Autor Thema: Rechter Terror  (Gelesen 21327 mal)

Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #60 am: 12:50:19 So. 07.Oktober 2018 »
Zitat
Ein scheinbar unpolitischer Mord

Vor 15 Jahren erschoss ein bekennender Neonazi in Overath bei Köln drei Menschen. Das Innenministerium von NRW aber spricht bis heute nicht von einer rechtsextremen Tat.


Overath, 7. Oktober 2003: Der Ex-Söldner Thomas A. trägt wie immer ein schwarzes Hemd mit SS-Runen am Kragen, als er kurz nach 16 Uhr bei der Anwaltskanzlei von Hartmut N. klingelt. Im Treppenhaus übergibt ihm seine Freundin Jennifer D. die mitgebrachte Sporttasche. Darin befinden sich eine Pumpgun, Munition und Kabelbinder.

Die Ehefrau und Mitarbeiterin des Anwalts, Mechthild B., öffnet. Der 45-jährige Rechtsextremist behauptet, er habe einen Termin. Als Mechthild B. ihm widerspricht, erschießt er die Frau aus nächster Nähe. Daraufhin stürzen Rechtsanwalt Hartmut N. und dessen 26-jährige Tochter Alja aus ihren Büros.

Der Bewaffnete zwingt sie, sich auf den Boden zu legen, wo die 19-jährige Jennifer D. sie mit Kabelbindern zu fesseln beginnt. In einem Nebenzimmer stiehlt Thomas A. derweil rund 70 bis 90 Euro aus einer Geldbörse. Dann exekutiert er sein zweites und drittes Opfer durch Kopfschüsse.
Parallelen zum Amoklauf im Münchner Einkaufszentrum

Beide Täter können zunächst fliehen. Am Tag nach den Morden taucht Thomas A. bei seinem „Kameraden“ Konstantin S. auf und erklärt ihm, der „Krieg“ habe begonnen. Mit der Aufforderung „Jetzt bring du dein Ding mit deinem Anwalt zu Ende“ übergibt er die Pumpgun.

Thomas A. plant eine rechtsextreme Mordserie: Die Waffe soll von „Kamerad“ zu „Kamerad“ weitergereicht werden, um neben Juristen weitere „Hochverräter“ wie Politiker und Journalisten zu erschießen. Doch Konstantin S. befolgt die Anweisung nicht, sondern geht ein paar Tage später zur Polizei.

Noch auf freiem Fuß verfasst Thomas A. ein Flugblatt mit der Überschrift „Deutsches Volk!“. Darin schreibt er im Namen einer „39. SS-SD Division ‚Götterdämmerung‘“, dass „Teile der in der Schutzstaffel zusammengefassten Deutschen Streitkräfte“ am 7. Oktober 2003 „mit der Befreiung des Reichsgebietes und der strafrechtlichen Verfolgung der Hochverräter begonnen“ hätten.

Dieses Manifest stellt die Polizei nach der Verhaftung von Thomas A. am 14. Oktober 2003 sicher, zusammen mit weiteren Aufzeichnungen und einer Liste mit Zielpersonen. Auch in der Haft benennt der Neonazi in einem „Offenen Brief“ an den „Kölner Stadt-Anzeiger“ seine politischen Motive: Bei der „Exekution dieser drei wertlosen zerstörerischen Elemente“ habe es sich um eine „Maßnahme zur Gesundung des Deutschen Volkes“ gehandelt.

Im Dezember 2004 verurteilte das Landgericht Köln Thomas A. wegen Mordes zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Diese sei notwendig, weil – so das Urteil – Thomas A. „den bewaffneten Kampf nach seiner Haftentlassung  fortzusetzen gedenkt“. Komplizin  Jennifer D. erhielt wegen Beihilfe  siebeneinhalb Jahre Jugendstrafe.
 
