Autor Thema: Behinderung von BR Gründungen  (Gelesen 6439 mal)

ManOfConstantSorrow

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Behinderung von BR Gründungen
« am: 13:48:15 Do. 03.November 2016 »
Zitat
Arbeitgeber behindern jede sechste Betriebsratsgründung
Kandidaten bedroht, Wahlvorstand verhindert: In vielen Firmen haben Betriebsräte keine Chance. Besonders betroffen sind Bäcker, Fleischer und Fast-Food-Ketten.
http://www.zeit.de/karriere/2016-11/betriebsraete-deutschland-studie-gruendung
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Rappelkistenrebell

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Re:Behinderung von BR Gründungen
« Antwort #1 am: 19:05:50 Do. 03.November 2016 »
Aus: Ausgabe vom 04.11.2016, Seite 5 / Inland

Union-Busting hat Hochkonjunktur
Studie: Störfeuer gegen Betriebsratsgründungen sind in der deutschen Wirtschaft weit verbreitet
Von Ralf Wurzbacher



Hätte das Werttransportunternehmen Prosegur keinen Betriebsrat, müssten sich dessen Geldboten bis heute ihr Pausenbrot bei voller Fahrt einverleiben. 2015 erstreikten sich die Mitarbeiter eine Lohnerhöhung und Gefahrenzulagen
Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Bildfunk

Gäbe es am Mannheimer Standort des Schweizer Pharmakonzerns Roche keinen Betriebsrat, existierte dort wohl auch kein Logistikzentrum mehr. Die Firmenleitung wollte den Bereich vor zwei Jahren auslagern und damit 400 Arbeitsplätze vernichten. Es kam anders: Die Beschäftigtenvertretung wehrte sich erfolgreich und rettete den Werksteil samt der bedrohten Jobs. Hätte das Werttransportunternehmen Prosegur keinen Betriebsrat, hätten dessen Geldboten bis heute keine festen Pausenzeiten – was in der Branche die Regel ist. Die beiden Fälle sind zwei von 14 Projekten, die für den Deutschen Betriebsräte-Preis nominiert sind. Verliehen wird dieser auf dem Betriebsrätetag, der vom 8. bis 10. November in Bonn stattfindet. Wie hart Verbesserungen erkämpft werden müssen, beleuchtet eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Danach ist es verbreitete Praxis unter Unternehmern, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern bzw. deren Arbeit zu erschweren. So hat eine Befragung unter 159 hauptamtlichen Gewerkschaftern der IG Metall, der IG BCE und der NGG im vergangenen Jahr ergeben, dass davon mehr als die Hälfte von Fällen wussten, in denen Initiativen für Betriebsratswahlen gezielt torpediert wurden. Besonders oft geschieht dies offenbar im Nahrungs- und Genussmittelsektor. Dort hatten 76 Prozent der Befragten Kenntnis von entsprechenden Störfeuern, in der Metall- und Elektroindustrie 53 Prozent und im Bereich Bergbau, Chemie, Energie 43 Prozent.

Insgesamt wussten die Gewerkschafter von 221 Betrieben zu berichten, in denen es zu Behinderungen gekommen ist. In einem Drittel der Fälle soll die Wahl eines Betriebsrats vereitelt worden sein. Maßnahmen gegen die Tätigkeit gewählter Gre­mien sind der Untersuchung zufolge in 92 Unternehmen ergriffen worden. Die beiden Forscher Martin Behrens und Heiner Dribbusch haben die Zahlen hochgerechnet. Danach kam es in den Organisationsbereichen der IG BCE und der IG Metall in 1,7 Prozent aller zwischen 2013 und 2015 erfolgten Betriebsratswahlen zu »Obstruk­tionsversuchen des Managements«. Im Falle letztlich erfolgreicher Neugründungen lag die Quote demnach gar bei 16,3 Prozent.

Die Wissenschaftler brachten auch in Erfahrung, zu welchen Methoden Unternehmer greifen. Am häufigsten setzten Vorgesetzte demnach auf Einschüchterung, etwa durch Drohung mit Versetzung oder Rausschmiss. Um der Geschäftsführung wohlgesinnte Kandidaten durchzusetzen, würden Gerüchte gegen unbequeme Bewerber gestreut oder Versuche unternommen, diese mit Bestechung zum Verzicht auf ihre Kandidatur zu bewegen. In einem Fünftel der betroffenen Unternehmen erhielten Kandidaten die Kündigung, bei 13 Prozent erhielten Mitglieder des Wahlvorstandes die Entlassungspapiere. In 20 Prozent der Fälle wurde der zuständigen Gewerkschaft der Zugang zum Betrieb verwehrt.

Wie sehr das sogenannte Union Busting inzwischen selbst zu einem florierenden Geschäftszweig geworden ist, verdeutlicht folgendes: In rund der Hälfte der in der WSI-Auswertung aufgeführten Fälle haben die fraglichen Unternehmer bei ihren Störaktionen Hilfe durch Anwaltskanzleien und andere externe Berater in Anspruch genommen. Die Ergebnisse unterstrichen, wie wichtig ein umfassender gesetzlicher Schutz vor Eingriffen des Managements ist, erklärten die Autoren. Wünschenswert wäre vor allem, dass bereits bei der Vorbereitung von Betriebsratswahlen »alle beteiligten Beschäftigten vom ersten Tag an vor Kündigungen geschützt werden«.

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann forderte angesichts der Ergebnisse eine härtere Bestrafung undemokratischer Unternehmer. Künftig müssten »neben höheren Ordnungs- und Zwangsgeldern auch Haftstrafen gegen solche Arbeitgeber verhängt werden«. Krellmanns Partei fordert unter anderem eine Überarbeitung des Betriebsverfassungsgesetzes, um Betriebsratsarbeit zu schützen.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/11-04/022.php
Gegen System und Kapital!


www.mlpd.de

dagobert

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Re:Behinderung von BR Gründungen
« Antwort #2 am: 18:26:56 Fr. 23.Juni 2017 »
Gesammelte Werke auf arbeitsunrecht.de:
Zitat
Presseschau: Betriebsrats-Bekämpfung in Deutschland

H&M / Tübingen: Betriebsratsvorsitzender unter Beschuss | Soli-Aktion von verdi
Fressnapf / Krefeld: 7 Kündigungen wegen geplanter Betriebsratswahl
Stürmer / Hallstadt: Betriebsratswahl per Kündigungen verhindert
Jungfer GmbH / Herzberg: Betriebsratsvorsitzende gefeuert
DB-Regio / Deutschland: Halbierung der Betriebsratsmandate geplant
https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-4-17/

dagobert

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Re:Behinderung von BR Gründungen
« Antwort #3 am: 22:42:46 Do. 22.Februar 2018 »
Union Busting auf kreative Art:
Zitat
Nordsee hat reihenweise Betriebsratsmitglieder zwangsbefördert, damit sie als Führungskräfte nicht mehr wählbar sind. Dahinter steckt einer der unsympathischsten deutschen Unternehmer: Theo Müller (Müller Milch).
gefunden im aktuellen Newsletter von aktion arbeitsunrecht