich auch noch Freunde für mich da - sogar finanziell. Aber wie viele verlieren in solchen Situationen noch den letzten Rest von Kraft.... nicht nur von Kraft, sondern der Möglichkeit zum Überleben. Sanktionen  noch weniger Geld als zuvor (welches so und so schoon nicht reichte) also hungern, damit die Betreffenden nicht wohnsitzlos werden, oder???

Ey, es kotzt mich einfach an.... es wurde hier mal was aufgebaut ... ich wurde erzogen im Sinne von vorurteilsfrei, egal ob weiss oder schwarz, Muselmane oder Christ, in Schulen ging es nicht um Markennamen und ich Arsch fange schon an wie die alten "mit früher war alles besser". Darüber ärgere ich mich fast am meisten ;-) Aber ich weiß tatsächlich nicht, was ich tun soll um gegen Misstände anzugehen. Das kann ich nur in meinem persönlichen ganz kleinen Rahmen im Tierschutz und im menschlichen Bereich.

Der Kreis hier in Deutschland schließt sich einfach nicht mehr, diese vermeintliche Solidargemeinschaft wird durch genau solche Aktionen wie Zeitarbeitskonten doch noch schwächer gemacht. Genau diese Gelder stehen dem Mitarbeiter nicht für Kaufkraft zur Verfügung, evtl. den Sozialversicherungsbehörden sondern nur denen, die ja dann die Wirtschaft darstellen.... ZAFS

Boah,,, ich gehe rausd Holz schleifen - ich bin nämlich Holzheizer und habe nicht den Luxus einer Zentralheizung ... dafür aber den Luxus von oftmals 5 Grad im Badezimmer.... wach werden auf die ganz feine Art ... und duschen besonders für Hitzeköpfe wie für mich sehr entspannend ...

Gruß von Dagmar

dagobert

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Re:Mit den Nerven am Ende
« Antwort #29 am: 09:45:15 Di. 07.Februar 2017 »
aber den Passus darüber, dass Zeitarbeit von der ARGE nicht finanziert wird, den hätte ich ihm schon vorgelesen. Verbunden mit der dummen Frage ob das was mit den Statistiken und Ergebnissen der Arbeitsagentur zur Zeitarbeit zu tun hat.
Das dürfte wohl eher in der rechtlichen Situation begründet sein. So gab es bis Ende 2016 in der Leiharbeit eine rechtsverbindliche Lohnuntergrenze (faktisch ein Branchen-Mindestlohn, siehe § 3a AÜG, LohnUGAÜV2), so dass jede 0,00€-Arbeit einen Mindestlohnverstoss und damit eine Straftat darstellte.
Nachdem die neuen Tarifabschlüsse vom November inzwischen von allen beteiligten DGB-Gewerkschaften abgesegnet wurden, dürfte es da auch bald eine neue Verordnung geben.