Für die Polizei ist der Dreifachmord von Overath trotzdem keine rechtsextreme Tat - bis heute.
...
Das Landgericht Köln stellt 2004 in seinem Urteil fest: Thomas A. radikalisiert sich Anfang 2002 und lässt regelmäßig Hasstiraden gegen „Hochverräter“ los. Er schart Neonazis um sich, um eine „Kampfgruppe“ aufzubauen. Mehrfach führt er mit ihnen paramilitärische Übungen durch. Sein Ziel sei eine „nationalsozialistische Revolution“ gewesen, so das Gericht.
...
Wie wichtig die Wahrnehmung komplexer Zusammenhänge ist, zeigt auch die Vorgeschichte des Overather Dreifachmordes. Denn die Behörden hatten Thomas A. bereits vor der Tat jahrelang im Visier. 1996 führt der Verfassungsschutz sogar drei Gespräche mit ihm. „Dafür wurde ihm eine Aufwandsentschädigung von insgesamt 350 Mark gezahlt“, sagt das NRW-Innenministerium.
...
Spätestens im September 2003 entschließt sich A., Raubtaten zur Finanzierung des „bewaffneten Kampfes“ zu begehen. Mit Jennifer D. spioniert er mindestens ein Steuerberatungsbüro aus. Auch diese Erkenntnisse ändern die Bewertung des NRW-Innenministeriums nicht, auch nicht im Nachhinein.

Wissenschaftler Kopke findet das falsch: Für die Gesellschaft sei es wichtig, das Ausmaß rechten, rassistischen Terrors zu kennen. „Alles, was wir aus der Statistik rausdrücken, wird auch aus der Wahrnehmung rausgedrückt.“
http://www.fr.de/politik/rechtsextremismus/rechtsextreme-ein-scheinbar-unpolitischer-mord-a-1596060,0#artpager-1596060-1

Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #61 am: 09:55:43 Mi. 10.Oktober 2018 »
Zitat
605 Reichsbürger sollen Schusswaffen besitzen
Medienberichten zufolge stockt die Entwaffnung von verfassungsfeindlichen Reichsbürgern. Hunderte seien noch im Besitz von waffenrechtlichen Erlaubnissen und Waffen.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/reichsbuerger-deutschland-schusswaffen-waffenschein-verfassungsschutzbericht

Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #62 am: 13:15:38 Di. 23.Oktober 2018 »
Zitat
...Telefonate, die Ermittler damals abhörten...

Ein Protokoll hielt das Gespräch fest:

Tom W.: "Heil Hitler!"

Rainer S.: "Jo, Sieg Heil, mein Freund. Du, pass mal off, wir haben jetzt ... so 40 Mann hier am Busbahnhof, und ungefähr 20, 30 Mann sind noch im Anmarsch. Die Zecken (Szene-Jargon für alternative oder linksorientierte Jugendliche und Punks - Anm. d. Red.) sind jetzt vor allem noch in der Stadt. ... Da warten jetzt welche am Ortsausgang, die wollen die Autos abfangen."

Tom W.: "Wie sieht's denn mit Bewaffnung aus?"

Rainer S.: "Wir ham jetzt erst mal rausgekramt, was wir noch da ham. Was die Bullen nich' gefunden ham. Paar Knarren ham wir."

Tom W.: "Ich hab och noch paar Knarren. Ich komm mit. Ich ruf noch paar Leute an, ich denk mal, 60 Mann kriegen wir zusammen. Die Leute, die mir kriegen, die treten wir zusammen, und vielleicht könn' wir paar Schuss in die Beene setzen."

Rainer S.: "... Wir ham och noch bissel was vom Bauhof mitgebracht, paar Werkzeuge."

Tom W.: "Ja und das Zeug, das wir im Kühlschrank versteckt hatten. Klar, die Schweine knalln wir ab."

Abgeknallt wurde damals niemand. Doch verbreiteten die Kameradschaft "Sturm 34" und ihr Vorläufer "Division Sächsischer Sturm" ab 2004 noch bis in die Zeit nach ihrem Verbot von einem Hauptquartier am Mittweidaer Bauhof aus Angst und Schrecken. In Schlägertrupps trat die Gruppe in Erscheinung, im Stil einer gleichnamigen örtlichen SA-Truppe der Nazi-Zeit. Sie zog aus, im Chemnitzer Land "national befreite Zonen" zu schaffen, "zeckenfrei und braun", wie Mitglieder sagten. Stadtpatrouillen gab es und Überfälle auf Jugendklubs, arglose Camper sowie ein Dorffest, generalstabsmäßig geplant. Den Kern der Gruppe bildeten etwa 30 Neonazis. Zum Umfeld zählten die Ermittler rund 150 schnell mobilisierbare Rechtsextreme.
...
Auch sah die Jugendgerichtshilfe bei keinem der Angeklagten mehr "schädliche Neigungen". Sozialprognose positiv! Hatte Tom W. wegen einiger seiner Überfälle zuvor über ein Jahr absitzen müssen, kam er wegen der Bandengründung mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Dass bei ihm auch nach seiner Haft noch ein Angriff auf ein Polizeifahrzeug aktenkundig geworden war, machte niemanden stutzig.

Auch bei dem aus Chemnitz stammenden Rädelsführer Nico T. wurde die gute Sozialprognose nicht hinterfragt. Der damals 23-Jährige, der für "Sturm 34" und eine zugehörige Rechtsrockband Hetzlieder getextet hatte, bekam ein Jahr und drei Monate - auf Bewährung. Um nur zwei Jahre später wieder aufzufallen. In der Verfügung des Verbots der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Chemnitz" (NSC) tauchte Nico T.s Name erneut als einer der 14 Rädelsführer auf. Aus dem Kreis der NSC gab es Verbindungen zum Unterstützer-Netz des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU).

Und nicht nur ins NSU-Umfeld reichten Kontakte. Auch hatte die Kameradschaft NSC zu einer Facebook-Gruppe namens "Revolution-Chemnitz-ANW" Verbindung (das Kürzel ANW steht für "Alternativer Nationaler Widerstand"). Die damals noch nicht identifizierten Betreiber der Facebook-Gruppe warben "mit besonders aggressiver Wortwahl" für Aktionen der Nationalen Sozialisten und für die Volkstod-Kampagne, wie die NSC-Verbotsverfügung 2014 festhielt. Inzwischen gilt die damalige Facebook-Gruppe Ermittlern als Vorläufer der aktuell unter Terrorismus-Verdacht stehenden Chat-Gruppe "Revolution Chemnitz", deren Mitglieder und Anhänger man Anfang Oktober nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft auf Beschluss des Bundesgerichtshofs in Haft nahm.
...
Eine der jüngsten Adressen, unter denen er gemeldet war, stand in Verbindung mit dem früheren Betreiber des Chemnitzer Rechtsrock-Labels "PC Records". Unter dessen Regie wurde im Jahr 2010, also noch vor Auffliegen des NSU, eine CD mit dem NSU-Opfer verhöhnenden Lied "Döner-Killer" produziert. Den "Nationalsozialistischen Untergrund" selbst bezeichnete Christian K. allerdings im Chat als "Kindergartenvorschulgruppe", wie die Wochenzeitung "die Zeit" berichtete.
...
Man kopierte den "Taten-statt-Worte"-Duktus des NSU. "Es ist an der Zeit, nicht nur Worte sprechen zu lassen, sondern auch Taten", stand im Chat.

Ob man bei den Razzien Listen mit Namen oder Anschlagszielen fand, immerhin sind "Schwarze Listen" in der Szene verbreitet, darüber macht die Bundesanwaltschaft auf Anfrage keine Angaben.

Klar scheint, dass sich die Gruppe anschickte, Schusswaffen zu besorgen. Bevorzugte Fabrikate wurden genannt: eine Walther P 99 oder eine Heckler & Koch SFP9M, wie sie von Spezialeinheiten genutzt wird. Über den hohen Preis von 800 Euro wurde beraten. "Preis mache ich nicht, gebe ich nur so weiter", schrieb laut der "Zeit" Tom W. Wenn die Bundesanwaltschaft ihn auch nicht als Rädelsführer sieht, so scheint er demnach mit der Waffenbeschaffung betraut gewesen zu sein. Angesichts des hohen Preises soll Tom W. argumentiert haben, immerhin sei dafür eine echte Pistole drin, nicht nur eine aufgebohrte Schreckschusswaffe.

Dass frei käufliche Schreckschusswaffen in aufgebohrtem Zustand ebenso tödliche Wirkung entfalten können, zeigte der NSU-Fall.
...
https://www.freiepresse.de//nachrichten/deutschland/das-netzwerk-der-revolution-chemnitz-artikel10343790

Rudolf Rocker

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Re:Rechter Terror
« Antwort #63 am: 20:22:01 Di. 23.Oktober 2018 »
Zitat
Dass frei käufliche Schreckschusswaffen in aufgebohrtem Zustand ebenso tödliche Wirkung entfalten können, zeigte der NSU-Fall.
Ja aber nur für den Schützen! Die Dinger sind aus Zinkdruckguss und fliegen beim Abschuss mit "scharfer Munition" garantiert auseinander!

counselor

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Re:Rechter Terror
« Antwort #64 am: 18:18:21 Do. 29.November 2018 »
Zitat
Enthüllung - Faschistisches Terrornetzwerk in der Bundeswehr?

Im Mai 2017 berichtete "Rote Fahne News" über Recherchen der "Süddeutschen Zeitung", nach denen seit Jahren ein faschistisches Netzwerk unter Studenten der Bundeswehr-Universität München bestehe - mit zahlreichen Verbindungen zur faschistischen „Identitären Bewegung“.¹

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw48/gibt-es-ein-faschistisches-netzwerk-in-der-bundeswehr
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counselor

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Re:Rechter Terror
« Antwort #65 am: 07:30:54 So. 02.Dezember 2018 »
Zitat
Feindeslisten von rechtem Netzwerk - „Enorm hohe Gefahr“

Nach taz-Recherchen zum rechten Netzwerk: Opferverbände fordern die Polizei auf, Betroffene zu informieren, die auf Feindeslisten stehen.

Quelle: http://www.taz.de/!5554848/
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Schluepferstuermer

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Re:Rechter Terror
« Antwort #66 am: 09:54:49 So. 02.Dezember 2018 »
lg Schlüpferstürmer

Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
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Wer die CxU und SPD in ihrer Terrorherrschaft gegen das eigene Volk lobt, lobt ihren braungefärbten Nazicharakter!!

Rudolf Rocker

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Schluepferstuermer

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Re:Rechter Terror
« Antwort #69 am: 13:16:00 So. 02.Dezember 2018 »
Die Sendung meinte ich
lg Schlüpferstürmer

Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
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Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #70 am: 10:42:19 Di. 04.Dezember 2018 »
Zitat
Einem Medienbericht zufolge können die Haftbefehle gegen 467 Rechtsextreme nicht vollstreckt werden, weil sie untergetaucht sind. Die Linkspartei fordert die Sicherheitsbehörden zum Handeln auf.
http://www.fr.de/politik/rechtsextremismus/rechtsextremismus-467-rechtsextreme-untergetaucht-a-1632390

Zitat
Terrorismus-Verdacht gegen Rechtsextreme

Der Generalbundesanwalt prüft rechtsterroristische Aktivitäten jenseits der Zelle „Revolution Chemnitz“.
http://www.fr.de/politik/rechtsextremismus/chemnitz-terrorismus-verdacht-gegen-rechtsextreme-a-1619129

Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #71 am: 12:47:40 Mi. 05.Dezember 2018 »
Zitat
Brandserie bei linken Projekten

Auf eine Reihe alternativer Wohnprojekte im Rhein-Main-Gebiet hat es offenbar Brandanschläge gegeben.
http://www.fr.de/rhein-main/kriminalitaet/anschlaege-in-hessen-brandserie-bei-linken-projekten-a-1632931

Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #72 am: 11:30:23 Do. 13.Dezember 2018 »
Zitat
Brandserie in Frankfurt
Linke Szene in Alarmbereitschaft

Eine Reihe mutmaßlicher Brandanschläge auf linke Zentren und Wohnprojekte beschäftigt die Polizei in Frankfurt und sorgt für Unruhe unter den Aktivisten. Nun hat es auch im „Exzess“ in Bockenheim zwei Mal gebrannt.




Zitat
Chronik

14. September 2018


In Schwalbach geht auf dem Gelände des Wohnprojekts „Knotenpunkt“ gegen 23 Uhr zunächst ein Holzunterstand in Flammen auf. Trotz eigener Löschbemühungen der Bewohner und des zeitigen Eintreffens der Feuerwehr greifen die Flammen auf zwei Nebengebäude und das Hauptgebäude des Wohnprojekts über. Die Gebäude werden unbewohnbar. Der Schaden beläuft sich auf mehr als 200 000 Euro. Das Polizeipräsidium Westhessen ermittelt in alle Richtungen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand, so heißt es auf FR-Anfrage, seien weder ein technischer Defekt noch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung als Brandursache auszuschließen. Allerdings sei eine vorsätzliche Brandlegung „wenig wahrscheinlich“.

13. November 2018

Im Garten des seit 35 Jahren besetzten autonomen Zentrums „Au“ in Frankfurt-Rödelheim brennt die Rückwand eines Schuppens. Die Bewohner bemerken das Feuer gegen 22 Uhr und können es selbstständig löschen. Nur 45 Minuten später brennt ein Sichtschutzzaun des ebenfalls ins Rödelheim ansässigen Wohnsyndikatsprojekts „Assenland“.

15. November 2018

Gegen 23 Uhr geht auf dem Gelände der „Au“ eine Gartenhütte in Flammen auf. Erneut können die Bewohner den Brand selbst löschen.

16. November 2018

Bewohner der „Au“ entdecken eigenen Angaben zufolge Brandspuren an den Reifen eines Fahrzeugs, das eindeutig der „Au“ zugeordnet werden kann.

3. Dezember 2018

Auf dem Gelände des Hanauer Wohnprojekts „Schwarze 79“ steht ein als Gartenlaube genutzter Bauwagen in Flammen.

9. Dezember 2018

Gegen 21.30 Uhr bemerken Nutzer des autonomen Zentrums „Exzess“ in Frankfurt-Bockenheim einen Brand an einer Holzverkleidung an der Außenseite des Gebäudes.

10. Dezember 2018

Gegen 21 Uhr bemerken Nutzer des „Exzess“ einen Brand an einer der Eingangstüren zum Theatersaal.

Wachsamkeit hat bislang wohl Schlimmeres verhindert. Bei den Bränden im Umfeld der „Au“ waren es Be- und Anwohner, die die Brände bemerkten. In Hanau hatten sich die Bewohner der „Schwarzen 79“ gerade einen zusätzlichen Feuerlöscher zugelegt. So konnten sie den Brand selbst bekämpfen.

Seit Monaten beklagen linke Einrichtungen – darunter die „Au“ und das „Exzess“ – Stimmungsmache durch CDU, FDP und AfD im Frankfurter Römer. Sollten sich die Brände tatsächlich als Anschlagsserie herausstellen, sei die Grundlage dafür im Frankfurter Römer gelegt worden, so der einhellige Konsens.
http://www.fr.de/frankfurt/brandserie-in-frankfurt-linke-szene-in-alarmbereitschaft-a-1636769

NachbarArsch

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Re:Rechter Terror
« Antwort #73 am: 11:44:24 Do. 20.Dezember 2018 »
Einen Brandanschlag gab es  in Kiel-Gaarden auf den libertären Laden Lieber Anders in dem auch sozialpolitische Projekte wie gaarden solidarisch oder das nara-cafe angesiedelt sind.

Zitat
Brandanschlag auf Ladenfassade des linken Projekts Li(e)ber Anders in Kiel-Gaarden
von: www.antifa-kiel.org am: 20.12.2018 - 00:08

Eine Veröffentlichung vom Verein zur Förderung der politischen Bildung in Gaarden e.V. und der Wagengruppe Schlagloch vom  19.12.2018:

    Brandanschlag auf Ladenfassade des linken Projekts Li(e)ber Anders in Gaarden
    Rechter Hintergrund der Tat offensichtlich
    Bundesweite Reihe von Brandanschlägen auf linke Zentren wird Nutzer*innen nicht einschüchtern

In der Nacht des Mittwoch, 19. Dezember 2018 wurde gegen 1.30 Uhr ein Brandanschlag auf die Außenfassade des linken Treffpunkts Li(e)ber Anders in der Iltisstraße in Kiel-Gaarden verübt. Im äußeren Eingangsbereich entfachten die Täter*innen ein Feuer, dessen Flammen die Eingangstür beschädigten. Ein Schwelbrand sowie die starke Rauchentwicklung griff dabei auch auf das Ladeninnere im Erdgeschoss über. Die von Anwohner*innen alarmierte Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen, bevor das Feuer auf das Wohnhaus übergehen konnte. Dies hätte Gefahr für Leib und Leben der Bewohner*innen der Stockwerke darüber bedeutet.

Die Täter*innen verwendeten als Brennstoff politische Transparente, die schon im Oktober am  alternativen Bauwagenplatz Schlagloch in der Werftbahnstraße entwendet worden sind und entzündeten diese. Ein politischer Hintergrund des Brandanschlags ist damit offensichtlich: Er richtet sich gegen linke Strukturen und Räume in Kiel, aus denen heraus seit Jahren immer wieder auch wichtige antifaschistische Arbeit in dieser Stadt geleistet wird. Dass es sich bei den Täter*innen um rechte Akteur*innen handelt, kann somit als gesichert angesehen werden. Bereits in den vergangenen Wochen wurden wiederholt Nazi-Parolen wie „Rotfront verrecke“ an das Gebäude gekritzelt.

Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich Brandanschläge auf linke und emanzipatorische Räume bundesweit wieder auffällig häufen. Allein im Rhein-Main-Gebiet waren in den letzten Wochen fünf Projekte betroffen, auch in Berlin kam es zu schweren Brandstiftungen. Diese können nicht losgelöst von einem gesellschaftlichen Klima betrachtet werden, das in den letzten Jahren immer weiter nach rechts gerückt ist und die Hetze nicht nur gegen Migrant*innen und Geflüchtete, sondern auch gegen Linke massiv verstärkt hat. Dass diese immer wieder vor allem auch von der sogenannten Mitte entfacht wird, zeigt die aktuell von Bundesinnenminister Seehofer lancierte Debatte um ein Verbot der linken Solidaritätsorganisation Rote Hilfe. Es ist ein bekanntes Muster, dass sich rechte Brandstifter*innen von solchem Rückenwind bemüßigt fühlen, zur Tat zu Schreiten. Auch in Kiel wurde zuletzt öffentlichkeitswirksam gegen die Rote Hilfe gehetzt. Deren Kieler Ortsgruppe trifft sich im Li(e)ber Anders.

Das Li(e)ber Anders ist ein seit zehn Jahren bestehendes, selbstorganisiertes emanzipatorisches Stadtteil-Projekt in Gaarden, dessen Räumlichkeiten von politischen Initiativen genutzt werden und Begegnungsort von Anwohner*innen sind. Hier treffen sich linke Gruppen, hier finden antirassistische Cafés für Menschen mit oder ohne deutschen Pass statt, hier wird Raum bereit gestellt, um Widerstand gegen Verdrängung und Entwürdigung zu entwickeln, hier gibt es aktuelle Informationen aus politischen und sozialen Bewegungen, hier wird gemeinsam gekocht oder Kaffee getrunken – ohne kommerzielle Interessen. Auch der Wagenplatz Schlagloch, den es seit Anfang 2017 auf verschiedenen (besetzten) Flächen Kiels gibt, stellt einen Ort der politischen, kreativen und solidarischen Entfaltung dar. Daran werden auch nächtliche rechte Angriffe nichts ändern. Die Nutzer*innen des L(i)eber Anders sowie die Wagengruppe Schlagloch rufen im Gegenteil dazu auf, die bevorstehenden öffentlichen Veranstaltungen beider Projekte zu Zusammenkünften der ntifaschistischen Solidarität zu machen und ihre Räumlichkeiten mit Leben zu füllen. Am Donnerstag gibt es im und vorm Li(e)ber Anders um 17 Uhr Glühwein für alle.

 
https://de.indymedia.org/node/27227

Das Lieber Anders stellt einen Raum für all das was Nazis hassen. Es ist ein Platz an dem sich Menschen aller sexuellen Orientierungen, Geschlechter, Herkunft oder sozialen Schicht selbstorganisiert und zusammen ihre Rechte Wahrnehmen und für was Besseres kämpfen  können. All das im gegenseitigen Respekt, ohne Hirachien, und vorallem ohne seine Probleme auf Institutionen oder vermeintlich schwächere Schichten abzuwälzen.

Um uns nicht unterkriegen zu lassen und zu zeigen das Projekte wie der liebertäre Laden wichtiger denn je sind, gibt es heute vorm Lieber Anders mit Nutzern,  Gästen und Anwohnern einen Umtrunk.

Kuddel

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Re:Rechter Terror
« Antwort #74 am: 13:43:58 Do. 20.Dezember 2018 »
Es ist kein Einzelfall.
Es werden nicht nur Flüchtlingsheime angegriffen, sondern auch linke Treffpunkte. Das ist eine überregionale Strategie des rechten Terrors.
In Kiel wurde vor einiger Zeit der linke Buchladen Zapata angegriffen und der Bioladen Bio-Gaarden, auch ein Ort des politischen und sozialen Austauschs im "Sozialen Brennpunkt" Kiel-Gaarden. Davor gab es Angriffe auf die Kulturzentren Hansastr.48 und Alte Meierei.

Zitat
Demo gegen Brandserie auf linke Zentren

Das Mietshäuser Syndikat ruft am Samstag anlässlich der aktuellen Brandserie in alternativen Wohnprojekten zu einer Demonstration in Frankfurt auf.


Der lokale Ableger des „Mietshäuser Syndikats“ im Rhein-Main-Gebiet ruft dazu auf, sich an einer Demonstration am kommenden Samstag, 22. Dezember, zu beteiligen. Mit dem Demozug unter dem Motto „Gemeint sind wir alle! Gegen rechte Brandstifter*innen am Schreibtisch und auf der Straße“ wollen linke Gruppen und Initiativen gegen die aktuelle Brandserie in alternativen Wohnprojekten im Rhein-Main-Gebiet und die Drohungen gegen die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz protestieren, in die auch Frankfurter Polizisten verwickelt sein könnten.
http://www.fr.de/frankfurt/brandanschlaege-in-frankfurt-demo-gegen-brandserie-auf-linke-zentren-a-1641448